Fabrik. Blick auf das Fabrikgelände. Quelle: Adreßbuch 1908.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Die Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt

Kapitel 3: Darmstadt entdeckt die Dampfkraft

Die schon zuvor bestehende Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt wurde mit Unterstützung der ebenfalls in Darmstadt ansässigen Bank für Handel und Industrie 1857 in eine Aktien­gesellschaft umgewandelt. Die Liquidation des Unternehmens wurde mit der General­versammlung am 21. Dezember 1878 eingeleitet.

Kapitel 3 behandelt die Unternehmens­geschichte von etwa 1844 bis 1849. Diese frühe Phase der Industrialisierung ist verbunden mit einem langsamen Einsickern von Dampfmaschinen im Großherzogtum Hessen. Vorreiter war hierbei die Werkstätte von Hektor Rößler und die (auf Umwegen) hieraus entstandene Maschinenfabrik und Eisengießerei. Zeitgenössische Zusammen­stellungen erleichtern die Zuordnung von Produzenten und Nutzern der Dampfkraft. Sofern weitere Erkenntnisse zu den hier aufgeführten Dampfmaschinen auftauchen, werden sie nachgetragen.


Dieses Kapitel zur Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei ist die Fortsetzung von Kapitel 2 – Johann Ludwig Buschbaum schneidet eine preisgekrönte Schraube –, welches den Zeitraum von etwa 1837 bis 1844 behandelt hat.

Die erste Dampfmaschinenliste von 1849

Das 1837 als Buschbaum und Comp. gegründete Unternehmen, in das Hektor Rößler (sen.) seine nach 1832 stillgelegte Werkstätte auf eigenem Grundstück eingebracht hat, firmert ab Juni 1844 als „Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt“. Dieser wenig phantasievolle, den Sachverhalt jedoch eindeutig beschreibende Name durchzieht die Unternehmens­geschichte bis zum Abschluß der Liquidation 1883.

Planausschnitt.

Abbildung 1: Ausschnitt aus dem „Plan der Residenz Darmstadt“ von Eduard Wagner, gedruckt bei Leske um 1846 [tukart].

Die Großherzogliche Münze stand am Mainthor, markiert durch den roten unteren Punkt. An dieser Stelle befindet sich seit 1905 das Amtsgericht. Der Gebäude­komplex am nordwestlichen Ende des Herrngartens, markiert durch den roten oberen Punkt, bezeichnet die – weit vor dem allenfalls noch repräsentativen Zwecken dienenden Stadttor – errichtete Fabrik. Der geschwungene Weg unterhalb des Fabrikgeländes ist der Vorläufer der in den 1870er Jahren beim Aufbau des Blumenthalviertels [1] angelegten Kahlertstraße.

Hektor Rößler (sen.) als technisch versierter Kopf verfolgte mit seiner zunächst noch kleinen Fabrik die Absicht, den langsam anlaufenden Industrialisierungs­prozeß geschäftlich zu nutzen und dabei zu forcieren. Während er 1830 für die Münze seine in der eigenen Werkstätte gebaute Dampfmaschine in Betrieb nehmen konnte, erhielt die Fabrik an der Chaussee nach Arheilgen und weiter nach Frankfurt eine solche von Keßler und Martiensen in Karlsruhe. Da das Keßler'sche Unternehmen nur von 1837 bis 1842 unter dieser Bezeichnung bestanden hat, wird die Dampfmaschine an Buschbaum und Comp. geliefert worden sein. In den nachfolgenden Listen über den Bestand an Dampfmaschinen im Großherzogtum Hessen wird sie stillschweigend, den neuen Eigentums­verhältnissen entsprechend, der Maschinenfabrik und Eisengießerei zugeschlagen. Es spricht anhand der Erwägungen aus Kapitel 2 einiges dafür, daß sie 1838 oder 1840 geliefert worden ist.

1848 waren im gesamten Gebiet des Großherzogtums Hessen gerade einmal 31 Dampfmaschinen aufgestellt, wovon sich eine zum Zeitpunkt der Erhebung bei der Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt im Umbau befand. Hierüber informierte das Gewerbeblatt des großherzoglich hessischen Gewerbvereins seine Mitglieder 1849 recht detailreich, so daß wir hieraus einen guten Einblick in den damaligen Stand der Maschinisierung erhalten.

Tabelle 1: Auflistung der 1848 vorhandenen Dampfmaschinen nach Hektor Rößler (jun.) : Die im Großherzogthum Hessen befindlichen Dampfmaschinen, in: Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen [10].
Nr.NameOrtIndustrieErbauer„PS“Bemerkungen
1Mayer, Michel und DeningerMainzLederfabrikChristian Dingler, Zweibrücken [info]20[2]
2Heinrich Geyer II.MainzSägewerkEdmundts und Herrenkohl, Aachen [3]4-5 
3Georg GangloffMainzDrahtstift­fabrikationGebr. Hanauer, Münchweiler [info]1,5 
4Florian WebelMainzGewürzmühle, Schokolade, Drahtstifteaus England1,5durch Tausch in Besitz des Unternehmens gekommen
5Michael AleiterMainzMaschinenbaueigene Werkstätte6 
6Florian KupferbergMainzBuchdruck u. a.Naumann und Esser, Aachen [4]6im Winter auch als Heizung der Gebäude genutzt
7Taunus-EisenbahnKastelEisenbahn­werkstätteEdmundts und Herrenkohl, Aachen61840 gebaut
8Adolph KleinBingenMühleJosef Neuleaux [Reuleaux] und Comp., Eschweiler-Pumpe [5]12vollendet durch Bernouilli [Bernoulli], Rowlandson und Comp., Immendingen [info]
9F. A. Vollmar SohnKempten bei BingenLeinspinnereiDobbs, Reuleaux und Comp., Eschweiler-Pumpe10-12 
10PrätoriusAlzeyLederfabrikGebr. Hornauer [Hanauer], Münchweiler2 
11LudwigshütteBiedenkopfMaschinenfabrikeigene Werkstätte4-5[zwischen 1835 und 1838, [6]]
12Georg Philipp Gail [info]GießenTabakfabrikJakoby, Haniel und Huyssen, Sterkerad [info]10kann auf 12 Pferdestärken gesteigert werden
13hessischer Baufiskusbei GießenPumpwerkMaschinenfabrik und Eisengießerei, Darmstadt6[1844 gebaute] transportable Dampfmaschine, wird derzeit als stationäre für Dorheimer Braun­kohlenwerk [info] umgebaut; Beschreibung s. u.
14J. W. Buderus SöhneLaubach (Hessenbrücker Hammer)Braunkohlen­grubeJacobi, Haniel und Huyssen, Gutehoffnungs­hütte bei Ruhrort16 
15J. W. Buderus SöhneLaubach (Friedrichshütte)HüttenwesenJacobi, Haniel und Huyssen, Gutehoffnungs­hütte10 
16Mayer, Lind und HolzmannSprendlingen (bei Langen)MühleN.N., Eschweiler-Pumpe26-30 
17Johann Christoph HauffOffenbachMaschinen­weberei [Baumwoll­spinnerei]Dobbs und Pönsgen, Aachen [info]12[soll 1832 gebaut worden sein [7]]
18Friedrich SimeonsOffenbachHolzschneiden, Mahlmühle, Knopf­fabrikationJulius de Bary, Offenbach3-10Pferdestärken je nach eingestellter Expansion
19Jakob Mönch und Comp.OffenbachPortefeuille­fabrikChristian Dingler, Zweibrücken8-10 
20Julius de Bary [8]OffenbachMaschinenbaueigene Werkstätte2-6 
21G. W. Martini und SohnOffenbachHutfabrikH. Simon Fries, Frankfurt/M. [info]2 
22Chemische FabrikNeuschloßChemieMeyer, Mühlhausen (Elsaß) [9]8-10 
23MathildenbadWimpfenBadeanstaltJosef Rouleaux und Comp., Eschweiler-Pumpe21838 gebaut
24Mer[c]kDarmstadtAlkaloiden­fabrikJ. Jordan, Darmstadt [info]2,5[Inbetriebnahme 1843, vgl. B. Matthäus, Merck; Produktpalette Jordans (1831)]
25Großherzogliche MünzeDarmstadtPrägewerkmechanische Werkstatt Münzrath Rößler51830 gebaut, Beschreibung s. u.
26Maschinenfabrik und EisengießereiDarmstadtMaschinenbauKeßler und Martiensen, Karlsruhe [info]6Beschreibung s. u.
27Main-Neckar-EisenbahnDarmstadtEisenbahn­werkstätteMaschinenfabrik und Eisengießerei, Darmstadt10Beschreibung s. u.
28-31N.N.Mainz und Umgebung   Eigentümer antworteten auf Anschreiben des Landes­gewerbvereins nicht

Auf dem Kornsand und bei Weisenau

Zwei der vier in der Dampf­maschinenliste aufgeführten Unternehmen aus der Mainzer Region, die auf den vom Landes­gewerbverein verschickten Fragebogen nicht geantwortet haben, dürften ihre Dampfmaschinen auf dem Kornsand gegenüber von Oppenheim am Rhein und bei Weisenau, heute Stadtteil von Mainz, aufgestellt haben. Beiden Dampfmaschinen haben in der Presse oder anderen Veröffentlichungen ihren Niederschlag gefunden. Sie stammen zwar nicht aus der Produktion der Maschinenfabrik und Eisengießerei, gehören aber zu den allerersten Dampfmaschinen, die im Großherzogtum Hessen aufgestellt worden waren. Da sie seinerzeit eine besondere Aufmerksamkeit auf sich zogen, sollen sie hier näher vorgestellt werden.

Die Dampfmühle bei Oppenheim.

Annonce.
Abbildung 2: Annonce des Dampfmühlen­betreibers Schneider und Comp. aus Oppenheim, veröffentlicht in der Großherzoglich Hessischen Zeitung am 16. Oktober 1837. Scan vom Mikrofilm; nunmehr [online ulb darmstadt].

Die bei Oppenheim aufgebaute Dampfmaschine wird in einer Zeitungsannonce des betreibenden Unternehmens Schneider und Comp. im Herbst 1837 genannt. Das Unternehmen weist darauf hin, daß die Dampfmühle noch nicht so eingerichtet sei, um die angelieferten Früchte so schnell wie gewünscht zu mahlen. Zum Bau und zum beabsichtigten Betrieb findet sich folgende Meldung:

„Nach den Angaben öffentlicher Blätter wurde vor Kurzem an der Oppenheimer Rheinfahrt das Fundament zu einem Gebäude für eine Dampfmühle nach amerikanischer Art gelegt, deren Maschine eine Dampfkraft von 24 Pferden haben wird, davon sollen 16 Pferdekraft für die Mahlmühle und 8 Pferdekraft für eine Oelmühle bestimmt werden. Diese Mahlmühle soll in einer Stunde 8 Malter Mehl, also in 24 Stunden 192 Malter mahlen. Welchen Nutzen, abgesehen von allen Handelsbeziehungen, eine solche Mühle für die dortige Umgegend dießseits und jenseits des Rheins für das Publikum bringen werde, kann man ermessen, wenn man bedenkt, daß die dortigen Einwohner in trockenen Sommern ihr Getreide 4 bis 5 Stunden weit zu führen haben, um Mehl zu erhalten.“[11]

Kartenausschnitt.
Abbildung 3: Ausschnitt aus einer Karte des Großherzogtums Hessens, um 1860. Sie enthält nicht nur den Ort der Oppenheimer Dampfmühle (rot), sondern auch ein bislang unbekanntes Gleis vom Oppenheimer Bahnhof zum Rhein. Quelle: Landes­geschichtliches Informations­system Hessen, [vollständige karte online].

Diese Dampfmühle wurde auf dem Kornsand an der rechten Rheinseite, gegenüber von Oppenheim und Nierstein, errichtet. Kurz vor der geplanten Inbetriebnahme hatte die Mühle noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen.

„Die neue Dampfmühle bei Oppenheim

Die Herrn Schneider und Comp. haben, wie schon früher in diesen Blättern angedeutet wurde, [als, erg. WK] die ersten im Großherzogthume ein großartiges Werk dieser Art unternommen, welches nunmehr ins Leben zu treten im Begriff stehet. Wir machen heute nur in der Kürze darauf aufmerksam und behalten uns vor, nach der nächstens erfolgenden feierlichen Eröffnung des Werkes Näheres darüber zu berichten. Vollendet ist es fast ganz und auch bereits in Thätigkeit, welche nur zuweilen durch eintretende kleine Hindernisse, die von jedem neuen derartigen großen Unternehmen unzertrennlich sind, noch unterbrochen wird. Diese große Dampf-Mahl- und Oelmühle nach amerikanischer Art, den Dachstihl einbegriffen ein Gebäude von 6 Etagen, in deren oberster das Getreide aufgeschüttet wird und alsbald durch die folgenden Etagen gereinigt und gemahlen unten als schönstes und feinstes Mehl herausläuft, steht dicht am rechten Rheinufer, an der Oppenheimer Fahrt.

