Luftbild auf das Fabrikviertel 1966.
Das Fabrikviertel 1966.
Notgeld der Bahnbedarf A.-G.
Die Bahnbedarf A.-G.
Die mechanische Werkstätte der Motorenfabrik Darmstadt.
Die Motorenfabrik.
Holzwerke Jonas Meyer.
Die Holzwerke Jonas Meyer.
Die Waggonbauhalle der Möbelfabrik Ludwig Alter.
Waggonbauhalle von Ludwig Alter.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Die Buschbaums als Maschinen­fabrikanten

im Blumenthal- bzw. Johannesviertel

1872 und 1893/94 wurde das Fabrikviertel mit zwei Industrie­stamm­gleisen an die Eisenbahn angebunden. Von den Mitte der 1950er Jahre noch rund dreißig Anschluß­gleisen sind (Stand 2020) nur vier oder fünf übrig geblieben. Die Buschbaum'schen Fabriken waren zu keiner Zeit an das Industrie­gleisnetz angeschlossen.

Im zweiten Teil meiner umfangreichen Geschichte der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei Darmstadt war ich auf die Anfänge des Unternehmens unter der „Firma“ Buschbaum & Comp. eingegangen. Der Namens­geber war der aus Michelstadt im Odenwald stammende Mechanikus Johann Ludwig Buschbaum. Selbiger verließ – ob freiwillig oder nicht, ist nicht überliefert – im Frühjahr 1844 das noch junge Unternehmen, das daraufhin seine Bezeichnung (also die „Firma“) wechselte. Buschbaum selbst richtete sich zunächst eine neue Werkstätte auf dem freien Feld westlich der Maschinen­fabrik und nordwest­lich der Stadt ein, zog jedoch bald darauf mit seiner Werkstätte an den Mühlweg in die Nähe des noch recht kleinen Chemie­werks von Heinrich Emanuel Merck. Hier treffen wir ihn Anfang der 1860er Jahre in einem Exkurs im elften Kapitel der Unternehmens­geschichte wieder an. [1]

Danken möchte ich an dieser Stelle Sabine Lemke vom Stadtarchiv Darmstadt und Kristof Doffing, die mich auf unter­schiedliche Weise unterstützt haben.

Die Protagonisten

Johann Ludwig Buschbaum war, wie die meisten hessischen Untertanen, evangelischen Glaubens. Das Bürger­recht in Darmstadt erhielt er am 8. Januar 1825. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon neun Jahre in der Werkstätte des Mechanikus und Münz­meisters Hektor Rößler gearbeitet. Seit dem 12. Juli 1832 war er als Werkmeister in der Ludwigshütte bei Biedenkopf angestellt und kehrte im Juli 1837 nach Darmstadt zurück. Dort errichtete er auf dem Gelände der früheren Rößler'schen Werkstätte an der Frankfurter Chaussee seine kleine Maschinen­fabrik namens „Buschbaum & Comp“. Zu den Kompagnons, so es mehrere gab, zählte wohl sein früherer Chef, der nunmehr als Münzrat staatlich besoldet war und deshalb nicht quasi im Nebenberuf als Fabrikant tätig sein konnte.

Johann Ludwig Buschbaums war eher mechanischer Handwerker als Ingenieur. 1843 trat August Wernher, der in den 1830er Jahren schon Teilhaber an der Ludwigshütte gewesen war und dort eine eigene Dampf­maschine konstruiert hatte, in das Darmstädter Unternehmen ein. Es ist vielleicht kein Zufall, daß die Maschinen­fabrik schon im Juni 1844 verkündete, Buschbaum sei ausgetreten und man werde jetzt als Maschinen­fabrik und Eisengießerei firmieren.

Frauen unter Schlossern

Johann Ludwig Buschbaum war der älteste eheliche Sohn des schon in Michelstadt den Schlosser­beruf ausübenden Johann Georg Buschbaum, der danach in Darmstadt Burger und Schlosser­meister gewesen ist. Er wurde am 16. Februar 1792 in Michelstadt geboren, seine Mutter war Maria Katharina geborene Friedlein. Sein Gevatter (Pate) war ebenfalls ein Johann Ludwig Buschbaum, Sohn des Michelstädter Burgers und Schlosser­meisters Benjamin Johann Buschbaum.

Johann Ludwig heiratete am 20. Februar 1825 Elisabethe Katharine Bonin, geboren am 16. Juli 1803 in Walldorf, gestorben am 23. Juni 1878 in Darmstadt. Sie stammte aus einer Waldenser­familie und war die Witwe des Darmstädter Burgers und Schlosser­meisters Christian Martin Hintz (auch Hinz, 1795–1824), den sie am 1. April 1821 ehelichte und der sehr früh mit 28 Jahren starb. Beide hatten eine Tochter Johanne Friederike, die möglicher­weise 1824 in Walldorf und nicht in Darmstadt zur Welt kam. Elisabethe Katharines Eltern waren der Gemeinde­mann zu Walldorf im Amt Kelsterbach Jean Pierre (Peter) Bonin (* 1769) und die aus Offenbach stammende Jeanne Marie Emmel (* 1778). Diese sollen nach Brasilien ausgewandert und gegen 1828/1837 in Bahia gestorben sein. [2]

Johanne Friederike (Frieda) heiratete am 25. September 1860 den damaligen Oberrechnungs­kammer-Justiz­akzessisten Peter Christian Joseph Zimmermann (1826–1867), der danach noch zum Probator aufstieg. Die erste Tochter Louise wurde 1861 geboren und starb 1898; eine weitere 1863 geborene Tochter Marie Mathilde starb nach einem halben Jahr. Der 1864 geborene Sohn Fritz brachte es zum Amts­gerichtsrat in Gießen und starb nur drei Monate nach seiner Mutter. Das Paar lebte auf dem Anwesen der Buschbaums in der Mühl­straße. Wurde Frieda noch 1860 als Tochter von Christian Martin Hintz bezeichnet, mit dem Zusatz, sie sei die Stieftochter von Johann Ludwig Buschbaum, wurde sie bei ihrem Ableben 1904 als geborene Buschbaum betrachtet. Sie war (zu einem unbekannten Zeitpunkt) adoptiert worden und somit ungeachtet ihrer Herkunft ein voll integriertes Familien­mitglied. Patchwork­familien waren damals durchaus verbreitet. [3]

Erst im Alter von 36 Jahren konnte Frieda sich einen Ehepartner wählen, wobei noch zu fragen wäre, wie viel Arrangement dahinter gesteckt haben mag. Das 1843 zuletzt geborene und noch lebende Kind von Elisabethe Katharine war 1860 alt genug, auf eigenen Beinen zu stehen, so daß Frieda davon befreit war, die Kinder zu hüten und ihrer Mutter beim Haushalten zu helfen. Dennoch lebte sie weiterhin, auch noch nach dem Tod ihres Ehemanns, einige Jahre in der Mühlstraße, bevor sie eine eigene Wohnung außerhalb der Buschbaum'schen Anwesen bezog. 1868 scheint sie ihren Lebens­unterhalt durch das Vorführen und den Verkauf von Kohlen­bügeleisen aufgebessert zu haben. Ihre Tochter Louise hingegen wohnte bei ihrem Tod in dem den Buschbaums gehörenden Anwesen Viktoria­straße 48. [4]

Johann Ludwig hatte mit Elisabethe Katharine zehn Kinder, von denen später vier in verschiedener Funktion und Zusammen­setzung ihre Maschinen­fabriken in Darmstadt betrieben.

Familiengrab.

Bild 1: Familiengrab Albrecht Buschbaum und Nachfahren, Alter Friedhof 1 G 234. Links und rechts vom zentralen Grabstein liegen die Platten für Johann Ludwig und Elisabethe Katharine Buschbaum. Deren Inschriften sind stark verwittert und schwer lesbar. Aufnahme vom Oktober 2021.

Der älteste Sohn, Georg August (genannt August), 1833 auf bzw. bei der Ludwigshütte geboren, starb am 26. Januar 1908. Friedrich August (Fritz) wurde am 12. Februar 1835 auf bzw. bei der Ludwigshütte geboren und starb recht früh am 1. Januar 1874. Johann Ludwig Georg Wilhelm (Ludwig) wurde am 9. Dezember 1840 in Darmstadt geboren und starb am 3. Januar 1886. August Albrecht (Albrecht), der jüngste Sohn, wurde am 24. April 1843 in Darmstadt geborten und starb am 24. Oktober 1910. Ihn hielt es – wie auch Ludwig – zunächst nicht in Darmstadt und er wurde im Gegensatz zu seinen Brüdern nicht Mechanikus, sondern Kaufmann. Er sollte zum Jahres­wechsel 1874/75 nach Darmstadt zurück­kehren. [5]

Albrecht Buschbaum muß sich vor seiner Rückkehr in Bayern herum­getrieben haben. 1873 finden wir die Mitteilung, daß er aus dem Geschäft des Kaufmanns und Versicherungs­agenten Louis Ringelmann in Würzburg ausgetreten und dadurch seine Prokura erloschen sei. Ende 1874 beendete er seine Tätig­keit als Kassierer bei den städtischen Lager­häusern in München, um, wie berichtet wird, „als Theilhaber der renommirten Werkzeug­maschinen­fabrik von Fritz Buschbaum, früher Gebrüder Buschbaum in Darmstadt“ einzutreten. [6]

Diese vier Söhne, die als Maschinen­fabrikanten tätig wurden, hatten mehrere Schwestern. Johanne Marie (Marie), geboren am 1. August 1827, heiratete am 24. April 1860 den Oberein­nehmer zu Bingen und späteren Steuerrat und Geheimen Finanzrat Ludwig Wilhelm Carl Römheld (Louis, 1827–1912). Sie lebten anschließend in Mainz, wo sie am 27. November 1897 starb. Eva Margarethe wurde am 21. April 1831 geboren und hatte am 29. Dezember 1859 Friedrich Ludwig Philipp Michael Carl Beyerle, möglicher­weise aus Darmstadt, geehelicht. Dieser Beyerle war Wiesbadener Bürger und Gasthalter in Interlaken. Als dessen Witwe starb sie am 9. Juli 1913 in Darmstadt.

