Karte zur Riedbahn. Riedbahn Darmstadt–Goddelau.

Fragmente abseits der Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau

Gleisanschlüsse in Groß-Gerau

Dokumentation

Groß-Gerau liegt an zwei Eisenbahnstrecken. Seit 1858 verkehrt hier die Main-Rhein-Bahn von Mainz über Darmstadt nach Aschaffenburg. Für die 1879 eröffnete Riedbahn von Frankfurt über Lampertheim nach Mannheim wurde eine zweite Station eröffnet, Dornberg-Groß-Gerau. Beide Strecken und Bahnhöfe wurden und werden über die „Rutsch“ verbunden. Als Ersatz für die Riedbahn zwischen Darmstadt und Goddelau-Erfelden wurde 1970 ein Verbindungsgleis von Dornberg nach Klein-Gerau (Abzweig Eichmühle) hergestellt [siehe auch].

Diese Darstellung basiert auf Anschlußplänen und zugehörigen Dienstanweisungen der 1950er und 1960er Jahre zu den Firmen Helvetia, Südzucker AG, Faulstroh und Frigoropa. Die Dienstanweisungen wurden mit einer OCR-Software bearbeitet, bei der Nachbearbeitung wurden womöglich nicht alle Fehldeutungen derselben erkannt. Hinweise auf weitere Anschließer wie die Ölfabrik, Quelle und Poclain (in Dornberg) wurden hinzugefügt.

Tags : Main-Rhein-Bahn, Groß-Gerau, Dornberg, Faulstroh (Fagro), Frigoropa, Frigoscandia, Helvetia, Ölfabrik, Poclain, Quelle, Schönenberg & Co., Südzucker.


Groß-Gerau.

Abbildung 1: Übersicht zu den vier hier vorgestellten Gleisanschlüssen. Markiert ist der Bahnhof von Groß-Gerau.

Die Ölfabrik

Der erste Gleisanschluß in der Nähe des Groß-Gerauer Bahnhofs scheint zur Ölfabrik gegangen zu sein, wozu der Stadtgraben überquert werden mußte. Er wurde 1894 angelegt und 1904 um ein zweites Gleis erweitert.

Polizeiverordnung.

Betr.: Den Betrieb des Anschlußgleises von der Station Groß-Gerau nach der Oelfabrik vormals Schönenberg & Cie.

Bezüglich des Betriebes des Anschlußgleises von der Hessischen Ludwigsbahn nach der Oelfabrik vormals Schönenberg & Cie. wird mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 12. September 1894 nach Anhörung der Groß­herzoglichen Bürger­meisterei und des Gemeindesraths zu Groß-Gerau auf Grund des Artikel 78 der Kreisordnung verordnet was folgt:

I. Bestimmungen für den Betrieb.

§ 1. Die das Geleis absperrenden und zu beiden Seiten der Hintergasse und des Promenadenwegs neben dem Stadtgraben angebrachten und mit besonderem Beschluß versehenen Thorabschlüsse sind immer geschlossen zu halten und nur für diejenige Zeit zu öffnen, während welcher Züge nach und von der Oelfabrik sich bewegen.

§ 2. Um das Ablaufen von Wagen aus dem Fabrikhof nach der Hintergasse zu verhindern, ist das Anschlußgeleis am Ausgang aus dem Fabrikhofe durch eine Geleissperre (Sperrklotz) abzuschließen. Dieselbe darf nur geöffnet werden, wenn Wagen nach der Fabrik oder aus derselben verbracht werden.

§ 3. Zu beiden Seiten des Anschlußgeleises nach der Oelfabrik sind Warnungstafeln an den Wegübergängen und zwar:

  1. an dem alten Weg nach Mainz,
  2. an dem Nauheimer Fußpfad südlich vom Stadtgraben,
  3. an dem Promenadenweg,
  4. an der Hintergasse in entsprechender Entfernung anzubringen.

§ 4. Die auf dem Anschlußgeleise sich bewegenden Züge, einzeln fahrende Wagen oder Maschinen dürfen nur in langsamem Schritttempo fahren und müssen jedesmal vor dem Uebergang an der Hintergasse solange zum Stillstand gebracht werden, bis der auf der genannten Strecke dem Zuge voranzugehende Begleiter, welcher mit einer Handglocke zu läuten hat, das Zeichen zum Weiterfahren des Zugs oder Weiterschieben der Wagen gegeben hat. Außerdem hat der Begleiter des Zugs dafür zu sorgen, daß auf dem Geleise befindliche Personen, Fuhrwerke oder Thiere rechtzeitig von demselben sich entfernen. Bei Dunkelheit müssen Anfang und Ende jedes Zuges durch je eine helleuchtende Laterne bezeichnet sein.

II. Bestimmungen für das Publikum.

§ 5. Sobald ein Zug bezw. einzelne Wagen oder Maschinen sich nähern, müssen Fuhrwerke, Reiter, Fußgänger, Treiber von Vieh und Lastthieren bei den an den Wegübergängen aufgestellten Warnungstafeln halten und muß ein 2 m breiter Raum zu beiden Seiten des Geleises frei gehalten werden.

III. Schlußbestimmungen.

§ 6. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden soweit nicht auf Grund anderweitiger Strafbestimmungen eine höhere Strafe erwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haftstrafe geahndet.

Groß-Gerau, den 15. September 1894.    Großh. Kreisamt Groß-Gerau.

v. Löw.

Lage der Ölfabrik.

Abbildung 2: Lage des Gleisanschlusses der Ölfabrik, entnommen dem Meß­tischblatt 6016 von 1899 [slub]. Nach Westen gehen zwei Gleise vom Gerauer Bahnhof ab, eines führt in die Zuckerfabrik, das andere in einem Bogen nach Süden zur Ölfabrik [externes bild]. Die in der Verordnung genannte Hintergasse ist die heutige, im Bild ungefähr horizontal verlaufende Schützenstraße.

Die Ölfabrik wurde in den 1860er Jahren durch den Kaufmann Julius Schönenberg gegründet. Während man für die Produktion zunächst heimische Bucheckern und Mohnfrüchte verwendete, nutzte man bald Palmkerne und Kopra, vorzugsweise aus den deutschen Kolonien. Nach der Expansion mit der Errichtung eines Zweigwerks in Bremen wurde das Unternehmen 1898 in eine Aktien­gesellschaft umgewandelt. Mit dem Verlust der Kolonien stieg man auf schlesische Rübsamen und rumänische Walnüsse als Rohstoff um. Den Personalmangel während des Ersten Weltkriegs überbrückte man mit Soldaten vom Griesheimer Truppen­übungsplatz. 1921 wurde die Produktion eingestellt. Die Fabrikanlagen wurden 1932 abgerissen. [1]

Eine Fabrik fällt der Wirtschaftsnot zum Opfer. Die alte Oelfabrik Groß-Gerau, die seit langen Jahren schon still liegt, ist jetzt abgerissen worden, da der jetzige Besitzer, eine schweizerische Bank, nicht länger gewillt war, die Gebäudesteuer für die umfangreichen Fabrikbauten aufzubringen. Die Fabrik wurde bis auf die Grundmauern niedergelegt. Am Freitag wurde der Schornstein durch Sprengung umgelegt.“ [2]

Die Zuckerfabrik

Gleisplan.