Sie wird alle Erzeugnisse der Müllerei liefern: jede Gattung Kunstmehl, in 6 Sorten, auch Dauermehl genannt, da es auf trockenem Wege gewonnen, dem Verderben oder sogenanntem Sauerwerden nicht unterworfen ist; Graupen, oder gerollte Gerste in drei Sorten; Gries in drei Sorten; Hafergrütze, geschälte Hirse, Kleyen, Spreu etc.; sodann: Rüb-, Mohn-, Lein-Oel etc., sowie Oelkuchen aller Art. Sie will nicht nur stets Lager von allen diesen Gegenständen halten, sondern auch gegen übliche Vergütung größere Parthien Früchte, in Mehl, Schroot oder Oel verwandeln; jede Art von guten reinen Früchten aber nach einem etablirten Tarif, gegen genannte Waaren eintauschen, und so einem längst gefühlten Bedürfnisse abhelfen. Ebenso bietet sie zu einem jeden Geschäfte, wozu die Lage dicht an dem Rheinstrome Anlaß geben könnte, gerne die Hand. Auf frankirte Anfragen ertheilen die Besitzer bereitwillig nähere Auskunft; diese kann auch in Frankfurt a. M. bei Gebrüder Schneider eingeholt werden. –

Die bis jetzt gelieferten Proben übertreffen die Erwartungen noch. Wir sahen reines Roggenmehl daselbst von einer Weiße, Feine und Zartheit, welche die des gewöhnlichen bei weitem übertreffen. Eine solche Probe ward auch bei dem landwirthschaftlichen Feste zu Wörrstadt, am 4. d[ieses Monats] vorgezeigt und erregte allgemeine Bewunderung. – Es ist kein Zweifel, daß die Errichtung dieser großartigen Fabrik von höchst günstigem Einfluß auf den Wohlstand der Gegend zu werden verspricht, wenn ihr das gehoffte Gedeihen und die nöthige Unterstützung zu Theil wird. Die Erzeugnisse der Landwirthschaft finden dadurch gesicherte Verwerthung und schreiten einer Vermehrung und selbst Veredlung entgegen. Die Landwirthschaft erhält dadurch jene Theile zurück, welche zum Gedeihen und Wohle des Viehstandes, zur leichteren Erhaltung und Vermehrung desselben dienen, als Kleye, Spreu, Oelkuchen etc. Leichtere und wohlfeilere Erhaltung des Viehstandes, Vermehrung desselben wirkt aber auf Veredlung der Producte, auf leichtere und mehr gesicherte Hervorbringung derselben etc. Wir wünschen darum dem schönen und rühmlichen Unternehmen der Hrn. Schneider und Comp. aufrichtig das beste Gedeihen und von allen Seiten Unterstützung, und hoffen recht bald Erfreuliches darüber weiter berichten zu können.“ [12]

Die Dampfmühle bei Weisenau.

Die Dampfwalzmühle bei Weisenau nahe Mainz ließ ein Unternehmer namens Karl Haa[c]k aus Frankfurt errichten. Die – ähnlich der bei Oppenheim – überaus blumige Vorstellung dieser Mühle überspringend lassen sich einem jeweils zeitgenössischen Zeitungsbericht und einem Zeitschriften­aufsatz zufolge folgende Daten entnehmen. Die Dampfwalz­mühle entstand nach dem Vorbild einer Erfindung des Züricher Ingenieurs Sulzberger, finanziert durch eine Aktien­gesellschaft in Frauenfeld im Kanton Thurgau. Mit dem Bau der dritten von dieser Gesellschaft in dieser Art gefertigten Mühle wurde am 8. August 1836 in Weisenau begonnen, der Grundstein wurde am 29. Oktober 1836 gelegt und die Anlage genau ein Jahr später, am 29. Oktober 1837, vollendet, bevor es ans Probemahlen ging. Bauleiter scheint der Steinmetz­meister Jacob Oehm aus Mainz gewesen zu sein. Nach den Angaben Haaks sollen täglich 300 Zentner Mehl und 8 Ohm Öl hergestellt werden können. [13]

Die Dampfmaschine, welche die Dampfmühle mit Energie versorgte, ist ebenfalls nicht in der Rößler'schen Dampfmaschinen­liste von 1849 enthalten und dürfte demnach zu den vier Maschinen gehört haben, über die der Gewerbverein nichts Näheres in Erfahrung bringen konnte. Eine Erklärung könnte die nachfolgend als nachteilhaft bezeichnete Ertragslage gewesen sein; bei einem hierdurch notwendig gewordenen Stillstand könnte die diesbezügliche Anfrage aus Darmstadt zu den Daten der Maschine ins Leere gelaufen sein. – In Übernahme eines Berichtes wohl der Hannoverschen Zeitung wird ein Jahr später der Betrieb noch gefeiert.

„Unsere Dampf-Walzmühle hat jetzt in so weit eine günstige Epoche, als sie starke Versendungen nach Seehäfen bewerkstelligt; allein das Getreide, besonders Waizen, hat durch die ungewöhnliche Ausfuhr nach Frankreich und Holland einen Preis erreicht, der dem Besitzer der Dampfmühle sein Geschäft äußerst erschwert. – Diese Dampfmühle wird durch eine Maschine von 30 Pferdekraft getrieben; sie besteht aus 6 Serien Walzmaschinen und 4 Gängen Steinmühlen. Auf den metallenen Walzen werden ungefähr 75pCt. des Getreidegewichtes zu feinem Mehl gemahlen; die übrigen 25pCt. bestehen aus 6pCt. geringem Mehl und 19pCt. Kleie, und werden auf den Steinmahlgängen ausgemahlen. Durch die äußerst sorgfältige Reinigung des Getreides vor der Mahlung erhält das Mahlmehl eine besondere Feinheit des Geschmacks; die schöne helle Farbe des Mehls aber wird erzielt, indem Alles zuvor auf Walzen zu Gries gemahlen wird und letzteres mit besonderer Sorgfalt auf besonderen Schwingmaschinen von allen Kleintheilen gereinigt wird, bevor man es auf anderen Walzen zu Mehl vermahlt.

Da das Mehl bei der Mahlung durchaus keine Erhitzung erleidet, die Frucht auch trocken aufgeschüttet wird, und das Mehl frei von allen erdigen Bestandtheilen bleibt, so bietet es alle Garantieen der größten Dauer­haftigkeit, und kann selbst in Tropenländer ohne alle Verderbniß gesendet werden. In 24 Arbeitsstunden können 350 Centner Waizen zu Mehl gemahlen werden; außerdem aber bleiben noch 2 Stein­mahlgänge zu Roggen übrig. Hier im Lande mahlt die Walzmühle nicht um Molter, wohl aber tauscht sie Brodfrüchte aller Art gegen jede Mehlsorte und gegen Kleie ein. Die schnelle Beförderung die den Landleuten dadurch zu Theil wird, und die denselben erwachsende Zeit- und Kostenersparniß können eine wahre Wohlthat genannt werden, so wie wir kein Bedenken tragen, dieses industrielle und gewerbliche Institut zu den bedeutendsten zu zählen, die am Rhein vorzufinden sind.“ [14]

Auch in Darmstadt kannte die Begeisterung keine Grenzen. Auf der sechsten Sitzung der vereinigten Ausschüsse des Gewerbevereins am 14. November 1838 schlägt der Präsident des Gewerbevereins vor, dem Unternehmer Karl Haack das zu verleihen, was die Beurteilungs­kommission der Gewerbe­ausstellung 1837 allen hessischen Fabrikanten verwehrt hatte: eine Goldmedaille.

„Eines der schönsten und großartigsten Etablissements im Lande ist ohne Zweifel die seit einiger Zeit im Gange befindliche Dampf­walzmühle des Hrn. Karl Haack in Weisenau bei Mainz […]. Diese Mühle war nicht allein die erste, welche nach dem anerkannt frefflichen neueren Systeme in Teutschland mit großen Opfern von Seiten ihres Besitzers errichtet wurde, sondern es bietet deren Einrichtung in mehrfacher Beziehung, namentlich durch den dadurch hervorgerufenen bedeutenden auswärtigen Handel, so große Vortheile für die Vermehrung des National­wohlstandes im Großherzogthum dar, daß dieses Unternehmen als ein wahres verdienstliches Unternehmen betrachtet und namentlich von Seiten des Vereins als solches anerkannt werden muß. Der Präsident gründet hierauf seinen Antrag, dem Hrn. Karl Haack, für die Errichtung der ersten großartigen Dampfwalzmühle in Teutschland, und für die Verdienste, welche er sich hierdurch für die Industrie des Großherzogthums erworben hat, die goldene Medaille zu vertheilen. Diesem Antrag stimmten die vereinigten Ausschüsse bei und es wurde beschlossen, denselben der nächsten General­versammlung zur Genehmigung zu empfehlen.“ [15]

Die Geschäfte scheinen aber wohl doch nicht wie erhofft vonstatten gegangen zu sein.

„Mit den guten Erfolgen, die der hier so eben erwähnte Industrie-Betrieb gewährt, bilden einen grellen Abstich die Fehlschläge, welche die Unternehmer von Dampfmühlen auf der zum Großherzogthum gehörenden Rheinstrecke seither erfahren. Die Dampfmühle bei Oppenheim feiert beinahe gänzlich; und auch die in der Wießenau bei Mainz, vornehmlich von Frankfurter Spekulanten angelegte Dampfmühle, arbeitete seither nur unter sehr wesentlichen Nachtheilen. Die überseeische Mehlausfuhr scheint eine Utopie gewesen zu seyn; es ist mindestens davon jetzt wenig oder gar keine Rede mehr. Rechnete aber der Unternehmer der Mainzer Dampfmühle früher auf den Mehlabsatz an die Garnison der Bundesfestung, so hat er sich bitter getäuscht gesehen. Die Mehllieferungen nehmlich für den Verbrauch der Besatzungs­truppen werden auf dem Wege öffentlicher Versteigerung dem Mindest Fordernden übertragen; und da nun die Mainzer Rheinmüller durchgehend vermögliche Leute sind, die auch zugleich Fruchthandel treiben, so kommt es ihnen nicht darauf an, jene Lieferungen, selbst mit augenblicklichem Schaden, zu übernehmen, wofern es ihnen nur dadurch gelingt, den gefährlichen Konkurrenten auf diese Weise zu verdrängen.“ [16]

Die Dampfmaschine auf dem Kornsand wird in der weiter unten vorgestellten Dampf­maschinenliste von 1854 als Oppenheim Nr. 2 geführt, während die vom „Frankfurter Spekulanten“ Haak in Weisenau errichtete Dampfmühle in derselben Liste unter Mainz Nr. 16 zu finden ist. [17]

Ungereimtheiten

Der Dampfwagen von Jordan und Wernher

In England versuchten in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts mehrere Konstrukteure, Dampfmaschinen auf Räder zu setzen, ohne dabei auf Schienenstränge angewiesen zu sein. In Darmstadt taten sich 1834 die Mechaniker Johannes Jordan und August Wernher zusammen, um ein eigenes derartiges Fahrzeug zu bauen. Ihr Plan scheint es gewesen zu sein, eine Art Postkutschen­verbindung auf Dampfrädern entlang des Rheins von Frankfurt bis nach Basel einzurichten.

„Die Mechaniker Werner und Jordan zu Darmstadt sollen ihre projectirten Dampfwagen nunmehr zwischen Frankfurt und Basel auszudehnen beabsichtigen. Wenn das Unternehmen vor der Hand ausführbar seyn sollte, so steht bald zu erwarten, daß die Thurn und Taxische General-Postverwaltung sich nicht den Vorrang ablaufen lassen werde.“ [18]

Im Oktober 1834 nutzte ein anonymer Verfasser, anläßlich einer Vorführung eines Dampfwagens in München, für die Bayerische National-Zeitung einen schon anderweitig veröffentlichten zweiteiligen Artikel „Ueber Dampfwagen“ und erweiterte ihn. Der dortige Autor zeigte sich begeistert über die Möglichkeiten, mit dampfgetriebenen Fahrzeugen auf gewöhnlichen Straßen zu fahren. Wenn er geahnt hätte, daß seine Träume erst ein halbes Jahrhundert später Wirklichkeit werden würden … – Im Grunde handelt es sich bei diesen Lokomobilen um fahrbare Dampfmaschinen. wie es auch Lokomotiven welche sind. Der unbekannte Autor verweist auf erfolgreiche englische Beispiele und fährt dann dort:

„In Frankreich läßt gegenwärtig die Kompagnie Lafitte in den Werkstättender [Herren] Dietz und Herrmann in Paris mehrere Chaussee-Dampfwagen bauen, die den Dienst der Postwagen versehen sollen. Die Maschinenbauer, Hr. Egols in Berlin und Hr. Oberbergrath Henschel in Kassel, unternehmen den Bau von Chaussee-Dampfwagen, und in Darmstadt wird gegenwärtig einer von den [Herren] Jordan und Warnher verfertigt. Man beabsichtigt bereits, einen regelmäßigen Chaussee-Dampf­wagendienst zwischen Kassel und Frankfurt, und zwischen Frankfurt und Basel zu eröffnen. Es ist leicht vorherzusehen, daß einstens jeder Fuhrmann seinen Dampfwagen haben wird; […].“ [19]

Die Mitteilung über das Darmstädter Vorhaben fand als Übernahme einer Meldung aus Karlsruhe sogar Eingang in die Schweizer Presse; was folgerichtig erscheint, wenn der beabsichtigte Zielort eben Basel gewesen ist.

„In Darmstadt wird gegenwärtig ein Chaussee-Dampfwagen von den [Herren] Jordan und Warnher gebaut. Man beabsichtigt, einen regelmäßigen Chaussee-Dampf­wagendienst zwischen Kassel und Frankfurt, und zwischen Frankfurt und Basel zu eröffnen.“ [20]

Wir sehen: es werden sogar falsch geschriebene Namen mit abgekupfert. Aus dem Projekt wird nichts geworden sein. Hoch fliegende Pläne, die krachend zu Boden fallen. August Wernher wird nachfolgend Miteigentümer der Ludwigshütte bei Biedenkopf werden, bevor er Direktor der Darmstädter Maschinenfabrik wird und dort Johann Ludwig Buschbaum als technischen Leiter ersetzt. Johannes Jordan, der sich 1836 beim Darmstädter Eisenbahn­bauprojekt von Mainz und Frankfurt über Darmstadt nach Mannheim engagiert, wird zum Darmstädter Stadtbaumeister ernannt werden. – Sofern je ein fahrbares Exemplar aus der Jordan'schen Werkstatt das Licht der Welt erblickt haben sollte, so wird es schon deswegen nicht Eingang in die Dampfmaschinen­liste gefunden haben, weil fahrbare Gefährte, wie sie auch Lokomotiven sind, nicht mit aufgenommen wurden.

