Fabrik. Blick auf das Fabrikgelände. Quelle: Adreßbuch 1908.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Die Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt

Kapitel 5: Ein Lob aus München erreicht Darmstadt

Das seit 1837 als Buschbaum & Comp. bestehende und 1844 zur Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt umfirmierte Unternehmen wurde mit Unterstützung der ebenfalls in Darmstadt ansässigen Bank für Handel und Industrie 1857 in eine Aktien­gesellschaft umgewandelt. Die Liquidation des Unternehmens wurde mit der General­versammlung am 21. Dezember 1878 eingeleitet.

Kapitel 5 behandelt die Unternehmens­geschichte von etwa 1850 bis 1856. Hektor (oder vielleicht auch sein Bruder Friedrich) Rößler bahnt eine langfristige Geschäfts­beziehung mit dem noch recht kleinen Unternehmen von Heinrich Emanuel Merck an, liefert Maschinen für die Hessische Ludwigsbahn nach Mainz und heimst bei einer Industrie­ausstellung 1854 ein Lob aus München ein.


Dieses Kapitel zur Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei ist die Fortsetzung von Kapitel 4 – Eine Fabrik sucht neue Aufträge –, welches den Zeitraum um 1850 herum behandelt hat.

Chemische Forschung benötigt Dampf

Mit der Herausgabe seiner Schrift „Pharmaceutisch-chemisches Novitäten-Cabinet“ legte der Darmstädter Chemiker und Inhaber der Engel-Apotheke Heinrich Emanuel Merck 1827 den Grundstock für ein Industrieunternehmen, das bis heute weitgehend im Familienbesitz verblieben ist und global zu den großen chemisch-pharmazeutischen Betrieben zählt. Aus einzelnen Garten- und Ackergrund­stücken an der östlichen Peripherie des noch kleinen, politisch eher verschlafenen Darmstadt erwuchs eine immer größer werdende Fabrikanlage, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Norden, an die Grenze zur Gemeinde Arheilgen, verlegt wurde. [1]

Symptomatisch für die Anfänge der chemisch-pharmazeutischen Produktion Emanuel Mercks ist es, daß die ersten Labor- und Fabrikgebäude „im Garten“ erbaut wurden und unter selbiger Bezeichnung auch in den ersten Kontenbüchern des Unternehmens erscheinen. Die in den 1830er Jahren beginnende Produktion erstreckte sich nicht nur auf die von Emanuel Merck systematisch erforschten Alkaloide.

Stadtplan um 1846.

Abbildung 1: Ausschnitt aus dem „Plan der Residenz Darmstadt“ von Eduard Wagner, gedruckt bei Leske um 1846 [tukart].

Östlich der Altstadt mit den slumartig verwinkelten Gassen und den Buchstaben des Brand­versicherungs­katasters von A bis D befand sich die Stadtmauer, von der heute nur noch wenige Reste vorhanden sind. Der Schloßherr (am linken Bildrand) genoß gewiß einen herrlichen Ausblick auf seine in elenden Behausungen untergebrachten Untertanen. Hinter den alten Mauern erstreckten sich die Acker- und Wiesenflächen entlang des Mühlwegs, auf denen Heinrich Emanuel Merck (M), Georg Friedrich Pabst (P) und andere Fabrikanten ihre Werkstätten, Laboratorien und „Fabriklokale“ eingerichtet hatten. Selbst 1846 ist von der späteren, sich weit ausdehnenden Fabrik noch nicht viel zu sehen. Die im Stadtplan eingezeichneten Rundethurmgasse und Soderstraße mögen Anhaltspunkte für die Lage dieses Geländes geben, das heute mit seinen Straßenschneisen und der Wohnbebauung vollkommen anders aussieht.

Als 1831 dem Großherzogtum eine sich von außen nähernde Choleraepidemie drohte [2], rüstete Emanuel Merck sein Laboratorium schnell auf und mischte in einer improvisierten Fabrik größere Mengen Chlorkalk als Desinfektionsmittel zusammen.

Mit Chlorkalk gegen die Cholera

„Kaum hatte Herr Merk nur Versuche gemacht, etwas mehr Chlorkalk zu erzeugen, als für den Bedarf seiner Apotheke nöthig war, so liefen auch so bedeutende und ängstlich geforderte Aufträge ein, daß, für die gesteckte Zeit, nur eine Fabrik von großer Ausdehnung dieselben zu fördern vermochte. Ist die fabrikmäßige Darstellung des Chlorkalks (wir meinen nämlich den zu 100° Gay-Lussac) an und für sich eine schwierig zu lösende Aufgabe, indem sie den Mineralogen, wie den stöchiometrisch gebildeten Chemiker, im gleichen Grade in Anspruch nimmt, so ist der Plan, eine Chlorkalkfabrik für Darmstadt schnell ins Leben treten zu lassen, für besonders gewagt zu halten. In einem zu den Gartengebäuden des Herrn Merk gehörigem Locale wurde schnell ein Heerd mit 24 kupfernen Kesseln, von denen je 2 eine gemeinschaftliche Feuerung hatten, aufgeführt, und das Ganze mit einem Schornsteinbusen versehen. Die Kessel waren von einer Weite und Tiefe gewählt, daß ein Vitriolöl-Ballon [3], der auf einem Strohkranz in dieselben eingesetzt wurde, sicher darin gehandhabt werden konnte. Jeder der so verwahrten Ballons wurde mit einer Mischung aus Salz- und Schwefelsäure, und zuletzt mit der entsprechenden Menge Manganüberoxyds (Pyrolusits) versehen. Ein bleierner durchbohrter Pfropf verengte die Oeffnung der Flasche; in ihn paßte eine eigenthümlich construirte zweischenkliche bleyerne Röhre, die in eine zweihälsige Woulfische Flasche führte. Die eine Oeffnung dieser letzteren war mit einem gläsernen Rohre versehen, welches unter das Vorschlagswasser reichte; mit dem zweiten ward eine andere, zweischenkliche Röhre verbunden, welche in eine eigenthümlich construirte bleierne kühlgehaltene Vorlage ausmündete, in der die Absorbtion des Chlorgases vom trockenen Kalkhydrate vor sich gehen sollte. Die Schließung der Röhren mit der Zwischenvorlage und des bleiernen Absorbtions-Gefäßes geschah durch Wasser (Wasserlutirung). Nachdem alles luftdicht von den Chlorerzeuger bis zum Kalkhydrate verbunden war, ward dieser selbst, d. i. der Ballon in dem Kessel mit Wasser umgeben, und hierauf langsam, je nach dem Gange der Chlorentwicklung, welcher bequem durch durch die gläserne Zwischenvorlage beobachtet werden konnte, bis zum Kochen erhitzt. Zwei Arbeiter besorgten das Beschicken der Flaschen, und ein dritter das Löschen des Kalks, so wie das Füllen und Leeren der bleiernen Vorlagen.

Mit jedem Chlorerzeuger konnten alle 36 Stunden 18 bis 20 Pfund Chlorkalk zu 100° G. L. gefertigt, folglich mit den 24 Chlorerzeugern alle 2 Tage über 4 Centner dieses Präparats gefördert werden.

