1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.
Die sogenannte „Verbindungsbahn“ verknüpfte den westlichen und den östlichen Ast der Main-Rhein-Bahn und umging somit den Darmstädter Ludwigsbahnhof. Allerdings wurde die ursprünglich eingleisige Verbindung noch nicht gleich beim Bau der Strecke 1858 mit angelegt. Erst nach einigen Jahren zeigte sich die Notwendigkeit, die beiden Streckenäste der Main-Rhein-Bahn direkt miteinander zu verbinden. Dies ermöglichte den direkten Güterverkehr von Mainz nach Aschaffenburg ohne das lästige Umsetzen in Darmstadt. Die Verbindungsbahn wurde am 1. Juni 1874 offiziell für den Güterverkehr freigegeben; Personen- und Schnellzüge fuhren weiterhin über den Darmstädter Bahnhof.
»» Die Fundorte zu den einzelnen Bildern sind auf dem Lageplan von 1906 eingezeichnet.

Vom Bahnhof Kranichstein führen zunächst fünf Gleise in Richtung Darmstadt. Zwei Gleise benutzt die Main-Rhein-Bahn für den Personenverkehr zwischen Darmstadt und Aschaffenburg. Zwei weitere Gleise bilden die Verbindungsbahn für den Güterverkehr in Richtung Mainz. Das äußerste Gleis (direkt am Stellwerk) endet nach einigen Metern an einem Prellbock. Das Überführungsgleis zum Darmstädter Ostbahnhof zweigte von der Verbindungsbahn ab und wurde im November 1915 in Betrieb genommen. Mit dem Bau der Straßenbahn nach Kranichstein wurde es um 2000 herum stillgelegt. Der hier zu sehende ICE befährt die Strecke nicht fahrplanmäßig (vermutlich Umleiter) und benutzt die Verbindungsbahn.

Obwohl die Verbindungsbahn elektrifiziert ist, werden die größeren wie die kleineren Güterzüge auch von Diesellokomotiven gezogen. Dieser recht kurze Güterzug kreuzt den Schreberweg bei (wie der Name schon verrät) den Kleingärten zwischen Nordbahnhof und Kranichstein.
»» Hier wachte der neben dem Gleis nach Kranichstein gelegene Posten 3 über den Bahnübergang, als ihn „Dg53752“ auf zwei Bildern in den frühen 1980er Jahren abgelichtet hat.

Personen- und Güterverkehr verkehren zwischen Kranichstein und Nordbahnhof auf voneinander getrennten Gleispaaren. Die Verbindungsbahn besitzt von Kranichstein aus kommend keinen direkten Gleisanschluß zu den beiden Bahnsteigen des Nordbahnhofs. Dieser Bahnhof wurde im Zuge der Verlegung der alten Bahnhöfe zum heutigen Nordbahnhof im Jahr 1912 fertiggestellt.

Der Nordbahnhof bindet den nördlichen Stadtteil Arheilgen und die chemisch-pharmazeutische Firma Merck an die Odenwaldbahn und die Main-Rhein-Bahn in Richtung Aschaffenburg an. Mittels einer halben Ringbuslinie wird auch das Gewerbegebiet im Nordwesten Darmstadts erschlossen.
»» Siehe auch die Fotoseite zum Nordbahnhof.

Vom Nordbahnhof aus verzweigen sich die Gleise zum Darmstädter Hauptbahnhof, über die Verbindungsbahn in Richtung Main, mittels einer Gleisverbindung auf die Main-Neckar-Bahn und auf das Werksgelände von Merck [⇒ F1].

Sowohl die beiden linken als auch das mittlere Gleis führen zum Hauptbahnhof. Die beiden linken der vier rechten Gleise bilden die Verbindungsbahn in Richtung Mainz. Es folgt das Verbindungsgleis auf die Main-Neckar-Bahn und ganz außen liegt das Gleis, das in das Werksgelände von Merck führt. Einzelne Züge der Odenwaldbahn verkehren vom Nordbahnhof aus direkt nach Frankfurt und müssen daher die Verbindungsbahn kreuzen.
Zwischen 1869 (oder erst 1874?) und 1912, als sowohl die Main-Rhein-Bahn in Richtung Mainz als auch die Riedbahn in Richtung Worms noch vom Ludwigsbahnhof herkommend die Verbindungsbahn erreichten, wurde der Verkehr über ein Stellwerk an der damals sogenannten „Hammelstrift“ gesteuert. Spätestens 1912 übernahm die neue Blockstelle an der Bergschneise diese Aufgabe. Das Stellwerksgelände [⇒ E1] scheint zuletzt als Hundeübungsplatz gedient zu haben. Auf der von den Gleisen aus einsehbaren Seite war das Untergeschoß bis zum Abriß im Dezember 2010 aufgrund des Bewuchses nur in den Wintermonaten zu sehen.

