Rangierfahrt auf der Riedbahn.
Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau
Walter Kuhl
Rangierfahrt auf der Riedbahn.
Auf der Riedbahn.
Hauptbahnhof.
Darmstadt Hauptbahnhof.
Denkzeichen Güterbahnhof.
Denkzeichen am Güterbahnhof.
Uniformen.
Eisenbahnmuseum
Kranichstein.
Bahnwärterhaus.
An der Hammelstrift.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Das Darm­städter Adreß­buch

Von Fallen und Irrwegen

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Haupt­verlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten vor allem der Strecken­abschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Diese Seite handelt von einem wichtigen Instrument zur Erfor­schung der Darm­städter Geschichte. Das 1819 erstmals erschienene Darmstädter Adreßbuch bietet eine Fülle an wichtigen Infor­mationen zu Straßen und Plätzen, zu ihren Bewohner­innen und Bewohnern und zu Darm­städter Hand­werkern und Unter­nehmen. Die gute Nachricht ist: die Ausgaben von bzw. für 1819 bis 1949 sind (fast) vollständig digitalisiert worden und können online durch­geschaut werden. Die schlechte Nach­richt ist: Bei der Fülle des Materials sind Fehler geradezu unver­meidlich.

Zu den Anfängen und zur Fortent­wicklung der Darmstädter Adreß­bücher siehe die beiden Aufsätze:

  • Theodor Ritsert : Die ältesten Darmstädter Adreßbücher, in: Adreßbuch 1897, Seite 9–11 [online ulb darmstadt].
  • Georg Wiesenthal : Die Darmstädter Adreßbücher von 1819 bis 1960, in: Reinhold Staudt, Hans Rasp, Werner Jorns, Georg Wiesenthal : Geistiges und künstlerisches Darmstadt [1960, online ulb darmstadt].

Ich danke den Mitarbeiter­innen und Mitabeitern des Stadt­archivs Darmstadt, insbesondere Sabine Lemke, für wertvolle Hinweise. Für die Inter­pretation der hieraus gewonnenen Daten und Informa­tionen bin ich jedoch alleine verantwort­lich.

Grundlagen

Im Gegensatz zu den Aufsätzen von Theodor Ritsert und Georg Wiesen­thal ist die nach­folgende Abhand­lung kein systema­tischer Überblick zu den Fehler­quellen des Darm­städter Adreß­buchs. Es ist eher so: seit rund fünfzehn Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Darm­städter Eisenbahn- und Industrie­geschichte und habe hierbei häufig die Darm­städter Zeitung, das Darm­städter Tagblatt (samt Vorgänger­titeln) und eben die Adreß­bücher heran­gezogen. Hierbei sind mir bei unter­schiedlichen Gelegen­heiten einige Ungereimt­heiten auf­gefallen, von denen ich hier einige vorstellen möchte. Es gäbe sicherlich noch manch anderes zu finden; doch, so denke ich, sind die hier ausge­suchten fünf Fall­beispiele aussage­kräftig genug. Sie mahnen zur Vorsicht und vor allem dazu, nicht blind dem Text­korpus zu folgen. Es ist, wie im wirklichen Leben, immer gut, eine zweite Meinung einzuholen. Sofern es sie gibt, sollten andere Quellen heran­gezogen werden, die möglichst nicht von­einander abge­schrieben oder die sich auf­einander bezogen haben. 

Aufgrund der „Hessen-darmstädtische[n] Brand-Assecurations- oder Brand­versicherungs-Ordnung“ vom 1. August 1777 wurde eine Zwangs­versicherung auf Gegen­seitigkeit für fast alle Gebäude auf dem Territorium der Land­grafschaft Hessen-Darmstadt begründet, so auch im noch übersicht­lichen Darmstadt. Die Häuser im Stadtgebiet wurden zunächst einfach durch­numertiert; 1799 waren auf diese Weise knapp 700 Gebäude erfaßt und ihr Versicherungs­wert festgelegt. Hieraus entstand die erste Art einer Adressierung der Wohn- und Geschäfts­häuser, von der auch in den Annoncen im „Frag- und Anzeige-Blättgen“ und seinen Nach­folgern reichlich Gebrauch gemacht wurde. 

Nach den Napoleonischen Kriegen begann das Wachstum der Hauptstadt des nunmehr stark vergrößerten Groß­herzogtums. Das Einflicken neuer Nummern erschwerte die Hand­habung des bisherigen Katasters; zudem waren häufig noch die zu geringen Versicherungs­werte von Ende der 1770er Jahre eingetragen. Daher wurde 1815/16 das Numerierungs­system geändert und darauf aufbauend das Kataster 1817/18 vollständig neu aufgestellt. Darmstadts Gebäude­bestand wurde in zehn Distrikte mit den laufenden Buchstaben (literae) A bis I (oder J) aufgeteilt. 

Das Adreßbuch für 1819 gibt eine Übersicht zur Einteilung der Distrikte. Die Distrikte A bis D erfaßten die Altstadt, wobei zu A noch die Alte Vorstadt an der heutigen Alexander- und Magdalenen­straße gehörte. Die Distrikte E und F bildeten die westliche Vorstadt (darin die Mollerstadt), die im Süden (Litera E) durch die Hügelstraße und im Norden (Litera F) durch die heutige Bismarck­straße begrenzt waren; die Rheinstraße trennte die beiden Distrikte. Distrikt G umfaßte das Gelände östlich der Chaussee nach Frankfurt und mit der eher schmuddeligen Pankratius­vorstadt die Keimzelle des Martins­viertels. Mit Disktrikt H wurde das Gebiet östlich der Altstadt bis hin nach Kranichstein abgedeckt und Distrikt I umschloß die Wohngebiete im Süden, Westen und Norden, so auch das Gelände nördlich der heutigen Bismarck­straße und westlich der Frankfurter Straße. 

Auch diese Methode hatte dort ihre Grenzen, wo neue Häuser gebaut wurden, die nach­träglich in die entsprechenden Nummern­kreise eingeflochten werden mußten. Zudem war diese Nummern­vergabe nach heutigem Verständnis gewöhnungs­bedürftig. Man fing auf einer Seite der Straße mit der Nummer 1 an und, wenn eine Seiten­straße einmündete, bog man ab und zählte dort weiter. Irgendwann kam man wieder auf die erste Straße zurück, um dort mit der Numerierung fortzufahren. Dies verwirrte solange nicht, wie Darmstadt ein kleines Provinz­nest war. Die Stadt wuchs jedoch weiter und schon 1830/31 wurde eine erneute Revision fällig. Der die Stadt halbkreis­förmig umgebende Distrikt I wurde auf das Gebiet zwischen Mollerstadt und Bessungen beschränkt, im Gegenzug wurden vor allem die Distrikte E und F nach Westen und Nordwesten ausgedehnt. Hierbei gab es einige kleinere Ver­schiebungen bei den Nummern innerhalb der jeweiligen Distrikte. 

Diese Einteilung der Stadt in zehn Distrikte bildet die Grundlage für die Adreßbücher von 1819 bis 1865.

Die Adreßbücher der jeweiligen Jahre sind zu unterschied­lichen Zeit­punkten eines Jahres heraus­gebracht worden. Manche Ausgaben wurden schon im Vorjahr produziert, andere sind erst mitten in dem Jahr erschienen, das sie auf ihrem Einband benennen . Bei manchen ist der Redaktions­schluß angegeben oder zumindest einfach erschließbar, bei anderen hilft nur, nach der Annonce in den Zeitungen zu suchen, die ihre Publikation ankündigt. Deshalb tut das Darm­städter Stadt­archiv gut daran, bei Auskünften den Hinweis mitzugeben, diese nach Maßgabe des Adreßbuchs eines bestimmten Jahres mitzu­teilen. Abgesehen davon kann auch das Stadt­archiv nicht jeder Angabe des Adreßbuchs nachgehen, ob sie auch so gestimmt haben mag. Schon alleine deswegen ist es geboten, nicht vom Adreßbuch von, sondern allenfalls für ein bestimmtes Jahr zu sprechen. Auch die Daten­grundlage ist zu berück­sichtigen. Konnte bis zum Ersten Weltkrieg auf die Einträge des Melde­registers zugegriffen werden, mußten die Heraus­geber ab den 1920er Jahren zur Aktualisierung eigene Erhebungen anstellen. Es ist leicht einzusehen, daß diese Erhebungen nicht die Qualität des Melde­registers haben können; aber auch das Melde­register ist nicht fehlerfrei gewesen.

Annonce.

Abbildung 1: Annonce vor dem Druck des Adreß­buchs für 1870 im Darm­städter Tag- und Anzeige­blatt vom 12. Juni 1869 [online ulb darmstadt].

Aus dieser Annonce läßt sich schließen, daß Verände­rungen, die in der zweiten Hälfte 1869 erfolgten, eher nicht mit aufge­nommen worden sind. Mit dem Druck mußte jedoch noch zwei Monate gewartet werden.

