1863 wurden (begüterte) Bewohner einiger Riedgemeinden bei ihrem Großherzog in Darmstadt vorstellig. Mit der Eröffnung der Main-Neckar-Bahn 1846 und der Eisenbahn von Mainz über Worms nach Ludwigshafen 1853 wurde das Ried von einstmals florierenden Handelswegen und Märkten abgeschnitten. Um diesem für Handel, Gewerbe und Landwirtschaft mißlichen Zustand abzuhelfen, appellierten die Riedgemeinden an die großherzogliche Regierung, es möge in deren Interesse sein, eine weitere Eisenbahnstrecke – weitgehend parallel zu den beiden genannten – durch die Errichtung einer Aktiengesellschaft ermöglichen.
Aus dem Dokument geht nicht hervor, wer genau sich hinter den Mitgliedern des Central-Comités und der Local-Comités verbirgt. Ein halbes Jahrzehnt später erhielt die Hessische Ludwigsbahn die Konzession zum Bau einer Eisenbahn durchs Ried, die zunächst nicht – wie von den Honoratioren im Jahr 1863 gewünscht – von Darmstadt nach Mannheim, sondern nach Worms geführt wurde. Mannheim wurde erst ein Jahrzehnt später, nämlich 1879, angebunden.
Der „Abdruck der von den Bewohnern des Rieds eingereichten Vorstellung wegen Erbauung der Ried-Eisenbahn von Mannheim über Gernsheim nach Darmstadt“ aus dem Jahr 1863 wird hier anhand des Scans einer im Stadtarchiv Griesheim angefertigten Kopie wiedergegeben. Moderne Browser ermöglichen eine Druckanpassung, bei der die Breite der gescannten Seiten passend zum Papier skaliert werden kann; die Höhe müßte dann auf eine Seite passen. Als Anhaltspunkt schlage ich eine Skalierung auf 50% vor. Diese Seite wurde so eingerichtet, daß beim Ausdruck jede Seite des Originals auf einer eigenen Seite ausgedruckt wird.
Der 1863 vorgelegte Plan sah einen Abzweig zur chemischen Fabrik im heutigen Lampertheimer Stadtteil Neuschloß vor. Die Fabrik wurde von 1829 bis 1927 genutzt und produzierte Soda, Schwefelsäure, Salzsäure, Natronlauge, Salpetersäure, Kunstdünger und noch einige andere unappetitliche Stoffe. Dem Stand der Zeit entsprechend (und so etwas kommt auch heute noch vor!) wurden die industriellen Abfälle (Arsen, Blei, Kupfer, Thallium, Quecksilber usw.) des über 100.000 qm großen Betriebs auf die schlichtest mögliche Weise entsorgt, nämlich im Erdreich verklappt. Nach Abriß der Fabrikbauten übernahm die Stadt Lampertheim das Gelände und siedelte dort in den 1950er und noch einmal in den 1980er Jahren Wohnungssuchende an, sicherlich wissend, daß der Boden alles andere als gesundheitsförderlich ist. Erst in den 1990er Jahren ließ sich nicht mehr verheimlichen, daß rund 200.000 Tonnen hochgiftigen Erdreichs zu entsorgen sind.
Der 1863 vorgesehene Güteranschluß wurde tatsächlich (wann?) gebaut (siehe hier und hier).
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