Luftbild auf das Fabrikviertel 1966.
Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt
Walter Kuhl
Luftbild auf das Fabrikviertel 1966.
Das Fabrikviertel 1966.
Deutschlandkurve in der Landwehrstraße.
Eine Deutschlandkurve.
Kreuzung Straßenbahn- mit Industriegleis.
Einfahrt zur Kirschenallee.
Abholung eines Kesselwaggons.
Ein Kesselwaggontransport.
Gleisabbau an der Schenckallee.
Abgewrackt.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Spurensuche zwischen Schenckallee und Löcherwiese

Ergänzende Dokumentation zum Industrie­stamm­gleis „G“

1872 wurde in der damaligen Blumenthal­straße, der heutigen Kasino­straße, ein erstes Industrie­stamm­gleis gelegt. Westlich davon entstand im letzten Quartal des 19. Jahr­hunderts eine neue Werkstätten- und Industrie­landschaft, das sogenannte Fabrikviertel. Die Geschichte der Erschließung des Fabrikviertels mit Gleisanlagen wird gesondert dargestellt. Von den Mitte der 50er Jahre rund dreißig, Anschluß­gleisen sind nur noch vier oder fünf übriggeblieben.

Das Industriestammgleis „G“ verlief von der Landwehr­straße am 2000 geschlossenen Ausbesserungs­werk auf der Knell vorbei bis zur ehemaligen Blockstelle Löcherwiese. Dieses Industrie­gleis kann als umfunktioniertes Relikt der bis 1912 betriebenen Einführung der Riedbahn und der Main-Rhein-Bahn in den Ludwigs­bahnhof betrachtet werden. Über­schneidungen mit der Darstellung Vom Ludwigs­bahnhof zum Riedbahn­abzweig sind daher unver­meidlich. Abgesehen von einigen Gleisresten an der Landwehr­straße waren bei Abfassung dieser Darstellung 2012 Spuren nur noch nördlich des Carl-Schenck-Rings (auch Schenck­allee genannt) zu entdecken. Die hier gezeigten Bilder versuchen, diese Reste einzufangen, bevor auch sie gänzlich verschwinden. Die Bilder stammen, sofen nicht anders vermerkt, vom November 2012.

Der Prellbock an der Schenckallee auf OpenStreetMap.


Nördlich der Schenckallee.

Bild 1: Blick auf die Nordseite des Carl-Schenck-Rings mit der ehemaligen Halle der Samengroßhandlung Nungesser und dem Prellbock, der derzeit das Zufahrtsgleis zum Ausbesserungswerk abschließt.

Prellbock und Weiche 521.

Bild 2: Der Prellbock an Weiche 521 mit (fast) allen notwendigen Utensilien, um einen Bahnübergang technisch einwandfrei überqueren zu können. Rechts neben den Gleisen die Kleingarten­anlage der Bundesbahn, die sich zum Teil auf der früheren Gleistrasse der Strecken nach Worms und Mainz befindet.

Eingangstor zur Kleingartenanlage.
Prellbock Schenckallee.

Bild 3 (links): Eingang zur Bundesbahn-Kleingarten­anlage Sensfelder Weg / Schenckallee. Die Deutschland­fahne macht die Anlage auch nicht schöner.

Bild 4 (rechts): Der Gleisabschluß an der Schenckallee mit Rautentafel, Haltzeichen für die Rangier­abteilung, dem Schlüssel­schalter zum Bedienen der Warnblink­anlage des Bahnüber­gangs und der Weichen­hebel für Weiche 521. Im Hintergrund der eingemauerte Entsorgungs­hof des städtischen Müll- und Entsorgungs­betriebes EAD und einer der beiden Winkeltürme, die als Schutzbunker kurz vor oder im Zweiten Weltkrieg gebaut wurden.

Trapeztafel.
Prellbock.

Bild 5 (links): Trapeztafel vor dem Bahn­übergang. Auf der gegenüber liegenden Straßen­seite liegen gestapelte Gleisjoche. Aufnahme vom August 2008.

