Fabrik. Blick auf das Fabrikgelände. Quelle: Adreßbuch 1908.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Die Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt

Kapitel 2: Johann Ludwig Buschbaum schneidet eine preisgekrönte Schraube

Die schon zuvor bestehende Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt wurde mit Unterstützung der ebenfalls in Darmstadt ansässigen Bank für Handel und Industrie 1857 in eine Aktien­gesellschaft umgewandelt. Die Liquidation des Unternehmens wurde mit der General­versammlung am 21. Dezember 1878 eingeleitet.

Kapitel 2 behandelt die Unternehmensgeschichte von etwa 1837 bis 1844. Mit der Gründung des Unternehmens Buschbaum und Comp. beginnt die eigentliche Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt. Der Mechanikus Johann Ludwig Buschbaum hatte schon in den 1820er Jahren für Hektor Rößler gearbeitet und errichtet nun seine Fabrik auf dem Rößler'schen Gelände an der Chaussee nach Arheilgen und weiter nach Frankfurt.

Die in den Originaltexten gesperrt hervorgehobenen Passagen werden hier kursiv wiedergegeben.

»»  Zur Draft- bzw. Kurzfassung der Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt.


Dieses Kapitel zur Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei ist die Fortsetzung von Kapitel 1 – Hektor Rößler richtet eine Werkstätte ein –, welches den Zeitraum von etwa 1807 bis 1837 behandelt hat. Dort erfuhren wir, daß der Münzmeister und Münzrat Hektor Rößler 1837 versucht hatte, seine Hofreite an der Arheilger Chaussee zu verkaufen. Dieses Vorhaben scheint sich schwieriger als gedacht erwiesen zu haben, so daß statt dessen Johann Ludwig Buschbaum mit seiner eigenen Werkstätte die Räumlichkeiten auf dem weitschweifigen Gelände bezieht. Zur Verdeutlichung der Örtlichkeiten wird der zu Ende von Kapitel 1 wiedergegebene Stadtplan von 1836 rekapituliert.

Ausschnitt Stadtplan.

Abbildung 1: Ausschnitt aus dem Plan der Residenz Darmstadt von Eduard Wagner, datiert auf 1836. Quelle: tukart[1]

Buschbaum und Comp.

Die Hofreite mit der Anschrift Lit. F Nr. 209 enthält im Darmstädter Adreßbuch eine zunächst kurios erscheinende Besonderheit. Das Adreßbuch von 1843 führt nämlich im Einwohner­verzeichnis unter dieser Anschrift den Mechaniker [Johann Ludwig] Buschbaum mit dem Zusatz „Arheilger Chaussee“ auf, während der als Fabrikant bezeichnete Friedrich Rößler den Zusatz „Vor dem Mainthor“ erhält. 1840 wurde hier hingegen nur Buschbaum genannt. Daraus ließe sich die Vermutung ableiten, daß Buschbaum im repräsentativen Gebäude an der Hauptstraße und Rößler in einem Seitengebäude gewohnt haben.

Im Häuserverzeichnis hingegen, das die Distrikte (litterae) alphabetisch und innerhalb derselben numerisch durchzählt, wird 1843 unter Lit. F Nr. 209 der Münzrath Hektor Rößler aufgeführt, der demnach weiterhin Eigentümer des Grundstücks ist. Die Bewohner oder Nutzer des Gebäudes sind über das Einwohner­verzeichnis zu erschließen. Die Angabe „Vor dem Mainthor“ ist als eine Art Sammelbezeichnung für all die Grundstücke aufzufassen, die nördlich bzw. nordwestlich der alten Stadtumfassung gelegen haben und oftmals allenfalls – je nach Witterung – an einen staubigen oder schlammigen Trampelpfad angebunden waren. So findet sich hierzu zweieinhalb Jahrzehnte später, im Herbst 1869, eine kleine Randbemerkung in einer der Darmstädter Zeitungen:

„Darmstadt, 27. Nov.  Unweit der Schneidmühle bei Darmstadt sind mehrere Häuser für Arbeiter erbaut, der Weg von jenen nach der Stadt ist aber, mit Ausnahme der Sommermonate, so schmutzig und so mit Wasserlachen erfüllt, daß nicht nur den Erwachsenen sondern auch die in die Schule gehenden und heimkehrenden Kinder, in Ermangelung wasserdichter Jagdstiefel, nur mit wassererfüllten Fußbekleidungen wandeln. Diesem Nothstande ist durch ein von der Promenadenstraße nach den Arbeiterhäusern stehendes erhöhtes Trot[t]oir, auf der östlichen, bezüglich nördlichen Seite der Straße, von Seiten der Stadt abzuhelfen. Es hat doch der Verschönerungsverein, mit seinen geringen Mitteln, für die Dankerfüllten Arbeiter von Ober- und Niederramstadt, Traisa und Roßdorf wohl mehr gethan!“ [2]

Mit Beginn der Baumaßnahmen im Blumenthalviertel sollte eine solche Straße, die Blumenthalstraße, planiert werden; ob damit auch ein regenfestes Trottoir verbunden war, ist nicht überliefert. Mit der Schneidmühle ist die in vorstehender Abbildung als Sägemühle eingezeichnete Örtlichkeit (dort noch als F. 210 bezeichnet) gemeint. Drei der Ende der 1860er Jahre erbauten Arbeiterhäuser standen rund fünfzig Meter südwestlich der Mühle, an der Ostseite der Blumenthalstraße zwischen Landwehrstraße und Alicestraße.

Bei der Anschrift Lit. F Nr. 209 bezeichnet der Buchstabe „F“ den Stadtdistrikt (in einer Reihe von „A“ bis „I“), innerhalb dessen die im Distrikt liegenden Häuser durchnumeriert werden. Grundlage der Numerierung ist das in selbige Distrikte eingeteilte Brand­versicherungs­kataster. Dabei kann es durchaus vorkommen, daß von einer Häuserzeile in eine weitere einer Nachbarstraße fortgezählt wird, bevor nach einem „Rundgang“ wieder in die ursprüngliche Straße zurückgekehrt wird. Nachträgliche Bauten scheinen nachnumeriert worden zu sein, weshalb das Ganze im Laufe der Zeit etwas undurchsichtig wird. Solange die Provinzmetropole klein und überschaubar bleibt, ist für Behörden und Postzusteller die Zuordnung noch leicht herzustellen. Mit dem Wachstum der Stadt wird Mitte der 1860er Jahre auf das uns gebräuchliche Adreßsystem mit Straßen und durchgehenden Hausnummern umgestellt, so daß aus Lit. F Nr. 209 „Vor dem Mainthor“ die Anschrift Frankfurter­straße 50 erwächst.

Das Datum der Gründung des neuen Unternehmens läßt sich, mit der angesetzten Versteigerung im Mai als terminus post quem, auf die Sommermonate Juni bis August 1837 datieren. Denn schon im September stellt das Unternehmen auf der ersten Darmstädter Gewerbe­ausstellung seine Produkte aus, wobei anzunehmen ist, daß hier weniger neue Buschbaum-Fertigungen, als vielmehr Bestände aus der Rößler'schen Werkstätte gezeigt worden sein dürften. Als Teilhaber von Buschbaum und Comp. sind neben dem Namensgeber Johann Ludwig Buschbaum die beiden Rößler-Brüder Hektor (sen.) und Friedrich denkbar. Bei der Ausstellung im September 1837 präsentierte Buschbaum und Comp. eine Handwalzen-Druckerpresse mit Selbstschwärzung [3]. Die Beurteilungs­kommission zu dieser Gewerbeausstellung faßte ihren Eindruck von diesen Gegenständen wie folgt zusammen:

Herr Ludwig Buschbaum, Mechanikus und Maschinenfabrikant in Darmstadt, lieferte eine Handwalzen­druckpresse mit Einrichtung zum Selbstschwärzen, eine dreigängige Preßschraube und eine Stellschraube für ein Walzwerk.

Diese Gegenstände hat Herr Buschbaum bereits schon vor längerer Zeit in der vormaligen mechanischen Werkstätte des Herrn Münzrath Rößler verfertigt und lieferte durch ihre Ausstellung den Beweis von Geschicklichkeit in seinem Fach und von einer nicht gewöhnlichen Sorgfalt und Akkuratesse seiner Arbeiten. Die gelieferte Preßschraube war bereits mehrere Jahre an einem der großen Prägwerke der Großh[erzoglichen] Münze im Gebrauch, und noch ganz in ihrer ursprünglichen Schärfe.

