1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.
In Darmstadt gab oder gibt es insgesamt zwölf Bahnhöfe bzw. Stationen. Fünf Bahnhofsgebäude sind wieder abgerissen worden – die beiden alten Bahnhöfe, der Bessunger Bahnhof, sowie in Arheilgen und Kranichstein. Auf dieser Seite gibt es erst einmal Bilder und einführende Informationen zu all diesen Stationen. Deren zum Teil wechselvolle Geschichte wird nach und nach ergänzt.
Ein Dank geht an Ralph Völger, der meine Zweifel weckte, ob der Bahnhof Bessungen schon 1895 in Südbahnhof umbenannt wurde oder doch erst einige Jahre später. Das Amtsblatt der Preußisch-Hessischen Eisenbahnverwaltung half, die Zweifel zugunsten der Jahreszahl 1902 zu beseitigen.

Bahnhof Arheilgen. Das 1937 eingemeindete Arheilgen ist seit 1848 mit einer eigenen Bahnstation an die Main-Neckar-Bahn von Frankfurt nach Heidelberg/Mannheim angeschlossen. Diese lag rund 600 Meter nördlich des späteren, am 1. Oktober 1894 in Betrieb genommenen Bahnhofsgebäudes und schloß neben Arheilgen auch Wixhausen an das sich entwickelnde Bahnnetz an. Der Güterverkehr wurde am 22. Juni 1876 aufgenommen.
Das Bahnhofsgebäude wurde fast einhundert Jahre später im Zuge des Baus der Umgehungsstraße Arheilgen (B3 neu) und der damit verbundenen Schließung des Bahnübergangs an der Weiterstädter Straße am 10. März 1994 gesprengt und anschließend abgerissen.
Die heute viergleisige Anlage wird auf drei Gleisen vom durchfahrenden regionalen und Fernverkehr genutzt. Das vierte Gleis dient seit Juni 1997 den beiden S-Bahn-Linien S3 (Darmstadt bzw. Langen nach Bad Soden) und S4 (Darmstadt bzw. Langen nach Kronberg) in beiden Fahrtrichtungen. Auf der linken Seite in Höhe der vor den Intercity gespannten Lokomotive befindet sich das Stellwerk „Af“. [1]

Bahnhof Bessungen / Südbahnhof. Der an der Main-Neckar-Bahn gelegene Bahnhof Bessungen wurde am 15. Oktober 1879 als Personenhaltestelle eröffnet und am 1. Mai 1895 bei der Einrichtung einer Güterstation nur für den Güterverkehr in Südbahnhof umbenannt. Die amtliche Umbenennung der für den Personenverkehr eingerichteten Station in „Darmstadt Südbf. (Bessungen)“ erfolgte erst am 27. November 1902. Er wurde 1912 infolge der Verlagerung der Strecke nach Westen geschlossen und bald danach abgerissen. Bessungen wurde 1888 nach Darmstadt eingemeindet.

Bahnhof Eberstadt. An dieser an der Main-Neckar-Bahn gelegenen Station zweigte ab Dezember 1886 die Stichbahn nach Pfungstadt ab. Am 30. April 1955 wurde die Personenbeförderung eingestellt. Güterverkehr gab es noch einige Zeit länger. Die Reaktivierung dieser vor dem 1. Weltkrieg recht lukrativen Nebenbahn ist für die nähere Zukunft als Verlängerung der Odenwaldbahn geplant. Drei Gleise verteilen sich auf zwei Bahnsteige. In der Regel hält hier pro Stunde jeweils eine Regionalbahn nach Norden und Süden. Eberstadt wurde 1937 eingemeindet.