Obgleich die ganze Fabrik eine Nothanlage war, denn statt der kupfernen Kessel hätten eiserne, statt des Wasserbades das Sandbad, statt des Vitriolöl-Ballons eigenthümliche Kolben und an die Stelle der bleiernen Vorlage solche aus Steingut bei weitem mehr Vortheil gewährt, so calculirte sich, bei dem damaligem Stande der Dinge das Fabrikat dennoch, und konnte in dieser Hinsicht mit dem französischen concurriren, abgesehen davon, daß das französische oft um 33 % an Qualität geringer war. Mit Zeit und Muße hätte also Herr Merk das Fabrikat vervollkommnen und bei anderweitig günstig bleibenden Umständen, namentlich hinsichtlich des Preises der Säuren dem Lande ein Etablissement sichern können, dessen Mangel täglich fühlbarer wird *). In der Anlieferung der Säuren traten jedoch Verhältnisse ein, die Herrn Merk veranlassen mußten, die Fabrik aufzugeben, wenn gleich dieses für die kurze Dauer des Bestehens derselben – vom Oct. 1831 bis zum Dec. desselben Jahres – nicht ohne Verlust geschehen konnte.“

In der mit Stern versehenen Anmerkung heißt es:

„Vermittelst der eigenthümlichen Methode war es Herrn Merk nämlich möglich, Chlorkalk bis zu 100° G. L. anzufertigen, d. i. zu einer Qualität, wie dasselbe selbst bis jetzt noch, nur von der Fabrik zu Dieuze [4] geliefert werden kann. Die Consumenten befreundeten sich auch mit diesem, zur Zeit der Merk'schen Fabrik in den Bleichereien und den Papierfabriken noch wenig gekannten Präparate sehr bald, und in einem solchen Umfange, daß gegenwärtig der Bedarf darin für das Großherzogthum um 10 Mal größer als vor 3 Jahren anzuschlagen ist.“

Quelle: Nachricht von mehreren chemischen Fabriken im Großherzogthum Hessen, 1835, [5].

Annonce Pabst.
Abbildung 2: Annonce der Chemischen Fabrik von Pabst & Comp. in der Groß­herzoglich Hessischen Zeitung vom 8. Dezember 1836.

Ende der 1830er Jahre ließ Emanuel Merck durch Arbeiter aus Darmstadt und wohl auch der näheren Umgebung große Mengen an Stearinkerzen herstellen. Sein Partner in diesem durchaus lukrativen Geschäft war Georg Friedrich Pabst, ein Geschäft, das Merck 1841 ungern nur deshalb wieder aufgab, weil es ihm an der Zeit fehlte, das Geschäft selbst ausreichend zu überwachen. Pabst scheint das Geschäft alleine nicht weitergeführt zu haben, denn im September 1841 bot er das Firmengelände am Mühlweg zum Verkauf oder zur Vermietung an. Demnach bestand das Gelände unter anderem aus einem 100x70 Fuß großen Haus:

„Der untere Stock ist zu Geschäftsräumen eingerichtet; der mittlere Stock enthält 5 schöne Zimmer nebst Küche und dergl[eichen]; der Kniestock ebenfalls 5 Zimmmer [sic!] mit anderen Räumen;“

Hinzu kam ein kleineres Haus mit Stallungen und Nebengebäuden, sowie weitere zu Fabriklokalen eingerichtete Nebengebäude mit einem 102 Fuß hohen Kamin für Dampfkessel­feuerung. Ein Dampfkessel könne mit abgegeben werden. Eine zugehörige Hofreite wird ausdrücklich mit fließendem Wasser und zwei Brunnen angepriesen, was in einer Stadt, in der sich insbesondere in den Sommermonaten regelmäßig größerer Wassermangel bemerkbar machte, ein wichtiges Accessoire gewesen sein wird. [6]


Firmenkurzgeschichte.

Abbildung 3: Kurzer Abriß der frühen Merck'schen Unternehmens­geschichte mit der Erwähnung der ersten Dampfmaschine von 1843. Quelle: Das Merck-Blatt, Jahrgang 1952, Nr. 1, Seite 18 (Merck-Archiv).


Ob Emanuel Merck das hier angebotene Grundstück oder Teile davon selbst übernommen hat? Jedenfalls reicht ihm Anfang der 1840er Jahre der unstete Zufluß des Darmbachs als Antriebskraft nicht mehr aus, so daß er beim Fabrikanten und Stadtbaumeister Johannes Jordan eine Dampfmaschine in Auftrag gibt. Der Gedanke des folgenden bei Berthold Matthäus vorzufindenden Zitates …

„Der äußerst umtriebige Hector Rößler senior hat von höchster Stelle das Privileg erhalten, auch eine mechanische Werkstatt betreiben zu dürfen, die sich dann sehr schnell zu einer Maschinenfabrik entwickelt, in der die neuesten und besten Einrichtungen für das gesamte Münzwesen produziert werden und die sich des besten Rufs erfreut. Es ist durchaus möglich, daß die zweite Dampfmaschine in Darmstadt 1843 für die Merck'sche Fabrik in diesem Werk des ‚Großherzoglichen Münzraths‘ Rößler gebaut wird.“ [7]

… hat zwar etwas für sich, ist aber unzutreffend. Wie aus der in Kapitel 3 ausführlich vorgestellten Dampfmaschinen­liste von 1849 hervorgeht, wurde die Merck'sche Dampfmaschine von 1843 durch die Arbeiter des Maschinen­fabrikanten Johannes Jordan hergestellt. Ohnehin hatte der als Münzmeister fungierende und 1832 zusätzlich mit dem Titel (dem sogenannten „Charakter“) eines Münzrats versehene Hektor Rüßler seine Werkstätte nur von 1807 bis 1832 betrieben. Das anschließende Vakuum wurde erst von Johann Ludwig Buschbaum 1837 mit einer Fabrik auf der Rößler'schen Hofreite an der Arheilger Chaussee gefüllt (siehe Kapitel 2). Auch war diese Dampfmaschine nicht die zweite, sondern die dritte in Darmstadt, denn die zweite wird irgendwann zwischen 1837 und 1842 von Keßler und Martiensen in Karlsruhe an die Buschbaum'sche Fabrik geliefert worden sein.

Diese fehlerhafte Zuordnung soll das Verdienst von Berthold Matthäus nicht schmälern, der mit seinen Büchern über die Energieversorgung bei Merck einiges an Pionierarbeit geleistet hat [8]. Ohne seine Vorarbeit zur Energieversorgung der Merck'schen „alten Fabrik“ wäre ich weder auf die Bedeutung der Dampfmaschinen für die Entstehung der Maschinenfabrik und Eisengießerei noch auf den Zusammenhang mit dem Unternehmen Buschbaum & Comp. aufmerksam geworden. Die Maschinenfabrik und Eisengießerei wird in den Dokumenten und Kontobüchern der frühen Merck'schen Fabrik erstmalig 1849 faßbar. Ob schon zuvor Kontakte bestanden haben, läßt sich anhand der Unterlagen aus dem Merck-Archiv nicht beantworten. Bemerkenswert hingegen ist, daß die 1843 gelieferte Dampfmaschine in der zweiten hessischen Dampfmaschinen­liste von 1854 nicht mehr aufgeführt wird. Auch in den Unterlagen des Merck-Archivs wird sie schon 1851, bei der Anlage des Hauptkontobuchs, nicht mehr erwähnt. Ob sie sich als untauglich erwiesen hat, stillgelegt oder verkauft wurde, ist somit unklar.