Wenige Meter weiter befand sich ein Streckenwärterhaus [⇒ E2] zur Überquerung der Gleisanlagen. Heute befindet sich hier ein unbeschrankter Fußweg ohne Signalanlage. Auch dieses Gebäude wurde im Dezember 2010 entfernt.
Der Bau des Gleises für die Verbindungsbahn von hier bis nach Kranichstein wurde auf einer Aktionärsversammlung der Hessischen Ludwigsbahn am 28. April 1871 formal beschlossen. Im Vortrag des Verwaltungsrats wurde diese Maßnahme zum einen mit der Überlastung der Bahnhofsanlagen in Darmstadt, zum anderen mit der Konkurrenzfähigkeit der Gütertransitstrecke von Mainz nach Aschaffenburg begründet.

Die neue Einleitung der Riedbahn bzw. Main-Rhein-Bahn geschieht durch den rechten Brückenbogen. Der mittlere hat wohl nur eine statische Funktion. Der linke Brückenbogen überspannt die Verbindungsbahn. Die Brücke wurde im Zuge der Neuordnung der Gleisanlagen bei der Errichtung des Hauptbahnhofs gegen 1912 erbaut und dient heute dem Zugverkehr als Einfahrtsgleis der Main-Neckar-Bahn von Frankfurt nach Darmstadt. Im Vordergrund zu sehen ist die Betonbrücke der 1999 fertiggestellten Umgehungsstraße, mit der die Bundesstraße 3 aus der Ortsmitte Arheilgens, einem nördlichen Stadtteil Darmstadts, herausgenommen wurde. Ob diese Umgehung jemals wie geplant über die Kläranlagen hinweg bis zur Bundesstraße 26 an der Rheinstraße durchgeführt wird, kann vorerst aufgrund der Kassenlage bezweifelt werden.
Im Dreieick zwischen neuer Bundesstraße, Verbindungsbahn und dem Gleis vom Darmstädter Hauptbahnhof steht als unscheinbares Gebäude das Untergeschoß der wahrscheinlich mit Inbetriebnahme des neuen Stellwerks am Hauptbahnhof 1972 als eigenständiges Stellwerk außer Betrieb genommenen Blockstelle Bergschneise [⇒ E3]. Diese blockt neben der Verbindungsbahn das Streckengleis zum Hauptbahnhof und das nach Darmstadt führende Gleis der Main-Neckar-Bahn.

Der Bau einer neuen Spannbetonbrücke wurde im August 2008 ausgeschrieben. Ende Februar 2010 wurde der Eisenbahnverkehr von Frankfurt nach Darmstadt von der zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten Brücke auf die neue Spannbetonbrücke überführt. Kurz darauf wurde die alte Brücke, deren schützenswerte Substanz als unerheblich betrachtet wurde, abgerissen. In der zweiten Märzhälfte 2010 fanden sich vom alten Gemäuer nur noch einige Bruchsteinhaufen. Die Aufräumarbeiten waren in vollem Gange. Der asphaltierte Weg entspricht in etwa dem ursprünglich angelegten und zu einem mir unbekannten Zeitpunkt (Ende des Zweiten Weltkriegs ?) entsorgten zweiten Gleis vom Darmstädter Hauptbahnhof zur Blockstelle Bergschneise, das hier sichtbare Gleis wird in der Regel von Zugleistungen in Richtung Mainz/Wiesbaden genutzt. Auf der Spannbetonbrücke fährt ein Güterzug in Richtung Süden. Der Schutthaufen enthält Reste der alten Brücke. Hinter der Brücke der Bundesstraße 3 ist das Untergeschoß der Blockstelle Bergschneise zu sehen. Der unterhalb der Lok zu sehende rote Baggerarm gehört zu einem Fahrzeug, das schon auf der Nordseite der Verbindungsbahn steht und bei der Befestigung des neuen Bahndamms aushilft. Der asphaltierte Weg führt hinter dem Standpunkt des Fotografen in einem Bogen zum ehemaligen Durchlaß der Hammelstrift unter der Main-Neckar-Bahn.

Links sehen wir das Gleis aus Darmstadt. Im weiteren Verlauf zweigt ebenfalls links das Gleis der Riedbahn ab, während die beiden Gleise der Verbindungsbahn am Horizont verschwinden. Obwohl es eine kreuzungsfreie Einfädelung von Darmstadt nach Mainz gibt, wird der Zugverkehr aus Gründen der Zeitersparnis meist über das alte Riedbahngleis von links kommend auf die Verbindungsbahn geleitet.
An der Schnittstelle dieser Gleise befand sich auf der Südseite (auf dem Bild das Gebüsch am linken Bildrand) ein Gebäudekomplex, der möglicherweise einst das Blockstellwerk Bergschneise beherbergte, sicherlich später aber zum Posten 85 [⇒ E9] gehört hat.
Von links gelangt der Zugverkehr von Darmstadt aus kreuzungsfrei auf die Main-Neckar-Bahn. Rechts zweigt die Verbindungskurve für den aus Mainz kommenden Verkehr in Richtung Darmstadt ab. In der Mitte die beiden Gleise der Verbindungsbahn nach Kranichstein [⇒ A1].
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