Hauptbahnhof. Nachdem die beiden Bahnhöfe am heutigen Steubenplatz für den angewachsenen Personenverkehr zu klein geworden waren, wurde 1912 ein neuer Hauptbahnhof am damaligen westlichen Stadtrand fertiggestellt. Der Artikel in der Wikipedia gibt einen ausführlichen Überblick über die Entstehung und die Geschichte dieses Bahnhofs, sowie zu seiner heutigen Nutzung. 1914 wurde der frisch eingeweihte Bahnhof im „Handbuch für Ingenieurwissenschaften“ als Musteranlage bezeichnet.
Mittels eines Steges, der von fünf Türmen getragen wurde, waren die Gleisanlagen unmittelbar mit dem Hauptpostamt verbunden. Der Poststeg wurde 1994 abgerissen, nachdem kein Investor für die nicht gewinnbringend zu sanierende Anlage gefunden werden konnte und die Stadt Darmstadt nicht eine von der Bahn geforderte Million DM für zusätzliche Investitionskosten beim bevorstehenden Bau der S-Bahn erbringen wollte. Belange des Denkmalschutzes wurden ignoriert.
Eine Besonderheit stellt das Stellwerk des Hauptbahnhofs dar, das am östlichen Ende der Dornheimer Brücke in den Wasserturm integriert war. Es wurde am 29. Oktober 1972 durch einen Neubau an der gegenüber liegenden Straßenseite ersetzt. Mit dem in der Spurplan-Technik SpDrS 60 errichteten Stellwerk war es möglich, Signalanlagen bis zu einer Entfernung von sechseinhalb Kilometern fernzusteuern. Diese Rationalisierungsmaßnahme reduzierte die Zahl der benötigten Stellwerke von zwölf auf zwei und reduzierte das Bedienungspersonal – wie Siemens stolz feststellte – um 47 Personen von ehemals 69 auf 22; eine Personaleinsparung von zwei Dritteln. Anfang 1968 wurde noch mit der Inbetriebnahme des neuen Stellwerks im Frühjahr 1970 gerechnet, Ende 1968 hieß es „spätestens im Jahr 1971“.
»» Gleisplan des Darmstädter Hauptbahnhofs mit Gleisvorfeld und Güterbahnhof als PDF.

Bahnhof Kranichstein. Schlicht und einfach präsentieren sich die Gleisanlagen am Haltepunkt Kranichstein. Der Regionalverkehr wird auf zwei Gleisen abgewickelt. Der ehemals vom Ludwigsbahnhof hierher ausgelagerte Güterverkehr wurde weitgehend eingestellt. Jenseits der Gleisanlagen erinnert das Eisenbahnmuseum Kranichstein daran, daß Kranichstein mehr war als ein unwichtiger Haltepunkt an der Darmstädter Peripherie. Die an der 1858 eröffneten Strecke von Darmstadt nach Aschaffenburg gelegene Station erhielt 1896 ein zweistöckiges Bahnhofsgebäude, das Ende 1979 abgerissen wurde.

Haltepunkt Lichtwiese. Zur besseren Erschließung der auf der Lichtwiese gelegenen Außenstelle der TU Darmstadt wurde im Juni 2007 an der in der Nähe verlaufenden Odenwaldbahn ein eigener Haltepunkt eröffnet. Die zweigleisige Streckenführung wurde zwar schon beim Bau dieses Teilstücks der Odenwaldbahn vorgesehen, jedoch nur zwischen Darmstadt Nordbahnhof und Darmstadt Ostbahnhof realisiert.

