Signal in Griesheim. Formsignal in Griesheim.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

1856 – Ein Eisenbahnkomitee stellt sich vor

Projekte allenthalben: Fragment einer Dokumentation

1856 ludt ein „provisorisches Comité“ Interessenten aus Rheinhessen und Starkenburg zu einer Besprechung in einem Wirtshaus in Ebertsheim bei Grünstadt ein. Geworben sollte für eine neue Eisenbahnstrecke von Kaiserslautern über Grünstadt nach Worms und von dort weiter nach Bensheim. Hiermit sollte das saarländische Kohlenrevier mit dem Großherzogtum Hessen verbunden werden. Anschluß bestand in Bensheim an die Main-Neckar-Bahn.

Pläne, Projekte und Komitees wie dieses kamen und gingen; nur wenige derartig hochfliegende Pläne wurden zielstrebig verfolgt, fanden Geldgeber und vor allem eine von der jeweiligen Regierung verliehene Konzession. Ein weiteres derartiges Projekt bemühte sich um die Zustimmung zu einer Linienführung von Bickenbach über Gensheim nach Alsheim. Worms wurde erst 1869 durch die Hessische Ludwigsbahn mit Bensheim verbunden; der spätere Streckenverlauf in der Pfalz ging an Grünstadt vorbei.

Das auf der Suche nach etwas vollkommen Anderen entdeckte Kleinod findet sich in den Digitalen Sammlungen der ULB Darmstadt. Die Zeitungs­ausschnitte entstammem der „Wormser Zeitung“ und wurden leicht überarbeitet; sie sind als historisches Fragment zu betrachten. Zwar liegt auch das Digitalisat der ULB Darmstadt öffentlich zugänglich vor, aber ohne eine auf Frakturschrift ausgerichtete Suchmaschine findet es keine und niemand.

Tags : Hessische Ludwigsbahn, Pfälzische Ludwigsbahn, Bensheim, Grünstadt, Kaiserslautern, Worms, Tobias Deiß, J. B. Doerr.


Zeitungsseite.
Zeitungsseite.
Zeitungsseite.

Der als Vertreter des provisorischen Komitees auftretende Tobias Deiß war, so Helmut Zorn,

„ein vielbeschäftigter Mann und führte offenbar das Leben eines Großgrundbesitzers. Er war nicht nur Ökonom und Gutsbesitzer, sondern über lange Zeit auch Bürger­meister der Gemeinde Offstein.“ [1]

Nach der 1848er Revolution, mit der er vermutlich sympathisierte, gründete er eine Fabrik, die ab 1850 etwa zwei Jahrzehnte lang aus Kartoffelstärke Zucker herstellte. Nach einem Brand wurde die Fabrik 1873 geschlossen. Eine neue Fabrik, in der Zucker aus Trauben gewonnen werden sollte, kam wohl aus finanziellen Gründen nicht zustande. 1883 gelang es ihm, Fremdkapital aufzutreiben, um eine Zuckerrübenfabrik errichten zu lassen, deren Aktien er jedoch einige Jahre später abgeben mußte. Tobias Deiß starb hoch­verschuldet 65-jährig 1890.

Der umtriebige Landbesitzer und Fabrikant hatte gewiß ein eigenes Interesse am Bahnbau, der, so steht zu vermuten, zwischen Grünstadt und Worms Offstein berühren und seiner Fabrik nutzen sollte. Es sollten jedoch noch drei Jahrzehnte vergehen, bis Offstein 1886 tatsächlich einen Eisenbahnanschluß erhielt.


Literatur

Anmerkungen

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