Tafel zu Posten 85. Verrostete Tafel zur Anzeige des Postens 85 an der Bergschneise.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Bahnübergänge, Posten und Bahnhäuser

Übersichtsseite

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Zwischen den Bahnhöfen in Goddelau und Darmstadt kreuzten Dutzende Straßen, Feld- und Waldwege die Strecke. Sie abzusichern war Aufgabe von Schrankenwärtern und manchmal auch Schrankenwärterinnen. Mit ihren Familien lebten und wohnten sie in den Bahnhäusern entlang der Strecke, von denen einige, wenn auch umgebaut, heute noch vorhanden sind. Diese Seite versucht, eine Übersicht über bekannte und unbekannte Schrankenposten entlang der Riedbahn zu geben. Diese Übersicht muß mangels ausreichenden Quellen- und Archivmaterials unvollständig bleiben. Ausgeschrieben wurden die Bauarbeiten für die neun Bahnwärter­häuschen (mit den Nummern 66?, 68?, 70, 74, 78, 79, 81, 83 und 84) im Juli 1872, so daß mit deren Bau alsbald begonnen worden sein dürfte. Ein solches Bahnhaus sollte als Einheitsbau 3.203 Gulden und 9 Kreuzer kosten.


Posten 62 befand sich an der nördlichen Bahnhofs­einfahrt von Goddelau an der Bahnhofstraße in Richtung Erfelden.

Posten in Goddelau.

Möglicherweise sehen wir hier Posten 63 im Nordwesten von Goddelau. Ein schräg über die Gleise verlaufender Übergang in Kombination mit den im Hintergrund erkennbaren, um etwa 45 Grad versetzten Häuserzeilen ist auf Goddelauer Gemarkung eigentlich nur an dieser Stelle möglich (vgl. hierzu den östlichen Bahnüber­gang 63 auf dem Lageplan von 1973). Der Zeitpunkt der Aufnahme wird mit „ca. 1900“ angegeben. Da ich mich mit Militaria und Uniformen nicht auskenne, vermag ich nur zu vermuten, daß dieses Bild während der französischen Besatzung zwischen 1918 und 1930 entstanden ist. Weitere Informationen zur Riedbahn in Goddelau finden sich auf der Seite Ankunft in Goddelau. Das Bild wurde einem Riedstädter Heimatbuch entnommen.

Die Lage der Posten 64 bis 67 ist noch zu klären. Vermutlich befand sich der Bahnüber­gang 64 in der Kurve zwischen Goddelau und Wolfskehlen, der Posten 65 in Wolfskehlen am westlichen Bahnhofsende an der Straße nach Goddelau, Posten 66 (mit Bahnwärterhaus) östlich der Bahnhofsanlagen, und der Bahnüber­gang 67 mitten in den Wiesen und Feldern zwischen Wolfskehlen und der Gemarkungs­grenze zu Griesheim.

Bahnwärterhaus.

Als ehemaliges Bahnwärter­haus ist dieser Bau inmitten der Wiesen südlich der Wolfskehler Chaussee zu erkennen. Es handelt sich um das Bahnhaus 68, zu dem es sieben Familienbilder aus den 1950er Jahren gibt. Weitere Bilder und Informationen zur Riedbahn westlich von Griesheim finden sich auf der Seite Von Griesheim nach Wolfskehlen.

Posten 69.

Der Bahnübergang 69 ist aufgrund der Kilometrierung 49,3 als Kreuzung der Riedbahn mit einem Feldweg am heutigen Motorsportplatz zu identifizieren. Dort liegt neben einer abgesägten Absperrung seit etwa einem halben Jahrhundert ein kleiner Schotterstein­haufen. Ein weiterer Bahnübergang ohne (mir bekannte) Nummer etwa einen halben Kilometer weiter in Richtung Griesheim erhielt im April 1956 eine Anrufschranke. Weitere Bilder und Informationen zur Riedbahn westlich von Griesheim finden sich auf der Seite Von Griesheim nach Wolfskehlen.

Posten 70.