Ludwigsbahnhof. 1858, bei der Eröffnung der Main-Rhein-Bahn, nutzte die Hessische Ludwigsbahn die Bahnanlagen der Main-Neckar-Bahn. Der einzige „Komfort“, der sich auf einem alten Foto von der Kopfstation der Hessischen Ludwigsbahn erkennen läßt, bestand in einem überdachten Bahnsteig. Diese viergleisige Anlage (zwei Bahnsteiggleise und zwei Rangiergleise) wurde 1869/71 infolge der Inbetriebnahme der Riedbahn und der Odenwaldbahn überlastet. Am 15. Juli 1872 wurde daher der Dienst in einem provisorischen eigenen Bahnhofsgebäude aufgenommen, das wir uns wohl recht einfach werden vorstellen dürfen. Gleichzeitig wurden die Erd- und Maurerarbeiten für das „definitive Stationsgebäude“ ausgeschrieben. Im Jahr darauf wurde mit dem Bau des Ludwigsbahnhofs als Kopfbahnhof begonnen, der am 15. Oktober 1875 pünktlich mit Beginn des Winterfahrplans in Dienst gestellt wurde. Bis zum Umzug der beiden innenstadtnäher gelegenen Bahnhöfe zum Hauptbahnhof diente er als Umsteigebahnhof für die Hessische Ludwigsbahn bzw. deren hessisch-preußischen Nachfolger. Nach 1912 wurde das Bahnhofsgebäude – wie das der Main-Neckar-Bahn – durch städtische und staatliche Behörden genutzt.
In den 1920er und 1930er Jahren waren hier als städtische Dienststellen das Kaufmanns- und Gewerbegericht, das Sühnegericht, die städtische Kriegsfürsorge, die Kriegshinterbliebenenfürsorge, die Kriegsbeschädigtenfürsorge, das Mieteinigungsamt, der Schlichtungsausschuß, das Wohlfahrtsamt, das Jugendamt und das Versicherungsamt untergebracht.
Aufgrund der Zerstörungen durch alliierte Bomberverbände im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude wohl Anfang 1955 abgerissen. Präzise, wie gutinformierte Zeitzeugen zuweilen sein können, lassen sie ein halbes Jahrhundert später die nach Information Suchenden etwas ratlos zurück. Das 1986 von der lokalen Konkurrenz aufgekaufte und drei Monate später eingestellte Darmstädter Tagblatt schrieb am 16. März 1955 unter ein Bild vom Abriß des Main-Neckar-Bahnhofs:
„Nachdem kürzlich die Ruine des Ludwigsbahnhofes am Steubenplatz abgetragen wurde, sind nun die Bagger dabei, auch den ehemaligen Main-Neckar-Bahnhof verschwinden zu lassen (unser Bild). An dieser Stelle soll, im Anschluß an das Gebäude des Landratsamtes, das Hauptzollamt Darmstadt entstehen. Ein zweites öffentliches Gebäude wird sich daran anschließend bis etwa zur Mornewegstraße erstrecken. Auf dem bereits geräumten Gelände des ehemaligen Ludwigsbahnhofes ist die Errichtung des Gebäudes für den Oberrechnungshof des Landes Hessen in Erwägung gezogen.“
Vielleicht bin ich ja auch nur etwas spitzfindig. Aber was bedeutet hier das Wort „kürzlich“? Vor einigen Tagen, Wochen, gar Monaten? – Seit 1987 steht etwa an dieser Stelle das Landessozialgericht und sorgt mit der kuriosen Beschriftung der Häuser am Steubenplatz immer wieder für Verwirrung. Die Hausnummern wurden nämlich gegen den Uhrzeigersinn vergeben. Die Kunsthalle trägt die Nummer 1, das Haus „Kohlen-Schneider“ die Nummer 12, und dann geht die Sucherei los, weil der Platz größer scheint als er ist. Das nördliche Ende des Platzes firmiert nämlich als Reminiszenz an vergangene Tage als „Am Alten Bahnhof“. Und anstatt sich umzuschauen, wo sich denn die Nummer 14 des Gerichts befinden könnte, fragen die Ortsfremden in ihrer Verzweiflung jede und jeden, die sie finden können.
Die Dachkonstruktion der Bahnsteige („Bahnsteighalle“) wurde nach dem Ersten Weltkrieg in Darmstadt abgebaut und in den Bahnhöfen Buchschlag-Sprendlingen und Langen wiederverwendet. „Die leicht geschwungene Konstruktion ist ein Beispiel für die Verbindung von funktioneller Form und ästhetischem Anspruch in der Ingenieursarbeit des vorigen Jahrhunderts.“ In Langen wird die Dachkonstruktion von den Stützen der Bahnsteighalle der Main-Neckar-Bahn getragen. [2]

