Haus der Industriekultur. Ehemalige Möbelfabrik Alter.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Die Möbelfabrik Alter in der Kirschenallee

Dokumentation einer Firmenbroschüre und mehr

1872 und 1893/94 wurden die beiden ersten Industriestammgleise zum Darmstädter Fabrikviertel eingerichtet. Dieses Fabrikviertel bildete sich mit der Westexpansion der Stadt Darmstadt Ende des 19. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts heraus. Von den Mitte der 50er Jahre rund dreißig, Anschlußgleisen sind nur noch wenige übriggeblieben. Nach dem Umzug der Möbelfabrik Alter in die Kirschenallee erhielt das Unternehmen spätestens 1919 einen eigenen Gleisanschluß.

Die hier dokumentierte Unternehmens­broschüre der Möbelfabrik Alter entstand zum 50-jährigen Firmenjubiläum 1921 und gibt einen Einblick in das Unternehmen und seine sich – den Zeitumständen anpassend – wandelnde Produktion. Die Wiedergabe ist bis auf die zahlreichen Bilder zu den hergestellten Möbeln weitgehend vollständig. Ergänzt wird die Darstellung durch Texte und Bilder aus anderen Quellen. [1] und [2]


Frontseite Jubiläumsbroschüre.
Abbildung 1: Einband der Jubiläumsbroschüre.

DENKSCHRIFT

ZUM

50-JÄHRIGEN GESCHÄFTS-JUBILÄUM

DES HAUSES

LUDWIG ALTER

DARMSTADT

[03] GESCHICHTE DES HAUSES LUDWIG ALTER

»Mit Fleiß und Kraft man vieles schafft.«  Wahlspruch Ludwig Alters.

Es war im Jahre 1871, der Krieg war beendet, der Friede geschlossen. Nun galt es zunächst, für die Tausende der dem Berufsleben zurückgegebenen Krieger wieder Arbeit und Unterkommen zu finden. Daß dies in den ersten Wochen nicht so leicht war, mußte auch ein jünger Darmstädter Handwerker,

JOHANN JUSTUS LUDWIG ALTER

von Beruf Tapezier und Dekorateur – empfinden, der mit Frau und zwei Kindern voll Sorge dem kommenden Winter entgegensah. Aber schon regte sich in ihm die noch schlummernde Energie, und kurz entschlossen faßte er im Oktober desselben Jahres – kaum 24jährig – den Plan, sich ein eigenes Geschäft zu gründen. Seine Mutter, – der Vater war schon lange tot, – obwohl selbst von ihrer Hände Arbeit in bescheidenen Verhältnissen lebend, lieh ihm von ihren Ersparnissen einige Hundert Mark zur Beschaffung der notwendigsten, zum Geschäftsbetriebe erforderliehen Geräte. Nun ging es frisch ans Werk; eine kleine Werkstatt mit Wohnung im Hintergebäude des Hauses Ernst-Ludwig-Straße 3 wurde gemietet [3], lohnende Beschäftigung fand sich, und bald sah man den überaus fleißigen Mann, auf das tatkräftigste von der Gattin unterstützt, von morgens früh bis abends spät bei der Arbeit. Die Kundenzahl, auf das beste bedient, vermehrte sich von Tag zu Tag, und schon nach zwei Jahren erwies sich der bescheidene Raum des Hauses als viel zu klein und eng.

Die Übersiedlung nach dem neuen Heim: Necharatraße 1 (dem früher Schiffschen Hause) erfolgte; der Meisler konnte nicht mehr allein die Arbeiten bewältigen, es mußten Gehilfen und Lehrlinge eingestellt werden, um alle Aufträge erledigen zu können. Es war deshalb kein Wunder, daß nach weiteren drei Jahren auch die neuen Räumlichkeiten sich wieder als zu beengt erwiesen. Nun wurde die Erwerbung eines eigenen Hauses ins Auge gefaßt und im Jahre 1876 durch den Kauf des Hauses Saalbau-Straße 37 verwirklicht. [4]


Ludwig Alter.
Frieda Alter.

Abbildung 2/3: Der Firmengründer Johann Justus Ludwig Alter (gest. 1906) und seine Tochter Frieda Alter.


War der Betrieb bisher ein rein handwerksmäßiger zu nennen, so wurde nunmehr das Geschäft auf eine mehr kaufmännische Basis gestellt; auf der Straßenseite wurde ein Laden gebrochen, fertige Polstermöbel kamen darin zur Auslage, Teppiche, Möbelstoffe u. dgl. wurden geführt. Der Name Alter hatte sieh bereits weit über die Grenzen unserer Stadt einen guten Ruf verschafft und Eingang in die vornehmsten Kreise gefunden. Für die damalige Zeit ganz außergewöhnliche Aufträge wurden dadurch dem jungen Unternehmen zuteil, wie die Innen-Einrichtung der Schlösser und Landsitze für: Graf Erbach-Schönberg in Schönberg, Graf Solms-Laubach in Laubach, Graf Isenburg zu Meerholz in Meerholz, Erbgraf Isenburg zu Meerbolz, Schloß Gettenbach, Baron von Riedesel in Stockhausen, Baron von Riedesel zu Eisenbach in Eisenbach und andere. Es ist wohl der Erwähnung wert, daß Ludwig Alter mit klarem und weitaussehauendem Geschäftsblick als einer der eisten schon damals den Wert einer [04] zielbewußten Reklame erkannte. Ihm genügte nicht, daß er diese großen Aufträge erhielt und zur Zufriedenheit einer anspruchsvollen Kundschaft ausführte, – auch die Öffentlichkeit sollte soviel wie möglich davon erfahren und sehen, was die junge Firma leisten konnte. Alle Arbeiten des Hauses wurden deshalb in dem früheren Geschäftsraum in der Neckarstraße in geschmackvoller Weise ausgestellt; in den Zeitungen wurde zur Besichtigung eingeladen. Dies war wochenlang der Gesprächstoff in allen Kreisen und trug besonders zur Erweiterung des Kundenkreises und Empfehlung der Firma bei. Im Jahre 1878 wurde dann noch die Abteilung für Möbeltransport u[nd] Spedition gegründet. Ursprünglich nur mit zwei Wagen, nimmt diese heute mit einem großen Wagen-Park als Mitglied des internationalen Möbel- Transport- und Spcditions-Verbandes eine führende Stellung ein.

