1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.
Einhundertundein Jahre lang fuhren Personenzüge (und manchmal sogar Schnellzüge) von Griesheim nach Darmstadt und Worms, nach Mannheim und sogar nach Kaiserslautern. 1970 endete diese Ära, 1991 wurden die Gleise abgerissen. Die alte Trasse wurde entweder als Grünstreifen belassen oder als Neubaugebiet bewohnbar gemacht.
Zur besseren Orientierung kann in einem eigenen Tab oder Fenster ein Ausschnitt des Stadtplans von Griesheim aufgerufen werden. – Die Geschichte des Griesheimer Bahnhofs wurde auf eine eigene Seite ausgelagert.
»» Link zur vorangehenden Dokumentationsseite zur Riedbahn im Waldstück Weigandsbusch.

Längst aufgelassen ist der einstmalige Bahnübergang am Gehaborner Weg, welcher der Landwirtschaft als Durchschlupf gedient hat. Am Griesheimer Waldrand ist dieses Haus als ein typischer Vertreter der von der Hessischen Ludwigsbahn errichteten Bahnwärterhäuser erkennbar. Dieses hier trug die Nummer 78. Irgendwann, vermutlich in den 1960er Jahren, wanderte die Bezeichnung „Posten 78“ zur einen guten halben Kilometer entfernten Hofmannstraße.

Aus nordöstlicher Richtung von Weiterstadts Südzipfel aus dem Wald herkommend mündet die heute noch im Schotterbelag sichtbare Riedbahntrasse parallel zum Nordring (im Bild links) in Griesheims Neubaugebiet. Die Trasse im Wald ist an vielen Stellen noch gut sichtbar; offensichtlich haben jahrelang verabreichte Pestizide ihre Spuren hinterlassen. Hier am Ortseingang wurde vermutlich genügend Material abgetragen, um einen doch etwas dichteren Pflanzenbewuchs zu ermöglichen. Am rechten Bildrand ist das frühere Bahnhaus 78 gerade noch so zu erkennen.

So bleiben als einzige heute sichtbare Zeichen eines einstmals florierenden Bahnbetriebs eine Schottertrasse durch den Griesheimer Wald und ein Grünstreifen mit einem Radweg, dessen Sinn sich nicht wirklich erschließt. Denn parallel zu diesem Radweg verlaufen nördlich und südlich der ehemaligen Gleise zwei verkehrsberuhigte Asphaltstraßen. Zudem erinnern ein Kilometerstein und ein dort ursprünglich nicht stehendes Flügelsignal an die Zeiten, als Griesheim noch den Ruß der großen weiten Welt verspürte.

Dort, wo das Gleisbett nicht breit genug ist, um eine Wohnbebauung wie auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände zu ermöglichen, wird ein ökologisch ausgerichtetes Areal entstehen. Peter Keller schrieb hierzu zehn Jahre nach dem Abbau der Gleise am 25. August 2001 im Darmstädter Echo:
„Für Naturschützer steht eines fest: Der kostbarste Flecken Griesheims ist die stillgelegte Trasse der früheren Riedbahn. Dort liegen ‚ökologisch sehr wertvolle Flugsandflächen‘, auf denen stark gefährdete Pflanzenarten wie ‚Staudenlein‘ und ‚Sandstrohblume‘ gedeihen. ‚Bundesweit bedeutsam‘, nennt Dr. Ulrike Licht vom ‚Planungsteam‘ das Areal.“
Auf Grundlage eines Gestaltungskonzepts für die ehemalige Bahntrasse sollen „ökologisch wertlose“ Bäume wie die Robinie und die Späte Traubenkirsche fallen, statt dessen vereinzelt Kiefern und Eichen stehen bleiben. Um die Flugsande aus der letzten Eiszeit wieder hervorzuholen, solle die darüber liegende Humusschicht ausgerecht werden. Glücklicherweise liegt dieser schmale Streifen zwischen Wohn- und Industriegebiet, so daß, die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts anzutreffenden Wanderdünen wohl nicht wieder für Verwehungen sorgen werden.

„Dort, wo sich die Trasse noch im bebauten Gebiet befindet (Westen), soll sie als Grüngürtel mit Pufferfunktion ausgebildet sein. In Richtung Osten ist ein langsames Übergehen in naturnahen Bewuchs vorgesehen, wobei die Planer eine ‚Verzahnung‘ mit dem angrenzenden Wald anstreben.“
Von der angestrebten Fortführung bis hin zur Autobahn und dem ihr vorgelagerten Straßenneubau des Nordrings ist hingegen auch im Sommer 2008 noch wenig zu bemerken. Die Schottertrasse bleibt sich selbst überlassen.
„Dort schlummert ein Gebiet ‚von europäischer Bedeutung‘, versichert der Experte von der TU Darmstadt. Dort sei, zwischen 120 Pflanzenarten (acht stehen auf der Roten Liste), auch die seltene Ödland-Heuschrecke zu Hause.“
Im Haushaltsentwurf für das Jahr 2002 fanden sich für diese Maßnahmen zunächst 5.000 Euro. Eigentümerin der einzurichtenden Grünfläche zwischen der Wohnbebauung auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände und der Waldgrenze ist inzwischen die Stadt Griesheim.