Main-Neckar-Bahnhof. Der Darmstädter Bahnhof der Main-Neckar-Bahn wurde 1846 fertiggestellt. Die Gleisanlagen waren auf einen durchgehenden Verkehr von Frankfurt nach Heidelberg bzw. Mannheim ausgerichtet, weshalb Darmstadt zunächst keinen Kopfbahnhof erhielt. Die Stützen der Bahnsteighalle wurden nach 1912 für eine Bahnsteigüberdachung des Langener Bahnhofs genutzt. 1861 erhielten die Bahnhofsanlagen „eine grosse Bahnsteighalle aus Eisen und Glas“ (Ferdinand Scheyrer), 1871 wurde der Südteil der Station nach Westen erweitert. 1873 wird das Beamtenwohnhaus erbaut und bezogen. Das Bahnhofsgebäude wurde 1877 über den Wartesälen und den Pavillons um ein Stockwerk aufgestockt. Am 17. Mai 1891 wurde ein Fußgängertunnel für die Landstraße nach Griesheim und Mainz (damals einfach „Allee“ genannt, heute Rheinstraße) eröffnet. 1892 wird das Haus Rheinstraße 49 erworben, um weitere Diensträume für die Main-Neckar-Bahn zu schaffen.
In Darmstadt leben die sogenannten „Heiner“ und ihr Dialekt erwies sich für eine ordnungsgemäße Zugabfertigung als problematisch. Walter Meisel beschreibt diesen Sachverhalt so:
„Schwierig war dies Wort mit dem ‚r‘ in der Mitte für den echten Heiner, denn das ‚r‘ war und bleibt nun einmal eine schwache Seite seiner Zunge. Ja, auch beim Haupt- und Residenzwort ‚Darmstadt‘ fiel es häufig aus. Wie man sich erzählt, ging das der hohen Obrigkeit dann doch zu weit, schließlich war Hochdeutsch die Amtssprache und nicht Heinerdeutsch. Es sollen daher die Herren Condukteure der Ludwig- und der Main-Neckar-Bahn ernstlich angewiesen worden sein, beim Ausrufen des Stationsnamens das ‚r‘ klar und betont auszusprechen.
Wie es halt so kommt: einer kriegts immer in die falsche Kehle! Und ab sofort rief ein ganz Eifriger: ‚Startion Damstardt‘.“ [3]
Nach 1912 wurde der Bahnhof mit der Einweihung des neuen Hauptbahnhofs anderweitig genutzt. In den 1920er Jahren sind hier Dienststellen der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft untergebracht, spätestens 1927 die Reichsbahn-Verkehrskontrolle II. Während des Nationalsozialismus wurde das Gebäude in Jakob-Sprenger-Haus umbenannt und seit 1936/37 für die NS-Volkswohlfahrt genutzt. Infolge der Kriegszerstörung („Brandnacht“ 1944) wurde es im März 1955 abgerissen.
Klaus Honold schreibt über eine bemerkenswerte Zwischennutzung in der Nachkriegszeit:
„Der Ludwigsbahnhof, immerhin, diente 1947/48 der von Samuel Batalion gegründeten und geleiteten Betar-Schule, in der junge jüdische Überlebende des Holocaust auf die Alijah, die Auswanderung nach Palästina, vorbereitet wurden. Die Vermittlung handwerklicher und landwirtschaftlicher Kenntnisse stand dabei im Vordergrund. Als 1948 die letzten vierzig Schüler nach der Staatsgründung Israels Darmstadt verließen, wurde die Schule geschlossen.“ [4]
Auf einer Webseite zur Professional School Darmstadt 1947-48 wird jedoch der Main-Neckar-Bahnhof als Schulgebäude genannt; und er war es auch.
»» Am 27. Januar 2011 wurde in der Darmstädter Heinrich-Emanuel-Merck-Schule eine Ausstellung über die jüdische Berufsfachschule „Masada“ eröffnet, die sowohl ausleihbar ist, deren Tafeln jedoch auch im Internet anzuschauen bzw. herunterzuladen sind.

Nordbahnhof. Durch den Neubau des Hauptbahnhofs und die damit verbundenen Gleisverlegungen wurde auch die Odenwaldbahn sowie der östliche Ast der Main-Rhein-Bahn verlegt. Die früher entlang des heutigen Rhönrings verlaufende Odenwaldbahn wurde auf weiter nach Norden ausholenden Gleisen geführt. Mit dem 1912 fertiggestellten Nordbahnhof wurde das Firmengelände von Merck an den lokalen und regionalen Personenverkehr angebunden. Heute verkehren hier auf zwei Bahnsteigen und vier Gleisen die Züge Richtung Aschaffenburg und in den Odenwald. Eine neugeschaffene Gleisverbindung ermöglicht seit 2005 den durchgehenden Zugverkehr vom Odenwald nach Frankfurt, ohne in Darmstadt Hauptbahnhof umsteigen zu müssen. Im Zuge der Modernisierung der Strecke wurde das 1988 abgebaute westliche Gleis zwischen Darmstadt Nordbahnhof und Darmstadt Ostbahnhof reaktiviert.
Die beiden Personenbahnsteige besitzen zwei unterschiedliche Dachkonstruktionen. Während der Bahnsteig für die Main-Rhein-Bahn nüchtern und funktional wirkt, wurde für den Bahnsteig der Odenwaldbahn eine Dachkonstruktion unbekannter Herkunft wiederverwendet.