Geschäft Elisabethenstraße.
Abbildung 4: Das Geschäft in der Elisabethenstraße vor dem Brand.

So von Jahr zu Jahr sich vergrößernd, hatte die Firma auch in dem Hause Saalbaustraße keine bleibende Stätte, und es erfolgte deshalb im Jahre 1884 der Umzug in das neu erworbene Anwesen Elisabethenstraße 34 – dem [05] früheren Schmitzschen Institut – das durch seinen großen Flächeninhalt leichter die Möglichkeit zu späteren Vergrößerungen bot. Das Haus wies nach erfolgtem Umbau vier große Schaufenster und im Innern vierunddreißig komplette Musterzimmer auf, eine für die damalige Zeit außerordentliche Zahl. Die Vorbedingungen für einen weiteren Aufstieg waren damit in reichem Maße vorhanden, und der Erfolg übertraf auch alle Erwartungen, sodaß der Umsatz sieh von Jahr zu Jahr erhöhte. Da kam der verhängnisvolle 23. November 1894. Man rüstete gerade durch Dekorierung der Schaufenster zum Geburtstag des Landesherrn, als während dieser Arbeit nachmittags um 3 Uhr ein Brand ausbrach, der sofort riesige Ausdehnung annahm und binnen wenigen Stunden das ganze Gebäude in Trümmer legte, bis auf einen kurz vorher neuerrichteten Eweiterungsbau in der Zimnierstraße, dessen innere Einrichtung zwar durch die Löscharbeiten nahezu zerstört war, der aber in seiner äußeren Gestalt mit dem nach dem Garten zu gelegenen Wohnhaus der Familie Alter erhalten blieb.

Eine Zeitungsnotiz

Gestern nachmittag wurde unsere Stadt von einer Feuersbrunst heimgesucht, wie sie seit Jahrzehnten nicht zu verzeichnen gewesen ist. Kurz nach 3 Uhr brach in der Elisabethenstraße in dem Laden des Möbellagers und der Möbelfabrik Ludwig Alter Feuer aus, das sich so rasch verbreitete, daß binnen wenigen Minuten das ganze Lager in hellen Flammen stand und trotz rascher Hilfe seitens der freiwilligen Feuerwehr von den Lagervorräten nichts gerettet werden konnte. Sämtliche Gebäulichkeiten mit Ausnahme des Wohnhauses, und sämtliche Warenvorräte wurden ein Raub der Flammen. Der thatkräftigen Anstrengung der freiwilligen Feuerwehr gelang es, das Wohnhaus des Herrn Alter und die angrenzenden Gebäulichkeiten, welche in großer Gefahr standen, zu retten. Der entstandene Feuerschaden ist ein ganz enormer.

Aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtsfestes hatte Herr Alter die Absicht, eine umfangreiche Dekoration in dem Schaufenster vorzunehmen und dieselbe mittelst elektrischen Lichtes beleuchten zu lassen. Gestern nachmittag war ein Elektrotechniker mit seinen Arbeitern mit dem Anbringen von Glühlampen beschäftigt. Hierbei zerplatzte eine Birne, der glühende Draht fiel auf den Boden und so war binnen kurzem das große Unglück entstanden.

Die Gesamtmannschaft der freiwilligen Feuerwehr war mit großer Anstrengung und Aufopferung sehr thätig und wir können derselben nur anerkennend gedenken. Die Gesamtmannschaft der freiwilligen Feuerwehr war bis gegen 10 Uhr in Thätigkeit, von da ab und während der ganzen Nacht zwei Züge.

Quelle: Darmstädter Zeitung vom 24. November 1894 [online ulb darmstadt].

Durch dieses große Mißgeschick keineswegs niedergedrückt, zeigte sich nunmehr die Energie, Intelligenz und der Unternehmungsgeist des Inhabers in seiner ganzen Größe. Sofort wurde das Wohnhaus geräumt und der ganze Geschäftsbetrieb aushilfsweise in dieses verlegt; die erforderlichen neuen Waren wurden umgehend in erstaunlich kurzer Zeit beschafft, – und wenige Tage darauf verlief der Geschäftsgang wieder wie zuvor. In großzügiger Weise wurde der Neuhau projektiert und unter der bewährten Leitung des Architekten Kückert zur Ausführung gebracht. Durch Hinzukauf des Kühischen Anwesens – Ecke Elisabethen- und Zimmerstraße – wurde gleichzeitig eine willkommene Vergrößerung erreicht. Wie ein Phönix aus der Asche erstand der jetzige Prachtbau. Die Eröffnung konnte schon im März 1896 unter außerordentlich großer Teilnahme stattfinden. Die Anzahl der Musterzimmer stieg auf nahezu 120; eine selbständige Abteilung für Teppiche, Möbelstoffe und Gardinen wurde neu einge[06]richtet, und als eine weitere Stufe in der Entwicklung der Firma erfolgte von nun an die Fabrikation der Möbel im eigenen, mit allen Errungenschaften der Neuzeit ausgestatteten Betriebe. Durch Hinzuziehung erster künstlerischer Kräfte war jetzt die Firma in der Lage, auch den verwöhntesten Ansprüchen gerecht zu werden. Ihre Erzeugnisse wurden bald weltberühmt und auf den Ausstellungen der von Sr. Kgl. Hoheit, dem damaligen Großherzoge, im Jahre 1900 gegründeten Künstlerkolonie, die 1901, 1904, 1908 und 1914 stattfanden, sowie auf der Kunstgewerbe-Ausstellung in Turin 1902, den Ausstellungen in Moskau 1900 und Mannheim 1907 und besonders auf der Weltausstellung in St. Louis im Jahre 1905 mit den höchsten Auszeichnungen bedacht.

