Fabrik. Blick auf das Fabrikgelände. Quelle: Adreßbuch 1908.

Industriegleise im Fabrikviertel Darmstadt

Die Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt

Kapitel 18: Jacob Alleborn schenkt erlesenen Wein aus. Abschweifung zur Darmstädter Stadtgeschichte.

Das seit 1837 als Buschbaum & Comp. bestehende und 1844 zur Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt umfirmierte Unternehmen wurde mit Unterstützung der ebenfalls in Darmstadt ansässigen Bank für Handel und Industrie 1857 in eine Aktien­gesellschaft umgewandelt. Die Liquidation des Unternehmens wurde mit der General­versammlung am 21. Dezember 1878 eingeleitet.

Um 1820 herum ließ der Weinhändler Jacob Alleborn vor den Toren des Mainthores ein neues Ausflugslokal mit Wohnräumen im Obergeschoß errichten. Ende des Jahrzehnts gehörten das Haus mitsamt den angrenzenden Schuppen dem Münzmeister Hektor Rößler. Dieser ließ dort die erste Dampfmaschine des noch etwas verschlafen wirkenden Groß­herzogtums zusammen­nieten. Diese Werkstätte bildete den Grundstock der späteren Maschinenfabrik. Nach deren Abwicklung diente sie mehreren Eigentümern unterschiedlichen Zwecken. Heute speisen hier Einheimische wie Zugereiste im Ristorante Sardegna. Dies ist ein Versuch, zweihundert Jahre Stadtgeschichte in einem Gebäude wiederzufinden. Ob irgendeine oder irgendwer das anstehende Jubiläum aufgreifen wird?


Dieses Kapitel zur Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei ist die Fortsetzung von Kapitel 17 zur Liquidation des Unternehmens.

18

Jacob Alleborn schenkt erlesenen Wein aus

Das Hauptgebäude der „alten Fabrik“ der Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt steht noch heute. Nichts erinnert mehr daran, daß hier einstmals die Direktoren Buschbaum und Wernher wohnten. Eine Adreßkorrektur zu Beginn der 1880er Jahre hat das Darmstädter Stadtarchiv dazu verleitet anzu­nehmen, das Gebäude sei in dieser Zeit neu erstellt worden. Dies ist jedoch nicht der Fall und ein weiteres Beispiel dafür, daß frau oder man schon die Zusammen­hänge kennen muß, um nicht durch einen fehlerhaften Adreß­bucheintrag in die Irre geführt zu werden.

„Sardegna“ in Darmstadt

Tatsächlich steht „Gildenstube“ über dem Eingang zum Hof, der im Sommer zum kleinen, aber leider lauten Garten­restaurant Richtung Frankfurter Straße wird, und auch über der Tür zum Haus, wo fast versteckt dann das „Sardegna“ zu finden ist. Eine Reminiszenz, die auch Stammgäste ungefragt hinnehmen, obwohl sie seit langem rätseln mögen, warum sie im „Haus der Bäckerinnung“ (was ebenfalls an der Fassade steht) und in der „Gildenstube“ italienisch verköstigt werden. Die Nachfrage im Stadtarchiv bringt nur teilweise Aufklärung: In Wirt­schaften gegessen und getrunken wird schon seit 1890 in dem 1883 erbauten Haus. Zum „Haus der Bäcker­innung“ wurde es allerdings erst 1956, als diese Innung aus der Hügel­straße dorthin umzog. Die „Gildenstube“ gab es laut Adress­buch­eintrag zwischen 1970 und 1991 – ausge­zeichnet als „Flambier-Restaurant“. Gastro­nomische Stadtgeschichte also.

Quelle: Annette Krämer-Alig, online im Darmstädter Echo am 12. März 2013.

Gebäudeansicht 2018.

Bild 18.01: Das wiederholt umgebaute und verfremdete und mit fantasievollen Bezeichnungen versehene ehemalige Neue Chaussee Haus im August 2018. Die ursprüngliche Form des Gebäudes ist noch zu erahnen und die Haube auf dem Dach verweist auf die Entstehungs­zeit direkt nach den Napoleonischen Kriegen. Damals waren derartige Dachgiebel allenthalben anzutreffen.

Die nun folgende Darstellung ist – soweit rekonstruierbar – die wahre Geschichte.

Das Neue Chaussee Haus

1820 oder kurz zuvor erwirbt der „Ökonom“ Jakob (auch: Jacob) Alleborn (auch: Aleborn) ein Grundstück an der Chaussee nach Arheilgen und weiter nach Frankfurt. Vorbesitzer war der „Traube“-Gastwirt Johann Friedrich Fritsch. Dieses Anwesen liegt einige hundert Meter nördlich des Mainthores, das nach den Napoleonischen Kriegen endgültig seine wehrhafte Funktion verloren hatte. Die Residenz­stadt expandiert in der nachfolgenden Friedens­zeit, und so dünkt sich der Ökonom, es sei gewinn­bringend, im Norden vor den Aus­dünstungen der Stadt ein Weinlokal mit Wohn­räumen im oberen Stockwerk zu errichten. Ver­mutlich wird 1820 mit dem Bau begonnen worden sein, denn pünktlich zur Freil­uft­saison des Folge­jahres verkündet Jakob Alleborn die Öffnung seines Etablisse­ments. Er wird dieses in Anlehnung an das schon eingeführte Chaussee­haus an der Straße nach Eberstadt bei Bessungen auch als neues Chaussee­haus vermarkten. [1]

Einladung zum Verzehr.

„Ein verehrliches Publikum setze ich hiermit davon in Kenntniß, daß mir die Eröffnung einer Wein­wirthschaft in meinem neuerbauten am Mainthor gelegenen Hause von Hochpreißlicher Regierung gnädigst gestattet worden ist, daß ich dieselbe Sonntag den 3. d[es] M[onats] eröffne und nicht nur die besten deutsche und französische Weine, sondern auch alle verlangt werdende Speisen zu den billigsten Preißen verabreiche.

Durch möglichst reelle Behandlung meiner verehrten Gönner, und durch die vortheil­hafte und höchst angenehme Lage meines Hauses hoffe ich mir die Zufrieden­heit und den Zuspruch des Publikums zu erwerben.

Darmstadt den 3. Juni 1821.
J. Alleborn.“

Quelle: Annonce im Darmstädtischen Frag- und Anzeigeblatt vom 4. Juni 1821 [online ulb darmstadt].

Bekanntmachung des Viehmarktes 1824.
Abbildung 18.02: Bekannt­machung zur Abhaltung eines Viehmarktes in der Groß­herzoglich Hessischen Zeitung vom 23. September 1824 [online ulb darmstadt].

