1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.
1912 wurden die beiden alten Bahnhöfe am Steubenplatz durch den neu errichteten Hauptbahnhof ersetzt. Dies erforderte eine neue Streckenführung auf die vorhandene Riedbahntrasse.
»» Ein die Fundstellen der Fotografien zeigender Kartenausschnitt aus dem Stadtplan von Darmstadt kann in einem eigenen Fenster bzw. Tab geöffnet werden. Zusätzlich sind die Fundorte zu den einzelnen Bildern auf dem Lageplan von 1906 eingezeichnet.

Der zum Teil noch aus den 1840er Jahren stammende Bahnhofskomplex am Steubenplatz [⇒ L1] erfüllte Ende des 19. Jahrhunderts die Bedürfnisse eines gestiegenen Verkehrsvolumens nicht mehr. Die Debatten um einen Neubau drehten sich nicht nur um die gestalterische Frage, wie der neue Bahnhof aussehen und welche Funktionen er erfüllen sollte. Hierzu fand später ein Wettbewerb unter den namhaftesten Architekten Deutschlands statt, deren Entwürfe sich zwischen Kitsch, Jugendstil und Monumentalismus ansiedelten. Zudem standen Aspekte der Stadtentwicklung im Raum, denn die Bahnhofsanlagen an der Grenze der Stadtbebauung verhinderten eine Ausdehnung nach Westen. Allen Beteiligten war klar, daß eine Verlagerung des Hauptbahnhofs nach Westen mit einer zentralen Anbindung der innerstädtischen Geschäfte und Wohnungen nicht vereinbar war. Diese Hypothek schleppt der Hauptbahnhof auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch mit sich herum, auch wenn es seit einigen Jahren infolge der Straßenbahn-Neubaustrecke nach Kranichstein und der damit verbundenen Neuordnung des öffentlichen Nahverkehrs eine recht brauchbare Innenstadtanbindung mit Straßenbahnen und Bussen gibt.
1906 wurde beschlossen, den Neubau um rund 800 Meter stadtauswärts zu verlegen. Hiermit befand man sich in Darmstadt in guter Gesellschaft, denn auch in Frankfurt (Bauzeit 1883–88) und Wiesbaden (Bauzeit 1904–06) mußten die Bahnhofsanlagen aufgrund der gesteigerten Bedürfnisse etwas außerhalb der Innenstadt verlegt werden. Der ein Jahr später durchgeführte Wettbewerb erbrachte 75 Einsendungen. Der Planungsauftrag erging an Friedrich Pützer aus Darmstadt, mit dem Bau des Bahnhofs wurde 1910 begonnen. Allein das Empfangsgebäude [⇒ L3] soll 1.020.000 Goldmark gekostet haben. Im Vergleich zum Wiesbadener Hauptbahnhof ist das jedoch ein relativ geringer Betrag. Hier kostete das Empfangsgebäude 2 Millionen und die Bahnsteighalle 900.000 Goldmark; der gesamte Baukomplex sogar 20.271.000 Goldmark. Auf sechs Bahnsteigen wurden elf Gleise angelegt, eines davon – dem Geist der Zeit entsprechend – als Fürstenbahnsteig mit entsprechendem repräsentativen Empfangspavillon, der seitlich an das Hauptgebäude anschließt und heute der Restauration dient.
„Nach fünfjähriger Bauzeit wurde der Hauptbahnhof Darmstadt am 28. April 1912 feierlich in Betrieb genommen. Am 1.5.1912 wurden alle Darmstadt berührenden Strecken, außer der Odenwaldbahn, zum neuen Hauptbahnhof geleitet. Die Züge der Odenwaldbahn folgten bereits ab 15.5.1912.“ [1]
„Aus den Darmstädter Annalen geht hervor, daß der 28. April 1912 ein herrlicher Frühlingstag gewesen sei. Ein Sonntag, an dem Darmstädter Hauptbahnhof offiziell und feierlich eingeweiht wurde. Die Ehrengäste wurden zur Sonderzugfahrt von dem Main-Neckar-Bahnhof zum neuen Hauptbahnhof eingeladen. Man traf sich am Steubenplatz, an dem beide Hauptbahnhöfe alter Art lagen. Treffpunkt war das dortige Fürstenzimmer. Um 11.38 Uhr fuhr der aus Luxuswagen gebildete Sonderzug, gezogen von einer mit Blumen geschmückten Lokomotive, in Richtung Westen. An dieser denkwürdigen Fahrt ‚von der Vergangenheit in die Zukunft‘ nahm auch Großherzog Ernst Ludwig teil.
Die Fahrt startete am alten Bahnsteig 1 des Main-Neckar-Bahnhofs Richtung neues Gleissystem zum neuen Hauptbahnhof. Entlang dem zu befahrenden Weg waren die Häuser der Darmstädter Bürger geschmückt. Die Fahrt wurde von einer Woge der Begeisterung der Darmstädter Bürger begleitet. […] Die Chronisten berichteten ferner, daß sehr viele und vor allem lange Reden gehalten wurden und 25 Ordensverleihungen stattfanden; 12 Orden namens des Kaisers und 13 Orden im Auftrag des Großfürsten Ernst Ludwig.
Am 1. Mai 1912 fuhr dann der offizielle erste Zug im neuen Hauptbahnhof ab. So lange mußten auch die Bürger warten, bis sie einen Blick in das Innere des Bahnhofs werfen durften. Im übrigen wurde viel gefeiert, und die Darmstädter ließen es sich mit Bier, Sekt und Wein sowie ausgesuchten Speisen gut schmecken.“ [2]
Möglicherweise haben Bier und Sekt den Chronisten der lokalen Tagespresse den Blick vernebelt. Ein Blick auf den Stadtplan von 1912 und ein weiterer Blick auf Stadtansichten aus dieser Zeit zeigen, daß sich die Zahl der an der Strecke gelegenen Wohnhäuser an den Fingern einer Hand abzählen läßt. Die Fahrt von den alten Bahnhöfen zum neuen Hauptbahnhof verlief weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit über reines Bahngelände.

