Bahnhofsbild.
Der Bahnhof in Seitschen
Walter Kuhl
Der Bahnhof von Seitschen.
Der Bahnhof.
Ein Schuppen am Bahnhof von Seitschen.
Ein Schuppen.
Die Bahnhofsrestauration.
Die Bahnhofsrestauration.
Bewegung im Bahnhof.
Auf der Durchreise.
Wegestein.
Wegestein in Seitschen.

Der Bahnhof in Seitschen.

1846 eröff­nete die Säch­sisch-Schlesi­sche Eisen­bahn­gesell­schaft die Station Seitschen (sorbisch: Žičeń) an der Strecke von Dresden nach Gör­litz. 160 Jahre später ver­ließ der letzte Fahr­dienst­leiter das Stations­ge­bäude, einige Jahre später wurde es auf einer Auktion in Dresden ver­steigert.

Wegesteine in Panschwitz-Kuckau, Crostwitz und Puschwitz

Eine unvoll­ständige Samm­lung von Relik­ten am Weges­rand

Die Oberlausitz bestand zu Beginn des 19. Jahr­hunderts wie die meisten Gegenden Deutsch­lands aus ziemlich vielen kleinen Dörfern und Weilern. Als regionale Besonder­heit mag die Namens­ähnlich­keit mancher dieser Ort­schaften gelten, obwohl sie im Sorbischen sicher differenter geklungen haben. So liegt Siebitz in der Nähe von Stiebitz, und es gibt noch ein weiteres Siebitz Richtung Kamenz. Loga bei Luga, Stacha nicht weit entfernt von Storcha, Birkau in Reich­weite von Burkau; und auch Ausch­kowitz und Drausch­kowitz laden zum Fehl­hören ein. Dann gibt es noch drei Canne­witze zwischen Kamenz und Bautzen und die Farben­dörfer Roth­naußlitz, Weiß­naußlitz und Schwarz­naußlitz, aber seltsamer­weise nicht Blau­naußlitz oder Gelb­naußlitz. Da bedurfte es einer klaren Orientierung.

Einst müssen im heutigen Land­kreis Bautzen Hunderte dieser Steine gestan­den haben. Und auch heute sind noch derart viele Exemplare vor­handen, daß es notwendig wird, die Steine­sammlung auf dieser Web­seite zu unter­teilen. Daher finden sich hier die Wege­steine in den benach­barten Gemein­den Pansch­witz-Kuckau, Crost­witz und Pusch­witz. Diese Zusammen­stellung ist nicht in allen Gemein­den voll­ständig; sie umfaßt die Steine, die sich in der Nähe der Gemeinde Göda auf­suchen ließen.

Die Angabe bedeutet, daß der Wege­stein nicht auf der Liste der Kultur­denkmale zu finden ist. 

»»  Auf der Haupt­seite zu den Wege­steinen gibt es ein ausführ­liches Vorwort.

»»  Julian Nyca hat – wohl abge­schlosen im Novem­ber 2019 – 78 Bilder von sehr verschieden­artigen Wege- und anderen Steinen auf Wiki­media Commons hoch­geladen. Dies ist eine schöne Ergän­zung aus Gegenden, in denen ich noch nicht gewesen bin oder zu denen ich viel­leicht auch nicht hinge­langen werde.

Meine eigenen Aufnahmen ent­standen, wenn nicht anders angegeben, 2023 und 2024.

Crostwitz

Caseritz / Kozarcy

Bei Ziegen(hirt)dorf trafen sich die Wege von Pansch­witz nach Räckel­witz und von Nebel­schütz nach Crost­witz.

Wegestein bei Caseritz.

Der grobe Klotz mit stark verwit­terten Buch­staben gibt den Weg noch in Stunden an. An der West­seite ist Caseritz und wohl Elstra zu erahnen. Die einge­prägte Jahres­zahl 1854 habe ich nicht ge­funden, aber das wird an mir liegen.

Crostwitz / Chrósćicy

Im und nahe beim Hauptort stehen drei Wegesteine.

Wegestein in Crostwitz.

Am westlichen Ende der Hornig­straße steht ein ziem­lich altes Exemplar, das die Ent­fernung noch in Wege­stunden angibt. Auf der Vorder­seite wird der Ort Crost­witz ange­zeigt, auf der linken Seite geht es nach [?]men­stein, Elstra und Schwein­erden, auf der rechten nach Höflein und Camenz.

Wegestein bei Crostwitz.

