Side und Meer.
Side in Pamphylien.

Side (Pamphylien)

Ansichten aus Side

Fotografien und Texte

 

Side in Pamphylien war in der Antike eine zeitweise reiche, lebendige und pulsierende Stadt. Die wieder ausgegrabenen Ruinen vermitteln ansatzweise den Glanz der Vergangenheit. Die hiermit verbundenen Ausbeutungsstrukturen, die Armut und das damit verbundene Elend müssen wir uns hinzudenken.

Die Fotografien entstanden im September 2006.

Auf dieser Seite sind einige Impressionen aus dem antiken Ruinenfeld von Side versammelt. Der Klick auf ein Bild führt zu der zugehörigen Fotoseite.

 


 

Eine Stadt, die etwas auf sich hielt, verscharrte ihre Elite nicht einfach in der Erde. Sie zeigte ihren Reichtum durch imposante Grabmonumente. Dieses Monument, dessen Funktion noch nicht geklärt werden konnte, wurde in byzantinischer Zeit erbaut, demnach wahrscheinlich im 5. oder 6. Jahrhundert, während der letzten Blütezeit Sides. Es wurde 1999/2000 ausgegraben und restauriert und steht auf der Mittelinsel der Straße vom Kreisel in Side hinunter nach Selimiye.

Monument in der Nekropole, Zweck unklar.

Im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde Sides Stadtbild umgekrempelt. Der neue Reichtum der städtischen Eliten manifestierte sich in repräsentativen und pompösen Bauten wie diesem Nymphäum, das vor dem Großen Stadttor errichtet wurde. Vor diesem Gebäude befand sich ein Brunnen mit einem Fassungsvermögen von etwa 500.000 Litern Wasser.

Nymphäum.

Vom imposanten Eingangstor zur Stadt ist fast nichts mehr zu sehen. Angesichts der relativ friedlichen Zeiten des 2. Jahrhunderts wurde es umgebaut und seiner eigentlichen Funktion, die Feinde von der Stadt abzuhalten, entbunden. Statt dessen feiert sich hier die Sradtelite mit Statuen und Inschriften. Beiderseits des Tores schlossen sich zwei Wachtürmne an, von denen die Stadtmauern wegführten. Zu sehen ist hier die von der Stadtseite aus gesehen rechte Seite der beginnenden Stadtbefestigung.

Stadtmauer am Großen Tor.

Die zinnenbewehrte Stadtmauer besaß auf der nördlichen Landseite dreizehn Türme. Sie scheint ihre Aufgabe auch im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung noch erfüllt zu haben, als die Goten und mit ihnen verbündete germanische Gruppen zwischen 255 und 260 versuchten, die Stadt zu erobern.

Stadtmauer.

Diese Säulenstraße beginnt am (nicht mehr vorhandenen) Stadttor und endet mitten im Ruinenfeld. An dieser Stelle wurde, wahrscheinlich im 5. oder 6. Jahrhundert, das Stadtbild neu gestaltet. Die Säulenstraße selbst muß noch ein Stück weiter südwärts Richtung Meer verlaufen sein. In der Bildmitte verläuft vom linken zum rechten Bildrand die alte, in hellenistischer Zeit erbaute Stadtmauer.

Säulenstraße vom Stadttor in die Dünen.

Vom Stadttor führte eine weitere Säulenstraße nach Südwesten Richtung Agora und Theater. Die Agora war ein von einer Säulenhalle umgebener Bezirk. Hier wurde gehandelt und diskutiert. In Teilen der Säulenhalle waren Läden untergebracht; das, was wir unter dem Begriff Markt verstehen, fand außerhalb der Agora statt. Mit Blick nach Westen sehen wir im Bildhintergrund links die Reste der im 4. Jahrhundert erbauten Stadtmauer und rechts daneben die im 5. Jahrhundert errichteten Thermen, in denen heute das Museum von Side untergebracht ist.

Agora.