Herr Buschbaum, welche längere Zeit auf der Ludwigshütte, theils unter herrschaftlicher Verwaltung, theils unter ihren dermaligen Besitzern, als Werkmeister angestellt war, und daselbst vielfache Gelegenheit hatte, die Ausführung größerer Maschinen u. s. w. zu leiten, hat vor kurzem eine Maschinen­werkstätte in Darmstadt etablirt.“ [4]

Das neugegründete Unternehmen Buschbaum und Comp. erhielt bei der ersten Darmstädter Gewerbeausstellung im September 1837 noch keine Auszeichnung. Dafür gab es mehrere Gründe, die mit der Qualität der ausgestellten Gegenstände nur bedingt zu tun hatten. Im Gegensatz zu späteren Gewerbe- und Industrie­ausstellungen, nicht nur in Darmstadt, sondern überhaupt, beschränkte der Gewerbeverein die Vergabe von Medaillen auf ein überschaubares Maß und vermied so eine geradezu inflationäre in Metall gegossene Lobhudelei. Auf ihrer Sitzung am 16. August 1837 beschlossen die vereinigten Ausschüsse des Gewerbevereins, maximal eine goldene, fünf silberne und fünfzehn bronzene Medaillen zu überreichen, verwässerten diese löbliche Zurückhaltung jedoch durch das Einführen einer vierten Kategorie, der „ehrenvollen Erwähnung“. Die Beurteilungs­kommission bestand aus dem Kabinettschreiner Fehring, dem Oberbaurat Dr. Lerch, dem Medizinalrat Heinrich Emanuel Mer[c]k, dem Fabrikanten Moldenhauer, dem Münzrat Hektor Rößler als Vorsitzenden, sowie dem Kaufmann Karl Zöppritz. Diese Beurteilungs­kommission gab sich wiederum einige modifizierende Regeln. Für die Vergabe der Goldmedaille sollen nicht nur höchste Kunstfertigkeit und Vollkommenheit leitend sein, sondern zudem die Wichtigkeit des Industriezweiges, die Größe des Etablissements und der Ruf seines Besitzers. Da man sich hier nicht zwischen mehreren durchaus würdigen Kandidaten entscheiden wollte, vergab man keine goldene Medaille, dafür jedoch eine weitere silberne. Silbermedaillen erhielten somit der Tapetenfabrikant Hochstätter aus Darmstadt, der Hutfabrikant Wilhelm Martini aus Offenbach, der Hofmechanikus Siener aus Darmstadt, der Kupferdrucker Felsing aus Darmstadt, der Apotheker Friedrich Koch aus Oppenheim und der Möbelfabrikant Knußmann aus Mainz. Des weiteren wurden fünfzehn Bronzemedaillen und sechzehn ehrenvolle Erwähnungen vergeben. Selbstredend betrachteten sich die Mitglieder der Beurteilungs­kommission quasi als außer Konkurrenz. [5]

Aus dem Vortrag des Großherzoglichen Geheimen Oberforstraths Zamminer aus Darmstadt

„Nachträglich habe ich nur noch zu erwähnen, daß ich ein Exemplar der von mir angegebenen Wasserwaage mitgebracht und hier aufgestellt habe, um zu zeigen, wie solche jetzt in vollkommenerem Zustande, mit achromatischem Fernrohre und die Schrauben der Richtmaschine in Metall gehend, in der für alle mechanischen Leistungen und insbesondere auch für größere Maschinen jeder Art neu errichteten Werkstätte des geschickten Mechanikus Buschbaum in Darmstadt, der viele Jahre erster Arbeiter in der vormaligen berühmten mechanischen Werkstätte des gegenwärtigen Großherzoglichen Münzraths Rößler war, angefertigt werden. Herr Buschbaum hat eben für meine letzten Schüler 30 Stück dieser Instrumente vollendet. Die Einrichtung bin ich bereit näher zu erläutern, wenn es gewünscht werden sollte.

Das Wesentliche meines Antheils daran besteht in der Anordnung, daß nur alle die Theile, wovon die Genauigkeit abhängt, von Messing, und Stahl vom Mechanikus, alle übrigen aber von Eisen und Holz vom Schlosser und Schreiner angefertigt sind, wodurch bei gleicher Brauchbarkeit, die hier zu wünschende Wohlfeilheit erreicht wurde. Herr Buschbaum ließ übrigens auch die Schlosserarbeiten in seiner Werkstätte fertigen, da er in seinem großen Etablissement dafür eingerichtet ist. Im übrigen stimmt das Instrument, wie ich schon früher in meiner Schrift anführte, mit der neuen verbesserten Einrichtung von Rößler überein, ist also frei von den Mängeln der veralteten Branderischen Form, wo die Libelle auf dem Fernrohre befestiget war. Hier liegt die Libelle geschützt, und die Einrichtungen zur Berichtigung sind einfach, sicher und handgreiflich, welches alles für den hier beabsichtigten Zweck sehr wesentlich ist.“

Quelle: Amtlicher Bericht über die Versammlung deutscher Landwirthe zu Karlsruhe im September 1838, Seite 63. Der Preis dieser Wasserwaage betrug 45 Gulden. [6]

Eisenhammer und Silbermedaille

Zeitungsannonce.
Abbildung 2: Annonce des Schönberger Eisenwerks im Darmstädter Frag- und Anzeigeblatt vom 1. August 1838.

Hektor Rößler hatte 1834 den Eisenhammer seines Bruders Friedrich in Schönberg übernommen. Im Juli 1838 läßt er einige dort gefertigte Eisenröhren und Pferdekrippen nach Darmstadt zu Johann Ludwig Buschbaum bringen, um sie in Darmstadt zu vertreiben. Einer Annonce des „Darmstädter Frag- und Anzeigeblattes“ zufolge firmiert Rößlers Unternehmung im Lautertal als „Schönberger Eisenwerk“. [7]

Auf der zweiten Darmstädter Gewerbeausstellung vom 1. bis zum 15. September 1839 errang Buschbaums Unternehmen eine silberne Medaille; vergeben werden sollten wiederum goldene, silberne und bronzene Medaillen, sowie als weitere Preiskategorie die ehrenvolle Erwähnung. Die nunmehrige Beurteilungs­kommission bestand aus den Herren Zamminer (Vorstand), Fehring, Lerch, Dr. Moldenhauer, K. Netz und dem Münzrat Rößler. Sie wich insofern von dieser Vorgabe ab, als sie auf die ehrenvollen Erwähnungen verzichtete, statt dessen eine goldene, neun silberne und siebzehn bronzene Medaillen verteilte. Die goldene Medaille ging an die Mainzer Lederfabrik Mayer, Michel und Denninger, die silbernen an: Ludwig Berdelle, Chaisenfabrikant in Mainz, Fr. Brazy, Tapetenfabrikant in Mainz, Ludwig Buschbaum und Comp., Maschinenfabrikant in Darmstadt, den Uhrmacher Fr. Moritz Illig in Darmstadt, Mer[c]k und Pabst, Stearinlichter­fabrikanten in Darmstadt, Gebrüder Schneider, Papierfabrikanten in Nidda, den Modelleur Jakob Schröder in Darmstadt, den Instrumentenmacher Balthasar Vierheller in Darmstadt und an die Gebrüder Wüst, Buntpapier­fabrikanten in Darmstadt [8]. Ein Zeitungsbericht erwähnt

„einige in ausgezeichneter Vollkommenheit gefertigte Arbeiten aus der Maschinenfabrik von Buschbaum u. Comp. dahier, als: eine Maschine zum Justiren der Münzen, eine dreigängige Schraube für ein großes Prägwerk, ein sägenförmiges Schraubengewinde für ein Walzwerk (diese Stücke sind für die neue Münze in Frankfurt bestimmt) und eine eiserne Drehbank.“ [9]

Die dem jungen Unternehmen wohlgesonnene Kommission hielt sich ein wenig länger mit der Würdigung desselben auf.

Aus dem Bericht der Beurteilungskommission

„Hr. Ludwig Buschbaum & Comp. in Darmstadt ([mit den Katalognummern, WK] 448–451). Diese im Jahr 1837 etablirte Maschinen­werkstätte hat während der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits sehr vorzügliche Arbeiten geliefert, und Hr. Buschbaum hat durch die von ihm zur Ausstellung gebrachten Gegenstände, nämlich: eine dreigängige Schraube, eine Justirmaschine und eine eiserne Drehbank, bewiesen, wie es sich derselbe zur Aufgabe gemacht hat, allen, aus seiner Werkstätte hervorgehenden Arbeiten die mechanische Vollendung zu geben. In der That konnte die von ihm gelieferte, für ein Prägwerk der neuen Frankfurter Münze bestimmte, dreigängige Schraube, welche 7 Zoll im äußeren Durchmesser hatte und sich in dem Zustand befand, in welchem sie von der Schneidmaschine genommen wurde, als ein Meisterstück mechanischer Arbeit betrachtet werden, sowie die von ihm gelieferte, gleichfalls für die Frankfurter Münze bestimmte, Justirmaschine eine seltene Schärfe und Sorgfalt in ihrer Ausführung verrieth. Die Commission glaubt daher, daß die verdienstlichen Leistungen des Hrn. Buschbaum Anerkennung verdienen und empfiehlt ihn zur Ertheilung der silbernen Medaille.