Der Mechanikus und seine Fabrik

Das Hessische Wirtschaftsarchiv in Darmstadt gab 2000 in Zusam­men­arbeit mit dem Hessischen Staats­archiv Darmstadt unter der Redaktion von Thomas Lange didaktische Materialien zur Industriali­sierung in Darmstadt und Südhessen heraus. Beispiel­haft für Darmstadt sind darin Archivalien zur Blumen­thal'schen Maschinen­fabrik und zum Unter­nehmen der Gebrüder Buschbaum im heutigen Johannes­viertel enthalten. Thomas Lange schreibt darin:

„Um 1837 gründete der aus Michelstadt zugezogene ‚Mechanikus‘ Johann Ludwig Buschbaum (1792–1866) in Darmstadt eine Maschinen­fabrik. Nach dem Tod des Vaters über­nahmen die ältesten Söhne August und Friedrich die Fabrik, die nun ‚Gebr. Buschbaum, Maschinen­fabrik‘ hieß und nach dem Tod des ältesten Bruders Friedrich von dem jüngeren Bruder August als ‚Georg August Buschbaum, Maschinen­fabrik‘ bis zu seinem Tod 1908 weiter­geführt wurde. – 1877 gründeten die jüngeren Brüder Albrecht und Ludwig die Firma ‚Gebr. Buschbaum, Werkzeug-Maschinen-Industrie‘, die ab 1906 von Ludwigs ältestem Sohn Fritz Buschbaum weiter­geführt wurde. Diese Firma hatte ihren Sitz in der Viktoria­straße, später Frankfurter Straße bis zum Tod Fritz Buschbaums 1934, mit dem auch die Firma erlosch.

Produziert hat die Firma u. a. Dampf­maschinen, Heißluft­motoren, Werkzeug­maschinen, Brücken­waagen (zum Wiegen von Fahrzeugen).“ [7]

Diese Darstellung ist zumindest ungenau und, was Johann Ludwigs Maschinen­fabrik betrifft, unzutreffend. Denn er war ja 1844 aus seinem sieben Jahre zuvor gegründeten Maschinen­bau­unternehmen „Buschbaum & Comp.“ ausgetreten und hatte mit einer kleinen Werkstatt noch einmal von vorne begonnen. Am 8. Juni 1844 wurde eine entsprechende Annonce der Maschinen­fabrik und Eisengießerei Darmstadt publiziert.

Zeitungsannonce.

Abbildung 2: Bekannt­machung des Austritts von Johann Ludwig Buschbaum aus dem nach ihm benannten Darmstädter Unternehmen in der Groß­herzoglich Hessischen Zeitung vom 8. Juni 1844 [online ulb darmstadt].

Diese Fabrik kann Johann Ludwig seinen Söhnen somit nicht übereignet haben. Schon im März 1844 hatte er für sich und seine Werkstätte per Annonce im Darmstädter Frag- und Anzeige­blatt neue Räumlich­keiten gesucht. Diese fand er dann unter Lit. F Nr. 206 nicht weit entfernt von seiner vorherigen Wirkungs­stätte vor dem Maintor auf dem freien Feld, wo heute das Johannes­viertel steht.

„Bezugnehmend auf die Bekannt­machung der Direction der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei dahier vom 1. Juni l[aufenden] J[ahres], mache ich hiermit von der nunmehr auf eigene Rechnung getroffenen Einrich­tung einer mechanischen Werkstätte dahier, die ergebene Anzeige. Mich stützend auf meine bekannten bisherigen Leistungen, empfehle ich mich zu allen Aufträgen meines Geschäfts­zweigs, und hoffe, durch möglichst vollkommste Voll­ziehung derselben mich des geschenkten Zutrauens würdig zu zeigen.“ [8]

Annonce.
Abbildung 3: Annonce von Johann Ludwig Buschbaum im Darmstädter Frag- und Anzeige­blatt vom 26. April 1845 [online ulb darmstadt].

Die folgenden drei Jahre verbrachte er im Norden der Stadt, ehe er zum Jahres­wechsel 1847/48 ein eigenes Haus am Mühlweg (später Mühlstraße) unter Lit. H Nr. 186 am östlichen Stadtrand bezog. Auf diesem Gelände scheint im Jahr zuvor ein ansonsten unbekannter H. A. Hisgen eine Restauration „Zur Fortuna“ betrieben zu haben.

Sporadisch finden wir in den Folgejahren Annoncen des Mechanikus Buschbaum. Im April 1845 brachte er sich mit ausführ­licher Angabe seiner Produkt­palette in Erinnerung. Bemerkens­wert daran sind die Brillen, Fernrohre und Sonnenuhren, die wir wohl eher bei Hektor Rößler erwartet hätten. Hatte Buschbaum nur dessen Produkte über­nommen oder war er selbst bewandert genug, um fein­optische Geräte herstellen zu können? Im Oktober 1845 vertrieb er eine Flecht­maschine mit 20 Spindeln des Mechanikus Fr[iedrich?] Eberbach aus Stuttgart. Im Oktober 1846 warb er wieder mit seinen eigenen Erzeugnissen. Kurz vor seinem Auszug am Maintor annoncierte er eine Brückenwaage mit geeichten Gewichten sowie einen kupfernen und verzinnten Kessel mit der ausdrücklichen Angabe, beide seien nur kurz in Gebrauch gewesen. Im April 1848 bot Buschbaum an; Feuer­gewehre zu perkussionieren und zu reparieren. Am neuen Standort am Mühlweg hatte er im Juni 1849 „stets vorräthig“ Brillen, Thermometer und alle Sorten Waagen. Der vorherige Eigentümer des Anwesens, der Fabrikant A. Linck, wies im Oktober 1849 darauf hin, daß sich die Niederlage seines Steinguts noch auf dem nunmehr Buschbaum gehörenden Gelände befinde. Im November 1851 wurde ein Lehrling Buschbaums namens Nau prämiert, zwei Jahre später suchte er Bank­arbeiter für eine dauerhafte Beschäftigung. Danach scheinen die Annoncen zu versiegen. [8a]

Johann Ludwig Buschbaum scheint er einen gewissen Ruf gehabt zu haben, denn er drang bis in das kleine Fürstentum Liechten­stein. 1860 dachte man sich dort, man müsse seine antiquierte Armee aufrüsten und wurde beim Waffen­lieferanten Christian Schilling in Suhl vorstellig, um 90 Büchsen kleinen Kalibers zu erwerben. Die Kosten hierfür hätten bei knapp 4000 Gulden gelegen; ein Betrag, den das Herrscher­haus sicherlich leicht seinen Untertanen abpressen konnte.

„Für die Herstellung der neuen Geschosse musste eine Geschoss­presse angefertigt werden. Der Mechaniker Buschbaum in Darmstadt wurde von Rheinberger ersucht, eine Zeichnung und Beschreibung einer ‚so einfach wie möglich konstruierten Geschoss-Press-Maschine anher gelangen zu lassen‘. Buschbaum lieferte Beschreibung und Zeichnung, die aber nach Rheinbergers Aussage nicht bestellt werden konnte, da sie zu kompliziert sei. Rheinberger übermittelte Buschbaum eine eigenhändig entworfene Zeichnung mit der Anfrage, ob diese in vier Wochen geliefert werden könne. Im Februar 1861 aber schickte der Kontingents­kommandant die Zeichnung Buschbaums an den Mechanikus Johann Mannhardt in München mit der Anfrage, ob dieser seinen ‚Wünschen entsprechen‘ könne. Mannhardt fertigte die bestellte Presse für einen Betrag von 180 Gulden an. Rheinberger berichtete Landes­verweser v. Hausen voller Stolz, dass er einen ‚soliden und einfachen Apparat‘ erhalten habe, ‚mit welchem zwei Mann täglich 5000 bis 6000 Stück der schönsten und vollkommensten Geschosse zu prägen im Stande‘ seien.“ [9]

Kurz zuvor hatte die in Darmstadt herausgegebene „Allgemeine Militär-Zeitung“ in zwei Artikeln auf eine neue Methode zur Herstellung von Zünd­hütchen aufmerksam gemacht und hierbei auf die entsprechende Apparatur hingewiesen, die Johann Ludwig Buschbaum ersonnen hatte. Das Gerät hatte eine Abmessung von 75 Zentimetern Länge, 37 Zentimetern Breite und 80 Zentimetern Höhe; es wog rund 100 Kilogramm. Damit seien von einem einzigen Arbeiter 3000 bis 4000 Zündhütchen pro Stunde herzustellen. Der Preis pro Gerät lag bei 350 Talern [9a]. – Seine Werkstätte hatte er am Mühlweg. Anfang 1863 teilten seine Söhne August und Fritz mit,

„daß wir das seither von unserem Vater unter der Firma J. L. Buschbaum betriebene Maschinenbau­geschäft übernommen und nunmehr unter der Firma “Buschbaum'sche Maschinen­fabrik‘ fortführen werden.“ [10]

So wie der Vater ein Meister in der Herstellung großer Schrauben für Münzpräge­maschinen war, so boten die Söhne die ihren als Kelterschrauben (für Weinpressen) an. Aber auch Schnellbohr­maschinen und Lokomobile für Kreissägen waren im Programm. Die Maschinenfabrik der Brüder August und Fritz Buschbaum wurde alsbald von den Brüdern Merck beschäftigt. Meist handelte es sich um Reparaturen. In den drei Jahren bis zum Tod ihres Vaters weist das Haupt­kontenbuch von Merck Ausgaben für diverse Reparaturen und die Lieferung von zwei Mühlen in Höhe von rund 2.800 Gulden aus. Nebenher wurde auch Johann Ludwig noch angefragt; hier handelte es sich allerdings nur noch um Wiegebalken und Gewichte zum Preis von rund 50 Gulden. Johann Ludwig Buschbaum starb am 14. Oktober 1866. [11]

Somit erweist sich die bei Thomas Lange zu findende Bemerkung, August und Fritz hätten die Maschienen­fabrik nach seinem Tode geerbt, als ebenfalls unzutreffend [12]. Ein Jahr später wurde das Inventar der Werkstätte Johann Ludwigs versteigert; die Söhne benötigten davon nichts und es galt, die aus Maschinen und Werkzeugen bestehende Erbschaft zu monetarisieren.

Versteigerung Nachlaß Buschbaum.

Abbildung 4: Versteigerung von Maschinen und Geräten aus dem Nachlaß von Johann Ludwig Buschbaum. Quelle: Hessische Volksblätter vom 4. September 1867, Scan vom Mikrofilm. [13]

Vorsichtshalber stellten August und Fritz klar, daß ihr Geschäft durch die Versteigerung nicht leide.

Bekanntmachung zur Versteigerung.

Abbildung 5: Bekannt­machung der Gebrüder Buschbaum im Frag- und Anzeige-Blatt vom 3. September 1867 [online ulb darmstadt].

Es kann so gewesen sein, daß sich die Dampf­maschine schwer an den Mann bringen ließ, denn im Dezember 1868 annoncierten die Gebrüder Buschbaum eine „gut erhaltene Dampf­maschine von 3–4 Pferdekraft“ und eine Waage von 80 Zentnern Tragkraft. Nur die Waage entstammte somit der eigenen Produktion. [14]

Die Dampfmaschine

Thomas Lange hatte geschrieben: „Produziert hat die Firma u. a. Dampf­maschinen […]“ – und möglicher­weise ist da etwas dran. Ob dies unter der Firma „Gebrüder Buschbaum“ geschah, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls findet sich Anfang 1864 eine Mitteilung in der Ansbacher Ausgabe der „Fränkischen Zeitung“, die einen Hinweis auf eine fahrbare Dampf­maschine bietet.