Am 27. November 1849 schließen Emanuel Merck und Hektor Rößler [9] einen Vertrag zum Bau und zur Lieferung einer weiteren Dampfmaschine für das am Ostrand der Stadt expandierende Unternehmen. Das Digitalisat des Vertragstextes ist als Anlage zur Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei publiziert.

Vertrag

zwischen Herrn Medicinalrath Merk dahier einerseit's und der Maschinenfabrik & Eisengießerei zu Darmstadt anderseit's wurde heute nachstehender Vertrag abgeschlossen.

§ 1.

Die Maschinenfabrik & Eisengießerei zu Darmstadt liefert dem Herrn Medicinalrath Merk eine Dampfmaschine ohne Kessel von 8 Pferdekräfte zum Betrieb seines dahier gelegenen Etablissementes.

Dieselbe soll mit der größten Solidität Eleganz verbinden & speziell in folgender Art construirt sein.

Die Maschine wird eine sogenannte Hochdruckmaschine mit veränderlicher Expansion zwischen 3/16 & ½ des Kolbenlaufes und mit der Einrichtung zur Benutzung des Dampfes während des ganzen Kolbenlaufes; dabey wird dafür Sorge getragen die Maschinentheile der stärksten Kraftentwicklung entsprechend stark genug zu machen.

§ 2.

Demzufolge begreift die Lieferung in sich:

Die eigentliche Maschine /: ohne Kessel :/ mit Expansion Vorrichtung, Dampfkessel­speisegänge für beide vorhandene Dampfkessel zugleich an[ge]wandter mit Vorwärmer bis inclusiv Schwungrad & dessen Welle nebst hinteres Wellenlager mit Fundamentplatte, aller Fundament & Befestigungs­schrauben und mit 20 Fuß Dampfröhren.

§ 3.

Die Lieferung und Aufstellung [… ?] Ingangsetzung soll vom Tage der Unterzeichnung des Vertrages in 5 Monaten erfolgen und zwar ganz auf Kosten der Maschinenfabrik & Eisengießerei.

Hingegen wird sich Herr Medicinalrath Merk verpflichten alle Steinhauer & Maurer Arbeiten die zur Aufstellung der Maschine nothwendig sind auf seine Kosten herzurichten.

§ 4.

Für die ganze Lieferung erhält die Maschinenfabrik & Eisengießerei zu Darmstadt die Summe von fl. 3400. geschrieben Dreitausend vierhundert Gulden, & zwar

§ 5.

Dagegen garantirt die Maschinenfabrik & Eisengießerei für die von Ihr gelieferten Maschine hinsichtlich der Stärke, der Kraftäußerung, so wie für die Güte der Construction & des Materials 18 Monate vom Tage der Ingangsetzung an.

§ 6.

Die Fabrik übernimmt ohne Vergütung anzusprechen in ihrem eigenen Lokale das Anlernen eines Maschinisten.

§ 7.

Alle Zeichnungen die zur Aufstellung nothwendig sind werden gratis geliefert.

§ 8.

Der Vertrag ist doppelt ausgefertigt, von beiden contrahirenden Theilen unterschrieben, und von jedem ein Exemplar zur Hand genommen.

So geschehen.

Darmstadt der 27te November 1849.

Roeßler           Albert Frey [10]

Emanuel Merck gründete 1850 mit seinen Söhnen Carl, Georg und Wilhelm eine Geschäftssozietät und bereitete so den Übergang des von ihm begründeten Unternehmens in die Hände seiner Söhne vor. Im selben Jahr lieferte die Maschinenfabrik und Eisengießerei vertragsgemäß die Dampfmaschine, die vielleicht erst Ende des Jahres abgenommen worden sein dürfte, denn die Verbuchung der Zahlung der Gesamtsumme erfolgte am 7. Juni 1851. Dieser Vorgang ist auch schon deshalb von Interesse, weil diese Dampfmaschine zusammen mit zwei von J. S. Fries Sohn in Sachsenhausen gelieferten Dampfkesseln die ersten Buchungen der Rubrik „Fabrik­utensilien & Maschienen im Garten“ des 1851 neu angelegten Konten­hauptbuchs „Mobilien & Geraethschaften Conto“ sind.

Ausschnitt des Kontenbuchs.

Abbildung 4: Verbuchung der von der Maschinenfabrik und Eisengießerei gelieferten Dampfmaschine im Hauptkontenbuch. Quelle: Merck-Archiv S7/1180, fol. 88.

Den hier vorliegenden Buchungen zufolge scheint die Maschinenfabrik und Eisengießerei zusätzlich Röhrenleitungen im Wert von 425,59 Gulden und eine Dampfleitung ins Laboratorium für 210,34 Gulden geliefert zu haben. Die Gesamtsumme von 4036,33 Gulden wurde offenbar auf 3000 Gulden gerundet. Zu berücksichtigen ist, das ausweislich einer Notiz auf dem Liefervertrag schon am 1. Dezember 1849 1.133,20 Gulden bezahlt worden waren. Dennoch bleibt eine Differenz von 96,47 Gulden, die nicht näher erklärt wird.

Ob die nachfolgend verbuchte Steinmühle nebst Transmission ebenfalls von der Maschinenfabrik und Eisengießerei geliefert wurde, ist zwar möglich, aber hier nicht zu entscheiden. Dasselbe gilt für die zum 7. Juni 1851 ebenfalls verbuchte Lieferung von zwei Platten und einer Kaminkappe für den Schornstein, wohl des zugehörigen Dampf­kesselhauses. Leider werden bei den ersten Buchungen dieser Rubrik des Hauptkontenbuchs die Lieferanten nur vereinzelt genannt. [11]

In den Folgejahren scheint die Maschinenfabrik und Eisengießerei nur zu kleineren Lieferungen herangezogen worden zu sein. Dies sollte sich mit ihrer Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1857 grundlegend ändern, wobei dies wohl eher der forcierten Expansion der Fabrik der Gebrüder Merck geschuldet sein dürfte. Im Hauptkontobuch von Merck sind 1852 und 1853 folgende Lieferungen erfaßt:

Bei der ersten Buchung fällt auf, daß das Altmaterial mit der neuen Lieferung verrechnet worden ist. Dieser Vorgang scheint wohl üblich gewesen zu sein und ergibt auch Sinn, wenn die Maschinenfabrik und Eisengießerei das Altmaterial in ihren Kupolöfen wieder einschmelzen konnte. Für 1854 bis 1856 gibt es keine weiteren Buchungen für Lieferungen der Maschinenfabrik und Eisengießerei.

»»  Eine ausführliche Darstellung der Geschäftsbeziehung zwischen der Maschinenfabrik und Eisengießerei und der Merck'schen Fabrik wird Kapitel 8 – Ein Monteur geht zu Merck – für den Zeitraum von etwa 1849 bis 1879 bieten.

Der Kristallpalast lockt … nicht

Als Darmstädter Münzrat galt Hektor Tößler als Experte auf dem Gebiet der Metallurgie. Im Indizienprozeß gegen den Diener Johann Stauff in Darmstadt, der die Gräfin von Görlitz 1847 ermordet haben soll, als sie ihn beim Diebstahl ihres Schmucks ertappt hatte, wurde er am 27. März und am 2. April 1850 zweimal gehört. [13]

Im Londoner Hyde Park wurde 1851 die erste Weltausstellung abgehalten. Die Great Exhibition lockte vom 1. Mai bis zum 11. Oktober über 17.000 Ausstteller aus 27 Ländern. Auch aus dem Großherzogtum Hessen kamen 74 Aussteller, davon vierzehn aus Darmstadt.