Wenige hundert Meter nörd­lich von Crost­witz gabelt sich die Straße nach Ralbitz und Horka. Dort steht ein Wege­stein und nebenan ein Betkreuz. An der Ostseite des Steins sind noch Spuren von Horka und Königs­wartha zu erkennen. Neben Räckel­witz werden an der West­seite Naus­litz und Wittiche­nau genannt. An der Südseite lesen wir den Stand­ort: Crost­witz. Die Nord­seite scheint unbe­schrieben geblie­ben zu sein.

Wegestein Detail Westseite.
Wegestein Detail Ostseite.

Selbst in der Detail­ansicht gehört viel Phan­tasie und Orts­kunde dazu, Schrift­zeichen sinn­voll zuzu­ordnen.

Wegestein bei Crostwitz.

Weiter Richtung Ralbitz erscheinen bald darauf links ein soge­nannter Bild­stock und ein Wege­stein. Der Stein gibt uns keine Namen mehr preis.

Horka / Hórki

An der Straße nach Neudörfel und an der südlichen Gemarkungs­grenze zu Crost­witz steht je ein Wege­stein.

Wegestein bei Horka.

Dieses mit Löchern ver­sehene Exem­plar müßte der Wege­stein sein, der auf älteren Meßtisch­blättern auf dem höchsten Punkt der Straße von Horka nach Räckel­witz mit dem Abzweig nach Gränze einge­zeichnet ist.

Wegestein bei Horka.

Der Stein war vermutlich nur auf der West­seite nicht be­schriftet. Buch­staben­spuren sind auf der Südseite auszu­machen, ohne daß ich daraus einen Ort erraten könnte.

Nucknitz / Nuknica mit Kopschin / Kopšin

Zur Gemarkung Nucknitz zählt auch Kopschin. An der ver­gleichs­weise schmalen Straße von Stacha nach Crost­witz steht zwischen den Auf­fahrten nach Nuck­nitz und Kopschin ein interes­santes Exemplar eines Wege­steins. Fährt frau oder man von dort hoch nach Kopschin und daran vorbei, findet sich ober­halb des Ortes noch ein Stein.

Wegestein bei Nucknitz und Kopschin.

Der Stein ist nur auf der Vorder­seite beschriftet. Nach links geht es „rechts ab“ nach Nuck­nitz, zudem nach Storcha und Bautzen. Nach rechts geht es „rechts ab“ nach Prautitz, „links ab“ nach Kopschin, zudem nach Krost­witz und Kamenz. Die Entfer­nungen sind in Wege­stunden ange­geben.

Wegestein in Kopschin.

Am Wegesrand von Kopschin nach Lehn­dorf steht nicht nur ein Wege­stein, sondern auch ein regional­typisches Betkreuz. Vermut­lich stand auf dem Stein einst die Entfern­ung nach Lehn­dorf oder Siebitz, viel­leicht auch an weiter ent­fernte Orte. Doch jede Erinne­rung daran ist abge­waschen. Ober­halb des Telefon­masten schwebt ein kleiner Flug­saurier.

Eher fraglicher Wegestein in Kopschin.

Als ich das ertste Mal nach Kopschin kam, habe ich dieses Exem­plar auf dem Dorf­platz für einen Wege­stein gehalten. Doch welchen Zweck mag dieser Stein er­füllt haben oder gar noch erfüllen?


Panschwitz-Kuckau

In Panschwitz-Kuckau befinden wir uns im sorbischen Kern­siedlungs­gebiet.

Cannewitz / Kanecy

Nicht zu verwechseln mit Cannewitz bei Bischofs­werda oder Canne­witz bei Malsch­witz. An den Ortsrändern dieses Canne­witz stehen zwei Wege­steine.

Wegestein in Cannewitz.

An der Kreuzung der Straßen und Wege von Schwein­erden nach Ostro und von Siebitz ins Dorf hinein steht der eine Wege­stein. Zum Zeit­punkt der Aufnahme fand eine feierliche Versamm­lung ober­halb des Dorfes statt und jeder nur erdenk­liche Park­platz in unmittel­barer Nähe war belegt. Die hier sicht­bare West­seite zeigt nach Schwein­erden und Ostro. Die Straße linker­hand geht als Feldweg weiter nach Neuhof, was an der Nord­seite ange­zeigt wird. Die beiden anderen Seiten sind nicht be­schriftet.

Wegestein in Cannewitz.