Posten 70 bestand aus einem Straßenposten an der Wolfskehler Chaussee und einem Bahnhaus im Zwickel zwischen Riedbahn und Straße. Die ursprünglich (und seit Mitte der 1970er Jahre auch wieder) schnurgerade von Wolfskehlen nach Griesheim verlaufende Straße wurde zur Querung der Bahnstrecke mit einer Art umgedrehter S-Kurve versehen, um eine fast rechtwinklige Kreuzung zu erhalten. Die Massen­motorisierung der 1950er und 1960er Jahre wirkte sich hierbei in einigen Unfällen aus, weil die dem Geschwindigkeits­rausch verfallenenen Blechpiloten das Hindernis zu spät wahrnahmen. Quelle: Stadtarchiv Griesheim, em2008.0023.

»»  Weitere Bilder und Informationen zur Riedbahn westlich von Griesheim finden sich auf der Seite Von Griesheim nach Wolfskehlen.
»»  Weitere Bilder und Informationen zum Posten 70 finden sich auf der Seite Posten 70 an der Wolfskehler Chaussee.

Bekanntmachung.

Das Liegenschaftsbuch der Reichsbahn bzw. Bundesbahn für die Gemarkung Griesheim nennt vier Bahnwärter­häuser und eine nicht explizit als solches ausgwiesene Hofreite. Zwei sind, wenn auch zum Teil bis zur Unkenntlichkeit umgebaut, noch vorhanden (70 und 74), drei wurden abgerissen (78, 79 und 81). Von diesen fünf Gebäuden stand das erste ungefähr bei Kilometer 49,7 (Bahnhaus 70), ein als „Bahnwärter­haus 2“ bezeichnetes ungefähr bei Kilometer 51,0 (Bahnhaus 74), ein drittes ungefähr bei Kilometer 52,8 (Bahnhaus 78), ein als „Bahnwärter­haus 4“ bezeichnetes etwa bei Kilometer 53,5 (Bahnhaus 79), sowie eine Hofreite bei Kilometer 54,7 (Bahnhaus 81).

Mit einer im „Neuen Griesheimer Anzeiger“ am 6. September 1924 veröffentlichten Bekanntmachung wies die Griesheimer Bürgermeisterei darauf hin, daß aus Kostengründen die Bahnüber­gänge 72 und 74 nachts geschlossen werden. Da hier die ebenso nachrangigen Bahnüber­gänge 71 und 73 nicht genannt werden, kann daraus vielleicht geschlossen werden, daß selbige schon Mitte der 1920er Jahre außer Funktion waren.

Westlich von Griesheim.

Westlich von Griesheim, vielleicht auf dem Gewann „Fohlenweide“, befand sich dieser Bahnübergang, dessen Nummer (73 ?) offen bleiben muß. Zwischen Posten 70 an der Wolfskehler Chaussee und dem Bahnhaus 74 am westlichen Ortsrand Griesheims muß es für die Landwirtschaft drei weitere Übergänge gegeben haben. Das Entstehungs­datum dieses Bildes ist unbekannt, vermutlich entstammt es den 1960er Jahren. Die von den Pferden geworfenen Schatten verraten eine Aufnahme am Nachmittag, und wir blicken gen Süden. Weitere Bilder und Informationen zur Riedbahn westlich von Griesheim finden sich auf der Seite Von Griesheim nach Wolfskehlen. Quelle: Stadtarchiv Griesheim, em2009.0154.

Posten 74.

Posten 74 bewachte den Übergang eines Wegs am westlichen Ortsrand von Griesheim, der nach Büttelborn führte. Das Bahnhaus seit den 1960er Jahren umgebaut und steht heute direkt an der westlichen Griesheimer Umgehungsstraße, die rechts zu erahnende Schrankenwärter­bude ist längst Geschichte. Weitere Bilder und Informationen zur Riedbahn westlich von Griesheim finden sich auf der Seite Von Griesheim nach Wolfskehlen. Quelle: Stadtarchiv Griesheim, em2008.0066.

Der Übergang 75 muß für einen Feldweg zwischen dem Bahnhaus an der Umgehungsstraße und dem Stellwerk an der Pfützenstraße bestimmt gewesen sein.

Posten 76.