„Der Druck des hiesigen Adreß­buches konnte heute erst beginnen, da bisher auf die neue Numerierung einiger Straßen gewartet werden mußte; Anstände, Berich­tigungen und Nachträge können deßhalb jetzt noch berück­sichtigt werden […].“ 

Prinzipiell ist es zwar möglich, einzelnen Personen oder Gewerben durch die Jahre zu folgen und das Jahr von Umzügen von einer Straße in eine andere zu erhalten. Es ist jedoch von zweifel­haftem Wert, hierbei das Jahr anzu­nehmen – und in eigenen Publikationen zu verwenden –, in welchem sie erstmals im Adreßbuch erscheinen. Denn erstens gab es nicht für jedes Jahr ein Adreßbuch und zweitens gibt es im allgemeinen einen Zustand wieder, der im Vorjahr eingetreten ist. Schon die damaligen Zeit­genossen sahen dies als ein Problem an:

„Wenn auch nicht zu verkennen ist, daß die sorg­fältige und exacte Her­stellung eines Adreß­buchs für Darmstadt und Bessungen viele Arbeit und Zeit verlangt, so bringt eine längere Ver­zögerung in der Heraus­gabe desselben dem Publikum doch so vielen Schaden, daß dringend um möglichste Beschleuni­gung gebeten werden muß. Bei den vielen Verän­derungen, welche in den letzten Jahren hier vorge­kommen sind, ist das Adreß­buch von Anfang 1874, auf dessen Gebrauch man ange­wiesen ist, fast voll­ständig werthlos und dürfte es über­haupt zweck­mäßig erscheinen, das Adreß­buch alljähr­lich auszugeben.“ 

Das Adreßbuch erschien 1876 dann doch noch.

Die Bahnhäuser am Sensfelder Weg

Der Bau der Main-Neckar-Bahn bis 1846 und der Bau der Main-Rhein-Bahn 1857/58 führten dazu, daß alther­gebrachte Straßen und Wege zer­schnitten wurden. Auch der Westwald wurde zurecht­gestutzt. An wichtigen Kreuzungen von Wegen und Geleisen wurden Bahn­wärter­häuser errichtet. Deren Bediensteten oblag nicht nur das Öffnen und Schließen der Schranken, sondern vor dem Aufkommen der tele­grafischen Zug­meldung auch die Kommunikation entlang der Strecke. Deshalb waren diese Häuser in Sichtweite von­einander angelegt.

Der Sensfelder Weg war Teil dieses überörtlichen Wege­netzes. Er ging etwa an der heutigen Kreuzung der Frankfurter Straße mit Rhönring und Kasino­straße nach Nord­westen ab. Die beiden neuen Bahn­strecken mußte er vier Mal queren, wie wir auf dem nach­folgenden Ausschnitt einer um 1858 gestalteten topo­grafischen Karte erkennen können.

Meßtischblatt.

Abbildung 2: Die mit rot gekenn­zeichneten Bahn­übergänge auf dieser Karte. Quelle: HStAD P 1 Nr. 2516. 

Die Main-Neckar-Bahn verlief von Nord nach Süd mit den Posten 24 (Hammelstrift, hier als Grenzweg bezeichnet, oben) und 25 (Pallas­wiesenweg, unten). Die Rhein-Main-Bahn erreichte Darm­stadt an der Täubches­höhle und gelangte in einem lang­gezogenen Bogen und mit Unter­querung der Main-Neckar-Bahn in den Ludwigs­bahnhof. Die Über­gänge waren am Posten 41 (Wixhäuser Haus­schneise), 42 (Hammels­trift), 43 und 44 (Sens­felderweg), sowie 45 am Pallas­wiesenweg. Nach Aschaffen­burg ging es weiter mit den Posten 47 (Frankfurter Straße), 48 (Alter Arheilger Weg, heute Schreber­weg) und 49 (Maulbeer­allee bzw. östliche Hammels­trift). Ob Posten 46 am Land­wehrweg gelegen hat oder den Sens­felderweg zwischen Pallas­wiesenweg und Frankfurter Straße bewacht hat, ist unklar.

Der Sens­felder Weg wird ein unbe­festigter, im Sommer staubiger und bei Regen schlammiger Weg gewesen sein. Er berührte mehrere Bahn­wärter­häuser der Hessischen Ludwigs­bahn und der Main-Neckar-Bahn. Ein Postbote stellte den außerhalb des Darm­städter Kern­bereichs wohnenden Bahn­wärtern und ihren Familien täglich Briefe zu, manchmal kam er sogar ein weiteres Mal; und daher erhielten die mit Posten­nummern durch­gezählten Bahn­häuser auch eine amtliche Adres­sierung. 

Als 1865 die heute übliche Adressierung mit Haus­nummern eingeführt wurde, erhielten in der Regel die stadt­auswärts rechts liegenden Häuser ungerade und die links liegenden Gebäude gerade Haus­nummern. Nun war der Sens­felder Weg ein Pfad mit sporadischer Bebauung, weshalb man davon abwich. Die Bahn­häuser wurden der Reihe nach durch­gezählt. 44 (auf der rechten Wegseite) wurde Nummer 2, 43 (links) Nummer 4, 24 (rechts) wurde Nummer 5 und das Bahn­wärterhaus an der Hammels­trift (42, links) erhielt die Nummer 6. Als 1873/74 das Stellwerk an der Hammels­trift hinzukam, das auf demselben Bahn­gelände wie das Bahnhaus 42 stand, erhielt es die nächst folgende Nummer 7. Die ungeraden Haus­nummern 1, 3 und 5 werden nicht genannt. Das hat eine gewisse Logik und so ist es auch in einer sehr detaillierten Flurkarte des Darm­städter Vermessungs­amtes eingetragen , aber – das Adreßbuch ist jahrzehnte­lang anderer Ansicht. Dort trägt das Bahnhaus 43 die Nummer 5 und das Bahnhaus 24 der Main-Neckar-Bahn die Nummer 4. Läßt sich das anderhalb Jahr­hunderts später noch heraus­finden, welche Haus­nummer zu welchem Haus gehört hat? 

Greifen wir daher zu den frühen Darmstädter Adreßbüchern. Die Ausgabe für 1847 führt am Ende von Litera F folgende Nummern des Brand­versicherungs­katasters auf:

  • 213a. Landwehrweg. Bahnwärterhäuschen. Großherzoglich. – Das sollte das Bahn­haus 26 der Main-Neckar-Eisenbahn sein.
  • 214. Vor dem Mainthor. Müller. Oberfinanzrath.
  • 215. Pallaswiese. Wiesenwässerers-Wohnung. Städtisch.
  • 216. Hammelstrift. Bahnwärters-Wohnung. Großherzoglich. – Das ist Bahnhaus 24.

1854 hat sich nur insofern etwas verändert, als daß der Ober­finanzrath verstorben ist und nun seiner Witwe das Grund­stück gehört. Das Adreßbuch vermerkt als Zusatz den Standort, die Wind­mühle, wonach heute die Bushalte­stelle im Zwickel von Pallas­wiesen- und Gräfen­häuser Straße benannt ist. Am Posten 25 am Pallas­wiesenweg scheint es kein Bahnhaus gegeben zu haben. 1860, die Main-Rhein-Bahn wurde zwei Jahre zuvor fertig­gestellt, sollten wir Angaben zu den neuen Bahn­häusern der Hessischen Ludwigs­bahn erwarten können. Doch das Adreßbuch für selbiges Jahr ist hier schweigsam, was daran liegen mag, daß die Hessische Ludwigs­bahn zum Betriebs­beginn 1858 nur provisorische Buden hingestellt hatte und erst 1859/60 daran ging, die Provisorien durch feste Stein­häuser zu ersetzen. Folglich nennt uns erst das Adreß­buch für 1863 unter dem Weiter­städter Weg die folgenden Bauten:

  • 215. Wiesenwässerer-Wohnung. (Städtisch.)
  • 216. Bahnwärterwohnung. (Großherzoglich.)
  • 218. Bahnhaus der Main-Rhein-Bahn.
  • 222. Bahnhaus der Main-Rhein-Bahn.

Der Wiesen­wässerer, der (ganz ohne Ironie) eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hatte, residierte tatsäch­lich am Weiter­städter Weg. Die nächsten drei Einträge wurden zwar unter derselben Weg­bezeichnung geführt, doch ist dies wohl eine Nach­lässigkeit der Redaktion; auch wenn nicht ganz auszu­schließen ist, daß bei den vier letzten Einträgen unter der Sammel­bezeichnung Weiter­städter Weg eine Art Rubrik „Sonstige“ gemeint war, insbesondere dann, wenn eine Straße noch nicht administrativ bzw. postalisch erfaßt war. Wir können also festhalten: nur weil hier der Weiter­städter Weg (heute Mainzer Straße) angegeben ist, bedeutet das nicht unbedingt, daß dort die betreffenden Grund­stücke und ihre Bewohner­innen und Bewohner anzu­treffen waren. Hier ist dies eindeutig; die Bahnwärter­häuser lagen definitiv woanders. Das Muster findet sich allerdings auch andernorts, etwa wenn Grund­stücke am Gräfen­häuser Weg noch unter der Pallaswiesen­straße subsumiert werden. 

Zudem sind anstelle der drei zu erwar­tenden Bahn­häuser der Hessischen Ludwigs­bahn nur zwei angegeben, was darauf schließen lassen könnte, das eines noch nicht fertig geworden ist.

Das Adreßbuch für 1865 hilft uns, die neuen Haus­nummern mit den alten Brand­versicherungs­kataster-Einträgen zu verbinden; beide sind neben­einander gesetzt. Hier finden wir jetzt auch alle drei Bahn­häuser der Hessischen Ludwigs­bahn vor. Damit aber die Zuordnung nicht zu leicht fällt, werden gleich vier Bahnwärterhäuser der Hessischen Ludwigs­bahn zugeschrieben, auch das ehemalige Litera F Nr. 216 der Main-Neckar-Bahn. Zudem sind die Kataster­nummern teilweise andere als in der 1863er Ausgabe, aber sie gehorchen einer gewissen Logik. Zu dem seit etwa 1846 vor­handenen Bahnhaus 24 (F.216) treten die vier nach­folgenden Nummern 217 bis 220, beginnend mit dem benach­barten Bahnhaus an der Hammels­trift (Bahnhaus 42). Genannt werden: F.216 erhält die Haus­nummer 5, F.217 trägt die 6, F.218 die 4 und F.219 die 2. (Zu F.220 kommen wir gleich.) Unter der plausiblen Voraus­setzung, daß F.216 sowohl 1847 wie 1865 dasselbe Gebäude meint, ist seine Zuordnung als Sensfelder­weg 5 passend zur Flurkarte von 1905. 