Möglicherweise hatte die Darmstädter Maschinenfabrik ursprünglich vor, sich an dieser Welt­ausstellung mit einer Münzmaschine zu beteiligen. Ob diese Absichts­erklärung in eine verbindliche Anmeldung mündete oder gar in einer Teilnahme, ist nicht so recht klar. Das nachfolgend gedruckte Amtliche Verzeichnis für die Zollvereins­staaten vermeldet jedenfalls keine Anmeldung oder gar Anwesenheit der Rößler'schen Maschinenfabrik. Ähnliches wird uns elf Jahre später bei der zweiten Londoner Weltausstellung begegnen. [14]

Ein Auftrag aus Mainz

Was bei der Eisenbahnwerkstätte der Main-Weser-Bahn in Gießen nicht zu erreichen war, nämlich eine Dampfmaschine unterzubringen (siehe Kapitel 4), sollte in Mainz gelingen.

Von 1848 bis 1853 ließ die Hessische Ludwigsbahn – mit zeitlichen Unterbrechungen und Verzögerungen durch die bürgerliche Revolution von 1848/49 und eigene finanzielle Probleme – durch ihre Arbeiter einen Schienenstrang von Mainz nach Worms und weiter bis an die pfälzische Grenze legen. Dort schloß das Gleis der Pfälzischen Ludwigsbahn bis Ludwigshafen an. Diese Stammstrecke der in Mainz ansässigen Aktien­gesellschaft sollte in den Folgejahren Ergänzungen nach Alzey, Bingen, Frankfurt, Darmstadt und Aschaffenburg erhalten. Der Streckenbau wurde ergänzt durch die zentralen Bahnhofs- und Werkstatt­einrichtungen in Mainz. Hierbei kam die Maschinenfabrik und Eisengießerei aus Darmstadt mit der Lieferung einer Dampfmaschine und mehrerer Werkzeug­maschinen zum Zuge. Der detaliierte Tätigkeitsbericht des Verwaltungsrates der Gesellschaft für die Aktionärs­versammlung am 29. Mai 1854 nennt die Maschinenfabriken in Darmstadt, Karlsruhe und Pforzheim als Lieferanten. Mit der Karlsruher dürfte Keßler und mit der Pforzheimer Fabrik Benckiser gemeint sein. [15]

Bericht des Verwaltungsrates (Auszug).

Abbildung 5: Auszug aus dem Bericht des Verwaltungsrates der Hessischen Ludwigsbahn zur Erbauung und Einrichtung der Werkstätten, vorgelegt 1854.

So detaliiert der Bericht auf der einen Seite Lieferungen und ihre Kosten auflistet, so ungenau ist er in Bezug darauf, welches der drei Unternehmen welche Maschinen und Werkstatt­einrichtungen geliefert hat. Nur bei der Dampfmaschine herrscht Klarheit – sie stammte aus Darmstadt und kostete mitsamt der Transmission 5.656 Gulden und 52 Kreuzer. Diese Lieferung ging schon aus der zweiten Dampfmaschinenliste hervor, die Hektor Rößler (jun.) 1854 zusammengestellt hatte, auch wenn er seltsamerweise als Abnehmer die Pfälzische Ludwigsbahn benennt.

Weshalb die Hessische Ludwigsbahn ein Darmstädter Unternehmen für die Einrichtung ihrer zentralen Werkstätte herangezogen hat und keines aus Mainz, werden wir wohl nicht mehr erfahren. Vielleicht half es der Maschinenfabrik und Eisengießerei, daß sie Referenzen der Main-Neckar-Eisenbahn, der Pfälzischen Ludwigsbahn und der Main-Weser-Bahn vorweisen konnte. Die beiden Dampfmaschinen­listen von 1849 und 1854 erwähnen immerhin die Mainzer Maschinen­fabrikanten Michael und Martin Aleiter. Aber waren diese auch in der Lage, die benötigten Maschinen in der erforderlichen Qualität herzustellen? Gab es deren Unternehmen überhaupt noch? Interessant wäre es zu erfahren, ob das Finanzministerium zugunsten von Rößlers Maschinenfabrik intervenierte, zumal der hessische Staat als Aktionär und Kontrollorgan Einfluß auf die Vergabepraxis des Unternehmens ausüben konnte. Unterlagen hierzu sind mir (bislang) nicht bekannt. Die Lieferung der Dampfmaschine und einiger nicht näher spezifizierter Werkzeug­maschinen belegen zwar den Ruf des Darmstädter Unternehmens, das hier in einem Atemzug mit Keßler und Benckiser erwähnt wird, aber außer der Tatsache der Lieferung selbst erfahren wir nichts. Bald darauf treffen wir das Unternehmen in München an.

Ein Lob aus München

Am 15. Juli 1854 wurde in München die „allgemeine deutsche Industrie-Ausstellung“ mit einem Festakt und den üblichen Lobhudeleien auf das bayrische Königspaar eröffnet. In den folgenden drei Monaten sollten knapp 200.000 Menschen die Ausstellung im eigens für rund eine Million Gulden hergerichteten Glaspalast (einschließlich der Nebengebäude) besuchen, obwohl zu dieser Zeit in München die Cholera grassierte. Die Ausstellung wurde um drei Tage bis zum 18. Oktober 1854 verlängert. [16]

Der Katalogband zur Ausstellung enthält 6897 Nummern, die oftmals aber als nicht belegt gekennzeichnet sind, was darauf verweist, daß einzelne Anmeldungen nicht durch die Teilnahme an der Ausstellung wahrgenommen worden sind. Gesichert ist die Anwesenheit von 5966 Ausstellern. Darunter waren mehrere Unternehmen aus Darmstadt, so auch die Maschinenfabrik und Eisengießerei. Unter der Katalognummer 3094 wird eine Münzpräge­maschine und eine Feilmaschine der Fabrik aufgeführt. Abweichend hiervon vermerkt der Bericht der Beurteilungs­kommission – vermutlich anstelle der Feilmaschine oder zu deren Präzisierung – eine Rundhobelmaschine, die beschrieben wird als

„in großen Dimensionen ausgeführt mit verticaler und horizontaler Bewegung des Tisches, selbstgehender Kreishobelung und Meißelspannung mit Charnierstück, sowie mit Vor- und Rückgang des Tisches“.

Die in Darmstadt hergestellte Münzprägemaschine stand ein wenig im Schatten ihres Vorbildes, das ursprünglich von Diedrich Uhlhorn konstruiert worden war.

