Side und Meer.
Side in Pamphylien.

Side (Pamphylien)

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Fotografien und Texte

Side in Pamphylien war in der Antike eine zeitweise reiche, lebendige und pulsierende Stadt. Die wieder ausgegrabenen Ruinen vermitteln ansatzweise den Glanz der Vergangenheit. Die hiermit verbundenen Ausbeutungsstrukturen, die Armut und das damit verbundene Elend müssen wir uns hinzudenken.

Die Fotografien entstanden im September 2006.


Meeresblick auf Side.Side ist nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel in der Türkei. Side ist ganz sicher auch alles andere als die Türkei. Während die Europäische Union und die Türkei noch über die Modalitäten verhandeln, wie der Aufnahmeprozeß in die EU zu gestalten ist, ist Side schon längst eine europäische Enklave. Mehr noch: die kleine Stadt mitsamt ihrer touristischen Umgebung ist fest in europäischer Währungshand. Wer tatsächlich noch mit türkischen Lira auftaucht, muß befürchten, nicht ernst genommen zu werden. Der Euro hingegen eröffnet alle Horizonte.

Side ist eine uralte Siedlung. Zwar läßt sich der Zeitpunkt der griechischen Kolonisation nicht näher bestimmen, aber nach antiker Überlieferung wurde Side etwa im 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung von Kyme (Kleinstadt in der kleinasiatischen Aiolis) aus gegründet. Der Kirchenhistoriker Eusebios wollte im 4. Jahrhundert sogar gewußt haben, daß Side schon im Jahr 1405 vor unserer Zeitrechnung gegründet worden sei.

Direkte archäologische Belege für diese Behauptung fehlen jedoch. Mag sein, daß sie noch unter den Ruinen des antiken Side schlummern, mag sein, daß diese Zeitangabe einer antiken Fiktion folgt. Dennoch gibt es durchaus Hinweise darauf, daß Side oder eine Vorgängersiedlung womöglich älteren Datums ist. Ein im Museum von Side aufgestellter Basaltkessel soll aus der späthethitischen Periode (etwa 8. oder 7. Jh. vor unserer Zeitrechnung) stammen. Auch der Name der Stadt ist vorgriechisch und bedeutet einer antiken Quelle zufolge Granatapfel.

Vermutlich sprachen die Menschen dieser Gegend zu Beginn des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung einen dem Luwischen (und damit dem Hethitischen) verwandten Dialekt, der in antiker Überlieferung als die Sprache von Side bezeichnet wurde. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß sich eine lokale bzw. regionale Sprache im Verlauf der Jahrhunderte auch ändert. Für eine vorgriechische Besiedlung spricht auch, daß zumindest im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrchnung Pamphylien nach Westen hin bis zum Fluß Kestros (hethitisch: Kastraja) zum hethitischen Vizekönigreich Tarhuntassa (Tarchuntassa) gehört hat. Der Name der nordwestlich in der Nähe Sides gelegenen Stadt Perge, in griechisch-römischer Zeit wichtigste Konkurrentin Sides, lautete hethitisch Parha (Parcha) und wird unter diesem Namen in einem Vertrag zwischen dem Hethiterreich und Tarhuntassa gegen Ende des 13. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung erwähnt. Dies bedeutet jedoch nicht, wie auf verschiedenen Internetseiten zu lesen ist, daß Perge von den Hethitern gegründet wurde. Hierauf gibt es keinen schriftlichen Hinweis und ebensowenig einen archäologischen Beleg. Es scheint jedoch so zu sein, daß das Siedlungsareal von Perge schon in der späthethitischen Großreichszeit bewohnt gewesen ist. Es ist somit nicht ganz auszuschließen, aber gleichwohl wahrscheinlich auch nie zu beweisen, daß auch die Halbinsel, auf der Side errichtet wurde, schon zu hethitischer Zeit besiedelt war.

Wohl eher nicht hethitisch. 

Dieses Steinrelief steht auf dem Museumshof von Side. Hethitisch ist es wohl eher nicht.


Obwohl griechische (Neu-)Gründung, befand sich der Landstreifen in den folgenden Jahrhunderten zum Teil unter nichtgriechischer Herrschaft. Zunächst kamen die Lyder, danach die Perser. Mit dem Feldzug des Makedonenkönigs Alexanders besetzten die griechischen Eroberer die Region und stritten sich anschließend in ihren Diadochenkämpfen mehr als ein Jahrhundert lang auch um diesen Teil des Alexandererbes. Im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ging Side eine Symmachie (heute würde man und frau das wohl eher eine ungleiche Partnerschaft nennen, von der vor allem die besitzenden Klassen in Rom und Side profitiert haben dürften) mit dem expandierenden Römischen Imperium ein, was der Stadt ein Jahrhundert lang relative Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Wohlstand einbrachte. Der Zustand hielt jedoch nicht lange an; Side wurde Ende des 1. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung auch verwaltungs­technisch römisch (später byzantinisch) und blieb es auch, bis es etwa im 10. Jahrhundert verödete. Im 2. und 3. Jahrhundert gewann Side erneut an regionaler Bedeutung, was noch einmal zu relativem Wohlstand (für wenige, wie immer) und einer Umgestaltung der Stadt führte. Die inzwischen teilweise ausgegrabene Stadt gibt demnach nicht den Zustand der hellenistisch-griechischen Zeit wieder.