Zu diesem Zeitpunkt führt ihn das Darmstädter Adreßbuch von 1821 noch unter Litera I. Nr. 51 (ab 1831: F. 207) bei der Witwe Klaunig. Schon im Folge­jahr scheint Jakob Alleborn seine Wirtschaft verpachtet zu haben. Ab dem 4. Oktober 1824 wird in seiner Hofreite in der Regel montags ein wöchent­licher Viehmarkt abge­halten. Dieser wird nicht nur an christlichen, sondern auch an jüdischen Feiertagen auf den nächst­folgenden Werktag ver­schoben. Die Stadt verdient mit, da Käufe und Verkäufe beim Stadt­gericht angezeigt werden müssen. Ein Standgeld wird vorerst nicht erhoben, man will ja den Markt erst einmal etablieren. Abkassieren kann man dann immer noch. Aus­ländische Anbieter, also nicht aus dem Groß­herzog­tum kommende, müssen „glaub­hafte orts­obrigkeitliche“ Zeugnisse über den Gesund­heits­zustand des angebotenen Viehs vorweisen. [2]

Die Darmstädter Adreßäbücher von 1819 und 1821 definieren den noch sehr weitläufigen Distrikt I wie folgt:

„Westliche Seite des Bessunger Wegs, dann die nach dem von Ried­eselschen Berge hinliegenden Gebäude – die auf demselben befin­dliche – hier­nächst das Holz­magazins-Haus und hierauf die am Weiter­städter Weg, so wie in der dasigen Gegend auf der Schneid­mühle und allen anderen auf der west­lichen Seite der Arheilger Chaussee liegenden Häuser.“ [3]

1825 wird das Anwesen des Jakob Alleborn zur Begleichung von Schulden versteigert.

Versuch einer Versteigerung.

„Dienstag den 11. Januar 1825, Nachmittags 2 Uhr, soll das dem Wirth Jacob Alleborn an der Frankfurter Straße gelegene neu erbaute schöne Wohnhaus und Hofraithe nebst Garten 461 Klafter, oder 149¼ Ruthen enthaltend, auf allhiesigem Rathhaus öffentlich versteigt [sic!], und, falls ein annehmbar Gebot erfolgt, dem Meist­bietenden sogleich unwider­ruf­lich zugeschlagen werden; welches mit dem Bemerken bekannt gemacht wird, daß das Vorder­haus 15 Stuben und Kammern, einen Saal und eine Küche enthält, und einen großen gewölbten und einen Balken­keller hat, – in den Seiten- und Hinter­bauen aber Stallung zu 70 bis 80 Pferde, eine Scheuer, worin Platz zu einer Oelmühle befindlich, eine Einquartirungs­stube und Waschküche, und auf dem sehr geräumigen Hofraithe­platz ein unversieg­barer Brunnen ist.

Darmstadt, den 8. December 1824.

Im Auftrag des Eigenthümers,
Zaubitz, Assessor.“

Quelle: Bekanntmachung im Darmstädtischen Frag- und Anzeigeblatt vom 13. Dezember 1824 [online ulb darmstadt]. Gemeint sind 461 Quadratklafter.

Der erste Versteigerungs­termin brachte wohl nicht das gewünschte Ergebnis, so daß für den 25. Januar und den 15. Februar 1825 weitere Termine anbe­raumt wurden. Dies ist in Darmstadt nicht ungewöhn­lich gewesen. Die rege Bau­tätig­keit in den 1820er Jahren führte, viel­leicht auch aufgrund finanzieller Über­lastung, häufiger zu Verkäufen. Den Bekannt­machungen der lokalen Blätter zufolge scheint dieses Unter­fangen oftmals jedoch nicht erfolg­reich gewesen zu sein. Manches Anwesen wurde auf diese Weise monate­lang annonciert, ohne daß sich ein Käufer für den geforderten Mindest­preis fand. [4]

Ausschnitt Stadtplan von 1822.

Abbildung 18.03: Das Neue Chaussee Haus befindet sich an der Einmündung der Straße von Gräfenhausen auf die Frankfurter Chaussee. Am Mainthor, wo einige Jahre später die Neue Münze errichtet werden sollte, steht noch eine Kaserne. Die geplante Promenade­straße, heute Bismarckstraße, welche die Stadt im Nordwesten umfassen soll, ist schon markiert. Quelle: Ausschnitt aus dem Stadtplan von 1822, aufgenommen von Georg Louis, Lithographie von Gottlieb Börner, online ulb darmstadt.

Schon ein Jahr später versucht der wohl neue Eigentümer Lichthammer, das Anwesen zu verkaufen.

„Das, vor dem Mainthor, an der Straße nach Frankfurt gelegene, vorhin Allebornische Gasthaus, das sich durch seine vortheilhafte Lage, durch zweckmäßige Einrichtung und besonders dadurch empfiehlt, daß bei demselben der wöchentliche Viehmarkt abgehalten wird, ist aus der Hand zu verkaufen oder auf mehrere Jahre zu vermiethen.

Unterzeichneter giebt über die Bedingungen Auskunft.“ [5]

Auch hier scheint das Unterfangen nicht von Erfolg gekrönt gewesen zu sein, denn am 4. Oktober 1826 verkündet Lichthammer zum einen, daß die Weinwirt­schaft ab dem 1. Oktober geschlossen sei, und zum anderen, daß die ganze obere Etage „aus 7 Piecen“ zu vermieten sei. Selbst aus der Vermietung scheint nichts geworden zu sein, wie monatelange Annoncen verraten. [6]

Eine Vermutung.

Möglicherweise ist Ludwig Lichthammer nicht der Käufer aus der Alle­born'schen Versteigerung vom Februar 1825. Auffällig ist nämlich, daß Jakob Alleborn noch den ganzen Sommer 1825 sein Wein­geschäft betreiben kann und selbiges erst zum 1. Oktober 1826 geschlossen wird. Es könnte durchaus sein, daß Lichthammer als Hof­justizrat nur der Treu­händer oder Verwalter des Anwesens für den oder die Gläubiger oder Gläubiger­innen des Jakob Alleborn gewesen ist. Als das Anwesen sich als nicht verkäuflich erwiesen hat, wurde versucht, es zu vermieten, um wenigstens einige der Unkosten oder gar Außen­stände zu erwirtschaften. Somit würde formal erst Hektor Rößler der nächste Eigentümer nach Alleborn sein. Die Quellen­lage ist jedoch nicht ausreichend, um diese Vermutung zu erhärten.

Hektor Rößler sucht eine neue Bleibe

1827 oder 1828 muß sich der Münzmeister Hektor Rößler auf die Suche nach einem neuen Quartier begeben. Die Infanterie­kaserne nämlich, in der sich auch die Großherzogliche Münze befindet, soll erweitert werden. Die Münze erhält einen neuen Standort in der Nähe des Mainthores und die Münzpräge­maschine soll nunmehr nicht durch Wasser-, sondern durch Dampfkraft angetrieben werden. Die dazu benötigte Dampfmaschine wird die allererste im Groß­herzogtum Hessen aufgestellte sein. Sie wird in Hektor Rößlers neuer Werkstatt an der Arheilger Chaussee nach französischem Vorbild, aber durch den Meister verbessert konstruiert, gebaut werden. Diese neue Werkstätte steht aufgrund der damit verbundenen Feuer- und Explosions­gefahr abseits von der Wohn­bebauuung. Daß derlei Befürch­tungen durchaus nicht unbegründet waren, zeigt eine Zeitungs­meldung aus dem Mutterland des Dampf­maschinen­baus 1824:

„Am 14. [Dezember] Abends wurde die Stadt Manchester durch eine schreckliche Begebenheit in allgemeine Bestürzung versetzt. Eine große Dampf­maschine der Fabrik der Herrn Windfors und Hyde, Major-Street, zersprang in dem Augen­blicke, wo die Arbeiter die Werk­stätten ver­ließen. Das ganze Haus flog auf, als hätte es mehrere Fässer Pulver ent­halten. Man kann noch nicht berechnen, wie viel Menschen unter den Trümmern begraben wurden. Beim Abgange des Kouriers hatte man bereits 10 fürchter­lich entstellte Leichen hervor­gezogen.“ [7]