Geschäft Elisabethenstraße.
Abbildung 5: Das Geschäft Ecke Elisabethen- und Zimmerstraße, mit Verweis auf die Erreichbarkeit durch die elektrische Straßenbahn.

Zu der Entwicklung Darmstadts zur modernen Kunststadt von Weltruf trug die einheimische Möbel-Industrie ihr gutes Teil bei. Der neu eingerichtete Fabrikationsbetrieb mußte ständig erweitert werden; es wurden Hilfswerkstätten in der Waldstraße [heute Adelungstraße, WK] und Landwehrstraße gemietet, aber auch diese erwiesen sich bald als nicht mehr ausreichend, sodaß schon aus betriebstechnischen Gründen der Plan eines vollständigen Fabrik-Neubaues ins Auge gefaßt wurde. Auch jetzt bewährte sich wieder auf das Glänzendste der geniale Weitblick des Gründers; es entstand in dem Fabrikviertel in der Kirschen-Allee, unter Leitung des Architekten Klee, eine großzügige neuzeitliche Fabrik- und Werkstätten-Anlage, die in jeder Beziehung mustergültig zu nennen ist und im Frühjahr 1906 bezogen wurde [5]. Die Produktion nahm unter restloser Ausnützung der neuen Betriebsanlagen einen derartigen Umfang an, daß neue Absatz-Gebiete gesucht werden mußten, welcher Aufgabe sieh die gleichzeitig gegründete Abteilung für Engros und Export mit großem Erfolge unterzog. Mitten aus diesem schaffensfrohen, [13] segensreichen Wirken, auf dessen Erfolge er stets mit freudigem Stolze blickte, riß den tatkräftigen Mann nach kurzer Krankheit im Alter von kaum 60 Jahren der Tod am 17. Juli 1908. Für seine Familie bedeutete sein Scheiden einen unersetzlichen Verlust; sein Werk aber hatte er so fest begründet, daß es durch diesen Schicksalsschlag nicht ins Wanken kam. Der Sohn Heinrich Alter und die älteste Tochter Frieda Alter, sowie der – im Jahre 1917 verstorbene – Schwiegersohn Emil Glöckler, sämtlich langjährig erprobte Stützen des Vaters, führten das Unternehmen ganz im Geist des Gründers weiter und konnten mit Stolz feststellen, daß es auch unter ihrer zielbewußten Leitung stetig emporblühte. Beamten- und Arbeiterschaft, darunter eine große Anzahl, die bereits über ein Menschen-Alter ihre ganze Kraft dem Unternehmen widmeten und sich infolgedessen mit demselben eng verwachsen fühlten, wetteiferten und setzten eine Ehre darein, zu diesem weiteren Emporblühen mit beigetragen zu haben. So entwickelte sich stetig das Haus Ludwig Alter bis zum Jahre 1914. Auf der Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonic in diesem Jahre konnte eine Reihe neuer Raum-Schöpfungen gezeigt werden. … Da kam der Weltkrieg. …


Möbelfabrik im Ersten Weltkrieg.

Abbildung 6: Unterkunft des II. Landsturm-Infanterie-Ersatzbataillons XVIII/36 in der Holzmöbelfabrik L. Alter, Darmstadt, Kirschenallee. Quelle: Ansichtskarte des Kunstverlags Lautz, Aufnahme entstanden zwischen 1914 und 1916.


Heinrich Alter.
Emil Glöckler.

Abbildung 7/8: Heinrich Alter (links), Inhaber und Aufsichtsrat, und Emil Glöckler (rechts), Mitinhaber und Leiter der Fabrik seit 1908, gest. 1916.


[16] WERKSTÄTTEN UND FABRIK-ANLAGEN 1914 – 1921

»Wenn der Mensch den Mut hat, [d]ann findet er auch die Mittel.«

Der Ausbruch des Welt-Krieges traf die Firma Ludwig Alter in angestrengtester Arbeit. Aufträge, bis Ende des Jahres 1914 reichend, lagen vor. Ein großer Teil der Beamten und Arbeiter mußte in den Heeresdienst eintreten, und für die Zurückbleibenden galt es, zu Hause an den Ausrüstungen für den Heeres-Bedarf zu schaffen. Durch das Rote Kreuz wurden Einrichtungen für Lazarette und für Lazarett-Züge bestellt. Auch war es durch die neuzeitlichen Einrichtungen an Maschinen und Hilfswerkzeugen ohne große Umstellung möglieh, Munitionskisten und Geräte für Train und Artillerie in großen Mengen herzustellen. Ein größerer Auftrag in transportablen Flugzeug-Hallen gelangte im Jahre 1915 und 16 zur Ausführung. Ende 1916 und Anfang 1917 wurde nach Umstellung des Betriebes die Fabrikation von Fahrzeugen für Artillerie und Train aufgenommen, ebenso die Reparatur von Flugzeugen. Im Frühjahr 1917 wurden infolge der tatkräftigen Unterstützung der hessischen Regierung größere Aufträge an die Firma durch die Inspektion der Flieger-Truppen-Berlin-Charlottenburg erteilt, eine besondere Bauaufsicht von Offizieren und Ingenieuren der Inspektion der Flieger-Truppen wurde eingesetzt. Es wurden vornehmlich Doppeldecker: Type D. F. W., CV. und Albatros-Maschinen mit Einrichtungen für drahtlose Telegraphie und Maschinengewehr-Einbau wiederhergestellt.


