Karte zur Riedbahn. Riedbahn Darmstadt–Goddelau.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Im Weigandsbusch bei Griesheim

Erkundungen auf der alten Riedbahntrasse, Teil 6

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Zwischen Weiterstadt und Griesheim liegt noch eine Menge Schotter im Wald. Und wer genauer hinschaut, kann einige markante Wegweiser entdecken. Diese Seite behandelt den Abschnitt zwischen der Küchenmeister­schneise bei Kilometer 55 und dem Griesheimer Nordring bei Kilometer 53. Virtuell durchfahren wir hier einen Bereich, der Weigandsbusch genannt wird. Und dann gab es da einmal einen Mord.


Dies ist die Fortsetzung der Erkundung der ehemaligen Riedbahntrasse an der vormaligen Blockstelle Pallaswiese.

Karte Weigandsbusch.

Abbildung 1: Karte zum hier behandlten Streckenabschnitt.

Grabendurchlaß.
Bild 2: Grabendurchlaß an der Küchen­meisterschneise.
[1] Küchenmeisterschneise

In den Wintermonaten lassen sich vermehrt Überbleibsel aus alten Riedbahn­tagen aufspüren; im Sommer ist vieles zugewachsen.

Parallel zur Küchenmeisterschneise unterquert am Kilometer­stein 55 ein Graben die Riedbahn­trasse. Das doch recht aufwendig hochgezogene Mäuerchen läßt darauf schließen, daß dieser Durchlaß einst wichtig genommen wurde, vielleicht als Hochwasser­abfluß. Heute versperrt ein hölzerner Schlagbaum Fahrzeugen die Benutzung der aufgelassenen Trasse, um auf die Wiesen und Felder der Nordseite zu gelangen. Vielleicht hat diese Art Übergang auch schon vor hundert Jahren existiert. Es war jedenfalls kein offizieller Übergang mit eigener Postennummer.

Am hier gezeigten Mäuerchen lagern einige Betonbrocken. Sie könnten das Fundament des Vorsignals für die Blockstelle Pallaswiese gebildet haben.


Schienenbusfahrt 1996.

Bild 3: Fünf Jahre vor der Demontage der Strecke führte die DGEG am 3. Mai 1986 von Heidelberg aus eine Sonderfahrt über mehrere Nebenstrecken mit den vier Schienenbussen 798 622 + 998 314 + 998 719 + 798 625 durch, unter anderem auch nach Griesheim. Auf dem Rückweg fing Jörn Schramm die roten Brummer an der Küchenmeister­schneise ab [1]. In der Verlängerung der Baumreihe am rechten Bildrand befindet sich das Hofgut Gehaborn.


Hofgut Gehaborn.
Bild 4: Das Hofgut Gehaborn von der Küchen­meisterschneise aus gesehen. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß hier schon zur Römerzeit ein Gut bestanden hat.

Während des Baus der Riedbahn wurde südlich des Hofguts Gehaborn – die genaue Stelle wird in der einschlägigen Literatur leider nicht mitgeteilt – ein römischer Grabstein gefunden. Während Dietwulf Baatz den Fund in das Jahr 1868 verlegt, heißt es in einer Mitteilung von K. Klein aus Mainz für die „Archäologische Zeitung“: „In den ersten Tagen des Februar wurde in einem Walde bei Darmstadt folgende Inschrift gefunden“, aus der hervorgeht, daß hier ein Clodius Perigenes aus dem kampanischen Städtchen Teanum Sidicinum (heute: Teano) von Räubern erschlagen worden sei. Nach den Umständen dieser Mitteilung müßte der Fund jedoch eher auf Februar 1869 datiert werden. Der Bruder dieses Perigenes, ein Publius Clodius Secundus, stiftete den Grabstein, der sich heute im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt befindet. Nicht wirklich weiterführende Informationen bietet die Digitalisierung der Fundstelle des Corpus Inscriptionum Latinarum.