Die Dampfmaschine von Pabst und Merck

Ende der 1830er Jahre betrieb Heinrich Emanuel Merck zusammen mit Georg Friedrich Pabst am Mühlweg eine Kerzenfabrik. Nicht einmal Berthold Matthäus, der ansonsten sehr akribisch die Energie­versorgung des frühen Merck'schen Unternehmens erforscht hat, erwähnt diese Dampfmaschine: Wohin mag sie nach 1841 gelangt sein, als Merck sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatte und Pabst bald darauf die Produktion eingestellt hat? [21]

„Herr Friedr[ich] Koch in Oppenheim liefert Chinin und Cinchonin, von ausgezeichneter Güte. Merk und Pabst in Darmstadt Stearin- und Astrallichter. (Sie haben eine Dampfmaschine von 8 Pferdestärken.) Herr J. Wagner in Mainz Wachsperlen.“ [22]

Die dampfgetriebene Ölmühle von Gandenberger

Eine weitere Dampfmaschine wird im Mai 1842 von bzw. über Peter Gandenberger zum Verkauf angeboten, wobei (mir) unklar ist, wo selbige gestanden haben soll. War sie aus Jordan'scher Produktion?

„Dampf-Oelmühle-Verkauf.

Eine ganz neue complette Dampf-Oelmühle, bestehend in einer Dampfmaschine von 4 Pferdekraft mit Dampfkessel und eisernem Kamin, einer hydraulischen Doppelpresse von 3000 Centner Druckkraft, ein complettes Mahlwerk mit eisernen Rädern und Wellen, eine Walzen-Schrotmhle und ein Saamenwärme­apparat für Dampf, alles nach den neuesten Constructionen ausgeführt, ist billig zu verkaufen und kann täglich eingesehen werden.“ [23]

Peter Gandenberger sollte 1851 seine eigene kleine Maschinenfabrik gründen – wohl erst einmal nicht mehr als eine bessere Werkstatt –, nachdem er zuvor neun Jahre lang Leiter der Maschinenfabrik des Stadt­baumeisters Johannes Jordan gewesen war  [24]. In der Verkaufsannonce gibt er als Auskunftsadresse Lit. G Nr. 241 an, was nicht zur Erhellung des Sachverhalts beiträgt. Diese Anschrift verweist nämlich auf den Weißbinder­meister Weber in der Holzhofstraße, der heutigen Lauteschläger­straße.

„Mittel gegen Incrustationen in Dampfkesseln

In Folge einer von Seiten der Offenbacher Lokalsektion an den Gr[oßherzoglichen] Gewerbverein gerichteten Anfrage über zweckmäßige Mittel zur Verhütung des Pfannensteins in Dampfkesseln wurde von H[er]rn Münzwardein Fr. Rößler in Frankfurt a. M. folgende Erfahrung mitgetheilt:

‚In der hiesigen Münze verwendet man schon seit längerer Zeit bei 2 Dampfkesseln, welche mit sehr kalkhaltigem Wasser gespeist werden, einen Zusatz von Soda und Zuckersyrup mit dem besten Erfolg. Es geschieht solches fast regelmäßig von 3 Wochen zu 3 Wochen, in Quantitäten von etwa 4 Pfd. Soda und 3 Maß Syrup; alle 2 Monate ungefähr werden die Kessel ausgeleert und der darin befindliche schlammartige Kalk herausgenommen.

Von der guten Wirkung dieses Mittels hatte ich dieser Tage erst wieder Gelegenheit, mich zu überzeugen, indem bei einem in der Münze herausgenommenen Kessel, der sonst immer mit faustdicken Krusten bedeckt war, derselbe an den Kesselflächen nur mit einer papierdicken Lage Kalk befunden ward.

Bekanntlich wendet man bei den Locomotiven der Taunusbahn seit längerer Zeit zu dem genannten Zweck Lohbrühe an und man ist mit deren Erfolg zufrieden. Die Lohbrühe hat namentlich die gute Eigenschaft, alle Incrustationen vollständig wegzulösen, wenn man den Kessel einige Tage mit diesem Zusatz im Gange erhält.

Im polytechn[ischen] Notizblatt für Gewerbetreibende etc., von Dr. R. Böttger, befinden sich in Nr. 2 des Jahrgangs 1846 verschiedene in England patentirte Compositionen zur Verhütung der Incrustationen bei Dampfkesseln, welche im Wesentlichen mit den obengenannten Mitteln Aehnlichkeit haben.‘

In der Gr[oßherzoglichen] Münze in Darmstadt wird Zuckersyrup mit Soda ebenfalls seit längerer Zeit mit Vortheil verwendet.

Ueber denselben Gegenstand theilte H[er]r Medicinalrath Merk dahier seine Erfahrungen in folgender Weise mit:

‚Meine Erfahrungen über die Wirkung des Zuckersyrups zur Verhütung und Auflösung des Pfannensteins in Dampfkesseln sind zwar von kurzer Dauer, waren jedoch bisher günstiger Natur. Bei dem ersten Versuch wurden, in Folge eines Mißverständnisses, auf einmal circa 8 Maß Runkelrübensyrup in den Kessel gebracht; im Verlauf eines Vierteljahres fand sich nicht nur kein Pfannenstein vor, sondern der von der letzten Reinigung noch vorhandene hatte sich vollständig gelöst. Seitdem lasse ich jede Woche ½ Maß Syrup zusetzen, kann jedoch von dem Erfolg noch nicht urtheilen, da mein Kessel noch nicht gereinigt wurde.

Ich benutze übrigens ein sehr reines Flußwasser, so wie das condensirte Wasser zur Speisung des Kessels, so daß ich auch vor Anwendung des Syrups nur mäßige Incrustationen hatte. Soda in Verbindung mit Syrup habe ich bisher nicht angewandt.

Ein viel Kalksalz enthaltendes Wasser möchte übrigens durch Zusatz einer diesen Salzen entsprechenden Menge Natrons oder Soda zu verbessern sein, wenn der niedergeschlagene Kalk sich vorher in einem eigenen Reservoir absetzen kann.‘“

Quelle: Monatsblatt des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, Nr. 7, Juli 1846, Seiten 151–153.

Tabelle 2: Zusammen­stellung der in der Provinz Lüttich gebauten Dampf­maschinen. Quelle: [25].
JahrAnzahl„PS“
182937630
183041751
183111324
183224374
183338656
183446906
1835641761

Was im Großherzogtum Hessen als Zeichen des rauchenden Fortschritts galt, war andernorts ein alter Hut. Hektor Rößler (jun.), der Sohn des Münzrats und Sekretär des Großherzoglich Hessischen Gewerbvereins, listete in seinen Betrachtungen über die Industrie­ausstellung in Brüssel 1841 die Anzahl von Dampfmaschinen auf, die alleine zwischen 1829 und 1835 in der Provinz Lüttich fabriziert wurden. Besaß der Großherzogtum 1848 einunddreißig Dampfmaschinen, so waren allein im Lütticher Raum 1829, also fast zwanzig Jahre zuvor, schon 37 gebaut worden.

Berthold Matthäus datiert die Inbetriebnahme der an das Unternehmen von Heinrich Emanuel Merck gelieferten Dampfmaschine auf Herbst 1843. Er hält es für möglich, daß diese zweite in Darmstadt errichtete Dampfmaschine von der Maschinenfabrik und Eisengießerei vor Ort gebaut wurde [26]; doch war sie wohl eher das dritte Darmstädter Exemplar. Tatsächlich jedoch, so erfahren wir aus der Liste im 1849er Gewerbeblatt, war sie ein Produkt der ebenfalls in Darmstadt ansässigen Maschinenbau­anstalt Jordan und Sohn. Johannes Jordan war zugleich Stadtbaumeister in Darmstadt. Das Gewerbeblatt bemerkt zu dieser Dampfmaschine:

„Dieselbe ist zum Rindenschneiden in der Alkaloidenfabrik des Besitzers bestimmt, wird aber gegenwärtig nicht gebraucht. Erbaut in der vormaligen Maschinenfabrik von J. Jordan in Darmstadt. Sie besitzt eine Kraft von 2½ Pferden. Hochdruckmaschine ohne Balancier, ohne Expansion und Condensation der Dämpfe. Der Dampfkessel ist cylindrisch mit 2 Siederöhren. Von Ruhrer Fettschrot konsumirte die Maschine bei zwölfstündiger Arbeitszeit 4 Ctr. Der Schornstein ist von Backsteinen aufgemauert und 60 Fuß hoch.“ [27].

Die Dampfmaschinen der Maschinenfabrik bis 1849

Zu den hier interessierenden Dampfmaschinen der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt bieten sowohl das Gewerbeblatt wie auch die Schriftenreihe „Verhandlungen des Gewerbvereins“ weitere Informationen.

Die Dampfmaschinen der Maschinenfabrik und Eisengießerei, Teil 1

„13. Eine transportable Dampfmaschine.  Diese, für Rechnung des Baufiskus angeschaffte Maschine diente zum Betrieb der Pumpwerke bei dem Bau der neuen steinernen Brücke über die Lahn bei Gießen. Sie wurde von der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt, einschließlich des Wagens, welcher der Maschine als Fundament und gleichzeitig zum Transport dient, ferner mit Einschluß eines Blechschornsteins von 18′ Höhe bei 12″ Weite für die Summe von 4600 fl. geliefert.

Die Maschine arbeitet mit 5 Atmosphären ganzem Drucke, mit Expansion und ohne Condensation der Dämpfe. Ihre Kraft ist, wenn die Dämpfe bei ¼ der Länge des Kolbenlaufs abgesperrt werden, reichlich die von 6 Pferden und der Nutzeffekt der verwandten Dampfkraft zwischen 40 und 50 Prozent. Die Richtigkeit beider Resultate ist durch eine Probe mit dem Prony'schen Zaum bestätigt worden.

Der Kessel ist ein starker Cylinder, in welchem ein 30″ weites durch seine ganze Länge gehendes Rohr den Feuerplatz und die Züge bildet. Trotz dieses durch finanzielle Verhältnisse gebotenen nicht vortheilhaften Arrangements des Kessels consumirt die Maschine unter den angegebenen Verhältnissen nur 100 Pfund Braunkohlen von den Gruben Buderus bei Laubach per Stunde, und bei verringerter Expansion bis zu ½ des Kolbenlaufs und verhältnißmäßig gesteigerter Kraft circa 130 Pfund. Da nach Henschels Versuchen 141 Pfund Braunkohlen bester Qualität 254 Pfund Wasser, oder 1 Pfund Braunkohlen 1,8 Pfund Wasser verdampfen, so ist, angenommen daß 1 Pfund Steinkohlen mindestens 6 Pfund Wasser verdampfen, der erstbemerkte Kohlenverbrauch höchstens 30 Pfund Steinkohlen gleich zu setzen, was sehr für die vortheilhafte Verwendung der Dämpfe spricht. –

Der Dampfcylinder der Maschine liegt horizontal und unmittelbar auf dem Kessel; letzterer bildet demnach das Gestelle der Maschine. Die Steuerung ist die von Edwards in möglichst einfacher Form. Das Speisewasser wird durch die gebrauchten Dämpfe vorgewärmt. –

Die Maschine wurde 2 Jahre hindurch bei dem Lahnbrückenbau zu Gießen und 1 Jahr bei dem Bau einer Schleuse bei Neuenheim zum Trockenlegen der Baugruben verwendet, wird aber gegenwärtig in der oben bemerkten Maschinenfabrik zu einer stationären Maschine umgeschaffen, um demnächst als Wasserhaltungs- und Kohlenförder­maschine bei dem Dorheimer Braunkohlenwerk zu dienen.“

Quelle: Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1849, Seiten 50–51.

Eine noch ausführlichere, technisch orientierte Beschreibung dieser vielleicht schon 1843 gebauten, auf jeden Fall Anfang 1844 fertiggestellten transportablen Dampfmaschine findet sich in den „Verhandlungen des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen“ [28]. Hier wird als ausführender Ingenieur der Darmstädter Mechanikus August Wernher genannt.