Flugzeug.

Abbildung 9: Flugzeugtyp D. F. W., CV.

Flugzeug.

Abbildung 10: Flugzeugtyp Albatros C III.

Flugzeug.

Abbildung 11: Doppeldecker eigener Produktion A. 1. Die drei Aufnahmen entstanden vermutlich auf dem Griesheimer Sand.


Zum Einfliegen der Maschinen wurde der Firma zuerst das Flugfeld der Flieger-Ersatz-Abteilung 9 Darmstadt-Griesheim, später das Fluggelände an der Luftschiffhalle in Weiterstadt zur Verfügung gestellt. Es verdient, erwähnt zu werden, daß weder Materialschaden noch Verlust an Menschenleben bei den Versuchen und dem Einfliegen der Maschinen jemals zu verzeichnen waren, was wohl in erster Linie auf die Gewissenhaftigkeit der Ingenieure und Arbeiter, aber auch auf die hervorragenden Leistungen des bewährten Fabrikpiloten zurückzuführen ist. Die Zahl der in der Abteilung Flugzeugbau des Hauses Alter im Jahre 1917 und 1918 beschäftigten Beamten und Arbeiter betrug 250.

Christian Tordrup.
Abbildung 12: Christian Tordrup, Vorstands-Mitglied und Leiter der Fabrik seit 1916.

Neben der Abteilung Flugzeugbau wurde bis zur Demobilmachung die Herstellung von Kriegsfahrzeugen und Heeresgerät aller Art betrieben, aber auch die Möbelfabrikation wurde ohne Unterbrechung weitergeführt. An besonderen Arbeiten der Firma aus dieser Zeit können die Einrichtung der Räume der Luftschiffwerft Schütte-Lanz-Zeesen bei Königswusterhausen, sowie der Innen- Ausbau der Villa des Herrn Geh. Rat Prof. Dr. Schütte dortselbst genannt werden.

Die Beendigung des Krieges hatte eine sofortige Einstellung der Heeresaulträge zur Folge, und es galt nun für die bisher Beschäftigten, sowie für die Heimkehrenden Arbeitsgelegenheit zu finden. Die Bemühungen um Reparaturarbeiten für Eisenbahn-Personenwagen hatten Erfolg, und ein Teil der früher im Flugzeugbau tätigen Arbeiter konnte hier eingestellt werden. Außerdem wurde die Umstellung des Hauptbetriebes auf Friedens-Fabrikation schnellstens vorgenommen, sodaß infolge der ungeahnten Nachfrage nach Möbeln [23] feinster Art und umfangreicher Aufträge durch die Engros-Abnehmer bereits im Frühjahr 1919 der Betrieb 380 Arbeiter und Beamte beschäftigte. Die neugegründete Waggonbau-Abteilung erwarb sich bald in hohem Maße die Zufriedenheit der Behörden, sodaß nach vermehrter Zuweisung von Aufträgen auf Wiederherstellung von Personen-Waggons jeglicher Art diese Abteilung ständig erweitert werden mußte.

Es waren naturgemäß umfangreiche Neu-Anlagen an Hallenbauten und an Gleis-Anlagen notwendig, mit denen die Vergrößerung des Fabrik-Grundstückes Hand in Hand ging. Hergestellt wurden Personenwagen der deutschen Reichs-Eisenbahn, sowie Wagen der Privat-Eisenbahn­gesellschaften und seit Juni des Jahres 1920 belgische Personenwagen I., II, III. Klasse, welche laut Waffenstillstands­vertrag zurückgeliefert werden müssen.

Die Werkstätten dieser Abteilung sind vollkommen von der Möbelfabriktion getrennt, nur die maschinelle Herstellung aller Holzteile erfolgt in der Möbelfabrik. Es verdient erwähnt zu werden, daß alte bewährte Beamte und Arbeiter sieh schnell in dieser neuen Fabrikation zurechtgefunden und daß die Eisenbahn-Behörden durch ihre Organe fördernd auf die Leistungen gewirkt haben. Zur Zeit werden in der neuen Waggonbau-Abteilung 285 Beamte und Arbeiter beschäftigt. Die Gesamtzahl der in der Firma Ludwig Alter Beschäftigten beträgt 520 Beamte und Arbeiter.

Es darf hervorgehoben werden, daß trotz der schicksalsschweren Kriegsjahre der weitaus größte Teil alter bewährter Kräfte der Firma erhalten geblieben ist. Hierdurch ist sowohl in künstlerischer wie technischer Beziehung die Herstellung der Erzeugnisse in der bewährten Friedensqualität gewährleistet.

Am 31. Mäirz 1921 erfolgte die Umbildung der Firma in

LUDWIG ALTER, Aktien-Gesellschaft und

ALTERS MÖBEL- UND KUNSTGEWERBEHAUS, G.m.b.H.

Den Aufsichtsrat der A.-G. bilden: Heinrich Aller, Bella Glöckler, Jakob Moser.

Den Vorstand bilden: Frieda Alter, Christian Tordrup.

Die Geschäftsführung der G.m.b.H. liegt in den Händen von: Frieda Alter, Heinrich Alter, Georg Schmaus.

Das Fabrikgrundstück hat einen Flächeninhalt von rund 20.000  qm. Hiervon entfallen auf:

Die Firma Ludwig Alter reiht sich nicht nur den größten deutschen Werken ihrer Industriezweige in allen ihren Einrichlungen und Erzeugnissen würdig an, sondern sie ist auch, getreu den Grundsätzen und Absichten ihres Gründers, unablässig und erfolgreich bemüht, eine führende Rolle zu spielen und den Ruf deutscher Werktätigkeit immer weiter zu festigen und zu verbreiten.