Abbildung 3: Gleisanschluß Südzucker AG 1964 (östlicher Teil).

Gleisplan.

Abbildung 4: Gleisanschluß Südzucker AG 1964 (westlicher Teil).

Gleisplan.

Abbildung 5: Kartenausschnitt für das Werksgelände.

Dienstanweisung für die Bedienung des Privatgleisanschlusses der Süddeutschen Zucker AG – Werk Groß Gerau

Anschlußbahnhof Groß Gerau
(Zu § 21 der PAB vom 1.1.55)
– Gültig vom 15.11.64 an –

Aufgestellt: Darmstadt, d[en] 8.10.64

[…]

A. Allgemeine Bestimmungen

1. Lage des Anschlusses

Der Privatgleishauptanschluß der „Süddeutschen Zucker AG“ – Werk Groß Gerau – liegt am Westende des Bahnhofs Groß Gerau, südlich der Strecke Mainz – Darmstadt.

2. Beschreibung des Anschlusses

Der Privatgleishauptanschluß der „Süddeutschen Zucker AG“ zweigt in der Weiche 4 c/d aus dem durchgehenden Hauptgleis Mainz – Darmstadt (Gl 1 des Bahnhofs Groß Gerau) ab und verläuft in westlicher Richtung. Das durchgehende Hauptgleis 1 ist gegen den Anschluß durch die Gleissperre II gesichert. Die Anßchlußgrenze liegt unmittelbar westlich der Weiche 4 c/d.
In der Anschlußweiche 3 zweigt aus den Anschlußgleis der „Süddeutschen Zucker AG“ der Privatgleis­nebenanschluß der „Helvetia-Konserven AG“ (südlich) ab.

In Privatgleishauptanschluß der „Süddeutschen Zucker AG“ werden sämtliche für die Anschließerin bestimmten Wagen bereitgestellt und abgeholt.

Die Anschlußanlage besteht aus folgenden Gleisen:

a) Durchfahrgleis von der Anschlußgrenze bis zum Abholgleis bzw Zustellgleis;

b) Abholgleis für Leerwagen und Ladungen;

c) Zustellgleis für Ladungen und Leerwagen;

d) den Gleisen 1 – 4, die als Rangier- und Aufstellgleise der Anschließerin zur Bedienung der „Eifa“ (Markenname für Waggon-Naßabspritzanlage) des Kohlentiefbunkers und des Kalksteinlagers dienen. In Ausnahmefällen werden die Gleise 1 – 4 als Zustell- und Abholgleise benutzt;

e) den übrigen Betriebsgleisen, die ausschließlich den Zwecken der Anschließerin als Wiege-, Rangier-, Aufstell- und Ladegleise dienen.

Durch die Anschlußanlage verläuft in nordwestlicher Richtung der technisch nicht gesicherte Bahnubergang „Nauheimer Weg‘, der mit Andreaskreuzen gekennzeichnet ist.
Der Bahnübergang überquert (von Süden nach Norden) das Abholgleis, ein Betriebsgleis, die Gleise 1, 3, 4 und das Zustellgleis.

Alle Weichen in den Anschlußanlagen sind ortsgestellt mit Ausnahme der Weiche 3, die an das Stellwerk „Ggf“ des Bahnhofs Groß Gerau angeschlossen ist.
Die gesamte Anschlußanlage der „Süddeutschen Zucker AG“ liegt horizontal.

Das Durchfahrgleis von der Anschlußgrenze bis zum Abholgleis bzw zum Zustellgleis beginnt westlich der Weiche 4 c/d und verläuft in westlicher Richtung, Das Durchfahrgleis ist mit elektr. Fahrleitung überspannt und darf in seiner gesamten Länge von Bundesbahnlokonotiven befahren werden.

Das Abholgleis (Übergabestelle) beginnt 122 m westlich der Anschlußgrenze und zweigt in der Anschluß­weiche 101 in einem Bogen nach Südwesten aus den Durchfahrgleis ab. Es hat eine nutzbare Länge von 260 m (von der Anschluß­weiche 101 bis zum Bahnübergang „Nauheimer Weg“). Aus dem Abholgleis zweigt 80 m westlich von der Anschluß­weiche 101 in der Anschluß­weiche 102 ein Abstellgleis in südwestlieber Richtung ab, das bei Bedarf als zusätzliches Abholgleis verwendet wird. Dieses Abstellgleis hat eine nutzbare Länge von 128 m und endet an einem Prellbock.
Das Abholgleis darf von Bundesbahnlokomotiven nur bis km 19,250 befahren werden. Die Tafel mit der Aufschrift „Halt für Bundesbahnlok“ steht 50 m. westlich von der Anschluß­weiche 101 rechts vom Gleis.
Das Abholgleis ist von der Anschlußweiche 101 bis km 19,250 mit elektrischer Fahrleitung überspannt.

Das Zustellgleis (Übergabestelle) beginnt 289 m westlich der Anschlußgrenze in der Anschluß­weiche 103 und verläuft in westlicher Richtung. Es hat eine nutzbare Länge von 411 m (150 m östlich und 261 m westlich des Bahnüberganges „Nauheimer Weg“) und endet an einem Prellbock. Das Zustellgleis darf von Bundesbahnlokomotiven nur bis zur Tafel „Halt für Bundesbahnlok“ in km 19,080 befahren werden. Die Tafel steht 50 m westlich von der Anschluß­weiche 103 rechts vom Gleis.
Das Zustellgleis ist bis auf 160 m vom Gleisende (Prellbock) mit elektrischer Fahrleitung bespannt.

In der Anschlußweiche 103 zweigt in westlicher Richtung ein kurzes Verbindungsgleis ab, welches sich in der Anschluß­weiche 104 wiederum in 2 Gleise (Wiegegleise) verzweigt.
Ein Wiegegleis verläuft südlich und ein Wiegegleis nördlich an dem Wiegehaus vorbei, beide Gleise verlaufen nach Südwesten.
Das nördlich des Wiegehauses verlaufende Gleis verzweigt sich westlich hinter der Gleiswaage in die Stumpfgleise 1 – 4.

Gleis 1 beginnt in der Anschluß­weiche 108 und hat bis zur Anschluß­weiche 111 eine nutzbare Länge von 168 m. Südwestlich der Weiche 111 schließt sich ein Stumpfgleis von 100 m nutzbarer Länge an, das südlich an der „Elfa“ vorbeiführt und an einem Prellbock endet.

Gleis 2 beginnt in der Anschlußweiche 108 und hat bis zur Weiche 109 eine nutzbare Länge von 158 m.