Jene Arbeiten von anerkannt trefflicher Ausführung zu liefern, ist Hrn. Buschbaum möglich durch die, größtentheils selbst von ihm verfertigten Maschinen und Werkzeuge zur Bearbeitung der einzelnen Maschinentheile. Wir heben unter diesen besonders hervor: eine große Drehbank mit Support, Selbstgang und einer Vorrichtung, um Flächen und Bahnen von 8 Fuß Länge zu ebnen und Planflächen von 40″ Durchmesser zu drehen; eine mit dieser Drehbank in Verbindung zu bringende Vorrichtung, um Zahn- und Winkelräder von Metall, eine Schrauben­schneidmaschine, um mehrfache Gewinde von jedem beliebigen Durchmesser und von 10 Fuß Länge zu schneiden, ferner eine Cylinder­bohrmaschine mit Selbstgang, um Cylinder von 3½ bis 12 Zoll Durchmesser zu bohren. Wir erwähnen endlich noch sechs vortrefflicher, mit Support, Selbstgang und Vorgelege versehener Drehbänke, wovon 4 ganz von Eisen sind, ferner eine sehr sinnreich erdachte, mit den Drehbänken in Verbindung zu bringende höchst nützliche Maschine, um Gewinde, rechte sowohl wie linke, von jeder beliebigen Dicke und Steigung zu schneiden.

Diejenigen Maschinen, mit deren Anfertigung Hr. Buschbaum, außer den für seine eigene Werkstätte bestimmten Einrichtungen, bis dahin vorzugsweise sich beschäftigt hat, sind die verschiedenen, in Münzen gebräuchlichen Maschinen und Werkzeuge, von denen gegenwärtig wieder eine Anzahl, für die neue Frankfurter Münze bestimmt, in Arbeit sich befinden, nämlich ein großes vollständiges Prägwerk, ein Walzwerk mit Zug- und Schneidvorrichtung, Justir- und Durchschneid­maschinen, Gießapparate, Justir- und größere Waagen.“

Quelle: Zusammenstellung und Begutachtung der zur zweiten Gewerbeausstellung eingesandten Fabrikate, in: Verhandlungen des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, II. Quartalheft 1839, Seite 69–101, Zitat auf Seite 71.

Die Buschbaum'sche Maschinenfabrik scheint 1839 mit Frankfurter Aufträgen gut ausgelastet gewesen zu sein. Doch hat Johann Ludwig Buschbaum all die hier erwähnten Maschinen und Werkzeuge selbst „verfertigt“, wie alle großen Männer, oder hat er vielleicht doch den einen oder anderen tüchtigen Arbeiter zur Hand gehabt, der womöglich die Drecksarbeit leisten mußte, für deren Ergebnis sein Meister dann so sehr gelobt wird?

Der Frankfurter Senat hatte 1838/39 auf Empfehlung des Münzrats Hektor Rößler dessen Sohn Friedrich Ernst zum Verwalter der Frankfurter Münze bestellt, der selbige daraufhin mit Hilfe seines Vaters und der Maschinenfabrik Buschbaum & Comp. technisch auf den neusten Stand brachte [10]. Aber auch die Darmstädter Münze wurde 1840 durch einen größeren Auftrag in Anspruch genommen.

„Frankfurt, 19. Febr.  In voriger Woche gingen von hier bedeutende Quantitäten Silber-Barren nach Darmstadt ab, um dort in der großherzoglichen Münze in Vereinsmünzen geprägt zu werden. Die Sendungen geschahen von dem Hause Rothschild. Man vermuthet, daß sie bereits durch das Anlehen veranlaßt worden sind, welches der Großherzog von Hessen bei dem Hause Rothschild negozirt hat. Für die Kenntnß in Betreff der Geldcirculation möchte die Notiz nicht ohne ein gewisses Interesse seyn, daß das Haus Rothschild es ist, welches den Münzvereins­staaten zum größten Theil die Lieferungen an Silber-Barren für die Prägung der Vereinsmünzen gemacht hat und noch macht, und daß diese Silbervorräthe meistentheils über Hamburg bezogen worden sind.   (Nürnb[erger] Korr[espondent])“ [11]

Friedrich Rößler

Der im Darmstädter Adreßbuch als Fabrikant bezeichnete Friedrich Rößler war der jüngste von sechs Brüdern (und zwei bald nach der Geburt gestorbenen Schwestern) des Münzrats Hektor Rößler. Die hier ursprünglich vertretene Annahme, es handele sich um einen der Söhne Hektor Rößlers, nämlich um Friedrich Ernst Rößler, hat sich als wenig plausibel herausgestellt.

Friedrich Ernst kam 1813 als eines von sieben Kindern des späteren Münzrats und der Karoline, geb. Olf, zur Welt. Seine Ausbildung erhielt er in der väterlichen Werkstätte, bevor er ein Praktikum in München absolvierte und weitere Münzstätten in Wien, Stuttgart und Karlsruhe aufsuchte. Er kehrte etwa 1834 nach Darmstadt zurück. 1838/39 stellte der Frankfurter Senat Friedrich Ernst Rößler, den Sohn des Münzrats, auf dessen Empfehlung hin für die Reorganisation der Frankfurter Münze ein. Nachdem er sich offensichtlich bewährt hatte, ernannte man ihn zum 1841 zum Münzwardein, unter der Voraussetzung, daß er das Frankfurter Bürgerrecht erwarb. Folgerichtig findet sich im Stadtarchiv Darmstadt für 1841 ein Auswanderungs­gesuch nach Frankfurt. Er stirbt 1883 in Frankfurt am Main. [12]

Der 1787 geborene Friedrich Gottlieb Rößler wird in Darmstadt um 1820 als Eisenhändler faßbar. Während ihn das Darmstädter Adreßbuch 1819 noch nicht aufführt, wird er zwei Jahre später mit der Adresse Lit. D Nr. 121 als Bürger in der Kirchstraße aufgeführt. Diese Anschrift wird bei einer Reorganisierung des Brand­versicherungs­katasters um 1831 in Lit. E Nr. 19 geändert. Das Bürgerrecht setzte ein Mindestalter von 21 Jahren voraus [13]. 1825 wird (der Kaufmann) Friedrich Rößler aus Darmstadt in Annoncen als Handelsvertreter für die Fayenceöfen des Fabrikanten Hügelin aus Strasbourg genannt.

„Durch allerhöchste Entschliessung Sr. Königlichen Hoheit, des Großherzogs, vom 8ten März dieses Jahres ist dem Kaufmann Friedrich Rößler dahier ein Patent für den alleinigen Verkauf eines neu erfundenen – bei der vorgenommenen Prüfung zur Holzersparung zweckmässig befundenen Ofens innerhalb des G[r]oßherzogthums, für die Dauer von fünf Jahren, allergnädigst ertheilt worden.“

Friedrich Rößler selbst dürfte den Ofen nicht erfunden haben, vielmehr wird dieses 1827 erteilte Patent der Absteckung seines Claims gedient haben. Schon zwei Jahre zuvor veröffentlichte Annoncen wiesen auf die Holzersparnis der Hügelin'schen Fayenceöfen hin [14]. Friedrich Rößler scheint über die notwendigen Kontakte zu Hügelin verfügt zu haben, wie diese 1828 aufgegebene Annonce belegt:

„Da die Strasburger Fayençeöfen­verfertiger für dieses Jahr bei mir wieder angekommen sind, so bitte ich diejenigen, welche der Art Oefen besitzen und eine Reparatur an denselben wünschen, mir gefälligst recht bald Anzeige davon zu machen.“ [15]

1821, vielleicht auch schon zuvor, ersuchte Friedrich Rößler die Besitzerinnen und Besitzer des sogenannten Neuwieder Gesundheits­geschirrs darum, ihm selbiges, wenn sie es „wieder frisch verzinnt zu haben wünschen“, vorbeizubringen, damit er es einschicken könne. Diese Aufforderung ergeht alsdann jedes Jahr, möglicherweise passend zur Vorweihnachtszeit, bevor 1831 ein Peter Damm das Geschäft des Eisenhändlers Friedrich Rößler in der Kirchstraße Nr. 121 übernimmt. Nun bittet dieser darum, das Neuwieder Geschirr bei ihm abzugeben. Dieses Gesundheits­geschirr war eine Erfindung von Heinrich Wilhelm Remy, einem Nachfolger und Verwandten des Kaufmanns Wilhelm Remy[16]

„Die ersten vortreflichen Sanitäts-Kochgeschirre ließen schon seit etwa 50 Jahren die H[erren] Remy & Barensfeld zu Neuwied verfertigen. Die Gefäße werden aus gewalztem Eisenblech, welches die Unternehmer der Fabrik auf ihrem Eisenwerke Rasselstein selbst verfertigen lassen, durch geschickte Arbeiter bloß mit dem Handhammer geschlagen, und die Fabrik kann, da die Gefäße meist sehr schwierige Formen haben, dazu kein anderes Schwarzblech als ihr eignes, welches von äußerst zäher Qualität ist, gebrauchen. Hierauf werden die Geschirre gebeizt und im Ganzen in völlig reinem Zinn, welches keine andere Beymischung hat, verzinnt. Sie bleiben bey gewöhnlicher Säuberung mittelst Rockenkleyen und Werg, und Trocknung an der Sonne immer rein und weiß, und wenn das Reinigen ja einmal versäumt worden, so lassen sie sich dadurch wieder ganz rein und blank machen, daß man sie mit etwas reiner Holz- oder Pottasche abscheuert. Wenn man sie nach jedesmaligem Gebrauche rein wäscht, abputzt und trocknet, so brauchen sie nie wieder verzinnt zu werden.“ [17]

In der Praxis scheint wohl doch ein Nachverzinnungs­bedarf bestanden zu haben, worauf die von Friedrich Rößler aufgegebenen Annoncen hinweisen.