Bahnwärterhaus.

Bild 3: Das Bahn­wärter­haus 42 am Sensfelder Weg 6 im Juni 2008. Es wurde im Dezember 2010 abgerissen.

Die Zuteilung der Kataster­nummern 217 bis 220 – aufgereiht wie die Perlen an einer Schnur von Nord nach Süd – endet mit einem „Bau der Hessischen Ludwigs­bahn“ unter der Kataster­nummer Litera F Nr. 220, der im Pallas­wiesenweg die Haus­nummer 16 erhält. Hierbei wird es sich um einen einfachen Sicherungs­posten (Posten 45) gehandelt haben. Der Eintrag ist in der Ausgabe für 1874 nicht mehr enthalten, als die Hessische Ludwigs­bahn ihre Reparatur­werkstätte auf der „Knell“ errichtet, worunter der Posten dann adressa­lisch subsumiert wird.

Meine Vermutung ist, daß die Ersteller von ihrer eigen­mächtigen Zuordnung aller vier Bahn­häuser zur Hessischen Ludwigs­bahn so verwirrt waren, daß sie in den folgenden Ausgaben das Bahn­wärterhaus der Main-Neckar-Bahn als Haus­nummer 4 bezeichnet haben und das Bahnhaus 43 als Nummer 5. Dieser Fehler ist dann jahrzehnte­lang durch die Adreß­bücher mitge­schleppt und nie korrigiert worden. Solange die Post pünkt­lich bei ihnen ankam, war dies den Bahn­wärtern und ihren Familien auch so ziemlich egal. Die fehler­hafte Zuordnung findet sich schon im Melde­register. Der Personen­bogen für den Bahn­wärter der Hessischen Ludwigs­bahn Heinrich Meiser gibt als Anschrift Sensfelder Weg 5 an. 

Albrecht Buschbaum und die 19

Albrecht Buschbaum (1843–1910) war der jüngste Sohn des in Michel­stadt geborenen Mechanikus Johann Ludwig Busch­baum und der aus einer Waldenser­familie aus Walldorf stammenden Elisabethe Katharine Bonin. Der Mechanikus hatte 1837 zusammen mit dem Mechanikus und Münzrat Hektor Rößler den Vor­läufer der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei Darm­stadt gegründet, welche bis Ende der 1870er Jahre das bedeu­tendste Maschinenbau­unternehmen in Darm­stadt gewesen ist. Albrecht wandelte nicht direkt auf den Pfaden seines Vaters und ging für eine bzw. nach einer kauf­männischen Ausbildung zunächst nach Bayern. Von dort kehrte er 1875 nach Darmstadt zurück und wurde gleich­berechtigter Partner seines Bruders Ludwig, der vom nächst­älteren Bruder Fritz dessen Fabrik (und Witwe) geerbt hatte. Diese nannten sie zunächst noch nach Fritz, wandelten sie jedoch bald in „Gebrüder Buschbaum“ um. Die Fabrik stand an der südwest­lichen Ecke der Kreuzung der Viktoria- mit der Kahlert­straße.

»»  Die Geschichte der Buschbaums als Maschinen­fabrikanten wird auf einer eigenen Unterseite des Riedbahn-Projekts, hier zum Fabrik­viertel, erzählt.

Die Geschäfte des Unternehmens liefen trotz der Gründerkrise mehr als zufrieden­stellend. Nachdem August und Fritz sich schon eigene Wohnhäuser hatten bauen lassen, übernahm Ludwig das Haus von Fritz, und Albrecht schaute sich nach einem weiteren Grund­stück im Blumenthal­viertel um. Er wurde in der Alicestraße fündig, wo wir ihn erstmals im Adreßbuch für 1880 finden. 

Wohnhäuser im Johannesviertel.

Bild 4: Die Wohnhäuser Alicestraße 19a (das Eckhaus) und rechts daneben das weiße Haus mit der Nummer 19. Aufnahme vom Juli 2022.

Bevor Albrecht Buschbaum sein neu erbautes Haus beziehen konnte, war das Blumenthal­viertel noch dünn besiedelt. Die Gründerkrise ab 1873 hatten das Projekt der mit Hilfe der Darmstädter Bank für Handel und Industrie operierenden Blumenthal'schen Terrain­gesell­schaft jäh gestoppt. In unsicheren wirt­schaftlichen Zeiten war die Neigung zurück­gegangen, sich eine gutbürger­liche Wohnung nahe der Gasfabrik zuzulegen. Neue Gebäude wurden nur nach und nach hoch­gezogen. Erst um 1880 wurde der Sprung über die Kahlert­straße nach Norden vollzogen. Dement­sprechend weist das Adreß­buch für 1878 für die nördliche Alicestraße zwischen Viktoria­straße und Wendelstadt­straße (heute Wilhelm-Leuschner-Straße) nur die Häuser des Weißbinders Carl Friedrich Mahr (Nummer 17) und die drei zum „Louvre“ gehörenden Gebäude 21, 23 und 25 auf. In der Liebig­straße finden wir zwischen den Haus­nummern 15 und 25, dem Wohnhaus von Albrechts ältestem Bruder Georg August, eine Besiedlungs­lücke vor. Auf den Entwurfs­plänen zum Bau des Blumenthal­viertels befindet sich auf der Nordost­seite der Kreuzung der Alice- mit der Liebig­straße ein Eckgrund­stück, auf dem bis zu vier Häuser hätten errichtet werden können. 

Der Louvre

Die Terrain­gesellschaft Blumenthal und Comp. richtete ab 1872 ein ganzes Stadt­viertel zur Bebauung her. Sie erschloß das Gelände mit Wasser und Kanalisation. Mit wenigen Ausnahmen war sie selbst nicht als Bauherrin tätig. Die erschlos­senen Grund­stücke sollten durch ihre Wert­steigerung gewinn­bringend wieder veräußert werden. Die neuen Eigentümer, oft Handwerks­meister, ließen die Bauten durch ihre Arbeiter und/oder Gesellen hoch­ziehen und vermieteten sie dann oder ver­äußerten sie weiter. Der „Louvre“ ist einer dieser Ausnahmen, denn er war als Miet­objekt des gehobenen Bürgertums konzipiert.

Dieser Mitte 1875 fertig gestellte Wohn­komplex bestand aus fünf Wohnhäusern. Zwischen den beiden Eckhäusern zur Wendelstadt­straße und zur Liebig­straße befanden sich weitere drei Gebäude. Sie erhielten die Haus­nummern Wendelstadt­straße 27, Alicestraße 25, 23 und 21, sowie Liebig­straße 2. Das Eckhaus an der Wendelstadt­straße wurde im Zweiten Weltkrieg derart beschädigt, daß es nicht wieder aufgebaut wurde. Statt dessen steht hier heute ein öder Betonbau als Sinnbild kapitalis­tischer Häßlich­keit. Dieser trägt die Haus­nummer 23, und das war seit etwa 1897 bei seinem Vorgänger so, als ein weiteres Wohnhaus adressalisch eingepaßt werden mußte, für das die Haus­nummer 27 benötigt wurde. Der Platz zwischen der Wendelstadt-, der Alice- und der Liebigstraße war in den ursprünglichen Planung als Freifläche konzipiert; der „Louvre“ wurde demnach durch eine sonnige Südseite aufgewertet. Es scheint aber, daß einige Haus­nummern entlang der Wendelstadt­straße optional für eine Bebauung des Platzes vorgesehen waren, denn deren Bebauung endet weiter südlich an der Landwehr­straße mit der Haus­nummer 15. Diese Option fiel mit dem 1894 beendeten Bau der Johannes­kirche weg. 

Wenn wir uns nun die Adressen entlang der Liebig­straße anschauen, dann fällt auf, daß es dort keine Haus­nummern 19 und 21 gibt. Diese waren wohl für zwei Gebäude reserviert, die auf der rechten Seite direkt nach der Alice­straße liegen sollten. Neben dem in dieser schon bestehenden Wohnhaus Nummer 17 war wohl nur eine Hausnummer vorgesehen, denn die 21 gehörte zum „Louvre“ auf der Westseite der Liebig­straße. Je nachdem, wie das Eckgrund­stück bebaut werden würde, war es demnach offen, ob die „19“, die (eher zufällig) zu beiden Straßen gepaßt hätte, der einen oder anderen Straße zugeschlagen würde. Nun erhielt das Eckhaus bei seinem Bau 1879 seinen Haus­eingang jedoch nicht in der Liebig-, sondern in der Alice­straße. Dadurch wurde beim Bau des zwischen der 17 und 19 gelegenen Wohnhauses von Albrecht Buschbaum eine zusätzliche Haus­nummer erforderlich, die als 19½ einge­fügt wurde. Das Adreß­buch für 1880 liefert uns folgende Einträge mit den Haus­eigentümern Wagner und Buschbaum:

  • 19   Wagner, Johannes, Maurer u. Bauunter­nehmer. – Gerlach, Gustav, Oberst z. D. – Maurer, Friedrich, Rentner,
  • 19½   Buschbaum, Albrecht, Maschinen­fabrikant. – Papst, Heinrich, Ww. des Obersten. – Pabst, Louise, Lehrerin. – Kölsch, Julius, Bankbeamte.

Pabst und Papst stehen hier einträchtig neben­einander, was im 19. Jahr­hundert nicht unüblich war, und Julius war gewiß keine Frau.