Auch die Gleisanlagen waren vollständig neu zu ordnen. Der 1879 angelegte Bahnhof Bessungen der Main-Neckar-Bahn (später in Südbahnhof umbenannt) mußte ebenfalls verlegt und durch ein neues Gebäude ersetzt werden. Deshalb fahren Reisende aus dem Süden in einer geschwungenen Schleife in Darmstadts Hauptbahnhof ein, weil einige hundert Meter südlich des Südbahnhofs die Bahn die alte Trasse verläßt. Nach Norden hin mußte der Anschluß an die alten Gleisbetten nach Frankfurt, Mainz und Aschaffenburg ebenso hergestellt werden – und natürlich auch zur Riedbahn. Zu diesen Gleisanlagen gesellte sich noch ein raumgreifender Güterbahnhof. Abgesehen vom sogenannten Werkstättengleis überqueren die Gleisstränge noch weitgehend geschlossen die Mainzer und die Gräfenhäuser Straße. Die Auseinanderfädelung der Gleise erfolgt erst hinter den Brücken über die Gräfenhäuser Straße, deren Unterführung an dieser Stelle heute als ein Nadelöhr des motorisierten Individualverkehrs gilt.
Das nebenstehende Foto zeigt drei der sechs Brücken über die Gräfenhäuser Straße [⇒ E7]; nicht alle hiervon wurden mit mächtigen Gewölben ausgestattet. Die Brücke, über welche die Riedbahn geleitet wurde, ist hingegen von schlichter Einfachheit.

Das Auseinanderfädeln der Gleise nach Kranichstein, Arheilgen, Weiterstadt und Griesheim erforderte den Neubau verschiedenster Kunstbauten: Einschnitte, Dämme und Brücken. Kurz hinter den Brücken über die Gräfenhäuser Straße wird eines der Gleise von Kranichstein zum Hauptbahnhof über das Gleis der Riedbahn (links) und ein weiteres Gleis nach Kranichstein (rechts) geführt. Vermutlich lag ganz links ein drittes Gleis für die Riedbahn. Die beiden Gleise werden derzeit als Ausfahrtsgleis für Personen- und Güterzüge Richtung Mainz (links) und als Einfahrtsgleis für Personenzüge aus Aschaffenburg genutzt.
2004 plante die Deutsche Bahn den Abriß der Brücke [⇒ E6], um sie durch eine Spannbetonbrücke zu ersetzen. Als sich jedoch herausstellte, daß die Neubaukosten mit etwa drei Millionen Euro deutlich höher liegen würden als die Kosten einer Renovierung (1,8 Millionen Euro), konnte der städtische Denkmalschützer Nikolaus Heiss die Bahn-Verantwortlichen davon überzeugen, dieses eisenbahntechnische Denkmal zu erhalten.