Zurück ins beachauliche Darmstadt. Während die Maurer-, Zimmer-, Dachdecker-, Schreiner-, Weiß­binder-, Schlosser-, Glaser- und Spengler­arbeiten für die Erweiterung der Kaserne an den „Wenigst­fordernden“ vergeben werden sollen,

„soll der Mühlbau in der Infanterie-Caserne dahier bis zum Gelaß der Münzmeisters Wohnung an Ort und Stelle, auf den Abbruch an den Meist­bietenden öffentlich versteigert werden, wovon man die hierzu Lusttragenden hiermit in Kenntniß setzt.“ [8]

Wann Hektor Rößler das ehemals Alleborn'sche Grunstück mitsamt Bebauung erworben hat, ist derzeit nicht herauszufinden. Der Vorbesitzer Lichthammer stellte jedenfalls seine regelmäßigen Annoncen im Darmstädtischen Frag- und Anzeigeblatt im September 1827 ein, so daß wir vermuten können, daß er nunmehr doch einen Kaufwilligen gefunden haben mag. Wir können davon ausgehen, daß Hektor Rößler das Anwesen so aus- und umgebaut hat, daß es seinen Bedürfnissen nach einer eigenen Werkstätte genügen konnte, etwa durch eine Gießerei. 1832 steht seine Ernennung zum staatlich besoldeten Münzrat in der nunmehr fertig gestellten Neuen Münze am Mathildenplatz [9] an, weshalb er seine Werkstätte schließen muß. Da er im Münzgebäude wohnen wird, benötigt er sein Anwesen an der Frankfurter Chaussee nicht länger und versucht, es im Juli 1832 zu verkaufen oder zu vermieten. Das zu verkaufende Gelände wird nunmehr nicht mehr mit 462 Quadrat­klaftern angegeben, sondern mit 923. Weiterhin bietet er Maschinen und Werkzeuge aus seiner für ihn nun nutzlos gewordenen Werkstätte an. [10]

Bekanntmachung.

Abbildung 18.04: Edictalcitation zum ehemals Alleborn'schen Anwesen. Quelle: Darmstädtisches Frag- und Anzeigeblatt vom 18. Januar 1834, Scan vom Mikrofilm, auch [online ulb darmstadt].

1834 gibt es offensichtlich einiges zu regeln. Auf den hier genannten Flur­stücken in Flur 28, Nr. 142 und Nr. 142½, zusammen 462 Quadrat­klafter (2.887 qm) umfassend, stand die Wein­wirt­schaft des Jakob Alleborn mit allen Neben­gebäuden, nunmehr im Eigentum von Hektor Rößler. Aus der hier wieder­gegebenen Bekannt­machung ist zu schließen, daß Jakob Alleborn sein Anwesen deswegen hat verkaufen müssen, um seine Schulden zu begleichen. Auch das Brand­versicherungs­kataster wurde angepaßt, wobei der (mögliche) zwischen­zeitliche Eigentümer Licht­hammer keine Erwähnung fand.

Ausschnitt Brandversicherungskataster. Ausschnitt Brandversicherungskataster.

Abbildung 18.05: Ausschnitt aus Seite 104 des Brand­versicherungs­katasters für den Distrikt F mit den Eintragungen zu den Eigentümern Alleborn und Rößler, datiert zwischen 1820 und 1843. Quelle: HStDA C 6 Nr. 360.

Mit diesem Auzug aus dem Brand­versicherungs­kataster haben wir den Gebäude­bestand von 1843 vor uns liegen. Aus dem ursprüng­lichen Eintrag im Kataster­buch für den Distrikt I können wir ungefähr den Baufort­schritt seit 1820 erschließen.

Ausschnitt Brandversicherungskataster.

Abbildung 18.06: Ausschnitt aus Seite 41 des Brand­versicherungs­katasters für den Distrikt I und der Nr. 55 mit den Eintragungen zwischen 1820 und 1831. Quelle: HStDA C 6 Nr. 371.

Der hier als Ökonom bezeichnete Jakob Alleborn ließ 1820 seine beiden ersten Gebäude mit 12.500 Gulden taxieren. Es sind dies das zweistöckige Wohnhaus an der Arheilger Chaussee und ein Seitenbau (auf der linken Seite), worin sich ein Brau- und Brennhaus befand. 1821 kamen ein Querbau mit Ölmühle und Schuppen sowie rechts ein Seitenbau (Remise) hinzu. Erst 1831 wird ein weiterer Querbau eingetragen. Vermutlich im selben Jahr wurde für das Grund­stück die Numerierung des Katasters geändert. Der weit­läufig auf der Westseite um die Stadt gelegte Distrikt I (oder je nach Lesart auch J) wird auf eine Fläche im Süden der Stadt zurück­genommen und statt dessen die Distrikte E und F nach Westen und Norden erweitert. Somit wird aus Litera I Nr. 55 nunmehr Litera F Nr. 209. Nach der Über­nahme des Areals durch Hektor Rößler kommt bis 1831 ein weiterer Querbau hinzu, der im 1831 angelegten und anschließend fortge­schriebenen neuen Kataster­eintrag zu Litera F als zwei­stöckiges Gießhaus erscheint. Vermutlich wird diese Gießerei jedoch erst nach 1837 durch Busch­baum & Comp. angelegt werden. [11]

Der nunmehr gefundene Mieter ist der Freiherr von Schenk. Im Mai 1837 versucht Hektor Rößler sein Anwesen zu versteigern. Doch anstatt einen neuen Käufer zu finden, tut er sich mit seinem früheren Werkmeister Johann Ludwig Buschbaum zusammen und ist, wohl als stiller Teilhaber, an der neuen Maschinen­fabrik „Buschbaum & Comp.“ beteiligt. Buschbaum scheint nunmehr selbst im ehemaligen neuen Chaussee­haus zu wohnen, während sich Rößlers Bruder Friedrich im linken Seitenbau mit seinen fünf Zimmern und der Küche einquartiert. [12]