Friedrich August Wernher wurde am 23. März 1811 als Sohn des Tribunals­präsidenten und Geheimen Staatsrats Johann Wilhelm Wernher und Julie geb. Bruch in Mainz geboren. In jungen Jahren konnte er 1835 zusammen mit zwei Partnern die Ludwigshütte bei Biedenkopf kaufen, sie mit erheblichem finanziellen Aufwand technisch ausbauen, muß aber unter Verlust von 40.000 Gulden Eigenkapital dort sieben Jahre später ausscheiden. Am 1. Mai 1842 wird er Direktor des Eisenwerks Gebrüder Benckiser in Pforzheim, am 1. April 1843 Direktor in der Maschinen­werkstätte von Hektor Rößler, zu diesem Zeitpunkt noch firmierend als Buschbaum und Comp. und erst ab Juni 1844 als Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt. Im November oder Dezember 1848 geht er im Auftrag des Reichs­handelsministeriums für einige Monate nach England, um dort angesichts eines Krieges mit Dänemark um Schleswig und Holstein Schiffe für die deutsche Marine zu kaufen. Das würde darauf schließen lassen, daß er allenfalls fünf Jahre in Darmstadt geblieben ist. Zum 15. August 1850 wechselt er zur Taunus-Eisenbahn, ist dort zunächst Technischer, ab 1853 Baudirektor. 1872 wird er Baudirektor der Hessischen Ludwigsbahn, welche die Taunus-Eisenbahn im selben Jahr kurzzeitig erworben und dann an die Preußische Staatsbahn weitergegeben hatte. Er stirbt am 13. Mai 1887 in Frankfurt/Main. Ihm folgt in Darmstadt als Ingenieur und technischer Direktor Franz Horstmann (1816–1887). [29]

Von 1832 bis 1836 war Hektor Rößler (jun.) als Rechner der Ludwigshütte angestellt, bevor er wieder nach Darmstadt zurückkehrte und dort zum Sekretär des Gewerbvereins ernannt wurde. Angesichts dieser Kontakte ist es wenig verwunderlich, daß Wernher nach seinem wohl unfreiwilligen Ausscheiden aus der Ludwigshütte ein neues Tätigkeitsfeld in der Darmstädter Fabrik finden konnte. [30]

Dampfmaschine der Münze.

Abbildung 4: Dampfmaschine der Großherzoglichen Münze in Darmstadt. Quelle: Verhandlungen des Gewerbvereins für das Großgerzogthum Hessen, II. und III. Quartalsheft 1838, Tafel VI.

Die Dampfmaschinen der Maschinenfabrik und Eisengießerei, Teil 2

„25. Dampfmaschine in der Gr[oßherzoglichen] Münze zu Darmstadt[31]  Sie dient zum Betrieb des Streckwerks und eines Uhlhorn'schen Prägewerks. Erbaut (1830) in der vormaligen mechanischen Werkstätte des Münzraths Rößler, (jetzt ‚Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt.‘) Die Maschine ist auf eine Kraft von 5 Pferden construirt. Mitteldruck von ca. 3 Atmosphären oder 40 Pfd. auf den Quadratzoll. Konstruirt nach Saulnier's System, mit Balancier, Condensation und Expansion der Dämpfe [32]. Cylindrischer Kessel mit 2 Siedröhren. Brennmaterial: Ruhrer Steinkohlen, von welchen 6–7 Ctr. bei einer Arbeitszeit von 12 Stunden verbraucht werden. Mit Backsteinen gemauerter Schornstein von 90 Fuß Höhe, 30 Zoll unterer und 20 Zoll oberer lichter Weite.

26. Dampfmaschine der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt.  Dieselbe setzt die verschiedenen Arbeitsmaschinen sowie den die Gießerei bedienenden Ventilator in Bewegung. Erbauer: Emil Keßler (damals noch Keßler und Martiensen) in Karlsruhe. Die Kraft der Maschine beträgt 6 Pferde. Sie kostete, einschließlich einiger Transmissionstheile und des Ventilators für die Gießerei, 5600 fl.; nach Abzug der genannten, zu den üblichen Preisen angeschlagenen Theile auf 4400 bis 4600 fl. Das System ist das der bekannten Saulnier'schen Hochdruck­maschinen, ohne Balancier, mit Expansion und ohne Condensation des Dampfs. Die Expansion ist zwischen 1/3 und 2/3 der Länge des Kolbenlaufs verstellbar. Das Speisewasser wird durch die abziehenden Dämpfe vorgewärmt. Das Kesselsystem ist das gewöhnliche mit 2 Siedröhren. Für gewöhnlich arbeitet die Maschine mit 4 Atmosphären und Absperrung des Dampfs bei 1/3 der Länge des Kolbenlaufs, unter welchen Verhältnissen bei der (hohen) Annahme von 40 Proz. Nutzeffekt ihre Kraft der von 3,6 Pferden gleich kommen würde. Wenn nöthig, kann der Dampfdruck bis zu 6 Atmosphären gesteigert werden, unter welchem Druck die Maschine ihre nominelle Kraft (6 Pferde) erreicht. – Im Durchschnitt von 6 Arbeitstagen mit zusammen 68 Arbeitsstunden, wobei der Steinkohlen­verbrauch (Ruhrkohlen) 2200 bis 2700 Pfd. beträgt, berechnet sich derselbe für eine zwölfstündige Arbeitszeit auf 3¾ bis 4¾ Ctr., durchschnittlich also auf 4¼ Ctr. Der Schornstein ist von Eisenblech und 80 Fuß hoch. [33]

27. Dampfmaschine in den Werkstätten des Centralbahnhofs der Main-Neckar-Eisenbahn zu Darmstadt.  Durch die Maschine werden in Gang gesetzt: 1 Ventilator von 4 Fuß Durchmesser und 8 Zoll Breite, eine Stoßmaschine, eine Drehbank für das Abdrehen der Locomotivräder, eine Schrauben­schneidmaschine, eine große Hobelbank mit einer Brettlänge von 13 Fuß und 4 Fuß Breite, die Wagenräder­drehbank, die große Bohrmaschine, die kleine Bohrmaschine, drei Handdrehbänke, die kleine Parallel­drehbank mit einer Brettlänge von 16 Fuß, die große Parallel­drehbank mit einer Brettlänge von 20 Fuß und ein Schleifstein. – Die Maschine wurde gebaut in der Maschinenfabrik und Eisengießerei zu Darmstadt. Die Cylinderdimensionen der Maschine sind von solcher Größe, daß wenn der Dampf bei vollendetem ¼ Theile des Kolbenhubes abgesperrt wird, die Maschine bei 32 Kurbel­umdrehungen per Minute reichlich die Kraft von 10 Pferden entwickelt. – Anschaffungspreis 8350 fl., einschl. zweier Kessel, aber ohne die Transmission. – Die Maschine ist eine Hochdruckmaschine ohne Condensation des Dampfes. Die Dämpfe werden in dem Kessel bis zu 5 Atmosphären ganzem Druck gesperrt, wornach die Sicherheitsventile mit 4,132 Kil. per Quadratcentimeter belastet werden, welcher Druck einer Quecksilbersäule von 3,04 Meter Höhe entspricht. Der Kolben hat einen Durchmesser von 0,36 Meter und 1 Meter Hub. – Die Expansionsvorrichtung der Maschine ist die von Edwards mit 2 Schiebern; sie ist während des Ganges der Maschine entweder mittelst des Regulators oder mit der Hand verstellbar, so daß entweder die Expansion ganz weggelassen oder der Dampf in allen Zwischenlängen von ½ bis 3/16 des Kolbenhubes abgesperrt werden kann. Geschieht die Stellung der Expansion mit der Hand, so regelt der Regulator mittelst einer gewöhnlichen Drosselklappe den Eintritt des Dampfes und somit den Gang der Maschine. – Die Maschine hat zwei Kessel und jeder Kessel zwei Siedröhren, welche zum Auswechseln eingerichtet sind. Die Metallstärke ist nach der preußischen Verordnung vom 6. Mai 1838 berechnet und hat jeder Kessel eine feuerberührte Oberfläche von 15,6 Quadratmeter, so daß der einzelne Kessel für eine Maschine von 12 Pferden Dampf zu liefern im Stande sein würde. – Jeder Kessel hat einen Mannlochaufsatz, an welchem bis auf den Alarmschwimmer und das Speiserohr sämmtliche Kesselapparate befestigt sind, und außer dieser Oeffnung 2 Reinigungsöffnungen an den Siedrohrköpfen. Weiter hat jeder Kessel zwei Sicherheitsventile, einen Alarmschwimmer, einen Wasserstands­zeigerapparat in der Vorderseite des Ofens, bestehend aus einem Glasrohr mit der gewöhnlichen Fassung und zwei Probirhähnchen, sodann zwei Abzapfhahnen an den Siedröhren. Beide Kessel haben zusammen einen Manometer mit offener Glasröhre. Der Ofenbeschlag besteht aus dem Kessel- und Siedrohrträger, aus einer starken Feuerplatte mit der Schür- und Aschenfallthüre und ihren Befestigungsankern, aus dem Kaminregister mit Gegengewicht, dem Rost mit gegossenen Tragplatten und sind sämmtliche genannte Apparate an jedem Kessel angebracht. – Als Brennmaterial dient Ruhrer Fettschrot, von welchem die Maschine bei zwölfstündiger Arbeit 10 Ctr. verbraucht. –

Die Speisung des Kessels geschicht in der Art, daß das Wasser in kochend heißem Zustand in den Kessel gepumpt wird. Die Pumpe arbeitet beständig fort; sobald nun der Wasserbestand die richtige Höhe erreicht hat, wird durch einen sogenannten Dreiweghahn die Communication mit dem Kessel abgeschnitten und das Wasser alsdann in einer kupfernen Röhre durch das Rohr, welches den gebrauchten Dampf ins Freie führt, hin und her gepumpt und in das Reservoir zurückgeleitet, wodurch es eine bedeutend hohe Temperatur annimmt. Zugleich wird das Condensations­wasser, welches sich in dem beträchtlich hohen Ausströmungsrohr erzeugt, durch eine Abflußröhre in das Reservoir geleitet und trägt wesentlich dazu bei, das in demselben befindliche Wasser zur Speisung des Kessels vorzuwärmen.

Der Schornstein hat eine Höhe von 110 Fuß und 13 Fuß im Gevierte, der Schaft ist rund, der untere Durchmesser 9 Fuß und der obere 6 Fuß, die innere Oeffnung ist bis zur Höhe des Postaments 4 Fuß im Gevierte und geht von da in eine 2 Fuß im Quadrat große Oeffnung durch die ganze Höhe des Schaftes über. Der ganze Schornstein ist von Backsteinen aufgeführt, mit Ausnahme der Gesimse, Tragsteine am Kapitäl und der Schlußplatte desselben, welche aus Sandsteinen bestehen. –“ [34]

Quelle: Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1849, Seiten 62–64.

Es kann davon ausgegangen werden, daß das führende Maschinenbau­unternehmen vor Ort mehr als nur die Dampfmaschine für die Zentral­werkstätte der Main-Neckar-Bahn geliefert hat. Die Schraubenschneide­maschine beispielsweise ist ein geradezu typisches Produkt der aus dem Buschbaum'schen Unternehmen hervorgegangenen Maschinenfabrik und Eisengießerei. Leider finden sich bislang hierzu keine Unterlagen; nur die Lieferung von Stoßplatten für den Oberbau der Main-Neckar-Bahn ist überliefert. Während der Zentner – selbst Dampfmaschinen wurden zuweilen nach ihrem Gewicht berechnet – Stoßplatten, geliefert von Buderus und Söhnen, 5 Gulden und 40 Kreuzer gekostet hat, verlangte die Darmstädter Maschinenfabrik hierfür 6 Gulden. [35]

Die zweite Dampfmaschinenliste von 1854

Fünf Jahre nach seiner ersten Erhebung der im Großherzogtum vorhandenen Dampfmaschinen führte der Landes­gewerbverein 1854 eine erneute Befragung durch. Die den Eigentümern zur Beantwortung vorgelegten Fragen betrafen Ort und Besitzer der Dampfmaschine, ihr Einsatzgebiet, Baujahr und Hersteller, Anschaffungs­preis, die Pferdestärke, die Anzahl der damit verbundenen Kessel, den durchschnittlich beim Einsatz vorkommenden Druck in Atmosphären, den Brennstoff­verbrauch (in der Regel Steinkohlen) innerhalb von 12 Stunden und Art und Höhe des Schornsteins. Insgesamt wurden 72 (mit Nachträgen: 74) Dampfmaschinen erfaßt, die alphabetisch nach ihrem Einsatzort aufgelistet wurden. Mit Inkonsistenzen im Verhältnis zur Erhebung von 1848/49 ist zu rechnen. Die Numerierung folgt dem Originaltext. [36]