Hofansicht.

Abbildung 13: Fabrikanlage des Hauses Ludwig Alter, Hof-Ansicht.

Hauptansicht.

Abbildung 14: Fabrikanlage des Hauses Ludwig Alter, Haupt-Ansicht.

Waggonhalle.

Abbildung 15: Fabrikanlage Ludwig Alter, Halle der Abteilung Waggon-Bau. Die beiden Gleise überqueren die Kirschenallee und führen nach links als Anlieferungs- und Abholgleis auf das Werksgelände von Göhrig und Leuchs, die etwa zu dieser Zeit von der Maschinenbauanstalt, vormals Venuleth und Ellenberger, übernommen wurden.


Innenansicht.
Abbildung 16: Innenansicht eines belgischen Abteilwagens.
[26] WAGGON-BAU LUDWIG ALTER

Die Aufgabe dieser jüngsten und ganz besonders lebenskräftigen Abteilung des Hauses Ludwig Alter ist die komplette Wiederherstellung und der Umbau von Eisenbahnwagen aller Art, sowohl für die deutschen, als auch für ausländische Eisenbahnen. Sie umfaßt: Außenreparatur und Innenausbau unter Verwendung von bestem Material wie in der Vorkriegszeit, u. a. von Edelhölzern (Teak, Nußbaum und Mahagoni), von gediegenen Bezugsstoffen (Plüsche, Tuche, Genua-Cord und Kunstleder), von Beschlägen in Messing und Bronze. Die Instandsetzung und Neueinrichtung der Beleuchtungs-, Heizungs- und sanitären Anlagen wird durch Spezialgruppen mit besonderer Sorgfalt ausgeführt.

Zwei wesentliche Punkte befähigen die Firma Ludwig Alter zu ganz besonderer Leistungsfähigkeit auf diesem Gebiet: Eine rasche Lieferungsmöglichkeit infolge neuzeitlicher Organisation des Betriebes und gut geschultes Personal. Ferner ein umfangreiches Lager an gutgepflegten, trockenen Hölzern aller Art, das für die schnelle Erledigung solcher Aufträge notwendige Vorbedingung ist.

Diese dringenden Wiederherstellungs- und Umbau-Arbeiten nehmen zunächst noch alle Kräfte in Anspruch. Der weitere Ausbau dieser Abteilung, die freiere Entfaltung, die Herstellung neuer Waggon-Typen bleibt der nächsten Zukunft vorbehalten. Von der Eleganz und Gediegenheit der Leistungen der Abteilung Waggon-Bau des Hauses Ludwig Alter vermag die einwandfreie Innen-Einrichtung eines belgischen Wagen-Abteiles hinlänglich Zeugnis abzulegen. [6]


Innenansicht Waggonhalle.

Abbildung 17: Blick in die Halle der Abteilung Waggon-Bau.

Waggon im Rohbau.

Abbildung 18: Waggon einer Privat-Eisenbahn­gesellschaft im Rohbau.

Belgischer Personenwagen.

Abbildung 19: Belgische Waggons III. Klasse.

Belgischer Personenwagen.

Abbildung 20: Belgische Waggons I. und II. Klasse.

Deutscher Personenwagen.

Abbildung 21: Waggon der Deutschen Reichs-Eisenbahn im Rohbau.


[33] KÜNSTLERISCHE ENTWICKLUNG DES HAUSES LUDWIG ALTER

Dle Entwicklung der deutschon Möbel-Industrie in den vergangenen Jahrzehnten, der Aufstieg der deutsehen Einrichtungs-Kunst aus einer Abhängigkeit von fremdländischer Produktion und Form zur Selbständigkeit freier, eigenschöpferischer Gestaltung, dieses Sich-wieder-Besinnen auf die eigene Kraft, diese Verselbständigung, Mannbarwerdung eines umfassenden Zweiges deutscher gewerblicher Energien, hat ihre Grundlage und gewann ihren Impuls in zwei Elementen: in der unermüdlichen und kraftvollen Arbeit des Kunst­handwerkers und Kaufmanns einerseits und in der ungewöhnlich fruchtbaren Arbeil neuzeitlicher künstlerischer Kräfte andrerseits.

Wie ein Überblick über die – in den vorangehenden Seiten dieser Denkschrift dargelegte – Lebensarbeit eines Mannes, wie des Gründers des Hauses Ludwig Alter, offensichtlich dartut, treten in solchen zielbewußt aufbauenden Kraftnaturen erhebliche Energien zutage, die nicht nur auf persönlichen Gewinn bedacht, sondern auch auf kulturellen Fortschritt, auf das Schaffen werthafter Ware, auf Qualitäts-Produktion von vorneherein eingestellt sind und darum, rastlos und allen Schicksals-Schlägen trotzend, „vom Guten zum Besseren“ fortschreitend, immer aufbauen und so zu dem Wesen des Form-Schaffenden in sehr enge Beziehung treten. Diese Beziehung wird deutlich, wenn man das, was eine solche schaffende Natur bei ihrem Lebens-Ende hinterläßt – als Kristallisation dieser Energien – vergleicht mit dem, was in ihren Anfängen vorhanden war: Aus primitiver kleiner Werkstätte, aus unzulänglichen, kleinen Verkaufsräumen wurden großzügige Fabrik-Anlagen und Hallen, die den struktiven Geist der Zeit offenbaren, umfassende Ausstellungs-Räume, in denen neuzeitliches Wohnwesen in vielfacher Abwandlung seine repräsentative Darstellung findet.

