Karte zur Riedbahn. Fundstelle Zufahrtsgleis.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Anschluß Heag und Kartoffelkellergleis

Modernere Ansichten

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Vom Werkstättengleis ging seit etwa 1910 der Gleisanschluß zum neu erbauten Heag-Elektrizitätswerk ab, der wiederum einen Ableger, das sogenannte „Kartoffel­kellergleis“, besaß. Auf dieser Seite zeige ich Ansichten auf die westliche Verlängerung der Dornheimer Weg-Brücke und auf das darunter verlaufende Zufahrtsgleis zum 1909 errichteten Elektrizitätswerk. Eine Darstellung dieser Gleisanlagen mit „historischem“ Kartenmaterial befindet sich auf einer eigene Seite. Die hier gezeigten Aufnahmen entstanden 2008.


Zufahrtsgleis.
Bild 1: Zufahrtsgleis mit abgestellten Güterwagen.

Dieses Gleis verband das Werkstättengleis mit dem 1909 neu errichteten Elektrizitätswerk westlich des damals im Bau befindlichen neuen Hauptbahnhofs. Das Elektrizitätswerk mußte außerhalb des Stadtkerns neu errichtet werden, weil sich die 1888 errichtete „Centralstation für elektrische Beleuchtung“ recht bald als unzureichend für den steigenden Energiebedarf erwiesen hatte. Während Elektrizität für Privathaushalte noch ein Luxusgut war, wurden Straßenbahnen und Fabriken von hier aus mit der benötigten Energie versorgt.

Zufahrtsgleis.
Bild 2: Durchfahrt unter dem Dornheimer Weg.

Unschwer ist zu erkennen, daß das heutige Aussehen der Brücke nicht der Originalzustand sein kann. Vermutlich besaß sie anfangs des 20. Jahrhunderts ein Rundgewölbe. Der Grund und Zeitpunkt der Errichtung der heutigen Betonfassung wären noch herauszufinden. Der obere Teil der Brücke scheint jedoch den ursprünglichen Zustand wiederzugeben.

Zufahrtsgleis Ende.
Bild 3: Gleisende.

Heute endet das Gleisstück kurz vor dem Zaun des Betriebsgeländes der HSE.

Betrachten wir das Bild etwas genauer. Während das Gleis zum Elektrizitäts­werk der HEAG in leichtem Bogen nach rechts führt und sich kurz darauf in zwei nach Westen verlaufende Gleise aufteilt, verläuft die Steinkante geradeaus weiter. Hierfür gibt es einen historisch bedingten Grund. Vor rund einem halben Jahrhundert verlief dort parallel zum Zweifall­torweg das sogenannte „Kartoffel­keller­gleis“ der Stadt Darmstadt. Das Gleis besaß eine nutzbare Länge von 190 Metern und diente, wie der Name schon nahelegt, zur Beschickung eine Karoffel­kellers. Genutzt wurde das Gleis um 1955 zudem von der Firma Bauten­schutz Berth & Müller, einem Tanklager der Deutschen Shell AG, dem Leichtbeton­werk Dr. Reiske, der Caliqua Wärme­gesellschaft und der Eisen- und Metallwaren­firma Max Richter & Co. Das Gebäude des ehemaligen Kartoffel­kellers wurde von den Firmen Berth & Müller und Max Richter & Co. genutzt.

Während des Nationalsozialismus, so schildert es der ehemalige Darmstädter Oberbürger­meister Ludwig Metzger in seiner Autobiografie, mißhandelte die SA im städtischen Kartoffelkeller politische Gegner des Regimes.

HSE-Gelände.
Bild 4: Blick auf das HSE-Gelände.

Während die Hofpflasterung keinerlei Hinweis mehr auf den frühreren Verlauf des Zufahrtsgleises bietet, helfen allenfalls frühere Luftbild­aufnahmen weiter.

Brücke.
Bild 5: Gesamtsansicht der Brücke.

Diese westlich zur markanten Dornheimer Weg-Brücke gelegene Brücke über das Zufahrtsgleis zum Elektrizitätswerk befindet sich an der Einmündung des Zweifalltorwegs auf den Dornheimer Weg.

Schornstein.
Bild 6: Schornstein.

Fast ebenso markant ist der auf der zwischen der Einmündung des Zweifalltorwegs und dem Bahngelände stehende Schronstein, der an einige Betriebsgebäude der Bahn grenzt.

Dornheimer Weg-Brücke.
Bild 7: Dornheimer Weg-Brücke mit Wasserturm.

Die Dornheimer Weg-Brücke wurde im Zuge des Neubaus des Darmstädter Hauptbahnhofs anfangs des 20. Jahrhunderts errichtet. Sie erschließt die Siedlung „Waldkolonie“. Einige Jahrzehnte lang befuhr sogar ein Ast der Straßenbahn die Brücke bis zur Haltstelle Rodensteinweg, ehe hier der Betrieb im Juni 1968 eingestellt wurde. Die Aussichtskanzel des Wasserturms beherbergte das Stellwerk des Darmstädter Hauptbahnhofs, ehe dieses 1972 in das auf der anderen Straßenseite gelegene ockerfarbene Gebäude neben der Bahnhofspost umzog. Der Wasserturm sollte 1978 abgerissen werden und wurde der Bundesbahn 1986 von Albrecht Pfohl abgekauft.

Siehe hierzu auch:


Quellen und Literatur


 
 
 
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