Clodius Perigenes wird, so wird vermutet, „wohl geschäftlich“ unterwegs gewesen sein und hierbei eine Römerstraße benutzt haben. Eine solche ist jedoch zwischen dem Römerlager bei Groß-Gerau und dem Hauptort der Civitas Auderiensium, dem heutigen Dieburg, von dessen römischen Namen wir nur die ersten drei Buchstaben „Med…“ kennen, nur vermutet, nicht jedoch belegt. Selbige Römerstraße könnte, ausgehend ungefähr von Büttelborn, schnurgerade südlich am Hofgut Gehaborn vorbei in ostsüdöstlicher Richtung an der heutigen Schepp Allee vorbei nach Bessungen geführt haben. Der Kreuzungs­punkt zur Riedbahn läge dann etwa – je nach angenommenem Verlauf der Römerstraße – zwischen Küchen­meister­schneise und Braunshardter Hausschneise. Ein derartiger Grabstein wäre sinnigerweise am Straßenrand aufgestellt worden. [2]

Der Darmstädter Schriftsteller Gottfried Schwab nutzte die spärlichen Informationen auf diesem Grabstein für seine Ende des 19. Jahrhunderts gechriebene „Geschichte aus dem Dekumatenlande“.

Parkplatz.
Bild 5: Parkplatz am ehemaligen Bahnübergang.
[2] Bahnübergang Dornheimer Weg

Rund 300 Meter in Richtung Südwesten kreuzte die Bahnstrecke am Posten 81 den Dornheimer Weg. Auf einem 2011 noch verfügbaren Kreisplan des Landkreises Darmstadt-Dieburg waren noch zwei Gebäude als „Bahnhaus 81“ an der Nordostseite der Kreuzung eingezeichnet, obwohl selbiges längst nicht mehr vorhanden ist. Statt dessen befindet sich nun am Bahn­übergang ein sandiger Parkplatz. Wir bewegen uns nun im Wald zwischen Darmstadt und Griesheim schon auf Griesheimer Gemarkung. Die Eisenbahner, die hier im 19. Jahrhundert Dienst taten, konnten froh sein, wenn sie ihr karges Einkommen mit einem eigenen Gemüsebeet aufbessern konnten. Der Bahnwärter von Posten 79 verkaufte hingegen Erfrischungsgetränke.

Vermutlich schon zuvor, gesichert aber seit 1960 war der Bahnüber­gang aus Rationalisierungs­gründen zur Einsparung von Personal zu bestimmten Zeiten in den Abend- und Nachtstunden vollständig geschlossen. Unter den amtlichen Mitteilungen finden wir beispiels­weise im „Griesheimer Anzeiger“ am 29. Oktober 1960 folgenden Hinweis:

„Die Bundesbahn teilt mit, daß der Bahnüber­gang Nr. 81 (Dornheimer Weg) auf der Strecke Darmstadt – Goddelau ab 1. November bis voraussicht­lich Ende Februar 1961 täglich nur noch in der Zeit von 6.00 Uhr bis 20.00 Uhr besetzt ist.“

Rechtzeitig zum Monatsende teilt der Griesheimer Bürger­meister Georg Bohl am 24. Februar 1961 mit, daß der Posten an diesem schienen­gleichen Bahnüber­gang in der Zeit von März bis Oktober 1961 „wieder“ von 5.00 Uhr bis 22.00 Uhr besetzt sei. Dieses Wechselspiel wiederholte sich in den folgenden Jahren. Wer aus Darmstadts Waldkolonie über Gehaborn nach Weiterstadt fahren wollte, mußte einen anderen Weg nehmen. Zu den Weihnachts­tagen 1967 sowie zu Silvester und Neujahr wenige Tage später wurde der Bahnüber­gang komplett geschlossen. Fußgänger konnten weiterhin die Drehkreuze benutzen, während Straßen­fahrzeuge auf den Bahnüber­gang Pallaswiese (Posten 82) verwiesen wurden.