Tabelle 18.1: Erwähnungen des Gebäude­komplexes an der Frankfurter Straße im Darm­städtischen bzw. Darmstädter Frag- und Anzeigeblatt in den 1820er und 1830er Jahren (unvollständig). [13]
DatumAnnonceEigentümerInhaltBemerkungen
4.6.1821jaAllebornEröffnung der Weinwirtschaft. 
24.12.1821jaAllebornGute Tanzmusik zum 2. und 3. Weihnachts­feiertag.Als neues Chaussee­haus bezeichnet.
31.12.1821jaAllebornGute Tanzmusik zu Neujahr.Als neues Chaussee­haus bezeichnet.
8.4.1822jaAllebornTanzmusik zum 2. und 3. Oster­feiertag.Name Aleborn geschrieben.
24.6.1822jaAllebornGute Tanzmusik am Sonntag, 23. Juni.Als neues Chaussee­haus bezeichnet.
26.8.1822jaAllebornGute Tanzmusik, auf mehrere Jahre verpachtet, Schoppen Wein wohlfeiler.Als neues Chaussee­haus bezeichnet.
19.4.1824jaAllebornGute Tanzmusik bei Weinwirth Alleborn. 
3.5.1824jaAllebornGute Tanzmusik am Sonntag, den 2. Mai.Name Aleborn geschrieben.
20.9.1824jaAllebornGute Tanzmusik auf dem Chausseehause. 
13.12.1824neinAllebornBekannt­machung der Versteigerung.auch 20.12., 3.1. und 10.1.
27.12.1824jaAllebornGute Tanzmusik zum zweiten Weihnachts­feiertag. 
17.1.1825neinAllebornauch 24.1.; Bekannt­machung der Versteigerung.nochmalige Versteigerung am 25.1.
31.1.1825neinAllebornBekannt­machung der Versteigerung.nochmalige Versteigerung am 15.2.
4.4.1825jaAllebornStatt Tanzmusik gibt es einen vorzüglichen Wein und frugale Speisen. 
4.2.1826jaLichthammer (?)Zu verkaufen oder auf mehrere Jahre zu vermieten. 
14.10.1826jaLichthammer (?)Weinwirt­schaft geschlossen, eine Etage zu vermieten.wiederholt bis zum 22.9.1827.
14.7.1832jaRößlerVerkauf des Anwesens oder Vermietung.auch 21.7., 28.7, 4.8.
15.12.1832jaRößlerVersteigerung von Maschinen und Werkzeugen aus seiner Werkstätte. 
18.1.1834neinRößlerBekannt­machung Stadtgericht wegen Eintrag im Flurbuch.auch 25.1. und 1.2.
22.5.1837jaRößlerVersteigerung der Hofreite.Annoncen wohl schon ab Anfang Mai 1837.
17.6.1837jaRößlerVermietung der oberen und unteren Etage, nebst Stallung, Remise und Garten auf mehrere Jahre.Annonce mittwochs und samstags bis zum 11.10., danach nur noch mittwochs bis zum 1.11.

Nachdem der Freiherr von Schenck 1836 oder 1837 ausgezogen ist, bietet Hektor Rößler das Anwesen im Mai 1837 auf dem Weg der Versteigerung zum Verkauf an. Nach diesem erfolglos bleibenden Versuch annonciert er von Mai bis November 1837 das Haupt­gebäude an der Frankfurter Chaussee zur mehr­jährigen Miete. Wann und auf welchem Weg Johann Ludwig Buschbaum erneut mit Hektor Rößler zusammen­gekommen ist, das Unter­nehmen „Buschbaum & Comp.“ auf dem Rößler'schen Anwesen gründet und auch in das Haupt­gebäude einzieht, ist nicht genau zu erfassen. Das Darmstädter Adreß­buch führt ihn jedenfalls 1840 als Mieter. 1844 verläßt er – freiwillig oder unfrei­willig – das Unter­nehmen, das nunmehr als „Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei Darmstadt“ firmiert und das bis zur Liquidation 1879 an diesem Standort besteht. Im Frühjahr 1876 werden die Räumlich­keiten dieser „alten Fabrik“ end­gültig verlassen und fast alle noch vorhandenen Maschinen und Materialien in die „neue Fabrik“ an der Blumenthal­straße gebracht. Ende Juni 1876 wird das Gelände zum Verkauf oder zur Vermietung ausge­schrieben. Das Gebäude steht dann – mit Ausnahme der noch zu besprechenden vermieteten Räumlich­keiten – mehrere Jahre leer, wobei es sein kann, daß der technische Leiter Franz Horstmann hierin noch bis 1879 gewohnt hat. [14]

»»  Zu Hektor Rößlers Werkstätte und seiner Nutzung des Neuen Chausseehauses siehe ausführlicher Kapitel 1.

»»  Zu Johann Ludwig Buschbaum und seiner Rolle in der Maschinenfabrik siehe ausführlicher Kapitel 2.

»»  Zum immobilen Inventar der 1857 in eine Aktien­gesellschaft umgewandelten Maschinenfabrik und Eisengießerei siehe ausführlicher Kapitel 7.

»»  Zur Liquidation des Unter­nehmens und der Über­tragung des Grund­stücks an die Süd­deutsche Immobilien­gesellschaft siehe ausführlicher Kapitel 17.

Ein Einwand

Ein Mitarbeiter des Darmstädter Stadtarchivs erhob zu meiner Ansicht, es gebe eine bauliche Kontinuität zwischen dem neuen Chaussehaus und dem Ristorante Sardegna, folgenden Einwand:

„M[eines] E[rachtens] ist es mehr als müßig, über möglicher­weise wieder verwendete Bauteile des Neuen Chausseehauses in seinen Nachfolge­gebäuden zu spekulieren, da in Darmstadt leider keinerlei Dokumente mehr vorhanden sind, mit denen sich die Baugeschichte der fraglichen Häuser im Detail rekonstruieren ließe. In die Überlegungen wäre auch noch das Folgende einzubeziehen: eine Fabrikanlage, wie die Darmstädter Maschinenfabrik und Eisengießerei, erforderte nach den Maßstäben des 19. Jahrhunderts eine „Fabrikantenvilla“. Manche dieser Fabrikanten­villen dienten daneben auch als Verwaltungs­gebäude. Den Stadtplänen darf man wohl entnehmen, daß man genau dieses Gebäude beim Abriß der Maschinen­fabrik zunächst stehen ließ. L[au]t Adreßbuch 1878 wurde es 1876/77 vorüber­gehend von der Stadt Darmstadt erworben, die darin eine städtische Schule einrichtete. Im Adreßbuch­jahrgang 1880 wird das Gebäude wieder als Alte Eisengießerei bezeichnet (Adresse = Frankfurter Straße 50). Mit dem erstmaligen Erscheinen des Neubaues Kahlert­straße 1 im Adreßbuch 1883 verschwindet dann auch das Gebäude Frankfurter Straße 50 aus den Adreßbüchern. Wie die Stadtpläne zeigen, stand das Neue Chaussee­haus zwar genau an der Stelle der späteren Fabrikanten­villa, aber bereits deren Errichtung dürfte das Chaussee­haus nicht überlebt haben.“ [15]

Wir werden im folgenden Abschnitt sehen, wie problematisch es sein kann, sich alleine auf die Angaben des Adreßbuches zu verlassen. Tatsächlich war die Stadt Darmstadt niemals Eigentümerin des Geländes oder eines Teils davon. Im Gegensatz zu der hier geäußerten Ansicht ist es nicht ganz unmöglich, die Baugeschichte gerade dieser Häusergruppe zu rekonstruieren, nämlich dann, wenn wir sie in den Kontext bekannter Geschehnisse und Dokumente stellen.

Zunächst einmal zeigen die Verkaufsannoncen wie auch die Auszüge aus dem Brand­versicherungs­kataster, daß das solide Gebäude des Jakob Alleborn unverändert die Jahrzehnte überdauert hat. Es gibt auch keine Veranlassung anzunehmen, daß Hektor Rößler in den frühen 1850er Jahren oder die neuen Eigentümer der Aktien­gesellschaft ab 1857 das Gebäude niederlegen und durch ein neues ersetzen ließen. Gerade die Aktionäre der Maschinenfabrik waren äußerst darauf bedacht, daß ihre Investition Früchte trug, und nicht darauf zu glänzen. Benötigte die Fabrik also wirklich eine Fabrikantenvilla?

