Luftbild auf das Fabrikviertel 1966.
Das Fabrikviertel 1966.
Notgeld der Bahnbedarf A.-G.
Die Bahnbedarf A.-G.
Die mechanische Werkstätte der Motorenfabrik Darmstadt.
Die Motorenfabrik.
Holzwerke Jonas Meyer.
Die Holzwerke Jonas Meyer.
Die Waggonbauhalle der Möbelfabrik Ludwig Alter.
Waggonbauhalle von Ludwig Alter.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Die Blumenthal'sche Maschinenfabrik

Fragmente

1872 und 1893/94 wurde das Fabrikviertel mit zwei Industrie­stamm­gleisen an die Eisenbahn angebunden. Von den Mitte der 1950er Jahre noch rund dreißig Anschluß­gleisen sind (Stand 2020) nur vier oder fünf übrig geblieben.

Die Blumenthal'sche Maschinenfabrik gehört wie so viele andere Unternehmen, die aus der ersten Industrialisierungs­phase Mitte des 19. Jahrhunderts hervor­gegangen sind, zu den nur wenig erforschten Betrieben. Da ich mich außerstande sehe, diesem seit Jahrzehnten bekannten Mißstand abzuhelfen, stelle ich hier, stell­vertretend für die gesamte Produkt­palette, zwei Maschinen dieses Unternehmens vor.

Ein weiteres Fragment befindet sich im Digitalen Archiv Hessen-Darmstadt, und noch eines auf der Webseite zur Liberalen Synagoge. Heinrich Blumenthal war in den 1870er Jahren Aktionär der Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt. Einen eigenen Gleis­anschluß hat Blumenthals Maschinenfabrik jedoch nie besessen, allenfalls gelegentlich das Stichgleis von der Blumentahl­straße zur Gasfabrik auf der heutigen Schulinsel mitbenutzt.

Blumenthals Fabrik auf OpenStreetMap.


Empfehlung.

Abbildung 1: Heinrich Blumenthal empfiehlt Mühlsteine, abgebildet im Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen 1850.

Heinrich Blumenthal besaß seine Fabrik 1850 noch nicht zwischen der Promenadedestraße (der heutigen Bismarckstraße) und der Lagerhausstraße (der heutigen Julius-Reiber-Straße), sondern betrieb seine Werkstatt am Ludwigsplatz.

Blumenthal'sche Lokomobile.

Abbildung 2: Lokomobile der Blumenthal'schen Maschinenfabrik, abgebildet im Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen 1859.

Die Abbildung ist einem Preiscourant des Unternehmens entnommen; die Räder der Lokomobile sind hier weggelassen und durch ein Untergestell ersetzt. Die Beschreibung dieser Maschine stammt aus dem Hause Blumenthal:

„Die Bauart dieser Maschinen übertrifft in ihrer Einfachheit und Zweckmäßigkeit alle vorhandenen ähnlichen Maschinen. Dadurch, daß die Dampfmaschine liegend und auf der Seite des Kessels angebracht ist, konnte derselben solche Dimensionen gegeben werden, wie jeder feststehenden Dampfmaschine; wodurch diese auch keine größere Umfangs-Geschwindigkeit als jene haben, mithin auch keine größere Abnutzung als bei einer soliden feststehenden Dampfmaschine stattfindet. Keine andere bereits vorhandene Art von transportablen Dampfmaschinen läßt eine so bequeme Behandlung und Wartung zu, wie diese. Die Kessel sind nach Art der Locomotiv-Kessel mit Siederöhren versehen, wodurch ein äußerst geringer Kohlenverbrauch stattfindet. Jeder Maschine wird ein amtliches Attest über die Kesselprobe beigegeben. Die Maschinen sind mit veränderlicher Expansion versehen. Diese Maschinen eignen sich besonders für Gutsbesitzer zum Betrieb landwirthschaftlicher Maschinen, für größere Bierbrauereien und Brennereien, ferner als Reserve-Maschine, für den Fall daß bei vorhandenen Betriebsmaschinen irgend ein Stillstand eintritt, und endlich für alle industrielle Etablissements, die keine sehr große Triebkraft nöthig haben, da bei kleineren feststehenden Dampfmaschinen die Bau- und Aufstellungskosten oft mehr kosten, als hier die zum Betrieb fertige Maschine. Preis frei ab Darmstadt in Vereins-Münze: Eine 4 Pferdekräftige Maschine fl. 1500, eine 6 Pferdekräftige fl. 1800, eine 8 Pferdekräftige fl. 2200. Auf 4 Räder montirt erhöht sich der Preis jeder Sorte um fl. 100.“

Annonce Dreschmaschine.

Abbildung 3: Annonce der Blumenthal'schen Maschinenfabrik für seine Dreschmaschinen, mit der Empfehlung verschiedener Genossenschaften, entnommen dem Landwirth­schaftlichen Wochenblatt für Mittelfranken vom 19. Juni 1868 [online bsb münchen].

Annonce Dreschmaschine.

Abbildung 4: Annonce der Blumenthal'schen Maschinenfabrik für eine Dreschmaschine, entnommen dem Starkenburger Provinzialanzeiger vom 9. August 1871.

Ausschnitt Stadtplan.

Abbildung 5: Ausschnitt aus dem Darmstädter Stadtplan von Ferdinand Heberer, 1874, mittendrin die Blumenthal'sche Maschinenfabrik. Norden ist links [online ulb darmstadt].

Die Blumenthal'sche Maschinenfabrik war nicht darauf ausgelegt, die nicht unerhebliche Anzahl an verkauften Dampfmaschinen selbst herzustellen. Sie bezog die „Grundausstattung“ von Garrett & Sons in Leiston Woods, England, wohl vermittelt über die 1861 gegründete Maschinenfabrik John D. Garrett in Buckau bei Magdeburg. Die Blumenthal'sche Fabrik lieferte Dampfmaschinen, Dreschmaschinen und Dampfkessel nicht nur an regionale Kunden. Aus Darmstadt und Umgebung sind bekannt: die Firma Riedlinger (Baujahr 1872) und die Schreinerei Buß (Baujahr 1882).