Rangierfahrt auf der Riedbahn.
Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau
Walter Kuhl
Rangierfahrt auf der alten Riedbahn.
Rangierfahrt auf der Riedbahn.
Kilometerstein an der Riedbahn.
Hektometerstein.
Markierungsstein.
Hessische Ludwigsbahn.
Riedbahngleise.
Riedbahngleise.
Bahnhof Riedstadt-Goddelau.
Bahnhof Goddelau.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Das heutige Gleis­ende bei Weiter­stadt

Erkundungen auf der alten Riedbahn­trasse, Teil 3

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Haupt­verlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Doku­mentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Strecken­abschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Heute endet das von Darmstadt augehende Gleis der Riedbahn auf einem Industrie­gelände in Weiter­stadt-Riedbahn.

»»  Das hier beschriebene Gleisende ist auf dem Lageplan von 1906 mit der Sigle [⇒ D4] eingezeichnet.

»»  Der Standort der Werkstores auf OpenStreetMap.


Text und Bilder

Dieses Kapitel ist die Fort­setzung des zweiten Teils der Doku­mentation der Riedbahn vom Haupt­bahnhof mit neuer Schleife.

Gleiskurve in Weiterstadt-Riedbahn.
Bild 1: Gleiskurve auf der neuen Trasse.

Nachdem die Riedbahn die Gräfen­häuser Straße zum zweiten Mal gequert hat, verläuft sie in einer Rechts­kurve zum heutigen Gleisende auf dem Gelände der Evonik, ehemals und teilweise auch wieder Röhm.

Blick Richtung Darmstadt.
Bild 2: Blick nach Norden in Fahrt­richtung Darmstadt.

Während auf der Trasse zwischen Griesheim und dem Beginn der Gleiskurve östlich des Geländes der Firma Röhm deutlich zu sehen ist, daß der Verkehr bis 1991 auf dem nördlichen Gleis abgewickelt und das südliche Gleis in den 1970er Jahren abgebaut wurde, ist auf diesem Bild zu erkennen, daß das Schotterbett des abgebauten Gleises links zu suchen ist. Vermutlich wurde beim Bau der Brücke über die Gräfen­häuser Straße auf das südliche Gleis verschwenkt. Das nördliche Gleis wurde in Fahrtrichtung Griesheim, das südliche in Fahrt­richtung Darmstadt genutzt.

Blick Richtung Darmstadt.
Bild 3: Am Kilometerstein 57,6.

In den Winter­monaten läßt sich an einzelnen Stellen mehr erkennen als im Sommer, wenn Brombeer­ranken und Laub­gewächse Kilometer­steine (hier: Kilo­meter 57,6) und stehen gebliebenes Bahn­inventar verdecken. Vermutlich stand hier ein Signal „Bü 1“. Am rechten Bildrand sind die Gleise der Riedbahn zu denken.

Unterholz auf der alten Trasse.
Bild 4: Ordentlich in Reih und Glied: Bäumchen auf der alten Trasse.

Die alte Riedbahn­trasse verlief bis 1912 parallel zu dem am rechten Bildrand sichtbaren Feld- bzw. Waldweg. Mit viel Glück läßt sich im Unterholz der eine oder andere Schotter­stein finden. Hierbei ist es jedoch möglich, daß so ein Steinchen im Verlauf von ein­hundert Jahren auch einfach dorthin getragen worden ist.

Gleisplan.
Bild 5: Gleisplan am Ende der Darm­städter Ried­bahnwelt.

Nun, ganz so stimmt es nicht. Erstens laufen auf dem Gelände der Firma Röhm an einzelnen Stellen zwei Gleise parallel. Zweitens verläßt das Industrie­gleis die Riedbahn und durch­fährt das Tor, bevor die alte und die neue Riedbahn­trasse zusammen­treffen.

Am Seitenweg.
Bild 6: Am Seitenweg parallel zur Trasse.

Im April 2010 wurde der verbreiterte Seitenweg der alten Riedbahn­trasse mit einer feinen Schotter­schicht über­deckt. Mit Blick nach Nordosten erahnen wir ganz links das Einfahrts­tor für die Kesselwagen­anlieferung. Entlang des gekrümmten Zauns ent­schwindet die seit 1912 genutzte Strecke, während am linken Wegrand entlang in Höhe der Sträucher die ursprüng­liche ein­gleisige, später zwei­gleisige Strecke verlief.

Räder.
Bild 7: Seilzugrolle zur Weichen­stellung?

Bis in die frühen 1980er Jahre stand in de Nähe des Tores ein Flachbau für das Stellen der Weiche. Diese Weiche wurde beim Abbau des Güter­gleises nach Griesheim 1991 entfernt. Der hier gezeigte Mechanismus war mit Plexi­glas abgedeckt und könnte mit ehemals vor­handenen Seilzügen verbunden gewesen sein, um die Weiche umzu­stellen.

Einfahrt zum Firmengelände.
Bild 8: Einfahrt in das Werks­gelände.

Links von den Büschen in der Mitte verliefen ursprünglich die beiden Gleise Richtung Goddelau-Erfelden.

Containerblockade.
Bild 9: Container auf dem Gleis.