Am Ende der an der Agora endenden Säulenstraße befindet sich das Vespasiansmonument. Der künstliche Knick, den die Straße hier nimmt, war gewollt. Zwar verliefen Säulenstraßen in der Regel geradlinig, doch in den Kurven ließen sich besonders effektvoll Statuen und andere die Stadtelite verherrlichende Monumente plazieren. Das nach dem Kaiser Vespasian (69 bis 79) benannte Monument stand jedoch ursprünglich an einem anderen, uns nicht bekannten Ort. Es wurde nach der Errichtung der inneren Stadtmauer im 4. Jahrhundert hierhin verbracht.

Vespasiansmonument.

Rechts vom Vespasiansmonument steht das Bogentor. Es teilte ursprünglich die vom Stadttor bis zur Südspitze Sides reichende Säulenstraße in zwei Teile und besaß eine rein dekorative Funktion. Mit der Errichtung der inneren Stadtmauer erhielt das Tor eine neue Aufgabe und wurde durch Steinquadern enger gestaltet.

Bogentor.

Direkt hinter dem Bogentor befindet sich auf der linken Seite vor dem mächtigen Theaterbau ein kleiner Tempel, der wahrscheinlich zurecht dem Dionysos zugeschrieben wird. Er wurde in christlicher Zeit für profane Handelszwecke genutzt.

Dionysostempel.

Hinter dem Bogentor nahm die Säulenstraße ihre ursprüngliche Richtung wieder auf. Die Straße, die heute weitestgehend nicht mehr erhalten ist, endete etwa in der Gegend der Tempel der Athena und des Apollon. Zu sehen ist ein Kapitell auf einer für die zahlreichen Touristinnen und Touristen wieder aufgestellten Säule direkt vor dem Theater.

Säulenkapitell.

Das Theater von Side wurde in der Nachfolge eines hellenistischen, vielleicht gar früheren griechischen Theaterbaus im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung prachtvoll neu errichtet. Obwohl etwa die Hälfte der oberen Tribünen infolge von Erdbeben weggebrochen sind, vermittelt der Bau doch die zur Schau gestellte Größe der Stadt. Das Fassungsvermögen betrug etwa 15.000 bis 20.000 Personen.

Theater:  Zuschauerränge.

In spätrömischer und byzantinischer Zeit wurde der Theaterbau auch für Gladiatorenkämpfe genutzt. Wir sehen neben der modernen Bühne auch das weitgehend eingestürzte Bühnengebäude, das ab dem 4. Jahrhundert zudem als Teil der inneren Stadtmauer benutzt wurde. Der heute dadurch mögliche Blick auf das Ruinenfeld war in der Antike durch die hohen Bühnenmauern verwehrt. Einen realistischen Eindruck von der Bühnenarchitektur vermittelt das recht gut erhaltene Theater von Aspendos.

Theaterbühne.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden an der Südspitze der Side-Halbinsel Flüchtlinge aus Kreta angesiedelt. Diese kümmerten sich wenig um die antiken Ruinen und errichteten ihre Siedlung Selimiye einfach über dem vorhandenen Ruinenfeld. Großzügig verbauten sie die vorhandenen Steine, so wie es in den Jahrhunderten zuvor schon mehrfach geschehen war. Da die heute touristisch florierende Siedlungswirtschaft nicht einfach umgesiedelt werden kann, um den Archäologinnen und Archäologen ein neues Betätigungsfeld zu eröffnen, werden wir wohl nie erfahren, welche Reste und vielleicht auch historischen Schätze unterhalb der heutigen Siedlung schlummern mögen.

Moschee in Selimiye.

Athena und Apollon waren die beiden wichtigsten Gottheiten der Stadt. Während vom Athenatempel nicht mehr viel zu sehen ist, wurden einige Säulen des Apollontempels mitsamt des Architravs wieder aufgebaut, wenn sich auch die Steine und Säulen in der Antike nicht unbedingt am jetzigen Platz befunden haben mögen. Die beiden Tempel mußten mit der staatlich angeordneten Durchsetzung der christlichen Religion ihre Pforten schließen und waren somit dem Verfall preisgegeben.

Apollontempel.

Etwas nördlich der beiden Tempel wurde eine große dreischiffige Basilika erbaut, deren Grundfläche auch Teile der beiden alten Tempel mit einschloß. Man nutzte sogar einige der Säulen für eine Vorhalle. Als die Basilika nach der letzten Blütezeit Sides im 5. und 6. Jahrhundert verfiel, wurde innerhalb der Basilika eine kleinere, der damaligen Bevölkerungszahl wohl angemessene Kirche errichtet, die wir auf dem nachfolgenden Bild sehen können.