Tabelle 3: Auflistung der 1854 vorhandenen Dampfmaschinen nach Hektor Rößler (jun.) : Dampfmaschinen im Großherzogthum Hessen, in: Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1854.
Nr.NameOrtIndustrieErbauerBaujahr„PS“Bemerkungen
 Wilhelm PraetoriusAlzeyLederfabrikantGebr. Hornauer, Münchweiler18461,5-2 
 Krafft & Comp. LudwigshütteBiedenkopfHüttenweseneigene Werkstättevor 18494-5 
 Adolf KleinBingenMühleDobbs, Reuleaux & Comp., Eschweiler-Pumpevor 184912 
1Großherzogliche MünzeDarmstadtMünzprägungWerkstätte Hektor Rößlervor 1849 [1830]5 
2Centralbahnhof der Main-Neckar-EisenbahnDarmstadtEisenbahn­werkstätteMaschinenfabrik und Eisengießerei, Darmstadtvor 18495 
3Maschinenfabrik und EisengießereiDarmstadtMaschinenfabrik, auch KupolöfenEmil Keßler, Karlsruhevor 18496 
4Emanuel MerckDarmstadtAlkaloiden­fabrikantMaschinenfabrik und Eisengießerei, Darmstadt18508[es handelt sich nicht um die 1849 als Nr. 24 aufgeführte Maschine]
5Felix HochstätterDarmstadtTapetenfabrikantMaschinenfabrik und Eisengießerei, Darmstadt18534 
6Benedikt BlumenthalDarmstadtMaschinen­fabrikantPönsgen & Comp., Aachenk. A.4[laut HStAD G 15 Darmstadt Nr. 130: 1850, Heinrich Blumenthal]
7Wilhelm KleyerDarmstadtMaschinen­fabrikantJulius de Bary, Offenbach18542 
 ?Dorheim[Braunkohlen­werk]   [es sollte sich um die 1849 als Nr. 13 aufgeführte Maschine handeln]
 Bahnhof der Main-Weser-BahnFriedbergEntwässerungHenschel & Sohn, Kassel18543 
1Georg Philipp GailGießenTabakfabrikJakoby, Haniel & Huyssen, Gutehoffnungs­hüttevor 184910-12 
2Georg Philipp GailGießenWollspinnereiJulius de Bary, Offenbach18538 
3Main-Weser-BahnhofGießenEisenbahn­werkstättenHenschel & Sohn, Kassel185110 
 J. W. Buderus SöhneFriedrichshütte beu LaubachHüttenwesenJakoby, Haniel & Huyssen, Gutehoffnungs­hüttevor 184910 
 J. W. Buderus SöhneHessenbrücker Hammer bei LaubachHüttenwesenJakoby, Haniel & Huyssen, Gutehoffnungs­hüttevor 184916 
 J. W. Buderus SöhneHirzenhainer Hütte bei OrtenbergHüttenweseneigene Werkstätten18548-10[Nachtrag im Gewerbeblatt]
 F. A. Vollmar SohnKempten bei BingenLeinspinnereiDobbs, Reuleaux & Comp., Eschweiler-Pumpevor 184910-12 
1Meyer, Michel & Den[n]ingerMainzLederfabrikDingler, Zweibrückenvor 184920 
2Florian KupferbergMainzBuchdruckEsser & Neumann, Aachenvor 18496 
3Meule & Comp.MainzNudelfabrikEdmundts & Herrenkohl, Aachenk. A.4jetzt unbenutzt
4J. A. Röder & SohnMainzWagenfabrikantenEdmundts & Herrenkohl, Aachenvor 18494-5dieselbe wie die 1849 als Nr. 2 aufgeführte
5Michael AleiterMainzMaschinen­fabrikanteigene Werkstättenvor 18496 
6Martin AleiterMainzMaschinen­fabrikanteigene Werkstättenk. A.2 
7M. AmptMainzBierbrauerMartin Aleiter, Mainzk. A.2 
8E. S. VohsenMainzÖlmüllerEsser & Neumann, Aachenk. A.15 
9Stephan GrebertMainzÖlmüllerMichael Aleiter, Mainzk. A.10 
10Gastel & HarigMainzWagenfabrikantenF. Fürth, Kölnk. A.10-12 
11Carl BeckerMainzGewürzmühleJulius Blank, Kölnk. A.6 
12Gebr. G. & Paul StumpfMainzMaschinenfabrikEsser & Neumann, Aachenk. A.12-14gebraucht gekauft
13Georg GangloffMainzDrahtstift­fabrikGebr. Hornauer, Münchweilervor 18491,5gegenwärtig unbenutzt
14Pfälzische Ludwigs-EisenbahnMainzEisenbahn­werkstätteMaschinenfabrik und Eisengießerei, Darmstadtk. A.8[siehe Erörterung weiter unten]
15Taunus-EisenbahnKastel bei MainzEisenbahn­werkstätteEdmundts & Herrenkohl, Aachen18406 
16Vormalige Dampf-WalzmühleWeisenau Dobbs, Reuleaux & Comp., Eschweiler-Pumpek. A.30unbenutzt, soll verkauft sein; [1836/37, siehe oben]
17Florian WebelMainzGewürzmühle, Schokolade­maschinen, Drahtstift­fabrikationenglische Fabrikvor 18491,5gegenwärtig unbenutzt
a)EisenhüttenwerkMichelstadtWalzwerkin Seraing185040 
b)EisenhüttenwerkMichelstadtWalzwerkin Seraing185030 
c)EisenhüttenwerkMichelstadtEisen­hüttenwerkJulius de Bary, Offenbach185020 
 Eisen­hüttenwerkMichelstadtEisenhüttenwerkin Seraingk. A.2Dampfpumpe
 Gebr. RexrothMichelstadtFurnier­schneidereiRichard Hartmann, Chemnitz185216 
 Chemische FabrikNeuschloß bei LorschChemieMeyer, Mühlhausenvor 18498-10 
1Johann Christian HauffOffenbachMaschinen­webereiDobbs & Pönsgen, Aachenvor 184912 
2Jakob Mönch & Comp.OffenbachPortefeuille­fabrikChristian Dingler, Zweibrückenvor 18498-10 
3G. W. Martini & SohnOffenbachHutfabrikationSimon Fries, Frankfurt/M.vor 18492 
4Gebr. BernardOffenbachSchnupftabak­fabrikJulius de Bary, Offenbach185020 
5Gölzenleuchter & SimeonsOffenbachSchnupftabak­fabrikJulius de Bary, Offenbachvor 1849bis zu 10vormals bei Friedrich Simeons aufgestellt; 1849 als Nr. 18 aufgeführt
6Julius de BaryOffenbachMaschinen­fabrikeigene Werkstättenvor 18492-6 
7Gebr. HeimOffenbachMaschinen­fabrikeigene Werkstätten18516 
8Gebr. SchmaltzOffenbachMaschinen­fabrikeigene Werkstätten18525 
9J. J. Schäfer sen.OffenbachWachstuch­fabrikGebr. Schmaltz, Offenbach18526 
10Wilhelm Kugler-ZinnOffenbachHasenhaar­schneidereiJulius de Bary, Offenbach18522,5 
11M. HeilOffenbachStahlgarnituren­schleifereiGebr. Schmaltz, Offenbach18536 
12E. GriesOffenbachStahlschleifereiGebr. Schmaltz, Offenbach18532,5 
13W. MollerOffenbachStahl­schleifereiGebr. Heim, Offenbachk. A. 
14J. A. KoppeOffenbachGarn­fabrikation 18534gebraucht von einem Ausländer gekauft
15Alfred Richard SeebaßOffenbachEisenkunst­gießereiGebr. Heim, Offenbach18545 
16Jakob Pfaltz SöhneOffenbachZichorien­fabrikantGebr. Heim, Offenbach18538 
17Ferdinand Ihm (Martenstein & Pfaltz)OffenbachWachstuch­fabrikJulius de Bary, Offenbach18536 
18Gebr. VolmarOffenbachStearinlichter­fabrikGebr. Heim, Offenbach18532,5 
 Tobias Deiß & Eduard LehneOffsteinZuckerfabrikNolten, Aachenk. A.12[mehr zu Tobias Deiß]
1Friedrich KönigOppenheimHolzhändlerSayner Hütte18486gebraucht gekauft und 1853 in Oppenheim aufgestellt
2Gebr. Schneidergegenüber OppenheimDampfmühleDobbs, Reuleaux & Comp., Eschweiler-Pumpek. A.24gegenwärtig unbenutzt; [1836/37; siehe oben für nähere Beschreibung]
 Wilhelm BüchnerPfungstadtUltramarin­fabrikJulius de Bary, Offenbach18528-10[Nachtrag im Gewerbeblatt]
 Zahn & VolprechtRüsselsheimZichorien­fabeikGebr. Schmaltz, Offenbachk. A.10 
 N. N.Sprendlingen bei LangenDampfmühleJosef Reuleaux & Comp., Eschweiler-Pumpevor 184926-30 
 Friedrich MatthäiWallertheim, Kreis AlzeyMahlmühleSchütz, Osthofen18536-8 
 W. PraetoriusWeinheim, Kreis AlzeyKnochenmühleGebr. Hornauer, Münchweiler18513 
 MathildenbadWimpfenBadeanstaltJosef Reuleaux & Comp., Eschweiler-Pumpe18382 
1G. & H. BenderWormsMühle, Fournier­schneidereivom Besitzer selbst gebaut185115 
2Dörr & ReinhardtWormsLederfabrikGebr. Hornauer, Winnweiler18486 
3Cornelius HeylWormsLackier­lederfabrikMaschinenfabrik und Eisengießerei, Darmstadt185324 
4Melas & GernsheimWormsLederfabrikJ. Langen, Siegburg18538-10 
5Gustav Schön & Comp.WormsWollspinnereiHemmer, Hamm & Comp., Frankenthal185330 

Aus dieser Auflistung ist zu ersehen, daß neben der Offenbacher Firma de Bary (8) und der im Rheinland ansässigen Firma Dobbs, Reuleaux & Comp. (6) die Darmstädter Maschinenfabrik mit sieben produzierten Dampfmaschinen weit vorne vertreten ist.

Die 1843 bei Merck auf der grünen Wiese im Osten der Stadt Darmstadt von Johannes Jordan errichtete Dampfmaschine scheint zehn Jahre später nicht mehr im Betrieb und somit auch nicht mehr erfaßt worden zu sein – war sie defekt oder unbrauchbar? wurde sie verkauft? Berthold Matthäus weist darauf hin, daß die schriftliche Überlieferung, was Dampfkessel und -maschinen betrifft, in den Unterlagen des Merck-Archivs vor 1851 lückenhaft sein könnte und erst in selbigem Jahr eine Kladde „Mobilien & Gerätschaften Conto 1851–1902“ angelegt wurde. Diese enthält für den 1. Januar 1851 die Lieferung von zwei Dampfkesseln nebst Zubehör durch J. S. Fries in Sachsenhausen zum Preis von 2.276,10 Gulden. Daran schließt sich für den 7. Juni 1851 eine Dampfmaschine (3.400 Gulden) mit Röhrenleitungen (425,50 Gulden), Dampfleitung zum Laboratorium (210,34 Gulden) sowie eine Steinmühle mit Transmission (1.825,41 Gulden) an. Da diese Dampfmaschine mit der Jahresangabe 1851 keinen Eingang in die Rößler'sche Aufstellung von 1854 gefunden hat, liegt es nahe, daß es sich um die dort erwähnte Dampfmaschine Darmstadt Nr. 4 der Maschinenfabrik und Eisengießerei von 1850 handelt, zumal der Kaufpreis identisch ist. Demnach wären die zur Dampfmaschine gehörenden Dampfkessel von einem anderen Unternehmen geliefert worden. [37] – Hierzu paßt ein Schreiben des technischen Leiters der Maschinenfabrik und Eisengießerei, Franz Horstmann, an Hektor Rößler (sen.) vom 11. April 1851, in dem es zwar um einen gänzlich anderen Vorgang geht, der jedoch das Datum Juni 1851 erklären mag. Bei den erwähnten Maschinen könnte es sich um die Dampfmaschine nebst Zubehör handeln.

„In Bezug auf die fragliche Locomotivräderbank haben wir der Großh[erzoglichen] Eisenbahn­baudirektion der Provinz Oberhessen zu Gießen durch Schreiben vom 13ten Merz unsere billigsten Preise mitgetheilt. Die Copie dieses Schreibens liegt hier bei. Die darin enthaltenen Preise decken nur die dahingehörigen Geschäftsunkosten, aber wir hoffen dadurch mit dieser Arbeit die Fabrik den Sommer über in der bisherigen Weise fortbetreiben zu können. Fast alle Maschinen die wir gegenwärtig in Auftrag haben, werden bis Ende Juni vollendet sein. –

Wir hoffen nun von Gießen in Kürze eine bestimmte Entscheidung über obige Drehbank zu erhalten, es verstreicht sonst die nöthige Zeit für die Vorarbeiten nemlich für Pläne und Modelle, unbenutzt, sodaß der im anliegenden Schreiben erwähnte Lieferungstermin weiter hinausgeschoben werden muß. – Auch können wir auf anderweitige Maschinenanfragen so lange keine Antwort geben bis obige Sache erledigt ist.

Es grüßt hochachtungsvoll

Franz Horstmann“ [38]

Weitere Dampfmaschinen aus der Maschinenfabrik

Zu den sieben Dampfmaschinen der Maschinenfabrik und Eisengießerei werden in der 1854er Liste folgende Angaben gemacht:

Die Dampfmaschinen der Maschinenfabrik und Eisengießerei, Teil 3

„[Darmstadt] 1) Die Gr[oßherzogliche] Münze.  Zum Betrieb von Walz- und Prägwerken. 1830 in der vormaligen mechanischen Werkstätte von Rößler (jetzt Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt) gefertigt. 5 Pferdekraft. 1 Kessel. 3 Atmosphären Dampfdruck. 4–5 Ctnr. Steinkohlen. Gemauerter Schornstein, 90 Fuß hoch. (Vgl. Gewerbebl[att], 1849, S. 62.)

[Darmstadt] 2) Werkstätten des Centralbahnhofs der Main-Neckar-Eisenbahn.  Betriebsmaschinen und Ventilatorgebläse. Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt. 8350 fl. einschließlich von 2 Kesseln, aber ohne Transmissionen. 10 Pferdekraft. Bis zu 5 Atmosphären Dampfdruck. 10 Ctrnr. Kohlen. Gemauerter Schornstein, 110 Fuß hoch. (Vgl. Gewerbeblatt, 1849, S. 63.)

[Darmstadt] 3) Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt. Betriebsmaschinen und Cupolofengebläse. Emil Keßler in Karlsruhe. 4000 fl. 6 Pferdekraft. 1 Kessel. 4–6 Atmosphären Dampfdruck. Durchschnittlich 6 Ctnr. Kohlen. Schornstein aus Gußröhren, 80 Fuß hoch. (Vgl. Gewerbeblatt, 1849, S. 62.)

[Darmstadt] 4) Emanuel Merck, Alkaloiden-Fabricant.  Zum Betrieb von Mühlwerken, Wasch- und Siebapparaten und von Pumpen. Maschinenfabrik und Eisengießerei zu Darmstadt (1850). 8 Pferdekraft. 2 Kessel, welche jedoch auch zu anderen Zwecken dienen. 3400 fl. ohne Kessel. Bis zu 4 Atmosphären Dampfdruck. Gemauerter Schornstein, 100 Fuß hoch.