Station Rosenhöhe / Ostbahnhof. 1869 wurde an der Odenwaldbahn für den Ausflugsverkehr die Station Rosenhöhe errichtet, die später in Ostbahnhof umbenannt wurde. Heute befinden sich an zwei Bahnsteigen drei Gleise, wobei das dritte Gleis nicht Richtung Nordbahnhof weitergeführt wird und als Abstellgleis dient.
Zwischen 1897 und 1966 bediente von hier aus eine Stichbahn Roßdorf und Groß-Zimmern. 1980 wurde der Güterverkehr zwischen Roßdorf und Groß-Zimmern eingestellt, 1982 wurde auch die restliche Strecke stillgelegt. Von (etwa) 1980 bis 1983 gab es eine zum Teil erbittert geführte Auseinandersetzung zwischen einem Lager, das, wenn überhaupt, die Trasse als Straßenbahnlinie nutzen lassen wollte, und einam anderen, das hier gerne eine Museumseisenbahn dampfen lassen wollte. Sogar eine Dreischienenlösung wurde in die Diskussion eingebracht. Eine Wählergemeinschaft aus Groß-Zimmern und eine Bürgerinitiative (pro Straßenbahn) wollten nicht durch Ruß und Lärm einer Dampflok gestört werden. Ende April 1983 fanden zwei Demonstrationsfahrten zum Erhalt der Strecke als Museums-Eisenbahn statt, vergeblich. Die Bundesbahn wollte ihre Bahnlinie dann doch nicht an die Kranichsteiner Eisenbahnfreunde verkaufen, und eine Straßenbahnlösung fand keine genügende Unterstützung, wohl auch, weil sie als zu teuer angesehen wurde. Solch ein Argument spielt beim Straßenbau selbstredend keine Rolle, da wird planiert und asphaltiert, was das Zeug hält.
Im Januar und Februar 1984 wurden die Gleise vom Bessunger Forsthaus bis Groß-Zimmern abgebaut; die Trasse ist jedoch weitgehend für eine eventuelle neue Nutzung freigehalten worden. Eine von der Dadina in Auftrag gegebene Studie kam 2003 zu dem Ergebnis, daß dem Bau einer Straßenbahnlinie auf der alten Trasse ein verdichteter Busverkehr aus dem östlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg nach Darmstadt vorzuziehen sei. Die Empfehlung lautete allerdings zusätzlich, die Trasse weiterhin freizuhalten, um sich für die Zukunft die Option einer Straßenbahn nicht zu verbauen.
In den Sommermonaten verkehrt zwischen hier und dem Bessunger Forsthaus eine Museumseisenbahn. Das Bahnhofsgebäude steht leer und wird im gründlich sauberdeutschen Stadtgespräch als „Schandfleck“ geführt. Eine Nutzung durch Vereine oder restaurationswillige Dritte wird diskutiert. Daß dem Oistbahnhof vor einem halben Jahrhundert noch eine wichtige Verkehrsfunktion zugesprochen wurde, mag folgende Meldung aus dem Griesheimer Anzeiger vom 1. September 1959 belegen:
„Der Darmstädter Ostbahnhof, der gewissermaßen die Eisenbahn-Eingangspforte zum Odenwald ist und einen außerordentlich starken Verkehr hat, wird gegenwärtig einem umfassenden Umbau unterzogen. Es entsteht eine neue Schalterhalle. Auch der Wartesaal und die Bahnhofsgaststätte werden renoviert. Der Ostbahnhof war schon lange unzulänglich. Mehr wie einmal hatte die Stadt auf die Renovierung des Bahnhofes gedrängt.“
Informativ zum Ostbahnhof ist auch die private Webseite www.bahnhof-muehltal.de über die Odenwaldbahn von Oliver K. [5]
2010/11 wurde das Bahnhofsgebäude von einem, wie das heutzutage so trendisch heißt, „Investor“ gekauft, renoviert und hierbei ein Fahrradgeschäft integriert.