Das Ende des ökologisch wertvollen Grünstreifens wird durch ein Flügelsignal markiert, das 2001 noch neben dem ehemaligen Güterschuppen aufgestellt war. Auf einem am Signal angebrachten Hinweisschild lesen wir:
„Betriebsgelände der ehemaligen Riedbahn mit lebhaftem Personen- und Güterverkehr von 1868 – 1970“
Direkt neben dem Signal befindet sich ein Schaukasten mit Angaben zum Gestaltungskonzept für die ehemalige Bahntrasse. Die im Text angeführte „merkliche Bereicherung des Wohnumfeldes“ scheint sich jedoch noch nicht herumgesprochen zu haben. Meinen Beobachtungen zufolge wird dieser Grünstreifen kaum angenommen, aber das kann auch am Wochentag, der Tageszeit oder der Jahreszeit gelegen haben. Sicherlich ist es nicht falsch, ökologische Nischen zu erhalten oder zu renaturieren, doch mir scheint es, daß es sich hierbei eher um ein Spielzeug der Lokalen Agenda 21 handelt.
Sie befinden sich auf der Trasse der ehemaligen ‚Riedbahn‘, die seit Aufgabe der Nutzung im Jahr 1977 mehr oder weniger brach liegt.
Auf dieser Fläche haben sich in den vergangenen 25 Jahren zahlreiche Pflanzen und Tiere ansiedeln können, für die diese ungenutzte Fläche im besiedelten Umfeld von großer Bedeutung ist.
Das städtische Umweltamt hat daher vorgesehen, diesen Lebensraum dauerhaft zu sichern und für die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu entwickeln. Gleichzeitig soll die Fläche für die Erholung der Bevölkerung eine attraktivere Gestaltung erhalten.
Diese beiden Zielsetzungen sind in das ‚Gestaltungskonzept ehemalige Bahntrasse‘ eingeflossen, das für den Bereich zwischen der Georgstraße im Westen und der Autobahn im Osten erstellt wurde.
Die Umsetzung des Konzeptes im Bereich zwischen der Georg- und der Hofmannstraße wurde im Frühjahr 2003 mit folgenden Maßnahmen in Angriff genommen:
Nach der Fertigstellung wird die neu gestaltete Grünfläche noch eine Weile zur Entwicklung benötigen. Danach wird sie für die Anwohner eine merkliche Bereicherung des Wohnumfeldes sein. Natürlich sind auch Sitz- und kleine Spielmöglichkeiten vorgesehen.
Die Stadt Griesheim ist Eigentümerin dieser Fläche. Vielfach wurde der Bahnkörper auch als Lagerfläche genutzt oder private Pflanzungen dort vorgenommen. Dies bitten wir künftig auch gerade aus ökologischen Gründen nicht mehr vorzusehen und es wird auch nicht gestattet. Wir hoffen mit dem gesamten Projekt einen nachhaltigen Beitrag zur „ökologischen Vielfalt“ leisten zu können.
In den nächsten Jahren werden weitere Abschnitte umgestaltet. Wandern Sie doch einmal entlang der Bahntrasse und gehen Sie auf Entdeckungsreise. Es lohnt sich!
Vielleicht sollte ich in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß der Begriff der „heimischen“ Gewächse ein sehr relativer ist. Betrachten wir allein den Zeitraum seit der letzten Eiszeit, so werden wir eine mehrfache Veränderung dessen feststellen, was wir „Natur“ zu nennen pflegen. Gehen wir zeitlich weiter zurück in die Eiszeit oder betrachten wir die Angelegenheit sogar in geologischen Zeiträumen, dann ist nichts so beständig wie der Wechsel der „heimischen“ Tier- und Pflanzenwelt. Ein Besuch in der Grube Messel kann hierbei sehr aufschlußreich sein.