Die wenigen Gesellschaften in Darmstadt, die ihrer Größe nach in den 1860er und 1870er Jahren repräsentative Wohnbauten erheischt hätten, lassen sich kurz aufzählen: die Gasfabrik, die Maschinenfabrik, die Bank für Handel und Industrie. Von keiner dieser Institutionen ist bekannt, daß ihre Direktoren in eigenen repräsentativen Villen gelebt hätten, die zur Bank oder Fabrik gehört hätten. Sie bewohnten ihre eigenen gutbürgerlichen Häuser wie August Parcus oder Reinhard Ludwig Venator. Bei der Maschinenfabrik kommt hinzu, daß Hektor Rößler den ersten Stock des neuen Chausseehauses als repräsentativ an den Freiherrn von Schenck vermieten konnte, und dies 1837 auch besonders hervorhob, bevor zunächst Johann Ludwig Buschbaum, dann August Wernher und schließlich auch Franz Horstmann hier ihre Wohnung aufschlugen. Gerade im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts bestand also keinerlei Bedürfnis nach einem eigenen, besonders repräsentativen villenartigen Gebäude. Die Maschinenfabrik als Aktien­gesellschaft hatte erst recht kein derartiges Bedürfnis, weil die Hauptaktionäre selbst gut versorgt waren und die Direktoren als Befehlsempfänger überhaupt nicht den Status besaßen, sich mit einer Villa besonders herauszuheben.

Der technische Direktor Franz Horstmann lebte bis zur Einleitung der Liquidation des Unternehmens 1879 unverändert an der Frankfurter Straße, während der neue kaufmännische Leiter Ludwig Weber ab 1863 abwechselnd zur Miete in der Promenade­straße 43, der Promenade­straße 70 und der Wendelstadt­straße 28 logierte. Das letztere Haus gehörte der Terrain­gesell­schaft Blumenthal & Comp.

Villa Büchner.

Bild 18.07: Villa Büchner in Pfungstadt, 2006. Bildautor: Peter Brunner, cc-BY-SA 3.0.

Fabrikantenvillen sind aus Darmstadt und Umgebung ohnehin nur als Villa Büchner in Pfungstadt (1860er Jahre), Villa Roeder (1895) und Villa Merck (1890er Jahre), sowie die HEAG-Direktoren­villa bekannt. Typisch ist demnach dieser besonders repräsen­tative Wohnstil im Darmstadt des 19. Jahrhunderts ohnehin nicht gewesen.

Allenfalls ließe sich fragen, ob sich das heute an der Ecke Frankfurter und Kahlertstraße befindliche Gebäude mit unserer Vorstellung einer Fabrikanten­villa vereinbaren ließe. Wir sollten hierbei jedoch berücksichtigen, daß sich die umliegende Wohnbebauung seit den 1880er Jahren fundamental geändert hat und der ursprünglich freistehende Charakter des Gebäudes sich nur noch schwer imaginieren läßt. Abgesehen davon wurde die ursprüngliche Architektur durch kleinere Um- und Anbauten dem jeweiligen Nutzungszweck und Zeitgeist angepaßt. Hätte das Gebäude, so wie wir es heute vorfinden, ohne diese Veränderungen, dafür aber freistehend, auch heute einen repräsentativen Reiz? Das ist vielleicht Geschmackssache, aber durchaus denkbar.

Die Mädchenschule in der Eisenschmelze

Das rasante Wachstum der Darmstädter Bevölkerung brachte nicht nur neue Arbeitskräfte in die Stadt, sondern auch Kinder, die auf die verschiedenen Darmstädter Schulen verteilt wurden. Jungen und Mädchen wurden streng voneinander getrennt; ihr Unterricht besaß geschlechts­spezifische Schwer­punkte. Jungen sollten später in Handwerks­betrieben und Maschinen­hallen ihr Auskommen finden, während Mädchen auf eine Karriere als Hausfrau oder Dienst­botin dressiert wurden. Selbst­redend wurde ein besonderer Wert auf ein festes ideologisches Weltbild gelegt, weshalb der Religions­unter­richt einen besonderen Schwer­punkt einnahm. Die vorhandenen Schulen erwiesen sich in der Mitte des 19. Jahr­hunderts mehr und mehr als räumlich wie inhaltlich unzureichend, so daß neue Schul­gebäude hergestellt und neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden mußten. Die Reorganisierung des Schul­wesens mit ein­heitlichen Lehrplänen wurde in den 1870er Jahren durchgeführt. [16]

Ausschnitt aus dem Adreßbuch.
Abbildung 18.08: Ausschnitt aus dem Darmstädter Adreßbuch für 1878 [online ulb darmstadt]. Ob der hier aufgeführte Carl Rößler mit der Großfamilie des Münzrats verwandt gewesen ist? Das Bahn­wärterhaus mit Haus­nummer 70 befand sich etwa in Höhe der Einmündung der heutigen Alsfelder Straße.

In der zweiten Hälfte der 1870er Jahre kam es hierbei zu einigen Engpässen, so daß mehrere Klassen auf hierfür nur unzureichend vorbereitete Genäude ausgelagert wurden. Einige Mädchen der Darmstädter Grundschule fanden ihr provisorisches Klassenzimmer in den aufgegebenen Räumen der Maschinen­fabrik und Eisengießerei. Anzunehmen ist, daß sie im Hauptgebäude, also dem früheren „Neuen Chausseehaus“, untergebracht wurden. Bei einer Klassen­stärke von über 60 Schüle­rinnen waren ausreichend große Räume vonnöten, wie sie in der ent­sprechend konzipierten ehemaligen Wein­wirtschaft des Jacob Alleborn aus den 1820er Jahren sicherlich vorzu­finden waren. Im Darmstädter Adreß­buch für 1878 findet sich für das Anwesen Frankfurter Straße 50 ein Eintrag als „Städtisches Schul­haus“. Der gesperrte Druck des Eintrags liest sich so, als sei die Stadt Eigen­tümerin des Gebäudes. Dieser Fehl­inter­pretation scheinen einige Darm­städter Lokal­historiker und Archivare aufgesessen zu sein. Viel­leicht versuchten die Ersteller der Adreß­sammlung nur, das Gebäude seinem Zweck gemäß zuzuordnen. Gewiß ist hingegen, daß die Stadt Darm­stadt das Gebäude teil­weise angemietet hat. Es befand sich nach wie vor im Eigentum der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei. An diesem Beispiel wird ersichtlich, daß die Angaben des Adreß­buches durchaus kritisch zu hinter­fragen sind.

1876 mußte die Bürger­meisterei einen Teil des ehemaligen Neuen Chausse­hauses für 1.370,67 Mark anmieten. Hinzu kamen Kosten für die Stadt­mädchen­schule, die laut Verwaltungs­bericht des Darmstädter Bürger­meisters Albrecht Ohly für die Herstellung und Ver­besserung von Schul­gerätschaften, Lehr­mitteln usw. für die Klassen in der Maschinen­fabrik anfielen. Ob der dort angegebene Gesamtb­etrag von 840,08 Mark voll­ständig nur diesem Zweck gedient hat, ist aus der Aufstellung des Verwaltungs­berichts nicht zu ersehen.

Ausschnitt aus dem Verwaltungsbericht.
Abbildung 18.09: Ausschnitt aus dem Verwaltungs­bericht des Bürger­meisters für 1876, Seite 32.

Die räumliche Situation wird ausführ­licher im Verwaltungs­bericht für 1877 dargelegt.

