Signal in Griesheim. Formsignal in Griesheim.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Topographische Karte von 1886

(Ausschnitt)

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Den Verlauf der Streckenführung zeigt eine Topographische Karte, die in einer Kartensammlung mit 1886 datiert ist. Da auf dieser Karte die Chemische Fabrik Merck schon eingetragen ist, die 1903/04 von ihrem ehemaligen Standort am heutigen Mercksplatz an den Südrand von Arheilgen umgezogen ist, wird das Datum der Karte (oder ihrer Bearbeitung) eher bei 1901, dem Datum des Baubeginns, liegen.

In der Deutschen Fotothek ist das Meßtischblatt 6117 auch für 1880 vorhanden. Kristof Doffing hat die Karte auf seiner Webseite in besserer Qualität veröffentlicht. Als Vergleich mit der hier abgebildeten Karte ist die Dokumentation eines früheren Zustandes sicher reizvoll.

Ergänzt wird Blatt 6117 durch das Meßtischblatt 6116 von 1889 mit Fortschreibung 1914. Auch hier hat Kristof Doffing auf seiner Webseite die gesamte Karte veröffentlicht.


TK Goddelau.

Abbildung 1: Zwischen den Bahnhöfen Goddelau-Erfelden und Wolfskehlen liegt eine alte Neckarschlinge, aber es wurde kein Bahnhaus errichtet.

TK Wolfskehlen.

Abbildung 2: Von Südwesten her nähert sich die von Worms herführende Bahnstrecke mit dem Abzweig beim etwa zwei Kilometer entfernten Goddelau der Station Wolfskehlen. Das Bahnhaus 68 bei Kilometer 49 steht heute noch frei in der Landschaft. – Ausgeschrieben wurden die Bauarbeiten für die neun Bahnwärter­häuschen mit den Nummern 68, 70, 74, 78, 79, 81, 83, 84 und 85 im Juli 1872, so daß mit deren Bau alsbald begonnen worden sein dürfte. Ein solches Bahnhaus sollte als Typenbau maximal 3.203 Gulden und 9 Kreuzer kosten.

TK Geinsbruch.

Abbildung 3: Ohne nennenswerte Steigung verläuft die Strecke zwischen Wolfskehlen und Griesheim in fast schnurgerader Linie. Bei Kilometer 49 wird das alte Neckarbett überwunden, beim nachfolgenden Bahnwärterhaus (Posten 70) wird die Wolfskehler Chaussee gekreuzt, deren gerader Verlauf an dieser Stelle absichtlich gebrochen wurde, um keinen allzu spitzwinkligen Übergang zu schaffen.

TK Griesheim.

Abbildung 4: Das Dorf Griesheim wird an seinem nördlichen Rand angebunden. Bei Kilometer 51 befindet sich das Bahnhaus 74, es folgt vor der Station der Posten 76 (kein Bahnhaus!) an der Pfützenstraße. Am östlichen Ende des Bahnareals stand das Stellwerk an der Schöne­weibergasse. Die Bezeichnung „B. W.“ verweist auch hier nicht auf ein weiteres Bahnwärter­haus, sondern allenfalls auf den Vorgänger des Stellwerks, eine einfache Postenbude.

TK Weigandsbusch.

Abbildung 5: Das Bahnwärterhaus nahe Kilometer 53 war das Bahnhaus 78. Es wurde 2012 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das nachfolgende Bahnwärter­haus bewachte den Posten 79 an der Straße von Darmstadt nach Mainz. Die „Rabenbaum“ genannte Flur ist heute bewaldet, die Straße nach Mainz ist einer Autobahn gewichen.

TK Gehaborn.

Abbildung 6: Das Bahnwärterhaus am Dornheimer Weg südlich des Hofguts Gehaborn (Bahnhaus 81, [Bilder]) ist ebenso verschwunden wie dasjenige (Bahnhaus 83) am oberen rechten Bildrand. Am südwestlichen Eckpunkt des Waldstücks „Tanne“ wurde im Zusammenhang mit der Westverlagerung des Darmstädter Haupt­bahnhofs 1911 die Blockstelle Pallaswiese in Betrieb genommen.

TK Pallaswiese.

Abbildung 7: Am Bahnwärterhaus mit der Nummer 84 kreuzte die Straße von Darmstadt nach Weiterstadt, bevor linkerhand der Kavallerie-Exerzierplatz an ausgesuchten Sonntagen zur Freizeit­belustigung des gut situierten Bürgertums angefahren wurde.

TK Hammelstrift.

Abbildung 8: Auch an der Gräfenhäuser Straße stand ein Bahnwärterhaus, Nummer 85. Aus Nordwesten wurde die Main-Rhein-Bahn herangeführt, welche am Stellwerk Hammelstrift mit der Riedbahn zusammentraf, während gleichzeitig nach Osten hin die Verbindungsbahn nach Kranichstein abzweigt. Kurz nach Vorbeifahrt am Stellwerk wurde die Main-Neckar-Bahn unterfahren.

TK Ausbesserungswerk.

Abbildung 9: Direkt nach dem Abzweig der Verbindungsbahn sicherte ein weiteres Bahnwärter­haus den eher landwirt­schaftlichen Verkehr gegen die Schnellzüge aus Darmstadt, Mainz und Worms. Bei Kilometer 60 steht ein weiteres Bahnhaus. Im Zwickel zwischen den zum Ludwigsbahnhof führenden Strecken aus Worms, Mainz und Aschaffenburg stand das Ausbesserungswerk der Hessischen Ludwigsbahn. An der Pallaswiesen­straße werden alle diese Verbindungen zusammengeführt und durch die hier ehemals abgehende Odenwaldbahn und das Industrie­stammgleis entlang der Kasinostraße (damals Blumenthal­straße) ergänzt.

TK Alte Bahnhöfe.

Abbildung 10: Am damaligen westlichen Darmstädter Stadtrand wurde 1846 der Main-Neckar-Bahnhof errichtet, zu dem sich als repräsentativer Bau 1875 das Bahnhofsgebäude der Hessischen Ludwigsbahn gesellte. Westlich der Bahnanlagen finden sich die ersten Industriean­siedlungen außerhalb der Kernstadt in einem Gelände, das später als Fabrikviertel bezeichnet wurde.


Literatur


 
 
 
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