Direkt neben dem den Wöhlerweg kreuzenden Bahnübergang [⇒ E5] für das von Kranichstein kommende Gleis befindet sich westlich des Riedbahngleises ein betoniertes Relikt. Es handelt sich um einen Durchlaß für einen vom Löcherfeld in Richtung Weiterstädter Kavallerie-Exerzierplatz führenden Graben. Auf dem Löcherfeld stehen heute neben mehreren Baumärkten auch andere Gewerbebetriebe; der Kavallerieplatz mutierte rund ein Jahrhundert später zum Industriestandort (Röhm bzw. Evonik). Wenn man oder frau alten Plänen Glauben schenken will, muß hier in der Nähe des Durchlasses auch einmal ein Bahnwärterhaus gestanden haben.

Im weiteren Verlauf verläuft das Gleis in einem Linksbogen, bevor es die mehrbogige Brücke der Main-Neckar-Bahn unterfährt. Die mit einigen Verzierungen erbaute Brücke wird von den Zügen aus Frankfurt Richtung Darmstadt benutzt. Hier ist recht deutlich zu sehen, daß anstelle des Weges am rechten Bildrand einmal ein zweites Gleis gelegen haben muß. Wenige Meter später – hier nur als Schatten am unteren Bildrand zu erahnen – verläuft die Brücke der neuen Bundesstraße 3 über die Gleise.
Wer mit der Bahn von Frankfurt nach Darmstadt bzw. von Darmstadt Richtung Mainz fährt, wird beim Schleichen über die Langsamfahrstelle die zwischen Herbst 2008 und Anfang 2010 stattgefundenen Bauarbeiten neben der dreibogigen Eisenbahnbrücke bemerkt haben. Die Fahrt über rund einhundert Jahre alte Brücke endete Ende Februar 2010, danach wurde sie abgebrochen. Statt dessen verkehren die Züge Richtung Süden über die neue Spannbetonbrücke.
Im Dreieick zwischen neuer Bundesstraße, Verbindungsbahn und dem Gleis vom Darmstädter Hauptbahnhof steht ein unscheinbares Gebäude. Hierbei soll es sich um das Untergeschoß des wahrscheinlich 1972 außer Betrieb gestellten Stellwerks Bergschneise [⇒ E3] handeln.