„Unter den Münzprägmaschinen nimmt die gangbar aufgestellte Kniehebelpresse zum Prägen von Doppelthalern in glattem Ringe von Heinrich Uhlhorn (Firma Dietrich Uhlhorn Nr. 5409) mit der Fabriknummer 90, die erste Stelle ein. In ihrer ganzen Einrichtung als ausschließlich deutsche Erfindung zu bezeichnen, hat diese Prägmaschine außer in den Münzstätten fast des ganzen Continentes auch im fernsten Auslande Geltung, und in England im Jahre 1851 die höchste Auszeichnung erlangt. Ebenso sinnreich und zweckentsprechend als das Constructionsprincip im Allgemeinen, sind die einzelnen Einrichtungen zur Hemmung des Ganges bei vorgekommenen Unregelmäßigkeiten und zur Erzielung schärferen Druckes. Die Vollendungsarbeit kann kaum durch eine andere Leistung überboten werden. – Nach gleichem Systeme ausgeführt war die kleinere Münzprägmaschine von der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt (Nr. 3094) für Scheidemünze und halbe Gulden bestimmt; nur war bei derselben die Auflagerung des Kniehebels kugelförmig und die Keilstellung befand sich nicht im Kniehebel, sondern oberhalb an den Widerlagern desselben.“

Folgerichtig erhielt die Uhlhorn'sche Maschine die Große Denkmünze „wegen Originalität der Erfindung, und der anerkannt ausgezeichneten Leistungen seiner Münzpräge­maschine, sowie wegen neuerer wesentlicher Verbesserungen an derselben“. Für die Maschinenfabrik und Eisengießerei sprang hingegen nur eine „belobende Erwähnung“ heraus „wegen guter Arbeit an den ausgestellten Maschinen“. Ein Mitglied der zwölfköpfigen Beurteilungs­kommission war der Darmstädter Stadtbaumeister und Maschinen­fabrikant Johannes Jordan.

Diese drittrangige Auszeichnung nach der Großen Denkmünze und der Ehrenmünze sollte daher nicht überbewertet werden. Neben der Maschinenfabrik und Eisengießerei aus Darmstadt erhielten in der V. Gruppe „Maschinen“ aus dem Großherzogtum Hessen die Gebrüder Heim aus Offenbach eine Ehrenmünze „für die ausgezeichnet ausgeführten und mit einzelnen zweckmäßigen Verbesserungen versehenen Maschinen für Buchdrucker, Buchbinder und Portefeuille­arbeiter“ und die Gebrüder Schmaltz aus Offenbach eine belobende Erwähnung „wegen lobenswerther Ausführung der Werkzeugmaschinen“. Die in derselben Kategorie untergebrachte Firma Dick und Kirschten aus Offenbach erhielt die Große Denkmünze nicht nur für die geschmackvolle und solide Ausführung der ausgestellten Wagen, sondern auch „wegen der bekannten verdienstlichen Leistungen dieser Fabrik im Wagenbau“, womit deutlich wird, daß auch das außerhalb der Ausstellung angesiedelte Image des Unternehmens mitbewertet wurde. Wir werden bei der Besprechung späterer Ausstellungen immer wieder sehen, daß die Auszeichnungen geradezu inflationär verteilt wurden. Beurteilt wurden nominell 6.798 Aussteller (vorhanden waren ja nur 5966); es wurden 287 große Denkmünzen, 1.036 Ehrenmünzen und 1.627 ehrenvolle Erwähnungen vergeben, was einer Belobigungsquote von fast 50% entspricht! Besonders anspruchsvoll und differenzierend sieht solch ein Bewertungssystem nun wahrlich nicht aus.

Eine genauere Untersuchung über dieses Phänomen inflationsartig vergebener Medaillen und Preise scheint es bislang nicht zu geben, von einer kritischen Würdigung ganz zu schweigen. Immerhin läßt sich dem Begleitband zur Ausstellung „Rauchende Schlote – Die Industrialisierung Südhessens im Spiegel historischer Briefköpfe“ des Hessischen Wirtschaftsarchivs 2012 ein leichtes Unbehagen entnehmen, wenn Ulrich Eisenbach in der Einleitung anmerkt, daß es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Mode wurde, „Medaillen abzubilden, die auf den zahlreichen Industrie- und Gewerbe­ausstellungen großzügig vergeben wurden“. [17]

Der „Führer im Glaspallaste zu München“ erwähmt bei seinem auf fünf Tage angesetzten Rundgang durch die gesamte Ausstellung „eine Münzprägmaschine aus Darmstadt“, nachdem der Verfasser, Joseph Gerstner, zuvor angemerkt hatte, er wolle den Ausstellern nicht zu nahe treten, könne aber nur beispielsweise einige aufzählen: „[Ue]brigens muß man bemerken, daß die meisten Gegenstände neuer Erfindung und alle mit ungemeinem Fleiße bearbeitet sind.“ Wer da so fleißig war, nämlich die oftmals schlecht bezahlten und von langen Arbeitszeiten heimgesuchten Arbeiter, fällt – wie bei derartigen Darstellungen üblich – unter den Tisch. Eberhard Jonák hingegen erwähnt in seinem Bericht an die Handels- und Gewerbekammer in Prag die Feilmaschine aus Darmstadt.

Hektor Rößlers (sen.) Verbindungen nach München datieren weiter zurück. Wohl aufgrund seiner Verdienste um das bayerische Münzwesen erhielt er das Ritterkreuz des St. Michaels-Ordens, zu dessen Annahme er am 16. Juni 1845 von Großherzog Ludwig II. ermächtigt wurde. [18]

Wem gehörte das Unternehmen?

Im Ausstellungsjahr 1854 führt das Darmstädter Adreßbuch erstmals explizit die Maschinenfabrik und Eisengießerei unter der Anschrift Lit. F Nr. 209 auf.

Fabrikantenliste.
Abbildung 6: Auszug aus dem Darmstädter Adreßbuch von 1850 mit der Auflistung der Darmstädter Fabrikanten. Quelle: Digitales Archiv der ULB Darmstadt [online]. Die Maschinenfabrik und Eisengießerei wird hier einem Rößler zugewiesen. Der ehemalige Miteigentümer Johann Ludwig Buschbaum wird – wie auch August Wernher – auf Seite 132 als Mechaniker geführt.

1850 wird hier im Häuserverzeichnis noch der Münzrat Rößler (als Eigentümer ?) genannt, während im Einwohner­verzeichnis weiterhin der Fabrikant Friedrich Rößler angegeben ist wie auch der Mechanikus Franz Wernher, der von 1843 bis vermutlich 1850 als technischer Direktor fungiert. Ihm wird in dieser Funktion Franz Horstmann folgen, der für die folgenden drei Jahrzehnte die Wohnung auf dem Gelände der Fabrik übernimmt. Anzunehmen ist, daß diese Wohnung und vielleicht auch die Büroräume in dem Gebäude untergebracht waren, das im Stadtplan von 1822 als „Neues Chaussee Haus“ bezeichnet wurde. Es dürfte sich um dasselbe Gebäude handeln, in dem sich heute unter der Anschrift Kahlertstraße 1 das Restaurant „Sardegna“ befindet.

Bei der in der Zeitung annoncierten Vorstellung der Maschinenfabrik und Eisengießerei als Nachfolge von Buschbaum & Comp. im Juni 1844 waren als Direktoren Friedrich Rößler und August Wernher genannt worden. Über die Eigentümerstruktur hingegen erfahren wir in den nachfolgenden zwölf Jahren nichts. Allein aus späteren Andeutungen, wenn vom früheren Rößler'schen Unternehmen die Rede ist, dem Schreiben von Franz Horstmann an den Münzrat Hekltor Rößler von 1851 und der Angabe der Adreßbücher, wonach Hektor Rößler (sen.) der Eigentümer des Grunstücks gewesen ist, auf dem die Fabrik errichtet worden war, läßt sich ableiten, daß der Münzrat der alleinige oder einer der Eigentümer des Unternehmens gewesen ist. Auf dieser Voraussetzung ist die Darstellung dieses Kapitels aufgebaut [19]. Ob sich beispielsweise August Wernher finanziell am Unternehmen beteiligt hat, ist nicht zu entscheiden, aber möglich [20]. Franz Horstmann hingegen dürfte als technischer Direktor ohne eigene Kapitalbeteiligung fungiert haben. Er wird 1857 von der Aktiengesellschaft übernommen werden, gehört jedoch nicht wie der designierte kaufmännische Leiter Reinhard Ludwig Venator zu den Gründern der Kapitalgesellschaft.