Bild 6 (rechts): Prellbock mit noch vorhandener Signaltafel Sh 2, aufgenommen im Juni 2008.

Signal Sh 2.
Schlüsselschalter für die Signalanlage.

Bild 7 (links): 2008 war das ehemalige Anschluß­gleis noch ordnungs­gemäß mit einer Signaltafel Sh 2 abgeschlossen. Inzwischen ist dieser Abschnitt bis zur ehemaligen Blockstelle Löcherwiese derart von kleinen Bäumchen und Brombeer­ranken zugwuchert, daß sich hierhin ohnehin keine Lok mehr verirren wird. Manchmal werden an der Löcher­wiese Güter­waggons abgestellt. Sollten sich diese einmal losreißen, werden sie sich kaum durch ein Schutzhalt­signal beeindrucken lassen. Insofern mag es ruhig fehlen.

Bild 8 (rechts): Schlüsselschalter für die Signal­anlage. Normaler­weise war der Bahn­übergang durch zwei im Gleisbett verlegte Sensoren gesichert. Wurden jedoch die Gleis­anschlüsse über die Weiche 521 angefahren, mußte das Warnlicht des Bahn­übergangs manuell ein- und ausgeschaltet werden. Rechts neben dem Schalter steht auf eigenen Schild die Anweisung: „RS-Schlüssel solang umgedreht lassen, bis Rangierarb. im Bereich des Bü beendet.“

Schwellennagel.
Weiche 521.

Bild 9 (links): Schwellennagel mit Einprägung „76“ am Prellbock.

Bild 10 (rechts): Weiche 521.

Walzzeichen.

Bild 11: Walzzeichen auf dem Zufahrts­gleis zum Ausbesserungs­werk: „RSW 1925“, gefertigt von den Rheinischen Stahlwerken aus dem 1905 nach Duisburg eingemeindeten Meiderich.

Bahnfernsprecher.
Toreinfahrt.

Bild 12 (links): Bahnfern­sprecher neben der Weiche zum Anschluß Nungesser. Links im Hintergrund der zweite Winkelturm.

Bild 13 (rechts): Ehemaliges Anschluß­gleis zur Spiefagro mit Werkstor.

Gleis Mücksch.
Geschwindigkeitstafel.

Bild 14 (links): Ladegleis auf dem Mücksch-Gelände.

Bild 15 (rechts): Geschwindigkeits­tafel auf dem Stammgleis oberhalb des Spiefagro-Anschlusses.

Walzzeichen.

Bild 16: Walzzeichen auf dem Zufahrts­gleis zum Ausbesserungs­werk: „G M W OSNABRUECK 1930“, gefertigt von den Georgs-Marien-Werken im Landkreis Osnabrück.

Walzzeichen.

Bild 17: Walzzeichen auf dem Zufahrtsgleis zum Ausbesserungs­werk: „KRUPP 1930“. Möglicher­weise Zweit­verwertung. In der Nähe gibt es auch Schienen mit den Prägejahren 1949 oder 1958.

Schwellennagel.
Schwellennagel.

Bild 18 (links): Schwellennagel von 1981 auf dem Anschluß­gleis Mücksch.

Bild 19 (rechts): Schwellennagel aus dem Jahr 1960 nahe der ehemaligen Blockstelle Löcher­wiese. Die Schwellen­nägel aus dem Bereich zwischen Schenckallee und Löcher­wiese, inklusive der Anschluß­gleise, umfassen den Zeitraum von 1957 bis 1981. Während die älteren Exemplare eher auf dem Zufahrts­gleis zu den „Alten Bahnhöfen“ zu finden sind, befinden sich jüngere Aus­prägungen vor allem auf dem Anschluß­gleis zur Firma Mücksch. Davon ausgehend, daß dieses Gleis etwa 1968 errichtet wurde, werden mit den jüngeren Nägeln wohl eher Tränkungs­daten als Schwellen­einbauten bezeichnet worden sein.

Winterbild mit Fernsprecher.

Bild 20: Und mit einem winterlich ange­hauchten Bild mag dieser Über­blick auf die eher unspektaku­lären Fund­stücke zu Ende gehen.