Westlich der Griesheimer Bahnhofs­anlagen befand sich Posten 76. Zunächst durch eine einfache Wärterbude, später durch das hier sichtbare Stellwerk wurde der Bahnübergang an der Pfützenstraße gesichert. 1965 erhielt Griesheim aus Anlaß seines 800-jährigen Bestehens die Stadtrecte verliehen; die Kutsche begibt sich zu den Festlich­keiten. Weitere Bilder und Informationen zum Posten 76 finden sich auf der Seite Posten 76 an der Pfützenstraße in Griesheim. Aufnahme zur Verfügung gestellt von Ria Herz.

Posten 77.

Auf diesem Luftbild aus den 1950er Jahren ist die Größe der Griesheimer Bahnhofsanlagen noch gut zu erkennen. Am östlichen Ende kreuzt die Schöneweiber­gasse die Bahnstrecke am durch das Stellwerk markierten Posten 77. Weitere Bilder und Informationen zum Griesheimer Bahnhof finden sich auf der Seite Der Bahnhof in Griesheim. Quelle: Stadtarchiv Griesheim, em2008.0081.

Posten 78.

Im Griesheimer Norden wurde die Hofmannstraße über den Bahnübergang 78 geführt. Das Verkehrsschild für eine Tempo 30-Zone läßt die Aufnahme in die späten 1980er Jahre datieren, spätestens 1991 mit dem Abbau der Gleisanlagen. Weitere Bilder und Informationen zu Griesheim finden sich auf der Seite Griesheim im Ried. Quelle: Stadtarchiv Griesheim, em2008.0027.

Bahnwärterhaus.

Ein ehemaliges Bahnwärter­haus stand an der nordöstlichen Bebauungs­grenze des Griesheimer Neubaugebietes und bewachte einst als Posten 78 den Bahnübergang am Gehaborner Weg. Die Postennummer 78 für dieses Bahnhaus findet sich noch im Liegenschaftsbuch der Reichsbahn bzw. Bundesbahn für die Gemarkung Griesheim. Die landespolizeiliche Abnahme der Verlegung des Übergangs von Km 52,818 nach Km 52,270 fand am 6. Februar 1925 statt. Das nunmehr als Bahnhaus entwidmete Wohnhaus wurde jahrzehntelang weiter bewohnt und 2012 zugunsten eines Neubaus abgerissen.

Posten 79.

Posten 79 befand sich an der ehemaligen Bundesstraße 26 von Darmstadt über Groß-Gerau nach Mainz. Rechts der Straße stand das zugehörige Bahnhaus, das nach mehreren Umbauten zu Beginn der 1990er Jahre abgerissen wurde, um einer Umgehungsstraße Platz zu machen. Dieser Schrankenposten wurde mit dem vierspurigen Ausbau samt zugehöriger Straßenbrücke 1958 funktionslos und somit aufgegeben. Gerhard Schreiner, dessen Vater wir hier als Schrankenwärter sehen, hat die Bauarbeiten fotografisch begleitet. Diese Bilder werden auf mehreren Seiten vorgestellt; die Startseite zu dieser Dokumentation befindet sich hier.

Posten 80.

Posten 80 an der Braunshardter Hausschneise diente vorzugsweise dem land- und forstwirtschaft­lichen Verkehr. Die Schranke wurde vom Posten 79 fernbedient, der Bahnübergang selbst nach hartem Kampf zwischen der Gemeinde Griesheim und der Bundesbahn 1960 geschlossen. Als Zeitpunkt dieser Aufnahme sind die Jahre 1956 bis 1960 anzunehmen. Weitere Bilder und Informationen zu diesem Bahnüber­gang finden sich auf der Seite Im Weigandsbusch bei Griesheim. Aufnahme zur Verfügung gestellt von Gerhard Schreiner.

Posten 81.

Am Bahnwärterhaus des Postens 81 kreuzte der Dornheimer Weg als Verbindungsstraße der Darmstädter Waldkolonie zum Gehaborner Hof die Riedbahn. Hierzu gibt es nun drei Bilder auf der Seite zur Riedbahn im Weigandsbusch. Der zugehörige Vermessungs­plan zeigt den Zustand des Grundstücks im April 1940. Quelle: Katasteramt Darmstadt.

Posten 82.