Die Adreß­bücher behalten die Einträge bis 1903 bei, wobei das Haus Nummer 19 inzwischen dem Landes­kulturrat Adolf Klaas gehört. Das Adreß­buch für 1904 vertauscht nunmehr die Eigen­tümer der Häuser 19 und 19½. Diese Ver­tauschung wird in den folgenden Jahren, ja, Jahr­zehnten, beibe­halten.

Adreßbucheintrag 1902.
Adreßbucheintrag 1905.

Abbildung 5 und 6: Die Einträge zur Alice­straße 19 in den Adreß­büchern für 1902 und 1905. 

Was zunächst so aussehen könnte, als hätten die Herren Klaas und Buschbaum aus uner­findlichen Gründen ihre Immobilien getauscht, wird obskurer dadurch, daß beide ihre jeweiligen Mieter­innen und Mieter mitnehmen. Und das ist doch ziemlich unwahr­scheinlich! Offen­sichtlich hat irgendwer 1903 bei der Erstellung des Adreß­buchs für das Folgejahr einen Fehler bemerkt, der dann still­schweigend korrigiert wurde. Als Albrecht Buschbaum 1910 starb, war das „Trauerhaus“ folglich auch die Nummer 19 und nicht die 19½. 

Das alles klingt plausibel. Und doch gibt es eine Lösung, bei der sowohl das Adreß­buch richtig liegt als auch die Herren Haus­besitzer nicht getauscht haben. Schauen wir uns dazu noch einmal die Aufnahme der beiden Häuser an. Beide sind zur selben Zeit auf einer freien Grund­stücksfläche gebaut worden. Vom Eindruck her fehlt zur Symmetrie ein weiteres Haus zur Linken (also Liebig­straße 21), aber es gibt eine andere, wenn auch unvoll­kommene Symmetrie mit den beiden Hausein­gängen und der Anordnung der Fenster an der Alice­straße. Ob das Eckhaus ebenfalls über dem Haus­eingang einen Balkon besessen hat, ist nach­träglich nicht zu klären. Auch wenn seit dem Bau der beiden Häuser fast 150 Jahre vergangen sind und nach den Zer­störungen von 1943/45 nicht alles wieder original­getreu aufgebaut worden sein sollte, so sehen wir die Fassaden wohl weit­gehend in ihrem originalen Erscheinungs­bild. Das rechte Haus erweckt den Eindruck eines Anbaus; und das wird auch der Grund dafür gewesen sein, es auch postalisch als einen solchen zu behandeln.

Annonce.
Annonce.

Abbildung 7 und 8: Zwei Annoncen von Albrecht Buschbaum im Darmstädter Tagblatt vom 13. September und 25. Oktober 1879, um zwei Wohnungen in der Alice­straße 19a bzw. 19½ zu vermieten. 

Deshalb erhielt das Eckhaus als das „Haupt­gebäude“ die Nummer 19 und der rechte „Anbau“ die halbe Ziffer nach­gestellt. Vielleicht war die genaue Adres­sierung beim Schalten der Annoncen noch nicht festgelegt, was das Changieren von 19a zu 19½ erklären würde. Ob einem eifrigen Beamten 1903 die Durch­zählung der Häuser in der Alice­straße mit … 11, 13, 15, 17, 19½, 19, 21, 23 … nicht gefallen hat oder ob es andere Gründe gegeben hat, werden wir nicht erfahren; aber mit dem Adreß­buch 1904 wird eine logischere Hausnummern­zähl­reihenfolge einge­führt. Vermut­lich wird nach 25 Jahren niemand mehr gewußt haben, wie die alte Reihung entstanden ist.

Nehmen wir nun einfach an, eine oder jemand fragt beim Stadtarchiv nach einem Vorfahren namens Greim oder Spamer, die im 19. Jahrhundert in Darmstadt gelebt haben sollen, dann könnte das Stadtarchiv mit seiner Auskunft alles richtig machen, aber dennoch auf das falsche Haus verweisen. Mit derartigen Dingen müssen wir rechnen, wenn wir das Adreßbuch zu Rate ziehen.

Welches Stockwerk

Mit dem Adreßbuch für 1910 wurde im Straßen­verzeichnis als weitere Information das Stock­werk angegeben, in dem die Haus­bewohnerinnen und -bewohner gelebt haben. Diese Angaben beruhten wohl auf eigenen Recherchen der Heraus­geber und sind mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Für spätere Ausgaben wurden Frage­bögen ausgegeben, um den Daten­bestand aktuell zu halten, aber der Rücklauf war bescheiden.

Ich habe sechzehn Jahre lang in der Landwehr­straße 18 gelebt, einem Haus, welches zu Beginn des 20. Jahr­hunderts errichtet worden ist. Wie es der Zufall will, lebte dort knapp dreißig Jahre lang der Vertreter bzw. Agent Benny Bär mit seiner Ehefrau Thekla, geborene Fränkel. Beide wurden 1942 von den Nazi­schergen nach Theresien­stadt deportiert, wo sie bald nach ihrer Ankunft gestorben sind. Selbet wenn ihr Tod nur aufgrund Hunger, Kälte oder Entkräf­tung einge­treten ist, handelt es sich um eiskalten Mord. Die Täter liefen in der nach­folgenden Bundes­republik selbst­verständlich frei herum. Man ist ja eine regel­basierte Werte­demokratie. Dies ist kein Stoff, mit dem frau oder man ein Millionen­publikum anziehen kann, denn eine Kommissarin, die in diesem cold case den Tatort aufsucht, um investigativ noch vorhandene Spuren zu sichern, suchen wir im öffent­lich-recht­lichen Fern­sehen vergebens; im privaten Trash­fernsehen sowieso. Dabei wäre dies spannendes Bildungs­programm zur abend­lichen Haupt­sendezeit, im Gegen­satz zur geistigen und geistlosen Ver­blödung durch hane­büchene Plots im Wochentakt.

Verlegung der Stolpersteine.

Bild 9: Gunter Demnig beim Verlegen der Stolper­steine für Thekla und Benny Bär im April 2006.

Seit 2006 liegen vor dem Wohnhaus zwei Stolper­steine, die an die beiden gläubig jüdischen Bewohner/in erinnern sollen. Im Buch über die Darm­städter Stolper­steine schreibt Michaela Rützel:

„Der berufliche Schwerpunkt verlagerte sich von der Produktion auf den Weinhandel, 1903 wird daneben ein Agentur­geschäft genannt, und ab 1904 wurde auch die Wein­handlung aufgegeben. Thekla und Benny Bär zogen im März 1903 um in die Landwehr­straße 18, in eine schöne 3-Zimmer­wohnung, wie der über­lebende Neffe von Herrn Bär berichtete, der bei Onkel und Tante »stets meine Ferien in Darmstadt verlebt« hatte. Ab 1913 wird die Tätig­keit des Kaufmanns Bär verzeichnet als: Vertretungen Gerres­heimer Glas­hüttenwerk; Vermitt­lungen von Immobilien, Aktien und Hypotheken.“

Als Legende zu einer Fotografie des Hauses heißt es im Buch: „Das Ehepaar Bär wohnte in der Landwehr­straße 18 im 2. Stock.“ Hier möchte ich ganz vorsichtig meine Zweifel anmelden. Ich bin mir sicher, daß das Stock­werk das dritte gewesen ist. 

Tatsächlich zogen Thekla und Benny Bär im Frühjahr 1903 in die noch recht neue Fünf­zimmer­wohnung ein. Egal ob zweiter oder dritter Stock, die Wohnung besaß fünf Wohn­räume; dazu eine Küche und ein Bad, wobei aufgrund von späteren Umbauten nicht so ganz klar ist, was ursprüng­lich Küche und was Naßzelle gewesen ist. Die fünf Wohnräume waren miteinander und einem geräumigen Flur verbunden, der möglicher­weise in der Vermietungs­annonce des Fechtmeisters als sechster Raum gezählt wurde. Die Erinnerung des Neffen an drei Räume mag daher rühren, daß die Bärs zwei Räume unter­vermietet hatten. Denn schon im Juni 1903 findet sich eine Annonce, mit der Benny Bär zwei Zimmer vermieten will. 

»»  Den beiden Stolper­steinen in der Landwehr­straße habe ich einen eigenen längeren Aufsatz gewidmet.

Benny Baer wird zudem in den Adreß­büchern für 1904 bis 1911 als Hauseigentümer des schräg gegenüber liegenden Gebäudes Landwehr­straße 13 genannt. 

Das Adreßbuch für 1910 nennt als Haus­eigentümer den Bauunter­nehmer Friedrich Delp. Ohne Zuordnung wird das Bureau einer Backstein-Verkaufs­stelle G.m.b.H. genannt; dieses dürfte im Hoch­parterre gelegen haben. Den ersten Stock teilen sich der Rentner Joseph Katz und die Witwe des Kaufmanns Jakob Thal­heimer. Im zweiten Stock ist der Kaufmann Georg Heyne gemeldet. Anstelle des dritten Stocks erscheint ein Dach­geschoß (Mansarde) mit Benny Baer als Mieter. Das Gebäude dürfte schon damals einen ziemlich luftigen Dach­boden besessen haben.

1911 wird die Witwe im ersten Stock nicht mehr genannt. Benny Baer ist nunmehr im dritten Stock mit seiner Vertretung der Gerres­heimer Glashütten-Werke. Dort führen ihn die Adreß­bücher bis 1921. In diesem Jahr finden wir als Haus­eigentümer weiterhin Friedrich Delp. Im Hoch­parterre wohnt der Geheime Regierungs­rat Paul Herrmann, im ersten Stock der Filial­leiter Simon Katz und im zweiten Stock die Hofschau­spielerin Herta Jung, genannt Alsen. Das nach­folgende Adreßbuch für 1924 versorgt uns nicht mit Stock­werken, sondern verwirrt mit einer strikten Trennung der geraden von den ungeraden Haus­nummern. Dieser Unfug wird mit der Ausgabe für 1927 rück­gängig gemacht.