Gleis 3 beginnt in der Anschlußweiche 107 und hat vom Bahnübergang „Nauheimer Weg“ bis zur Weiche 106 eine nutzbare Länge von 174 m. Südwestlich der Weiche 106 schließt sich im Anschluß an ein kurzes Verbindungsgleis in der Anschluß­weiche 110 ein Stumpfgleis von 100 m nutzbarer Länge an, das nördlich an der „Eifa“ vorbeiführt und an einem Prellbock endet.

Die Gleise 1 und 3 dienen als Zuführgleise für beladene Zuckerrübenwagen zur „Elfa“, Gleis 2 dient als Abfuhrgleis der Leerwagen von der „Eifa“.

Die Gleise 1 und 3 sind durch die Weichen 109/110/111 noch einmal mit Gleis 2 verbunden. Zwischen den Gleisen 1 und 2 und den Gleisen 2 und 3 bestehen Spillanlagen.

Gleis 4 beginnt in der Anschluß­weiche 105 und hat vom Bahnübergang „Nauheimer Weg“ bis zur Anschluß­weiche 106 eine nutzbare Länge von 160 m. Gleis 4 dient als Aufstell- und Entladegleis für Kohlen und Kalksteine. Unter Gleis 4 befindet sich ein 12 m langer und 5 m breiter Tiefbunker für Kohlen mit einem Fassungsvermögen von ca 120 to. (Die Kohlen werden aus Selbstentlade­wagen in den Tiefbunker entladen und von dort über eine Bandanlage in das Kohlenlager gebracht) In der Anschluß­weiche 126 zweigt aus Gleis 4 ein Stumpfgleis mit einer Nutzlänge von 90 m in das Kalksteinlager ab. Gleis 4 ist durch die Weiche 106 noch einmal mit Gleis 3 verbunden.

Die Gleise 1 – 4 werden in Ausnahmefällen, wenn das eigentliche Zustell- oder Abholgleis nicht ausreicht, im Einvernehmen mit der Anschließerin als Zustell- und Abholgleise benutzt.

Bundesbahnlokomotiven (keine Ellok) dürfen in diesen Fällen das nördliche Wiegegleis und die Gleise 1 – 4 bis zum Bahnübergang „Nauheimer Weg“ befahren und zwar Lok der Baureihen: Dampf – 50, 65, 86, 94, V 36, 60, 100 und Kleinlok.

Übrige Betriebsgleise

Die Verlängerung des Abholgleises und das südlich des Wiegehauses vorbeilaufende Wiegegleis kreuzen den Bahnübergang „Nauheimer Weg“ und verlaufen in einem Bogen nach Süden in den Fabrikhof der Anschließerin. Dort besteht eine Weichenverbindung zwischen den beiden Gleisen. Es schließen sich mehrere Rangier-, Aufstell- und Ladegleise an, die alle in Stumpfgleisen enden.

Es besteht eine Fernsprechverbindung zwischen dem Befehlsstellwerk „Ggf“ und den Wiegehaus an der Gleiswaage.

Außerdem befindet sich in Höhe der Weiche 3 ein Außenfernsprecher (Rangierfernsprecher) zur Verständigung zwischen Rangierleiter und Fahrdienstleiter.

In Höhe der Anschlußweichen 105, 107 und 108 sind von der Anschließerin Lichtsignalmaste aufgestellt. Es werden hiermit Signale gegeben, die nur für den werkseigenen Rangierbetrieb der Zuckerfabrik bestimmt sind.

An der Westseite des Wiegehauses ist ein rot/grün schaltbares Lichtsignal angebracht, das vom Wiegemeister rot geschaltet wird, solange eine Anschlußbedienung durch die Bundesbahn stattfindet.
Werkseigene Rangierabteilungen der Zuckerfabrik dürfen bei „rot“ nicht über dieses Lichtsignal hinaus in Richtung auf das Durchfahrgleis zum Zustellgleis fahren.

Der Rangierbetrieb zwischen dem Zustell- und Abholgleis und den übrigen Anschlußgleisen wird von werkseigenen Rangierlok ausgeführt.

B. Betriebliche Bestimmungen

[…]

Die hier aufgeführrten Bestimmungen entsprechen im wesentlichen denen der anderen Anschluß­bedienungen. Daher hier nur kurz: In der Regel wird der Anschluß durch die Kleinlok des Bahnhofs Groß-Gerau als Rangierfahrt bedient, während der Rübenkampagnen hingegen durch die Zuglokomotiven der diversen in Groß-Gerau endenden Güterzüge oder des Kohlen-Ganzzuges. Während der Zuckerrüben­kampahne stellt das Werk einen Posten am Bahnübergang „Nauheimer Weg“, ansonsten muß mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen gequert werden. Die Rangierfahrten werden im Bahnhof Groß-Gerau in den Gleisen 1, 3, 4 oder 11 zusammengestellt und in den Gleisanschluß geschoben. Das Zustellgleis kann bis zu 38 Omm-Wagen aufnehmen. Bei Berdienung mit Elektrolok ist der Wiegemeister des Werks vom Anschalten der Fahrleitung zu verständigen. Das Besteigen der Wagen, etwa zur Probenentnahme, ist dann streng verboten. Die hier vorliegende Dienstanweisung ersetzt diejenige vom 15. Januar 1958. Im Anschluß folgt der Lageplan.

Gleisreste.

Bild 6: Überbleibsel der Südzucker-Gleisanlagen im Juli 2014.

Die Helvetia Konservenfabrik

Die Helvetia Konservenfabrik wurde 1899 als Tochtergesellschaft der Schweizer Konservenfabrik von Gustav Henkell und Karl Roth gegründet. Der Gleisanschluß wurde 1912 eingerichtet. Der einstmals größte Gerauer Betrieb beendeten seine Produktion Ende 1973; zehn Jahre später wurde das Gelände mitsamt des charakteristischen Schornsteins eingeebnet. Faulstroh/Fagro wurde 1893 als Schlosserwerkstatt gegründet und endete 2005 in der Insolvenz. Die Zuckerfabrik betrieb ihre Produktion von 1883 bis 2007. Nur die Frigoropa ist noch am Ort vorhanden.

Gleisplan.

Abbildung 7: Gleisanschluß der Konservenfabrik Helvetia 1955.

Gleisplan.

Abbildung 8: Kartenausschnitt für das Werksgelände.

Deutsche Bundesbahn

Dienstanweisung für die Bedienung des Privatgleisanschlusses der Firma „Helvetia“ AG, Konservenfabrik in Groß Gerau

am Bahnhof Groß Gerau
(zu § 21 der PAB vom 1.1.55)
– Gültig vom 15.2.1956 an –
Aufgestellt Darmstadt, den 23.6.55

[…]

Teil I

§ 1
Lage des Gleisanschlusses

Der Privatgleisanschluß der Firma „Helvetia“ AG, Konservenfabrik in Groß Gerau, liegt am Westende des Bahnhofs Groß Gerau südlich der Streckengleise der zweigleisigen Hauptbahn (Mainz Hbf) – Darmstadt Hbf und ist durch die doppelte Kreuzungsweiche 4 (gleichzeitig Anschlußweiche l) an das Gleis (Mainz) – Darmstadt angeschlossen.
Die Anschlußanlage ist in dem angehefteten Lageplan durch stark ausgezogene Linien dargestellt.