„Von Seite einiger Nürnberger Bürger wurde in der Busch­baumschen Maschinen­fabrik zu Darmstadt eine 2pferde­kräftige Lokomobile nebst Vorrichtung zum Schneiden und Spalten des Holzes bestellt. Auf einem fahrbaren, durch eigene Kraft sich fort­bewegenden Wagen ruhend, mit einem Kessel von 3 [Quadrat] Meter Heizfläche, einer Kreissäge von 45 C. M. Durchmesser etc. versehen, wird dieselbe bis zum April geliefert werden und eine Klafter Schnittholz in dem Zeitraume von nur einer Stunde sägen und spalten. Die Unternehmer sind überzeugt, bedeutend geringere als die jetzt bestehenden Holzbauer­löhne berechnen zu können.“

Eine solche oder eine ähnliche Lokomobile (wie auch eine kleine Dampf­maschine) hatte die Buschbaum'sche Maschinen­fabrik einige Monate zuvor in mehreren, teilweise auch über­regional beziehbaren Zeitungen annonciert. Andererseits suchte die Fabrik im Oktober 1864 per Annonce nach einem passenden Dampfkessel und einer Hobel­maschine. Hatten sie nicht das nötige know-how, den Dampfkessel selbst herzustellen? Wie dem auch sei – außer der Dampf­maschine, die wohl die ihres Vaters war, scheint es keine weiteren Versuche gegeben zu haben, eine stationäre oder fahrbare Dampf­maschine herzustellen oder anzubieten. In einem ausführ­lichen Preiscourant vom 15. November 1869 finden wir hierauf jedenfalls keinerlei Hinweis mehr, mit Ausnahme der kryptischen Bemerkung zum Schluß: „Die meisten obiger Maschinen können auch für Dampfbetrieb eingerichtet werden.“ Dies ist wohl so zu verstehen, daß die Busch­baum'schen Werkzeug­maschinen zu einer bestehenden Dampf­maschine integriert werden konnten. [15]

Fazit: Ja, die beiden Buschbaum-Brüder August und Fritz hatten in den Anfängen ihrer Selbständig­keit eine kleine Dampf­maschine im Angebot, und nein, dies war nur eine Episode in ihrer Frühzeit. Entweder war hierfür kein Bedarf vorhanden oder aber die Konkurrenz zu groß. Schon bald konzentrierten sie sich auf Werkzeuge und kleine Werkzeug­maschinen und, zumindest August, auf Heißluft­motoren.

August und Fritz als erste Gebrüder Buschbaum

Annonce.
Abbildung 6: Annonce einer Schnell­bohr­maschine im Pfälzi­schen Kurier vom 20. März 1866 [online bsb münchen].

Schon bevor die beiden Brüder das Geschäft ihres Vaters übernahmen, hatte sich Fritz eine eigene mechanische Werkstätte zugelegt. Er scheint sie neben oder sogar innerhalb der Fabrik seines Vaters in der Mühlstraße Lit. H Nr. 186 eingerichtet zu haben. Alsdann annoncierte er im Juni 1862, er empfehlte „seine mech[anische] Werkstätte zur Lieferung feinerer Werkzeug­maschinen, genaue Arbeit erfordernd, bei billigen Preisen“. [16]

Im Januar 1868 (so die Auskunft aus dem Handelsregister) benannten August und Fritz ihre Fabrik in „Gebrüder Buschbaum“ um. Mehrere Annoncen aus den Jahren 1866 und 1867 legen jedoch nahe, daß dies schon zwei Jahre vorher geschah. Doch fünf Jahre später gingen sie getrennte Wege. [17]

Befahrbare Waagen

„Wie in der unteren Gegend schon länger, scheint jetzt auch hier für die so gut bewährten befahrbaren Brückenwaagen sich Interesse zu regen, und es ist nur zu wünschen, daß diese nützliche Einrichtung allgemein eingeführt wird. Die Zeitschrift der landwirth­schaftlichen Vereine des Groß­herzogthums Hessen schreibt aus Starkenburg, daß in vielen Gemeinden die Anschaffung solcher Waagen, die sich sowohl für Gemeinde­behörden, als größere Oekonomieen, Landgütern, Fabriken etc. eignen, beschlossene Sache ist. Es soll sich hierbei die Fabrik von Gebrüder Buschbaum in Darmstadt, aus welcher die neuesten städtischen Brücken­waagen und auch jene des Landes hervor­gegangen sind, besonders auszeichnen, und schreibt die hessische Zeitschrift u. A. noch Folgendes:

‚Solche Waagen bieten nicht allein eine große Erleichterung für den Verkehr, da sie ebenso gut zum Abwiegen ganzer Wagen­ladungen, wie der kleinen Gegenstände, Vieh etc. benutzt werden können, sondern es wird sicher aus dieser nützlichen Anschaffung im Laufe der Zeit eine Einnahms­quelle entstehen, da jeder Käufer und Verkäufer, um sich sicher zu stellen, gerne ein geringes Waaggeld bezahlen wird. Hr. Oppermann aus Langen, welche Gemeinde im vorigen Jahre eine befahrbare Waage von 200 Ctr. Tragkraft von Gebrüder Buschbaum in Darmstadt bezogen hat, schreibt: „Die Waage hat in den letzten paar Monaten ohngefähr 40–50 fl. per Monat der Gemeinde abgeworfen, rentirt sich also ganz gut, trotzdem das heurige Jahr für den Gebrauch der Waage ein verhätniß­mäßig ungünstiges zu nennen ist, da z. B. Kartoffel gar nicht gehen. Bis jetzt werden schwere Gegen­stände meistens blos taxirt, oder wenn es möglich ist, einzeln (stück- oder sackweise) gewogen, allein Jeder, der damit schon zu thun hatte, weiß, welche immer wieder­kehrenden Differenzen und Streitig­keiten dadurch entstehen, wenn dergleichen Gegen­stände blos geschätzt werden, und ebenso wie lästig und zeitraubend das Einzelwiegen ist. Letzteres bietet ohnedies auch keine besondere Zuverlässig­keit und können Betrügereien trotz der größten Aufmerk­samkeit vorkommen.

Die Construction der Waagen der Gebrüder Buschbaum ist neu und gegen jene der älteren Waagen wesentlich vereinfacht, indem bei derselben statt wie früher 4 Wiegehebel, nur 3 angebracht sind. Hierdurch wird in demselben Verhältniß die Reibung vermindert und die größte Genauigkeit erzielt. Das seither angebrachte Wiegegestell fällt bei denselben weg und liegt der ganze Mechanismus unter der Erde, ist also vor unbefugten Händen geschützt. Das Gewicht wird beim Abwiegen auf eine kleine eiserne Platte gestellt und stellt eine einfache Drehung an einem Rädchen die Waage nach geschehener Wiegung sogleich in den Ruhestand.

Eigentliche Reparaturen können an der Waage kaum vorkommen, dagegen ist es nöthig, daß die Drehachsen, die Hebel von Zeit zu Zeit nachgesehen und gereinigt werden. Zu diesem Zwecke ist die Grube der Waage circa 1½ Meter (6 Fuß) tief vorgesehen, so daß man jederzeit leicht und ohne deshalb den Betrieb unterbrechen zu müssen, an alle einzelnen Theile des Mechanismus gelangen kann.“ [18]

Anderthalb Jahrzehnte später wird Carl Schenck die Konstruktion und den Gebrauch von Brücken­waagen revolutionieren. Sein Etablisse­ment befand sich nur wenige hundert Meter von dem der Gebrüder Buschbaum entfernt in der Landwehr­straße.

Das Großherzogliche Salinenamt in Bad Nauheim betrieb Mitte der 1860er Jahre eine eigene Brückenwaage, die – weil eine solche für die Allgemeinheit nicht existierte, auch von lokalen Gewerbe­treibenden oder Landwirten gegen eine Gebühr genutzt werden konnte. 1868 sollte diese Waage an die neuen Bedürfnisse angepaßt werden, wozu die Gebrüder Buschbaum den Auftrag erhielten.

„Lieferungs-Vertrag

Das Großherzogliche Salinenamt Nauheim und die Herren Gebrüder Buschbaum in Darmstadt schlossen heute folgenden Vertrag unter Voraussetzung der Genehmigung Großherzoglicher Oberbau­direction zu Darmstadt.

1. Die Herrn Gebrüder Buschbaum übernehmen die Verpflichtung, zu der befahrbaren Brückenwaage des Salinenamtes Nauheim ein neues Wiegegestell zu liefern, welches in der Art construirt sein muß, daß die Waage durch eine einfache Drehung in Ruhestand versetzt wird und mit Waagschale versehen ist. Auf der Waagschale muß 1 ℔ Belastung genau 100 ℔ Belastung der Brücke anzeigen.

2. Der Preiß des Wiegegestells mit allen damit zusammen­hängenden Arbeiten fertig aufgestellt, so daß die Waage zum Gebrauch fertig ist, wobei nur die nöthigen Abänderungen des Fundaments ausgeschlossen sind, beträgt Zweihundert Gulden, der Preiß der dazu nöthigen Gewichte und zwar ein Satz von 50 ℔ an abwärts bis 1 ℔, nebst 1 Satz Decimal­gewichten 17 fl.–, also im Ganzen Zweihundert siebenzehn Gulden. Sollten an dem Hebelwerk in der Waaggrube Veränderungen nöthig sein, so werden diese für den Betrag von fünfund­zwanzig Gulden hergestellt; das Salinenamt stellt die Hülfs­mannschaft, welche zur zeitweisen Belastung nöthig ist.

3. Die Zahlung erfolgt nach vollständiger Aufstellung und statt­gefundener Prüfung der Waage aus Großherzoglicher Salinenkasse.

4. Das alte Wiegegestell verbleibt den Unternehmern.

Bad Nauheim, den 24. November 1869.
Großherzogliches Salinenamt Nauheim.“ [19]

Der Preiscourant von 1869

Mit Datum vom 15. Novenber 1869 stellten August und Fritz den neuen Preiscourant der Gebrüder Buschbaum vor. Vorherige Preis­verzeichnisse wurden hierdurch ungültig. Dieser achtseitige Prospekt enthält eine Vorbemerkung, anderthalb Seiten mit Zeugnissen zufriedener Kunden, drei Seiten mit Spezifikationen zu den Produkten sowie deren Preise in Gulden und umgerechnet nach Talern und Silber­groschen, sowie zwei Seiten mit technischen Zeichnungen. Das im Staatsarchiv Darmstadt vorhandene Exemplar ist allerdings derart in eine Akte eingebunden, daß eine digitalisierte Reproduktion verhindert wird. [20]

„Indem wir Ihnen nachstehend unsern neuen Preis-Courant von Werkzeug­maschinen für Metall­verarbeitung übergeben, hoffen wir. dass Sie darin Manches finden, von dem Sie in Ihrem Geschäft Gebrauch machen können. – Die meisten angeführten Maschinen sind nach eigner, neuer und bewährter Construction ausgeführt; andere in vielen Beziehungen wesentlich verbessert.