1831 erwarb er die Herrenmühle in Schönberg, im Lautertal oberhalb von Bensheim, um dort einen Eisenhammer zu betreiben. Sein Geschäft in Darmstadt überließ er dem Peter Damm. Aufgrund von behördlichen Auflagen nach Beschwerden anderer Mühlenbesitzer unterhalb von Schönberg, denen er wohl bei der Eisenverarbeitung das Wasser abgedreht hatte, war er wohl nicht in der Lage, den Eisenhammer wie geplant finanziell erfolgreich zu betreiben. 1833 wurde daher ein Konkursverfahren gegen ihn angesetzt. Der Eisenhammer wurde 1834 auf dem Umweg über den ebenfalls nach Schönberg gegangenen Jakob Rößler an den Münzrat weiterveräußert. Die Adreßbücher von 1839 und 1840 führen Friedrich Rößler noch nicht wieder auf, ehe er 1843 als Fabrikant in Lit. F Nr. 209 unter der Sammelbezeichnung „Vor dem Mainthor“ erscheint. Beim Ausscheiden Buschbaums aus dem wohl mit den Rößler-Brüdern gemeinsam betriebenen Unternehmen wird Friedrich Rößler als Direktor desselben benannt. Unter Lit. F Nr. 209 ist er fortgesetzt bis 1850 im Adreßbuch aufgeführt, ehe der Name 1854 nicht mehr erwähnt wird. Er stirbt 1873 fünfundachtzig­jährig in Schönberg. [18]

Unterwürfig, aber geschäftstüchtig

Für das vierte Gutenbergjahr 1840 in Mainz organisierten die Honoratioren der Stadt eine Reihe von Festivitäten. Rund vier Jahrhunderte zuvor hatte Johannes Gensfleisch alias Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern aus Metall und einer hierzu passenden Druckerpresse revolutioniert. Mainz, das wirtschaftlich von Frankfurt und dem aufstrebenden Mannheim bedrängt wurde, suchte einen Anlaß, sich in das Gedächtnis der Geschäftswelt zurückzumelden. Und so floß der Champagner, es wurden peinliche, in Gedichte gekleidete Lobpreisungen verlesen und „rauschende militärische Harmonie-Musik“ vernebelte dann auch die Köpfe derjenigen, denen der Champagner nicht zu Kopf gestiegen war. Im Rahmen dieser mit allerlei Pomp und Firlefanz vollgestopften Feierlichkeiten wurden in einer Ausstellung Druckwerke aus den ersten drei Jahrhunderten der Buchdruckkunst gezeigt. Im Begleitprogramm gab es zudem eine Gemäldeausstellung, eine Blumenausstellung und als „wichtigste aller Ausstellungen“ eine Leistungsschau des hessischen Gewerbefleißes vom 22. Juni bis zum 5. Juli 1840. Fast zweihundert Gewerbetreibende, wovon die Hälfte aus Mainz, stellten laut Katalog rund elfhundert Gegenstände aus. Buschbaum und Comp. waren passend zum Anlaß mit einer kleinen Buchdruckerpresse zugegen; zudem wurden „die Balanciere, [eine] Eisen-Drehbank, Leitspindeln zum Schraubenschneiden, [eine] Münzdurch­schneidmaschine, Stellschrauben und Walzwerke mit Sägen, Winden, etc.“ vorgeführt. [19]

Auch auf der ersten allgemeinen deutschen Industrieausstellung, die der Darmstädter Gewerbeverein 1842 ebenfalls in Mainz durchführte, war das Unternehmen Buschbaum und Comp. vertreten. Während Darmstadt in politischer Hinsicht als eine von Demokratenfressern regierte Duodez-Residenz mit „ihren gähnenden Straßen, ihren schläfrigen Häusern und öden Plätzen“ galt, „auf denen die bleierne Langeweile von Untertanentreue und deutschem Gehorsam“ zuhause ist [20], was sich nicht zuletzt in der Selbst­unterwerfung des Darmstädter Bürgertums unter die huldvolle demokratiefeindliche Verachtung des Ludwigsmonuments auf dem Luisenplatz geäußert hat [21], so gilt dies nicht in wirtschaftlicher Beziehung. Daß ausgerechnet in der Kasernenstadt der südhessischen Provinz der lokale bzw. großherzoglich hessische Gewerbeverein die erste allgemein zugängliche deutsche Industrieausstellung organisiert und durchgeführt hat, zeigt, daß neben Kleingeist durchaus ein waches, geschäftstüchtiges Bewußtsein koexistieren kann. Der nachträglich von Hektor Rößler (jun.) verfaßte Bericht über diese Ausstellung erwähnt das Unternehmen zweimal, einmal in der Rubrik Maschinenbau und ein weiteres Mal in der Rubrik Eisenguß. [22]

„Buschbaum und Comp.,

Eigenthümer einer Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt.
(Großherzogthum Hessen.)

Ein großes Münzprägwerk nach Uhlhorn'schen System; eine dreigängige geschnittene Schraube von 7 Gr. Hess. Zoll äußerem Durchmesser, von Schmiedeisen, für einen großen Münzprägstock bestimmt; eine eiserne Drehbank mit Support und eisernem Wirbel (Preis 512 fl. mit und 362 fl. ohne Support); ferner ein kleiner Krahnen zum Heben von Lasten, besonders zum Gebrauch für Magazine u, s. w. (77 fl.). –

Die unter obiger Firma bestehende Maschinenfabrik, welche seit 1840 mit einer Kupolofengießerei (siehe die Rubrik Eisenguß, Seite 75 [richtig: 151, WK]) verbunden ist, wurde im Jahr 1837 etablirt. Durch vollständige Ausrüstung mit allen zum Maschinenbau erforderlichen Werkzeugen und Arbeitsmaschinen ist dieselbe in Stand gesetzt, die Anfertigung jeder Art von größeren und kleineren Maschinen, als von Dampfmaschinen, hydraulischen- und Schraubenpressen, Drehbänken und anderen Maschinen zur Metallbearbeitung, Münzmaschinen jeder Art, Walzwerken, Pumpen und Feuerspritzen, Hebekrahnen u. s. w., ferner die Einrichtung von Mahl- und Oelmühlen und anderen gehenden Werken zu übernehmen. Die zugleich vorhandene Kupolofengießerei, welche einen besonders weichen, zur weiteren Verarbeitung sehr geeigneten Eisenguß liefert, sichert dem Etablissement die vielfachen Vortheile, welche überhaupt mit der Vereinigung von Gießerei und Maschinenwerkstätte verbunden sind. Eine Hochdruck­dampfmaschine von 5 Pferdekraft betreibt die erforderlichen Arbeitsmaschinen, als namentlich: zwei große eiserne Drehbänke von 16 und 24 Fuß (Gr. Hess. Maas) Länge, mit Support, Selbstgang und den zum Schraubenschneiden gehörigen Vorrichtungen, 8 kleinere eiserne Drehbänke, eine Hobelmaschine nach dem neuesten System des Engländers Whitworth, zum Hin- und Rückwärtsarbeiten eingerichtet und von hinreichender Größe, um Stücke von 18 F[uß] Länge und 3½ F[uß] Breite zu hobeln; ferner eine große Bohrmaschine, gleichfalls nach dem System des vorgenannten englischen Mechanikers konstruirt, eine kleine Hobelmaschine etc. – Eisengießerei und Maschinen­werkstätte beschäftigen im Durchschnitt 40 Arbeiter.

Durch Aufstellung der oben genannten Maschinen hat dieses Etablissement, dessen Leistungen bei Gelegenheit der in Darmstadt im Jahr 1839 veranstalteten Landes-Industrie­ausstellung durch Ertheilung der silbernen Medaille bereits Anerkennung fand, auf's neue den Beweis geliefert, daß genaue und mit höchster Sorgfalt ausgeführte Arbeit sein Streben ist, was ganz besonders an dem Uhlhorn'schen Prägwerk anerkannt werden mußte, welches als ein Produkt von wahrhaft mechanischer Vollendung zu betrachten war. Durch Ausstellung des eben bemerkten Prägwerks repräsentirte diese Maschinenbau­anstalt zugleich einen Zweig der Fabrikation, welchen sie insbesondere in ihrem ganzen Umfang betreibt und worin sich dieselbe bei allen deutschen Münz­werkstätten einen ehrenvollen Namen zu erwerben wußte. Die hierher gehörigen, von Herrn Buschbaum & Comp. für die Münzen in Darmstadt und Frankfurt a. M. und theilweise auch für diejenigen von München, Wiesbaden, Hannover, Stuttgart u. s. w. bereits gefertigten Werkzeuge und Maschinen sind: Prägwerke vom kleinsten bis zum größten Kaliber, Walzwerke mit Zug- und Schneidvorrichtung, Justir- und Durchschneid­maschinen, Gießapparate, Justir- und größere Waagen u. s. w.“

Wie im Abschnitt über die Aussteller der Rubrik Maschinenbau werden im folgenden Abschnitt zu den Ausstellern der Rubrik Eisenguß zunächst die ausgestellten Gegenstände, hier des Unternehmens Buschbaum & Comp., genannt, bevor auf das Unternehmen selbst eingegangen wird. Hierbei wird wohl eine Selbstdarstellung des Unternehmens die Textgrundlage gebildet haben. Auffällig ist der Unterschied in der Datierung der Kupolöfen und in der Angabe zur Leistungs­fähigkeit der im Unternehmen installierten Dampfmaschine.