„D.  Stadtmädchenschule.

Oberlehrer Pfnor. Diese Schule zählte im Schuljahr 1877/78 17 Klassen mit einer durch­schnittlichen Zahl von 1116 Kindern, von denen 968 auf die evangelische, 145 auf die katholische und 3–4 auf die israelitische Confession entfallen. Sie litt mehr, als die anderen Schulen unter schwerer Raumnoth und war wie folgt untergebracht: mit 10 Klassen im Schulhaus in der Karlsstraße, mit 5 Klassen in einem gemietheten Theil der alten Eisenschmelze, mit einer Klasse im Mai'schen Stiftshaus und mit einer Klasse in der alten Synagoge. Es leuchtet von selbst ein, wie lästig die Aufgabe des Ober­lehrers und derjenigen Lehrer war, welche in verschiedenen Klassen unter­richteten. Das Lehr­personal bestand, außer dem Ober­lehrer und 5 Hülfs­lehrern, aus 10 definitiven Lehrern, 1 definitiven Lehrerin, 1 Schul­verwalter und 5 Schul­verwalterinnen. Ein Lehrer und eine Schul­verwalterin gehörten der katholischen Confession an.

Der Unterricht in den weiblichen Handarbeiten wurde durch 10 Lehrerinnen ertheilt. In Betreff der Leistungen und einer auch an dieser Schul­gruppe veranstalteten Ausstellung kann das bei B. Gesagte nur wieder­holt werden. Die Leistungen verdienten gerade im Hinblick auf die Armuth und die mangel­hafte häusliche Unter­weisung eines Theils der Schüle­rinnen besondere Anerkennung.

Zu A–D ist noch zu bemerken, daß der Turnunterricht an den Knaben- und Mädchenschulen obligatorisch ist. Es ist dafür ein besonderer Lehrer angestellt, neben welchem jedoch auch einige Lehrer der einzelnen Schulen Turnunterricht ertheilten.“

Wenn hier von der alten Eisenschmelze die Rede ist, dann ist nicht ein Werk­stattraum gemeint, sondern der gesamte Gebäude­komplex. Auch wenn die Mädchen hier in einer Klassen­größe zusammen­gepfercht worden sind, die schon damals der Wert­schätzung von Bildung und eigen­ständigem Lernen ent­sprach [17], so können wir davon ausgehen, daß hier die Räum­lich­keiten der Eisen­schmelze genutzt wurden, die für einen Unterrichts­betrieb geeignet waren. – Unter „dem bei B. Gesagten“ wurde die Mittel­schule für Mädchen erfaßt. Der speziell geschlechts­spezifische Bildungs­auftrag wird wie selbst­verständ­lich beschrieben:

„Der Unterricht in den weiblichen Hand arbeiten wurde von 3 Lehrer­innen ertheilt. Eine im Früh­jahr 1878 im Anschluß an die Schul­visitation veranstaltete Aus­stellung von Hand-Arbeiten der Schüle­rinnen bewies die Tüchtig­keit der Leistungen auf diesem für das weibliche Geschlecht so wichtigen Gebiet und trug der Schule die ehrende Anerkennung der Vertreterin Ihrer König­lichen Hoheit der Groß­herzogin und der Damen des Alice­vereins für Frauen­bildung und Erwerb ein, in dessen Schule unsere jüngeren Industrie­lehrerinnen ihre Vorbildung erhalten haben.“

Weder die Königliche Hoheit noch die Alicedamen werden sich mit solch einem Firlefanz wie Handarbeit aufgehalten haben; dafür haben die Begüterten ja ihre Hausmädchen. Doch den unteren Klassen muß eine derart privilegierte Frau Sittsamkeit und Ehrfurcht vor dem männlichen Geschlecht eintrichtern.

Überhaupt: Gehorsam und Gefügigkeit. Für viele Mädchen war, insbesondere in einer gutbürgerlichen Residenzstadt, das Leben als Dienstbotin vorgesehen. Dieser Vorsehung scheinen so manche junge Frauen nicht entsprochen zu haben, denn sie äußerten so etwas wie einen freien Willen, der für das weibliche Geschlecht ganz und gar als abträglich galt. So lamentierte die Darmstädter Zeitung, das Vorzugsblatt für Hofschranzen und vorbildlich-bürgerliche Ethik 1874:

„Darmstadt, 12. Okt.  Die Beschwerden über die weiblichen Dienst­boten, über Lider­lichkeit, Faulheit, Wort- und Contract-Brüchig­keit, sind gegen­wärtig so mannig­fache, daß sich die Polizei mehr wie je mit derartigen Angelegen­heiten zu befassen hat. Auch die Presse wird neuerdings häufig als Organ für solche Beschwerden in Anspruch genommen. Wir können den Betreffenden nur versichern, daß die Herr­schaften den Dienst­boten gegenüber so gut wie ohn­mächtig sind, und daß ein Dienstherr, der durch vertrags­brüchiges Davon­laufen seine Magd los geworden ist, dieser gegen­über auch machtlos ist. Alle Polizei­verordnungen, welche in den Einzel­staaten bestanden, haben durch die Frei­zügigkeit ihre wirksamste Handhabe verloren, und wir müssen die Interessenten daher auf ein Reichs­gesetz, das die Arbeiter­frage überhaupt und damit auch das Dienst­boten­wesen ordnet, vertrösten. Einst­weilen muß man sich so gut wie es geht behelfen.“ [18]

Vorbei die Zeiten, in denen Dienstmädchen zu Gehorsam in jeder Lebenslage getrimmt wurden und dann, wenn der Sohn des Hauses sie geschwängert hatte, man sie ganz einfach aus der Stadt hinauswerfen konnte. Selbstredend waren hier nie die Söhne liederlich …

Ausschnitt aus dem Verwaltungsbericht.
Abbildung 18.10: Ausschnitt aus dem Verwaltungs­bericht des Bürger­meisters für 1878, Seite 28. Die hier angeführte Mehrausgabe ad 18 betrifft die Stadt­mädchen­schule.

Für die Unterhaltung der provi­sorische Schule in der Eisen­schmelze waren 1877 92 Mark veranschlagt worden; ausgegeben wurden 41,72 Mark. Die Anmietung der „provisorische Locale in der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei“ war nur bis Ende Juli 1877 vorgesehen, mußte aber bis zum Jahres­ende aufrecht erhalten werden, wodurch Mehr­kosten für Mieten in Höhe von 856,67 Mark anfielen. Auch der städtische Voran­schlag für 1878 kalkulierte mit sieben­einhalb Monats­mieten in Höhe von 1285 Mark. Tatsäch­lich mußten jedoch 2.020,67 Mark für das gesamte Jahr aufgewendet werden, wovon 650 Mark für die Wieder­herstellung der Räume anfielen.

Mit Beginn des Schuljahres 1878/79 standen den Mädchen zwei neue Schulge­bäude in der Runde­turm­straße und der Blumen­straße [heute etwa Landgraf-Georg-Straße] zur Einübung weiblicher Pflichten zur Verfügung. In achtzehn Klassen wurden 1139 Schülerinnen darin unterrichtet. Es stand beiden nah beieinander gelegenen Instituten eine gemeinsame Turnhalle zur Verfügung.

