Karte zur Riedbahn.
Fundestelle Südbahnhof.

Riedbahn Darmstadt – Goddelau

Darmstadt Südbahnhof

Dokumentation

 

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

1912 wurden die beiden alten Bahnhöfe am Steubenplatz durch den neu errichteten Hauptbahnhof ersetzt. Neben einer neuen Einfädelung der Riedbahn mußte auch der Darmstädter Südbahnhof verlegt werden.

 


 

Abzweig von der alten Bahntrasse.
Der Abzweig von der alten Bahntrasse.

In gerader Linie von Eberstadt kommend gelangte die Main-Neckar-Bahn bis anfangs des 20. Jahrhunderts in den damaligen Darmstädter Süd­bahnhof, der 1879 als Bahnhof Bessungen eröffnet und 1895 umbenannt worden war. Dieser Bahnhof stand an der heutigen Straßen­kreuzung Donnersberg­ring  Bessunger Straße, und zwar an der Südwestseite der Kreuzung längs des Donnersbergrings wohl noch vor dem Standort des sich heute dort befindlichen Supermarkts (demnach etwa auf dem heutigen Bürgersteig).

Einige hundert Meter südlich wurde der Abzweig von der ursprünglichen Bahntrasse angelegt. Wenn man oder frau auf der Brücke steht, welche die Lincoln-Siedlung über die Karlsruher Straße (Bundes­straße 3) und die Bahnlinie mit der Heimstättensiedlung verbindet, dann reicht ein Blick nach unten aus, um den Verlauf der alten Trassen­führung zu erkennen. Natürlich wurden alle Spuren verwischt, aber es gibt eben doch charakteristische Freiflächen.

Das nebenstehende Foto zeigt eine interessante Konstellation: Die Dispolok ES 64 U2-023 (Baureihe 182 der Deutschen Bahn bzw. in Österreich als Taurus bezeichnet) befährt an diesem Nachmittag die Strecke von Darmstadt nach Eberstadt in entgegen­gesetzter Richtung gen Süden.

Bahnsteig Südbahnhof.
Der Bahnsteig des Südbahnhofs.

Die Anlage des Süd­bahnhofs, hier betrachtet von der Straßen­brücke des Heimstätten­wegs.

Stationsgebäude.
Das Stationsgebäude von der Straßenseite aus gesehen.

Eine Tafel am Gebäude weist auf den denkmal­schützerischen Wert hin:

„1909 bis 1913 gebaut. Mit Eröffnung des neuen Hauptbahn­hofes 1912 wurde die alte Strecken­führung der Bahn nach Westen verschoben. Auch der Süd­bahnhof, bis dahin an der Ecke Donnersberg­ring und Bessunger Straße, wurde verlegt.

Der Entwurf zum neuen Süd­bahnhof stammt wahrscheinlich von der Eisenbahn­direktion Mainz. Friedrich Pützer, Planer des Hauptbahnhofs­gebäudes, arbeitete möglicherweise an diesem Entwurf mit. Bau­künstlerische Details weisen auf ihn hin. Das gut erhaltene Bahnhofs­gebäude in traditionalis­tischer Bauweise zeigt deutliche Jugendstil­details, eine Bauform, die Pützer beherrschte.“

Vermutlich stammt der Entwurf jedoch nicht von Friedrich Pützer, sondern von Baurat der Eisenbahn­direktion Mainz, Friedrich Mettegang.

Ovales Fenster.
Ovales Fenster im Eingangsbereich.

Ob die hier abgebildete künstlerische Aus­gestaltung des ovalen Fensters an der Außen­fassade zur Straße hin den Vorstellungen Pützers entspricht, darf bezweifelt werden. Was unter „gut erhalten“ zu verstehen ist, ist wohl eher eine Definitions­frage.

Eingangsbereich innen.
Der Eingangs- bzw. Ausgangsbereich, von innen betrachtet.

Zu den künstlerisch beabsichtigten Elementen gehören sicherlich die nicht nur an dieser Stelle vorzu­findenden Kacheln.

Vor dem für den Herbst 2008 geplanten und vorerst aufgeschobenen Börsengang war der Deutschen Bahn AG dieses Bahnhofs­gebäude offensichtlich zu teuer geworden. Deshalb wurde es – zusammen mit 489 weiteren Gebäuden – zum 1. Januar 2008 an den britischen Immobilieninvestor Patron Capital und den Hamburger Immobilien­entwickler Procom Invest zu einem durchschnittlichen Schleuderpreis von wahrscheinlich weniger als 100.000 Euro pro Bahnhofs­gebäude verkauft. Die Deutsche Bahn AG spricht von einem Verkaufserlös in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags. Die Käufer sollen sich verpflichtet haben, in den kommenden fünf Jahren insgesamt 15 Millionen Euro in die gekauften Immobilien zu investieren. Da dürfen wir doch sehr gespannt sein, wie aus dem Südbahnhof mit einem Kapitaleinsatz von 30.000 Euro ein richtiges Schmuckkästchen wird … [1]

Gang im Gebäudeinnern.
Gang über das Gleis im Gebäudeinnern.

Hier haben sich sicherlich einige Jugendliche ihre eigenen Gedanken über das künst­lerische Ambiente gemacht. Wo sich keine und niemand darum kümmert, so haben sie sich wohl gedacht, schreiten wir besser einmal zur Selbshilfe und verschönern die sich selbst überlassene kahle Häßlichkeit.

Stationsgebäude vom Bahnsteig aus gesehen.
Das Stationsgebäude mit Blick vom Bahnsteig.

Auf der Main-Neckar-Bahn herrscht auch heute noch reger Verkehr. Zwar rasen die meisten Personen- und Güterzüge unbeachtet an den beiden Bahnsteig­kanten vorbei, doch halten hier (Anfang 2010) werktags 44 Züge, allesamt Regional­bahnen von Frankfurt Richtung Berg­straße und zurück.

Im Februar 2010 scheint der Verfall des Bahnhofsgebäudes ein wenig gestoppt zu werden. Klaus Honold schreibt im „Darmstädter Echo“ über Schutz- und Sicherungs­maßnahmen, auch wenn von einer Sanierung durch den neuen Eigentümer, die Main Asset Management GmbH in Dreieich-Sprendlingen [2], eine 100%ige Tochter der Investment­gruppe Patron Capital Ltd., nicht geredet werden könne. Vermutlich handelt es sich hierbei um das Allernötigste, um das Gebäude durch Vermietung als Wohn- oder Geschäftsräume irgendwie verwerten zu können.

 


 

Literatur

Zeitungsartikel

 

ANMERKUNGEN

 

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»» [1]   Siehe hierzu die Anfang 2010 nicht mehr online verfügbare Presseinformation der Deutschen Bahn AG vom 4. Dezember 2007. Siehe hierzu auch den Artikel 1019 verkaufte Bahnhofsgebäude auf DeineBahn.de mit der Liste der verkauften Immobilien.

»» [2]   Im Februar 2010 bestand die Webseite der Gesellschaft aus einer nichtssagenden Startseite und einem Impressum.

 


 

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