„Eine gußeiserne Wendeltreppe, ein großes Cruzifix mit Untersatz und einige gegossene Fenstervorsätze. (Die von dem nämlichen Etablissement ausgestellten Maschinen sind in der betr[effenden] Rubrik aufgeführt.)

Die unter obiger Firma seit 1837 bestehende Maschinenfabrik ist seit dem Jahr 1841 mit einer Kupolofengießerei verbunden, welche, mit Ausnahme der eigentlichen Poterie, alle Gegenstände des Eisengusses übernimmt. Die Gießerei besitzt zwei nebeneinander­stehende Kupolofen, wovon jeder bis zu 50 Ctr. faßt; sie empfangen ihren Wind von einem Ventilator, dessen Flügel 1800 Umdrehungen in der Minute machen und der seine Bewegung von einer 6pferdigen Hochdruck­dampfmaschine erhält, welche zugleich die in der Maschinenwerkstätte aufgestellten Arbeitsmaschinen in Thätigkeit setzt.

Die genannte Gießerei hat sich durch die stets gleich bleibende vorzügliche Beschaffenheit des Eisens, welche sich besonders für Maschinentheile sehr eignet, sowie durch reinen und scharfen Guß bereits einen ehrenvollen Namen und damit einen bedeutenden Absatz erworben, welcher sich nicht bloß auf das Inland [meint: Hessen, WK] beschränkt, sondern auch auf die benachbarten Staaten sich erstreckt. Für die Schönheit der aus ihr hervorgehenden Arbeiten sprachen nicht bloß die zur Ausstellung gebrachten Gegenstände, unter denen die gegossene Wendeltreppe, eine Zierde des vorderen Ausstellungs­lokals, besonders hervorgehoben zu werden verdient, sondern es geben hierfür auch verschiedene größere Ausführungen, u. a. die großen eisernen Thore an dem Großherzogl[ichen] Residenzschloß in Darmstadt, genügendes Zeugniß.“

Quelle: Ausführlicher Bericht über die von dem Gewerbverein für das Großherzogthum Hessen im Jahre 1842 veranstaltete Allgemeine deutsche Industrie-Ausstellung zu Mainz [1843, online], Seiten 189–190, sowie 151.

Buschbaum und Comp., die ausdrücklich auch als „Maschinenfabrik und Eisengießerei“ benannt werden, sind, wie wir noch sehen werden, der Vorgängerbetrieb der späteren Fabrik (ohne Buschbaum); und so ergibt ein kurzer Abschnitt aus der Stadtbeschreibung von Karl Werner einen ganz eigenen Sinn, nämlich die Kooperation von Buschbaum und Rößler:

„Die Industrie hat bis jetzt noch kein großes Gedeihen in unserer Mitte gefunden; am meisten Thätigkeit herrscht noch in den Buchdruckereien. Doch liefern einzelne Fabriken : Tapeten, Spielkarten, Zündhölzer, Tabak, Chaisen, musikalische und technische Instrumente, Maschinen (diese vorzüglich für die Agricultur Jordan und für das Münzwesen Rößler und Buschbaum).“ [23]

Zeitungsannonce.
Abbildung 3: Verlegung einer Eisengießerei von Schönberg nach Darmstadt und deren Eingliederung in das Unternehmen Buschbaum und Comp. Quelle: Annonce in der Großherzoglich Hessischen Zeitung vom 27. Dezember 1841 (mit Dank ans Stadtarchiv Darmstadt). [online]

Hier werden nicht etwa zwei Fabrikanten mit zwei getrennten Betrieben, nämlich denen von Buschbaum und Rößler, aufgeführt, sondern ein Betrieb der Herren Rößler und Buschbaum.

Johann Ludwig Buschbaum (1792–1866) stammte aus Michelstadt im Odenwald. In der zweiten Hälfte der 1810er Jahre arbeitete er für den Münzmeister Hektor Rößler und erhielt 1825 das Darmstädter Bürgerrecht. Im Juli 1832 wird er Werkmeister auf der Ludwigshütte bei Biedenkopf, Hektor Rößler (jun.) folgt ihm wenige Monate später als Rechner der Ludwigshütte nach. Buschbaum kehrte 1837 nach Darmstadt zurück [24]. Anfang 1841 sind sowohl der Mechanikus Johann Ludwig Buschbaum, als auch der Münzrat Hektor Rößler, der Sekretär des Gewerbvereins Hektor Rößler (jun.) und der Mechanikus Friedrich Rößler Mitglied des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen [25]. Im Dezember 1841 verlegt der Münzrat Hektor Rößler seine Eisengießerei von Schönberg bei Bensheim nach Darmstadt und vereinigt sie mit dem Unternehmen Buschbaum und Comp.

Im Bericht zur Mainzer Industrieausstellung 1842 wird als Jahr der Einrichtung der beiden Kupolöfen 1840 wie auch 1841 genannt. Denkbar ist, daß mittels der Kupolöfen der für die Rößler'schen und auch Buschbaum'schen Maschinen notwendige Eisenguß gesichert war und sich der Betrieb eines eigenen Eisenhammers in Schönberg erübrigte. Selbiger wurde folglich zum Jahresende aufgegeben. [26]

Friedrich Rößler hatte 1831 die Herrenmühle in Schönberg zum Betrieb eines Eisenhammers erworben. Diese Herrenmühle wurde erstmals 1555 erwähnt. Nach 1831 betrieben Friedrich und nach dessen Konkurs sein Bruder Hektor Rößler den dortigen Eisenhammer mitsamt einer Eisengießerei. 1843 wurde die nicht länger benötigte Mühle an den Müller Georg Schaller aus Reichenbach weiter verkauft. 1844 war das Hammerwerk mitsamt Schmelze auf 2.500 Gulden taxiert. Das Anwesen wurde 1846 von Valentin Mahr aus Traisa erworben. [27]

Die Kooperation zwischen Buschbaum und den Rößlers endete im Frühjahr 1844, weshalb folgerichtig im nachfolgenden Adreßbuch von 1845 im alphabetischen Teil [Johann Ludwig] Buschbaum nunmehr unter Lit. F Nr. 206 gelistet wird, während der Fabrikant Friedrich Rößler weiterhin unter Lit. F Nr. 209 angegeben wird. Neu wird unter dieser Anschrift nunmehr August Wernher geführt, der wohl als neuer technischer Betriebsleiter fungiert (siehe Kapitel 3). Wernher hatte sich zuvor als Eigentümer in der Ludwigshütte bei Biedenkopf engagiert und dabei finanziell übernommen. Im Häuserverzeichnis des Adreßbuchs bleibt der Münzrat Hektor Rößler als Eigentümer des Anwesens genannt.

Die neue Firma

Anfang Juni 1844 jedenfalls machte der neue Eigentümer die Umfirmierung des Unternehmens publik. Die Umbenennung wurde notwendig, als die Kompagnons aus Gründen, die nicht benannt werden, im Frühjahr 1844 ihres Teilhabers Johann Ludwig Buschbaum verlustig gingen. Ohne ihn ergibt der bisherige Firmenname keinen weiteren Sinn mehr, sodaß eine unspektakuläre, aber zutreffende Bezeichnung für das Unternehmen gewählt wird. Der Name „Maschinenfabrik und Eisengießerei“ klingt zwar wenig originell, brachte aber das Geschäftsinteresse eindeutig auf den Punkt. Da es in Darmstadt und der näheren Umgebung kein weiteres entsprechend ausgerüstetes Etablissement gegeben hatte, war eine Verwechslung mit ähnlich benannten Unternehmungen ausgeschlossen. Wer der oder die Eigentümer gewesen sind, kann nur vermutet werden. Hektor Rößler als Eigentümer des Grundbesitzes wird sicherlich dazu gehört haben, sein Bruder Friedrich hingegen aufgrund des gegen ihn ausgesprochenen Konkurses in den 1830er Jahren eher nicht. Möglicherweise hat sich auch August Wernher eingebracht. Aus der Annonce in der „Großherzoglich Hessischen Zeitung“ wird jedenfalls nicht deutlich, wer nun als Eigentümer anzusehen war. Nur die Direktoren werden benannt, nämlich Friedrich Rößler und August Wernher. Damit endet das Firmenkapitel Buschbaum & Comp. [28]

Zeitungsannonce.

