Rangierfahrt auf der Riedbahn.
Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau
Walter Kuhl
Rangierfahrt auf der Riedbahn.
Rangierfahrt
auf der Riedbahn.
Hauptbahnhof.
Hauptbahnhof.
Wasserturm.
Wasserturm.
Bahnmeisterei und Turmwagenhalle.
Am Nordkopf.
Bahnhofstafel.
Museumsstück.

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Der Poststeg des Darm­städter Haupt­bahnhofs

Sein Abriß 1994

1869 wurde die Riedbahn zwischen Darmstadt und Worms eröffnet. Die heutige Riedbahn mit ihrem Haupt­verlauf von Mannheim nach Frankfurt wurde erst zehn Jahre später errichtet. Dokumentiert wird auf meinen Riedbahn-Seiten vor allem der Strecken­abschnitt zwischen Darmstadt und Goddelau.

Als zwischen 1907 und 1912 der neue Darmstädter Haupt­bahnhof als Musteranlage angelegt wurde, wurde zugleich die kaiserliche Post integriert. Das etwa ein­hundert Meter nördlich an der Ostseite des Haupt­bahnhofs angelegte Postamt verfügte über einen eigenen Zugang zu den Bahn­steigen, um beim Be- und Entladen des Postguts nicht den allgemeinen Personen­verkehr zu behindern. Die Postwagen liefen in der Regel an der Spitze des Zuges und die meisten Darmstadt verlassenden Züge ent­schwanden zunächst in nördlicher Richtung. Somit war auch diese Anlage recht praktisch eingerichtet. In den 1990er Jahren war der Poststeg einer erneuten Linien­vereinfachung im Weg. Der Hoch­geschwindig­keitsverkehr, auf den Darmstadt auch zwei Jahr­zehnte später noch wartet und wohl auch weiterhin vergeblich warten wird, verlangt beschleu­nigte Ein- und Ausfahrten, um die anderswo eintretenden „Ver­spätungen im Betriebs­ablauf“ wieder einzu­fangen. Dabei hatte die Post kurz zuvor noch ihren gläsernen Anbau baulich mit dem Poststeg verbunden. Doch dann zogen auch hier die einem autis­tischem Profit­streben ver­pflichteten Betriebs­wirtschaftler ein. Sie bevorzugten Postverteil­zentren auf der grünen Wiese und die Gummi­konkurrenz; folglich stellten sie den jahr­zehn­telang bewährten nächt­lichen Post­versand mit der Bahn ein.

Die Aufnahmen aus dem letzten Bestands­jahr des Poststegs stammen von Jörn Schramm, der dieses Denkmanl der Baukultur noch ein letztes Mal im Bild festhalten wollte.


Etwas mehr als achtzig Jahre

Alte Ansichtskarte.

Bild 1: Aufnahme des kurz zuvor fertig­gestellten Postamts mitsamt Poststeg, ver­mutlich 1912 angefertigt. Post­karten-Kunst­verlag Wilhelm Gerling.

Während die Schienen im Bild schwer auszumachen sind, verraten die Oberleitungs­masten den angestrebten Straßenbahn­betrieb. Die beiden sichtbaren Rosetten zur Aufhängung des Fahr­drahtes, an der Vorderfront unterhalb des ersten Fensters und neben dem vierten Fenster von rechts, sind auch heute noch vorhanden. Durch die kleine Einfahrt rechts vom Postamt wurde Ende 1918 ein Schienen­gleis in den Innenhof gelegt, um die Pakete der Postämter am Haupt­bahnhof, am Luisen­platz, an der Mathilden­höhe und in der Bessunger Hermann­straße mittels eigens umgebauter Straßen­bahnwagen [zu befördern].

Anlagen für den Postverkehr. Für die Zwecke des Postdienstes ist nördlich in rund 100 m Entfernung vom Empfangs­gebäude und in der Längs­ausdehnung rechtwinklig dazu, so daß es den Platz vor dem Empfangs­gebäude an der Nordseite abschließt, ein besonderes Poatamts­gebäude errichtet, welches die Schalter- und Dienst­räume, Packkammern, Karrenhalle usw. und eine Wohnung des Post­direktors enthält. Von dem Post­gebäude führt dann quer über die Gleise ein besonderer eiserner Poststeg, der durch Aufzüge die Ver­bindung mit dem Post­bahnsteig und seinen beiden Postgleisen und den übrigen Gepäck­bahnsteigen vermittelt. Das Postamts­gebäude ist von der Post­verwaltung selbst aus­geführt, während der Poststeg mit den Aufzügen, der Post­bahnsteig mit seiner Über­dachung und die Gleis­anlagen von der Eisenbahn­verwaltung auf Kosten der Reichspost­verwaltung geschaffen sind.“ [1]

Poststeg.

Bild 2: Achtzig Jahre später erreicht der von 111 095 gezogene Interregio 2475 am 7. März 1992 kurz nach 2 Uhr am Nachmittag den Darmstädter Haupt­bahnhof auf Gleis 10. Die Interregio­linie 19 befuhr die Strecke von Kassel über die Main-Weser-Bahn bis Frankfurt und dann weiter über Heidelberg und Offenburg nach Konstanz. Sie wurde im Dezember 2002 eingestellt und durch eine IC-Linie ersetzt.

Poststeg.

Bild 3: Fast zwei Jahre später zeigt diese am 16. Februar 1994 aufge­nommene Seiten­ansicht die Verbindung von Bahn­steigen und Postamt. Es dürfte eine der letzten gezielt dem Poststeg gewidmeten Aufnahmen sein, die vor dem beginnenden Zerstörungs­werk entstand. Links das Fahrdienst­leiterstellwerk.

Poststeg.

Bild 4: Am 10. Mai 1994 haben die Abriß­arbeiten schon begonnen. Zurecht werden die Kultur­barbaren per Sprühdose als Denkmal­mörder bezeichnet, aber was hilft's? Die hinter dem linken Turm hervor­lugende Wagenmeisterei an der Dornheimer Weg-Brücke ereilt das gleiche Schicksal.

Poststeg.

Bild 5: Zwei Tage später mit Blick vom Bahnsteig zwischen den Gleisen 11 und 12.