Südbahnhof. Der an der Main-Neckar-Bahn gelegene ehemalige Bahnhof Bessungen wurde am 15. Oktober 1879 für den Personenverkehr eröffnet, 1895 kam auch Güterverkehr hinzu. Inoffiziell (Personen) und offiziell (Güter) wurde seit 1895 als Südbahnhof bezeichnet. Mit der Übergabe der Main-Neckar-Bahn an die Preußisch-Hessische Eisenbahnverwaltung 1902 wurde auch der Personenbahnhof ab dem 27. November 1902 offiziell in Südbahnhof (mit Bessungen in Klammern) umbenannt. Er mußte 1912 infolge des Neubaus des Hauptbahnhofs an seinen heutigen Standort verlegt werden. Hier scheint der Zahn der Zeit ganz kräftig zu nagen. Wie beim Eberstädter Bahnhof hält auch am Südbahnhof pro Richtung stündlich in der Regel nur ein Zug.

Bahnhof Wixhausen. Das 1977 eingemeindete Wixhausen erhielt erst 41 Jahre nach der Eröffnung der Main-Neckar-Bahn am 1. Oktober 1887 einen eigenen Haltepunkt. Zuvor waren die Bewohnerinnen und Bewohner Wixhausens auf die zwischen Arheilgen und Wixhausen gelegene Station Arheilgen angewiesen. Das aus dieser Zeit stammende Bahnhofsgebäude schien Ende der 1990er Jahre seinem Abriß entgegenzusehen, als es von der Deutschen Bahn nicht länger benötigt wurde. Für den S-Bahn-Verkehr zwischen Darmstadt und Frankfurt reicht beim derzeitigen Halbstundentakt das Gleis auf der gegenüberliegenden Bahnsteigseite aus. Zwischen diesem und dem Bahnhofsgebäude verlaufen die beiden Gleise des Regional- und Fernverkehrs. Die Stadt Darmstadt erwarb das Gebäude 2001 für rund 200.000 Euro. Nachdem es zwischenzeitlich als Jugendzentrum im Gespräch war, wird es seit Dezember 2007 vom Verein Arheilger Kunstfabrik genutzt.
Ein vermutlich nach ähnlichem Muster errichteter Typenbau stand als Bahnhofsgebäude in Wolfskehlen an der Strecke von Goddelau-Erfelden nach Darmstadt. Er wurde 1944 durch einen alliierten Bombenangriff zerstört. Im Unterschied zum Wixhäuser Bahnhof besaß er an seiner Querseite nur zwei statt (hier auf der nicht einsehbaren gegenüber liegenden Seite) drei Fenster.
»» [1] Die Angaben zur Arheilger Bahnstation sind nicht einheitlich und deshalb mit Vorsicht zu betrachten.
»» [2] Zitat aus: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hg.) : Kreis Offenbach, Seite 59. Ähnlich auf Seite 195. Mit dem „vorigen“ Jahrhundert ist das 19. Jahrhundert gemeint. – Zu den Stützen siehe: Karl Aßmann und Wolfgang Bleiweis : Eisenbahnknoten Darmstadt im Wandel der Zeiten, Seite 11.
»» [3] Walter Meisel : „Startion Damstardt“, Seite 5–6.
»» [4] Klaus Honold : Landessozialgericht sucht alte Fotos vom Steubenplatz, in: Darmstädter Echo (online) am 9. Juni 2010. Es hat mich schon irritiert, daß Klaus Honold, dessen Kompetenz in der jüngeren Darmstädter Geschichte unbestreitbar ist und der die beiden Bahnhöfe auseinander zu halten weiß, hier den falschen Bahnhof nennt.
»» [5] Zumindest verrät er uns in seinem Impressum nicht, wie er heißt. Angesichts der allgemeinen Datensammelwut verständlich; andererseits ist es nun wirklich nicht schwer, den Eigentümer der Domain herauszubekommen.
»» [6] Die Jahresangabe 1918 ist vermutlich ein Versehen, im Artikel von Annette Wannemacher vom 6. Mai 1994 wird wohl richtig 1912 genannt.
Diese Seite wurde zuletzt am 11. November 2011 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. © Walter Kuhl 2001, 2008, 2011. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.
Die Karten zur Riedbahn entstammen den OpenStreetMap-Projekt und stehen unter der Creative Commons Attribution Share Alike-Lizenz 2.0. Sie können daher unter denselben Lizenzbedingungen auch in der von mir veränderten Form verwendet werden.
Die Postkarte mit dem Motiv des Ludwigsbahnhofs habe ich auf der Webseite von Donna Guiffre gefunden.
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