An der westlichen Ausfahrt steht der andere Wege­stein. Er ist allein nach Marien­stern als Sitz der Grund­herrschaft ausge­richtet, alle anderen Seiten scheinen nie genutzt worden zu sein, obwohl ein Weg auf den Hügel hinter dem Stein zu einem west­licher gele­genen Dorf ge­führt hat. Die Fläche der Ostseite des Steins wurde von mir aufge­hellt.

Glaubnitz / Hłupońca

In Glaubnitz stehen zwei Wegesteine.

Wegestein in Glaubnitz.

Auf der Südseite ist bei passen­den Licht­verhält­nissen der Pfeil nach Säuritz recht gut zu er­kennen. Mehr nicht.

Wegestein in Glaubnitz.

Auf der Westseite geht es nach Kasch­witz, auf der Südseite nach Bocka, beides in Bruch­teilen einer Stunde. Die anderen beiden Seiten sind unbe­schrieben geblieben.

Jauer / Jawora

Auf halbem Weg zwischen Ostro und Pansch­witz geht links eine Stich­straße in das Dorf Jauer ab.

Wegestein bei Jauer.

Dieser Stein verrät und sein Aufstell­datum mit 1831. Die Kopf­stein­pflaster­alee hat noch nicht die blühende Land­schaft aus Asphalt und Beton abbe­kommen.

Kaschwitz / Kašecy

In Kaschwitz gab es wohl einmal zwei Wege­steine. Einer ist noch da.

Wegestein in Kaschwitz.

Der Wegestein soll 1848 aufge­stellt worden sein. Folg­lich waren die Wegan­gaben in Stunden ange­geben. Die beiden Felder auf der Nord- und Ost­seite führen nach Gödlau bzw. nach Säuritz und Ostro. Alle drei Orts sind in einer halben Stunde zu erreichen.

Kuckau / Kukow

Auf der Gemarkung Kuckau befinden sich zwei noch erhaltene Wege­steine.

Wegestein in Kuckau.

Am Rande des Gutshofs des einstigen lokalen Aus­beuters stehen ein­trächtig ein Wege­stein, ein Betkrauz und ein Gefallenen­denkmal. Letzteres werden wir dem­nächst wieder benö­tigen, weil unsere Eliten den Krieg gegen den großen Rivalen in Fernost mit vorbe­reiten. Zur Zeit ist das Reich des Bösen noch etwas näher behei­matet. Das Betkreuz mag dabei helfen, die Toten zu bedauern. Auf dem Stein selbst finden wir an der Südwest­seite den Hinweis nach Höflein und Crost­witz und an der Nordwest­seite den Weg nach Marien­stern, und zwar in Stunden ange­geben. Die beiden anderen Seiten scheinen nie be­schriftet gewesen zu sein.

Wegestein an der Alten Ziegelscheune.

Von dem Weg nach Crost­witz geht kurz vor dem Ortsteil Alte Ziegel­scheune der Weg nach Case­ritz ab. Wie es der Zufall will, steht neben dem Wege­stein auch der Flur­grenz­stein zwischen Kuckau und Case­ritz. Auf den Rück­seiten des Wege­steins sind zwei Nischen ausge­hauen, die mitunter ein Teelicht beher­bergen. Wie ich darauf komme? Ich habe eines ange­troffen. An der Südseite ist Crost­witz und wohl Bautzen zu lesen, an der West­seite Kase­ritz und Königs­wartha. Die Entfer­nungen sind auch hier in Stunden ange­geben.

Lehndorf / Lejno

Am östlichen Ende der Lehn­dorfer Gemar­kung geht nach Norden ein Weg nach Nuck­nitz ab. Dort steht ein Wege­stein.

Wegestein in Lehndorf.

Mit Blick nach Osten Rich­tung Prisch­witz und Bautzen sehen wir den Stein neben der Bushalte­stelle. Während man oder frau für den Weg nach Bautzen zwei­einhalb Stunden ein­planen sollte – wobei wir hier wohl von raum­greifenden Männer­schritten aus­gehen sollten –, wird Nuck­nitz in einer Viertel­stunde erreicht. Die anderen drei Seiten ent­halten keine Angaben.

Meilenstein in Lehndorf.

Zwischen Lehn­dorf (im Hinter­grund) und Siebitz schaut das Ober­teil eines sächsi­schen Meilen­steins aus dem Schotter­bett. Sein Fuß ist gut ver­buddelt. Die Angaben auf seiner west­lichen Seite sind noch leid­lich gut lesbar, auch wenn die Entfer­nungs­angaben zu Prisch­witz und Bautzen unvoll­ständig bleiben. Der ursprüng­liche Meilen­stein wurde auf Kilometer­angaben umge­meißelt. Die östliche Seite hin­gegen ist voll­kommen ver­wittert.