Friedrich Delp ist gestorben, und seine Erben sind als Eigen­tümer(innen) eingetragen. Das Erd­geschoß ist verwaist, im ersten Stock lebt der Kaufmann Simon Katz, im zweiten der Kaufmann Adolf Beck, und der Kaufmann Benny Baer wird ebenso im zweiten Stock unter­gebracht. Das ist sicherlich ein Abschreib- oder Druckfehler. Im Vorspann des Bandes heißt es nämlich: „Zusammen­gestellt und heraus­gegeben nach eigener für Darmstadt vorge­nommener Personen­stands­aufnahme, mit amtlicher Unter­stützung.“ Im Vorwort zu diesem Band lamentieren die Heraus­geber, daß sich die Einwohner­innen und Einwohner Darmstadts nicht richtig bemüht hätten, den Verlag bei seiner wichtigen Aufgabe mit korrekt und vor allem lesbaren Haus­bögen zu unter­stützen. Auch hätten die Druck­bögen wochenlang öffent­lich zur Einsicht ausgelegen, aber die Resonanz sei gering gewesen. „Manche Richtig­stellung wäre dadurch von vornherein schon ermög­licht worden.“ Natürlich fiel den Erstellern des Adreßbuches nicht auf, daß nunmehr zwei Kaufleute in dem einen, aber keiner mehr in dem anderen Stock­werk vorhanden waren, denn sie kannten die Örtlich­keit nicht. Es bedurfte mehrerer Ausgaben, bis der Fehler auffiel und korrigiert wurde. Vermut­lich wird Michaela Rützel eine dieser Ausgaben zur Hand genommen und dieser das falsche Stock­werk entnommen haben. Ihr ist kein Vorwurf zu machen, denn alle Adreß­bücher durch­zugehen und sich dann bei Wider­sprüchen den richtigen Reim darauf zu machen, das ist eine komplexe und vor allem zeit­raubende Aufgabe. 

Das Adreßbuch für 1933 erschien wohl noch, bevor Hinden­burg und ein Teil des deutschen Groß­kapitals mit Unterstützung der Hälfte der Darm­städterinnen und Darm­städter die Nazis an die Macht brachten. Nunmehr ist ein Ludwig Delp Haus­eigentümer. In alpha­betischer Reihen­folge werden nun genannt: Benny Baer in 2, der Fabrikant Adolf Beck wie zuvor in 2, der Kunstmaler Erich Colm-Bialla im Erd­geschoß, der Kaufmann Simon Katz wie zuvor in 1 und die Konserven­fabrik Georg Korbus ohne nähere Angabe. Da dieser letzte Eintrag zusätz­lich mit einer Telefon­nummer versehen ist, welche der von Adolf Beck entspricht, können wir diesen Eintrag ebenfalls dem zweiten Stock zuordnen. Ein dritten Stock gibt es auch weiterhin nicht.

Häuser in der Landwehrstraße.

Bild 10: In besseren Zeiten schauten Thekla und Benny Bär aus den Fenstern des dritten Stocks sorgenfrei auf das Johannes­viertel. Aufnahme vom Juli 2022.

Das sieht 1934 anders aus. Nunmehr ist die Ehefrau eines Otto Wurz Eigentümerin, und dies mag ein Anlaß gewesen sein, noch einmal genauer hinzu­schauen. Benny Baer ist wieder in den dritten Stock zurück­gekehrt, Adolf Beck im zweiten, Simon Katz im ersten, und neu im Erd­geschoß findet sich der Schrift­steller Theodor Maternus. In den drei folgenden Ausgaben bis 1937 wird Benny Baer noch in der Landwehr­straße 18 aufgelistet, in der Ausgabe für 1940 hingegen nicht mehr. Wann Thekla und Benny Baer in das „Judenhaus“ Georgen­straße 10 (heute Gagern­straße) unter beengtesten Ver­hältnissen eingewiesen wurden, ist unbekannt. Das 1940er Adreß­buch führt das Ehepaar (Beni Bär) nunmehr dort. 

In der Regel mag es nach rund ein­hundert Jahren unerheb­lich scheinen, wer wann in welchem Stock­werk eines Hauses gelebt und gewohnt hat. Dennoch gibt es Situationen, in denen das Wissen darum von Interesse sein kann; etwa wenn ich wissen will, ob die Eheleute Bär tatsäch­lich die Wohnung mit Leben gefüllt haben, in der ich mich sechzehn Jahre lang aufgehalten habe. Und da kann ein fehler­hafter Eintrag in die Irre führen.

Ein Bruder zieht um

In Darmstädter Publikationen können wir immer wieder lesen, daß Person X oder Unternehmen Y im Jahr Z an einer bestimmten Adresse zugezogen sei. Genau genommen wird es sich in der Regel um das Vorjahr handeln, denn das Adreßbich für ein bestimmtes Jahr wurde ja im Jahr zuvor zusammen­gestellt und häufig auch gedruckt. Doch verlassen können wir uns darauf nicht. Zwar dürfte das Anmelden eines neuen Wohnsitzes zeitnah erfolgt sein, zumal empfindliche Strafen drohten. Beim Anmelden oder Umzug eines Unternehmens hingegen scheint es einigen Spielraum gegeben zu haben.

Als in den 1860er Jahren begonnen wurde, ein Handels­register zu führen, wurden längst nicht alle Gewerbe­treibenden zeitnah erfaßt. Zwar geben die Auszüge aus dem Handels­register häufig Auskunft darüber, seit wann das Gewerbe bestanden haben soll, aber solche Angaben sind zuweilen unzuverlässig. Die Unterlagen aus der Anfangszeit des Handels­registers sind verloren gegangen, so daß nichts anderes übrig bleibt, die Zeitungen mühselig zu durch­forsten, um die entsprechenden Einträge bzw. Auszüge zu finden. Doch selbst diese Einträge helfen nicht weiter um festzustellen, wann ein bestimmtes Unternehmen an einen anderen Standort gezogen ist. Hier kommt das Adreßbuch ins Spiel.

Annonce Gebrüder Buschbaum.

Abbildung 11: Annonce der Gebrüder Buschbaum im „Organ“, Heft 2/1917.

Fritz Buschbaum schaltete 1917 eine Annonce, um aus seiner Werkzeug­maschinen­industrie „Gebrüder Buschbaum“ Revolver­bänke, Maschinen und andere Werkzeuge anzupreisen. Er gab als Gründungs­jahr 1847 an. Für den Vorgänger­betrieb seines gleichnamigen Onkels gab das Adressbuch für Gruben, Hütten und Maschinen­fabriken von 1876 hingegen 1837 an. Hier deuten sich noch ganz andere Schwierig­keiten einer genaueren Datierung an. Tatsäch­lich war Johann Ludwig Buschbaum Mitbe­gründer einer Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei auf dem Gelände der vormaligen Werkstätte des Münzrats Hektor Rößler. Da Rößler als staatlicher Beamter mit dem Prädikat eine Münzrats nicht gleich­zeitig als Fabrikant auftreten konnte, wurde das Unter­nehmen nach Buschbaum als „Buschbaum und Comp.“ benannt. Nun verließ Buschbaum, wie freiwillig auch immer, 1844 die Fabrik, die danach ganz banal als „Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei Darmstadt“ firmierte. Buschbaum richtete in der Nähe eine eigene kleine Werkstatt ein, mit der er um die Jahres­wende 1847/48 an den Mühlweg umzog. Zwei seiner Söhne, August und Fritz, die schon zuvor in einer eigenen Werkstätte selbständig gearbeitet hatten, übernahmen 1863 das Geschäft ihres Vaters, das sie von 1867/68 an als „Gebrüder Buschbaum“ betrieben. Beide Brüder trennten sich jedoch 1873, wobei beide eine jeweils eigene Werkzeug­maschinen­fabrik mit demselben Sortiment betrieben, so daß persönliche Gründe für die Trennung zu vermuten sind. Fritz starb wenige Wochen später und seine beiden jüngeren Brüder Ludwig und Albrecht übernahmen dessen kleine Fabrik, zunächst noch unter der Firma des Verstorbenen, nämlich „Fritz Buschbaum“. 1876/79 änderten sie die Firmen­bezeichnung in „Gebrüder Buschbaum“ um, obwohl die erste Firma dieses Namens erst 1885 offiziell gelöscht wurde. 

In der Nacht vom 21. zum 22. September 1904 brannte die an der Ecke Kahlert- und Viktoria­straße gelegene Fabrik ab. Ein Wiedar­aufbau an gleicher Stelle schien nicht ratsam. Vielleicht kam dieses Ende gar nicht so ungelegen. Zwei Jahre zuvor war das Unternehmen zahlungs­unfähig und verhandelte mit den Gläubigern um ein Moratorium. Der Schwieger­vater des jüngeren Fritz Buschbaum namens John Faehr erwarb 1902/03 die Fabrik und die „Firma“. Die Liegen­schaften der Fabrik wurden verkauft; in den folgenden Jahren wurden auf dem Fabrik­gelände mehrere Wohn­bauten errichtet. Fritz Buschbaum erhielt Anfang 1905 von seinem Schwieger­vater den Namen „Gebrüder Buschbaum“ zurück und zog mit den vom Brand verschonten Resten der Maschinen und Werkzeuge im März 1905 in einen Lagerraum in der Viktoria­straße 34. 

»»  Die Geschichte der Buschbaums als Darm­städter Maschinen­fabrikanten habe ich auf einer eigenen Unterseite nachvollzogen.

