1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.
Meine Riedbahn-Seiten sind als work in progress zu betrachten. Mal finde ich hier etwas, mal lese ich dort etwas Neues. Solcherart zusammengetragen, verändern sich die Riedbahn-Seiten, werden sie ausgebaut oder durch zusätzliche Seiten ergänzt. Die ursprüngliche Annahme, diese Dokumentation bis Ende 2008 fertiggestellt haben zu können, war wirklichkeitsfremd. Je länger man sucht, desto mehr neue Quellen tun sich auf, die wiederum gesichtet werden wollen; ein Kreislauf, der noch lange nicht endet. Zudem hoffe ich, die eine oder andere Fotografie aus dem 19. oder beginnenden 20. Jahrhundert finden zu können. Fehlen wird auch nicht eine Geschichte dieser Eisenbahnstrecke, die zumindest in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch als so bedeutend angesehen wurde, daß sie 1901 zweigleisig ausgebaut wurde. Nach Ende des 2. Weltkriegs nahm diese Bedeutung aufgrund des zunehmenden motorisierten Individualverkehrs ab, so daß die Strecke für den Personenverkehr 1970 und auch für den Güterverkehr bald darauf stillgelegt wurde.
Spuren dieses Teilstücks der Riedbahn finden sich vor allem zwischen Darmstadt und dem Weiterstädter Stadtteil Riedbahn, sowie mit dem Schotterbett im Wald zwischen Riedbahn und der Griesheimer Stadtgrenze. In und westlich von Griesheim sind die Spuren rar. Der Verlauf der Strecke bis nach Goddelau kann jedoch noch recht gut auf Karten oder mit Google Earth verfolgt werden.
Die schönste Streckendokumentation ist jedoch unvollständig ohne Lokomotiven, Waggons, Bauten und Streckenfotos. Da ich selbst ein paar Jahrzehnte zu spät gekommen bin, suche ich nach eben solchen Fotografien, egal aus welcher Zeit.
Nicht alle Quellen sind zuverlässig, nicht alle in Urkunden und Büchern zu findende Daten korrekt. Manches bleibt widersprüchlich. Übertragungs- und Tippfehler sowie syntaktisch nicht zuende gedachte Satzgebilde sind ärgerlich, aber kommen vor. Für Hinweise hierauf bin ich dankbar und betrachte sie nicht als Besserwisserei von Menschen, die anderswo nach Fehlern suchen. Fehler sind dazu da, gemacht zu werden und daraus zu lernen, es besser zu machen.
Danken möchte ich an dieser Stelle den immer ansprechbaren, freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Staatsarchivs Darmstadt sowie dem Eisenbahnmuseum in Darmstadt-Kranichstein. Angenehm war auch der Kontakt zum Stadtarchiv in Griesheim zur Einsicht in weitere Archivalien; einige der hier gezeigten Bilder entstamen der im Stadtarchiv digital aufbereiteten Sammlung von Erich Müller. Wichtige Anfangsimpulse gab mir ein anonym bleiben wollender Riedbahner, der selbst das eine oder andere Material gesammelt hatte. Seine Kontakte zu Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erschlossen mir weitere, sonst in Fotoalben verstaubende Bilder. Ohne meine Hausärztin, die mich zum Radfahren verdonnerte, wäre ich jedoch nicht über die seltsamen Gleisreste in der Nähe des Darmbachs zwischen Riedbahn und Gehaborn gestolpert. Dort fing alles an.
Ergänzungen der letzten zwei Monate
04.02.2012 Zwei Bilder von Uwe Breitmeier mit dampflokgezogenenen Zügen auf der Riedbahn auf [Fundstelle] und [Fundstelle] hinzugefügt.
03.02.2012 Die zweite Zeppelinhalle auf dem ehemaligen Firmengelände von Rodberg Bahnbedarf brannte am 29. Oktober 1977 und muß kurze Zeit darauf abgerissen worden sein. Entsprechend wurde die Darstellung auf den Seiten [Fundstelle] (mit zusätzlichem Bild von Bahnbedarf Rodberg von 1923) und [Fundstelle] berichtigt.