Obwohl Silvester schon etwas zurücklag, verfing sich am Dienstag­morgen des 2. Januar 1962 um 7.20 Uhr, so der „Griesheimer Anzeiger“ vier Tage darauf, ein Fahrzeug in der Bahnschranke. Der Sachschaden soll 800 DM betragen haben. Am Mittwoch­nachmittag des 3. April 1963 endete gegen 17.40 Uhr eine Fahrt mit Trunkenheit am Steuer ebenfalls an einer Bahnschranke am Dornheimer Weg, wie die Zeitung drei Tage später vermeldete.


Das Bahnhaus am Dornheimer Weg

Vom Bahnhaus 81 sind einige Bilder erhalten, die mir aus einem Familienalbum zur Verfügung gestellt wurden und die sogar ausgesprochen zeigenswert sind.

Bahnübergang Dornheimer Weg.
Bild 6: Der Bahnübergang am Dornheimer Weg (Posten 81) mit Blick Richtung Darmstadt (1968).
Bahnhaus im Winter.
Bild 7: Das Bahnhaus im Winter. Dieses Bild muß dem vorherigen zeitlich vorausgehen, weil hier noch die Hütte für den Schrankenwärter fehlt (etwa 1962).
Bahnhaus im Sommer.
Bild 8: Das Bahnhaus mit Anbau im Sommer (etwa 1962).

Das Bahnhaus stand auf einem Grundstück, das laut bahneigenem Liegenschaftsbuch 502 qm groß war. Eine externe Stromversorgung gab es nicht. Frischwasser mußte aus einem Brunnen geschöpft werden. Spätestens mit der Prosperität nach dem Zweiten Weltkrieg und den hierdurch neu gesetzten Standards wurde eine solche Wohnweise unzeitgemäß. Von einer Idylle im Grünen mag ich da nicht reden.

Ausschnitt aus Vermessungsplan.
Abbildung 9: Das Bahnhaus in einem Vermessungsplan von 1940. Quelle: Katasteramt Darmstadt.

Vermessungsstein.
Bild 10: Markierungsstein.
[3] Ein Vermessungsstein

Im weiteren Verlauf befindet sich an der Nordseite des Schotterbetts ein Markierungs­stein. Da das Winterlicht am Nachmittag arg schwach ist, habe ich den Stein angeblitzt. Zunächst hatte ich vermutet, daß dieser Vermessungs­stein mit dem Bau und Betrieb der Riedbahn zusammenhing. Es spricht jedoch einiges dafür, daß es sich um einen Vermarkungsstein nach den Oberbau­vorschriften der jeweiligen Bahndirektion gehandelt hat. Damit lassen sich „Wanderungen“ des Oberbaus durch Erschütterungen beim Fahrbetrieb nachmessen und überprüfen. [3]

Bahnübergang im Wald.
Bild 11: Bahnübergang Braunshardter Hausschneise in den 1950er Jahren. Quelle: Gerhard Schreiner.
[4] Bahnübergang Braunshardter Hausschneise

Im Januar 1956 wurde der Bahnübergang an der Braunshardter Hausschneise zum Betrieb mit Anrufschranke umgerüstet. Der Pfosten am linken Wegrand vor der Schranke könnte die Sprechstelle sein. Wer immer die Gleise kreuzen wollte – meist waren es nicht Fußgänger oder Radf­ahrerinnen wie heute, sondern Fuhrwerke und Traktoren –, hatte sich mittels eines Hebels beim Schrankenwärter an Posten 79 zu melden und laut und deutlich sein (oder ihr) Begehr zu verkünden. War kein Zug in Sicht, gingen die Schranken hoch. Nach Querung der Gleise war der Schrankenwärter durch lauten Zuruf davon zu informieren, daß die Gleise wieder frei waren. An Videoüber­wachung im Wald war damals noch nicht zu denken.