Ostro / Wotrow

Am westlichen Dorfrand stehen zwei Wegesteine.

Betkreuz mit Wegestein in Ostro.

Im sorbischen Kern­land könnte frau oder man den Gedanken hegen, wo ein Wege­stein steht, da ist das Betkreuz nicht weit. Es stimmt erstaun­lich oft, aber nicht immer.

Wegestein in Ostro.

Dieses Exemplar scheint aus der frühesten Zeit der Wege­steine zu stammen. Es führt uns an der Ostseite nach Marien­stern (in Pansch­witz) und Jauer sowie nach Kasch­witz und Bischofs­werda. An der Südseite werden Krie­pitz und Elstra genannt. Die Weg­länge wird noch in Stunden oder deren Bruch­teilen berech­net. Die beiden anderen Seiten sind unbe­hauen.

Wegestein bei Ostro.

Wenn wir den Feldweg nach Elstra ein­schlagen, errei­chen wir nach knapp einem halben Kilo­meter einen weiteren Wege­stein, bei dem wir schon sehr gute Licht­verhält­nisse benö­tigen, um seinen Sinn heraus­lesen zu können. Viel­leicht wurde er nur deshalb aufge­stellt, um bei dieser Weg­gabe­lung den rechten Weg nach Krie­pitz zu weisen.

Panschwitz / Panćicy

Der übrig gebliebene Wege­stein steht an einer viel­befahrenen Kreu­zung, bei der sich Kinder mit ihren Fahr­rädern beim Über­queren der Fahr­bahn auf einer schmalen Mittel­insel zwischen die von allen Seiten kommen­den Autos quetschen müssen. Hallelujah!

Wegestein in Panschwitz.

Die schmale und hohe Säule ist auf allen vier Feldern be­schriftet. An der Nordseite geht es nach Thonberg und Kamenz, an der Westseite nach Jauer und Ostro, an der Südseite nach Ostro und – seltsamer­weise nach links – nach Kuckau, und an der Ostseite nach Bisko­witz (Pisko­witz).

Säuritz / Žuricy

In Säuritz stehen an den gegenüber liegenden Dorf­enden zwei Wege­steine. Beide scheinen irgend­eine Art Aufsatz besesäsen zu haben, wovon bei dem einen eine Klammer und bei dem anderen eine Metall­stange kündet.

Wegestein in Säuritz.

Der Wegestein steht am südwest­lichen Dorf­rand und verweist auf seiner Vorder­seite in die vier Orte Gödlau, Elstra, Burkau und Rausch­witz. Auf der Rück­seite steht Burkau, die beiden anderen Flächen tragen keine In- oder Auf­schrift.

Wegestein in Säuritz.

Der Wegestein am nordöst­lichen Dorfende steht an der Verzwei­gung nach Kasch­witz und Glaub­nitz. Es ist zwar noch eine Beschrif­tung an der West- und Südseite zu erahnen, mehr aber nicht. Die beiden anderen Felder waren wohl von Anfang an nicht beschrie­ben.

Schweinerden / Swinjarnja

Am nördlichehen Rand des Dorfes verläuft die Staats­straße von Bautzen (Drei­stern) nach Kamenz. Hier steht der eine Wege­stein. Der andere steht am südlichen Ausgang des Dorfes. Beide Steine sagen aus, sie stammen von 1834. Ent­sprechend ange­griffen sind die eingra­vierten Angaben. Daher stelle ich bei beiden Steinen diese Inschrif­ten und meine Inter­pretation vor.

Wegestein bei Schweinerden.

Die beschrifteten Felder sind an der Süd- und Ostseite. Auf der Nord­seite steht „A. 1834“, die West­seite ist leer geblieben. Im Hinter­grund verläuft der Weg nach Kuckau.

Wegestein Detail Südseite.
Wegestein Detail Ostseite.

Linkes Bild (Südseite): Pfeil nach rechts / Bautzen / 5¾ St. / Pfeil nach links / Marien­stern / ¼ Std. / Camenz / 2[??] Std. – Rechtes Bild (Ostseite): Pfeil nach rechts / Krost­witz / ½ Std. / Links ab / Kuckau / ¼ Std. / Witti­chenau / 4 St.