Vielfach geäusserten Wünschen entsprechend, liefern wir jetzt auch die neuen Esseisen (für Schmiedfeuer) und Bohrrollen für kleine Löcher.

Die untenstehenden Preise verstehen sich franco Bahnhof hier (die Transport­kosten sind nicht von Belang und betragen per Centner und 10 Meilen nur 14 kr. = 4 Sgr.) – Um den Ankauf von Werkzeug­maschinen auch unbemittelteren strebsamen Geschäfts­leuten zu ermöglichen, haben wir uns entschlossen, ausnahms­weise unter genügender Sicherheit einen Theil des Betrags der Maschinen auch länger als 3 Monare zu creditiren; nur bei Nachnahme des ganzen Betrags werden 5% Sconto gewährt (exclusive kleinere Gegen­stände, Bohrrollen, Schmiedfeuer, Lineale etc., welche nur gegen baar ohne Sconto verkauft werden). – Maschinen, die nicht conveniren sollten, nehmen wir 8 Tage nach Empfang wieder zurück, wobei jedoch der Besteller sämmtliche Frachtkosten zu tragen hat. Das Eigenthums­recht an gelieferten Maschinen müssen wir uns bis zur völligen Bezahlung vorbehalten. – Die gangbaren Maschinen sind gewöhnlich vorräthig und können Bestellungen hierauf umgehend effectuirt werden.

Unsere Maschinen sind solid und elegant gearbeitet und erfreuen sich eines stets wachsenden Beifalls; als Beweis führen wir Ihnen untenstehend einige Zeugnisse und anerkennende Zuschriften an.

Mit der Bitte uns bei Bedarf mit einer Probe­bestellung zu erfreuen und uns bei Gelegenheit gütigst weiter empfehlen zu wollen, erklären wir uns zu weiterer Auskunft sowie zur Uebersendung von genauen Zeichnungen oder Photographien gerne bereit.“

Anhand der Zeugnisse läßt sich die überregionale Verbreitung der Buschbaum'schen Produkte nachvollziehen. Zusendungen kamen aus dem Harz, Kassel, Würzburg, Wesel, Schwerin, Merseburg, Kiel, Trier, Nürnberg, Freiburg und Erfurt; geliefert wurde ohnehin in den Bereich des gesamten Nord­deutschen Bundes. Zwar liegen auch Zeugnisse aus der Region rund um Darmstadt vor, doch scheinen sich die Gebrüder Buschbaum von vornherein nach außerhalb von Hessen orientiert zu haben.

Die Produktpalette war in neun Abteilungen aufgeteilt: Drehbänke, Schnellbohr­maschinen, Blechscheren, Kreisscheren, Stanz­maschinen, Reifbieg­maschinen, Biegmaschinen, Esseisen und Lineale aus Gußstahl. Die meisten dieser Maschinen konnten mit Dampf­maschinen oder Dampfkesseln verbunden werden. Die teuerste Maschine war eine Drehbank mit Support für 660 Gulden. Wir bewegen uns hiermit in einem Segment, das auf kleinere und mittlere Betriebe und Handwerks­meister zugeschnitten war.

Vermutlich wird es einen weiteren Preiscourant für Brückenwagen gegeebn haben. Aus dem November 1871 stammt ein ergänzendes Blatt mit einem Nachtrag für Wandbohr­maschinen.

Ludwig und Albrecht als zweite Gebrüder Buschbaum

Mitteilung der Hochzeit.
Abbildung 7: Mitteilung über die Heirat des Bürgers der USA Ludwig Buschbaum mit Lina Beyerle, der Witwe seines Bruders Fritz, im Darmstädter Frag- und Anzeige-Blatt vom 18. Juli 1874 [online ulb darmstadt].

Fritz Buschbaum hatte am 26. Dezember 1861 Susanne Amalie Helene (Lina) Beyerle aus und in Wiesbaden geheiratet. Das Paar hatte einen Sohn Ludwig Heinrich, der jedoch 1869 im Alter von nur sechs Jahren verstarb. Zwei Jahre zuvor hatte ja schon seine vier Jahre ältere Schwester Eva Margarethe in die Familie Beyerle hinein­geheiratet  [21]

Nach der Trennung der als „Gebrüder Buschbaum“ firmierenden Brüder betrieb Fritz seit dem 1. Oktober 1873 eine eigene Maschinen­fabrik, starb aber schon drei Monate später am 1. Januar 1874. Seine Witwe Lina wurde daraufhin im Firmen­register als alleinige Inhaberin eingetragen; Ludwig, der dritte noch lebende Sohn des Mechanikus Johann Ludwig Buschbaum, erhielt Prokura. Sie war gleichzeitig seit dem 1. Oktober 1873 die Liquidatorin der Firma „Gebrüder Buschbaum“. Ein halbes Jahr später tauschten beide ihre Funktion, nunmehr war er der Inhaber und sie die Prokuristin. Wenige Tage später, am 12. Juli 1874, heirateten Ludwig und Lina. So blieb alles in der Familie. Sie starb im Alter von nur 44 Jahren am 23. Oktober 1885, er wurde auch nur ein Jahr älter, als er am 3. Januar 1886 verschied. Das Paar hinterließ vier Kinder: Fritz, Paula, Ludwig und Albrecht.

Zu Jahres­beginn 1875 kam der jüngste Bruder Albrecht aus Bayern zurück und wurde gleich­berechtigter Partner. Er heiratete am 18. August 1877 die aus Mainz stammende Louise Schmahl (1856–1935), die Tochter des Eisenwaren­händlers Peter Schmahl und der Viktoria Louise Krebs. Das Paar hatte zwei Söhne und vier Töchter, die allesamt für die Maschinen­fabrik keine Rolle gespielt haben. Georg August hingegen, der andere Teilhaber der aufgelösten Firma Gebrüder Buschbaum, betrieb seine Maschinen­fabrik erst ab dem 1. Januar 1874. [22]

Der Wiener Börsenkrach von 1873 beendete das vor allem mit der Planung und dem Bau von Eisenbahnen einhergehende Spekulations­fieber und die Aufbruchs­stimmung, die schon vor der Kapitulation Frankreichs vor dem aufstrebenden deutschen Militarismus begonnen hatte. Die nachfolgend krisenhaften Jahre erreichten auch Darmstadt. Die Lage schien trostlos und als Konsequenz liquidierte ausgerechnet das erste Haus am Ort, die Maschinenfabrik und Eisengießerei, 1879 seine Geschäfts­tätigkeit. Doch nicht alle Unternehmen wurden von der sogenannten Gründerkrise in Mitleiden­schaft gezogen.

„Die Fabrikation von Werkzeug­maschinen wird von der Maschinen­fabrik von Fritz Buschbaum dahier betrieben. Derselben gelang es, da sie besonders mittlere und kleinere Werkzeug­maschinen anfertigt, für welche ziemlicher Absatz vorhanden war, ihre Fabrik im vergangenen Jahre ungeschmälert im Gang zu erhalten und ein verhältniß­mäßig zufrieden­stellendes Resultat zu erzielen. Die Rohstoffe wurden zu 90% aus dem Zollvereins­inland, zu 2% aus Oesterreich (steyermärkischer Werkzeug­stahl) und zu 8% aus dem übrigen Zollvereins­ausland (Sheffielder Werkzeug­stahl) bezogen. Der Absatz ging zu 95% in das deutsche Reich, der Rest nach Oesterreich und in das übrige Zollvereins­ausland.

Genannte Firma hat im vorigen Jahre ein neues Ausstellungs­gebäude errichtet, wodurch sie in den Stand gesetzt ist, eine große Anzahl der von ihr verfertigten Maschinen zur Besichtigung und Probe auf Lager zu halten.“

Quelle: Jahresbericht der Groß­herzoglich Hessischen Handels­kammer zu Darmstadt für das Jahr 1875, Seite 68–69.

Mit dem 12. September 1876 benannten Ludwig und Albrecht ihre Fabrik in „Fritz Buschbaum (Gebrüder Buschbaum)“ um. Beide blieben gleich­berechtigte Teilhaber. Zum 10. März 1879 ließen sie die Erinnerung an ihren älteren Bruder aus dem Namen der Firm wegfallen und nannten sich nur noch „Gebrüder Buschbaum“. Nach Ludwigs Tod wurden seine vier Kinder Teilhaberin und Teilhaber, doch nur Albrecht war vertretungs­berechtigt. Seine Ehefrau Louise geborene Schmahl erhielt Prokura. [23]

Die Werkzeug­maschinen­fabrik „Gebrüder Buschbaum“ verfügte nicht nur über einen Ausstellungs­raum ihrer Produkte auf dem Fabrik­gelände, sondern stellte ihre Werkzeuge und Maschinen auch bei mehreren sich bietenden Gelegen­heiten aus. Eine davon war die vom Mai bis Oktober 1888 in München stattfindende deutsch-nationale Kunst­gewerbe­austellung.

„Ein Ausflug nach München.

II.

Ein besonderer Bau war für die umfangreiche Ausstellung der Kraft- und Arbeits­maschinen und der Klein-Motoren hergerichtet. Es waren besonders wieder die wichtigen Gasmotoren der rühmlichst bekannten Deutzer Fabrik ausgestellt. Daneben aber auch solche von Baiern, Bedn, Sachsen u. s. w., Motoren von weniger als ¼ bis zu solchen von mehreren Pferdekräften in den verschiedensten Konstruktionen, stehend, liegend, u. s. w.

Sehr wurde auf einen neuen ‚Patent-Ventil-Gasmotor‘ der Chemnitzer Fabrik ‚Union‘ aufmerksam gemacht; derselbe soll bei großer Leistungs­fähigkeit wenig Raum und geringen Gasverbrauch beanspruchen, dabei eine äußerst langsame Gangart haben. – Auch ein Motor für Petroleum- oder Benzin-Benutzung war ausgestellt. – Die verschieden­artigsten Bohr­maschinen, Eisen- und Blechscheeren, Schneid­maschinen, überhaupt Werkzeug­maschinen waren von Gebrüder Buschbaum in Darmstadt ausgestellt. – Interessant war auch die Holz­bearbeitungs­maschine für Tischler und Wagenbauer von Gebrüder Krämer in Siegburg.

Außerordentlich reichhaltig war die Abteilung für Nähmaschinen vertreten, darunter sehr große verschiedenster Konstruktion für Sattler, Riemer und besonders für Schuhmacher. Für das letztere Gewerbe waren überhaupt viele kleinere und größere Hülfs­maschinen zu sehen.“

Der Autor fährt fort mit dem Besuch von Tagungen und zugehörigen Arbeitsessen [den obligatorischen ausschweifenden Umtrunk erwähnt er nicht], von Galerien und von Ausflügen in die nähere Umgebung.