Diese einzigartige Aufnahme eines ansonsten unscheinbaren Bahnüber­gangs zeigt die Braunshardter Hausschneise mit Blickrichtung nach Süden zur Siedlung Tann. Das Aufnahmedatum müßte zwischen 1956 und 1960 liegen.

Bahnübergang im Wald.
Bild 12: Bahnübergang Braunshardter Hausschneise heute.

Der Bahnübergang an der Braunshardter Hausschneise gehörte zu den regulären Übergängen ohne Bahnwärter­haus. 1958 plante die Bundesbahn, die bisherige Anruf­schranke durch eine Blink­licht­anlage zu ersetzen. Das hierzu notwendige Umwidmungs­verfahren führte schließlich zur Schließung des Bahn­über­gangs. Die Bundesbahn argumentierte, daß sich in der Nähe ein weiterer Bahn­über­gang am Dornheimer Weg befände, die Gemeinde Griesheim verwies auf die Unannehm­lich­keiten für den land- und forst­wirtschaft­lichen Verkehr. Nach langen Verhandlungen einigten sich beide Seiten darauf, daß die Bundesbahn an der Südseite des Bahn­über­gangs einen Hydranten zum Löschen von Waldbränden setzte, im Gegenzug Griesheim der Schließung zustimmte. Im Dezember 1960 wurde der Bahn­über­gang offiziell geschlossen.

Mit dem Rückbau der Gleise 1991 wurde die Braunshardter Hausschneise durch einen neuen „Übergang“ über den noch liegenden Schotter wieder frei zugänglich.

Im Gegensatz zum vorherigen Bild ist hier der Blick nach Norden gerichtet.


Der Abbau des Griesheimer Gleisstummels 1991

Der zunehmende innerstädtische Verkehr auf der Bundesstraße 26 (Wilhelm-Leuschner-Straße) und die Erschließung des nördlichen Griesheimer Gewerbe­gebietes erforderte in der autogerechten Denke der 1980er Jahre den Bau einer nördlichen Umgehungs­straße. Dieser Nordring sollte an der Flughafen­straße von der Hauptstraße abgehen und zunächst parallel zur Autobahn nach Nordwesten bis hin zur Riedbahn verlaufen, diese queren, um alsdann in westlicher Richtung bis zur Verbindungs­straße nach Büttelborn zu führen. Als kostenträchtiges Hindernis dieser Erschließungsmaß­nahme stellte sich ein zu errichtender Bahnüber­gang heraus. Um den Bau desselben zu vermeiden, bedurfte es der kompletten Stillegung der noch vorhandenen Güterstrecke. Die Diskussion darum ist auf der Griesheimer Bahnhofsseite ausführlicher dargestellt.

Mit den Bauarbeiten wurde im Sommer 1991 begonnen. Im Spätherbst wurden die Abbrucharbeiten östlich des zu bauenden Nordrings fortgesetzt. Alfred Brosch dokumentierte den Fortschritt der Maßnahme am 28, November 1991 in Höhe des Kilometersteins 54,0.

Schweißarbeiten.

Bild 13: Schweißarbeiten am Gleis. Im Hintergrund die Autobahnbrücke und der Abrißbagger.

Abrißbagger.

Bild 14: Diesselbe Szenerie, nur diesmal von Westen (und der Autobahnbrücke) her betrachtet.

Abgeflext.

Bild 15: Der Gleisabbau schreitet fort ….


Geschichtsträchtiges Waldstück.
Bild 16: Geschichtsträchtiges Waldstück.
[5] Im Weigandsbusch

Im Weigandsbusch, an einer Stelle, wo der benachbarte Weg nach Weiterstadt leicht ansteigt und – umgekehrt – nach Griesheim leicht abfällt, ist die Riedbahn­trasse mitsamt ihrer Schotterbahn und Kilometer­steine noch besonders gut zu erkennen. Am 24. März 1945 ist hier ein Versorgungs­zug liegen geblieben, der von der Griesheimer Bevölkerung umgehend geplündert wurde. Ein Augen­zeuge berichtete, sein Vater habe hiervon erfahren und so seien sie zu zweit losgelaufen. Doch als sie den Zug erreicht hätten, sei schon gar nichts mehr zu holen gewesen.