[Darmstadt] 5) Felix Hochstätter, Tapetenfabricant. Farbmühlen, Bürst- und Glättmaschinen. Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt (1853). 4 Pferdekraft. 2 Kessel, welche zugleich zum Heizen und zu anderen Zwecken dienen. 2000 fl. mit 1 Kessel. 6 Atmosphären. Gemauerter Schornstein von 90 Fuß Höhe.“

„Ueber die auf dem Braunkohlenwerk zu Dorheim aufgestellten Maschine sind die erbetenen Notizen noch nicht eingetroffen und konnte daher eine nähere Angabe nicht gemacht werden.“

„[Mainz] 14) Werkstätte der Pfälzischen Ludwigs-Eisenbahn.  Betriebsmaschinen etc. Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt. 3900 fl. 8 Pferdekraft. Gemauerter Schornstein, 60 Fuß hoch.“

„[Worms] 3) Cornelius Heyl, Lackirlederfabrik.  Zum Betrieb von Lohmühlen etc. Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt. (1853.) ca. 80 fl. mit 2 Kesseln, einschließlich der Aufstellungskosten. 24 Pferdekraft. 2 Kessel. 5½ Atmosphären. Gemauerter Schornstein, 10 Fuß hoch.“

Quelle: Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1854, Seiten 67, 68, 70 und 84.

Die hier für Mainz als Nr. 14 genannte Dampfmaschine wird der Pfälzischen Ludwigsbahn zugeordnet, was unzutreffend ist. Die Hessische Ludwigsbahn hatte 1845 die Konzession für die Eisenbahn­verbindung von Mainz nach Worms erhalten und begann mit deren Bau 1848. Durch die bürgerliche Revolution von 1848/49, aber auch durch Kapitalmangel verzögert, konnte die Strecke erst 1853 fertiggestellt werden. Es ist unwahrscheinlich, daß schon 1848 oder 1849 nach Mainz eine Dampfmaschine für die erst im Aufbau begriffene Eisenbahn geliefert und dort installiert wurde. Sicher ist jedenfalls, daß zwei Dampfmaschinen an die Pfälzische Ludwigsbahn gegangen sind. Hektor Rößler (sen.) oder sein Bruder Friedrich als Direktor des Unternehmens – die Autorenschaft läßt sich alleine anhand der handschriftlichen Unterschrift nicht bestimmen – erwähnt diese Dampfmaschinen in einem Schreiben an das hessische Finanzministerium vom 4. September 1849 als eine Empfehlung dafür, daß die Maschinenfabrik und Eisengießerei eines Auftrages der im Bau befindlichen Main-Weser-Bahn würdig sei.

„Es wird uns in dieser Beziehung gestattet sein, nicht blos auf die für die inländischen Bahnen gelieferten Arbeiten uns zu berufen, sondern auch mehrere grössere Arbeitsgegenstände, als: zweier Dampfmaschinen, einer Waggonräderbank, mehrerer anderer Drehbänke, einer Hobelmaschine, Schraubenschneid­maschine p. p. zu erwähnen, welche von uns für die pfälzische Ludwigsbahn zur vollkommenen Zufriedenheit der dortigen Direktion ausgeführt worden sind.“ [39]

Da die Pfälzische Ludwigsbahn weder 1848/49 noch später eine Werkstätte in Mainz betrieben hat und es zu bezweifeln ist, daß die Hessische Ludwigsbahn schon derart früh eine solche in Mainz aufgebaut hat, ist zu fragen, ob hier eine Verwechslung vorliegt. Sicher ist, daß die Maschinenfabrik und Eisengießerei der Pfälzischen Ludwigsbahn Dampfmaschinen und andere Werkstatt­einrichtungen nach Ludwigshafen und Kaiserslautern geliefert hat.

„Für die Reparatur-Werkstätten in Ludwigshafen und Kaiserslautern werden 2 stehende Dampfmaschinen, jede von 8 Pferdekraft bei Rößler und Wernher in Darmstadt gebaut. Es kostet eine davon mit Dampfkessel und allem Zubehör 4250 fl. Außerdem sind für die fraglichen Werkstätten 5 Drehbänke, 3 Handbohr­maschinen, 1 Hobelmaschine, 1 Ausstoßmaschine, 2 Ventilatoren und verschiedenes anderes Werkzeug bei Merian in Hölstein, Rößler und Wernher in Darmstadt etc. bestellt.“ [40].

In Kapitel 5 werden wir sehen, daß die Mainzer Dampfmaschine tatsächlich an die Hessische Ludwigsbahn in Mainz gegangen ist, und zwar 1852 oder 1853 bei der Einrichtung der dortigen Eisenbahnwerkstätte.

Weitere statistische Erhebungen 1857 und 1862

Die Nutzung von Dampfmaschinen für verschiedene Zwecke schritt im Großherzogtum Hessen weiter voran. Die Mitte 1857 und Ende 1862 vorhandenen Dampfmaschinen wurden in zwei weiteren statistischen Erhebungen aufgenommen, ohne hier jedoch noch detaillierte Angaben zu den einzelnen Maschinen zu liefern.

Die 1857 vom Großherzoglichen Gewerbverein durch Vermittlung der Großherzoglichen Kreisbauämter bzw. durch direkte Anfrage bei den Besitzern der Maschinen durchgeführte Erhebung ergab, daß 1852 elf neue, 1853 zwanzig neue, 1854 wiederum elf neue, 1855 sieben neue, 1856 vierzehn neue und im ersten Halbjahr 1857 neun neue Dampfmaschinen in Betrieb genommen wurden. Damit lag die Gesamtzahl Mitte 1857 bei 113 Dampfmaschinen. 63 davon waren bei „inländischen“ (meint: hessischen) Fabriken, die übrigen 50 bei ausländischen Fabriken gebaut worden. Fünf dieser Maschinen standen bei Eisenbahnen und eine in der Münze, die übrigen „gehören der Privatindustrie an“. [41]

Eine weitere Fortschreibung fand 1861/62 auf Anordnung des hessischen Innenministeriums (Darmstadt) statt. Sie ergab für Ende 1862 280 Dampfmaschinen, davon 110 in Starkenburg, 40 in Oberhessen und 130 in Rheinhessen. In Mainz mit Kastel und Zahlbach standen demnach 42, in Offenbach 40, in Darmstadt 26, in Worms 25 und in Gießen neun Maschinen. Die stärkste Dampfmaschine mit 50 Pferdekräften war die gemeinschaftliche Entwässerungs­maschine in Oppenheim. Dreizehn dieser Dampfmaschinen waren Lokomobile, wovon alleine die Hessische Ludwigsbahn sieben oder acht ihr Eigen nannte, „welche meist zum Baggern etc. zu verschiedenen Plätzen verwendet werden“. [42]

Eine Zuordnung dieser Dampfmaschinen zu einzelnen Unternehmen ist so gut wie ausgeschlossen. Die Genehmigungsakten aus den 1850er und 1860er Jahren sind wohl vollständig 1944 verbrannt worden. Nur sporadisch hilft der Zufall weiter, etwa wenn von der Maschinenfabrik von Wilhelm Kleyer in Darmstadt 1858 eine transportable Dampfmaschine von drei Pferdekräften mittels einer Zeitungsannonce verkauft werden soll. [43]

Dampf und Eisenguß aus Darmstadt

Preiscourant.
Abbildung 5: Angebot an Dampfmaschinen der Darmstädter Maschinenfabrik um 1850, aus: Zeitschrift für die landwirth­schaftlichen Vereine …, 1850.

1850 erschien in einer landwirtschaftlichen Zeitung ein Aufsatz über „Notizen über Leistungen, Brennstoff-Bedarf und Preise von Dampfmaschinen“, der mit einer Übersicht über die von der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt gefertigten Dampfmaschinen und deren Preise endet. Diese Übersicht dürfte einem nicht erhaltenen Preiscourant des Unternehmens entnommen sein. [44]

Die vom Landesgewerbverein vorgenommene Erhebung über die 1848 im Großherzogtum Hessen vorhandenen Dampfmaschinen umfaßte nicht die Lokomotiven der Main-Neckar-Eisenbahn. Für deren hessischen Anteil wurden 1846 zwölf Maschinen mit ebensovielen Tendern angeschafft. Ein Drittel dieser Lokomotiven lieferte die Fabrik von Emil Keßler in Karlsruhe zu einem Stückpreis von 28.689 Gulden, worin die Tender enthalten waren; das Gesamtgewicht betrug 15 Tonnen. Die anderen acht Lokomotiven kamen von Sharp Brothers & Comp. in Manchester zu einem Stückpreis von 23.915 Gulden. Die zugehörigen Tender steuerte das Aachener Unternehmen Moser und Heppel zum Stückpreis von 4.872 Gulden bei. Auf der Offenbach-Frankfurter Eisenbahn kam ebenfalls eine solche Sharp-Lokomotive zum Einsatz; sie wurde zuvor aufgrund Lokmangels bei der Main-Neckar-Eisenbahn verwendet. Alle zwölf Maschinen besaßen eine Treib- und zwei Laufachsen; es handelte sich demnach um 1A1-Lokomotiven.

„Der Durchmesser der Cylinder beträgt bei allen 12 Locomotiven 14″ und der Kolbenhub 22″ englisch. Die Keßler'schen Locomotiven haben eine Kessellänge von 12′ engl., 150 Stück schmiedeeiserne Siedröhren und eine Totalheizfläche von 890 Quadratfuß englisch. Die Sharp'schen Locomotiven haben eine Kessellänge von 12½′ engl., 150 Stück schmiedeeiserne Siederöhren und eine Totalheizfläche von 980 Quadratfuß engl. Der Dampf wird (bei Benutzung der Expansion) auf 75–80 Pfund auf den Quadratzoll englisch in den Kessel gespannt.“ [45]

Die Maschinenfabrik und Eisengießerei sollte 1875/76 vier dieser von Sharp gelieferten Dampfmaschinen auf zwei Treibachsen umbauen und dabei weitere Verbesserungen vornehmen, um den gestiegenen Anforderungen im Personenzug­dienst gerecht zu werden. [46]

Während die Erhebungen von 1848/49 und 1854 durch den Landes­gewerbverein vorgenommen wurden und die in ihm organisierten Fabrikanten gezielt angeschrieben werden konnten, bietet eine für 1847 angefertigte amtliche Statistik ein leicht anderes Bild. Allerdings erfahren wir hierbei nicht, welche Dampfmaschinen erfaßt wurden und ob bei der einen wie bei der anderen Erhebung möglicherweise vorhandene Dampfmaschinen übersehen wurden.

Tabelle 4: Tabellarische Uebersicht über die in den drei Provinzen des Großherzogthums Hessen betriebenen gewerblichen Geschäfte, nach den amtlichen Erhebungen im Jahr 1847; hier: F. Dampfmaschinen. [47]
OrdnungenBezeichnung der Fabriken etc.StarkenburgOberhessenRheinhessenZusammen
 Zahl der
 AnstaltenArbeiterAnstaltenArbeiterAnstaltenArbeiterAnstaltenArbeiter
79Für Maschinenspinnerei110110
80Für Weberei1818
81Für Walkerei210210
82Für Maschinenfabriken322216538
83Für Getreidemühlen120210330
84Für Schneidemühlen14216320
85Für sonstige Mühlen aller Art214118332
86Für den Bergbau116116
87Für die Schiffahrt22502250
88Für metallische Fabrikation aller Art1111
89Für die Eisenbahnen1274013390251130
90Für alle übrigen hier nicht genannten Zwecke1211229423
Summe der Dampfmaschinen2181043825720501568

Dieselbe amtliche Statistik vermerkt für 1847 unter der Rubrik „30 Maschinenfabriken“ 10 Fabriken in Starkenburg mit 150 Arbeitern, eine in Oberhessen mit 30 Arbeitern, drei in Rheinhessen mit 66 Arbeitern, insgesamt demnach 14 Fabriken mit 246 Arbeitern. Der Beschäftigungs­effekt ist demnach bescheiden; und bei durchschnittlich 17 Beschäftigten pro Fabrik dürften die meisten hiervon allenfalls größere Handwerksbetriebe gewesen sein. [48]

Die Maschinenfabrik und Eisengießerei wird mit den 24 allein in ihrer Gießerei beschäftigten Arbeitern zu diesem Zeitpunkt schon zu den größeren Maschinenfabriken gezählt haben, wie einem Bericht über das Eisenhüttengewerbe im Großherzogtum Hessen von 1848 entnommen werden kann.

„Kupolofengießerei in Darmstadt

Die Gießerei bildet einen Bestandtheil der unter der Firma ‚Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt‘ bestehenden Etablissements. Obgleich vorzugsweise zur Anfertigung von Maschinenguß, und zwar zunächst zum eigenen Gebrauch der Maschinenfabrik bestimmt, übernimmt die Gießerei auch jede andere Art von Gußwaaren, unter denen größere und kleinere Ornamente für das Bauwesen, wofür ein bedeutender Vorrath der mannigfachsten Modelle vorhanden ist, jederzeit einen Hauptgegenstand der Bestellungen aus der Umgegend und den benachbarten größeren Städten ausmachen.

Die Gießerei enthält 3 Kupolöfen von 10 Fuß Höhe und resp[ective] 40, 30 und 25 Zoll Weite, bis über die oberste Form. Von da an verengt sich der Raum bis zur Gicht, welche bei allen drei Oefen eine Weite von 19 Zoll besitzt. Das Futter besteht aus Kunststeinen, welche in einer naheliegenden Ziegelei aus Thon und Quarzsand hergestellt werden. Ein solches Futter hält, wenn es sich – wie hier der Fall ist – nach jeder Schmelzung abkühlen kann, mindestens 50 Schmelzungen aus, ohne bedeutender Reparaturen zu bedürfen; es ist durchschnittlich zu weiteren 25 bis 30 Schmelzungen brauchbar, wenn es in der Gegend der Formen reparirt wird. Das Futter jedes Ofens wird durch einen cylindrischen Mantel aus Eisenblech zusammengehalten.