Quelle: Aachener Zeitung vom 9. September 1888 [online zeit.punktNRW].

Auf einer Schlosserei-Ausstellung 1889 in Berlin errang „Gebrüder Buschbaum“ eine Silber­medaille. Angesichts der von der dortigen Schlosser­innung verteilten acht goldenen, 25 silbernen und 41 bronzenen Medaillen sollten derartige inflationäre Auszeich­nungen grund­sätzlich mit Skepsis betrachtet werden. Hinzu kamen sechs Staats­medaillen, je zwei von jeder Sorte. [24]

Drei Jahre zuvor, anläßlich Ludwigs Tod Anfang 1886, gab es einiges zu regeln, etwa die Vormund­schaft über die vier nunmehr vollwaisen Kinder. In der Vorbemerkung zum Inventarium des Nachlasses von Ludwig Buschbaum erfahren wir:

„Der am 3. Januar 1886 verstorbene Maschinen­fabrikant Johann Wilhelm Ludwig Buschbaum stand mit seiner am 23. October 1885 verstorbenen Ehefrau, Lina geb. Beyerle in dritter und diese mit ihm in zweiter Ehe aus welcher vier Kinder:

  1. Fritz Buschbaum, geb [kein Datum]
  2. Paula [Buschbaum, geb [kein Datum]]
  3. Ludwig [Buschbaum, geb [kein Datum]]
  4. Albrecht [Buschbaum, geb [kein Datum]]

am Leben sind, für welche Gr[oß]­h[erzoglicher] Ober­bürger­meister A. Ohly in Darmstadt als Vormund unterm 6. Januar 1886 verpflichtet wurde.

Der Mann lebte in erster Ehe mit Johanna geb. Wandel und in zweiter Ehe mit Minna geb. Brunner, beide Ehen blieben kinderlos. Diese beiden Frauen starben in Amerika und ist der Todestag hier nicht bekannt. Die zwei ersten Ehen sollen in Amerika und die dritte im Jahre 1874 in Darmstadt geschlossen worden sein.

Die dritte Frau des Joh. Wilh. Ludwig Buschbaum geb. Beyerle lebte in erster Ehe mit dem am 1. Jan. 1874 verstorbenen Fritz Buschbaum, von welchem Kinder nicht vorhanden sind.

Es liegt letztwillige Verfügung durch [?] J. L. Buschbaum und Frau geb. Beyerle vom 11. Dez[em]ber 1874 vor, nach welcher, falls Kinder bei ihrem Ableben vorhanden sein sollen, die dahier geltenden gesetz­lichen Bestimmungen einzutreten haben, im Uebrigen sind nur Bestimmungen für den kinderlosen Sterbefall getroffen.“ [25]

Die Kinder erbten demnach inklusive der anteiligen Vermögens­werte an der Firma „Gebrüder Buschbaum“ rund 130.000 Mark. Albrecht führte das Geschäft zunächst alleine weiter.

Der Bruder aus Amerika

Offensichtlich waren nicht alle vier Söhne des Mechanikus Johann Ludwig Buschbaum gewillt, ihr Leben in Darmstadt zu verbringen. Albrecht zog es als Kaufmann nach Franken und Bayern, während Ludwig 1865 die Gelegenheit wahrnahm, auf einem Auswanderungs­dampfer in die Neuengland­staaten zu gelangen,

Auswanderungs Annonce.

Abbildung 8: Annonce zu den Postschiffen zwischen Hamburg und New York im September und Oktober 1865 in der Allgemeinen Auswanderungs-Zeitung vom 7. September 1865 [online bsb münchen].

Er nahm hierzu das Dampfschiff Teutonia, das Hamburg am 7. Oktober 1865 mit 752 Passagieren verließ und am 26. Oktober in New York anlandete. Was er dort machte, ist derzeit ebensowenig klar wie der Zeitpunkt seiner Rückkehr. Es ist gut möglich, daß er Ende 1873 oder Anfang 1874 wieder in Darmstadt angekommen ist. Das Darmstädter Adreßbuch für 1873 führt ihn noch nicht auf; sein Meldebogen gibt hierzu nichts her. [26]

Die beiden Ehen in den USA lassen sich ansatzweise rekonstruieren. So fand die Eheschließung mit Johanna Wandel 1867 in der German Evangelical Lutheran Church in Newark statt. Wann und unter welchen Umständen sie gestorben ist, ist hingegen unklar. Die Ehe mit Minna Brunner wurde 1872 in Manhattan geschlossen. Möglicher­weise wurde die Ehe geschieden (und die Braut starb nicht, wie in der Vorbemerkung zum Inventarium angegeben), denn eine Frau gleichen Namens heiratete 1875 in Manhattan einen Louis Weis (Ludwig Weiss?). Vielleicht verließ Ludwig bei der Nachricht vom Tod seines Bruders Fritz Hals über Kopf die USA; und da es keinen Daten­austausch und -abgleich zwischen den USA und dem Deutschen Kaiserreich gegeben hat, konnte er bei seiner Rückkehr dem Darmstädter Standesamt angeben, auch seine zweite Ehefrau sei verstorben. Denn sonst wäre es ja Bigamie gewesen. [27]

Die Lokalitäten

Johann Ludwig Buschbaum hatte seine Wirkungs­stätte Ende 1847 an den Mühlweg verlegt. Dort wird er unter der Adressierung nach dem Brand­versicherungs­kataster mit Litera H Nummer 186 geführt. Später sollten sich seine beiden Söhne ebenfalls dort einrichten, bevor sie sich einen Bauplatz auf der grünen Wiese suchten.

Ausschnitt Stadtplan.

Abbildung 9: Lage der Maschinen­fabrik von Johann Ludwig Buschbaum und seiner Söhne am östlichen Rand der Altstadt (blau markiert) auf dem Plan der Haupt- und Residenz­stadt Darmstadt von Georg Nau 1866 [online ulb darmstadt].

Im Februar 1868 kauften Georg August und Friedrich Buschbaum zwei Grundstücke auf dem noch unbebauten Gebiet des bald darauf entstehenden Blumenthal­viertels, dessen ursprüngliche Adressierung noch mit Schloß­garten­straße vermerkt ist. Es handelte sich um die Eckgrund­stücke der späteren Kahlert- und Victoria­straße mit einem Flächen­inhalt von 379 Quadrat­klaftern (das sind etwa 2400 Quadrat­meter). Dort ließen die beiden Brüder eine einstöckige Werkstätte mit Kesselhaus und Dampfkamin errichten, deren Versicherungs­wert im Brand­versicherungs­kataster mit 4.800 Gulden angegeben wurde. Im Oktober 1868 verlegten sie ihre Maschinen­werkstätte von der Mühl­straße 23 in das neue Fabrik­gebäude. [28]

Protest!

„Gegen das Bauwesen der Gebrüder Buschbaum in der von der Frankfurter Straße nach der Schneid­mühle hinziehenden Straße legt der Gemeinderath Protest ein, bis die Bauunter­nehmer das in die Straße fallende Gelände an die Stadt abgetreten haben werden.“

Quelle: Auszug aus dem Sitzungs-Protokoll des Gemeinde­raths der Haupt- u[nd] Residenz­stadt Darmstadt vom 14. Mai 1868, abgedruckt in der Beilage des Darmstädter Frag- und Anzeige­blatts vom 26. Mai 1868 [online ulb darmstadt].

Die Wege der beiden Brüder trennten sich, auch wenn beide Fabriken dicht nebeneinander im nördlichen Teil des Karrees Liebigstraße, Kahlertstraße, Victoriastraße und Alicestraße gelegen haben. Georg August beschäftigte sich mit Heißluft­motoren, während seine Brüder Werkzeug­maschinen fertigen ließen. Wenn es bei Thomas Lange heißt, die Firma habe Dampf­maschinen, Heißluft­motoren, Werkzeug­maschinen und Brücken­waagen produziert, so stimmt dies nur insofern, als die verschiedenen Unternehmungen zusammen genommen dies alles im Programm hatten; und bei der Dampf­maschine ist selbst dies zweifelhaft. Die späteren Gebrüder Buschbaum fertigten jedenfalls keine Heißluft­motoren.

Ausschnitt Stadtplan.

Abbildung 10: Ausschnitt aus dem Plan der Haupt- und Residenz­stadt Darmstadt mit Bessungen von Ferdinand Heberer 1874 [online ulb darmstadt], gegen­über dem Original genordet. Die Markierungen: A Alte Fabrik der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei an der Frankfurter Straße, N deren Neue Fabrik an der Blumenthal­straße, G Gasfabrik der privaten Aktien­gesell­schaft, heute Schulinsel, F das Anwesen von Fritz und Lina Buschbaum an der Ecke Kahlert- und Viktoria­straße, B der Streifen von der Liebigstraße 25 zur Viktoriastraße 46, mittendrin die Werkstatt von Georg August Buschbaum.

1873 wurden Friedrich mit seiner Ehefrau Lina alleinige Eigentümer/in. 1875 waren die Bauten mit einem Versicherungs­wert von 45.529 Mark erweitert worden. Die Fabrik­gebäude befanden sich an der Kahlert­straße; später wurde mit der Viktoria­straße 48 ein Wohnhaus neben dem von Georg August (Nummer 46) errichtet. Da der Zugang zur Fabrik von der Viktoria­straße aus erfolgte und sich am Eingang wohl auch das Comptoir befand, lautete die Anschrift zunächst Viktoria­straß 52. [29]

Ausschnitt Katasterplan.

Abbildung 11: Ausschnitt aus einem Teilungsplan des Geländes der Gebrüder Buschbaum von 1886. Quelle: HStAD G 28 Darmstadt, F Nr. 1489/32. Rechts das Fabrikgebäude an der Kahlert­straße, links das Wohnhaus an der Viktoria­straße. [30]

Viel heiße Luft

Die Gründe, die dazu geführt haben, daß August und Fritz Buschbaum mit ihren Maschinen­fabriken getrennte Wege gingen, sind nicht bekannt. Denn zunächst einmal scheint sich August ebenso wie Fritz bzw. sein Nachfolger Ludwig der Fertigung verschiedenerlei Werkzeuge und Werkzeug­maschinen verschrieben zu haben. Erst im Herbst 1880 schlug August auch nach außen wahrnehmbar einen anderen Weg ein.

Zeitungsannonce.

Abbildung 12: Versteigerung von Maschinen wegen Verlagerung seiner geschäftlichen Aktivitäten durch Georg August Buschbaum. Quelle: Darmstädter Tagblatt vom 9. November 1880 [online ulb darmstadt]. Die Annonce wurde auch über­regional geschaltet, beispiels­weise in der Kölnischen Zeitung vom 5. November 1880 [online zeit.punktNRW].