Man ist heute, inmitten der ganz außergewöhnlichen Entfaltung künstlerischer Energien vielleicht zu sehr geneigt, der Künstlerkraft das Hauptverdienst an dem gewaltigen Aufstieg unseres Kunsthandwerks zuzuweisen. Es darf indessen nicht vergessen werden, daß die Auswirkung solcher aufbauenden Kräfte – wie im vorliegenden Falle – schon vor fünfzig Jahren einsetzte, zu einer Zeit, da die künstlerischen Kräfte in Deutschland noch völlig im Hintergrund standen. Im Kunsthandwerker und Kaufmann offenbarte sich also zuerst die neue Energie, durch sie wurde der Boden vorbereitet, durch sie wurden technische Kräfte herangebildet, Werkstätten, großzügige Ausstellungs- und Verkaufs-Häuser gebaut, die Mittel geschaffen, die es erst ermöglichten, das neue künstlerische Wollen in solchem Ausmaß in die Tat umzusetzen.

Insofern ist demnach die Arbeit des aktiv schaffenden Kunsthandwerkers und Kaufmanns an erster Stelle zu nennen. Ihr verdankt der Künstler, ihr verdanken wir alle, die wir der Errungenschaften der neuen deutschen Wohnkultur teilhaftig geworden sind, die Freuden und die kulturelle Wohltat dieser neuen werthafteren Formenwelt. Mit einem solchen Lobe des Kunsthandwerkers und Kaufmanns wird der außerordentlichen Bedeutung des gewaltig eingreifenden, steigernden, belebenden, neuzeitlichen Künstler-Geistes und Form-Willens keinerlei Abbruch getan. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man ange[34]sichts der heutigen Leistungen deutscher Möbel-Erzeugung und Einrichtungskunst im allgemeinen, wie des Hauses Ludwig Alter im besonderen, unnötig viele Worte aufwenden, um den entseheidenden Anteil schöpferischer Künstler an [36] dem Werden des Baues der neuen deutsehen Wohnkunst, klarzulegen. Wir alle wissen, daß ohne die starken Künstler-Kräfte, mit denen ein gütiges Geschick Deutschland ein unverlierbares geistiges Kapital bescherte, das Gebäude seiner Zukunft nicht mit so sicheren Fundamenten hätte angelegt werden können. Wir alle wissen auch, zumal jetzt nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre und der Gegenwart, daß dieser Bau erst im Werden ist. Wir haben Jahrzehnte der Versuche, des Ringens um neue, lebensfähige Form hinter uns und haben Jahre der härtesten Arbeit vor uns. Aber ein ganz unverkennbarer, nicht unterzukriegender Optimismus lebt – wenn auch oft stark zurückgedrängt – doch in uns allen, etwas von jener unaufhaltsamen Kraft zum Aufbau, jenes Nicht-anders-Können, jenes innere „Müssen“: Werte schaffen, nicht fronen, sondern schöpferische Arbeit leisten wollen, das ist im Grunde die markanteste Eigenschaft aller strebenden Kräfte Deutschlands. Solcher Geist ist in der heutigen Leitung, wie in jedem tüchtigen Arbeiter des Hauses Alter ebenso rege, wie vor 50 Jahren in der Schaffensfreude des Gründers des Hauses. Sein Vorbild mag als Symbol gelten des mutigen, geprüften, ewig strebend sich bemühenden Menschen, der sich durchringt, dessen unversiegbare Schaffens-Lust, Ausdauer und hartnäckige Zielkraft endlich die Hilfe der Götter herbeiruft.


Musikzimmer.

Abbildung 22: Aus den zahlreichen Einrichtungsbeispielen seien hier drei vorgestellt. Der Architekt dieses Musikzimmers war Prof. Albinmüller, die Ausführung oblag der Fa. Ludwig Alter, gezeigt wurde es auf der im August 1914 abgebrochenen Darmstädter Ausstellung.

Spiegel und Co.

Abbildung 23: Spiegel, Sessel und Tischchen.

Damenschreibsekretär.

Abbildung 24: Damenschreibsekretär.


[39] Es ist im Hinblick auf die Zielstrebigkeit des Gründers und der Leitung des Hauses Alter begreiflich, daß der Drang nach Qualität, nach Wert und Leistung Veranlassung gab, den schöpferischen Künstler zur Mitarbeit heranzuziehen, um die Arbeit dieser Werkstätten Höhepunkten entgegenzuführen und dem Haus das Ansehen als einer der ersten Werkstätten Deutschlands zu schaffen. Als im Jahre 1900 Großherzog Ernst Ludwig die Künstlerkolonie gründete und die damals bedeutendsten Kräfte nach Darmstadt berief, da ergab sich aus [40] der Zusammenarbeit zwischen Künstler und Kunsthandwerker, zwischen schöpferischem Willen und technischem Können der Werkstätten ein überaus fruchtbares Wirken. Man weiß heute, daß die Ausstellung der Ergebnisse solchen Zusammenwirkens: die Ausstellungen der Künstlerkolonie im Jahre 1901, 1904, – denen 1908 und 1914 noch weitere folgten –, einen entscheidenden Durchbruch zu einem Neuen vollzogen, der neuen Wohnungskunst den Boden [43] ebneten und das Augenmerk der ganzen Welt, zum erstenmal auf das Sich-empor-Recken der jungen deutsehen Kunst lenkte. Die freudige Opferwilligkeit der Firmen und Werkstätten, die an dieser idealen Aufgabe, dem Durchbruch deutscher Wohnungskunst zur Selbständigkeit teilnahmen, wird in der Ge[45]schichte immer unvergessen bleiben. Und auch des hohen Anteiles des Hauses Ludwig Alter an diesem Verdienste wird der Chronist nicht vergessen. – Von den Künstlern Patriz Huber, Peter Behrens, Olbrich, Albinmüller, Schumacher, Lossow, Edm. Körner, Billing u. a. brachte das Haus Alter Räume und Möbel in technischer Vollendung zur Ausführung. Raum-Schöpfungen, die in Darmstadt zur Ausstellung gelangten und auch in Turin 1902, in St. Louis 1904, Moskau 1906, Mannheim 1907 gezeigt wurden und Auszeichnungen erhielten. …