Abbildung 4: Annonce der Maschinenfabrik und Eisengießerei zum Austritt Johann Ludwig Buschbaums aus dem Unternehmen und zur Umfirmierung. Quelle: Großherzoglich Hessische Zeitung vom 8. Juni 1844, Scan vom Mikrofilm. [online]. [29]

Mit diesem Dokument besitzen wir, vorbehaltlich wohl verschollener interner Abmachungen unter den Kompagnons, sozusagen das Gründungs­dokument der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt. Damit liegen für das Unternehmen folgende Eckdaten vor: Gründung des Unternehmens als Buschbaum und Comp. 1837, Änderung der Eigentümerstruktur und Umfirmierung 1844, Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1857, Abwicklung der Liquidation 1879 bis 1883. Einen ersten direkten Beleg für die Existenz der Maschinenfabrik und Eisengießerei unter neuem Namen (der neuen „Firma“) findet sich in einer ausführlichen Beschreibung einer transportabelen Dampfmaschine.

Die Annonce in der „Großherzoglich Hessischen Zeitung“ wurde – wie es auch in ihr angekündigt wird – in ähnlicher Form auch im „Frankfurter Journal“ abgedruckt, ergänzt um die Palette der Maschinenbauprodukte.

„Unter den Fabrikaten, deren Fertigung übernommen werden kann, erlauben wir uns nachstehend besonders hervorzuheben.

Dampfmaschinen jeder Größe, sowohl stationaire als transportable, nach den anerkennt vorzüglichen Systemen. Wasserräder und Turbinen, wie auch einfache Reaktionsräder. Wassersäulen­maschinen, Göpelwerke und alle Arten von Transmissionen.

Sämmtliche bei dem Eisenbahnbau vorkommenden Maschinen und Apparate, als: Waggons- und Lokomotiv-Räder, wie auch vollständige Waggons-Untergestelle. Drehscheiben, Ausweichungen und Excentriks. Hydraulische Tender-Füllvorrichtungen mit Pumpwerken und Cisternen, Bremswagen u. s. w.

Pumpwerke für Bergwerke, Wasserbauten, und für den häuslichen Gebrauch. Feuerspritzen, u. s. w.

Die Einrichtung von Mahlmühlen, und Oelmühlen, nach den neuesten Systemen. Ferner Sägemühlen, Fournirschneid­maschinen, Schrotmühlen. u. s. w.

Alle größere und kleinere Maschinen für Landwirthschaftliche Zwecke.

Hydraulische Pressen, Schraubenpressen jeder Art, Buchdrucker- und Lithographie-Pressen, Glätt- und Präg-Pressen und Walzwerke für Gold- und Silberarbeiter.

Alle zum Münzbetrieb erforderlichen Maschinen und Apparate.

Sämmtliche Maschinen zur Papierfabrikation, nach den neuesten und bewährtesten Systemen.

Cylinder-Schrauben und Ventilator-Gebläse, Eisenwalzwerke und Hammerwerke, überhaupt alle Maschinen für metallurgische Zwecke.

Alle Sorten von Werkzeugen, als Drehbänke, Hobelbänke, einzelne Soupports, Bohrmaschinen, Stoß- und Feilmaschinen, Lochmaschinen, Maschinen zum Biegen der Kesselbleche und Radreife, Räder- und Schrauben-Schneidmaschinen, Schraubenkluppen u. s. w.

Hebkrahnen jeder Art, Hebmaschinen zum Versetzen von Werkstücken beim Bauwesen, Rammmaschinen u. s. w.

Brücken- und Dach-Construktionen, sowohl in Guß- als Stabeisen.

Ferner alle Sorten von Waagen.“ [30]

Die ausladende Produktpalette des nunmehr als Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt firmierenden Unternehmens kann wohl als ein Zeichen für eine noch nicht eingetretene Diversifizierung und Spezialisierung im Maschinenbau der damaligen Zeit betrachtet werden. Allerdings sei angemerkt, daß beispielsweise auch Johannes Jordan im Juni 1831 eine umfangreiche Liste aller seiner Produkte vorgelegt hatte, ohne daß selbige nun auch tatsächlich gefertigt worden wären. Es handelt sich demnach eher um eine Absichtserklärung, die zeigen soll, was das Unternehmen alles produzieren kann. Johannes Jordan annoncierte dreißig in Art und Größe verschiedene Dampfmaschinen, ohne daß er selbige auch je in seiner Werkstatt hat fertigen lassen. Die in Kapitel 3 vorgestellte hessische Dampf­maschinenliste von 1849 weist folglich auch nur ein einziges Jordan'sches Exemplar auf.

Wie aus dieser Liste zudem hervorgeht, erhielt die Maschinenfabrik und Eisengießerei zu einem nicht genannten Zeitpunkt eine 6 PS-Dampfmaschine aus dem Unternehmen von Emil Keßler und Theodor Martiensen in Karlsruhe. Selbiges bestand von 1837 bis 1842, ehe Theodor Martiensen aus dem gemeinsamen Unternehmen ausschied. Folglich wird es so gewesen sein, daß die in der 1849er Liste genannte Dampfmaschine an den Vorgängerbetrieb Buschbaum und Comp. geliefert wurde. Nach der ersten Dampfmaschine in der Großherzoglichen Münze wurden erst 1838 drei und 1840 fünf weitere Dampfmaschinen im Großherzogtum Hessen aufgestellt, je zwei davon in Starkenburg; 1841 und 1842 kamen je zwei in Hessen, wovon je eine in Starkenburg, hinzu [31]. Es spricht angesichts des Gründungsjahres 1837 von Buschbaum und Comp. einiges dafür, daß deren Dampfmaschine 1838 oder 1840 hergestellt wurde, denn die 1840 oder 1841 beiden eingerichteten Kupolöfen wurden mittels der Dampfmaschine ventiliert.

Johann Ludwig Buschbaum, der Teilhaber der an der Arheilger Chaussee gelegenen Fabrik, wird 1841 in einem Aufsatz aus dem Umfeld des Darmstädter Gewerbevereins für seinen Schraubenschneider gewürdigt, der nachfolgend als Zeichnung vorgestellt wird.

Figur 7.

Abbildung 5: Grundriß der Buschbaum'schen Vorrichtung zum Schraubenschneiden. Quelle: Tafel I, Figur 7 zu einer Beschreibung einer vom Maschinen­fabrikanten Buschbaum konstruierten Vorrichtung zum Schraubenschneiden. [32]

Einer der im Ausstellungsbericht erwähnten Kräne der Firma Buschbaum und Comp. wurde im Mainzer Hafen aufgestellt.

„Zu Beginn des Jahres 1809 konnten ein neuer Kai und einige Magazine ihrer Bestimmung übergeben werden. Doch die damals ausgeführten Erneuerungen erwiesen sich in dem Moment als unzureichend, als sich mit der Dampfschifffahrt die umzuschlagende Gütermenge drastisch erhöhte. Man bemühte sich um Verbesserungen. 1841 finanzierte die Mainzer Handelskammer einen neuen eisernen Kran der Firma Buschbaum & Co. in Darmstadt. Doch dies blieb Stückwerk. Bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts hinein hielt die Mainzer Hafenanlage einem Vergleich mit denen in Mannheim oder Köln nicht stand.“ [33]

Ein 1843 geschehener Arbeitsunfall nahm mitsamt seiner Behandlung den Weg in die überregionale Presse.

„Kürzlich wurde einem Aufseher in der Maschinenfabrik von Buschbaum und Comp. in Darmstadt in Folge von Unvorsichtigkeit die rechte Hand zerschmettert. Die Eigenthümer der Fabrik behielten den Unglücklichen im Dienst, und ließen ihm eine künstliche Hand nach der sinnreichen Konstruktion des Kammersekretärs Pfnor in Darmstadt anfertigen. Die Pfnor'sche Konstruktion, durch welche alle natürlichen Bewegungen jedes Fingers und jedes einzelnen Gliedes ausführbar sind, ist wohl unstreitig die trefflichste und praktisch am meisten bewährte, indem der Verstümmelte den Mechanismus in jedem Augenblick selbst reguliren und nicht nur die gröbern, sondern auch diejenigen Funktionen der natürlichen Hand verrichten kann, welche eine sichere besondere Bewegung der einzelnen Finger und Theile derselben erfordern.“ [34]

Über den Kundenkreis informiert ein Lieferschein an die Güterverwaltung von Schloß Herrnsheim bei Worms vom 9. September 1843. Geliefert wurde, da es noch keine Eisenbahn im südlichen Hessen gab, per Fuhrwerk. Der im Lieferschein genannte Fuhrmann G[eorg] Ph[ilipp] Rinn wohnte 1843 in der Kleinen Schwanengasse, Lit. G Nr. 58.

Lieferschein.

Abbildung 6: Lieferschein von Buschbaum und Comp. über Teile eines Treppengeländers und Rosetten. Quelle: Stadtarchiv Worms, Bestand 159/0951. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.

Johann Ludwig Buschbaum, der unter bislang nicht zu klärenden Umständen aus dem Unternehmen ausgeschieden war, zog mit einer neuen Werkstätte etwa zweihundert Meter weiter nach Süden, blieb jedoch mit der Anschrift Lit. F Nr. 206 auch weiterhin „Vor dem Mainthor“. Am 8. August 1844 gab er in einer Zeitungsannonce eine Geschäfts­empfehlung ab.