Am 25. März 1945 marschierten die alliierten Soldaten in Darmstadt ein. Die US-amerikanische Reporterin Margaret Bourke-White folgte damals den vorrückenden Truppen­verbänden der US Army in das besetzte Deutsch­land. Hierbei fotografierte sie die Plünderung, verlegte den Ort jedoch nach Erzhausen. [4]

Kurz vor Erreichen der Autobahnunter­führung steht nördlich der Bahntrasse ein Betonbunker, der möglicherweise Material und Gerätschaften zum Unterhalt der Riedbahn enthielt.

Unterführung A67.
Bild 17: Unterführung unter die A67.
[6] Bahnübergang Mainzer Chaussee

Diese nun wirklich großzügige Anlage provoziert die Frage­stellung, ob der breite Durchlaß für die von der Stillegung bedrohte Riedbahn eingeplant worden ist. Von der Breite her ist hier eher an ein Straßen­bau­projekt zu denken, das jedoch nie verwirklicht wurde. Wenn wir uns die hessische Straßen­bauwut der 60er, 70er und 80er Jahre vor Augen halten, bei der ehemalige Bundes­straßen als vierspurige Autobahnen kreuz und quer durch Südhessen geführt wurden (oder werden sollten), dann bietet sich als gedachte Verkehrs­führung eine nördliche Umgehung Griesheims mit Anschluß an den Dornheimer Weg in Darmstadt an, aber auch andere Unsinnig­keiten sind nicht auszuschließen. Indes sind mir konkrete dies­bezügliche Planungen nicht bekannt. Im „Griesheimer Anzeiger“ fand sich jedoch am 18. Juli 1970 – passend zur Meldung über die Einstellung des Personen­verkehrs auf der Riedbahn zwischen Darmstadt und Goddelau – folgende Überlegung:

„Allerdings ergibt sich hierdurch die Möglichkeit, den Belangen des immer dichter werdenden Straßen­verkehrs gerecht zu werden und eine neue nördliche Straßen­verbindung nach Darmstadt mit Anschluß nach Weiterstadt zu projektieren. Das Gelände des still­gelegten zweiten Gleises und des Parallelweges würde für die notwendige Straßenbreite ausreichen.“

Bis 1958 befand sich an dieser Stelle noch ein schienen­gleicher Bahnüber­gang (Posten 79) mit einem Strecken­wärter­haus für die damals hier geführte Bundes­straße 26 von Mainz über Groß-Gerau nach Darmstadt. Doch schon wenige Jahre später wurde die Bundes­straße zur Autobahn ausgebaut (die heutige A67), nachdem Überlegungen, die Autobahn westlich an Griesheim vorbeizu­führen, verworfen worden waren. Im Juni 1963 wurde die Bundes­straße gesperrt und der Verkehr von Darmstadt in Richtung Mainz über Griesheim und Weiterstadt umgeleitet. Die Freigabe des Autobahn-Teilstücks vom Mönchhof-Dreieck bis zum Darmstädter Kreuz erfolgte in mehreren Teilstücken bis zum Sommer 1965. Da die Riedbahn zu diesem Zeitpunkt noch zweigleisig von Griesheim nach Darmstadt geführt wurde, ist die Brücken­weite wohl eher dem Umstand geschuldet, daß beidseitig der Eisenbahn­trasse zwei Wirtschafts­wege angelegt wurden.

Das Liegenschaftsbuch des Bahnhofs Griesheim hilft uns hier vielleicht weiter. Es enthält noch Mitte der 60er Jahre Einträge, die eine mögliche Elektrifizierung der Strecke andeuten. Auch der Unterhalt der Seitenwege wurde geregelt. Noch schien zum damaligen Zeitpunkt die Entscheidung zur Stillegung der Strecke nicht gefallen zu sein; daher die großzügige Brückenkonstruktion.

