Rangierfahrt auf der Riedbahn.
Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau
Walter Kuhl
Rangierfahrt auf der Riedbahn.
Rangierfahrt
auf der Riedbahn.
Schornstein.
Pasquay Schornstein.
Parkanlage.
Grün auf der Trasse.
Dampfstrassenbahn.
Dampfstraßenbahn.
Griesheim Wagenhalle.
Wagenhalle in Griesheim.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Bau der Militärrampe im Bahnhof zu Griesheim

Ein Bahnhofsplan von 1911

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Haupt­verlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten vor allem der Strecken­abschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

»»  Der einstige Bahnhof von Griesheim auf OpenStreetMap.

Der Truppenübungsplatz auf dem Griesheimer Sand diente dem hessischen Militär, aber auch Truppen­teilen aus ganz Süd­deutschland, zur Vorbe­reitung des gezielten Tötens von Menschen anderer nationaler Gesinnung. Kurz bevor das Deutsche Reich in den Krieg gegen die anderen Barbaren zog, wurde der Griesheimer Bahnhof ertüchtigt und erhielt an seiner Nordseite eine Militär­rampe.


Der Plan

Bahnhofsplan westlicher Teil. Bahnhofsplan mittlerer Teil. Bahnhofsplan östlicher Teil.

Umbauplan des Gries­heimer Bahnhofs von 1911. Quelle: Stadt­archiv Gries­heim, Bestand 1535.

1910 ließ die Eisenbahn­direktion Mainz ihre Bahn­anlagen in Griesheim kartieren. Auf obigem Bahnhofs­plan sind die damaligen Gleise mit schwarzer Tusche einge­zeichnet. Dieser Plan diente dann als Grundlage für eine Erweiterung des Griesheimer Bahnhofs um eine Rampe für das Militär auf dem Griesheimer Sand. Der Krieg gegen Frankreich stand bevor.

Dieser um die Neu- und Umbauten ergänzte Plan war zunächst ein Entwurf. Seitens der Gemeinde und der Anlieger gab es im damaligen „Planfest­stellungs­verfahren“ (hieß das damals schon so?) mehrere Bedenken und Wünsche, die in unter­schiedlicher Weise Berück­sichtigung fanden. Die Gemeinde Griesheim wünschte sich eine Verbrei­terung des Bahn­übergangs Pfützen­straße derart, daß sich zwei Fuhrwerke problem­los begegnen konnten. Dies wurde zugesagt, ebenso die Einrichtung einer Fußgänger­schranke

Das von einem in Bremen ansässigen Unternehmen betriebene Griesheimer Gaswerk am nordwest­lichen Rand des Geländes wollte einen eigenen Gleis­anschluß zur Abstellung der Kohlen­waggons erhalten. Die Eisenbahn­direktion fand die Umsetzung schwierig und angesichts des doch recht geringen Fracht­volumens auch über­flüssig. Die Kosten würden an die Gemeinde weiter­gegeben werden, und damit war das Thema insofern erledigt. Ausnahms­weise gestattete die Direktion die Nutzung des Rangier­gleises zur Abstellung der Wagen.

Die Landwirt­schaft betreibenden Anlieger an der Nordseite der Bahn­anlagen sahen sich durch den Entwurf benach­teiligt. Die Eisenbahn­direktion wollte an Stelle des vor­herigen Feldweges eine gepflasterte Chaussee errichten, die nur dem Militär vorbe­halten sein sollte. Die Anlieger, die ja irgendwie auf ihre Äcker gelangen mußten, drängten darauf, parallel dazu einen eigenen neuen Feldweg zu erhalten oder die Chaussee mitbe­nutzen zu dürfen. Die Gemeinde unterstützte die letztere Variante.

Die landespolizeiliche Prüfung (also Abhahme) der Bahnhofs­erweiterung fand am 8. Februar 1913 statt. Die hierbei durch die Gemeinde angeregte Auf­stellung einer Laterne an der westlichen Seite des Bahn­über­gangs 77 (Frank­furter Weg bzw. Schöne­weibergasse) wurde im April 1913 in Aussicht gestellt und dann wohl auch alsbald realisiert.