Der Abriß der alten Bahnhofsanlagen eröffnete der Stadt Griesheim neue Möglichkeiten, den zunehmenden Bedarf an Wohnraum elegant zu befriedigen. Das markante alte Stellwerk an der Schöneweibergasse (rechts am Bildrand zu denken) ist ebenfalls verschwunden. Geblieben ist eine größere Grünfläche, auf der sich inzwischen auch ein wenig Wohlstandsmüll sammelt, und links daneben der alte Güterschuppen, der nach der Stillegung des Bahnhofs bis 2004 als Jugendzentrum „Jugendbahnhof“ genutzt wurde (siehe Bild 8). Das Jugendzentrum fand anschließend neue Räumlichkeiten in der Blue Box im Industriegebiet weiter nördlich. Ein Teil des Jugendzentrums war schon im Frühjahr 2004 abgerissen worden, um Platz für die neuen Mehrfamilienhäuser zu schaffen. Der verlassene Rest des ehemaligen Güterschuppens stand jahrelang leer, bis er 2010 zugunsten eines weiteren Neubauprojekts abgetragen wurde.

Der letzte reguläre Personenzug verließ am Samstagabend des 26. September 1970 um 19.59 Uhr den Griesheimer Bahnhof. Bereits am Samstagvormittag war der Bahnhofsschalter offiziell für den Personenverkehr geschlossen worden. Auch die Gepäckbeförderung wurde eingestellt.
Doch auch dem Güterverkehr wurde es nicht leicht gemacht. Einmal oder zweimal am Tag wurden Güterwagen von Darmstadt nach Griesheim und zurück gebracht, aber ein wirkliches Interesse hatte die Bundesbahn hieran nicht. Das Bahnhofsgebäude wurde nach einer heftigen Auseinandersetzung wegen der beabsichtigten Nutzung des Bahnhofsgeländes als Schrottplatz von der Stadt Griesheim angekauft und zum Bauhof umfunktioniert. Die Gleisanlagen westlich der Pfützenstraße wurden alsbald vollständig abgebaut und durch einen „Promenadenweg“ ersetzt.

Der Gleisplan des Griesheimer Bahnhofs aus dem Jahr 1903 zeigt ein etwa 30 Meter kurzes Schmalspurgleis von der hier als „Klenganstalt Nungesser“ bezeichneten Samengroßhandlung zur Güterrampe des Griesheimer Bahnhofs. Seit wann und für wie lange dieses Gleis bestanden hat, ist aus den mir vorliegenden Aufzeichnungen nicht ersichtlich. Die Lore (oder Loren?) werden gewiß per Muskelkraft geschoben oder gezogen worden sein. Dies als Feldbahn zu bezeichnen, ist womöglich übertrieben. Die Griesheimer Bevölkerung lebte seit dem 16. bis ins 20. Jahrhundert nicht unwesentlich vom Sammeln diverser Samen von Gräsern und Heilkräutern, sowie von Tannenzapfen.

Jahrelang pendelte ein kurzer Güterzug zwischen Darmstadt und Griesheim, ansonsten herrschte Tristesse. Im August 1977 geriet Griesheim kurz in die Schlagzeilen, als sich einige Schotterwagen bei Messel selbständig gemacht hatten und nach Griesheim umgeleitet wurden. Sie zerfetzten den Prellbock am Ende der Strecke und touchierten ein Wohnhaus, das anschließend abgerissen werden mußte. Personen wurden nicht verletzt. Danach kehrte wieder Ruhe ein.

Im Mai 1989 zuckelte ein Dampfzug mit einer Güterzuglokomotive der Baureihe 86 (86 457) nach Griesheim, um die dem Untergang geweihte Strecke nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen. Vergebens. Zwei Jahre später endete die Eisenbahngeschichte Griesheims mit dem Abbau der Gleisanlagen. Weitere Bilder dieser Sonderfahrt sind auf einer eigenen Seite zu betrachten.

Westlich des Bahnhofs stand einst ein Stellwerk am Posten 76 an der Pfützenstraße. Hier rammte im August 1977 ein Schotterzug, der sich bei Messel selbständig gemacht hatte, den Prellbock und rutschte über die Straße in ein angrenzendes Wohnhaus. Zum Glück wurden die beiden Bewohnerinnen nicht verletzt; das Haus war allerdings abbruchreif. Ein Stückchen weiter befand sich mitten im Feld der Posten 75, der zur Sicherung des landwirtschaftlichen Verkehrs eingerichtet worden war.
Uwe Breitmeier war am 22. September 1969 an den Gemüseäckern westlich von Griesheim unterwegs, um eine ganz spezielle Dampflok fotografisch zu „erlegen“. Etwa eine Minute nach planmäßiger Ausfahrt des Zuges aus dem Griesheimer Bahnhof, also gegen 14.08 Uhr, wird er – möglicherweise in Höhe ebendieses ehemaligen Postens 75 – dem von der Dampflok 65 001 gezogenen Personenzug 3612 von Darmstadt nach Worms begegnet sein.
»» Link zur eigenen Seite über den Posten 76 an der Pfützenstraße in Griesheim.
»» Link zur Fortsetzung Richtung Wolfskehlen und Goddelau.
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