§ 2
Beschreibung und Zweck des Anschlusses

Der Gleisanschluß der Firma „Helvetia“ AG zweigt gemeinsam mit dem Anschluß der „Süddeutschen Zucker“ AG in der Weiche 4 c/d aus dem durchgehenden Hauptgleis (Mainz) – Darmstadt ab und verläuft in westlicher Richtung. In der Weiche 3 (gleichzeitig Anschlußweiche B) trennt sich der Anschluß „Süddeutsche Zucker AG“ (nördlich) ab.
Der Anschluß der Firma „Helvetia“ AG kreuzt hinter der Weiche B die Fabrikstraße. Der technisch nicht gesicherte Bahnübergang ist mit Warnkreuzen versehen. Das Gleis führt durch ein Tor zum Werkhof der Anschließerin. Im Werkhof sind umfangreiche Gleisanlagen vorhanden, deren Bezeichnungen, Lagen, nutzbaren Längen und dergleichen im einzelnen aus dem beigefügten Lageplan zu ersehen sind. Die Rangierabteilungen der Deutschen Bundesbahn befahren nur die Übergabe­gleise 1, 2 und 3 mit den zugehörigen Weichen A – E.
Die gesamte Anschlußanlage liegt in der Waagerechten. Im Anschluß werden die für die Anschließerin bestimmten Wagen bereitgestellt und abgeholt. Die Zustellgleise 2 und 3 haben eine nutzbare Länge von 182 m und 84 m. Sie dürfen von Bundesbahnlokomotiven nur bis zum Grenzzeichen der Weiche E befahren werden. Die Stellen sind durch Tafeln mit der Aufschrift „Halt für Bundesbahnlok“ gekennzeichnet. Das Abholgleis 1 ist 232 m lang. Dort ist keine Tafel mit der Aufachrift „Halt für Bundesbahnlok“ aufgestellt.
Es können im Anschluß gleichzeitig bis zu 20 Wagen zugestellt oder abgeholt werden.

§ 3
Sicherungseinrichtungen

Die doppelte Kreuzungsweiche 4 (Anschlußweiche A) wird vom Befehlstellwerk „Ggf“ aus bedient. Der Gleisanschluß ist durch die fernbediente Gleissperre II gegen das Streckengleus abgeriegelt. Das Einfahrsignal A kann nur auf Fahrt gestellt werden, wenn die Gleissperre II und die Weiche 4 c/d in der Grundstellung liegen und durch den zugehörigen Fahrstraßenhebel verschlossen sind.
Die Weiche 3 (Anschlußweiche B) ist auch an das Befehlsstellwerk „Ggf“ angeschlossen. Sie ist jederzeit bedienbar.
Die Anschlußweichen C – E sind Handweichen und werden vom Rangierleiter der Bedienungsfahrt nach Bedarf umgestellt.
Die übrigen Anschlußweichen (F – K) werden ausschließlich von Werksangehörigen der Anschließerin bedient.
Das Werksgelände der Anschließerln ist eingezäunt und mit einem 4,95 m breiten Tor versehen. Der Anschließerin obliegt das rechtaeitige Offnen, unfallfreie Festlegen und Schließen des Tores beim Zustellen und Abholen von Wagen. Der Bahnübergang „Fabrikstraße“ darf von Schienenfahrzeugen nur in Schritt­geschwindigkeit befahren werden, nachdem der Straßenverkehr durch einen vorausgehenden Werksangehörigen mit Glocke und rotweißer Fahne, nachts und bei unsichtigem Wetter durch 2 Werksangehörige mit je einer rotgeblendeten Laterne und einer Glocke gewarnt ist.

§ 4
Bedienungszeiten

Die Bedienungszeiten des Anschlusses – Zustellen der Wagen in den Anschlußgleisen 2 und 3 und Abholen der Wagen im Anschlußgleis 1 – sind im Bahnhofshedienungsplan des Bahnhofs Groß Gerau festgelegt. Sie werden der Anschließerin bei jedem Fahrplanwechsel bekanntgegeben. Zwischenzeitliche Änderungen und außerplanmäßige Bedienungen sind der Anschließerin durch den Bahnhof Groß Gerau mitzuteilen.

§ 5
Bedienungsfahrten

Der Anschluß wird von einer Rangierabteilung des Bahnhofs Groß Gerau bedient, Die Rangieraufsicht übt der Aufsichtsbeamte dos Bahnhofs Groß Gerau aus. Wird der Anschluß ausnahmsweise von der Lok eines Nahgüterzuges bedient, dann übt der Zugführer die Rangieraufsicht aus.

a) Zuführung:

Der Anschluß wird von den Gleisen 1, 3 oder 4 aus durch eine geschobene Rangierabteilung bedient. Vor der Abfahrt der Bedienungsfahrt ist die Zustimmung des Fahrdienstleiters einzuholen. Der Fahrdienstleiter erteilt die Zustimmung an den Rangierleiter mündlich oder durch Bahnhofs­fernsprecher, nachdem die Vorbedingungen für das Verkehren der Bedienungsfahrt erfüllt sind und die Rangierabteilung der Anschließerin die Übergabegleise geräumt hat. Die Lok schiebt die Wagen vorsichtig in das Anschlußgleis. Vor dem Befahren der Fabrikstraße hat die Rangierabteilung zunächst an der einfachen Weiche 3 (Anschlußweiche B) zu halten. Der Rangierleiter hat sich vor der Weiterfahrt zu überzeugen, daß der Bahnübergang frei und durch einen Werksangehörigen der Anschließerin (Pförtner) – wie in § 3 angeordnet – gesichert ist, das Eingangstor geöffnet ist und die Weichen C und D zu den beiden Zustellgleisen hin liegen. Die Lok schiebt dann in Schritt­geschwindigkeit die Wagen über den Bahnübergang und in die Übergabestellen; d.h. zunächst in das Anschlußgleis 2, wenn dies nicht ausreicht, werden Wagen auch im Anschlußgleis 3 abgestellt.
Vor dem Abkuppeln sind die Wagen durch Radvorleger und Anziehen vorhandener Handbremsen gegen unbeabsichtigte Bewegung festzulegen.
Bei der geschobenen Rangierabteilung muß sich stets ein Rangierbediensteter (bei Einmannbesetzung der Rangierleiter) auf dem ersten Wagen befinden. Er muß bei Dunkelheit und unsichtigem Wetter außer der Signalpfeife eine hellbrennende Handlaterne mit sich führen. Er hat ferner auf die Fahrbahn zu achten und Personen in und an den Anschlußgleisen zu warnen.
Die Wagen werden von und zu den Übergabestellen und in den übrigen Anschlußgleisen durch die Anschließerin bewegt. Sie verwendet hierfür eine werkseigene Motorlok. Die Wagen müssen vorsichtig bewegt werden, daß Verletzungen ven Menschen und Sachbeschädigungen vermieden werden.