Das parallel zur Riedbahn­straße verlaufende und nicht mehr genutzte Industrie­gleis am Haupt­eingang wird in der 90°-Kurve durch einen Container und andere sperrige Gegen­stände blockiert.

Kesselwagen.
Bild 10: Kesselwaggon am Firmentor.

Zuweilen standen bis Frühjahr 2020 einzelne Waggons am Werkstor. Dieser hier wartet auf seinen Abtrans­port. Sehr hübsch sind die Öl­pfützen, die sich auf den Schwellen des frei zugäng­lichen Riedbahn­gleises finden. Offen­sichtlich tropft die anliefernde Loko­motive ein wenig vor sich hin.

Anlieferung von Güterwagen.
Bild 11: Anlieferung von Güterwagen.

Ab und an brachte eine Rangierlok der Baureihe 294 einen oder mehrere Kessel­waggons im Austausch zu auf dem Werks­gelände bereit stehenden Wagen. Schon von ferne hört man oder frau sie laut pfeifen, so als wolle sie das nahe gelegene Weiter­stadt erschrecken. Manchmal ist bei Ankunft der Lok das Tor noch nicht geöffnet, dann läßt der Lokrangier­führer die Pfeife ungeduldig schrill ertönen. Nun fährt die Lok mit ihren Wagen vorsichtig hinein, koppelt den oder die schon bereit stehenden Wagen an und schiebt sie bis zum Gleisende am Container zurück, um dann den oder die mitgebrachten Wagen auf einem zweiten Gleis innerhalb des Werks­geländes abzustellen.

Der Gleis­anschluß der Evonik in Weiterstadt wurde bis April 2020 mehr oder weniger regel­mäßig bedient. Vorzugs­weise an Dienstagen und Donners­tagen schaute eine V 90 oder eine Gravita mit einem oder mehreren Kessel­wagons vorbei und/oder holt selbige ab. In der Fahrplan­theorie geschieht dies um halb zwölf Uhr am späten Vormittag. In der Praxis kann die Übergabe auch schon einmal um eine Stunde vor­verlegt werden. Die Kessel­waggons werden innerhalb des Werks­geländes mit einem Unimog bewegt, der je nach Bedarf im Werksteil in Darmstadt oder im Werksteil in Weiter­stadt zugange ist. Zwar ist es möglich, Aufnahmen direkt am Werkstor zu erhalten, doch ein anderes interes­santes Motiv ergibt sich bei der Über­qerung der Bundes­straße 42, wenn die Lok alleine oder mit Kessel­waggons über die Brücke schleicht.

Buchfahr­pläne der 1990er Jahre vermitteln einige Fahrzeiten für damalige Anlieferungen und Abholungen; ab dem Abzweig Berg­schneise handelt es sich formal um einen Güter­anschluß, der im jeweiligen Buch­fahrplan nicht eigens aufgeführt ist.

gültig ab15.08.199329.09.199612.01.1998
ZugnummerÜg 67724Üg 6772467724
Triebfahrzeug212360212
Darmstadt Hbf.8.42 9.30
Darmstadt- Kranichstein 8.32 
Abzw. Bergschneise8.478.409.36
ZugnummerÜg 67727Üg 6772767725
Triebfahrzeug212365365
Abzw. Bergschneise15.2515.0510.10
Darmstadt Hbf.15.3115.1110.16
Gleisbau.
Bild 12: Bau des Werksgleises 1969, Quelle: Evonik Industries AG, Konzern­archiv.

Bonusbild: Ende der 1960er Jahre errichte die Firma Röhm & Haas aus Darmstadt auf der grünen Wiese rund um den Rouvenhof ein Zweitwerk. Auf diesem Gelände befand sich zu Beginn des 20. Jahr­hunderts ein Kavallerie-Übungs­platz. Ein wenig weiter, südlich der Riedbahn an der alten Abdeckerei, entstand 1914 eine 184 Meter lange, 35 Meter breite und 28 Meter hohe Luftschiff­halle für die Zeppelin­flotte des Heeres.

Bei dieser Gleiskurve handelt es sich um den Vorläufer des Gleises, das mittels des auf Bild 9 sichtbaren Containers still­gelegt wurde. Die Bake am rechten Bildrand gehört zur Riedbahn­straße, kurz vor dem Bahnüber­gang am Posten 84 [⇒ D5]. Zwischen den beiden linken Bauar­beitern ist (zumindest auf dem Original­foto) das Vorsignal zum Block­signal an der Berg­schneise zu erkennen. Aufnahme vom 27. Juni 1969.

Die Erkundung der ehemaligen Riedbahn­trasse wird mit dem vierten Teil in Weiter­stadts Stadt­teil Riedbahn fortgesetzt.

Rangier­fahrten im Sommer 2009 und im Frühjahr 2010 sind auf eigenen Seiten dokumentiert.

Die Geschichte des Geländes vom Exerzierplatz zum Werksgelände wird auf einer eigenen Seite erzählt; auf einer weiteren die Entstehung und der Abbau der Luftschiff­halle in Text und Bild.

Im Dezember 2021 führte die Deutsche Bahn AG eine Schienen­erneuerung durch, obwohl der Anschluß seit Frühjahr 2020 nicht mehr bedient wird. Hiervon gibt es einige Aufnahmen.