Die beiden größeren Oefen sind mit 3, der kleinere Ofen mit 2 übereinander liegenden Formen von 6 Zoll Weite versehen. Die größeren Oefen werden durch zwei, der kleinere durch eine Form geblasen, und zwar mit kaltem Winde. Der Abguß aus diesen Oefen geschieht durch die mit Sand und einer Platte vollkommen geschlossene Brust mittelst der Stichöffnung, und je nach der Größe des Gußstücks mit Heerd-, Gabel- oder Krahnenpfannen.

Die Oefen fassen bis zu 6 Zoll unter der obersten Form, resp[ective] 86, 46 und 33 C[en]tn[e]r Eisen, welches Fassungsvermögen aber bisher nie benutzt wurde, indem man es bei über 50 Ctnr. schweren Gußstücken vortheilhafter fand, zwei Oefen in Gebrauch zu nehmen, und aus dem kleineren Ofen nur den Abguß leichterer, nicht über 10 Ctnr. schwerer Waare vornahm.

Das zum Schmelzen verwendete Brennmaterial besteht aus Koaks von Neunkirchen bei Saarbrücken, von welchen das Aufgebemaß 20 bis 24 Pf[un]d wiegt und in dem kleineren Ofen einen Eisensatz von 160 Pfd., in den beiden größeren aber, sobald nur die untere Form gebraucht wird, einen solchen von 250 und selbst 300 Pfd. trägt. Der Eisensatz besteht durchschnittlich aus 1/3 englischem Roheisen (2/3 von Nr. 1 und 1/3 von Nr. 2), und 2/3 deutschem Bruchseisen und Gießereiabfällen. Durch das Füllen der Oefen steigert sich der Brennmaterial­aufwand weiter bis zu 20 Pfd. für je 100 Pfd. aufgegebenes Eisen.

Während des Jahres 1847 wurde zwei- auch dreimal per Woche, und zwar in Posten von 50 bis 70 Ctnr. geschmolzen. Dabei bestand die erzeugte Waare aus 1200 Ctnr. leichter Handelswaare und aus 3300 Ctnr. Maschinentheilen.

Das Gebläse für die Oefen ist ein gewöhnlicher Ventilator, welcher durch die Dampfmaschine der mit der Gießerei verbundenen Maschinenfabrik betrieben wird und kräftig genug ist, um die für 4 Düsen von 6 Zoll Durchmesser nöthige Luftmasse zu liefern. Die Gebläseluft hält einer Wassersäule von 7 Zoll das Gleichgewicht.

Die Gießerei beschäftigte im Jahre 1847 durchschnittlich 24 Arbeiter, nemlich 11 bis 14 Förmer, 2 bis 3 Schmelzer und Taglöhner, 6 Modellschreiner und 2 bis 3 Schlosser und Schmiede zum Herrichten und Putzen der gröberen Waaren. Die Löhne betrugen per Mann: bei den Förmern und Schmelzern 5 fl. 30 kr. bis 10 fl., bei den Schreinern 4 fl. 48 kr. bis 7 fl., bei den Schlossern 4 bis 8 fl.“

Quelle: Das Eisenhütten­gewerbe im Großherzogthum Hessen (Schluß), in: Gewerbeblatt, Nr. 12, Dezember 1848, Seite 233–244, Zitat auf Seite 243–244. [49]

Das Darmstädter Unternehmen befand sich mit seinen drei Kupolöfen in einem durchaus scharfen Wettbewerb mit alteingesessenen Holzkohle­hochöfen, wie sie beispielsweise im Gebiet um Lahn, Dill und dem Vogelsberg bestanden, aber natürlich auch mit anderen, ähnlich strukturierten Eisengießereien im Rhein-Main-Gebiet und im Odenwald.

Die in der Gießerei beschäftigten Arbeiter dürften, eine sechstägige Arbeitswoche unterstellt, pro Tag und je nach Qualifikation zwischen 48 Kreuzern und einem Gulden 40 Kreuzer verdient haben. Zum Vergleich: Drei Jahre zuvor, im September 1844, forderte der Sektionsingenieur beim Bau der Main-Neckar-Bahn Lichthammer „lusttragende“ Maurergesellen und Handlanger dazu auf, sich im Darmstädter Büro zu melden, und bot einen Tageslohn von 40 bis 46 Kreuzern für die Maurergesellen und von 28 bis 33 Kreuzern für Handlanger an. [50]

Anzeige Privuleg erloschen.
Abbildung 6: Erlöschung von Gewerbs­privilegien. Quelle: [51]

Das Unternehmen hatte sich nicht auf Dampfmaschinen und ihre Anwendungen spezialisiert, sondern bot verschiedene Werkzeug­maschinen an, wovon auch Kapitel 4 handeln wird. Weiterhin verweist ein 1846 erteiltes Patent auf ein Engagement im land­wirtschaftlichen Bereich. Vermutlich wird auch deshalb der Preiscourant für Dampfmaschinen in einer land­wirtschaftlichen Zeitung untergebracht worden sein. Am 26. Februar 1846 jedenfalls wird

„der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt, für die Verfertigung der von Wendelin Braun in Mainz erfundenen, durch Vertrag erworbenen Maschine zum Enthülsen des Repses, auf 5 Jahre“

das Patent erteilt [52]. Ein ähnliches Privileg ertelte am 13. Oktober 1847 das Königreich Bayern auf dreieinhalb Jahre [53]. Das Privileg wurde anderhalb Jahre später zurückgezogen, weil der Nachweis des Baus einer solchen Maschine nicht erbracht werden konnte. – Landwirtschaftliche Maschinen werden durch die Arbeiter der Fabrik bis in die 1870er Jahre gefertigt und in öffentlichen Schau­veranstaltungen vorgeführt werden.

Die Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei wird fortgesetzt in Kapitel 4 – Eine Fabrik sucht neue Aufträge – und behandelt den Zeitraum um etwa 1850.

Quellen- und Literaturverzeichnis.


 

ANMERKUNGEN

 

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»» [1]   Eine umfassende Würdigung des Blumenthalviertels fehlt. Ansätze hierzu finden sich auf der Webseite des Fördervereins Johannesviertel [online] und im Stadtlexikon Darmstadt [online]. Siehe auch: Das Johannesviertel, hg. vom Magistrat der Stadt Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen [1984].

»» [2]   Die Firmenschrift zum 100jährigen Bestehen gibt keinen Hinweis auf die Installation dieser Dampfmaschine.

»» [3]   Hartmut Schainberg : Die belgische Beeinflussung der Frühindustrialisierung im Aachener Raum, ca. 1820–1860 [1997, online] schreibt auf Seite 285, die 1828 in Aachen gegründete Maschinenbau­anstalt Franz Edmundts, Cölln & Herrenkohl habe keine Dampfmaschinen gebaut, sondern habe sich auf die Herstellung von Papiermaschinen für die Dürener Papierindustrie spezialisiert. Anfang der 1840er Jahre sei es aus unbekannten Gründen zur Geschäftsaufgabe gekommen. Er bezieht sich hierbei auf die Dissertation von Carl Ahn : Die Entwicklung der Aachener Maschinenindustrie von ihrer Entstehung in der Napoleonischen Zeit bis zum Jahre 1871 [1922], Seite 56. Davon abweichend siehe auch die Datenbank von Albert Gieseler [online].

»» [4]   Zum Unternehmen siehe Hartmut Schainberg, Seite 283–285.

»» [5]   Die in Kurrentschrift geschriebenen wie in Fraktur gedruckten Buchstaben „N“ und „R“ sehen sich zum Verwechseln ähnlich, weshalb offensichtlich schon damals versierte Leser und Setzer sie verwechselten. Das dürfte ein Grund dafür sein, daß in amtlichen Dokumenten Eigennamen häufig in laterinischer Schreibschrift erscheinen. – Zum Unternehmen siehe als Kurzfassung Jochen Buhnen : Die ESW Röhrenwerke in Eschweiler [online] bzw. ausführlich Hartmut Schainberg, Seite 238–242.

»» [6]   Die Dampfmaschine wird erwähnt im Aufsatz „Eisenhüttenwesen“ in den Verhandlungen des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, II. und III. Quartalheft 1838, Seite 56. Sie sei Bestandteil der mit der 1835 erfolgten Übernahme durch die Herren Krafft und August Wernher anschließend eingerichteten Maschinen­werkstätte. Außerdem sei eine zweite Dampfmaschine, berechnet auf 21 Pferdekraft, in Arbeit. – Eine ausführliche Beschreibung nebst Zeichnung dieser Dampfmaschine wird in den Verhandlungen …, I. Quartalheft 1839, Seite 34–36, gegeben.

»» [7]   Haus der Stadtgeschichte Offenbach am Main (Hg.) : Maschinenbau und Metallwaren­fabrikation [online]. – Nach einem Industriebericht soll die Dampfmaschine zehn Schönherr'sche Maschinen­webstühle für Leinwand angetrieben haben. Ihre Leistung wird mit zehn Pferdekräften angegeben. Siehe Industriebericht aus Hessen-Darmstadt, in: Allgemeine Polytechnische Zeitung und Handlungs-Zeitung, Nº 10 vom 5. März 1840; Seite 53–54; hier Seite 53 [online bsb münchen]

»» [8]   Einer Annonce in der Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung vom 26. November 1838 ist zu entnehmen, daß Julius de Bary das vorher in Offenbach bestehende Unternehmen Houben & Co. zum 1. Januar 1838 aufgekauft und als Alleininhaber unter seinem Namen fortgeführt hat. Weitere (unvollständige) Angabe zu de Bary in der Datenbank von Albert Gieseler.

»» [9]   Zur Maschinenfabrik von J. J. Meyer siehe den anonym verfaßten Aufsatz im Polytechnischen Journal, Band 63, 1837, Nr. LXIV, Miszelle 2, Seite 310–311: Meyer's Verbesserungen an den Dampfmaschinen [pnline].

»» [10]   Hektor Rößler (jun.) : Die im Großherzogthum Hessen im Betrieb befindlichen Dampfmaschinen, in: Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, Nr. 4, Januar 1849, Seite 29–31; Nr. 7, Februar 1849, Seite 49–53; Nr. 8, Februar 1849, Seite 61–64.

»» [11]   Regensburger Zeitung vom 11. Juni 1836.

»» [12]   Großherzoglich Hessische Zeitung vom 11. Juli 1837 [online ulb darmstadt]. Das Unternehmen bezog zur Befeuerung Ruhr-Steinkohlen, die sie auch „zu den billigsten Preisen“ abgab oder mit Transport­aufschlag auch anlieferte. Siehe hierzu die Annonce in der Großherzoglich Hessischen Zeitung vom 9. Juni 1838 [online ulb darmstadt].

»» [13]   Dampf-Walz-Mühle bei Mainz, in: Großherzoglich Hessische Zeitung vom 10. November 1837 [online ulb darmstadt]. Vergleiche hierzu den inhaltlich ähnlichen Aufsatz: Die Dampf-Walzmühle des Herrn Carl Haak in Weisenau bei Mainz, in: Verhandlungen des Gewerbvereins des Großherzogthums Hessen, II. und III. Quartalheft 1838, Seite 53–54. – Die Schreibweise des Eigennamens differiert in den verschiedenen Publikationen.

»» [14]   Großherzoglich Hessische Zeitung vom 7. November 1838 [online ulb darmstadt].

»» [15]   Verhandlungen in der 6ten Sitzung der vereinigten Ausschüsse am 14ten September 1838, in: Verhandlungen des Gewerbvereins des Großherzogthums Hessen, IV. Quartalheft 1838, Seite 130ff., Zitat auf Seite 139–140. Die vierte Generalversammlung des Gewerbevereins stimmte am 15. November 1838 zu; vgl. IV. Quartalheft 1838, Seite 148. Tagesordnungs­punkt 1 derselben Sitzung der vereinigten Ausschüsse behandelte „die Resultate der Untersuchung der Biere derjenigen Bierbrauer, welche um die pro 1838 ausgesetzten Preise concurrirt haben“. Im Gegensatz zur euphorisierten Stimmung der Ausschußsitzung, die vielleicht durch eine erhebliche Konsumtion stärkender geistiger Getränke befeuert worden ist, wußte schon die Großherzoglich Hessische Zeitung am 10. November 1837 anläßlich des Abdrucks einer ähnlichen Eloge zu bemerken: „Wir haben bereits [am] 11. Juli über ein ähnliches Werk, die von Hrn. Schneider u. Comp. bei Oppenheim gegründete neue großartige Dampf-, Mahl- und Oelmühle berichtet, worauf wir hiermit verweisen. Auch bei Mannheim etc. bestehen schon ähnliche Mühlen.“

»» [16]   Fränkischer Merkur, Nr. 162, vom 11. Juni 1838.

»» [17]   Eberhard Reif kennt diese Dampfmühle nicht, sondern eine andere von ca. 1858 am Standort des ehemaligen Zollhauses, heute Turmstraße 1 [online]. Vgl. zum Brand dieser Dampfmühle in der Nacht vom 20. zum 21. Januar 1860: Wormser Zeitung vom 24. Januar 1860 [online ulb darmstadt], Darmstädter Zeitung vom 22. Januar 1860 [online ulb darmstadt] und Beilage Nr. 29 zum Großherzoglich Hessischen Regierungsblatt vom 28. November 1878 [online].