Franz Horstmann wurde 1816 in Höchst am Main geboren und starb am 18. September 1887 in Darmstadt. Er war mit der 1827 in Homburg (Pfalz/Saar) geborenen Helene Didier verheiratet. Ausweislich der älteren Melderegistratur Darmstadts hatte das Ehepaar sechs Kinder. Das erste, ein Sohn, wurde 1850 in Erbach (Pfalz), heute Statteil von Homburg, geboren. Das zweite, eine Tochter, im November 1850 in Holzappel. Möglicherweise war Franz Horstmann in der Grube Holzappel beschäftigt, ehe er bei der Maschinenfabrik anheuerte. Das dritte Kind war wieder ein Sohn, der im September 1851 in Darmstadt zur Welt kam. [21]

Vermutlich während des Jahres 1856 wird ein Konsortium unter Führung der Darmstädter Bank für Handel und Industrie die Maschinenfabrik und Eisengießerei aufgekauft haben, um sie als Aktiengesellschaft finanziell besser aufzustellen und um die Produktion in größeren Fabrikhallen zu erweitern. Ohne das Bedürfnis der Hessischen Ludwigsbahn, eine Möglichkeit zu erhalten, Lokomotiven und Wagen zu warten und reparieren, ohne sich hierbei mit der Einrichtung einer eigenen Werkstätte finanziell zu belasten, wäre dieser Ankauf jedoch vermutlich nicht getätigt worden. Weitere Details zur Situation des Unternehmens sind zwischen 1854 und 1856 nicht bekannt; im März 1857 wird dieses Konsortium mit der Aufforderung an die Öffentlichkeit treten, Aktien des neuen Unternehmens zu zeichnen. [22]

Die größeren Aufträge von etwa 1840 bis 1855

Bemerkenswert an der Frühgeschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei ist, daß sie für vier verschiedene Eisenbahn­gesellschaften Dampfmaschinen und/oder andere Werkzeugmaschinen geliefert hat, wovon eine Gesellschaft nicht im Großherzogtum Hessen beheimatet war. Offenkundig war das Darmstädter Unternehmen konkurrenzfähig und/oder die Fähigkeit anderer Maschinenbau­fabriken, entsprechende Dampfmaschinen zu bauen, wurde nicht allzu hoch eingeschätzt. Die Dampfmaschine für die Werkstätte der ersten Eisenbahn im Rhein-Main-Gebiet, der Taunus-Eisenbahn, stammte vom Aachener Unternehmen Edmundts und Herrenkohl, das nur vier Jahre nach der 1839 erfolgten teilweisen Eröffnung der Taunus-Eisenbahn Bankrott machte. [23]

Eine vermutlich unvollständige Liste bekannter größerer Aufträge aus dem Zeitraum von etwa 1840 bis 1855 umfaßt:

Über den Bau weiterer Dampfmaschinen oder andere größere Aufträge bis zur Umwandlung der Maschinenfabrik und Eisengießerei in eine Aktiengesellschaft 1856/57 liegen keine Informationen vor. Im Hauptkontobuch von Merck finden sich in den Jahren 1854 bis 1856 keine Einträge, die auf eine Rechnung der Maschinenfabrik und Eisengießerei hinweisen. Dies ist umso auffälliger, weil in den Jahren zuvor (wenn auch wenige) und danach recht kontinuierlich Leistungen abgerechnet wurden und das Hauptkontobuch zwischen 1854 und 1856 vollständig geführt zu sein scheint. Auch wenn es erst einmal nur spekulativ erscheinen mag, so könnte dies ein Indiz dafür sein, daß das Unternehmen einige Jahre entweder stillstand oder auf sehr kleiner Sparflamme produziert hat.

Damit ist die „Vorgeschichte“ des Unternehmens abgeschlossen. Auch wenn in einzelnen bisherigen Darstellungen die Maschinenfabrik und Eisengießerei oder ihre Vorgänger für den Zeitraum von 1807 bis 1856 kurz erwähnt werden, so fehlt in diesen Darstellungen in der Regel jeglicher Bezug zu der 1857 beginnenden Unternehmensphase als Aktiengesellschaft. Kapitel 7 wird die Gründung dieser Aktiengesellschaft behandeln.

Die Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei wird fortgesetzt in Kapitel 6 mit einer Abschweifung zur Forschungsgeschichte.

Quellen- und Literaturverzeichnis.


 

ANMERKUNGEN

 

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»» [1]   Erstaunlicherweise gab es bis 2018 keine ausführliche Darstellung der Merck'schen Apotheken- und Firmengeschichte. Die beiden vom Unternehmen herausgegebenen Schriften von 1952 und 1989 (Verfasserin Ingunn Possehl) sind allenfalls als geraffte und auf einzelne Schwerpunkte setzende Vorarbeiten zu betrachten. Zu den hier interessierenden 1830er bis 1850er Jahren findet sich hierin nur Vereinzeltes. Meine eher kursorische Durchsicht der im Merck-Archiv befindlichen Kontenbücher hinterließ den Eindruck, daß Emanuel Merck nicht nur ein begnadeter Forscher gewesen sein muß, sondern auch ein geschickter Mehrer seines nicht unbeträchtlichen Vermögens. Er zeichnete Anleihen, beteiligte sich an anderen lukrativen Unternehmen wie der Zuckerfabrik in Gernsheim oder dem Verein chemischer Fabriken Mannheim oder er verlieh an eine Reihe von Darmstädter Persönlichkeiten größere Geldsummen. In einem „Verzeichnis der 60 höchst­besteuerten, zu Wahl- und Ersatzmännern wählbaren, hier wohnenden Staatsbürger“, veröffentlicht im „Darmstädtischen Frag- und Anzeigeblatt“ vom 29. November 1834, wird Heinrich Emanuel Merck an 28. Stelle geführt, mit einer 1834 gezahlten Steuer von 143 Gulden und 36 Kreuzern. Zum Vergleich: Der an erster Stelle stehende Zimmermann Philipp Köhler, der wie Merck im Gemeinderat saß, zahlte 358 Gulden und 44 Kreuzer. Das dürfte in etwa dem Arbeitslohn eines Arbeiters für zwei Jahre entsprochen haben. – Nunmehr gibt es eine voluminöse Unternehmenschronik, erarbeitet von Carsten Burhop, Michael Kißener, Hermann Schäfer, Joachim Scholtysek : Merck. 1668–2018. Von der Apotheke zum Weltkonzern [2018].

»» [2]   Zu dieser Choleraepidemie siehe Christopher Jütte : Die Choleraepidemie 1831, Artikel für das Deutsche Historische Museum [2015, online].

»» [3]   Vitriolöl ist eine frühere Bezeichnung für Schwefelsäure.