b) Abholung:

Die abzuholenden Wagen stellt die Anschließerin im Anschlußgleis 1 bereit. Die Lok fährt vom Grenzzeichen der Weiche E zurück bis vor die Spitze der Weiche D und nach Umstellen der Weiche in das Abholgleis.
Vor dem Heranfahren an die abzuholenden Wagen hat sich der Rangierleiter davon zu überzeugen, daß sie – wie in § 7 vorgeschrieben – durch Radvorleger und Anziehen der vorhandenen Handbremsen festgelegt sind. Nochdem die Rangierabteilung gekuppelt ist und die Bremsschläuche verbunden sind, entfernt der Rangierleiter die Radvorleger und löst die angezogenen Handbremsen. Anschließend zieht die Lok vorsichtig bis an das Eingangstor vor. Die Rückfahrt in den Bahnhof darf nur mit Zustimmung des Fahrdienstleiters ausgeführt werden.
Diese wird dem Rangierleiter fernmündlich übermittelt. Aus diesem Grund ist in Höhe des Grenzzeichens der Weiche 3 (Anschlußweiche B) an gut zugänglicher Stelle ein Außenfernsprecher angebracht, der in den Bahnhofs-Fernsprechkreis eingeschaltet ist. Nachdem der Fahrdienstleiter die Zustimmung für die Rückkehr der Rangierabteilung gegeben hat, der Bahnübergang „Fabrikstraße“, wie in § 3 vorgeschrieben, gesichert ist und die Weichen 3 und 4 c/d für die Fahrt aus dem Anschluß liegen, fährt die Rangierabteilung in den Bahnhof zurück. Sobald der Anschluß geräumt ist, legt der Wärter vom Befehlstellwerk „Ggf“ die Gleissperre II und die Weichen 3 und 4 c/d wieder in Grundstellung.

§ 6
Beleuchtung der Weichen und Gleissperren

Die Weichen 3 und 4 (Anschlußweichen B und A) und die Gleissperre II sind mit Rückstrahl-Weichen bzw Gleissperr­signalbildern ausgerüstet. Sie brauchen daher nicht beleuchtet zu werden. Die Handweichen C – K haben keine Weichensignalbilder.

§ 7
Handbremsen

Die gesamte Anschlußanlage liegt in der Waagerechten. Eine von einer Lok bewegte Rangierabteilung ohne bediente Wagenbremse darf bis zu 24 Achsen stark sein. Ist die Wagengruppe stärker und nicht luftgebremst, so muß für je 28 Achsen eine Handbremse bedient werden. Abstoßen von Wagen in den Anschluß ist verboten. Die in den Anschlußgleisen abgestellten Wagen sind gegen unbeabsichtigte Bewegung durch Handbremsen oder Kuppeln mit gebremsten Wagen und durch Radvorleger, die die Anschließerin in genügender Anzahl bereitzuhalten hat, festzulegen.

§ 8
Vorschriften für die Sicherung des Personals

In und in unmittelbarer Nähe der Anschlußgleise dürfen keine Gegenstände herumliegen, durch die das Bedienungspersonal behindert oder gefährdet werden kann. Die Anschließerin ist für die Freihaltung der Fahrbahn und der Gehwege verantwortlich.

[Es folgen Teil II, der allgemeinerer Art ist, und der Lageplan.]

Helvetia Conservenfabrik.

Bild 9: Ansicht der Helvetia Conservenfabrik auf einer Ansichtskarte der in Dresden-Blasewitz beheimateten Graphischen Verlags-Anstalt. Aufnahme sicher vor dem Ersten Weltkrieg, aufgrund der Schreibweise vielleicht auch vor 1900. Das hier vorliegende Exemplar wurde vermutlich von einem französischen Besatzungs­soldaten zwischen 1919 und 1930 beschrieben.

Faulstroh / Fagro

Gleisplan.

Abbildung 10: Gleisanschluß des Preß- und Stanzwerks Faulstroh 1955 (später Fagro).

Deutsche Bundesbahn

Bedienungsanweisung

für das Gleis 15 (Rampengleis und Ladestelle) der Firma Jakob Faulstroh, Preß- und Stanzwerk im Bahnhof Groß Gerau
– gültig ab 1.2.1955 –

Aufgestellt: Darmstadt, den 24.1.55

[…]

§ 1
Allgemeines

Die Firma Jakob Faulstroh, Preß- und Stanzwerk in Groß Gerau, unterhält neben dem Rampengleis (Gleis 15) des Bahnhofs Groß Gerau einen Lagerplatz mit Ladestelle. Für die Ver- und Entladung der Stahl-, Eisen- und Schrottsendungen verwendet die Firma z Zt einen Bockkran mit 15,50 m lichter Höhe. Dieser Kran soll später durch einen Brückenkran mit Laufkatze auf einer 4,80 m hohen Kranbahn ersetzt werden. In beiden Fällen reichen die Krankonstruktionen über das Gleis 15 hinaus, so daß bei der Bedienung des Rampengleises zusätzliche betriebliche Anordnungen erforderlich worden und zu beachten sind.

§ 2
Lage, Beschreibung und Zweck der Ladestelle

Die Ladestelle liegt nördlich des Gleises 15 und schließt sich in östlicher Richtung an die jetzt 32 m lange Seitenrampe des Bahnhofs Groß Gerau an (siehe beigefügten Lageplan). Sie ist insgesamt 567 qm groß. Der Platz ist gepflastert. Parallel des Gleises 15 verläuft die 27,50 m lange Schienenbahn eines Montage-Bockkranes, der eine Spurweite von 15 m und eine Tragkraft von 10 t hat. Die Gleitbahn der Laufkatze befindet sich 15,50 m über der Schienenoberkantc und reicht bis über das Gleis 15. Der Kran wird von Werksangehörigen der Firma Faulstroh bedient, die hierfür besonders geprüft sind.
Die Wagen für die Firma Faulstroh werden im Gleis 15 (Rampengleis) bereitgestellt, das insgesamt 115 m lang ist und von Westen her in der fernbedienten Weiche 8 a/b und von Osten her in der handbedienten Weiche 9 aus dem Abstellgleis 11 abzweigt.
Am Gleis 15 liegt außerdem noch der Lagerplatz der Bahnmeisterei Groß Gerau.
Die Verladeanlage dient der Ver- und Entladung von Stahl-, Eisen- und Schrottsendungen der Fa Jak. Faulstroh, Preß- und Stanzwerk in Gr Gerau.