Posten 79

Im Griesheimer Stadtarchiv befinden sich mehrere Fotografien des Bahnwärter­hauses, die einige Fragen aufwarfen und im Historischen Forum von DSO zu einigen Spekulationen eingeladen haben.

Die Fotografien entstammen dem Fotoalbum von Gerhard Schreiner, dessen Vater Schranken­wärter am Posten 79 gewesen war. Gerhard Schreiner lebte bis etwa 1990 im zugehörigen (ehemaligen) Bahnhaus, bevor dieses dem Bau des Nordrings weichen mußte. Diese und weitere Fotografien zum Posten 79 zeige ich auf mehreren eigenen Seiten. Diese Bilder zeigen den ehemaligen Bahnüber­gang und das Bahnhaus zwischen 1950 und 1990, insbesondere die Arbeiten zur Beseitigung des Bahnüber­gangs, verbunden mit dem Bau der Schnellstraße über die Riedbahn in den Jahren 1957 und 1958.

»»  Zur Startseite der Fotografien zu Aspekten der Geschichte des Postens 79.

Brunnenschneise Griesheim.
Bild 18: Nahe der Brunnenschneise in Griesheim.
[7] An der Brunnenschneise

Direkt hinter der Autobahn­unterführung verläuft der kurz nach 1990 erbaute Nordring. Dieses Straßen­bauprojekt ist mit dafür verantwortlich, daß die Gleise zwischen Griesheim und der Firma Röhm im Weiterstädter Stadtteil Riedbahn komplett abgetragen worden sind. Griesheims Bürger­meister Norbert Leber hatte sich bei der Bundesbahn hierfür eingesetzt. Diese Geschichte wird auf der Erkundungsseite zu Griesheim erzählt.

Südlich des Nordrings verläuft das Schotter­bett der Riedbahn am Waldrand nahe der Brunnenschneise nach Griesheim hinein. Wer die Trasse begeht, kann feststellen, daß auf dem schon 1975 abgetragenen südlichen Gleis der Pflanzen­bewuchs schon stärker ist. Die Nordseite hingegen ist weiterhin Gift für das Wachstum mittel­europäischer Gewächse.

Die Erkundung der ehemaligen Riedbahntrasse wird fortgesetzt mit einem Gang durch Griesheim.


Literatur

 

ANMERKUNGEN

 

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»» [1]   Karl Aßmann fotografierte diesen Schienenbus an einigen anderen Stellen, unter anderem am Ortsrand von Griesheim. Volker Blees hat auf Drehscheibe Online weitere Bilder dieser Fahrt beigesteuert.

»» [2]   Den Hinweis auf den Grabstein verdanke ich Werner Krone. Auch Ludwig Buchhold nennt 1869 als Fundjahr.

»» [3]   Vergleiche. Allerdings ist mir kein weiterer derartiger Markierungsstein begegnet.

»» [4]   Aus Urheberrechtsgründen kann das Foto hier nicht wiedergegeben werden. Ich verweise hierzu beispielsweise auf das Griesheim-Buch von Erich Müller und Karl Knapp; hier auf Seite 413. Friedrich Wilhelm Knieß veröffentlichte das Bild in seinem Buch „Hurra, wir leben noch!“ auf Seite 8, schweigt sich allerdings über den Aufnahmeort aus. Die Fotografin und Reporterin Margaret Bourke-White erwähnt in ihren Erinnerungen ein nahe gelegenes Roggenfeld. Gab es ein solches am Weigandsbusch? Nachtrag: gemeint ist dieses Bild hier. Mir liegt ein etwa 10 bis 15 Jahre später entstandenes Foto dieses Waldstücks vor, das die Angaben zu Griesheim bestätigt.


 
 
 
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