„Bezugnehmend auf die Bekanntmachung der Direction der Maschinenfabrik und Eisengießerei dahier vom 1. Juni l[aufenden] J[ahres], mache ich hiermit von der nunmehr auf eigene Rechnung getroffenen Einrichtung einer mechanischen Werkstätte dahier, die ergebene Anzeige. Mich stützend auf meine bekannten bisherigen Leistungen, empfehle ich mich zu allen Aufträgen meines Geschäftszweigs, und hoffe, durch möglichst vollkommste Vollziehung derselben mich des geschenkten Zutrauens würdig zu zeigen.“ [35]

Im Darmstädter Adreßbuch 1850 wird Johann Ludwig Buschbaum nunmehr im Mühlweg unter Lit. H Nr. 186 aufgeführt; und damit dürfte jegliche Verbindung zur Maschinenfabrik und Eisengießerei abgebrochen sein. Das weitere Wirken Buschbaums und die Geschichte der nachfolgenden Maschinenfabrik seiner Söhne, Gebrüder Buschbaum, muß an anderer Stelle erzählt werden; sie wäre zudem Teil der Geschichte des Aufbaus des Blumenthal­viertels, bevor dieses zum Johannesviertel mutierte. [36]

Die Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei wird fortgesetzt in Kapitel 3 – Darmstadt entdeckt die Dampfkraft – und behandelt den Zeitraum von etqa 1844 bis 1849.

Quellen- und Literaturverzeichnis.


 

ANMERKUNGEN

 

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»» [1]   Ein weiterer Stadtplan von 1842, gedruckt in Bauerkeller's Präganstalt Jonghaus & Venator, führt für die Einzelgebäude und Gebäudekomplexe nördlich des Maintores und westlich der Straße nach Arheilgen und Frankfurt die Nummern des Brand­versicherungs­katasters auf. Demnach wäre Lit. F Nr. 206 seinerzeit das Gebäude etwa in der Mitte zwischen den auf dem 1836er Stadtplan als Nr. 207, 209 und 210 bezeichneten Gebäudekomplexen gewesen. Nr. 208 ist in diesem Stadtplan von 1842 nicht ausgewiesen.

»» [2]   Hessische Volksblätter vom 28. November 1869. Kurz zuvor hatte der von Darmstädter Honoratioren gegründete Bauverein für Arbeiterwohnungen – 2015 ein ausuferndes Unternehmen innerhalb des weitgehend stadteigenen Heag-Konzerns – sein viertes Wohnhaus fertiggestellt. Es diente den Beamten (Angestellten) und Arbeitern der Hessischen Ludwigsbahn, der Maschinenfabrik und Eisengießerei, der Main-Neckar-Eisenbahn und der Akriengesellschaft für Gasbeleuchtung (kurz Gasfabrik genannt) als Wohnraum. In jedem dieser Häuser gab es acht Wohnungen. Vgl. hierzu die Hessischen Volksblätter vom 5. November 1869.

»» [3]   Erste Ausstellung des Gewerbvereins des Großherzogthums Hessen. Vom 4. bis 11. September 1837. In: Großherzoglich Hessische Zeitung vom 6. September 1837.

»» [4]   Bericht über die vom 4. bis zum 13. September d. J. in Darmstadt stattgefundene erste Ausstellung inländischer Gewerbserzeugnisse, in: Verhandlungen des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, III. Quartalheft 1837, Seite 24ff., Zitat auf Seite 28–29. Eckhart Götz Franz erwähnt in „Darmstadts Geschichte“ mit Bezug auf diese Ausstellung „[d]die soeben neuerrichtete Maschinenfabrik des Mechanikus Buschbaum an der Arheilger Chaussee“ [Seite 327], ohne jedoch den Zusammenhang zur zeitlich späteren Maschinenfabrik und Eisengießerei zu erkennen. So erscheint die namentliche Nennung Buschbaums als ein dem lesenden Publikum einfach so zugeworfenes Häppchen, das mehr Wissen vorspiegelt, als vorhanden ist. Es war wohl eher ein Zufallsfund, der hier Eingang in das Standardwerk zur Darmstädter Geschichte gefunden hat.

»» [5]   Auszug aus dem Protokoll der zweiten Sitzung der vereinigten Ausschüsse, am 16. August 1837, in: ebenda, Seite 3–5. Bericht der Commission zur Beurtheilung der zur Industrieausstellung gelieferten Gegenstände, in: ebenda, Seite 21–22.

»» [6]   Preisangabe entnommen C. Zeller : Das Wiesenkultur-Gesetz und die sonstigen Mittel und Anstalten zur Beförderung der Wiesenkultur im Großherzogthum Hessen [1843], Fußnote auf Seite 68. – Im „Darmstädter Frag- und Anzeigeblatt“ wurde am 12. Mai 1838 „ein Kinderchaischen, mit eisernen Achsen und Stahlfedern“, zum Verkauf angeboten. Dabei wird es sich wohl kaum um ein Produkt des Buschbaum'schenh Unternehmens gehandelt haben. Irgendwer wird auf dem Grundstück Lit. F Nr. 209, das in der Annonce benannt wird, einen Kinderwagen nicht mehr benötigt haben. Hatte Johann Ludwig Buschbaum Kinder, die dem Kinderwagen entwachsen waren?

»» [7]   Angaben zur Eisengießerei und zum Eisenhammer der Rößler-Brüder Friedrich und Hektor, auch Jakob scheint eingebunden gewesen zu sein, finden sich in HStAD G 15 Bensheim Nr. Y 341 und 358, sowie HStAD F 21 B Nr. 164/1.

»» [8]   Reglement für die im Jahr 1839 stattfindende Industrie­ausstellung, in: Monatsblatt des Großherzoglich Hessischen Gewerbvereins, Nr. 3, März 1839, Seite 46–48; hier § 8. Bericht der Beurtheilungs­commission, in: Verhandlungen des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, II, Quartalheft 1839, Seite 68–69. Verzeichniß derjenigen, welchen von den Ausschüssen des Gewerbvereins, auf Antrag der Beurtheilungs­commission […] Medaillen zuerkannt worden sind, in: ebenda, Seite 101–102.

»» [9]   Zweite Ausstellung des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, in: Großherzoglich Hessische Zeitung vom 7. September 1839.

»» [10]   Die Frankfurter Münze schaffte u. a. zwei Uhlhorn'sche Kniehebelpressen und eine Dampfmaschine an. Zu dem aufgrund des Münzvertrags von 1837 zwischen Bayern, Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Frankfurt und Hessen-Nassau notwendigen Umbau der Frankfurter Münze siehe Konrad Schneider : Woher kam das Münzgeld? in: Nassauische Annalen, Band 125, 2014, Seite 153–184; zum Umbau nach 1837 siehe Seite 173–174. Siehe auch Mechthild Wolf : Im Zeichen von Sonne und Mond, Seite 13–25.

»» [11]   Regensburger Zeitung No. 47 vom 24. Februar 1840.

»» [12]   Die Angaben zu Friedrich Ernst Rößler sind dem Geschichtsportal der Evonik Industries entnommen [online]. Weitere biografische Angaben finden sich im von Christine Polzien erstellten Biogramm in der Neuen Deutschen Biographie, Band 23, Seite 745–746, [online]. Das Todesjahr wird unterschiedlich mit 1873 (Evonik, wohl verschrieben) und 1883 (NDB; Mechthild Wolf : Im Zeichen von Sonne und Mond) angegeben. Zum Auswanderungsgesuch: Mitteilung von Sabine Lemke, Stadtarchiv Darmstadt; vgl. hierzu auch die Entlassungsurkunde aus der hessischen Staatsbürgerschaft, wiedergegeben in Mechthild Wolf : Von Frankfurt in die Welt, Seite 11..

»» [13]   Die Zeitungsbände vor 1820 wurden nicht eingesehen. Das Brand­versicherungs­kataster von 1830ff., HStAD C 6 Nr. 359, führt 1830 unter Lit. E Nr. 19 den Eisenhändler Friedrich Rößler auf, 1840 Peter Damm und 1853 den Bierbauer Ludwig Heß. 1830 scheint das Anwesen aus einem dreistöckigen Wohnhaus mit zweistöckigem Seitenbau, einem zweistöckigen Hinterbau, einem weiteren zweistöckigen Seitenbau, sowie Holzremisen einem kleinen Haus im Gärtchen bestanden zu haben. Der Gebäudekomplex war mit 12.000 Gulden versichert. Zum Bürgerrecht: Mitteilung von Sabine Lemke, Stadtarchiv Darmstadt.

»» [14]   Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 9, 26. März 1827, Seite 56. Zu Hügelin: Allgemeiner Anzeiger der Deutschen, 29. Mai 1825. Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung, No. 148, 28. Mai 1825. Zum Patent siehe auch Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 13. Jg., 1850, Seite 335. Die zugehörige Akte HStAD G 34 Nr. 4645 wurde nicht eingesehen.

»» [15]   Darmstädtisches Frag- und Anzeigeblatt vom 26. April 1828.