02.02.2012 Aus den Anfängen der elektrischen Straßenbahn in Darmstadt. Hier: die „Darmstädter Zeitung“ im Jahr 1902 auf [Fundstelle].
31.01.2012 Das Bahnhaus zum Posten 68 zwischen Griesheim und Wolfskehlen mit sieben Bildern auf [Fundstelle]. Ein Bild aus Bundesbahnzeiten zeigt die letzten Reste des Goddelauer Ausfahrtgleises nach Darmstadt auf [Fundstelle].
24.01.2012 1853 – Worms erhält Anschluß an die große Bahnwelt; eine Sammlung von Zeitungsmeldungen auf [Fundstelle].
20.01.2012 Ergänzende Zeitungsberichte zum Bahnprojekt von Bensheim nach Lindenfels auf [Fundstelle].
18.01.2012 Einige neue Bilder zeigen die Gleisanlagen in der Kirschenallee auf [Fundstelle] und [Fundstelle].
09.01.2012 Zwei nie zustande gekommene Bahnen durch den Odenwald rund um Lindenfels auf [Fundstelle] behandelt eine diesbezügliche Debatte im Hessischen Landtag im Juli 1902. Jetzt anklickbar!
28.12.2011 Ergänzung zum Wettrennen auf dem Kavallerie-Exerzierplatz in Weiterstadt 1875 auf [Fundstelle] sowie Auflösung eines scheinbaren Widerspruchs in einem Dienstbefehl von 1883 auf [Fundstelle].
19.12.2011 Kleine Ergänzung zum Sommerfahrplan 1902 auf [Fundstelle].
17.12.2011 Zeitungsbildscan zu einer Knechtelschen Abholzaktion 1998 im Fabrikviertel auf [Fundstelle].
04.12.2011 Wormser Taschen-Fahrplan für den Winterdienst 1906–07 auf [Fundstelle].
Kleine Rechtschreib- und Satzkorrekturen bleiben unberücksichtigt.
Zeitabschnitte
1868–1879 Konzession, Bau, Eröffnung. Die Riedbahn wird zunächst als Ost-West-Verbindung gebaut und anschließend nach Norden und Süden verlängert. Hierdurch verschiebt sich die Hauptverkehrsachse.
1897–1914 Ausbau und Massenmobilmachung. Die Riedbahn wird zweigleisig ausgebaut, der Darmstädter Hauptbahnhof wird eingeweiht und die Arbeitermassen werden vom Land in die Städte transportiert.
1930–1945 Weimar, Faschismus und Krieg. Die Ausrichtung auf die Kriegswirtschaft führt zur allgemeinen Mobilmachung mit Zwangsarbeit, Vernichtung und Zerstörung. Unterlagen aus und zu dieser Zeit sind dermaßen spärlich, daß es bislang zu keiner eigenen Dokumentationsseite gereicht hat.
1945–1965 Neuer Aufschwung. Während des „Wirtschaftswunders“ läuft die Riedbahn mit Schienenbussen und verbesserter Technik noch einmal auf vollen Touren, ehe ihr Darmstädter Ast abgesägt wird.
Vorläufige Anweisung für die Überwachung, Unterhaltung und den Betrieb der Doppelblinklichtanlage mit zugebedienter Halbschranke am Posten 84 von 1957.
1966–1991 Rückbau, Stillegung, Abbau. Der Streckenabschnitt von Goddelau nach Darmstadt wird aufgrund der zunehmenden Automobilisierung nicht länger benötigt. Erst wird die Strecke westlich von Griesheim abgebaut, dann (bis auf ein kurzes Gleisstück) auch der Rest.
1992–20xx Spurensuche. Die Strecke von Goddelau nach Darmstadt ist weitgehend abgetragen, nur einzelne Schotterreste erinnern noch an eine verkehrsreiche Zeit.
