Karte zur Riedbahn. Lage des Stellwerks.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Das Stellwerk an der Hammelstrift

Einige Ansichten

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenab­schnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Auf dieser Seite stelle ich ergänzend zur Seite über die alte Gleiskurve vom Ludwigsbahnhof bis zum Weiterstädter Exerzierplatz weitere Ansichten auf das Stellwerk an der Hammelstrift vor, über das der Verkehr auf der Main-Rhein-Bahn, der Riedbahn und der Verbindungsbahn nach Kranichstein gelenkt wurde. Das Gebäude wurde im Dezember 2010 abgerissen.

»»  Der Ort des Stellwerks an der Hammelstrift ist auf dem Lageplan von 1906 mit der Sigle [⇒ E1] eingezeichnet.


Das Stellwerk

Stellwerk Hammelstrift.
Bild 1: Ansicht von Süden an den Gleisen der Verbindungsbahn.

Das Stellwerk an der Hammelstrift bot sich zuletzt in einem herunterge­kommenen und trostlosen Zustand dar. Vom zweigeschossigen Bau war das Untergeschoß nur im Winter zu sehen, wenn das Grün verwelkt ist.

Auf Lageplänen des 19. Jahrhunderts ist dieses Stellwerk oftmals als „Hst.“ markiert. Dies bedeutet jedoch nicht, daß hier im regulären Personendienst auch Züge zum Ein- und Aussteigen gehalten hätten. Vermutlich handelt es sich eher um eine Dienstbezeichnung für das Gebäude in seiner Funktion, nicht aber in seiner realen Nutzung. Schwieriger ist schon die Frage zu beantworten, ob der auch anzutreffende Begriff einer Blockstelle tatsächlich eine Blockfunktion beinhaltete, oder ob mit dem Stellwerk einfach nur die Weichen für die Strecken nach Darmstadt, Worms, Mainz und Kranichstein gestellt wurden.

Stellwerk Hammelstrift.
Bild 2: Ansicht von Norden.

Aufbauten auf dem Grundstück lassen die Vermutung zu, daß das Gelände zwischen­zeitlich als Hundeabrichte­platz genutzt wurde. Eigentümer des Grundstücks ist die Firma Merck.

Die Benennung nach der Hammelstrift ist darauf zurückzuführen, daß die Hammelstrift im 19. Jahrhundert nicht, wie heute, auf Kranichstein beschränkt war. Sie führte von Weiterstadt am Nordrand der Darmstädter Gemarkung entlang bis nach Kranichstein; und somit stand dieses Stellwerk tatsächlich an diesem Weg, der heute Täubches­höhlenweg genannt wird.

Stellwerk Hammelstrift.
Bild 3: Eine weitere Außenansicht.

Zufälligerweise fanden auf dem Gelände des ehemaligen Stellwerks und des benachbarten frühreren Streckenwärter­hauses Gartenarbeiten statt, als ich an einem bedeckten Herbsttag mit dem Fahrrad vorbeikam. Das Gelände stand offen und erlaubte einen näheren Blick.

Stellwerk Hammelstrift Innenansicht.
Bild 4: Innenansicht.

Ein Blick nach innen zeigt nicht nur die zugemauerten Fenster, sondern auch den Versuch, den Einsturz der Dachkon­struktion zu verhindern. Eine Renovierung wäre wohl nur mit erheblichem Aufwand möglich gewesen. Aber dieses historische Gebäude dann gleich abzureißen?

Stellwerk Hammelstrift.
Bild 5: Seitenansicht.

Ob der Anbau original ist oder erst später erfolgte, wird wohl erst ein Blick auf den Originalbau­plan zeigen. Rechts davon erkennen wir ein Fenster des Untergeschosses.

Der nachfolgende Plan stammt aus dem Jahr 1955. Der heutige Täubches­höhlenweg heißt noch Hammelstrift; und diese Hammelstrift verlief einstmals von der Gemarkungs­grenze zu Weiterstadt bis nach Kranichstein. Das ehemalige Stellwerk Hammelstrift („S“) dient laut Plan als Werkstatt der Signalmeisterei. Daneben mit der Hausnummer 7 stand ein Wohnhaus, das – wie ein Luftbild aus dem Jahr 1927 zeigt – vermutlich dreigeschossig gewesen ist. Es soll später abgebrannt sein. Darmstädter Adressbücher zu Ende des 19. Jahrhunderts weisen der „Haltestelle Hammelstrift“ die Hausnummer 7 des Sensfelder­weges zu.

Planausschnitt.

Abbildung 6: Lageplan der Deutschen Bundesbahn von 1955.


Das Bahnwärterhaus

Westlich des Stellwerks befand sich ein Bahnwärter­haus („B“) mit zwei angrenzenden Ställen; es trug die Hausnummer 6, die bis zum Abriß an der Hauswand zu erkennen war. Das erste Bild zeigt das Ensemble, das zweite das Bahnwärterhaus, das dritte den auf dem Plan allein stehenden Stall und das vierte die Hausnummer. (Bild 7 bis 10.)

Bahnwärterhaus und Stall. Bahnwärterhaus. Stall. Hausnummer 6.

Bilder 7 bis 10 zeigen das zugehörige Bahnwärterhaus am heute durch ein Drängelgitter abgesicherten Bahnübergang zur Siedlung am Wöhlerweg. Mit dem Fahrrad ist noch recht leicht über die Gleise zu kommen, aber wehe, eine oder jemand hat am Fahrrad einen Anhänger oder führt gar einen Kinderwagen mit sich. Pas de chance!

Heute steht auf dem Gelände eine Taubenstation, die dumme Tauben einfangen soll, die sich versehentlich vom dort ausgestreuten Futter haben ködern lassen, anstatt in der Innenstadt ihrem Broterwerb nachzugehen. Daß Tauben doch nicht so dumm sind, wie manche Planer meinen, zeigt sich daran, daß selbiger Taubenschlag zufälligerwerise immer dann, wenn ich dort vorbeikomme, gähnend leer ist. Was ich von dieser städtischen Taubenpolitik halte, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.


Literatur


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