Abschließend befaßte sich die Stadtverordneten­versammlung am 30. Dezember 1878 mit der Anmietung eines Teils des ehemaligen Wohngebäudes der alten Fabrik an der Frankfurter Straße. „Mit der Maschinenfabrik und Eisengießerei wird eine Vereinbarung auf 650 Mark für zu Schulzwecken gemiethet gewesene Räumlichkeiten genehmigt.“ Aus dem parallelen Bericht des „Darmstädter Tagblatts“ geht hervor, daß der Betrag „als Entschädigung für die der Stadt vertragsmäßig obliegende Wiederherstellung der als Schulräume benutzten Localitäten“ vorgesehen war. [19]

Ausschnitt des Stadtplans von 1880.

Abbildung 18.11: Ausschnitt aus dem Plan der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt, nach amtlichen Quellen bearbeitet von Ferdinand Heberer, 1880 [online ulb darmstadt]. Das Gelände der „alten Fabrik“, worin einige der Mädchen­klassen ausgelagert waren, ist mit einem roten „M“, die Gebäude der beiden neuen Mädchenschulen sind mit einem roten „S“ markiert. Ganz in deren Nähe befand sich das damals am östlichen Stadtrand angesiedelte chemisch-pharmazeutische Unternehmen Merck. Der Plan ist geostet.

Die Süddeutsche Immobiliengesellschaft

Im Zuge der Liquidation des Unternehmens versuchte die Direktion der Maschinenfabrik im Frühjahr 1879, das Gelände der „alten Fabrik“ abzustoßen. Interessenten waren wohl vorhanden, doch der Preis, den sie bereit waren zu zahlen, entsprach keineswegs den Vorstellungen der Direktion und der Gläubigerbanken. So kam die Bank für Handel und Industrie auf die trickreiche Idee, ihre Forderungen durch einen Verkauf an die Süddeutsche Immobilien­gesellschaft einzutreiben und ihre Bilanzen dadurch aufzubessern. Diese Gesellschaft hingegen war selbst eine Gründung der Bank, die jahrelang bestenfalls gerade einmal eine schwarze Null schrieb und keine Dividenden auszahlte. In gewisser Weise war sie das, was wir heute eine „Bad Bank“ nennen würden. Faule Papiere oder Forderungen wurden ausgelagert.

Die Darmstädter Bank gründete 1871 zwei Immobilienbanken, die in München ansässige Süddeutsche Bodencreditbank und die Süddeutsche Immobilien­gesellschaft in Mainz.

„Die Gründung der beiden im Immobilienbereich tätigen Aktienbanken erklärt sich sicherlich aus der großen Immobilien­spekulation jener Jahre und dem Verbot von Hypotheken­geschäften im Statut der Bank für Handel und Industrie. Diese gründete daher zwei Banken, die möglichst hohe Gewinne in diesem Geschäftsfeld abschöpfen sollten. Man schuf in München die Süddeutsche Bodencreditbank, die solide Hypotheken­kredite vergeben sollte, und in Mainz die Süddeutsche Immobilien­gesellschaft, die sich der Immobilien­spekulation widmen sollte.“

Schon der Start der Immobilien­gesellschaft war holprig. Die Einzahlung des Aktienkapitals verzögerte sich und der Versuch, die Aktien an die Börse zu bringen, war nur mäßig erfolgreich. Dennoch liefen die Geschäfte erst einmal gut an, zunächst konnten noch zehn Prozent Dividende ausgezahlt werden. Die Gründerkrise traf das Unternehmen dann 1876 besonders hart, als ein Viertel des Aktienkapitals abgeschrieben werden mußte. In den Jahren zwischen 1874 und 1890 konnte keine Dividende ausgeschüttet werden. [20]

Erst als die Baukonjunktur Anfang bis Mitte der 1880er Jahre wieder anzog und die Bebauung des Blumenthal­viertels über die Kahlertstraße nach Norden hin hinübersprang, konnte die Immobilien­gesellschaft das Gelände verwerten. Mehrere kleinere Baulöwen [21] zogen Häuser im vormals der Maschinenfabrik gehörenden Häuserblock Frankfurter Straße – Pallaswiesen­straße – Viktoria­straße – Kahlert­straße hoch. Dem Adreßbuch ist die Parzellierung und der damit verbundene mehrfache Eigen­tümer­wechsel zu entnehmen. Das Brand­versicherungs­kataster, das über diesen Vorgang ebenfalls Auskunft geben könnte, ist für die 1870er und 1880er Jahre nicht verfügbar; vermutlich verbrannte es im September 1944.

Angesichts der neuen Wohngebäude auf der Nordseite der Kahlertstraße fand eine kleine Korrektur des Gebäude­adressierung statt. 1820, als das Neue Chausseehaus errichtet wurde, und 1865, als von der Buchstaben-Zahlen-Kombination des Brand­versicherungs­katasters auf die uns heute geläufige Adressierung mit Hausnummern gewechselt wurde, existierte die Kahlertstraße noch nicht. Der Vorgänger war ein unbenamter Trampelpfad; und hier befand sich schon damals die Hauptzufahrt zum Gelände der Maschinenfabrik. Folgerichtig erhielt 1865 die Brand­versicherungs­katasternummer F. 209 die Hausnummer 50; und zwar an der Frankfurter Straße gelegen. Noch für 1880 und 1882 verweist das Adreßbuch unter der Nummer 50 auf die Alte Eisen­gießerei, in den Ausgaben für 1883 und 1885 fehlt der Eintrag.

Mit Beginn der 1880er Jahre wurde auch die Nordseite der Kahlert­straße durchgehend benummert; und da das Gebäude seit Jahren leerstand, war es kein Problem, ihm nunmehr die Hausnummer Kahlertstraße 1 zuzuweisen, so erstmals 1883 mit der Süddeutschen Immobilien­gesellschaft als Eigenümerin. Manchmal sind die Dinge ganz einfach. Es wurde kein neues Wohngebäude mit angeschlossener Gaststätte hochgezogen, sondern die ehemalige Gaststätte des Jakob Alleborn nur mit neuer Anschrift versehen. Derartige Adreß­ver­schiebungen waren übrigens nichts Ungewöhn­liches. Sie geschahen schon in den Früh­zeiten des Brand­versicherungs­katasters oder bei der Ver­längerung der Pallas­wiesen­straße bis zum Schloß­garten­platz zu Beginn der 1890er Jahre. [22]

Und deswegen finden wir heute am Nachbargebäude an der Frankfurter Straße die Hausnummer 50 vor.

Gebäudeansicht 2015.

Bild 18.12: Jakon Alleborn hätte es sich nie träumen lassen, daß frau und man seine Wein­wirtschaft auch mit einer elektrisierten Maschine auf Rädern und Schienen erreichen können würde. Die meisten Gästinnen und Gäste bevorzugen allerdings eine andere Kuriosität, die mit Sicherheit Hektor Rößlers Interesse geweckt hätte. Diese Miefomobile verstopfen nicht nur den Weg der Straßenbahn, sondern sind im Johannesviertel derart allgegen­wärtig, daß es schier unmöglich ist, eine Hausansicht ohne derart störendes Beiwerk zu erhalten. Das nennen die Bau­dezernentinnen und Stadtplaner von heute dann urbanes Flair. Aufnahme vom Oktober 2015.

Nummernsalat

Die Darmstädter Adreßbücher sind nur mäßig hilfreich, um die Ausdehnung des Blumenthal­viertels nördlich der Kahlertstraße zu klären.