Vom Fahrradweg auf dieser Straßenbrücke aus erkennen wir von links unten kommend das ehemalige Ausfahrtsgleis der Riedbahn und in der Mitte die beiden Gütergleise der Verbindungsbahn von Kranichstein. Im regulären Fahrbetrieb wechseln Nahverkehrs- und Güterzüge vom Riedbahngleis aus den Güterverkehr nach Aschaffenburg kreuzend hinüber auf das rechte Gleis Richtung Mainz. Zusätzlich existiert ein weiterer Gleisbogen weiter nördlich, über den die Züge auch kreuzungsfrei die Main-Rhein-Bahn erreichen können. Während die Main-Rhein-Bahn geradeaus verläuft, erkennen wir links den in den Jahren vor 1912 erbauten Abzweig nach Griesheim auf die neue Trasse der Riedbahn.
Diese weit ausholende Kurvenführung erklärt die in den Fahrplänen zu erkennenden langen Fahrzeiten zwischen Darmstadt und Griesheim von bis zu 15 Minuten. Gut erkennbar ist der Rückbau der ehemaligen Gleise am linken Bildrand; und im Gebüsch lassen sich auch heute noch die Überreste des vermutlich ehemaligen Blockstellwerks [⇒ E9] an der Bergschneise ausmachen.
Bemerkenswert ist, daß zuweilen die (hier gerade eben nicht sichtbare) Weiche auf dem rechten Gleis der Verbindungsbahn zuweilen nach links führend gestellt wird, obwohl es keinen Fahrdraht zwischen den beiden Gleisen an dieser Stelle gibt. Ein Eisenbahnexperte erläuterte mir diese für Außenstehende recht merkwürdig anmutende Weichenstellung. Hierzu ist es notwendig zu wissen, welche Weiche welche Bezeichnung trägt (siehe Legende unter Bild 6).
„Dieses für den Beobachter etwas eigenartige Verhalten der Weiche ist der Stellwerkslogik bei einer Fahrt vom Hauptbahnhof zur Stockschneise geschuldet. Das Zauberwort heißt Flankenschutz. Erst mal ein Hinweis. Die Bezechnung „im rechten oder linken Strang“ bezieht sich immer auf den von der Spitze einer Weiche aus gesehen möglichen Fahrweg.
Für eine Fahrt vom Hauptbahnhof zur Stockschneise befährt der Zug nacheinander die Weiche 555 (im rechten Strang), 554 (im rechten Strang), 552 (im rechten Strang) und 551 (im rechten Strang). In dieser Reifenfolge werden die Weichen auch im Stellwerk angesteuert bzw. suchen diese gemäß der Fahrstraßenlogik mit wenigen Millisekunden Versatz nacheinander Flankenschutz in dem nicht für die Fahrstraße verwendeten Strang bei einem Element, dass ihm Flankenschutz (durch ein haltzeigendes Signal oder abweisende Weichenlage) geben kann.
Flankenschutz in Reinform bekommt die Weiche 554 durch die Weiche 553 geliefert. Die Weiche 553 läuft in Rechtslage und würde Fahrzeuge, die von der alten Riedbahn / Röhm angerollt kommen definitiv gegen den Prellbock lenken. Die Weiche 552 sucht ebenfalls in links und prüft, dass das Signal von der Stockschneise kommend vor der Bergschneise in Halt steht (und natürlich wird es in der Stellung ‚verschlossen‘.
Spaßig wird es nun mit der Weiche 555. Diese sucht im linken Strang nach Flankenschutz und trifft die Weiche 556 auf der Spitze an. Derart liegend kann die Weiche 556 selbstverständlich keinen Flankenschutz bieten. Egal in welcher Lage sie liegt, könnte sie immer befahren oder aufgefahren werden. Daher gibt diese die Flankenschutzanforderung in beiden Strängen weiter. Damit trifft sie im linken Strang auf die Weiche 557, also eben diese ominöse Weiche, die nur noch halb zu sehen ist. Diese läuft nun in Rechtslage, um der Weiche 556 Flankenschutz zu geben, damit die wiederum dieses an die Weiche 555 melden kann. Weiche 556 ist somit eine ‚Flankenschutztransportweiche‘.
So, aber warum liegt die Weiche 557 nun in Links? – Ganz einfach. Uns fehlt noch die Weiche 551. Diese sucht nun in ihrem linken Strang nach Flankenschutz und trifft auf den rechten Strang der Weiche 557 und würde diese gerne so gestellt haben, dass die W557 im linken Strang liegt.
Moment?! Diese ist doch schon in Rechtslage beansprucht durch die Weiche 556. was nun? – Just in diesem Moment gibt die Weiche 557 die Anfragen der Weichen 557 und 551 an das Signal weiter, dass die Bergschneise im Gleis Darmstadt Nord – Bergschneise deckt. Die Weiche bleibt in Rechtslage liegen. Schutz gibt jetzt aber die rote Lampe des Signals. Dies nennt man Eigenzwieschutz.
Irgendwann fährt nun aber auch endlich mal die Regionalbahn nach Mainz und was passiert nun? Der Verschluss und die Festlegung der Weichen geht selektiv hinter dem Zug raus und somit auch die Anforderung des Flankenschutz. Hat der Zug nun die Weiche 555 freigefahren, ‚löst diese auf‘ und die Flankenschutzanfrage zur Weiche 556 mit Weitergabe an die Weiche 557 wird abgeschaltet. Die Weiche 557 weiß aber noch von der Anforderung seitens der Weiche 551 (diese ist noch vom Zug belegt oder wenn es nur eine kleine Lok ist, noch gar nicht befahren und somit unter Verschluß / Festlegung. Da die Weichen 555/556 nicht mehr anfordern, läuft die 557 nun in Links, um um der Weiche 551 Flankenschutz zu geben, bis auch diese ‚aufgelöst‘ hat und keinen Flankenschutz mehr benötigt.
So bleibt diese dann liegen, und ich würde wetten, dass die Weichen 551 und 552 auf dem Foto auch in Rechtslage liegen.
Alles klar oder jetzt total verwirrt? – Kleiner Gedanke mit einer Riesenerklärung “
Er hat Recht. Die Weichen 551 und 552 befanden sich tatsächlich in Rechtslage; es muß also kurz zuvor eine Regionalbahn von Darmstadt nach Mainz hierüber gefahren sein. Doch dann stellt er
„… die Preisfrage für Spezialisten: Woher holt die Weiche 556 im rechten Strang ihren Flankenschutz? Die Antwort ist einfacher als man denkt. Ein Tipp: Kein Gleiswechselbetrieb oder ähnliches vorhanden.“
Diese Erklärung ist dermaßen klasse, daß ich nicht umhin kam, sie hier in voller Länge wiederzugeben.
»» Den Rückbau der beiden Riedbahngleise, ganz zu schweigen vom vormals ebenfalls hier eingefädelten Werkstättengleis, dokumentiert ein Foto von Thomas Reitzel aus dem Jahr 1976. Sein Standort ist das abwärts führende Riedbahngleis – und so ähnlich sieht es auch noch heute aus, auch wenn die dort geschilderte Zugbegegnung heute nicht mehr möglich wäre.