Davon weiß das Adreßbuch nichts. In diesem werden noch 1908 im alpha­betischen Teil die „Gebrüder Buschbaum“ am vorherigen Firmensitz in der Viktoria­straße 48–52 geführt. Das Gebäude in der Nummer 34 gehörte der Witwe des Materialisten (meint Einzel­handels­kaufmann) Emil Vierheller, Friederike geborene Schmitt. Erst als diese im Februar 1908 starb und dieses wie das Nachbar­haus den Erben des Materialisten zugeschrieben wurde, wurde der Eintrag im Adreßbuch (für 1909) angepaßt. Nunmehr wird im alpha­betischen Teil die Firma „Gebrüder Buschbaum“ korrekt mit dem Firmensitz ihres Inhabers Fritz Buschbaum in der Viktoria­straße 48 angegeben und im Straßen­verzeichnis das Lager der Firma (mit vielleicht ange­schlossener kleiner Werkstatt) auch in der Nummer 34 verzeichnet. Es scheint, als habe der Tod der Witwe zu Veränderungen im Melde­register geführt, wodurch der Unter­mieter Fritz alias Gebrüder Buschbaum auch für das Adreßbuch „entdeckt“ wurde. 

In diesem Fall haben wir das besondere Problem, daß die Firma unter einer anderen Anschrift geführt wurde als das Lager und eventuell eine Werkstatt. In der Viktoria­straße 48 hatte Fritz Buschbaum seine Wohnung und das Büro mit Telefon für den Kontakt mit Kunden und Lieferanten. Das Adreßbuch hatte hier mit einigen Jahren Verspätung eine Geschäfts­veränderung registriert; und selbst dieser Eintrag verdankt sich wohl eher einem Zufall, einem Todesfall. Aufmerksam bin ich auf die Viktoria­straße 34 durch einen anderen Zufall geworden, nämlich einen Fund im Internet, und zwar eine Annonce mit genau dieser Anschrift. Der Umzug selbst wurde im Darmstädter Tagblatt annonciert; aber auch diese Annonce will gefunden sein.

Es wäre daher sehr zu wünschen, daß die 2022 angestoßene Arbeit an einer Volltext­suche für das Tagblatt bald­möglichst beendet und dann eine Suchmaske aufgesetzt wird, die sofort zu den Treffern innerhalb jeder Zeitungs­ausgabe führt und nicht bloß auf die Titelseite der ent­sprechenden Ausgabe. Es kann nämlich recht mühselig sein, eine Ausgabe mit Dutzenden von Seiten händisch nach dem gesuchten Begriff abzuklappern.

Die Mädchenschule

Richtig vertrackt wird es, wenn ein Gebäude im Zuge einer Anpassung der Adressierung nicht nur mit einer anderen Haus­nummer, sondern auch in einer anderen Straße geführt wird. Dieses Schicksal ist dem Wohn- und Gastronomie­gebäude widerfahren, das heute [2023] als „Sardegna“ an der Ecke Kahlert- und Frankfurter Straße bekannt ist. Hier muss frau oder mann die Geschichte schon sehr genau kennen (also recherchiert haben), um sich nicht vom Adreß­buch in die Irre führen zu lassen.

2013 fragte das Darmstädter Echo im Stadtarchiv Darmstadt nach dem Bestehen dieses Gebäudes. Heute prangen hier zwei Schriftzüge als Zeugen der Vergangen­heit, einmal „Haus der Bäcker­innung“ und einmal „Gildenstube“. Beide verweisen auf eine unter­schiedliche Nutzung des Hauses nach dem Zweiten Weltkrieg. Aufgrund der eingeholten Auskunft schrieb die Redakteurin Annette Krämer-Alig, das Haus seit 1883 erbaut und als Wirtschaft seit 1890 genutzt worden. Und das ist einfach unzutreffend. Aber woher sollen Stadtarchiv und Redakteurin das auch besser wissen? Ich habe selbst längere Zeit damit verbracht, die wahre Geschichte heraus­zufinden.

»»  Zu diesem Gebäude und seiner zweihundert­jährigen Geschichte siehe ausführ­lich das 18. Kapitel meiner Geschichte der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei Darmstadt: Jacob Alleborn schenkt erlesenen Wein aus.

Der Wein­händler Jacob Alleborn ließ sich um 1820 ein repräsen­tatives Ausflugs­lokal mit Herberge für die Auswärtigen am Nordrand der Stadt hinstellen. Es erhielt die Kataster­nummer Lit. I. Nr. 55. Er mag sich dabei finanziell übernommen haben, denn schon gegen Ende des Jahr­zehmts erwarb der Münz­meister und Mechanikus Hektor Rößler das Haus mit seinem weitläufigen Gelände, um sich darauf eine Werkstatt für den Bau der ersten südhessischen Dampf­maschine einzu­richten. 1830/31 erhielt dieses Ensemble bei der Rekonfigu­rierung des Katasters die Nummer F.209. Hinzuzufügen wäre, daß die Wirtschaft mit ihren Stallungen ihren Haupt­eingang nicht an der Frankfurter Chaussee, sondern an einem unbenannten Seitenweg hatte. Das wird noch bedeutsam sein. 1865 dachte noch keine und niemand an die zukünftige Kahlert­straße und so erhielt das nunmehrige Haupt­gebäude der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei eine Haus­nummer an der Frankfurter Straße, und zwar die 50.

Schon Ende der 1850er Jahre hatte die zwischen­zeitlich in eine Aktien­gesellschaft umgewandelte Maschinen­fabrik ein neues geräumigeres Etablisse­ment auf dem freien Feld nahe der Anlagen der Hessiscehn Ludwigsbahn errichtet. Die Blumenthal­straße, an welche die Neue Fabrik grenzen sollte, wurde erst mit dem Bau des Blumenthal­viertels in der ersten Hälfte der 1870er Jahre chaussiert. Die Gründerkrise ab 1873 zwang die Aktionäre zu mehr Kosten­effizienz. Die Alte Fabrik an der Frankfurter Straße wurde aufgegeben und zum Verkauf ausge­schrieben. Doch bei schwächelnder Konjunktur fanden sich keine Käufer; und die, die sich interessiert zeigten, hofften auf ein Schnäpp­chen. Die Stadt Darmstadt nutzte die Gunst der Stunde und mietete sich im alten Bürogebäude der Maschinen­fabrik ein. Das sich auch für Mädchen entwickelnde Schulwesen erforderte mehr Raum und die geplanten neuen Mädchen­schulen waren noch im Bau. Deswegen erhielten die Mädchen in der verlassenen Alten Fabrik nicht nur geschlechts­spezifischen Unterricht im Nähen, Kochen und in religiös verbrämter Unterwürfig­keit, sondern auch die aller­wichtigsten Kern­kompetenzen im Lesen, Rechnen und Schreiben. Mädchen und junge Frauen, die zu gebildet auftraten, hätten die männliche Vorherr­schaft in Frage zu stellen können. Sexualkunde und Verhütung standen somit nicht auf dem Stundenplan, und die Mädchen erhielten auch keine Einweisung darin, wie sie sich den sexuellen Zugriffen ihrer Dienst­herren und deren Söhnen erfolgreich entziehen konnten.

Kahlertstraße.

Bild 12: Der Eingang an der Kahlert­straße im Mai 2019.

Ein Mitarbeiter des Stadtarchivs schrieb mir im Oktober 2015 zu den Zuständen in den ausgehenden 1870er Jahren:

„Den Stadtplänen darf man wohl entnehmen, daß man genau dieses Gebäude beim Abriß der Maschinen­fabrik zunächst stehen ließ. L[au]t Adreß­buch 1878 wurde es 1876/77 vorüber­gehend von der Stadt Darmstadt erworben, die darin eine städtische Schule einrichtete. Im Adreßbuch­jahrgang 1880 wird das Gebäude wieder als Alte Eisengießerei bezeichnet (Adresse = Frankfurter Straße 50). Mit dem erstmaligen Erscheinen des Neubaues Kahlert­straße 1 im Adreßbuch 1883 verschwindet dann auch das Gebäude Frankfurter Straße 50 aus den Adreß­büchern. Wie die Stadtpläne zeigen, stand das Neue Chaussee­haus zwar genau an der Stelle der späteren Fabrikanten­villa, aber bereits deren Errichtung dürfte das Chaussee­haus nicht überlebt haben.“

Nun ist es zwar richtig, daß das fragliche Adreßbuch die Stadt Darmstadt als Eigentümerin führt, aber der Eintrag ist nicht korrekt. Eigentümer des Gebäudes war in den fraglichen Jahren immer noch das Maschinenbau­unternehmen. Die Verwaltungs­berichte der Stadt Darmstadt geben zum Miet­verhältnis beredt Auskunft; auch die Berichte aus der Stadtverordneten­versammlung in der Lokalpresse sind hier eindeutig. Es ist anzunehmen, daß die Heraus­geber wußten, daß die Arbeiter und die Maschinen in die Neue Fabrik umgezogen waren und daß die Stadt in dieser Einöde ihre Mädchen in Riesen­klassen zusammen­pferchen ließ. Der Leerstand als Maschinen­fabrik und die Nutzung als Mädchen­dressuranstalt mag die Heraus­geber des Adreß­buchs dazu verführt haben, der Stadt Darmstadt das Gebäude zuzu­schreiben. 