In der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts können wir im gesamten Römischen Imperium eine Tendenz zur Destabilisierung beobachten, die kurzzeitig durch Kaiser Diokletian und seine Tetrarchenkaiser (seit 284) abgefedert wurde. Die Städte wurden kleiner, die Bevölkerung zog aufs Land. Auch Side scheint an Bedeutung verloren zu haben, denn im 4. Jahrhundert wurde eine zweite Stadtmauer um das verkleinerte Areal gezogen. Nach der endgültigen Teilung des Reichs in eine Westhälfte und eine (byzantinische) Osthälfte trat im 5. Jahrhundert eine wirtschaftliche Erholung ein, die in Side einen neuen Bauboom auslöste. Das 5. und 6. Jahrhundert gilt als die letzte Blütezeit der Stadt. Mit den Einfällen der Araber ab dem 7. Jahrhundert setzte der Niedergang ein, spätestens im 10. Jahrhundert dürfte die Stadt verlassen worden sein. Zur neuen lokalen Metropole stieg das schon im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gegründete Attaleia (heute: Antalya) auf. Auf dem südlichen Ruinenfeld wurden gegen 1900 Flüchtlinge aus Kreta angesiedelt; die Siedlung wurde Selimiye genannt und ist heute eine einzige Einkaufsmeile zum Abschöpfen touristischer Euros.

Die Ruinen von Side kann man oder frau locker an einem Vormittag oder Nachmittag durchstreifen, doch bei jedem erneuten Durchgang lassen sich immer wieder neue Details entdecken. Selbstverständlich gibt es auch hier die allgegenwärtigen „Führer“, aber deren Aufdringlichkeit hält sich in erträglichen Grenzen.

Auf den insgesamt 39 Fotoseiten zu Side sind knapp 1.000 Fotos zu finden. Vielleicht wäre manchmal weniger mehr gewesen. Andererseits erschließt sich manchmal ein Detail nur durch einen anderen Blickwinkel. Dennoch lassen sich durchaus weitere reizvolle Motive finden, insofern dokumentiert diese Bildersammlung ganz und gar nicht vollständig die erhaltenen Überreste des antiken Side.

Die Fotoseiten lassen sich auf verschiedene Weise anschauen. Eine der möglichen Varianten besteht darin, den Links unterhalb der Bilder zu folgen. Damit erschließt sich die Stadt, als habe man und frau Side nach und nach durchwandert. Deshalb wurden die Seiten in einer (hoffentlich auch für die Betrachterinnen und Betrachter) sinnvollen Reihenfolge miteinander verbunden. Einzelheiten zu den Bildern erscheinen beim Überfahren des jeweiligen Bildes mit der Maus. Leider ist zum Betrachten der Fotoseiten ein Breitband-Anschluß (DSL o.ä.) angeraten, da hier pro Seite Grafiken bis zu insgesamt drei Megabyte geladen werden, was per Modem oder ISDN nun doch eine arge Quälerei wäre.

Eine der 39 Fotoseiten besteht aus einer Zusammenstellung verschiedenster Motive im Bildformat 800x800 (insgesamt etwa 2 Megabyte). Unabhängig davon können die übrigen Fotoseiten über die nachfolgende Übersicht auch einzeln aufgerufen werden :

 

Nymphäum. Stadttor und Stadtmauern. Stadtmauer im Westenn. Säulenstraße, Teil 3. Mosaiken. Agora. Bogentor. Dionysos Tempel. Theater. Noch mehr Theater. Säulenstraße, Teil 3. Selimiye. Athena und Apollon Tempel. Ausschnitt Apollon Tempel. Basilika am Hafen. Innere Stadtmauer. Staatsagora und Kaierkult. Ausschnitt Kaiserkultsaal. Byzantinisches Hospital. Oststadt. Oststadt Übersicht. Bischofspalast und Basilika. Säulenstraße, Teil 2. Museum. Die sidetische Schrift. Museumsgarten. Monument in der Nekropole. Parkruinen in der Nekropole. Einzelne Ruinen. In den Dünen. Alanya. Der Aquädukt von Aspendos. Das Stadion von Perge. Antalya. Straßenbahn in Antalya. Düden-Wasserfälle. Kuriosa.

Ein Klick auf eines der obigen kleinen Bilder öffnet die zugehörige Fotoseite.

 

Zur ersten Fotoseite: Nymphäum.


Einige Literaturangaben:

Zeitschriftenaufsätze:

Side im Internet:

 
Aufgeführt werden nur diejenige Literatur bzw. dasjenige Onlineangebot, die für die Side-Seiten auch ausgewertet wurden.


Diese Seite wurde zuletzt am 28. März 2012 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2006, 2012. Die Wiedergabe von Texten und Bildern dieser Webseite, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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