Kirche innerhalb der Hafenbasilika.

Ab Mitte des 3. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung setzte ein mittelmeerweit zu beobachtender wirtschaftlicher Rückgang ein. Das Imperium Romanum hatte seine Kräfte weitgehend erschöpft und war den ständigen Kriegsanstrengungen nicht mehr gewachsen. Dies führte wahrscheinlich nicht nur zu einem Niedergang der finanziellen Möglichkeiten für repräsentative Zwecke, sondern auch zu einem Bevölkerungsrückgang. Daher wurde im 4. Jahrhundert das Stadtgebiet verkleinert und eine neue Mauer an der engsten Stelle der Halbinsel errichtet. Diese Mauer verfügte über drei Türme, von denen wir hier zwei sehen können. Sozusagen im Rücken des Betrachters oder der Betrachterin befand sich die antike Staatsagora mit dem Kaiserkultsaal und der daran angeschlossenen Bibliothek.

Die neue Stadtmauer.

Vor der im 4. Jahrhundert erbauten Mauer erstreckte sich die im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Marmor gegossene Staatsagora. Diese Agora diente nicht irgendwelchen Marktzwecken, sondern beinhaltete einen wesentlichen Bestandteil römischer Machtpolitik: den Kaiserkult. Die Verehrung des Kaiserbildnisses galt als Loyalitätsbeweis. Die Säulenhalle der Staatsagora liegt in Trümmern, und auch vom zugehörigen dreiflügligen Gebäude sind nur Reste zu besichtigen. Die Statuen, die in den Nischen und Ecken standen, wurden, soweit gefunden, in Museen gestellt.

Kaiserkultsaal.

Nach der Teilung des Reiches in einen weströmischen und einen oströmischen Teil erlebte Side im 5. Jahrhundert noch einmal eine wirtschaftliche Blüte. Die Stadt expandierte wieder, ja, sie errichtete sogar Bauten außerhalb der hellenistischen Stadtmauern. Eines der neuen Gebäude war ein Gästehaus oder Hospital, das inmitten des alten Siedlungsgeflechts im Dreieck zwischen den beiden vom Stadttor wegführenden Säulenstraßen und der alten Agora errichtet wurde.

Byzantinisches Hospital.

Das am Meer im Osten Sides gelegene Viertel ist nicht vollständig erforscht. So manches dürfte noch unter den Sanddünen verborgen sein. Dennoch gibt es einige Kleinodien zu finden.

Bogen.

Im 5. oder 6. Jahrhundert wurde Side Bischofssitz. Auf dem Gelände der alten nach Süden verlaufenden Säulenstraße wurde ein großzügig bemessenes Areal für einen Palast mit angeschlossener Basilika freigeräumt. So ein christlicher Bischof benötigt schließlich zur Kompensation seiner Demut ein angemessenes Domizil.

Fundstücke aus Palast oder Basilika.

Obwohl es innerhalb des verkleinerten Side schon zwei Badehäuser gab, wurde direkt außerhalb der neuen Stadtmauer gegenüber der alten Agora eine weitere Therme erbaut. Diese zum Teil restaurierte Therme wird heute als Museum genutzt, wobei einzelne Elemente des spätrömischen Badehauses noch sichtbar sind.

Zum Museum umgewidmete Therme.

Zur Therme gehörten einzelne Ladengeschäfte und ein Hof, der allerlei kommunikativen Zwecken gedient hat. Hieraus wurde mit der Eröffnung des Museums im Jahre 1962 ein Museumsgarten, in dem allerlei Fundstücke der Ausgrabungen in Side aufgestellt worden sind.

Sammelsurium im Museumsgarten.

An der an der alten Straße nach Alanya gelegenen Einfahrt zum Busbahnhof wurde dekorativ eine Säule hingestellt. In der unmittelbaren Umgebung finden sich einzelne Bruchstücke der antiken Nekropole.

Säule am Busbahnhof.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 5. September 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2006, 2008. Die Wiedergabe von Texten und Bildern dieser Webseite, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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