Ausstellungsmedaille.
Abbildung 25: Medaille der Ausstellung in St. Louis 1904. Deren männliche Gestalter geben vor, künstlerisch tätig zu sein, und lassen ihren Fantasien freien Lauf. Angesichts dessen, wie freigiebig auf derartigen Ausstellungen mit Medaillen und Preisen um sich geworfen wurde, sollten wir den Wert dort erworbener Auszeichnungen nicht überbewerten. [7]

[46] Unermüdlich weiterbauend suchte das Haus Ludwig Alter seit dem Jahre 1908 unter der tatkräftigen Leitung von Frieda Alter stets Schritt zu halten mit der Weiterentwicklung der Wohnungskunst, stets den besonderen Charakter der Firma als einem vornehmen Einrichtungs-Hause Rechnung tragend, von extremen Versuchen der unter anderen Voraussetzungen arbeitenden Großstadtproduktion reserviert sich zurückhaltend; immer darauf bedacht: eine würdig-repräsentative Gesamtleistung hochwertiger Werkkunst vorweisen zu können, in der sich eine selbständige Eigenart, die „Wertmarke des Hauses Ludwig Alter“ deutlich erkennbar dokumentiert. … Wer heute die Ausstellungs-Räume des Hauses Ludwig Alter besichtigt, dem wird deutlich, daß eine solche [51] Werkstätte repräsentative und gediegen-einfache Räume und Einrichtungs-Gegenstände für Herrenhaus und Bürgerwohnung, für Schloß, Landhaus und kleines Heim – allen Anforderungen des anspruchsvollen Bestellers im In- und Auslande Erfüllung bietend – liefern kann: aus der Vereinigung der künstlerisch-gesehmacklichen Sicherheit und der technischen Leistungsfähigkeit heraus. …

Auch des bis vor kurzem in diesen Werkstätten erfolgten Flugzeugbaues und besonders des jetzt mächtig sich entwickelnden Waggon-Baues des Hauses Alter, als eines ganz wesentlichen Anteils an der Gesamtleistung der Firma, soll an dieser Stelle noch gedacht werden: denn die neue, auf Ökonomie und [52] höchste Kraftäußerung eingestellte Zeit wird immer deutlicher die engen Beziehungen zwischen schöpferischer Ingenieur-, Techniker- und kunsthand­werklicher Leistung erkennen. In ihrer Verbindung liegt erst die Vollendung. …

Für Darmstadt und Hessen ist jedenfalls das Bestehen und Gedeihen einer derart neuzeitlich eingestellten Werkstätte und Fabrik in kultureller Hinsicht ein nicht zu unterschätzender Faktor. Es gibt wohl nichts, was einem Lande, einer Stadt, – heute zumal –, zu größerer Zierde gereichen könnte, als die Tatsache, daß in ihr Stätten werthafter Arbeit gedeihen und blühen, daß gediegene Werkkunst hier festen Fuß fassen konnte und, den Schwierigkeiten der Zeit trotzend, unentwegt weiterschafft, zur Erhaltung und Förderung lebens­notwendiger Kulturwerte, zur Wieder-Erringung deutschen Ansehens in der Welt.


Innenansichten des Fabrikgebäudes

Maschinensaal.

Abbildung 26: Maschinensaal.

Kraftzentrale.

Abbildung 27: Kraftzentrale.

Schreinerwerkstätte.

Abbildung 28: Schreinerwerkstätte.

Furnierpressen.

Abbildung 29: Furnierpressen in der Schreinerwerkstätte.

Poliererwerkstätte.

Abbildung 30: Poliererwerkstätte.

Beizererwerkstätte.

Abbildung 31: Beizerwerkstätte.

Bildhauerwerkstätte.

Abbildung 32: Bildhauerwerkstätte.

Fertigmacherei.

Abbildung 33: Fertigmacherei.

Zeichensaal.

Abbildung 34: Zeichensaal.

Architektenatelier.

Abbildung 35: Architektenatelier.

Sattlerei.

Abbildung 36: Sattlerei der Abteilung Waggonbau.

Vom Möbelhaus zum Haus der Industriekultur

Die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse der Weimarer Republik machten auch vor der Möbelfabrik Alter nicht halt. Die Möbelfabrikation wurde 1929 aufgegeben. Sieben Jahre später erfolgte die Liquidation des Unternehmens. Das Gebäude an der Kirschenallee gelangte 1937 an Opel für ein Ersatzteil- und Auslieferungslager. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Dach und das 4. Obergeschoß des Gebäudes von einer Brandbombe getroffen, blieb aber ansonsten weitgehend unbeschädigt. Nur die kleinteiligen Fenster wurden durch größere ersetzt. In den 50er Jahren finden wir dort den Schrotthandel Fischer als Pächter des Geländes vor. Das benachbarte Stahl­unternehmen Donges kaufte den Bau 1958 und nutzte ihn als Lager- und Abstellraum, für die Fenster­fabrikation und als Wohnraum für dort arbeitende Migranten.