August Buschbaum konzentrierte sich nunmehr auf die Entwicklung und Produktion von Heißluft­motoren und reichte hierzu mehrere Patent­anträge ein. Seine Heißluft­motoren waren eine verbesserte Form des Stirling-Motors. Sein Zielpublikum bestand aus kleinen Gewerbe­treibenden, die günstige und ohne großen Aufwand zu installierende Kraft­maschinen benötigten. [31]

Bericht über Heißluftmotor. Fortsetzung.

Abbildung 13a und 13b: Mitteilung zu Buschbaums Heiß­luftmotor in der Oester­reichischen Zeit­schrift für Pharmacie Nr. 22 vom 1. August 1881 [online önb wien], Seite 348–349.

Annonce.

Abbildung 14: Annonce zum Heiß­luftmotor von G. August Buschbaum in der öster­reichischen Satire­zeitschrift Kikeriki! vom 2. Dezember 1883 [online önb].

Den Heißluft­motoren erwuchs um die Jahrhundert­wende eine Konkurrenz in den Gas- und Elektromotoren.

„Heute sind nur noch die geschlossenen Heißluft­maschinen in Gebrauch, und auch diese sind bei der scharfen Konkurrenz der Gasmotoren kaum mehr lebens­fähig.“

„Der bekannteste und bewährteste unter den heutigen Heißluft­motoren ist der von G. A. Buschbaum in Darmstadt. Er stellt eine geschlossene Maschine dar und zeichnet sich vor allem durch eine zweckmäßige Art der Regulierung aus.“

„Als ein Nachteil des Heißluft­motors muß es bezeichnet werden, daß er je nach seiner Größe 20 bis 45 Minuten angeheizt werden muß, ehe er in Betrieb gesetzt werden kann.“ [31a]

Die Prokuristinnen

Ist schon wenig über die Männer der Buschbaum-Familie aus den spärlichen Überlieferungs­resten zu sagen, so gilt dies umso mehr für die Frauen. Kein Wort darüber, wie sie es geschafft haben, die vielen Kinder in die Welt zu setzen. Kein Wort darüber, wie ihr Haushalt geführt wurde. Vermutlich gab es Dienstmädchen, deren mickrig bezahlte Lohnknecht­schaft weit verbreitet war. Manchmal schimmert jedoch ein Hauch aus dem Leben der angeheirateten Frauen durch, nämlich dann, wenn sie im Handels­register als Prokuristinnen im Unternehmen ihrer Ehemänner erwähnt werden. Irgendwer mußte ja die Buch­haltung im Griff behalten, denn damit waren die Männer in ihrer Technik­welt vollkommen über­fordert. Nur Albrecht, der Anfang der 1870er Jahre in Bayern unterwegs war, war wohl ausgebildeter Kaufmann.

Charlotte, 1842 geb. Pfeiffer, die Ehefrau von Georg August Buschbaum, besaß von 1874 bis zu ihrem Tod Ende 1901 Prokura. Ihr folgte ihre Tochter Elisabeth Buschbaum (1864–1925) bis zum Erlöschen der Firma 1907. Lina geb. Beyerle, besaß von Juli 1874 bis Anfang 1875 Prokura bei ihrem zweiten Ehemann Ludwig Buschbaum. Louise, geb. Schmahl, war Prokuristin ihres Ehemanns Albrecht von 1886 bis zum Jahres­wechsel 1902/03, als die Firma „Gebrüder Buschbaum“ auf John Faehr überging.

Ein mysterio­ses Jahrzehnt

(Obwohl: Nicht das Jahrzehnt war voller Mysterien. Es ist halt so, daß mit den beisen Buschbaum'schen Fabriken so einiges geschieht, was nur ansatzweise durch Daten zu fassen ist. Die Hintergründe jedoch, die Umstände und die Abläufe sind ziemlich nebulös.)

Fritz Buschbaum (der Ältere) starb zu Jahres­beginn 1874 kinderlos. Ludwig Buschbaum hatte mit dessen Witwe Lina vier 1886 noch lebende Kinder: Fritz, Paula, Ludwig und Karl Albrecht. Fritz (der Jüngere) war 1897 im Alter von 22 Jahren „gleichfalls zur sebständigen Vertretung“ der „Gebrüder Buschbaum“ neben seinem Onkel Albrecht ermächtigt. [32]

Auf finanzielle Schwierigkeiten weist eine Meldung des Prager Tagblatts 1902 hin: „Nach der ‚Frankf. Ztg.‘ sucht die Maschinen­fabrik Gebrüder Buschbaum in Darmstadt ein Moratorium nach.“ [33]

Am 26. Oktober 1901 heiratete Fritz die am 25. Februar 1880 in Cincinnati geborene Katharine (Käthe) Louise Elisabethe Fähr (Faehr). Kinder sind im Meldebogen nicht eingetragen, aber möglich. Ihr Vater John (Johannes) erwarb 1903 sowohl die Firma „Gebrüder Buschbaum“ als auch das Gelände der Fabrik mit den Bauten entlang der Kahlert­straße und das Wohnhaus Viktoria­straße 48. Im Verlauf der nach­folgenden vier Jahre wurde das Fabrikgelände vollkommen umgestaltet. Voraus­gegangen war ein Brand im September 1904, der das gesamte Fabrik­gebäude zerstörte. [34]

Die Fabrik brennt ab

„In der Werkzeug-Maschinen­fabrik von Gebr. Buschbaum, Ecke Liebig- [sic!] und Kahlert­straße, brach heute nacht ¾12 Uhr ein Großfeuer aus, das den ganzen Fabrikbau, einschließlich Maschinen, Modellen u. s. w. in Asche legte. Die gesamte Wehr war ausgerückt, sie war nur in der Lage, die Nachbar­gebäude zu schützen, da das Feuer namentlich an den auf dem Boden sich befindenden Holzmodellen reichlich Nahrung fand. Die Feuerwehr konnte, nachdem das Feuer abgelöscht, gegen 2 Uhr wieder abrücken. Menschen­leben sind glücklicher­weise nicht zu beklagen. Der Betrieb ist vorerst gestört. Ueber die Entstehungs­ursache ist bis jetzt nichts bekannt.“

„Wie schon kurz berichtet wurde die Werkzeug-Maschinen­fabrik von Gebr. Buschbaum heute Nacht vollständig ein Raub der Flammen. Das Feuer wurde gegen 12 Uhr durch einen patrouillie­renden Schutzmann entdeckt, worauf sofort Großfeuer gemeldet wurde. Schon nach kurzer Frist stand das gesamte Anwesen in Flammen. Anscheinend ist der Brand im Maschinen- und Kesselhaus entstanden und hat sich dann, durch das viele Holzmaterial, in welchem der Bau errichtet ist, genährt, rasch über den ganzen Gebäude­komplex ausgebreitet; auch die auf dem Boden befindlichen Holzmodelle gaben dem Feuer reichliche Nahrung, sodaß die Flammen haushoch in die Höhe schlugen. – Die im ersten Stock befindlichen Vorräte fertiger kleiner Maschinen, Eisen, kleiner Drehbänke usw. sind durch das brennende Gebälk durchgestürzt und vernichtet; auch die angefangenen und nahezu fertig gestellten großen Drehbänke und Bohr­maschinen, teilweise für elektrischen Betrieb eingerichtet, die demnächst zur Ablieferung kommen sollten, sind wertlos geworden. Die Bureauräume mit Kassenschrank usw. blieben vom Feuer verschont, haben aber durch das Wasser und die Ausräumungs­arbeiten sehr gelitten. Der Schaden dürfte groß sein, wenn er auch teilweise durch Versicherung gedeckt ist. Der Betrieb ist unterbrochen, was um so bedauerlicher ist, als zahlreiche Aufträge über den Winter hinaus bis zum Februar vorhanden sind. Die Feuerwehr war mit 14 Schlauch­linien tätig und mit Erfolg bestrebt, das Feuer von der bedrohten Nachbar­schaft fernzuhalten. Die Firma besteht etwa 54 Jahre und wurde die abgebrannte Fabrik vor etwa 22 Jahren an der jetzigen Stelle errichtet.“

„Der Tägl. Anzeiger erfährt, daß sich bei dem Brande in der Buschbaum'schen Maschinen­fabrik mehrere junge Leute in anerkennens­wertester Weise betätigt haben. Es waren dies die Bueraugehilfen J. Winter und J. Barth, der Techniker Martin Herweck, Kaufmann Anton Krauß und die Schlosser Adam Seemus und Adam Morschel von hier, die auf dem Heimweg begriffen unter den Ersten am Brandplatz erschienen. Sie drangen nach Aufsprengung des Tors sofort in den vom Feuer ergriffenen Raum ein und es gelang ihnen durch schnelles, umsichtiges Handeln Geschäfts­bücher, sonstige Kontor- und Zeichen­gegenstände, sowie eine größere Anzahl wertvoller Modelle in Sicherheit zu bringen, die ohne dieses Eingreifen dem Brand zum Opfer gefallen wären.“

Quelle: Darmstädter Zeitung vom 22. September 1904 (Vormittags-Blatt [online ulb darmstadt] und Nachmittags-Blatt [online ulb darmstadt]) sowie vom 23. September 1904 (Nachmittags-Blatt [online ulb darmstadt]).

Dem ausführlicheren Bericht des Darmstädter Tagblatts können wir zudem entnehmen, daß der Brand wahr­scheinlich neben dem Büro ausgebrochen war, wo sich die große Dampf­maschine befand. Aufgrund Funkenflugs durch Wind und herab­stürzendes Gebälk wurde auch der Dachstuhl eines gegenüber liegenden Hauses in der Kahlert­straße in Brand gesetzt; dieser Brandherd ließ sich schnell löschen. Am Ende standen nur noch die Außen­mauern der Fabrik, von denen einzelne Balken herabhingen. Die Betriebs­maschinerie war fast vollständig zerstört, an einen Weiter­betrieb war nicht zu denken. Der Schaden von mehr als 100.000 Mark soll durch eine Versicherung gedeckt gewesen sein.

Erstmals erhalten wir eine Angabe zur Zahl der beschäftigten Arbeiter; es sollen rund vierzig gewesen sein. Wenn überhaupt, so solle die Fabrik an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, hieß es. Es war sicherlich vernünftig, daß die Fabrik als Fremd­körper, zumal als feuer­gefährlicher, aus dem ansonsten gutbürger­lichen Blumenthal- bzw. Johannes­viertel verschwand und an dieser Stelle neue stattliche und profitable Wohnhäuser errichtet wurden. Welch exorbitante Mieten heutzutage dort abgedrückt werden müssen, davon können die Bewohnerinnen und Bewohner sicherlich leidvoll berichten. [35]

Häuseransicht.

Bild 15: Die Eckbe­bauung an der Stelle der vorherigen Fabrik der Gebrüder Buschbaum an der Ecke Viktoria- und Kahlert­staße. Die fünf Gebäude erscheinen wie aus einem Guß errichtet. Aufnahme vom Juli 2022.

