Bahnhof Griesheim. Bahnhof Griesheim in den 1920ern. [1]

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Güterverkehr in Griesheim 1965

Dokumentation

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Hauptverlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten der Streckenabschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

1965 ereignete sich der erste wesentliche Einschnitt auf diesem Teil der Riedbahn. Der Abbau des zweiten Streckengleises zwischen Goddelau-Erfelden und Griesheim stand unmittelbar bevor. Eine gute Gelegenheit [2], den Güterverkehr von und nach Griesheim Mitte der 1960er Jahre näher zu betrachten. Der zur Strecke gehörende Buchfahrplan ermöglicht uns einige Einsichten.

Abgebildet sind die Fahrzeiten gültig ab dem 30. Mai 1965. Im Winterfahr­plan 1965/66, gültig ab 26. September 1965, werden diese Relationen mit zwei Ausnahmen beibehalten. Üg 15015 verläßt Goddelau-Erfelden erst um 8.04 Uhr, durchfährt Wolfskehlen um 8.08 Uhr und erreicht Griesheim um 8.13 Uhr. Folgerichtig verkehrt Ng 8953 werktags außer nach Sonntagen (und wohl auch Feiertagen) in derselben Lage, bedient Griesheim zwischen 8.13 und 8.35 Uhr und fährt anschließend um 16 Minuten gegenüber dem Sommer­fahrplan versetzt (Darmstadt Nord durch 8.47 Uhr) bis Darmstadt-Kranichstein (an 8.51 Uhr).


Buchfahrplan Seite 257.

Abbildung 1: Seite 257 mit den Nahgüterzügen 8953, 8955 und 8957. Alle drei Güterzüge werden von einer Dampflok der Baureihe 50 gezogen, wobei die Fahrten von Gernsheim nach Darmstadt-Kranichstein werktags außer samstags (8957) bzw. samstags (8955) zeitversetzt durchgeführt werden und in Griesheim nur Wagen aufnehmen. Güterzug 8953 hingegen verkehrt nicht nach Sonntagen (und dem ersten Werktag nach Feiertagen?) und darf auch einmal das Lademaß überschreiten. Zug 8957 scheint mit größerer Last eingeplant worden zu sein, da zwischen den angegebenen Stationen und Blockstellen im Vergleich zu anderen Güterzügen in der Regel eine Minute draufgeschlagen wird. Aber: zwischen Stockstadt und Goddelau schaltet er den Turbo ein und fährt in Goddelau schon nach drei Minuten Fahrzeit durch, obwohl dies aufgrund der Geschwindigkeits­vorgaben gar nicht möglich ist. Denn 3 Minuten Fahrzeit bei einer Maximal­geschwindigkeit von 65 Stunden­kilometern auf einer Strecke von fünf Kilometer Länge ist schon eine stramme Leistung.

Buchfahrplan Seite 267.

Abbildung 2: Seite 267 mit der Übergabefahrt 15015 von Goddelau-Erfelden nach Griesheim. Auch hier wird der morgendliche Zug, der nur nach Sonntagen (und vermutlich auch nach Feiertagen) von einer 50er gezogen. Anzumerken ist, daß dieser zu Wochenbeginn verkehrende Güterzug nur bis Griesheim und nicht (wie Üg 8953) bis Kranichstein geführt wird. Wolfskehlen wird zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr mit Gütern bedient; hier springt die Station Leeheim-Wolfskehlen ein.

Buchfahrplan Seite 276.

Abbildung 3: Seite 276 mit der Übergabefahrt 15086 von Griesheim nach Goddelau-Erfelden. Offensichtlich reicht eine Kleinlok [3] für diese Übergabe vollkommen aus; das höhere Güter­aufkommen wird über den Rangier­bahnhof in Darmstadt-Kranichstein abgewickelt.


Quellen

Anmerkungen

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