Das Adreßbuch für 1876 nennt für das Anwesen Frankfurter Straße 50 noch die Maschinenfabrik und Eisengießerei als Eigentümer, behauptet aber – wie wir gesehen haben unzutreffend – für 1878, es sei Städtisch für das Schulhaus. Für 1880 und 1882 nennt es den wohl eher als Platzhalter zu verstehenden Eintrag Alte Eisengießerei, in den Ausgaben für 1883 und 1885 fehlt der Eintrag. Hier muß die Umzeichnung in Kahlertstraße 1 vorgenommen worden sein, für die richtig die Süddeutsche Immobilien­gesellschaft als Eigentümerin aufgeführt wird.

Vermutlich 1885 wird die Gesellschaft, vielleicht auch als ihr Kooperations­partner die Blumenthal'sche Tarrain­gesellschaft, das Grundstück an der West­seite der Frankfurter Straße nördlich des ehemaligen Neuen Chaussee­hauses bis hin zur Pallas­wiesen­straße in fünf Teilstücke neu aufgeteilt haben. Zwei davon dürften 1885 an den Architekten Johannes Wagner verkauft worden sein. Sie erhalten nach und nach die Haus­nummern 50 bis 58. Wagner behält Nummer 50 für sich und wird für Nummer 52 durchaus zutreffend ein Bauunter­nehmer genannt. Denn das Fertig­stellung des Gebäudes nennt das Adreß­buch für 1887 den Ober­landes­gerichtsrat Adolph Lippold als Eigentümer.

Wie schwierig es für die Süddeutsche Immobilien­gesellschaft gewesen sein mag, Käufer für die Grundstücke zu finden, zeigt sich daran, daß erst im Adreßbuch für 1892 bei den restlichen drei Grundstücken neue Eigentümer genannt werden. Auch der zur Terrain­gesellschaft gehörende Bereich entlang der westlichen Frankfurter Straße nördlich der Pallaswiesen­straße ist weiterhin unbebaut und unbewohnt. Seit den 1870er Jahren gibt es weiter nördlich nur die Hausnummern 66 (späteres Gaswerk), 70 für das Bahn­wärterhaus der Hessischen Ludwigsbahn an der Kreuzung der Eisenbahn nach Aschaffenburg mit der Frankfurter Straße und 72 für die Central­werkstätte der Hessischen Ludwigsbahn, dem späteren Wagenwerk – alle drei auf dem Gelände, das wir uns angewöhnt haben, die „Knell“ zu nennen. Als dann doch auch nördlich der Pallas­wiesenstraße die Bebauung beginnt, werden die Hausnummern angepaßt, so daß die beiden Einrichtungen der Hessischen Ludwigsbahn nach dem Adreßbuch für 1893 nunmehr die Nummern 116 und 120 erhalten; im nachfolgenden Adreßbuch für 1894 wird dann auch aus der Hausnummer 66 die Nummer 102. Da beide Umnumerierungen wohl gleichzeitig stattgefunden haben, dürften die Herausgeber des Adreßbuchs wohl ein wenig unaufmerksam gewesen sein.

Die Erweiterung und damit verbundene Umnumerierung der Pallaswiesen­straße fand etwa 1890 statt. Das Adreßbuch für 1890 nennt als Eigentümerin für das südwestliche Endgrundstück Pallaswiesen­straße 2 die Süddeutsche Immobilien­gesellschaft. Das nachfolgende Adreßbuch für 1892 läßt die Straße nunmehr am Schloß­gartenplatz beginnen, folglich erhält das Eckgrundstück neu die Haus­nummer 22, wobei interessanter­weise die Häuser Frankfurter Straße 56 und 58 (eben genau dieses Eckgrund­stück) erstmals Erwähnung finden, die beide dem dort nicht wohnenden Subdirector Carl Kühner gehören. Erst im Adreßbuch für 1896 wird die Gesell­schaft nicht mehr aufgeführt, ohne daß erkenntlich ist, ob hier ein Rest­grundstück verkauft wurde oder ob das Adreßbuch nachträglich an die Realität angepaßt worden ist, weil jahrelang niemand bemerkt hatte, daß es sich bei Frankfurter Straße 58 und Pallaswiesen­straße 22 um dasselbe Grundstück gehandelt hat. Im Oktober 1903 fuhr dann die städtische elektrische Straßen­bahn durch die verlängerte Pallas­wiesen­straße bis zur Endhalte­stelle am Schloß­gartenplatz.

Die Kahlertstraße wurde nur allmählich bebaut. Abgesehen vom Areal der Maschinenfabrik und Eisengießerei zwischen Frankfurter und Liebigstraße, für das offenbar die Hausnummer 1 bis 7 oder 9 reserviert waren [23], finden wir beispielsweise im Adreßbuch für 1876 nur die Hausnummern 12, 13 und 15 vor; das erste Jahr (oder wohl eher das Vorjahr 1875) übrigens, in dem die nördliche Kahlertstraße neu bebaut wurde. 1878 kommen weiter westlich zwei weitere Häuser hinzu. Im Adreßbuch für 1882 gibt es mit der Hausnummer 7 erstmals ein Miethaus der Süddeutschen Immobilien-Gesellschaft auf dem früheren Gelände der Maschinenfabrik. 1883 folgen die Häuser 1 im Eigentum der Süddeutschen Immobilien-Gesellschaft und 3 mit dem uns schon bekannten Architekten Johannes Wagner. In Nummer 7 wohnt für einige Jahre nunmehr ein Vertreter der Gesellschaft. 1885 hat Johannes Wagner ein weiteres Mietshaus errichten lassen, das nunmehr die Nummer 5 trägt; seine beiden Häuser sind ein Jahr später aber scvhon verkauft. Erst das Adreßbuch für 1890 nennt für die beiden der Gesellschaft gehörenden Gebäude Nummer 1 und 7 neue Eigen­tümer, und das sind dann gleich zwei Wirte. Das Verzeichnis der Gast­wirt­schaften im gleichen Band schweigt sich jedoch über eine Nutzung des ehemaligen neuen Chaussee­hauses für den ursprüng­lichen Zweck aus; und dies zieht sich so fort bis über den Ersten Weltkrieg hinaus. [24]

Das Adreßbuch für 1924 nennt erstmals den Hausbauverein der Burschenschaft Rheno-Guestfalia als Eigentümer, die offensichtlich die Räumlichkeiten im Erdgeschoß genutzt hat. 1935 hat sie das gesamte Gebäude okkupiert, nur ein Hausmeister ist als weiterer Bewohner eingetragen.

Und hieran schließt sich die launige Abhandlung von Annette Krämer-Alig an; mit der Bäckerei-Innung und der Gildenstube. Irgendwann wird hieraus der Ristorante Sardegna mit wechselnden Pächtern.

Die Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei wird in Kapitel 19 fortgesetzt mit einer kurz gefaßten Geschichte der Unternehmen, die sich nach der Liquidation der Maschinenfabrik auf dem Gelände der „neuen Fabrik“ angesiedelt haben. Hierzu haben sich Darmstadts Historiker etwas ausgedacht.

Quellen- und Literaturverzeichnis.


Anmerkungen

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Achtzehntes Kapitel zur Geschichte der Maschinenfabrik und Eisengießerei Darmstadt.

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Bearbeitungsstand: 1. November 2021.
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