§ 3
Sicherung der Ladestelle

Nach dem Zuführen und Abholen von Wagen ist das Gleis 15 abzuriegeln; westlich durch die fernbediente Weiche 8 a/b, deren Stellhebel in Grundstellung mit einer Hilfssperre festzulegen und östlich durch die ortsbediente Weiche 9, die in Grundstellung mit einem Handschloß zu verschließen ist.
Der Schlüssel dieses Schlosses wird beim Aufsichtsbeamten am Brett aufbewahrt. Die Hilfssperre am Hebel der Weiche 8 a/b und das Weichenschloß an der Weiche 9 dürfen nur zum Bedienen des Gleises 15 entfernt werden.
Die Fa Faulstroh ist verpflichtet, dafür zu sorgen, daß sich die Laufkatze mit Transporthaken zwischen den beiden Kranschienen außerhalb des freizuhaltenden Regellichtraumes des Gleises 15 befindet, solange an der Ladestelle keine Wagen zur Be- oder Entladung bereitstehen.

§ 4
Bedienungszeiten

Die Bedienungszeiten der Ladestelle sind in Ladefristenplan des Bahnhofs Groß Gerau festgelegt, Sie werden der Firma bei jedem Fahrplanwechsel bekanntgegeben.
Zwischenzeitliche Änderungen und außerplanmäßige Bedienungen sind dem Lagerplatzinhaber rechtzeitig durch den Bahnhof Groß Gerau mitzuteilen.

§ 5
Bedienung

Die Ladestelle wird in der Regel von der Lok und dem Zugbegleitpersonal der planmäßigen Nahgüterzüge bedient. Die Rangieraufsicht übt dabei der Zugführer aus; Rangierleiter ist ein vom Zugführer bestimmter Zugschaffner. Die Bedienung der Ladestelle darf nur mit Zustimmung des Fahrdienstleiters ausgeführt werden. Diese Zustimmung ist dem Rangierleiter persönlich oder durch Vermittlung des Aufsichtsbeamten zu erteilen. Das gleiche gilt auch, wenn Wagen für die Bahnmeisterei Groß Gerau im Gleis 15 bereitgestellt oder von dort abgeholt werden.
Vor der Bedienung des Rampengleises sind die Hilfssperre an dem Hebel der Weiche 8 a/b und das Weichenschloß aus der Weiche 9 zu entfernen.
Die Wagen für die Fa Faulstroh werden in der Regel von Westen her über die Weiche 8 a/b zugestellt und abgeholt. Befinden sich Wagen an der Ladestelle und soll das Gleis noch zur Abstellung von Wagen auf der westlichen Seite für die Bahnmeisterei benutzt werden, so hat sich der Rangierleiter vor der Zustellung davon zu überzeugen, daß hierfür noch genügend Platz vorhanden ist. Die Wagen sind vorsichtig in das Gleis zu rangieren. Etwa dort arbeitende Werksangehörige der Fa Faulstroh sind rechtzeitig aufzufordern, ihre Arbeit einzustellen und die Türen der angeladenen Wagen zu schließen. Der Rangierleiter hat sich davon zu überzeugen, daß der Regellichtraum des Gleises frei ist; d.h. der Zughaken des Krans muß sich in genügender Höhe und abseits vom Gleis 15 befinden.
Das Abstoßen von Wagen in das Rampengleis ist grundsätzlich verboten.
Die an der Ladestelle abgestellten Wagen sind mit Radvorleger festzulegen, etwa vorhandene Handbremsen sind anzuziehen. Bei allen abgestellten Wagen müssen die Luftschläuche in den Schlauchhaltern liegen und die Lufthähne verschlossen sein, damit kein Staub und keine Fremdkörper in den Bremsapparat gelangen können. Bei Wagen, die abgeholt worden, ist auf evtl. Beschädigungen zu achten.
Die Radvorleger sind von der Fa Faulstroh zu beschaffen und an der Ladestelle vorzuhalten.

§ 6
Vorschriften für die Sicherung des Personals

Die Ladestelle ist bei Dunkelheit und unsichtigem Wetter ausreichend von der Firma zu beleuchten. Im oder in der Nähe des Ladegleises dürfen keine Gegenstände umherliegen, durch die das Bedienungspersonal bei seiner Dienstausübung behindert werden oder verunglücken kann. Die Firma ist für die Freihaltung der Fahrbahn und der Gehwege im Bereich ihres Lagerplatzes verantwortlich.

Lok 151 116 vor Fagro in Groß-Gerau.

Bild 11: Herbert Wambold fotografierte die Güterzug­lokomotive 151 116 vermutlich 1980 auf dem Bahnhof von Groß-Gerau. Im Hintergrund steht das Werksgelände der Fagro.

Die Frigoropa (Frigoscandia)

Gleisplan.

Abbildung 12: Gleisanschluß der Frigoropa 1965.

Dienstanweisung für die Bedienung dos Privatgleisanschlusses der FRIGOROPA Tiefkühlung GnbH Groß Gorau

Anschlußbahnhof Groß Gerau
(zu § 21 der PAB vom 1.1.55)
– Gültig vom 1.7.65 an –
Aufgestellt Darmstadt, d[en] 16.6.65

[…]

A. Allgemeine Bestimmungen

1. Lage des Anschlusses
Der Privatgleisanschluß der Firma FRIGOROPA Tiefkühlung GnbH liegt im Industriegebiet der Kreisstadt Groß Gerau an Ostende des Bahnhofs Groß Gerau nördlich der Strecke Mainz – Damstadt. Er zweigt in km 20,2 in der ortsgestellten Anschlußweiche 50 aus dem Rangier- und Abstellgleis 11 ab.

2. Beschreibung des Anschlusses
Der Privatgleisanschluß beginnt in der ortsgestellten Anschlußweiche 50, verläuft in einen Gegenbogen und anschliessend in einem Rechtsbogen in östlicher Richtung, kreuzt einen Feldweg und endet nach etwa 90 m an einen Prollbock. Der Bahnübergang ist technisch nicht gesichert. An Prellbock ist ein nicht beleuchtbares Sh 0-Signal (Fornsignal) vorhanden.
Die stärkste Neigung in Anschluß beträgt 1:267, cler kleinste Halbnesser ist 140 m. Vor den Kühlhaus der Firma FRIGOROPA Tiefkühlung GnbH befindet sich eine Seitenrampe (Kantenlänge = 40 m). Die letzten 113 m des Anschlußgleises liegen horizontal (1:∞). Dort befindet sich die Übergabestelle.