Auch ist es richtig, daß zunächst die Anschrift Frankfurter Straße 50 verschwand (letztmals erwähnt 1882 als Alte Eisengießerei) und erst danach, nämlich 1883, eine neue Adresse Kahlert­straße 1 entstand. Heute trägt das Haus rechts neben dem „Sardegna“ selbige 50, weil es erst Mitte der 1880er gebaut wurde und die Nummer frei geworden war. Erinnern wir uns: der Haupt­eingang des Weinlokals wie auch der Maschinen­fabrik lag an einem Seitenweg der Frankfurter Straße. Dieser wurde erst durch die Errichtung des Blumenthal­viertels zur Kahlert­straße ausgebaut. (Nebenbei, zwecks Genauig­keit: schon gegen 1870 wurde dieser Seitenweg als Ver­längerung der Schloß­garten­straße begriffen.) Als nun die Bau­tätig­keit mit anziehender Konjunktur die Kahlert­straße nach Norden überwand, war es erstmals norwendig, selbige auch auf der Nordseite durchzu­numerieren. Und da fing man konsequent mit der „1“ an, und zwar am ersten dort stehenden Gebäude mit dem Haus­eingang zur Kahlert­straße. Deshalb ist es vollkommen logisch, daß die „50“ verschwinden mußte, bevor die „1“ den Weg ins Adreßbuch gefunden hat. Denn es ist ein- und dasselbe Gebäude. Übrigens – eine Fabrikanten­villa hat es dort nie gegeben.

Spuren­sicherung auf dem Wohnungs­markt

Am 4. Juni 1881 wurde für die Frankfurter Straße 50 jeweils eine Sechszimmer­wohnung im ersten und zweiten Stock zur Vermietung ausge­schrieben. Näheres sei bei Blumenthal und Comp. zu erfahren. Damit wird kein neuer Eigentümer des Gebäudes benannt, sondern die Verwal­tung. Die Liquidation der Maschinen­fabrik ab 1879 und die Beglei­chung der hohen Verbindlich­keiten des Unter­nehmens brachten das Gebäude in den Besitz der Süd­deutschen Immobilien­gesellschaft. Diese war so etwas wie eine „bad bank“ der Bank für Handel und Industrie und sie parkte in ihrem Portfolio diejenigen Immobilien, die nicht sofort loszu­schlagen waren und die daher die Bilanz der Bank für Handel und Industrie belastet hätten. Auch einzelne Gebäude der Terrain­gesellschaft Blumentahl und Comp. gelangten so in den Besitz der Süd­deutschen Immobilien­gesellschaft, wie etwa der „Louvre“. Die Annonce mit der Vermie­tung der beiden Stock­werke wurde noch drei Monate später, am 10. September 1881, geschaltet.

(Niemand will zwei Stockwerke mit jeweils sechs Zimmern in einem soliden Steinhaus vermieten, um es dann doch abzureißen.) 

Mittlerweile war die Immobilien­rochade vollzogen und die Süd­deutsche Immobilien­gesellschaft errichtete ein Büro in der Kahlertstraße 7. Am 10. Dezember 1881 wurden nunmehr nicht nur die beiden Stockwerke des nun als Kahlert­straße 1 bezeichneten Wohnhauses zur Vermietung ausge­schrieben, sondern unter anderem auch aus dem „Louvre“-Bau Alicestraße 23 der zweite Stock. Das Adreßbuch benötigte dann einige Zeit, um sich an die neuen Eigentums­verhältnisse anzupassen. 

Mit ein wenig Skepsis

Die Arbeit mit dem Darmstädter Adreßbuch – und das wird in anderen Städten ähnlich sein – ist mit gewissen Unwäg­barkeiten und Ungenauig­keiten verbunden. Die jeweiligen Heraus­geber mögen viel Mühe darauf ver­wendet haben, ein solides Werk heraus­zubringen. Das Problem ist, daß wir nie sicher sagen können, wo es ungenau wird. Vieles klingt plausibel und in sich schlüssig, manches Fehler­behaftete erschließt sich erst durch Abgleich über einen längeren Zeitraum. Schon deshalb ist es angeraten, die Angaben des Adreß­buchs, wo möglich, mit anderen Doku­menten, Archivalien oder Zeitungen abzu­gleichen. Die obigen fünf Fall­beispiele entstammen meiner Beschäfti­gung mit einem Teil­aspekt der Darm­städter Geschichte des 19. und beginnenden 20. Jahr­hunderts. Es ist jedoch davon auszugehen, daß noch weitere Ungereimt­heiten in den zunzähligen Bänden dieses Werkes zu finden sind; es kann auch gar nicht anders sein.

Dazu gehören auch Vorgänge wie die 1890 oder 1891 erfolgte Neu­numerierung der gesamten Pallas­wiesen­straße, nachdem selbige von der Frankfurter Straße zum Schloßgarten­platz verlängert wurde; im Adreßbuch wird dieser Vorgang 1892 erkennbar. Solcher­lei Umnume­rierungen, aber auch Umbe­nennungen imd Neuzu­ordnungen gab es immer wieder. Darmstadt ist eine gewachsene Stadt. Ohne Kenntnis derartiger Vorgänge sind veränderte Einträge im Adreßbuch nicht immer leicht zu durch­schauen. Dennoch ist das Adreßbuch ist als Informations­quelle überaus nützlich, sofern wir uns dessen bewußt sind, daß wir ab und an auch falsch gelegten Spuren folgen.

Anmerkungen

Am Ende der angeklickten und eingefärbten Anmerkung geht es mit dem Return ( ⏎ ) zum Text zurück.

