Luftbild auf das Fabrikviertel 1966.
Das Fabrikviertel 1966.
Die mechanische Werkstätte der Motorenfabrik Darmstadt.
Die Motorenfabrik.
Kreuzung Straßenbahn- mit Industriegleis.
Einfahrt zur Kirschenallee.
Abholung eines Kesselwaggons.
Ein Kesselwaggontransport.
Die Waggonbauhalle der Möbelfabrik Ludwig Alter.
Waggonbauhalle von Ludwig Alter.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Aus Darmstädter Stadtplänen von 1902 und 1927

In Striche gefaßte Entwicklungen

1872 und 1893/94 wurden die beiden ersten Industrie­stamm­gleise zum Darmstädter Fabrikviertel eingerichtet. Dieses Fabrikviertel bildete sich mit der West­expansion der Stadt Darmstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts heraus. Von den Mitte der 50er Jahre rund dreißig, Anschlußgleisen sind nur noch (Stand 2020) vier oder fünf übriggeblieben.

Beide Stadtpläne entstammen einer Privat­sammlung und werden auf den diversen Seiten zum Fabrikviertel mehrfach angesprochen; sie sind zwischen­zeitlich – wie viele andere Darmstädter Stadtpläne auch – in der digitalisierten Karten­sammlung der Universitäts- und Landes­bibliothek Darmstadt verfügbar gemacht worden: der Stadtplan von 1902 wie auch der Stadtplan von 1927.


Stadtplan etwa 1902.

Abbildung 1: Etwa 1902 [1901] bearbeitete das Städtische Vermessungs­amt einen Plan von Ferdinand Haberer. Obwohl entlang der Blumenthal­straße (heute Kasinostraße) mehrere Gleisan­schlüsse eingezeichnet sind, fehlt der 1894 errichtete Abzweig von der Main-Neckar-Bahn in die Landwehr­straße und von dort weiter in die Weiter­städter Straße bis zum Fabrik­gelände der Maschinenfabrik der Gebrüder Lutz. Entlang der Main-Rhein-Bahn bzw. der Riedbahn sind in der lang geschwungenen Kurve zwischen der Pallas­wiesen­straße und dem oberen Bildrand zwei, vielleicht auch drei Bahn­wärter­häuser auszumachen. Der (spätere) Gleis­anschluß des Städtischen Schlachthofs, der auf der Frankfurter Straße die Dampf­straßenbahn nach Arheilgen kreuzen sollte, ist noch nicht zu erkennen. Auf der Schulinsel im Johannes­viertel (damals Blumenthal­viertel) steht noch die Städtische Gasanstalt, die im späteren 19. Jahrhundert über einen eigenen Gleis­anschluß verfügt hat. Die von den alten Bahnhöfen am heutigen Steubenplatz durch das Johannes­viertel zum Schloßgarten­platz führende Straßenbahn­linie wurde am 1. Oktober 1903 eröffnet, so daß die Angabe „1902“ für diesen Plan mit leichter Skepsis zu betrachten sein wird.

Stadtplan etwa 1927.

Abbildung 2: Dieser Stadtplan lag dem Darmstädter Adreßbuch von 1927 bei. Vielerlei hat sich gegenüber den Gleisanlagen des Jahres 1902 verändert. Die Schneisen, welche die Bahnlinien vor der West­verlagerung des Haupt­bahnhofs durch die Stadt schlugen, sind noch deutlich auszumachen. Sie sind häufig als Brach­fläche eingezeichnet, obwohl die Verbindung vom Ausbesserungs­werk (Planquadrat 43/53) zur Landwehr­straße (Planquadrat 34) vielleicht schon vorhanden war. Die Einfahrt durch das Haupttor in das Fabrik­gelände von Röhm & Haas fehlt (Plan­quadrat 34), ebenso die Anbindung der Firma Goebel durch die Kirschenallee (Plan­quadrat 25). Hingegen entsprechen die Gleisanlagen des Fabrik­viertels in weiten Teilen dem Zustand um 1960. Der Schlachthof ist nun angebunden (Plan­quadrat 53). Westlich des (neuen) Haupt­bahnhofs gibt es den Gleis­anschluß der HEAG und das Kartoffel­kellergleis (Plan­quadrat 15). Gut zu erkennen ist das Werkstätten­gleis (Plan­quadrat 12/13) als drittes Gleis parallel zu den beiden Gleisen der Riedbahn (Plan­quadrat 11) bis zur Blockstelle an der Bergschneise sowie die zweigleisige Verbindung von der Bergschneise zum Darmstädter Haupt­bahnhof (Plan­quadrat 21/31). Das 1918 errichtete Straßen­bahngleis von der Otto-Wolfskehl-Straße (heute: Goebel­straße) über die Dornheimer Brücke bis zum Roden­steinweg (Plan­quadrat 15) ist nicht eingetragen, was vielleicht damit zu erklären ist, daß der Linien­verkehr erst zum 1. Juli 1929 aufgenommen wurde.