Side in Pamphylien war in der Antike eine zeitweise reiche, lebendige und pulsierende Stadt. Die wieder ausgegrabenen Ruinen vermitteln ansatzweise den Glanz der Vergangenheit. Die hiermit verbundenen Ausbeutungsstrukturen, die Armut und das damit verbundene Elend müssen wir uns hinzudenken.
Die Fotografien entstanden im September 2006.
Wer im Internet Informationen über Side sucht, steht vor einem großen Problem. Die Suchmaschinen liefern nicht nur Ergebnisse zum antiken Side und zum heutigen Ferienparadies, sondern auch [so geschehen am 4. März 2007] rund 683.000.000 Seiten, die alles mögliche zu side (also Seite mit allen Nebenbedeutungen) zu wissen vorgeben. Doch auch dann, wenn man oder frau die Suchanfrage mit eingrenzenden weiteren Begriffen einengt, werden meist nur tourismuswerbende Angebote ausgegeben. Wirklich erhellende Seiten zu Side sind hingegen rar und in der Fülle der Angebote kaum zu finden.
Und selbst dann, wenn wir fündig werden, sind die Angaben nicht unbedingt zuverlässig. Manche Informationen sind einfach nur schnell und meist unverstanden abgeschrieben, nur um etwas Content auf die Seite zu bringen. Doch auch die Prospektflyer mancher Reiseveranstalter und selbst die Reiseführer sind meist nicht besser, denn sie verlassen sich alle auf mehr oder weniger dieselbe Datenbasis. Manchmal wird sogar ein Literaturhinweis gegeben. Das sagt aber nichts darüber aus, ob diese Literatur auch gelesen wurde, geschweige denn: verstanden.
Auf dieser Seite möchte ich ein paar hübsche Beispiele für ein inhaltliches Kauderwelsch vorstellen, die deutlich machen, wie herzlich egal den Autorinnen und Autoren die Lesenden und Urlaub Suchenden tatsächlich sind.
Den Anfang macht der 2006 verteilte Antalya-Flyer des Reiseveranstalters 1–2–Fly. Irgendwie scheint der Autorin oder dem Autor der Unterschied zwischen einem Datum vor und nach dem Beginn der christlichen Zeitrechnung nicht so recht klar gewesen zu sein. So verwirrt der Flyer mit folgender Geschichtsschreibung:
Dieser Flyer bietet dem unternehmungslustigen Touristen oder der Entspannung suchenden Touristin auch einen Ausflug nach Ephesos an. So heißt es auf Seite 16: „Ephesus ist heute die sehenswerteste Ausgrabungsstätte der Türkei. Ende des 2. Jh. v. Chr. gegründet, diente diese Metropole römischer Zeit als Hauptstadt der Provinz Asia.“ Wenn das die alten Griechen gelesen hätten … – Schon hethitische Quellen des 14. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung nennen als Hauptstadt des in der heutigen Westtürkei gelegenen Staates Arzawa die Stadt Abasa/Apasa. Selbst wenn dies nicht die Vorgängerstadt des griechischen Ephesos sein sollte, so ist es unbestritten, daß Ephesos schon Jahrhunderte vor dem im Flyer genannten 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in voller Blüte gestanden hat. Vermutlich meinte der Flyer deshalb statt „Jahrhundert“ das passendere Wort „Jahrtausend“.
Das folgende Beispiel entstammt dem Side-Buch von Melek Yıldızturan. Bei dem hierbei beschriebenen Objekt handelt es sich um einen wahrscheinlich späthethitischen Basaltkessel, der einhundertmal größer als angegeben ist. Was den einen ihre Zeitrechnung, ist den anderen ihre Maßeinheit. Jacke wie Hose.
In dem von Manfred O. Korfmann posthum herausgegebenen Band Troia – Archäologie eines Siedlungshügels und seiner Landschaft schreibt der Archäologe Charles Brian Rose auf Seite 90:
„Bis zu diesem Zeitpunkt setzten Städte im allgemeinen ein Abbild ihrer Hauptgottheit oder ihres Gründerheros auf die Vorderseite ihrer Münzen. Diese Position sollte jetzt in vielen Städten Alexander einnehmen, der eine Macht erworben hatte, wie sie vorher nur Götter oder Helden innehatten. Dies galt insbesondere für die Münzen seiner Nachfolger, wie Ptolemaios, Lysimachos und Seleukos; diese nutzten das Münzbild Alexanders als Mittel, um die eigene Macht zu legitimieren (Abb. 17). Der gleichen Propaganda bedienten sich auch Könige kleinerer Gebiete – etwa Abdalonymos, Herrscher von Sidon in der südöstlichen Türkei während des späten 4. Jhs. v. Chr. Sein Sarkophag, der zuerst als der von Alexander selbst identifiziert worden war, konzentriert sich auf Schlachten- und Jagdszenen, bei denen der König als erfolgreicher Krieger und Jäger dargestellt wird.“
Zunächst einmal ist festzuhalten, daß Sidon im Libanon liegt und daß der Libanon bis Ende des 1. Weltkrieges zum Osmanischen Reich gehört hat. Womöglich wurde hier statt Sidon im Libanon die Stadt Side in der Südtürkei assoziiert, mit dem Ergebnis eines geografischen Kauderwelschs.
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