Angaben in zwei denkmaltopografischen Bänden wecken Zweifel und ein Informationsflyer unterstützt die richtige Interpretation einer kleinen denkmalgeschützten Brücke im Darmstädter Nordwesten.
Zu den Lokomotiv-Werkstätten auf der Westseite des Hauptbahnhofs führte ein eigenes Gleis, welches vom anfangs des 20. Jahrhunderts neu erbauten nördlichen Bogen der Riedbahn abzweigte.
Heute endet das Gleis der Riedbahn auf einem Industriegelände und wird ab und zu von einigen Kesselwagen befahren. Bilder dieses eingeschränkten Güterverkehrs gibt es hier und hier.
In Griesheim selbst ist nicht mehr viel zu sehen. Auf dem alten Bahnhofsgelände wurden der städtische Bauhof angesiedelt und neuer städtischer Wohnraum geschaffen.
Westlich von Griesheim läßt sich der Streckenverlauf noch erahnen; Spuren gibt es jedoch nur noch wenige zu finden. In Goddelau mündet der Ostzweig der Riedbahn auf die Strecke von Mannheim nach Frankfurt.
Güterzugfahrplan Sommer 1914, Anzeige der wesentlichrn Änderungen, entnommen dem „Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz“, No. 15, 28. März 1914 [pdf].
Zuweilen finden sich Perlen zur Riedbahn und zum Darmstädter Fabrikviertel, die ich noch nicht einzelnen Unterseiten zugeordnet habe. Diese werden hier vorläufig aufgelistet, damit sie nicht verloren gehen.
Nur 'ne 50er – Uwe Breitmeier fotografierte im September 1969 zwei Züge, einen an der A5 bei Weiterstadt-Riedbahn, einen bei Griesheim, gezogen, wie es der Beitragstitel verrät, jeweils von einer Lokomotive der Baureihe 50.
Aus dem Merck-Firmenarchiv stammt eine Rarität: die Aufnahme einer von V 36 417 aus dem Bw Darmstadt geschobenen Wendezugeinheit im Bahnhof Gernsheim 1955.
Hans W. Fischbach lichtete am 3. September 1969 eine aus Worms kommende Wagengarnitur, gezogen von 65 004, im Darmstädter Hauptbahnhof ab (dort Bild 17).
Links auf andere Webseiten
Zu Eisenbahnen im südhessischen Raum (südlich von Frankfurt) gibt es eine Reihe interessanter Webseiten, die mal gut gepflegt sind, mal etwas arg selbstgestrickt daherkommen, mal nur begrenzte Ausschnitte zeigen, mal leidlich aktuell wirken. Bewerten möchte ich sie nicht. Irgendwie haben sie alle ihren Wert, und es ist eine leidige Aufgabe für am Geschehen Interessierte, sie alle mehr oder weniger vollständig zu überblicken. So ist auch dies erst einmal nicht mehr als ein Versuch. Hinweise auf weitere interessante Seiten sind willkommen.
Ralf Gunkel vermittelt auf seiner Webseite sardinige Eindrücke von der Odenwaldbahn, nachdem der Betreiber VIAS im Dezember 2005 den Betrieb von der Deutschen Bahn übernommen hatte.
Main-Rhein-Bahn von Mainz über Darmstadt nach Aschaffenburg, von Kai-Uwe Werner (Babenhausen).
Maschinenfabrik Goebel GmbH von Gerd Simons (Darmstadt), enthält in einem umfangreichen Bilderteil Einblicke in die Gleisanlagen auf dem Firmengelände. Mit eingeblendeter nerviger Popup-Werbung.
Der Odenwald auf verkehrsrelikte.de, mit einem Abstecher an die Bergstraße, von Marc-André Schygulla (Freiburg).
Bilder von der Pfungstadtbahn in den 1980er und 1990er Jahren zeigt Volker Blees im Hiustorischen Forum von Drehscheibe Online, und zwar hier [Mai 1986 bzw. 1997] und hier [März 1992].