Kurz hinter der Landesstraße nach Gräfenhausen zweigt von Weiterstadt kommend ein Gleis zum Darmstädter Hauptbahnhof ab, das nicht nur die neue Riedbahntrasse unterfährt, sondern auch mit einem unbeschrankten Bahnübergang die ehemalige Hammelstrift berührt, bei der die alte Riedbahntrasse dieses damals noch nicht existierende Gleis kreuzt. Auf dem nebenstehenden Bild erkennen wir den 1975 erfolgten Rückbau der ehemals zweigleisigen Riedbahnstrecke, denn das Brückenbauwerk [⇒ D2] verfügt noch über die Auflagefläche für ein zweites, ja sogar für ein drittes Gleis. Neben der zweigleisigen Riedbahn verlief hier das zum Lokomotiv-Ausbesserungswerk führende Werkstättengleis.
Im nördlichen Bereich des Brückenbauwerks (also hier direkt links hinter der Brücke) befindet sich ein Bunkerraum. Etwa auf Höhe des Wartesignals („W“) erinnert am rechten Gleisrand ein inzwischen längst ausgeweidetes Bahntelefon an vergangene Riedbahntage.

Nach 1975 vollkommen neu gebaut wurde die heute sichtbare Brücke über die um einige Meter nach Süden verlegte Gräfenhäuser Straße an der Stadtgrenze zu Weiterstadt. Hier finden sich keine Spuren mehr eines zweigleisigen Betriebs; die Brücke ist von vornherein nur noch eingleisig konzipiert. In der geraden Verlängerung am unteren Bildrand zweigte bis (mindestens) in die 1960er Jahre das Werkstättengleis von der Riedbahn ab, während die (bis zur Einstellung der Personenverkehrs) zwei Riedbahngleise in einem langen Bogen auf die alte Trasse geführt werden, welche sie auf Höhe des Röhm-Firmengeländes [⇒ D4] erreicht haben. „Haben“ deswegen, weil an dieser Stelle schon kein Gleis mehr liegt, sondern nur noch das Schotterbett sichtbar ist.

Daß es zuweilen einen marginalen Güterverkehr auf dem Stummelstück zwischen dem Abzweig Bergschneise und dem Gleisende auf dem Gelände der Fa. Röhm gibt, belegt dieses Bild. Eine Rangierlok 294 644 zieht am 7. Juli 2009 einen einsamen Kesselwagen Richtung Darmstadt, nachdem sie zuvor zwei Kesselwagen in Gegenrichtung angefahren hatte.
»» Link zur Fortsetzung beim heutigen Gleisende.
»» [1] 75 Jahre Hauptbahnhof Darmstadt, Seite 19.
»» [2] 75 Jahre Hauptbahnhof Darmstadt, Seite 23 bis 25.
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