1906, vielleicht auch schon 1905, erwarb der Stukkateur Georg Gerlach das vom Brand heim­gesuchte Grund­stück an der Ecke Kahlert- und Viktoria­straße, teilte es auf und fungierte als Bauherr der neuen Wohn­gebäude Viktoria­straße 50, 50½, 52, sowie Kahlert­straße 8 und eventuell auch 10. Im April 1907 waren sie bezugsfertig. Das Ende 1907 gedruckte Adreßbuch für 1908 weist als Eigentümer des letzteren Hauses den Wirt Georg Friedrich Best aus Dieburg aus. Fritz Buschbaum wohnte mit seiner Ehefrau wie zuvor im Wohnhaus Viktoria­straße 48. Zudem ließ er sich 1905 die Firma „Gebrüder Buschbaum“ überschreiben. Im Adreßbuch wurde diese Firma als Relikt vergangener Tage noch bis 1908 unter der bisherigen Anschrift Viktoria­straße 48–52 geführt. [36]

Ausschnitt Flurkarte.

Abbildung 16: Ausschnitt aus der Flurkarte Sectionsblatt N. W.  IV. 11. des Vermessungs­amts Darmstadt von 1906. Quelle: Stadtarchiv Darmstadt ST 51 Nr. 132/62. Die voll­ständige Karte befindet sich auf der Webseite von Kristof Doffing [online]. Das vormalige Grundstück der Gebrüder Buschbaum ist mit einem roten Kreis als Schnittstelle von sieben Grundstücken markiert. Darunter der mit zwei roten Kreisen markierte Streifen von Georg August Buschbaum. Die Flurkarte dokumentiert den Endausbau nach der Umgestaltung der Fabrikfläche.

Anfang 1905 mietete Fritz Buschbaum ein Lagerhaus in der Viktoria­straße 34 an. Eigentümerin dieses Lagergebäudes wie auch des Nachbar­hauses Nummer 36 war die Witwe des Materialisten (Händlers) Emil Vierheller, der die beiden zwischen Aliceplatz und Landwehr­straße gelegenen Wohn- und Geschäfts­häuser gehörten. Das Haus Nummer 34 war vielleicht schon damals nur eine bessere Baracke und diente als Lagerhaus.

Annonce.

Abbildung 17: Annonce von „Gebrüder Buschbaum“ im Darmstädter Tagblatt vom 21. März 1905 [online ulb darmstadt] mit der Ankündi­gung des Umzugs vom alten Fabrik­gelände zum neuen Lager in der Viktoria­straße 34.

1908 starb die Witwe Vierheller und die Erben suchten einen Käufer. Dieser Käufer war der Mitbegründer der Miele & Cie. KG Reinhard Zinkann. Von Darmstadt aus baute dieser die Verkaufs­organisation von Miele in Süd­deutschland auf. Somit mußte Fritz mit seiner Firma „Gebrüder Buschbaum“ in ein neues Domizil umziehen. [37]

Folglich mietete Fritz 1909 Räumlich­keiten im nehe­gelegenen Anwesen Frankfurter Straße 3 beim Amtsgericht für seine Fabrik (oder Lagerräume); das Büro hierzu verblieb in der Viktoria­straße 48. Auffällig ist, daß er sein Geschäft inzwischen als Werkzeug­maschinen-Industrie bezeichnete. Ob er damit andeuten wollte, daß er derartige Maschinen mehr als Produkt Dritter vertrieb als in eigenen Räumlich­keiten produzieren ließ? [38]

Ausschnitt Adreßbuch.
Abbildung 18: Angabe von Gebrüder Buschbaum als Mieter im Anwesen Frankfurter Straße 3. Quelle: Darmstädter Adreßbuch für 1910 [online ulb darmstadt].

Im Sommer 1906 bot Fritz Buschbaum im Namen der Gebrüder Buschbaum der Kultur­inspektion Darmstadt einen Heißluft­motor an. Dieser sollte für das Amtsgerichts­gebäude in Lorsch angeschafft werden; der Ankauf wurde jedoch zurück­gestellt. Vermutlich hat Fritz hier auf einen Motor seines Onkels August zurück­gegriffen, denn es gibt keinen Hinweis darauf, daß er unter der Firma „Gebrüder Buschbaum“ eigene Heißluft­motoren herstellen ließ. Auf dem Briefpapier zu besagtem Schreiben vom 26. Juli 1906 wird die Produktpalette wie folgt angegeben:

  • „SPEZIALITÄTEN:
    Konstruktionen für Verwendung des Rapidstahles. Stärkste Bauart der Gegenwart.
  • Schnell-Drehbänke und Hobel­maschinen für Stahl- und Hüttenwerke, Schiffswerften, Waggonfabriken, Artillerie- und Eisenbahn-Werkstätten.
  • Horizontal-Bohr- und Fraiswerke. Fraismaschinen Shaping­maschinen deutscher und amerikanischer Konstruktion.
  • Bohrmaschinen.
  • Gasbandagenfeuer. Eiserne Schmiedeherde. Schleifsteine. Esseisen.
  • Werkzeuge
    Spiralbohrer, Schneidzeuge, Fräser und komplette Werkstatt-Einrichtungen.
  • Ganz aus Stahl bruchsichere Stanz­maschinen Eisenschneider Blechscheeren.
  • Blechbieg­maschinen für starke Bleche. Reifbieg­maschinen Stauch- und Schweiss­maschinen.
  • Winden, Flaschenzüge
    Hebezeuge in jeder Ausführung und für jede Tragkraft.
  • Holzriem­scheiben
    Kernleder-Treibriemen
    Werkzeug-Gussstahl, Weissmetall.
  • Sämtliche sonstigen Werkzeug­maschinen für Maschinen­fabriken, Reparatur­werkstätten, Elektrizitäts­werke, Schlossereien, Schmieden etc.“

Diese breite Angebots­palette enthält keinerlei Hinweise auf irgendeine Art Kraft­maschine, wie Dampf­maschinen, Elektro-, Gas- oder eben auch Heißluft­motoren, so daß wir wohl zurecht davon ausgehen können, daß selbige weder durch „Gebrüder Buschbaum“ produziert noch offeriert wurden; einzelne Fälle wie hier gegenüber der Kultur­inspektion Darmstadt ausgenommen. [39]

Die in der Auflistung aufgeführten Esseisen sind insofern von Interesse, weil Fritz im Mai 1911 die Werkzeug- und Maschinen­fabrik Emil Müllen­bach in der Pallas­wiesen­straße 110 von Reinhard August Klingel­höffer übernahm, der sie wiederum 1897 vom Namensgeber erworben hatte. Müllen­bachs Spezialität waren Esseisen. Ob Fritz sich hierüber eine Ausrüstung zur Produktion, Maschinen oder Kunden besorgt hat, ist ungewiß. Der Standort in der Pallas­wiesen­straße wurde jedenfalls geschlossen und die dort vorhandene Werkstätte bzw. Fabrik in die Frankfurter Straße verlegt. [40]

Albrecht Buschbaum übergab zum Jahreswechsel 1902/03 die Firma „Gebrüder Buschbaum“ an den Schwieger­vater seines Neffen Fritz, John Faehr. Albrecht wohnte seit etwa 1880 im eigenen Haus Alice­straße 19½. Das Ende 1903 gedruckte Adreßbuch für 1904 läßt ihn nunmehr (und auch in den Folgejahren) im Wohnhaus Alice­straße 19 wohnen. Das Kuriose daran ist, daß er und der Landes­kulturrat Adolf Klaus nicht nur die Häuser 19 und 19½ als Eigentümer getauscht haben sollen, sondern zudem auch noch ihre jeweiligen Mieterinnen und Mieter mitgenommen haben. Möglicher­weise wurde hier eine jahrelang mitge­schleppte fehlerhafte Zuweisung im Adreßbuch korrigiert. [41]

Im Juli 1907 wurde die Firma von August Buschbaum im Handelsregister gelöscht, er selbst starb am 26. Januar 1908 an einem Schlaganfall. Hier ist unklar, wie lange er tatsäch­lich in seiner Werkstatt noch Heißluft­motoren produzieren ließ. Es spricht einiges dafür, daß er die Produktion schon 1905 aufgegeben hat. Indiz hierfür ist das Ausbleiben von Annoncen in einer der Zeitschriften, in denen August seine Motoren regelmäßig beworben hat, nämlich im Beiblatt zu den Fliegenden Blättern, zuletzt darin annonciert in Nr. 3078 vom 22. Juli 1904. Seine technisch versierten Söhne Hermann und August sollten einen anderen Weg gehen. [42]

Die dritte Generation

August Buschbaum und Charlotte Pfeiffer hinterließen vier Kinder: Wilhelmine Elisabethe (Elisabeth, 1864–1925), Hermann Andreas Ludwig (Hermann, *1869) zog 1895 nach Berlin, Helene Amalie Caroline (Lina, 1870–1946) und August, geboren am 23. Juli 1879, der 1903 nach Leipzig zog. Eine weitere 1867 geborene Tochter erlebte ihren ersten Geburtstag nicht. Elisabeth und Lina lebten Anfang der 1920er Jahre als Privatinnen in der Viktoria­straße 46.

Zu Hermann und August Buschbaum existieren weitere (mir noch nicht vorliegende) biografische Informationen, die an dieser Stelle noch einzubinden wären.

Fritz Buschbaum d. Ä. und Lina Beyerle hatten nur einen gemeinsamen, früh verstorbenen Sohn.

Ludwig Buschbaum und Lina Beyerle hatten sechs Kinder, von denen zwei früh verstarben.

  • Fritz (1874–1933), der älteste, übernahm 1905 die Firma „Gebrüder Buschbaum“.
  • Frida Pauline Viktoria Louise (Paula, *1877) heiratete 1900 den Bank­beamten Georg Bernhardt, möglicher­weise der Sohn des Direktors der Darm­städter Volksbank Adam Bernhardt; beide zogen wohl aus Darmstadt fort.
  • Johann Wilhelm Ernst Ludwig (Ludwig, 1881–1945) starb am 1. Februar 1945 in französischer Kriegs­gefangenschaft im Fort Barraux bei Grenoble. [43]
  • Karl Albrecht, geboren am 5. April 1885, ging 1901 aus Darmstadt weg, zunächst nach Buckau (Magdeburg), danach zog es ihn nach Berlin, wo er als Kunstmaler und Grafiker von sich reden machte. Er kehrte 1943 nach Darmstadt zurück und starb hier am 28. Februar 1955. Eine Biographie Karl Albrechts zusammenzustellen, wäre eine eigene Aufgabe, die hier jedoch nicht weiter verfolgt werden soll.

Albrecht Buschbaum und Louise Schmahl hatten zwei Söhne und vier Töchter.