Der Ende 1985 gegründete Verein „Haus für Industriekultur“ erwarb das Gebäude 1991 mittels Zuschüssen von Land und Stadt in Höhe von 5,5 Millionen Mark, um dort seine umfangreiche Sammlung an Druckmaschinen und historisch wertvollem Zubehör auszustellen. Stiftungen und Spenden brachten weitere vier Millionen Mark auf. Das Museum öffnete 1996 für die interessierte Öffentlichkeit ihre Pforten. Als Anfang 1999 absehbar war, daß der Verein nicht einmal die Zinsen eines zum Ausbau des Hauses bei der Kreissparkasse Darmstadt aufgenommenen Kredits in Höhe von zweieinhalb Millionen Mark würde zurückzahlen können, löste er sich zu Ende des Jahres auf. Das Gebäude mitsamt Inventar und Schulden ging anschließend auf das Land Hessen über, das dort seither das Haus für Industriekultur als eine Außenstelle des Hessischen Landesmuseums betreibt. [8]

Ansichten zum Flugzeugbau 1916–1918

Flugzeugbau.

Abbildung 37: Montagehalle (links), Motoreneinbau (rechts). Die Montagehalle wurde nach Ende des Krieges für den Waggonbau verwendet. Die Flugzeugmotoren stammten, zumindest teilweise, vom Darmstädter Unternehmen Goebel. Die Goebel'schen Flugzeugmotoren zeigt der ehemalige Goebelianer Gerd Simons in einem Bilderalbum. [9]

Flugzeugbau.

Abbildung 38: Flächenbau (links) und Rumpfbau (rechts).

Flugzeugbau.

Abbildung 39: Sattlerei (links) und Flächenmontage (rechts). Auch Frauen waren in die Darmstädter Rüstungs­produktion eingebunden. [10]


Literatur

1999 bis 2003

 

ANMERKUNGEN

 

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»» [1]   Stephan Fetsch stellte mir freundlicher­weise sein Exemplar zur Verfügung. Die Textwiedergabe der Broschüre erfolgt auf Grundlage einer OCR-Erkennung, bei der sich manche nicht entdeckte Fehlinter­pretationen eines Buchstabens eingeschlichen haben mögen.

»» [2]   Einen kurzen Überblick bis hin zum Konkurs des Unternehmens gab Ulrich Eisenbach vom Hessischen Wirtschaftsarchiv in Darmstadt in einem Beitrag für das „Darmstädter Echo“ am 6. Juli 2012. Selbstredend hat die Zeitung ihren Auftritt seither mehrfach relauncht und das alte Beitragsgerümpel stillschweigend entsorgt, damit ja keine und niemand jemals etwas wiederfinden kann. Das Hessische Wirtschaftsarchiv verfügt über ein weiteres Exemplar dieser Firmen-Selbstdarstellung (Signatur Fm 46). Zum Unternehmen siehe auch den Eintrag in der Datenbank von Albert Gieseler [online].

»» [3]   Die Abbildung dieses ersten Geschäftshauses auf Seite 4 der Broschüre wird hier nicht wiedergegeben.

»» [4]   Die Abbildung dieses Geschäftshauses auf Seite 4 der Broschüre wird hier nicht wiedergegeben.

»» [5]   Die ursprüngliche Adresse lautete Kirschenallee 12. Die nachträgliche Verlängerung der Kirschenallee bis zur Bismarckstraße, womöglich geplant bis zur Rheinstraße, führte zur Umnummerierung, die bis heute beibehalten wurde. In der Regel werden in Darmstadt die Straßen, beginnend von der Innenstadt aus, rechtsseitig ungerade, linksseitig gerade aufsteigend durchgezählt. Das heutige Haus für Industriekultur trägt seit etwa 1920 die Anschrift Kirschenallee 88.

»» [6]   Es folgen auf Seite 30 die Namen der 29 Beamten und Arbeiter, die mehr als 20 Jahre in der Firma Ludwig Alter beschäftigt waren, sowie die Ehrentafel der im Kriege Gefallenen mit 18 Namen.

»» [7]   Anhand der Liste der Aussteller läßt sich nicht herausfinden, wer die hier abgebildete Medaille erhalten hat. (Natürlich ist auch diese Seite im Mai 2020 im Datennirwana verschwunden.)

»» [8]   Die Angaben entstammen verschiedenen Quellen und wurden von mir nicht alle überprüft. Siehe hierzu auch die Artikel des Darmstädter Echo. Noch nicht ausgewertet wurden im Staatsarchiv Darmstadt vorhandene Akten zur Möbelfabrik Ludwig Alter.

»» [9]   Die Bilcer sind im Mai 2020 auf einem Speicher bei web.de untergebracht, aufzurufen über die Seite Goebel-Bilder und Dokumente.

»» [10]   Die hier wiedergegebenen Aufnahmen und Grafiken waren im Original auf folgenden Seiten abgebildet: Ludwig Alter Seite 2, Geschäftshaus Elisabethenstraße Seite 5, Geschäftshaus Ecke Elisabethen- und Zimmerstraße Seite 6, Frieda Alter Seite 7, Heinrich Alter Seite 9, Emil Glöckler Seite 11, Christian Tordrup Seite 13, Hofansicht Seite 14, Hauptansicht Seite 15, Maschinensaal und Kraftzentrale Seite 18, Schreinerei (2) Seite 19, Poliererei und Beizerei Seite 20, Bildhauerwerkstatt und Fertigmacherei Seite 21, Zeichensaal und Architektenatelier Seite 23, Flugzeugmontage (6) Seite 24, Flugzeugtypen (3) Seite 25, Waggonbauhalle am Kopf von Seite 26, Innenansicht dieser Halle Seite 27, Privateisenbahnwagen Seite 27, belgische Waggons (2) Seite 28, Waggon der Reichseisenbahn Seite 28, Innenansicht belgischer Waggon Seite 29, Sattlerei Seite 30, Musikzimmer Seite 36, Spiegel mit Sessel und Tisch Seite 52, Medaille Seite 54, Damenschreibsekretär Seite 56.


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