»» [4]   Zu den Kollateralschäden der hier zum Vergleich angeführten chemischen Fabrik in Dieuze bei Nancy gibt ein 1848 erschienener Artikel im Polytechnischen Journal Auskunft. Henri Braconnot und François Simonin : Ueber die Ausdünstungen der chemischen Fabriken, in: Polytechnisches Journal, 1848, Band 108, Nr. LVII., Seite 264–270 [online]. Welche Umwelt- und Personenschäden die Chlorkalkproduktion im Merck'schen Garten angerichtet haben mögen, ist nicht überliefert.

»» [5]   Nachricht von mehreren chemischen Fabriken im Großherzogthum Hessen, in: Georg Wilhelm von Wedekind (Hg.) : Vaterländische Berichte für das Grossherzogthum Hessen und die übrigen Staaten des Deutschen Handelsvereins, Band 1, Seite 185–191 [1835, online bsb münchen]; Zitat auf den Seiten 186–188. Siehe hierzu auch die Annonce im „Darmstädtischen Frag- und Anzeigeblatt“ vom 22. November 1834: „Sämmtliche Herren Fabrikanten und Inhaber von Manufacturen und Gewerbsanlagen des Großherzogthums werden hiermit ersucht, Ihre Firma und Adresse nebst Angabe aller bei Ihnen verfertigten Artikel an die untengenannte Redaction zur Bekanntmachung einer vollständig geordneten Uebersicht in den »vaterländischen Berichten« baldgefälligst einzusenden. Auch wird man hier die Notizen, welche in Beziehung auf Ihre Fabrikations­zweige und deren Debit dem Publicum und insbesondere den Freunden des Gewerbfleißes von Interesse seyn können, gerne aufnehmen. / Darmstadt, den 9. November 1834. / Die Redaction der vaterländischen Berichte für das Großherzogthum Hessen. / Die Adressen können auch in der Buchhandlung von E. Dingeldey abgegeben werden.“

»» [6]   Annonce in der Großherzoglich Hessischen Zeitung vom 16. September 1841. Das hier als Lit. H Nr. 172 vorgestellte Anwesen wird im Darmstädter Adreßbuch 1843 dem Tapetenfabrikanten Hochstädter zugeschrieben und scheint erst Mitte der 1860er Jahre an Merck gefallen zu sein. Das Adreßbuch von 1841 führt Georg Friedrich Pabst im Mühlweg unter Lit. H Nr. 175 (und weiter in allen Ausgaben bis 1850). 1854 wird dort der Kaufmann Georg Johann Naumann, 1858 werden dann die Gebrüder Merck geführt. Das Darmstädter Brand­versicherungs­kataster für den Distrikt H könnte weitere Hinweise liefern, wurde hierzu jedoch nicht eigens ausgewertet. Der hier angesprochene Dampfkessel scheint noch mit keiner Dampfmaschine verknüpft gewesen zu sein. – Pabst gründete 1836 zunächst eine eigene Fabrik, 1839 zusammen mit Merck die Stearinkerzenfabrik; vgl. Darmstädter Frag- und Anzeigeblatt vom 9. März 1839 (Hinweis in Ulrich Eisenbach (Hg.): Von den Anfängen der Industrialisierung zur Engineering Region, Seite 247, Anm. 119).

»» [7]   Berthold Matthäus : Die „Alte Fabrik“. Reichlich Dampf und wenig Strom. Energieversorgung bei E. Merck Darmstadt 1840–1905, Seite 11.

»» [8]   Vermutlich wird die 1851 erfolgte Anlage des Kontenhauptbuchs im Zusammenhang mit der Begründung der Geschäftssozietät von Emanuel Merck und seinen Söhnen stehen. Berthold Matthäus gebührt das Verdienst, dieses Kontobuch als wissenschaftliche Quelle zur Erforschung der Technikgeschichte des Unternehmens erschlossen zu haben. Die systematische Durchsicht enthält weitere regelmäßige Geschäftsvorgänge etwa mit dem Maschinenbau­unternehmen von Heinrich Blumenthal, der Werkstatt von Johann Ludwig Buschbaum und seinen Söhnen und anderen Fabrikanten des ersten Industrialisierungs­schubs in Darmstadt. Es wäre diesbezüglich noch auszuwerten, was jedoch den Rahmen dieser Arbeit über die Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei sprengen würde. Doch allein das Material zu dieser Fabrik ist eine Quelle ersten Ranges, denn wo hat man oder frau das schon, eine Geschäftsbeziehung über drei Jahrzehnte verfolgen zu können? Hier könnten das Hessische Wirtschaftsarchiv, das Darmstädter Stadtarchiv und das Institut für Geschichte der TU Darmstadt Material zur Geschichte der Früh­industrialisierung gewinnen, welches das bekannte Wissen zur Stadtgeschichte erheblich zu erweitern helfen würde, zumal das Merck-Archiv für derlei Forschungs­vorhaben offen steht und sich überaus kooperativ zeigt.

»» [9]   Die von Hektor Rößler hier geleistete Unterschrift entspricht derjenigen des Schreibens an das Finanzministerium vom 4. September 1849, abgesehen davon, daß sie im Vertrag mit Merck schwungvoller ausfällt. Nicht ganz auszuschließen ist bei beiden Unterschriften, daß sie nicht von Hektor Rößler (sen.), sondern statt dessen von seinem Bruder Friedrich geleistet wurden. Mir liegen mehrere Schriftproben der beiden Brüder vor, aber es ist schwer, sie so eindeutig zu unterscheiden, daß ein Dokument, in dem der Vorname in der Unterschrift nicht auftaucht, dem einen oder anderen zuzuordnen ist. Dieser Friedrich wird in Kapitel 2 näher vorgestellt. 1844, bei der Umfirmierung der Buschbaum'schen Fabrik in Maschinenfabrik und Eisengießerei, wird er als einer der beiden Direktoren benannt.

»» [10]   Quelle: Merck-Archiv R01/11. Die Unterscheidung zwischen „ß“ und „ss“ erfolgt nach der damals üblichen Rechtschreibung. Im Text ist nur das „ß“ in „Eisengießerei“ im ersten Absatz, sowie die Rößler'sche Unterschrift eindeutig als „ß“ geschrieben. Unterhalb der beiden Unterschriften der vertragschließenden Parteien ist nachträglich folgender Vermerk angebracht worden: „1849. Am 1 December f 1133,20 gezahlt“.

»» [11]   Berthold Matthäus gibt in seinem Buch „Reichlich Dampf und wenig Strom“ auf Seite 11 den Inhalt der ersten Buchungen in Gesamtheit wieder und scheint auch die Dampfmaschine der Sachsenhäuser Fabrik von Fries Söhne zuzurechnen, ohne dies explizit zu erwähnen.

»» [12]   Merck-Archiv S7/1180, fol. 90, 91 und 93.

»» [13]   Der Prozeß wurde in der Darmstädter Zeitung ausführlich begleitet und zog die Aufmerksamkeit der überregionalen Presse nach sich. In einigen Zeitungsausgaben wird der Münzrat Hektor Rößler auch als Münzwardein bezeichnet. Die könnte zu einer Verwechslung mit seinem Sohn Friedrich Ernst führen, der in Frankfurt auch offiziell als Münzewardein angestellt war. Siehe Darmstädter Zeitung vom 28. März 1850 [online ulb darmstadt] und vom 3. April 1850 [online ulb darmstadt] und [online ulb darmstadt]. Der Titel Münzwardein findet sich beispielsweise in der Magdeburger Zeitung vom 6. April 1850 oder der Neuen Passauer Zeitung vom 7. April 1850.