  1. Bei Geburts- oder Todesdaten ist es durchaus sinnvoll, die Angaben der Älteren Melde­registratur (Stadtarchiv Darmstadt Bestand 12/18) mit den Veröffent­lichungen von Geburten, Taufen und Begräbnissen im Darmstädter Frag- und Anzeige­blatt bzw. Tagblatt und/oder mit den online einsehbaren Friedhofs­büchern abzugleichen.   
  2. Der Plan der fürstlichen Residenz Darmstadt von 1799 zeigt minutiös diese erste Erfassung der Gebäude im Brand­versicherungs­kataster [online ulb darmstadt]. Alternativ auf der Webseite von Kristof Doffing anzuschauen. Dort befinden sich (verlinkt) auch die zusammen­gestellten Einträge aus Ver­zeichnis der Häuser­besitzer von Darmstadt zu dem Plane von Weiss 1799. Dieses Ver­zeichnis stellt faktisch die erste Form des späteren Adreßbuchs dar; die maschinen­schriftliche Abschrift der Hand­schrift ist in der ULB Darmstadt mit der Sigle 43 A 887 einzusehen. – Zur Vorgeschichte siehe die von Jürgen Rainer Wolf verfaßte Vorbe­merkung im Findbuch zu HStAD G 48 [2007]. 1815 war man infolge der neuen Bauflächen an der Rhein-, Neckar- und Baustraße (heute Elisabethen­straße) bei der Numerierung mindestens bis zu den 730er-Nummern gekommen.   
  3. Wann mit der Einführung der neuen Kataster­nummern begonnen wurde, habe ich bislang nicht heraus­finden können. Sabine Lemke vom Stadt­archiv Darmstadt wies mich auf die Groß­herzoglich Hessische Brand­assecuration-Ordnung von 1816 hin, mit der fest­gelegt worden ist, wie die Gebäude in die Brand­versicherungs­kataster aufzu­nehmen waren. Im Darm­städtischen Frag- und Anzeige­blatt sind sie mir erstmals in der Ausgabe vom 20. März 1815 begegnet. Im November 1816 war die Numerierung abge­schlossen, siehe das Anzeige­blatt vom 11. November 1816 [online ulb darmstadt]. Die Auf­stellung des neuen Katasters im Anzeige­blatt vom 3. März 1817 [online ulb darmstadt].   
  4. Adreßbuch für 1819, Seite 103 bis 108.   
  5. So wurde für die 1830/32 neu erbaute Münz­anstalt am Mainthor die Kataster­nummer Lit. F Nr. 36 vergeben, die noch in den 1820er Jahren ein nahe gelegenes Wohnhaus bezeichnet hatte. Mit derartigen kleineren Anpassungen im Nummern­bestand muß bei der Arbeit mit den Adreß­büchern gerechnet werden. Friedrich Rößler, ein Bruder des Münz­meisters und Mechanikus Hektor Rößler, eröffnete 1817 ein Laden­geschäft in der Kirch­straße mit der Nummer Lit. D Nr. 121. Einige Häuser, unter anderem dieses, die direkt an das Neubau­gebiet der heutigen Elisabethen­straße (damals zunächst Baustraße) und Ludwigs­straße grenzten, wurden dem Distrikt E zugeschlagen; und so wurde aus D.121 neu E.19. Die Akten­bände des Darmstädter Brand­versicherungs­katasters sind erst ab 1818 im Hessischen Staats­archiv vorhanden. Die Bestände von 1865 bis 1908 fehlen dort; vermutlich sind sie 1944 verbrannt.   
  6. Hier mögen als frühe Beispiele die Ausgaben von 1843 und 1847 genügen, die erst im Mai bzw. April erschienen sind; siehe Darm­städter Frag- und Anzeige­blatt vom 20. Mai 1843 [online ulb darmstadt] und vom 10. April 1847 [online ulb darmstadt].   
  7. Darmstädter Frag- und Anzeige­blatt vom 14. August 1869 [online ulb darmstadt].   
  8. Darmstädter Tagblatt vom 29. April 1876 [online ulb darmstadt].   
  9. Die Karte ist auf 1850/51 datiert, jedoch wurde zumindest die Main-Rhein-Bahn nachgetragen. Siehe HStAD P 1, 2516 [online]. Diese Karte ist vollständig auf der Webseite von Kristof Doffing zu finden.   
  10. Die Bahnwärter­häuser erhielten ab Oktober 1867 durch den Land­postboten eine zweite Zustellung der an sie adres­sierten Post. Siehe Darm­städter Tagblatt vom 19. Oktober 1867 [online ulb darmstadt]. Ausdrück­lich werden hier die Bahnwärter­häuser 18 bis 25 und 29 der Main-Neckar-Bahn sowie 34 bis 37, 39, 41, 43, 46, 48, 51 bis 55, 57, 59, 60 und 62 der Main-Rhein-Bahn genannt. Dies läßt auf eine andere Durch­numerierung schließen. Dem soll hier nicht nach­gegangen werden.   
  11. Es handelt sich um einen voll­ständigen kolorierten Satz von Flurkarten, die auf 1904ff. datiert sind. Hier von Interesse sind die Karten N.W.IV.21 (Schlacht- und Viehhof), N.W.IV.32 (Löcher­feld) und N.W.IV.42 (Löcher­feld (Täubches­höhle)). Stadt­archiv Darmstadt Bestand 51 Nr. 132, als Digitalisat zu finden bei Kristof Doffing. – 1924 unter­nahmen die Heraus­geber des Adreß­buchs den einmaligen Versuch, die Bewohner­innen und Bewohner der Straßen­züge nach linker und rechter Seite zu sortieren. Dabei gingen sie beim Sens­felder Weg davon aus, daß die ungeraden Nummern rechts und die geraden links gelegen haben müssen, obwohl dies aus­weislich der Flur­karten nicht der Fall gewesen ist.   
  12. Es ist möglich, daß Angaben im Brand­versicherungs­kataster und in der Melde­register­kartei weiter­helfen, aber darauf habe ich mit einem Abstand von mehr als fünf­hundert Kilo­metern von den Quellen keinen Zugriff. Ohnehin bliebe dann zu klären, wer von wem falsch abge­schrieben hat.   
  13. Im Adreßbuch für 1876 wird unter der Haus­nummer 85 des Pallas­wiesenweges erstmals ein Bahn­wärterhaus der Hessischen Ludwigs­bahn geführt. Es handelt sich hierbei um das Bahnhaus 85 an der Riedbahn, welches die Straße nach Gräfen­hausen absicherte. Dieses Bahn­wärterhaus wurde, wie acht weitere entlang der Riedbahn zwischen Darmstadt und Goddelau, 1872/73 erbaut, fand aber noch keinen Eingang in die 1874er Ausgabe des Adreß­buchs. Einen Gräfen­häuser Weg als amtliche Bezeich­nung scheint es 1876 noch nicht gegeben zu haben. – Der Schrott- und Lumpen­handel von Wolf Strauß war seit Mitte der 1890er Jahre an der Gräfen­häuser Straße anzutreffen. Zunächst war als Adresse jedoch Pallaswiesen­straße 135 angegeben. Siehe hierzu auch meine Unterseite zum Industrie­stammgleis „F“.   
  14. Plausibel gewiß. Aber wir wissen nicht definitiv, ob die Kataster­nummern nicht doch neu ausge­würfelt wurden. – In einer Mitteilung des Darm­städter Tagblatts vom 5. April 1921 [online ulb darmstadt] über den Geltungs­bereich der Post­gebühren im Orts­verkehr werden auch Einzel­gebäude wie das Bahn­wärter­haus 44 am Sens­felderweg 2 genannt.   
  15. Selbst wenn irgendeine oder -jemand den Angaben des Adreß­buchs folgend einen Brief mit der falschen Haus­nummer versandt hätte, hätten die damaligen Post­beamten denselben selbst­verständlich richtig zugestellt. Ein­hundert Jahre später können wir uns da nicht mehr so sicher sein. Zu Heinrich Meiser Stadt­archiv Darm­stadt Bestand 12/18.   
  16. Das Adreßbuch für 1876 läßt ihn zunächst in der Zeughaus­straße 3 wohnen, 1878 in der Wendel­stadtstraße 26 (heute Wilhelm-Leuschner-Straße).   
  17. Die verschiedenen Fassungen des Plans des Blumenthal­viertels lassen die genaue Ausge­staltung des Eck­grund­stücks offen; vergleiche hierzu die Fassung vom August 1872 auf der Webseite von Kristof Doffing [online]. Vom Schnitt des gegenüber liegenden Grund­stücks an der südöst­lichen Ecke des Kreuzung her wäre sogar denkbar, daß die Liebig­straße 19 theoretisch auch dort hätte unter­gebracht werden können. Das Grund­stück Liebig­straße 21 wird derzeit [2023] aus­weislich des Luftbildes auf der Webseite der Stadt Darmstadt für das Abstellen von Blech­karosssen ver­schwendet.   
  18. Die Bezugsfertig­keit des „Louvre“ wurde im Darmstädter Tagblatt vom 24. April 1875 angezeigt [online ulb darmstadt]. Zum „Louvre“ ließe sich noch einiges mehr ausführen, aber dies würde den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen; deswegen lasse ich es bei der knappen Dar­stellung. Mehrere Ansichten des „Louvre“ und des davor liegenden Wilhelms­platzes aus den Beständen des Stadt­archivs Darmstadt gibt es auf der Webseite von Kristof Doffing [online].   
  19. Die Grafiken der Adreßbücher von 1902 und 1905 werden hier verwendet, weil die ent­sprechenden Einträge von 1903 und 1904 entweder auf zwei Spalten verteilt waren oder der Scan am Randfalz gebogen war.   
  20. Die Todesanzeige im Darmstädter Tagblatt vom 26. Oktober 1910 [online ulb darmstadt].   
  21. Albrecht Buschbaum schaltete vom 13. September bis zum 8. November 1879 in den Samstags­ausgaben insgesamt neun Annoncen, davon vier mit 19a und fünf weitere (ohne den wohl vermieteten dritten Stock) mit 19½. Siehe Darmstädter Tagblatt vom 13. September 1879 [online ulb darmstadt] und vom 11. Oktober 1879 [online ulb darmstadt]. Eine Annonce zur Ver­mietung im Eckhaus durch den Bauunter­nehmer Wagner habe ich bislang nicht auffinden können.   
  22. Dorothee Hoppe / Jutta Reuss (Hg.) : Stolper­steine in Darmstadt [2013], Seite 39 und 40.   
  23. Darm­städter Tagblatt vom 3. Juni 1903 [online ulb darmstadt].   
  24. Bis kurz vor der Corona-Pandemie betrieb im Ladenlokal der 13 eine aus Pakistan stammende Frau mit dem veganen bzw. vegetarischen „Café Habibi“ ein highlight der Darm­städter Gastronomie­kultur.   
  25. Das Vorwort mit dem Zitat in der Ausgabe für 1927 [online ulb darmstadt].   
  26. Zu den Juden­häusern in Darmstadt siehe den ent­sprechenden Eintrag in der zweiten Auflage der Online-Enzyklo­pädue der DFG-VK Darmstadt „Von Adelung bis Zwangsarbeit“ [online]. Der Stichtag für die Einträge in das Adreß­buch für 1940 war der 15. Oktober 1939. Der unfrei­willige Auszug wird dann wohl zwischen April und Oktober 1939 statt­gefunden haben.   
  27. Mehrfach geschaltete Annonce im „Organ für die Fortschritte des Eisenbahn­wesens in technischer Beziehung“, z. B. Jahrgang 1917, Heft 2, 15. Januar 1917 [online ulb darmstadt]. Adressbuch der Gruben, Hütten, Maschinen­fabriken, mech. Werkstätten und techn. Bureaux in Deutsch­land und der oest.-ung. Monarchie [1876], Seite 41 [online bsb münchen].   
  28. Die Insolvenz in den Münchner Neuesten Nach­richten vom 30. September 1902 [online bsb münchen]. Die Umzugs­annonce im Darmstädter Tagblatt vom 21. März 1905 [online ulb darmstadt].   
  29. Todesanzeige im Darmstädter Tagblatt vom 20. Februar 1908 [online ulb darmstadt]. Der Buchstabe „V“ des Melde­regusters ist Ende des Zweiten Weltkriegs durch Brand oder andere damit verbundene Umstände verloren gegangen.   
  30. Verrwaltungs­bericht des Großherzog­lichen Bürger­meisters der Haupt- und Residenz­stadt Darmstadt für das Jahr 1876, Seite 32–33, 1877, Seite XXI–XXII, 24 und 29, und 1878, Seite XXIV bis XXV und 27–28, jeweils im Folgejahr erschienen, in der ULB Darmstadt als Zb 2448. Darmstädter Zeitung vom 1. Januar 1879 [online ulb darmstadt] und Darmstädter Tagblatt vom 31. Dezember 1878 [online ulb darmstadt]. Die Tages­ordnung zu dieser Stadtverordneten­versammlung lautet unter Punkt 8 (Darm­städter Tagblatt vom 28. Dezember 1878): „Abfindung der Maschinen­fabrik und Eisen­gießerei für das provisorisch zu Schul­zwecken benutzte Gebäude.“   
  31. Das stimmt auf jeden Fall für das ausgehende 19. Jahrhundert. Die wirtschaft­lichen und politischen Akteure des grenz­debilen Neo­liberalismus unserer Tage hingegen fallen wie Heu­schrecken­schwärme über alles her, was sich irgendwie verwerten läßt, und hinter­lassen eine Schneise sozialer und ökologischer Ver­wüstung und moralischer Verwahr­losung. Ihnen, die höchstens bis zu den nächsten Quartals­ziffern zu denken pflegen, wäre es durchaus zuzutrauen, heute vermieten zu wollen und morgen alles abzureißen. Haupt­sache Aktienkurs, Bilanz, Profit und Bonus­zahlungen stimmen.   
  32. Das Darmstädter Tagblatt, vormals Frag- und Anzeige­blatt oder noch viel früher Darm­städtisches Frag- und Anzeige-Blättgen, ist ein unschätz­barer Quell wichtiger Infor­mationen, die nicht oder unzu­reichend im Adreß­buch stehen.