Köf am Stellwerk Dn. Köf beim Rangieren am Stellwerk „Dn“.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Das Stellwerk „Dn“ des Darmstädter Hauptbahnhofs

Eine Annäherung

Der Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts begonnene Neubau des Darmstädter Hauptbahnhofs erforderte eine vollständige Neuausrichtung der Gleisanlagen auf seinem Nordkopf. Diese Gleisanlagen wurden bewußt so gestaltet, daß sich die kreuzenden Zugtrassen möglichst nicht ins Gehege kamen. Gleichzeitig wurde am nordöstlichen Rand des neuen Bahnhofs ein Güterbahnhof angelegt. Dessen Zuführung wiederum mußte mit der Logik einer möglichst kreuzungsfreien Gleistrassierung verknüpft werden. Nur wenige Güterzüge wurden daher direkt aus Mainz-Bischofsheim oder von der Main-Neckar-Bahn herkommend direkt in den Güterbahnhof geleitet. Der Güterumschlag für Darmstadt fand vorwiegend auf dem großzügig angelegten Güterbahnhof in Darmstadt-Kranichstein statt. Von dort rangierten in einer Art Shuttleverkehr die lokalen Güterzüge hin und her.

Ich danke der Forschungs­gemeinschaft Verkehrsgeschichte e. V. in Reinheim für die Genehmigung, die sich im dortigen Archiv befindliche Aufnahme von Ulrich Richter hier verwenden zu können, und dem Darmstädter Vermessungs­amt für die Überlassung des Luftbildes.


Der Nordkopf des Darmstädter Hauptbahnhofs wurde kurz vor den Brücken über die Gräfenhäuser Straße vom Stellwerk „Dn“ abgesichert. Dieses Stellwerk scheint weder innen noch außen fotografiert worden zu sein, zumindest ist mir keine Aufnahme bekannt. Es handelt sich um ein Weichen­stellwerk vom Typ Einheit und wurde vermutlich 1946 nach Kriegsschäden von VES (Vereinigte Eisenbahn­signalwerke in Berlin) neu aufgebaut [1]. Ulrich Richter trieb sich um 1970 herum mehrfach an den nördlichen Ausläufern des Hauptb­ahnhofs herum und fotografierte eigentlich eine rangierende Köf. Doch im Hintergrund ist das Stellwerk „Dn“ zu erkennen.

Stellwerk Dn.

Bild 1: Der Ausschnitt aus der eigentlich ein ganz anderes Motiv im Sinne habenden Aufnahme läßt nur schemenhaft den Stellwerksbau erahnen. Genauso schemenhaft erscheinen hier mit Blick nach Norden die Brücken der Gräfenhäuser Straße links und rechts des Stellwerks, und erst recht die denkmal­geschützte Gitterkonstruktion der Brücke ganz im Hintergrund, über welche heute der Personenverkehr nach Aschaffenburg und in den Odenwald geführt wird. Das Stellwerk wurde mit Inbetriebnahme des Drucktasten­stellwerks am Darmstädter Hauptbahnhof Ende 1972 überflüssig und wurde, wie so Vieles, was industrie­geschichtlich interessant und erhaltenswert gewesen wäre, eines Tages entsorgt. Weil das Stellwerk nur für die Einfädelung der Gütergleise und für die Anbindung der Güterzug­strecke von Kranichstein her auf der Ostseite des breiten Gleisstrangs zuständig war, hatte es für die Riedbahn keine Bedeutung.

Luftaufnahme des Stellwerks von 1966.

Abbildung 2: Luftbild von 1966 mit dem Stellwerk etwas rechts der Mitte. Linkerhand erstrecken sich die Becken der Darmstädter Kläranlage, in der oberen Bildmitte führen die diversen Eisenbahn­brücken über die Gräfenhäuser Straße, und rechterhand, an der Verschlängelung der Hauptstraße, müssen wir uns heute das autogerechte Straßenmonster des sogenannten Tacke-Knotens denken.

Modernes Vergelichsbild.

Bild 3: Ein modernes Vergleichsbild zeigt die leergeräumte Fläche, auf der sich das Stellwerk befunden haben muß. Die auffällig verschiedenartige Konstruktion der Eisenbahnbrücken über die Gräfenhäuser Straße ist genauso auszumachen wie die Gitterbrücke im Hintergrund. Die starke Kompression des Bildes täuscht mehr Nähe zwischen den einzelnen Objekten vor, als tatsächlich vorhanden ist. Aufnahme vom Februar 2016.

Verwandte Lektüre

»»  Musteranlage Darmstadt Hauptbahnhof, Beschreibung der Bahnhofsanlagen, 1914.

»»  Lokomotivfahrordnung Darmstadt Hauptbahnhof von 1920.

»»  Beschreibung eines Unfalls in der Nähe des Stellwerks „Dn“ am 3. August 1918.

 

ANMERKUNGEN

 

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»» [1]   Die Angaben zum Stellwerk entstammen einem Eintrag in einem undatierten Strecken­übersichtsplan für Signalanlagen von etwa 1970 [online].


 
 
 
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