»» [14]   Die Mitteilung über die Meldung der Maschinenfabrik entstammt der Illustrierten Zeitung vom 25. Januar 1851 [online]. Dort ist sogar von 86 Meldungen aus dem Großherzogtum Hessen die Rede. Das Gewewrbeblatt für das Großherzogthum Hessen hingegen schreibt in seiner Nummer 5 vom Februar 1851 von 74 Meldungen, worunter die Maschinenfabrik nicht auftaucht. In der Nummer 49 vom Dezember 1851 findet sich die Maschinenfabrik ebenso nicht in der Liste aller Aussteller aus dem Gebiet des Zollvereins, die eine Preismedaille gewonnen haben. Siehe auch das Amtliche Verzeichniß der aus dem Deutschen Zollverein und Norddeutschland zur Industrie-Ausstellung aller Völker in London eingesandten Gegenstände [1851, online slub dresden].

»» [15]   Bericht des Verwaltungsrathes der Hess[ischen] Ludwigs-Eisenbahngesellschaft über den Stand des Bahnbaues, der Einnahmen und Ausgaben bis zum 15. Mai 1854, sowie über den Betrieb der Bahn im Jahre 1853, erstattet der zwölften Generalversammlung der Actionäre am 29. Mai 1854; Seite 21.

»» [16]   Die folgende Darstellung stützt sich auf die umfänglichen zeitgenössischen Veröffentlichungen zur Münchener Industrieausstellung. Zur Eröffnung siehe Amtlicher Bericht Seite 153ff. Zum Ausstellungsbesuch siehe Amtlicher Bericht Seite 169ff. Zu den Baukosten siehe Amtlicher Bericht Seite 216. Zum Ausstellungsende siehe Amtlicher Bericht Seite 193ff. Zur Zahl der Aussteller siehe Amtlicher Bericht Seite 161. Zu den ausgestellten Maschinen der Maschinenfabrik und Eisengießerei siehe Katalog Seite 102. Zur Rundhobelmaschine siehe Bericht Beurteilungs­kommission Seite 48 zur V. Gruppe „Maschinen“, zur Münzprägemaschine ebd. Seite 51. Zu den Auszeichnungen siehe Bericht Beurteilungs­kommission ebd. Seite 66ff. bzw. Auszeichnungen Seite XVI und 39ff. Zur Zusammensetzung der Beurteilungs­kommission siehe das Verzeichnis seiner Mitglieder. Den Führer durch den Glaspalast siehe Gerstner Seite 15–16. Erwähnung der Feilmaschine bei Jonák Seite 74.

»» [17]   Rauchende Schlote, Seite 5. Die Ausstellung wurde in Darmstadt erstmals vom 8. Mai bis zum 31. August 2012 gezeigt. Begleittexte zur Ausstellung des Hessischen Wirtschaftsarchivs von Ulrich Eisenbach sind als Artikelreihe für das „Darmstädter Echo“ erschienen.

»» [18]   Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nº. 19 vom 30. Juni 1845, Seite 176. Ab und an finden sich in den Spalten des „Darmstädter Frag- und Anzeigeblatts“ auch Nachrichten über „angekommene Fremde“. Derartigen Nachrichten zufolge logierten bei Hektor Rößler beispielsweise im Juni und Juli 1840 Herr Voigt mit Familie aus München und im August und September 1840 Herr Haindl und Frau aus München. Franz Xaver Haindl war seit 1837 Münzwardein in München, Carl Friedrich Voigt (1800–1874) Graveur der dortigen Münze. Vgl. die Ausgaben vom 3. Juni bis 11. Juli und vom 22. August und 5. September 1840. Die Zeitung wurde diesbezüglich nicht systematisch durchgeschaut.

»» [19]   Der Amtliche Katalog des Deutschen Reiches zur Wiener Weltausstellung [online], dort auf Seite 495, nennt als vorherigen Inhaber den „Münzrath Rössler“, allerdings auch (unzutreffend), das Unternehmen sei 1842 errichtet worden.

»» [20]   Die „Eisenbahn-Zeitung“, Nro. 41 vom 11. Oktober 1846 [online bsb münchen] nennt August Wernher einen Vorsteher einer Darmstädter Maschinen­fabrik. Hier erscheint der Begriff des Vorstehers wohl nur als Übersetzung von Direktor. Während­dessen nennt der Geschäftsbericht der Pfälzischen Ludwigsbahn für 1846, auszugsweise wiedergegeben in der „Eisenbahn-Zeitung“ Nro. 30 vom 25. Juli 1847 [online bsb münchen], eine Bestellung von Dampf- und Werkzeug­maschinen u. a. bei Rößler und Wernher in Darmstadt. Entweder sind damit die beiden Direktoren Friedrich Rößler und August Wernher oder eben die Eigentümer der Maschinenfabrik gemeint.

»» [21]   Den Einblick in die Meldekarte der Familie Horstmann verdanke ich Sabine Lemke vom Stadtarchiv Darmstadt.˙Die Herkunft seiner Frau aus Homburg mag erklären, weshalb Franz Horstmann 1853 und 1859/60 dort als Eigentümer von Wiesen­grundstücken genannt wird, die zum Abernten ausgeschrieben wurden. 1860 läßt er seine beiden Grundstücke versteigern. Siehe Zweibrücker Wochenblatt vom 5. Juni 1853 [online bsb münchen], 8, Mai 1859 [online bsb münchen] und 15. Mai 1860 [online bsb münchen].

»» [22]   Hektor Rößler (sen.) war 1856 ein dreiviertel Jahrhundert alt und scheint aus dem Familienkreis keinen Nachfolger gefunden zu haben. Es ist aber auch an eine schwierige Auftragslage und mangelnde Kapitaldecke zu denken, die zu einem Kontakt mit der jüngst gegründeten Darmstädter Bank geführt haben mag. Das spekulative Moment dieses Vorgangs wird dadurch genährt, daß es – zumindest in der „Darmstädter Zeitung“ – keinen Hinweis auf die Transaktion zu geben scheint. Einschränkend möchte ich hinzufügen, daß die mikroverfilmten Zeitungsausgaben der ULB Darmstadt alles andere als augenfreundlich sind und ich daher auf eine parallele Lektüre des „Darmstädter Frag- und Anzeigeblattes“ verzichtet habe.

»» [23]   Zur Dampfmaschine der Taunus-Eisenbahn siehe Hektor Rößler (jun.) : Die im Großherzogthum Hessen im Betrieb befindlichen Dampfmaschinen, in: Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen [1849], sowie Friedrich Wilhelm von Reden, Die Eisenbahnen Deutschlands [Band 1], Seite 286–287. Zum Bankrott von Edmundts und Herrenkohl siehe die Datenbank von Albert Gieseler. Zum Unternehmen selbst siehe die Dissertation von Hartmut Schainberg : Die belgische Beeinflussung der Früh­industrialisierung im Aachener Raum, ca. 1820–1860 [1997, online], Seite 285.

»» [24]   Es wird recht großzügig eine einjährige Lieferzeit zwischen Auftragsvergabe und Abrechnung zugrunde gelegt, analog zum Vertrag zwischen Merck und Rößler von Ende 1849, der mutmaßlichen Ablieferung Ende 1850 und der Abrechnung von Mitte 1851.


 
 
 
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