  • Peter Ludwig Karl Otto (Otto, 1878–1935) zog 1901 nach Wiesbaden und brachte es zum Reichsbahn-Oberrat. Am 1. Oktober 1912 wurde er Regierungs­baumeister bei der Hessisch-Preußischen Eisenbahn­gemein­schaft. Am 1. März 1916 wurde der nunmehr in Gleiwitz Lebende Vorstand des Eisenbahn-Werkstätten­amtes 2b Gleiwitz. Am 3. März 1920 wurde er zum Regierungs- und Baurat ernannt. Der genaue Werdegang läßt sich nur ansatzweise rekonstruieren. Im Mai 1909 wird der Regierungs­baumeister des Maschinen­baufachs zur Königlichen Eisenbahn­direktion Essen einberufen. Im Oktober 1912 erhält er eine etatmäßige Stelle in Witten. Im Mai 1913 wird er von dort an das Abnahmeamt Berlin des Eisenbahn-Zentralamts in Berlin versetzt. In der Folge wurde er nach Gleiwitz abgeordnet, wo er Leiter des dortigen Werk­stätten­amtes 2b wurde. Wie lange er dort blieb, ist unklar. 1927 ist er bei der Reichsbahn­direktion Mainz beschäftigt. [44]
  • Eugen Alex Friedrich Karl (Karl, *1879) wurde Kaufmann und zog 1900 aus Darmstadt fort. Er heiratete 1917 in Tiflis Hermine Zacherl und kehrte mit ihr 1929 nach Darmstadt und in die Alice­straße 19 zurück. Möglicher­weise war er in Georgien zuvor schon einmal verheiratet gewesen, denn 1909 wurde in Tiflis ein Albrecht Felix Buschbaum geboren, der von 1933 bis 1936 Mitglied der SA gewesen ist.
  • Auguste Elise (*1881) zog mit Karl Schmüßer nach Hamburg. Zu Marie Louise (Marie, *1882) gibt es nichts zu sagen. Lina Helene (*1882) heiratete 1909 den Kaufmann Richard Paul Hugo Honeff aus Paris.
  • Viktoria Luise (Luise, 1890–1964) wurde am 24. Dezember 1919 als Volks­schul­lehrerein in Fränkisch-Crumbach eingestellt und mit Wirkung zum 16. April 1934 in Ober-Ramstadt. Eine Versetzung nach Griesheim Ende 1937 wurde nach kurzer Zeit wieder zurück­genommen.

Nach dem Ende der „Gebrüder Buschbaum“ gab es aus der Familie keine weiteren Ambitionen, als Maschinen­bauer zu wirken. Nachfahren leben auch heute noch in Darmstadt und Umgebung. Ob sie noch über Unterlagen aus der Zeit vor mehr als hundert Jahren verfügen, kann ich nicht sagen. [45]

Der letzte Bruder

Fritz war ab etwa 1907 der letzte Buschbaum, der noch als Fabrikant tätig war. Irgendwann zwischen 1918 und 1921 wechselte er den Standort seiner Werkstatt oder Fabrik von der Frankfurter Straße 3 zur Hausnummer 22. Vorheriger Eigentümer des Anwesens, das Fritz Buschbaum käuflich erwarb, war der Wirkliche Geheimrat Gustav Krug von Nidda.

Tabelle 1: Die Buschbaums knapp zusammengefaßt.
JahreBezeichnungEigentümerstruktur
1837–1844Buschbaum & Comp.Johann Ludwig Buschbaum, Hektor Rößler und evtl. Andere, ab 1844 Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei Darmstadt
1844–1862J. L. BuschbaumWerkstatt und evtl. kleine Fabrik von Johann Ludwig Buschbaum
1863–1873Gebrüder Buschbaum IGeorg August und Fritz Buschbaum der Ä., zunächst als Buschbaum'sche Maschinen­fabrik, trennen sich im Herbst 1873, Fritz d. Ä. stirbt alsbald
1874–1907G. August BuschbaumHeißluft­motoren­fabrik von Georg August Buschbaum, ohne Nachfolger
1874–1905Gebrüder Buschbaum IIWerkzeug­maschinen­fabrik von Fritz d. J. und Albrecht Buschbaum, zunächst als Fritz Buschbaum, ab 1876/79 als Gebrüder Buschbaum, ab 1903 Eigentümer John Faehr
1905–1933Gebrüder Buschbaum IIIWerkzeug­maschinen­industrie von Fritz Buschbaum d. J.

Einen Hinweis auf eine nach 1905 bestehende Werkzeug­maschinen­fabrik habe ich bislang nicht finden können. Zwar hat Fritz Buschbaum die Maschinen­fabrik von Emil Müllen­bach im Mai 1911 übernommen, selbige dann jedoch adressalisch in die Frankfurter Straße 3 überführt und in der Pallas­wiesen­straße aufgelöst. Meine Vermutung ist, daß Fritz Buschbaum zwischen 1905 und 1933 allenfalls eine kleine Werkstätte betrieben hat und ansonsten eher als Vertreiber anderweitig hergestellter Werkzeuge und Maschinen aufgetreten ist. Dafür spricht auch, daß er mit seinem Gewerbe später in der Frankfurter Straße 22 laut Adreßbuch im ersten Stockwerk aufzufinden war, was sicherlich kein geeigneter Standort für eine Fabrik gewesen ist. Das Problem besteht darin, daß es mangels aussage­fähiger Quellen schier unmöglich ist, überhaupt eine genaue Aussage zu der Art des nach 1905 ausgeübten Gewerbes zu machen. Sein Büro mitsamt Telefon hatte Fritz jedoch durchgehend in der Viktoria­straße 48.

Häuseransicht.

Bild 19: Das Wohnhaus Viktoria­straße 48 scheint sich nach 140 Jahren äußerlich kaum verändert zu haben. Aufnahme vom Juli 2022.

Die Geschichte der Maschinen­fabrikanten aus dem Hause Buschbaum endete nicht 1934, wie bei Thomas Lange zu lesen ist [46], sondern schon im Jahr zuvor. Fritz starb am 31. Januar 1933 und wurde vier Tage später auf dem Alten Friedhof beigesetzt; am 19. September 1933 wurde die Firma „Gebrüder Buschbaum“ aus dem Handels­register gelöscht. [47]

Sonstige Fundstücke

Am 5. Dezember 1863 erteilte Großherzog Ludwig III. „den Gebrüdern Buschbaum in Darmstadt ein Erfindungs­patent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Construction von Manometern, um Dampf­spannungen zu messen“. Das Patent galt für das Groß­herzogtum auf fünf Jahre. [48]

Radierung.
Abbildung 20: Eher konventionell gestaltet: Der Darm­städter Markt­platz aus dem Schloß­tor heraus be­trachtet. Radie­rung von Karl Albrecht Buschbaum.

In der Nacht zum 24. März 1870 brach in der Fabrik der Gebrüder Buschbaum schon einmal ein Feuer aus. Es soll durch Überhitzung eines Dampfkessels entstanden sein. Der Dachstuhl wurde ein Opfer der Flammen. Der Brand verzögerte die Fertig­stellung der Arbeiten an der Brücken­waage in Nauheim. [49]

Bei der Gründung der Aktien­gesellschaft Mühlen­bauanstalt, Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei, vormals Gebrüder Seck, in Darmstadt im Oktober 1889 wurde Albrecht Buschbaum, der keine Aktien dieses Unternehmens besaß, zu einem der beiden Revisoren bestimmt. [50]

Am 15. Dezember 1897 geruhte „aller­gnädigst“ seine durch­lauchtigste Hoheit der Großherzog Ernst Ludwig, „die Kaufleute Philipp Kahlert, Wilhelm Schwab, Ferdinand Jacobi und Ludwig Frölich in Darmstadt zu Handelsrichtern, sowie die Kaufleute Konrad Egenolf und Albrecht Buschbaum daselbst zu Ergänzungs­richtern an der bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg gebildeten Kammer für Handels­sachen mit dem Sitze in Darmstadt“ für den Zeitraum 1898–1900 zu ernennen. Genau drei Jahre später wurde Albrecht Buschbaum für weitere drei Jahre bis Ende 1903 in dieser Funktion bestätigt, aber schon am 12. November 1902 auf eigenen Wunsch von dieser Funktion entbunden. [51]

Fritz Buschbaum d. J. war 1918 Vorsitzender des Hessischen Polizei- und Schutz­hunde­vereins. [52]

Otto Buschbaum, damals Vorstand des Eisenbahn-Werkstätten­amtes 2b Gleiwitz, wird in einem deutsch­nationalistischen Pamphlet zu polnischen Übergriffen nach der Volks­abstimmung über die Zukunft Ober­schlesiens am 20. März 1921 zitiert. Es ging hierbei um einen Vorfall in der Nähe der Wagen­werkstatt in Gleiwitz. [53]

Hermann Buschbaum (damals lebend in Berlin-Tempelhof) erhielt in den 1920er Jahren Patente für Zifferträger für Rechen­maschinen und Zählwerke (Nr. 398840 am 15. Juli 1924), Zehner­übertragung für Rechen­maschinen (Nr. 414449 am 5. Juni 1925) und für einen Wärme­mengenzähler (Nr. 469669 am 6. Dezember 1928).

August und Otto Buschbaum haben mehrere Aufsätze zu technischen Fragen publiziert. Die folgende Aufstellung ist zufällig und vor allem unvollständig.

  • August Buschbaum : 2 B-Personenzug-Verbund-Lokomotive der oldenburgischen Staats­eisenbahn mit Lentz-Ventil­steuerung, Dampftrockner und Anfahr­vorrichtung der Bauart Ranafier, in: Organ für die Fortschritte des Eisenbahn­wesens in technicher Beziehung, 20. Heft, 15. Oktober 1909, Seite 358–361, 21. Heft, 1. November, Seite 372–375, 22. Heft, 15. November 1909, Seite 391–393, mit Tafeln. [54]
  • Otto Buschbaum : Vorschläge zur Reform des deutschen Verkehrs­wesens, in: Zeitschrift des Vereines Deutscher Ingenieure, Nr. 49, 6. Dezember 1919. Vorgetragen in der 59ten Haupt­versammlung des Vereines deutscher Ingenieure. [55]

Lernerfahrung

Bei meiner Beschäftigung mit der Familien­geschichte der Maschinen­bauer Buschbaum habe ich zum wiederholten Male feststellen müssen, daß Angaben Darmstädter Historikerinnen und Historiker mit Vorsicht zu genießen sind und besser noch einmal anhand der Quellen überprüft werden sollten. Daß selbst die Melde­bögen in der Registratur deutscher Bürokraten Fehler enthalten können, hat mich erstaunt. Nicht einmal auf die ordnungs­fanatisch-akribische Bürokratie des Kaiserreichs und seiner Nachfolger ist Verlaß. Hingegen sind mir die sporadisch fehlerhaften Einträge in den Darmstädter Adreß­büchern geläufig; hier lohnt es sich, mehrere Jahrgänge zu konsultieren und, sofern möglich, andere Quellen zu befragen.