»» [18]   Münchener politische Zeitung vom 25. April 1834 [online bsb münchen]. So auch das Würzburger Journal am 2. Mai 1834.

»» [19]   Ueber Dampfwagen, in: Bayerische National-Zeitung vom 4. Oktober, Seite 1092–1094 [online bsb münchen], und 5. Oktober 1834, Seite 1096–1097 [online bsb münchen]; Zitat auf Seite 1093. In dieser oder ähnlicher Fassung erschien der Artikel zuvor beispielsweise auch in der Allgemeinen Zeitung am 25. und 26. August 1834, im Bayerischen Landboten am 1. und 2. September 1834, sowie in der Neuen Speyerischen Zeitung am 28. und 30. August 1834.

»» [20]   Basler Zeitung vom 4. September 1834 [online bsb münchen].

»» [21]   Zur Kooperation von Merck und Pabst siehe Kapitel 5. Berthold Matthäus : Die „Alte Fabrik“. Reichlich Dampf und wenig Strom. Energieversorgung bei E. Merck Darmstadt 1840–1905 [2010].

»» [22]   Industriebericht aus Hessen-Darmstadt, in: Allgemeine Polytechnische Zeitung und Handlungs-Zeitung, Nº 10 vom 5. März 1840; Seite 53–54; Zitat auf Seite 54 [online bsb münchen].

»» [23]   Annonce der Ölmühle in der Großherzoglich Hessischen Zeitung vom 17. Mai 1842 [online ulb darmstadt].

»» [24]   Gandenberger bei Jordan nach der Goebel-Firmengeschichte von Gerd Simons.

»» [25]   Hektor Rößler (jun.) : Gewerbausstellung in Brüssel im Jahr 1841, in: Verhandlungen des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen, III. Quartalheft 1841, Seite 141 ff.; Tabelle auf Seite 143. Rößler studierte den technischen Fortschritt an exponierter Stelle; auf dem europäischen Festland war die Region Lüttich hierbei in den 1820er und 1830er Jahren führend; siehe hierzu auch Hartmut Schainbergs Dissertation.

»» [26]   Berthold Matthäus, Seite 11.

»» [27]   Gewerbeblatt 1849, Seite 62. Fettschrot ist Abfall der Grubenförderung minderer Qualität und daher kostengünstiger.

»» [28]   Sie ist mitsamt der zugehörigen Tafeln als Grafikscan als Anlage 9 zur Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei online zugänglich. Zur Leistungs­fähigkeit dieser Dampfmaschine siehe auch Hektor Rößler [jun.] : Sammlung technischer Hülfsmittel. Dritter Band [1846], Seite 128–129.

»» [29]   „Wernher, Friedrich August“, in: Hessische Biografie [online] (Stand: 15.8.2019); mit Bezug auf das etwas ausführlichere Genealogische Handbuch Bürgerlicher Familien, Band 15 [1909], Seite 462–463. Zur Ludwigshütte Rudolf Reinhardt : Strukturwandel in der Eisenindustrie des Lahn-Dill-Gebietes, 1840–1914, Seite 41, 55 und 125. Zum England-Aufenthalt Max Bär : Die deutsche Flotte von 1848–1852 [1898], Seite 36.  – Passend hierzu führt das Darmstädter Adreßbuch unter der Firmenanschrift Lit. F Nr. 209 in den Jahren 1845, 1847 und 1850 August Wernher und ab 1854 Franz Horstmann. – In der „Eisenbahn-Zeitung“, Nro. 41, 11. Oktober 1846, Seite 363, wird als Mitglied aus dem Großherzogtum Hessen in einem noch zu gründenden Verein Deutscher Eisenbahn-Ingenieure und Betriebsmänner der Ingenieur Wernher als Vorsteher einer Maschinenfabrik in Darmstadt genannt.

»» [30]   Hektor Rößler (jun.) wurde am 18. September 1832 die Stelle des Rechners der Ludwigshütte übertragen; vgl. Hessisches Regierungsblatt, Nr. 82 vom 9. Oktober 1832. Er reiste zusammen mit August Wernher, dessen Wohnort mit Darmstadt angegeben wird, im Februar 1836 nach Nürnberg, vgl. Allgemeine Zeitung von und für Bayern vom 21. Februar 1836 [online bsb münchen].

»» [31]   Im Text folgt der Verweis auf folgende Anmerkung: „Beschrieben und abgebildet im Jahrg[ang] 1838 der Verhandlungen des Gr[oßherzoglichen] Gewerbvereins, Seite 112 etc.“ [d. i. Seite 112–117]. Dieser Band ist in der ULB Darmstadt nicht vorhanden, wohl aber in der Mainzer Wissenschaftlichen Stadtbibliothek und nunmehr auch als Google Digiitalisat. Im Stadtarchiv Darmstadt befindet sich die zugehörige Tafel VI mit Abbildungen der Dampfmaschine; Signatur ST 51 Nr. 133/15.

»» [32]   Eine Beschreibung einer solchen Dampfmaschine von Saulnier findet sich im Polytechnischen Journal 1828, Band 28, Nr. XXXVII, Seite 169–172: Beschreibung einer von Herrn Saulnier verbesserten Dampfmaschine [online].

»» [23]   Die Lieferung erfolgte wohl 1838 oder 1840 an das Unternehmen Buschbaum und Comp., das ab Juni 1844 als Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt fortgeführt wurde.

»» [34]   C.L.P. Eckhardt erwähnt in seiner „officiellen Darstellung des Baues der Main-Neckar-Eisenbahn“ [online] auf Seite 15 zwar die Dampfmaschine, gibt aber den Namen des Herstellers nicht an.

»» [35]   C.L.P. Eckhardt, Seite 32.

»» [36]   Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, Nr. 9, März 1854, Seite 66–70; Nr. 11, März 1854, Seite 81–85; Nachtrag in Nr. 22, Juni 1854, Seite 169 (Büchner), und Nr. 44, November 1854, Seite 345 (Buderus).

»» [37]   Vgl. Berthold Matthäus Seite 10–11. Die Jordan'sche Dampfmaschine wird – ohne Nennung des Fabrikanten – in einem Brief vom 22. Mai 1843 erwähnt, den Emanuel Merck an seinen Sohn Georg gerichtet hatte; weitere Maschinen tauchen erst in der 1851 angelegten Kladde auf. – Die Lieferung der Merck'schen Dampfmaschine von 1850/51 wird in Kapitel 5 ausführlicher behandelt.

»» [38]   Akte HStAD G 31 L, 1284.

»» [39]   Akte HStAD G 31 L, 1284. Mit der „inländischen“ Bahn ist die Main-Neckar-Eisenbahn gemeint.

»» [40]   Auszug aus dem Geschftsbericht der Pfälzischen Ludwigsbahn für 1846, in: Eisenbahn-Zeitung, Nro. 30, 25. Juli 1847 [online bsb münchen]. Vgl. auch schon Eisenbahn-Zeitung, Nro. 50, 13. Dezember 1846 [online bsb münchen]. Die beiden Dampfmaschinen werden ohne Herstellerangabe aufgeführt in Heinz Sturm : Die pfälzischen Eisenbahnen, Seite 89.

»» [41]   Statistik der Dampfmaschinen im Großherzogthum Hessen, in: Gewerbeblatt, Nr. 39, September 1857, Seite 337–338, Zitat auf Seite 338. Die Anzahl der Dampfmaschinen bis 1849 stimmt nicht mit der ersten Rößler'schen Liste überein. Sie dürfte auch sonst eher als Anhaltspunkt denn als verläßliche Unterlage dienen. So werden bei einer genaueren Aufschlüsselung dieser Dampfmaschinen für 1838 folgende Angaben gemacht: Neben der Dampfmaschine in der Darmstädter Münze kommen 1838 zwei neue Dampfmaschinen mit 32 Pferdekraft in Starkenburg dazu, eine Dampfmaschine mit vier Pferdekraft in Oberhessen und überhaupt keine Dampfmaschine in Rheinhessen. Während die Dampfmaschine in Oberhessen diejenige der Ludwigshütte sein dürfte, fehlt die 1838 gefeierte Dampfwalzmühle in Weisenau (Rheinhessen) auch noch 1839 in dieser Statistik. Das Statistische Handbuch für das Großherzogtum Hessen von 1909 vermerkt zur Tabelle 8 auf Seite 59 mit Anmerkung 6: „Die hier aufgeführte Dampfmaschine der Großh. Münzanstalt in Darmstadt war bis zum Jahr 1838 die einzige im Großherzogtum betriebene Dampfmaschine.“ Es hätte genauer heißen müssen: Unsere statistische Erhebung von 1838 förderte erstmals eine zweite Dampfmaschine zutage; denn daß mindestens eine weitere schon 1837 in Betrieb gewesen ist, ergibt sich aus der Lektüre zeitgenössischer Zeitungen. Woraus auch folgt, daß Angaben aus späteren Darstellungen grundsätzlich mit Archivalien, Zeitungen etc. aus der Früh­industrialisierung zu überprüfen sind.

»» [42]   Dampfmaschinen im Großherzogthum Hessen, in: Mittheilungen der Großherzoglich Hessischen Centralstelle für die Landesstatistik, Nr. 14, September 1863, Seite 177–179, Zitat auf Seite 179. Auf derselben Seite finden sich die beiden unterschiedlichen Angaben zur Zahl der Lokomobile der Hessischen Ludwigsbahn. Vgl. denselben Aufsatz auch in: Notizblatt des Vereins für Erdkunde etc., Nr. 19, Juli 1863, Seite 102–104. – Zur Entwässerungsmaschine in Oppenheim siehe den Aufsatz: Die Entwässerungs-Maschine für die Gemarkungen Oppenheim, Dienheim und Ludwigshöhe im Großherzogthum Hessen, in: Polytechnisches Journal, 1861, Band 160, Nr. LII., Seite 179–183 [online]. Diese Dampfmaschine war schon im August 1855 ausgeschrieben worden; vgl. Annonce in der Darmstädter Zeitung vom 21. August 1855.

»» [43]   Frankfurter Journal vom 28. März 1858 [online bsb münchen]. Selbst hier werden Herstellungsjahr und Herkunft der Maschine nicht genannt. Bei Dampfkesseln sieht die Aktenlage ganz anders aus. Im Bestand HStAD G 15 Darmstadt finden sich eine Fülle von Unternehmen aus Darmstadt und der nächsten Umgebung, die das Aufstellen von Dampfkesseln zur Genehmigung beantragt und meist auch umgesetzt haben. Ähnlich sieht die Situation bei anderen Kreisämtern aus. Daneben gibt es mit HStAD G 43 A ein ganzes Aktenkonvolut in fünfundzwanzig Archivkartons, in welchen die Akten der früheren Dampfkessel­inspektion bis 1945 alphabetisch nach Orten grob vorsortiert abgelegt sind. Diese Akten sind in Arcinsys jedoch nicht detailliert verzeichnet und beginnen kurz vor 1900 und umfassen nur die Provinzen Starkenburg und Oberhessen, nicht jedoch Rheinhessen.

»» [44]   Notizen über Leistungen, Brennstoff-Bedarf und Preise von Dampfmaschinen, in: Zeitschrift für die landwirthschaftlichen Vereine des Großherzogthums Hessen, Nr. 18, 30. April 1850, Seite 155–157; hier wiedergegebener Abschnitt auf Seite 157.

»» [45]   Die Lokomotiven auf den Eisenbahnen im Großherzogthum Hessen, in: Gewerbeblatt, Nr. 16, April 1849, Seite 126–127, Zitat auf Seite 127.

»» [46]   Zum Umbau der Sharp-Lokomotiven siehe ausführlicher Kapitel 15.

»» [47]   Diese hier auszugsweise wiedergegebene Tabelle findet sich im Gewerbeblatt, Nr. 45, November 1849, Seite 358–359.

»» [48]   Gewerbeblatt, Nr. 36, September 1849, Seite 287. Das Digitale Archiv Hessen-Darmstadt nennt auf seiner Seite über die Industrialisierung im Großherzogtum Hessen abweichend 33 Dampfmaschinen für 1849 und 83 für 1854, leider ohne Quellenangabe.

»» [49]   Die hier angegebenen Löhne sind die gezahlten Wochenlöhne. Vgl. auch die fast wortgetreue Wiedergabe in Peter Mischler : Das deutsche Eisenhüttengewerbe vom Standpunkt der Staatswirthschaft mit Benutzung amtlicher Quellen, Erster Band, 1852, Seite 525–526.

»» [50]   Annonce in der Großherzoglich Hessischen Zeitung vom 30. September 1844.

»» [51]   Königlich Bayerisches Amts- und Intelligenzblatt für die Pfalz, Nº 43 vom 14. Juli 1849. [online bsb münchen].

»» [52]   Verzeichniß der im Großherzogthum Hessen vom Jahre 1827 an ertheilten Erfindungspatente (Schluß), in: Gewerbeblatt, Nr. 43, Oktober 1850, Seite 338–342, Zitat auf Seite 339. – Ein ähnliches Gesuch reichte die Maschinenfabrik und Eisengießerei 1846 beim Innenministerium von Württemberg ein; siehe Landesarchiv Baden-Württemberg, Haupt­staatsarchiv Stuttgart, Bestand E 143 Bü 1551 [nicht eingesehen]. Das Patent wurde erteilt; siehe Regierungsblatt für das Königreich Württemberg, Nº 18, vom 15. April 1847, Seite 146–147 [online].

»» [53]   Münchener politische Zeitung vom 20. December 1847 [online bsb münchen].


 
 
 
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