B. Betriebliche Bestimmungen

1. Allgemeines

a) Der Anschluß wird nach dem jeweils gültigen Bahnhofs­bedienungsplan des Bahnhofs Groß Gerau bedient. Die Bedienungszeiten werden dem Ansohließer bei jedem Fahrplanwechsel durch den Bahnhof Groß Gerau bekanntgegeben.

b) Außerplanmäßige Bedienungsfahrten sind von den Anschließer rechtzeitig bei der Güterabfertigung oder bein Fahrdienstleiter Groß Gerau zu beantragen, bzw dem Anschließer rechtzeitig durch die Güterabfertigung oder den Fahrdienstleiter mitzuteilen. Ob außerplanmässigu Bedienungsfahrten betrieblich möglich sind, entscheidet in jedem Falle der Fahrdienstleiter des Bahnhofs Groß Gerau.

c) Der Anschluß wird durch Rangierfahrtan vom Bahnhof Groß Gerau aus bedient und zwar in der Regel durch die Kleinlok des Bahnhofs Groß Gerau. Die Rangieraufsicht übt grundsätzlich der Fahrdienstleiter des Bahnhofs Groß Gerau aus. Während der Bedienungsfahrten und bei den Rangierarbeiten in Anschluß wird die Rangieraufsicht vom Rahgierleiter mitversehen.
Die Rangierkolonne (Rangierleiter und Rangierbedienstete) stellt der Bahnhof Groß Gerau.

d) Zur Sicherung der an der Übergabestelle abgestellten Wagen sind vom Anschließer Radvorleger und Hemmschuhe vorzuhalten, die in unmittelbarer Nähe dieser Gleise an gut sichtbaren Ständern aufzubewahren sind.

e) Bei der Bedienung des Anschlusses wird ein technisch nicht gesicherter Feldweg-Bahnübergang befahren. Der Bahnübergang ist durch Andreaskreuze gekennzeichnet.

Der Bahnübergang ist bein Befahren durch Bundosbahn-Rangierabteilungen wie folgt zu sichern:

I. Der Bahnübergang ist durch Posten oder Rangierleiter so zu sichern, daß der Bedienstete sich mit der Brust oder dem Rücken dem Straßenverkehr zugewendet gut sichtbar auf den Bahnübergang aufstellt und die Zeichen

Anhalten

Hochheben eines ausgestreckten Armes

und „Halt

seitliches Ausstrecken eines Armes od[er] beider Arme gibt.
Die Zeichen sind bei Dunkelheit mit rot geblendeter Laterne möglichst gleichzeitig nach beiden Straßenrichtungen zu geben. Die Tageszeichen werden deutlicher aufgenommen, wenn die rot-weiße Flagge benutzt wird.
Muß der Bedienstete den Straßenverkehr aus beiden Richtungen anhalten, so hat er das zuerst angehaltene Fahrzeug, wenn nötig mündlich, zun weiteren Halten bis zur Vorbeifahrt der Rangiarabteilung aufzufordern, ehe er sich der anderen Seite des Bahnübergangs zuwendet.
Das „Halt“-Zeichen ist solange zu geben, bis das erste Schienenfahrzeug den Bahnubergang befahren hat. Anschließend verläßt er den Bahnübergang, ohno das Zeichen „"Straße frei“ zu geben.

II. Wo der Kleinlokomotivbediener allein rangieren muß, der Bahnübergang also nicht durch Posten gesichert werden kann, darf die Rangierabteilung nur nach vorherigem Halten vor dem Bahnübergang und nach wiederholtem Geben des Achtungs-Signals den Bahnübergang nit Schrittgeschwindigkeit befahren, wenn dies ohne Gefährdung des Straßenverkehrs möglich ist.

f) Besondere Leistungen (z B Wiegen von Wagen) sind vom Anschließer bei der Güterabfertigung Groß Gerau vorher zu beantragen.

g) Der Anschließer hat alle Beschädigungen von Eisenbahnfahrzeugen, die auf die Bundesbahn übergehen sollen, sowie alle Entgleisungen dieser Fahrzeuge auf dem Anschluß, auch wenn sie ohne erkennbare Beschädigung verlaufen sind, zu melden. Die Meldung ist unverzüglih, und jedenfalls vor der nächsten Rückgabe der Eisenbahnfahrzeuge dem Dienstvorsteher des Bahnhofs Groß Gerau zu erstatten. Für die Untersuchung beschädigter Wagen ist das Bahnbetriebswerk Mainz-Bischofsheim zuständig. Beschädigte lauffähige Guterwagen sind dem Bahnhof Mainz-Bischofsheim zuzuleiten.

h) Unfälle und Unregelmäßigkeiten bei der Anschlußbedienung hat der Rangierleiter sofort fernmündlich oder mündlich dem Fahrdienstleiter des Bahnhofs Groß Gerau zu melden.

2. Vorbereitung der Bedienungsfahrt

a) Die Bedienungsfahrten werden in den Rangiergleisen des Bahnhofs Groß Gerau zusammengestellt. Die den Anschluß zuzustellenden Wagen sind vom Rangierleiter auf etwaige Beschädigungen zu untersuchen. Festgestellte Beschädigungen sind sofort der Güterabfertigung Groß Gerau zu melden.

b) Bei der Verwendung von Kleinlok für die Anschlußbedienung ist die zulässige Anhängelast aus der Schlepplastentafel im Führerstand der Kleinlok zu ersehen. Sonst dürfen Rangierabteilungen ohno bediente Wagenbrense bis zu 28 Achsen stark sein (größte Neigung 1:267).

3. Zuführung

Der Anschluß wird vom Bahnhofsgleis 11 aus durch eine geschobene Rangierabteilung bedient, Zuvor hat der Rangierleiter den Schlüssel für die Gs V bein Wärter des Stellwerks „Go“ zu holen. Er schließt mit diesen Schlüssel das Schloß „Gs V“ an der Gleissperre auf, legt die Gleissperre ab und verschließt sie mit dem Schlüssel, der in dem zweiten Schloß an der Gs steckt, Der Schlüssel wird dadurch frei. Mit diesem Schlüssel wird nun die Weiche 50 aufgeschlossen und kann umgestellt werden. Die Wagen sind in Schritt­geschwindigkeit in den Anschluß bis an die Übergabestelle zu schieben. Bei der geschobenen Rangierabteilung muß sich stets auf den ersten geschobenen Wagen ein Rangierer befinden.
Ggf muß er der Rangierabteilung vorausgehen. Der Ranglerer muß bei Dunkelheit und bei unsichtigem Wetter außer der Signalpfeife eine hellbrennende Handlaterne mit sich führen. Er hat auf das Freisein der Fahrbahn zu achten und Personen in unmittelbarer Nähe des Gleises zu warnen. Das Abstoßen und Ablaufenlassen von Wagen in den Anschluß ist verboten.
Die Übergabestelle ist bei Dunkelheit durch den Anschließer ausreichend zu beleuchten. Der tochnisch nicht gesicherte Bahnübergang im Anschluß ist nach B. 1) e) zu bewachen.