»» [16]   Frag- und Anzeigeblatt vom 24. September 1821; vorherige Jahrgänge wurden diesbezüglich nicht durchgesehen. Annonce des P. Damm im Frag- und Anzeigeblatt vom 1. Oktober 1831. – Zum Neuwieder Gesundheits­geschirr siehe Ludwig Beck : Die Familie Remy und die Industrie am Mittelrhein, in: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichts­forschung, 35. Band [1905], Seite 1–129, hier Seite 62ff.

»» [17]   Johann Georg Ludolph Blumhof : Versuch einer Enzyklopädie der Eisenhütten­kunde, Band 3, 1819, Seite 148 [online].

»» [18]   Das Adreßbuch von 1839 liegt nicht digitalisiert vor. Ein Friedrich Rößler wird darin ebensowenig aufgeführt wie 1840 (Mitteilung von Sabine Lemke, Stadtarchiv Darmstadt). Die Darmstädter Adreßbücher liegen zwischen 1819 und 1854 bis auf 1839 digitalisiert vor, [online]. Die Lebensdaten zu Friedrich Rößler verdanke ich einer Mitteilung von Andrea Hohmeyer, Evonik-Firmenarchiv.

»» [19]   Gedenk-Buch der vierten Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst in Mainz. 1840 [1841], Seite 336 (Champagner), 337 (militärische Harmoniemusik), 346 (wichtigste Ausstellung), 347 (Zahl der Aussteller), 349–350 (Buschbaum) und 352 (Dauer der Ausstellung).

»» [20]   Wiedergabe nach Eckhart G. Franz : Vom Biedermeier in die Katastrophe des Feuersturms, in: Darmstadts Geschichte, Seite 289–482, Zitat auf Seite 346.

»» [21]   Carl Hertzog verfaßte 1844 hierüber die unterwürfige Denkschrift „Ludewig I. und sein Denkmal zu Darmstadt. Denkschrift für die Enthüllungsfeier am 25. August 1844“. Das Bauwerk wurde im Frühjahr 1843 begonnen. Die Hausteine des Säulenschaftes wurden „vermittelst zweier in der Maschinenfabrik von Buschbaum u. Comp. zu Darmstadt in vorzüglicher Güte ausgeführter Hebmaschinen“ gesetzt, so Hertzog auf Seite 41. In der „Großherzoglich Hessischen Zeitung“ vom 14. Juni 1844 [online] heißt es: „Das Hinaufwinden der 108 Ctr. schweren, 22½ Fuß hohen colossalen Statue auf die 132½ Fuß hohe Säule, mit Anwendung zweier in der ‚Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt‘ (seither Buschbaum u. Comp.) construirten Hebemaschinen, erforderte nicht mehr als eine Stunde Zeit.“ – Offensichtlich haben alle Historikerinnen und Historiker, welche diese Passage für ihre vielfachen Beschreibungen der Entstehung des Ludwigs­monumentes eingesehen haben, vollkommen übersehen, daß hier das Buschbaum'sche Unternehmen mit der Maschinenfabrik in eins gesetzt wird. Die in der Großherzoglich Hessischen Zeitung abgedruckte Mitteilung wurde überregional übernommen, so etwa in der „Bayreuther Zeitung“ vom 19. Juni 1844 und – hier jedoch ohne die Erwähnung von Buschbaum und Comp – im „Nürnberger Kurier“ vom 18. Juni 1844.

»» [22]   Nicht ganz voll des Lobes äußerte sich Anton Rehner in seiner erklärenden Beschreibung dieser ersten allgemeinen deutschen Industrieausstellung: „Buschbaum in Darmstadt: eine Münzpräge, in ihrem Bau den höchsten Grad von Vollkommenheit aufweisend, und eine Eisendrehbank, mittelmäßig.“ (Seite 4). Eine Begründung dieser Bewertung erfolgt nicht. Die „Wormser Zeitung“ berichtet am 29. September 1842 [online] von der Mainzer Ausstellung. Ihr Korrespondent meint, daß die hessischen Produkte den auswärtigen nicht unehrenvoll zur Seite stehen, „besonders die Fabrikate von Mainz, Darmstadt, Offenbach, Gießen etc. Von Buschbaum aus Darmstadt ist eine Münzmaschine aufgestellt, die im Ganzen wie in ihren Theilen den Mann vom Fache beurkundet.“

»» [23]   Karl Wagner : Darmstadt, in: Johann Gabriel Friedrich Poppel (Hg.) : Das Großherzogthum Hessen in malerischen Original Ansichten, I. Band: Starkenburg und Rheinhessen [1849, online als pdf], Seite 3–43; Zitat auf Seite 18 [geschrieben 1842].

»» [24]   Die Angaben zu Johann Ludwig Buschbaum verdanke ich einer Mitteilung von Sabine Lemke vom Stadtarchiv Darmstadt.

»» [25]   Verzeichniß der Mitglieder des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, in: Verhandlungen des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, I. Quartalheft 1841, Seite 3–18, hier Seite 5 und 7.

»» [26]   Die Annonce in der Großherzoglich Hessischen Zeitung vom 27. Dezember 1841 nennt Hektor Rößler als Eigentümer der Eisengießerei. Eine ähnliche Annonce wurde in der Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung Nr. 2 vom 2. Januar 1842 geschaltet.

»» [27]   Zur Geschichte der Herrenmühle siehe Heinz Reitz : Mühlen wiederentdeckt [1997], Seite 50–51. Die Webseite zu den Kulturdenkmälern in Hessen erwähnt für den Bereich Herrenmühle keinen Eisenhammer [online]. Zum Betrieb des Eisenhammers auf der Herrenmühle siehe auch den Aktenbestand des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt HStAD F 21 B Nr. 164/1, HStAD G 15 Bensheim Nr. Y 341 und HStAD G 15 Bensheim Nr. Y 358

»» [28]   Eine Kontinuität von der Maschinenfabrik Buschbaum & Comp. hin zur Maschinenfabrik der Gebrüder Buschbaum im Blumenthal- bzw. Johannesviertel, wie sie beispielsweise Thomas Lange andeutet, hat es folglich nicht gegeben. Vgl. Thomas Lange (Redaktion): „… ein reger Eifer zum Fortschreiten“, Industrialisierung in Darmstadt und Südhessen. Dokumente 1853–1914 [2000], Teil 1, Seite 7.

»» [29]   Zwei weitere gleichlautende Annoncen wurden am 16. Juni [online] und am 23. Juni 1844 [online] geschaltet.

»» [30]   Frankfurter Journal vom 4. und 13. Juni 1844.

»» [31]   Statistik der Dampfmaschinen im Großherzogthum Hessen, in: Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, Nr. 39, September 1857, Seite 337–338. Die Zahl der Dampfmaschinen wird für 1848 mit 26 angegeben, also fünf weniger als in der Rößler'schen Liste von 1849. In Oppenheim wurde 1836 oder 1837 eine Dampfmaschine für eine Dampfmühle aufgestellt. Insofern ist diese Statistik mit Vorsicht zu betrachten. – Ferdinand Dieffenbach, der sich auf diese amtliche Statistik zu beziehen scheint, nennt für 1834 vier, für 1840 neun, für 1849 26, für 1852 52, für 1854 63 und für 1857 113 Dampfmaschinen. Da er andererseits auf derselben Seite den durchgehenden Betrieb auf der Main-Neckar-Bahn für 1848 und nicht für 1846 und die Eröffnung der ersten Strecke der Hessischen Ludwigsbahn für 1854 und nicht 1853 ansetzt, ist auch bei seinen Angaben Vorsicht angeraten. Siehe Ferdinand Dieffenbach : Das Großherzogthum Hessen in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage 1883, Seite 669.

»» [32]   Beschreibung einer, von Herrn Maschinen­fabrikant Buschbaum in Darmstadt konstruirten Vorrichtung zum Schrauben­schneiden, in: Verhandlungen des Gewerbvereins …, I. Quartalheft 1841, Seite 48–49.

»» [33]   Stefan Grathoff : Geschichte der Industrialisierung in Rheinhessen und im Rheingau [online].

»» [34]   Regensburger Zeitung, No. 88, 29. März 1843. Zu Pfnor siehe Pierer's Universal-Lexikon, Band 13, Altenburg 1861, Seite 23–24 [online].

»» [35]   Großherzoglich Hessische Zeitung vom 9. August 1844 [online]. Möglicherweise befand sich das Anwesen Lit. F Nr. 206 auch mehr westlich bis südwestlich der Maschinenfabrik auf dem freien Feld; vgl. hierzu Anmerkung 1.

»» [36]   Da die weitere Tätigkeit Buschbaums außerhalb des Fokus dieser Darstellung und der zeitlichen Möglichkeiten meines mit dem Fabrikviertel verbundenen Projektes liegt, wird sie von einer oder einem anderen historisch Interessierten zu erforschen sein. Hinzuweisen ist auf eine rege Geschäftsbeziehung Johann Ludwig Buschbaums und seiner Nachfolger mit dem damals im Osten Darmstadts, also ganz in Buschbaums Nähe, angesiedelten Unternehmen Merck. Darauf wird in Kapitel 8 zurückzukommen sein.


 
 
 
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