Tafel zu Posten 85. Verrostete Tafel zur Anzeige des Postens 85 an der Bergschneise.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Der Posten 79 bei Griesheim

Teil 6: Fertigstellung der Straßenbrücke

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Strecken­abschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Gerhard Schreiner, ein Sohn des damaligen Schranken­wärters, hat den Bau der Straßenbrücke über die Riedbahn direkt am Schranken­posten 79 in rund einhundert Bildern festgehalten. Eine Auswahl dieser schwarz/weiß-Fotografien wird auf dieser Unterseite meiner Riedbahn-Dokumentation gezeigt. Zunächst wurde 1957/58 eine zweistreifige Straßenbrücke errichtet, im Folgejahr die zweistreifige Fahrbahn der Gegenrich­tung angelegt. Wenige Jahre später wurde die damalige Bundesstraße 26 in das Autobahnnetz integriert; die hier errichtete Brücke ist heute Teil der A67. Diese Seite behandelt die Erweiterung der Brücke und das damit verbundene Ende des Bahnübergangs am Posten 79.

Die Aufnahmen entstammen einem Fotoalbum von Gerhard Schreiner und werden mit seiner freundlichen Genehmigung hier gezeigt.


Fortsetzung von: Posten 79, Teil 5: Herstellung der ersten Fahrbahn.

Gleis Richtung Darmstadt.

Bild 1: Im Juli 1958 war die neue Straßenbrücke über die Riedbahn eingeweiht worden. Vor Beginn der Arbeiten an der zweiten Fahrbahn erhalten wir hier einen Blick auf die zweigleisige Strecke in Richtung Darmstadt. Zu erkennen ist bei näherem Hinsehen eine leichte Verschwenkung des rechten Gleises direkt hinter der Brücke; diese Verschwenkung war schon vor der Errichtung der Brücke vorhanden. Meine Vermutung geht dahin, daß beim Bau der neun nördlich und südlich der Strecke wohl 1872 errichteten Bahnhäuser noch nicht an ein zweites Streckengleis gedacht worden war, so daß beim Bau des zweiten Gleises 1901 die vorherige gerade Linienführung sozusagen um das im Weg stehende Bahnhaus verschwenkt werden mußte.

Gleis Richtung Griesheim.

Bild 2: In der sommerlichen Morgensonne schauen wir in die entgegenge­setzte Richtung nach Griesheim. Links hinter der Brücke das Bahnhaus 79. Heute verläuft an der Stelle des Bahnhauses der Griesheim umgehende Nordring, und das noch vorhandene Schotterbett befindet sich unter Bäumen.

Bagger am Bahnhaus.

Bild 3: Der Bahnübergang dient nur noch dem Baustellenverkehr. Hier steht ein Bagger vor dem Bahnhaus, nicht um selbiges abzureißen, sondern …

Bagger am Bahnhaus.

Bild 4: … um eine Baugrube vor dem Haus auszuheben. Diese Baugrube wird das Brücken­fundament erweitern. Der Blick nach Westen zeigt uns nicht nur die Spargelfelder, sondern auch den markanten Schornstein der Bonbonfabrik Pasquay direkt nördlich des Griesheimer Bahnhofs. Der Schrankenposten sieht verwaist aus, obwohl zumindest die Anrufschranke an der Braunshardter Hausschneise (Posten 80) noch bedient worden sein dürfte.

Baugrube vor Bahnhaus.

Bild 5: Hier wurde schon das Fundament betoniert. Die merkwürdige Bohlenkon­struktion oberhalb des Fundaments dürfte heutzutage der zuständigen Berufsgenossen­schaft nicht wirklich gefallen. Dazu gleich mehr. Am Bahnhaus schaut die ganze Familie dem Sohnemann beim Fotografieren zu.

Das Fundament.

Bild 6: Ein kritischer Blick auf das gegossene Fundament. Das Andreaskreuz ist schon achtlos beiseite gräumt worden.

Erdarbeiten.

Bild 7: Der frisch gezapfte Beton wird karrenweise auf die andere Seite der Gleise verschafft.

Betonanlieferung.

Bild 8: Inzwischen wurden Bohlen verlegt, damit der Beton sein Ziel erreichen kann. Die Schranken sind halb geöffnet. Wurden sie geschlossen, wenn ein Zug kam? Denn damals herrschte noch Hochbetrieb auf diesem Teil der Riedbahn. 1958 gehörte zu den Jahren mit den meisten Zugfahrten im Personenverkehr.

Vermessung.

Bild 9: Inzwischen wurde auch auf der Nordseite des nun wirklich ehemaligen Bahnüber­gangs eine Baugrube ausgehoben. Doch was wird hier vermessen?

Baugerüst.

Bild 10: Jedenfalls sehen wir nun, wozu das Fundament dient. Obwohl – so recht klar wird auch auf diesem Bild der tiefere Sinn des seitlich errichteten Gerüstes nicht.

Men at work.

Bild 11: Dieses Stilleben könnte auch heißen: „Men at work.“

Vorbereitungen.

Bild 12: Tatsächlich sollten wir beim gemütlichen Zuschauen vor dem heimischen Monitor nicht lästern. Die Jungs bereiten sich auf eine schwere und anstrengende Arbeit vor. Hierzu scheint die Strecke wieder einmal abgesperrt worden zu sein.

Vorbereitungen.

Bild 13: Alle Mann packen mit an, um …

Fertige Tragkonstruktion.

Bild 14: … an beiden Brückenfundamenten Gerüste hochzustemmen, auf die später die Stahlträger aufgelegt werden sollen.

Gruppenbild.

Bild 15: Geschafft!

Aufsetzen eines Stahlträgers.

Bild 16: Und wozu der ganze Streß? Eines anderen Tages werden die Stahlträger montiert, die später die komplette Brückenkon­struktion zusammen­halten sollen.

Plausch am Schrankenposten.

Bild 17: Derweil die Frau des Schrankenwärters ein kleines Schwätzchen mit einem der Bauarbeiter (oder deren Chef?) hält. Da links oben das Aufsetzen des gerade noch anschwebenden Querträgers zu sehen ist, wird dieses Bild nur Sekunden später aufgenommen worden sein. Die Betonmischer auf der neu errichteten Straße rücken dem Bahnhaus erheblich auf die Pelle.

Heimische Betonmischung.

Bild 18: Bei einer derartigen Betonorgie fällt natürlich auch ein Klacks für den heimischen Hof ab.

Fertige Brücke.

Bild 19: Und so sieht dann das Endprodukt aus. Blick Richtung Darmstadt. Diese Brücke besitzt angesichts des nicht übermäßig ausladenden Gleisbetts eine erhebliche Spannweite, weil auf beiden Seiten der Bahnanlagen jeweils ein Wirtschaftsweg vorgesehen wurde. Im Februar 1959 wurde die zweite Fahrbahn für den Verkehr freigegeben, obwohl noch eine Asphaltschicht aufzutragen war. Zwei Monate später war die Brücke vollständig fertiggestellt.

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Literatur


 
 
 
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