Bahnhof Griesheim. Bahnhof Griesheim in den 1920ern. [1]

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Die Liegenschaften in Griesheim

Dokumentation

Beim Bau der Riedbahn 1868/69 konnte die Hessische Ludwigsbahn auf recht großzügige Enteignungsbe­stimmungen zurückgreifen. Natürlich waren nicht alle Grundbesitzer begeistert. Weitere Enteignungen waren beim Bau des zweiten Gleises und der Erweiterung der Bahnhofs­anlagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erforderlich. Das Liegenschafts­buch der Reichsbahn­direktion Frankfurt (Main) vom 30. Mai 1949 listet, fortgeschrieben bis in die 1960er Jahre, die der Bundesbahn gehörenden Grundstücke in der Gemarkung Griesheim (bei Darmstadt) auf.

Das hier wiedergegebene „Eisenbahnfiskalische Grundeigentum“ bildete die Grundlage für die im selben Liegenschafts­buch eingetragenen Durchleitungs­rechte, Randbe­bauungen oder die sonstigen den Streckenverlauf tangierenden Rechtsverhältnisse.

Noch 1963 schloß die Deutsche Bundesbahn mit der zuständigen Straßenbauver­waltung eine Vereinbarung, die eine mögliche Elektrifizierung der Strecke beinhaltete (siehe Tabelle #54). Dies ist umso bemerkenswerter, als nur zwei Jahre später das zweite Streckengleis zwischen Goddelau-Erfelden und Griesheim abgebaut worden war. Andererseits enthielt der Kaufvertrag mit den Eheleuten J. und S. über Grundstücke neben der Strecke noch 1966 die Auflage, „bei einer späteren Elektrifizierung die Errichtung von Fahrleitungsmasten und die Verlegung von Kabel zu gestatten“ (siehe Tabelle #59 und #60). Es scheint, als sei zu diesem Zeitpunkt die Stillegung der gesamten Strecke zwischen Goddelau und Darmstadt noch nicht beschlossene Sache gewesen. Es kann sich natürlich auch um eine reine technische Vorsichtsmaß­nahme im Hinblick auf eine ungewisse Zukunft gehandelt haben, obwohl die Würfel längst gefallen waren. Hierzu wäre ein Blick in das Bundesbahn-Archiv hilfreich.


Karte des Streckenverlaufs.

Abbildung 1: Streckenverlauf der Riedbahn durch die Gemarkung Griesheim. Streckenkilo­meter sind mit blauen Punkten, die im Liegenschafts­buch verzeichneten laufenden Nummern 1 bis 28 mit roten Punkten eingetragen. Sofern einzelne Punkte mehrere Nummern tragen, handelt es sich um den Schienenweg und die angrenzenden Schutzstreifen.

Deckblatt. Deckblatt Rückseite. Seite 1 Rückseite. Seite 2 Rückseite. Seite 3 Rückseite. Seite 4 Rückseite. Seite 5 Rückseite. Seite 6 Rückseite. Seite 7 Rückseite.

Abbildung 2 bis 10: Auszug aus dem Liegenschaftsbuch.

Weiterhin vermerkt sind folgende Rechtsverhältnisse:

#JahrKilometerEintrag
1193451,400Gemeinde Griesheim, Entwässerungskanal.
21934/3551,920Gas- und Elektrizitätswerk Griesheim, Gasrohrleitung am BÜ 77.
3191553,570Reichsmilitärfiskus, Abwasserleitung am BÜ 79.
4191651,8–51,9HEAG Darmstadt, Hoch- und Niederspannungskabel. 1951 gelöscht.
5  gelöscht
61934/3551,350Gas- und Elektrizitätswerk Griesheim, Gasleitungsrohr.
7190154,5–54,7Oberförsterei Darmstadt, Wegbenutzung.
8–10  gelöscht
11193451,930Pasquay-Werke (Saarbrücken), Grenzbebauung Gebäude. 1956 gelöscht.
12  gelöscht
13192651,272Bürgermeisterei Griesheim, Niederspannungskabel. 1960 gelöscht.
14192751,350–51,920Gemeinde Griesheim, Wasserleitung. 1959 gelöscht.
15192751,220Fa. Notnagel, Grenzbebauung Bürogebäude.
16192951,345S. aus Griesheim, Grenzbebauung Stockwerkaufbau.
17192951,946Fa. Gebrüder Diefenbach, Grenzbebauung Sägewerk mit Nebenanlagen.
18–19  gelöscht
20191251,390Gemeinde Griesheim, Einstiegsschacht zu Entwässerungskanal. Bauliche Veränderungen im Interesse der Reichsbahn sind von der Gemeinde zu finanzieren.
21193554,330Stadt Darmstadt bzw. Südhessische Gas und Wasser AG, Wasserleitung.
22  gelöscht
23193054,970Stadt Darmstadt, Ferngasleitung. Gelöscht und durch #32 ersetzt.
24194851,8Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft Griesheim, Klärgrube und Abwasserleitung zum Sammler auf gemieteter Fläche auf Bahngelände.
251949Pasquay Sammelbild„Der Firma Pasquay-Werke in Griesheim b. Darmstadt wurde eine 15 m2 große Überdachung reichsbahneigenen Gebäudes bei Gleis 5 des Bfs. Griesheim b. Darmstadt […] in einer Höhe von 4,80m über Schienenoberkante gestattet.“ Gelöscht 1956.
26195151,872Gemeinde Griesheim, Starkstromkabelleitung. 1966 gelöscht.
27195151,800HEAG Darmstadt, Kabelkreuzung 6 kV. Gelöscht 1966.
28195251,56M. aus Griesheim, Zigarettenautomat am Empfangsgebäude. Gelöscht 1954.
29195252,621AG für Energiewirtschaft Mannheim, Starkstromleitung. 1959 gelöscht.
30195251,928Deutsche Post, Schwachstromkabel.
31195351,750Gemeinde Griesheim, Entwässerungskanal.
32195455,0Südhessische Gas- und Wasser AG, Gasleitung im Zuge der Küchenmeisterschneise.
33195452,070–52,6Gemeinde Griesheim, Abgrenzung der Nordendstraße auf Kosten der Gemeinde.
34195449,805Fernmeldebauamt Darmstadt, Fernsprechkabel.
35195451,73Fa. Heinrich Müller, Verladerampe auf bahneigenem Gelände. Gelöscht 1955. Siehe #37.
36195451,217Erweiterungsbau in ungenügendem Abstand zur Bahn. Schadensersatzregelung.
37195551,730Fa. Heinrich Müller, Verladerampe auf bahneigenem Gelände.
38195551,730Fa. Heinrich Müller, Schadensersatzregelung.
39195754,3–54,4Deutsche Bundespost, Fernsprechkabel.
40195851,75Fa. Heinrich Müller, Erweiterung Fabrikhalle in ungenügendem Abstand zur Bahn. Schadensersatzregelung.
41195853,56Deutsche Bundespost, Fernmeldekabel.
42195952,24HEAG Darmstadt, Strakstromkabelleitung.
43195951,348HEAG Darmstadt, Starkstromkabelleitung.
44195951,92Gemeinde Griesheim, Wasserleitung.
45195951,350Gemeinde Griesheim, Wasserleitung.
46196051,353Gemeinde Griesheim, Entwässerungskanal.
47196152,85–53,56HEAG Darmstadt, Starkstromfreileitung.
48196151,88Fa. Süddeutsche Reifen GmbH, Nachfolger Hermann Meier, Überstehen der Verladerampe auf DB-Gelände.
49196151,93–52,025Fa. Heinrich Diefenbach, Lagerhallen und Sägemehlspeicher in unzulässigem Abstand zum Bahngelände. Schadensersatzregelung.
50196251,928HEAG Darmstadt, Starkstromkabelleitung 20 kV.
51196250,635Freihaltung des Sichtbereichs von Posten 72.
52196251,925Freihaltung von Flächen am Frankfurter Weg.
53196351,550–51,585Neues Empfangsgebäude, Kanalanschlußgebühr.
54196353,584Straßenbauv­erwaltung, Überführungs­bauwerk im Zuge der B 26. Gemeinde Griesheim wird Eigentümer der beiden seitlichen Feldwege. Bundesbahn­eigene Fernmelde­leitung wird unter der Brücke durchge­führt. „Sobald die Bahnstrecke elektrifiziert wird, gestattet die Straßenbau­verwaltung der DB unentgelt­lich alle für den elektrischen Betrieb notwendigen Einrichtungen am Straßenüber­führungs­bauwerk anzubringen.“
55196351,450G. aus Griesheim, ist mit Grenzbebauung durch DB einverstanden. DB wiederum ist mit Einbau von Lüftungs­klappen in die Glasbausteine einverstanden.
56196451,550Gemeinde Griesheim, Kanalabflußgebühr für Bahnwohnhaus, Bahnhofstraße 26.
57196551,356Fernmeldeamt Darmstadt, unterirdische Fernmeldelinie.
58196652,800–52,870J. aus Griesheim, Vorkaufsrecht für DB.
59196652,800–52,870J. aus Griesheim, Schadensersatzregelung, Elektrifizierung der Strecke.
60196652,87–53,57S. aus Griesheim, Brunnenwasser nur abgekocht trinkbar, Schadensersatzregelung, Elektrifizierung der Strecke.
61196652,87–53,57S. aus Griesheim, Vorkaufsrecht für DB.
62196751,922Stadt Griesheim, Wasserleitung.

Anmerkungen

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