Die am 6. September 1911 in Betrieb genommene Blockstelle Pallaswiese befand sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnübergang Nr. 82 auf dem freien Feld am Rande der Pallaswiesen. Es soll eine Fotografie dieser Blockstelle im Kranichsteiner Eisenbahn­museum geben, bislang ist sie jedoch nicht auffindbar. Weitere Informationen zur Blockstelle und ihrer Umgebung finden sich auf der Seite Rund um die Blockstelle Pallaswiese. Der zugehörige Vermessungs­plan zeigt den Zustand des Grundstücks im November 1936. Quelle: Katasteramt Darmstadt.

Emailleschild Pallaswiese. Bahnhaus 83.

Posten 83 befand sich nördlich der Pallaswiesen und diente dem landwirtschaft­lichen Verkehr rund um die „Tanne“ (die Baumreihe im Hintergrund) als Überweg. Auf diesem Bild der Blumenkohl­ernte 1928 ist das Bahnhaus im Hintergrund links zu erkennen. Der Verlauf der Riedbahn ist anhand der Telegrafen­masten auszumachen. Zur unvollkommenen Überlieferung der Aktenlage gehört eine im Schreiben gestrichene Notiz des hessischen Finanzministeriums an das Kreisamt in Groß-Gerau vom 25. Januar 1909, die einen Einblick in den Kampf um die zumindest zeitweise Schließung von Bahnüber­gängen gibt: „Da von dem Wegübergang Nr. 83 in der Gemarkung Weiterstadt aus keine geeigneten Verbindungswege nach den benachbarten Uebergängen bestehen, so sind wir nicht in der Lage die Genehmigung zu der beantragten Schließung der Schranken des genannten Uebergangs zu erteilen.“ Weitere Bilder und Informationen zu diesem Bahnüber­gang finden sich auf der Seite In Weiterstadts Stadtteil Riedbahn. Aufnahme zur Verfügung gestellt aus dem Familienalbum Laumann.

Bahnhaus 84.

Posten 84 sicherte die von Darmstadt (links) herführende Weiterstädter (später umbenannt in Mainzer) Straße und nach Weiterstadt (rechts) weitergeleitete Riedbahn­straße ab. Seit 1954 verfügte der Bahnübergang über eine damals hochmoderne automatische Halbschranken­anlage. Der Zeitpunkt der Aufnahme wird mit 1962/63 angegeben. Zum Posten 84 gibt es eine eigene Fotoseite. Aufnahme zur Verfügung gestellt von Dieter H. aus Riedstadt.

Verrostete Postentafel.

Posten 85 bewachte den Bahnübergang an der Bergschneise unterhalb der westlichen Einführung der Main-Neckar-Bahn. Der Posten wurde (um 1970 ?) durch ein Drehkreuz ersetzt. Möglicher­weise entsprang dieser Posten einem um 1910 errichteten Block­stellwerk. Übrig geblieben sind ein paar Mauerreste und eben diese stark angerostete Tafel, auf der die „5“ noch deutlich zu erkennen ist. Weitere Bilder und Informationen zu diesem Bahnüber­gang finden sich auf der Seite Fragen rund um den Posten 85 an der Bergschneise. Ursprünglich scheint Posten 85 zunächst an der alten Hammelstrift gelegen zu haben, und zwar dort, wo deren ursprüngliche Wegführung die Gleiskurve am Wöhlerweg kreuzt.


Im Anschluß an Posten 84 besaß die ältere Riedbahn­strecke bis etwa 1912 eigene Bahnüber­gänge und Schrankenposten. Ein weiteres Bahnhaus befand sich an der Gräfenhäuser Straße, mindestens ein Übergang an der (damaligen) Hammelstrift in der Nähe der Bergschneise, einen weiteren Bahnüber­gang dürfte das Blockstellwerk an der Hammelstrift abgesichert haben. Am Sensfelder Weg, kurz nach dem Abzweig der Verbindungsbahn, stand ein Bahnwärter­haus, ein weiteres am Löcher­wiesenweg am Rande des 2000 geschlossenen Ausbesserungs­werks an der Knell. Möglicherweise existierte in der Mitte zwischen den beiden Posten ein weiterer Bahnübergang in Höhe des heutigen Carl-Schenck-Rings. Die Kreuzung mit der Pallaswiesen­straße wurde durch Schrankenposten 45 (hier erfolgte die Nummerierung durch die Main-Rhein-Bahn) abgedeckt. Vermutete Postennummern:


Literatur


 
 
 
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