4. Aufenthalt im Anschluß, Übergabe und Übernahme der Wagen, Rückfahrt

a) Die angebrachten Wagen sind vor dem Abkuppeln durch Radvorleger und durch Anziehen vorhandener Handbremsen gegen unbeabsichtigte Bewegung festzulegen.

b) Die dem Anschluß zuzustellenden und aus ihm abzuholenden Wagen sind vom Rangierleiter unter Hinzuziehung des vom Anschließer der Güterabfertigung Groß Gerau benannten Werksangehörigen auf etwaige Schäden zu untersuchen. Festgestellte Beschädigungen sind der Güterabfertigung Groß Gerau zu melden. Soweit Schäden nicht gemeldet werden, gelten die Wagen als vom Anschließer unbeschädigt übernommen.

c) Bei den abzuholenden Wagen hat der Ladeschaffner der Güterabfertigung Groß Gerau außerdem die gleichmäßige Verteilung der Lasten, die Einhaltung des Lademaßes und den Verschluß der Wagentüren zu prüfen.
Hierbei sind die Bestimmungen in Teil I der Güterbeförderungsvorschriften über die Übergabe der Güter auf den Bestimmungsbahnhof, die Bereitstellung der angekommenen Wagen und die Beladung durch den Absender genau zu beachten.

d) Vor dem Heranfahren an die abzuholenden Wagen hat sich der Rangierleiter davon zu überzeugen, daß sie durch Radvorleger und ggf angezogene Handbremsen gesichert sind. Nachden die Rangierabteilung gekuppelt ist und die Bremsschläuche verbunden sind, entfernt der Rangierleiter die Radvorleger und löst die angezogenen Handbremsen. Die Radvorloger sind an den vorgeschriebenen Aufbewahrungsort zu bringen.

e) Anschließend zieht die Rangierabteilung in Schrittgeschwindigkeit aus dem Anschluß, wobei der technisch nicht gesicherte Bahnübergang wie bereits unter B. 1) e) beschrieben zu bewachen ist.

f) Sobald die Rangierabteilung den Anschluß verlassen hat, wird die Weiche 50 umgestellt und verschlossen. Der Schlüssel wird dadurch wieder frei. Mit diesem Schlüssel wird nun wiederun die Gs V aufgeschlossen. Sie ist aufzulegen und mit den Schlüssel in Schloß „Gs V“ zu verschließen. Der Schlüssel wird abgezogen und dem Wärter des Stellwerkes „Go“ zurückgebracht.

C. Verkehrsdienstliche Bestimmungen

1. Der Ein- und Ausgang der Wagen ist von der Güterabfertigung Groß Gerau an Hand des Wagen­kontrollbuches zu überwachen.

2. Die Ladefristen sind im Benehmen mit dem Anschließer im Ladefristenplan der Güterabfertigung Groß Gerau festzulegen. Die Zeit von 7.00 Uhr bis 18.00 Uhr ist stets auf die Ladefristen anzurechnen.
Von 18.00 Uhr bis 7.00 Uhr zählen nur die Stunden mit, in denen das Werk arbeitet.

3. Die abzuholenden Wagen sind vom Zugabfertiger der Güterabfertigung Groß Gerau zu bezetteln und zu verbleien.

4. Alte Kreideanschriften und Bezettelungen sind vor Zuführung der Wagen von der Güterabfertigung Groß Gerau (Wagendienst) zu entfernen. Bei beladen eingehenden Wagen ist je ein Hauptzettel im Zettelhalter zu belassen.
Bei abzuholenden Wagen entfernt der Anschließer alte Kreideanschriften und Bezettelungen. Die Güterabfertigung Groß Gerau achtet darauf, daß dies geschehen ist.

5. Unter Zollüberwachung stehende Wagenladungen sind dem Zollamt Darmstadt zu gestellen, bevor sie dem Anschluß zugeführt werden.

6. Die Begleitpapiere zu Versandladungen sind vom Anschließer der Güterabfertigung Groß Gerau rechtzeitig zu überbringen. Die Frachtbriefe zu Enpfangsladungen holt der Anschließer bei der Güterabfertigung Groß Gerau ab.

7. Bahneigene Lademittel, die sich auf beladen übergebenen Wagen befinden, sind sofort nach Entladung am Güterschuppen der Güterabfertigung Groß Gerau zurückzugeben.

8. Im Anschluß entladene Wagen – mit Ausnahne der entseuchungspfllchtlgen – sind gereinigt – besenrein – zurückzugeben. Nägel, Drahtreste usw sind vom Anschließer zu entfernen. Ungereinigt zurückgegebene Wagen werden auf Kosten des Anschließers von der Bundesbahn gereinigt.

D. Bestimmungen, die der Anschließer zu beachten hat

1. Der Anschließer hat dafür zu sorgen, daß die Übergabestelle zu den Zeiten der Anschlußbedienung freigehalten wird, Rangier- und sonstige Arbeiten in der Nähe des Gleises während der Bedienung eingestellt werden, Leute, die im Bedienungsbereich an oder in Wagen tätig sind, die Wagen verlassen und von ihnen zurücktreten, bei Lagerung von Gegenständen an dem Anschlußgleis ein Abstand von mindestens 1,50 m in geraden und 1,80 m in gekrümmten Gleisstrecken vom nächstgelegenen Schienenstrang gewahrt wird.
Gegenstände in der Nähe des Gleises so gelagert sind, daß sie nicht in Bewegung geraten können und die vorgeschriebenen Abstände nicht unterschritten werden.

2. Wenn der Anschluß bei Dunkelheit bedient wird, hat der Anschließer dafür zu sorgen, daß die Beleuchtung rechtzeitig eingeschaltet wird.

3. Der Anschließer ist dafür verantwortlich, daß Schnee und Eis sowie Pflanzenwuchs und andere Behinderungen aus den Gleis, den Schutzanlagen und Spurrillen beseitigt und die erforderlichen Rangierwege begehbar gehalten worden.

4. Für die Sicherung stillstehender Fahrzeuge hat der Anschließer Radvorleger in ausreichender Anzahl bereitzuhalten.

E. Schlußbestimmungen

Die Bedienungsanweisung tritt an 1.7.65 in Kraft.

[Es folgt der Lageplan.]

Was sonst?

Neben der Ölfabrik, der Zuckerfabrik, der Helvetia, der Fagro und Frigoropa gab es noch einen Anschluß für ein Quelle-Versandlager zwischen dem Stanzwerk und der Frigoropa am Gerauer Bahnhof. In Dornberg kam in den 1960er Jahren noch der Gleisanschluß für Poclain dazu. Heute wird ein Ladegleis durch einen Autologistiker genutzt. [3]

Was noch beizusteuern wäre: Eine Kurzgeschichte des Groß-Gerauer Bahnhofs. Die Geschichte der vier hier angeschlossenen Firmen Helvetia, Südzucker, Faulstroh/Fagro und der noch existenten Frigoropa. Bilder von den Bahnhofsanlagen, Stellwerken, Firmengebäuden und ihren Gleisanschlüssen. Bilder der Übergaben, evtl. auch von der in der Dienstanweisung angesprochenen Bahnhofskleinlok (selbige versteckt hier).


Literatur

Fotografien

Anmerkungen

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