Wegestein bei Schweinerden.

Die beschrifteten Felder sind an der Süd- und Ostseite. Auf der Nord­seite steht „ANO1834“, die West­seite ist leer geblieben.

Wegestein Detail Südseite.
Wegestein Detail Ostseite.

Das linke Bild (Südseite) gibt Rätsel auf. Die beiden ange­gebenen Orte sollten sich (laut Pfeil) west­lich vom Stein befin­den. Es handelt sich jedoch um Siebitz mit einer halben Weg­stunde und Bautzen, Diese liegen aber östlich des Steines. Wurde der irgend­wann einmal gedreht oder hatte der Stein­metz fehler­haft gear­beitet? – Rechtes Bild (Ostseite): Pfeil nach links / Neuhof / ¼ St. / Bischofs­werda / 3 St. / rechts ab / Kan̅ewitz / ¼ St.

Das Steineparadies

In einem Gebiet zwischen Schwein­erden im Norden, Jiedlitz im Süden, Canne­witz im Westen und Tschasch­witz im Osten mit einem „Zentrum“ bei Neuhof sind noch auf­fällig viele Wege­steine vor­handen. Hier ver­mittelt sich uns eine Ahnung von den Wege­beziehungen des 19. Jahr­hunderts und den damit verbun­denen Wege­kreuzungen und aufge­stellten Wege­steinen. Viel­leicht wurde dies von Ort zu Ort und bei den Amts­hauptmann­schaften unter­schiedlich gehand­habt. Mag sein, daß zu verschie­denen Zeiten und in verschie­denen Regio­nen die Inten­sität der Stein­auf­stellung stark vari­ierte. Doch wenn wir nur diesen Aus­schnitt von etwa fünf Quadrat­kilometern mit seinen elf Wege­steinen betrach­ten, dann bekom­men wir eine Vor­stellung davon, wieviel Hun­derte, gar Tau­sende stei­nerner Stelen einst­mals vor­handen gewesen sein müssen.

Wegesteine rund um Neuhof.

Übersichs­karte Neuhof und Umge­bung. Daten von OpenStreetMap, ver­öffent­licht unter ODbL.

Wir erkennen folgende Wege (die Verlänge­rungeh nicht alle auf der Karte): Von Ostro über Canne­witz nach Siebitz nörd­lich an Neuhof vorbei. Von Schwein­erden nach Jiedlitz west­lich an Neuhof vorbei. Vom Canne­witzer Weg ein Abzweig nach Süd­westen viel­leicht nach Bocka. Von Schwein­erden über Canne­witz nach Ostro. Von Schwein­erden durch Neuhof und weiter nach Klein­hänchen. In Neuhof abzwei­gend nach Tschasch­witz und von dort even­tuell nach Ausch­kowitz, Liebon oder Zisch­kowitz.

Die vier Wege­steine am Nord­rand von Neuhof liegen an der Gemarkungs­grenze von Burkau und Pansch­witz-Kuckau, Sie werden der Einfach­heit halber zusam­men unter Burkau vor­gestellt.

Siebitz / Zejicy

Dieses Siebitz ist zu unter­scheiden vom (auf Deutsch) gleich­namigen Dorf zwischen Seitschen und Bautzen.

Wegestein in Siebitz.

Der Wegestein steht am südlichen Dorf­ende. Als Besonder­heit sind die Anga­ben nicht auf­gemalt, sondern einge­ritzt, und ohne Zeit- oder Entfer­nungs­angaben. Das Feld nach Osten zeigt nach der einen Seite nach Crost­witz und Witti­chenau (?) sowie nach Uhyst und Bischofs­werda auf der anderen Seite. Auf der Nord­seite werden Elstra und Ostro ange­geben. Die beiden übrigen Seiten sind nicht be­schriftet.

Tschaschwitz / Časecy

An der westlichen Dorfaus­fahrt gabelt sich der Weg, weshalb dort ein Wege­stein aufge­stellt wurde. Da dieser den Weg in Stunden angibt, muß es sich um ein recht frühes Exem­plar handeln.

Wegestein in Tschaschwitz.

Angegeben wird der Weg zur Straße nach Uhyst und nach Siebitz, das weiter nörd­lich an der­selben Straße liegt. Die Rück­seite ist nicht be­schriftet.

In der Gemarkung Tschasch­witz steht ein weiterer Wege­stein abseits vom Dorf selbst. Er markiert die Kreu­zung des früheren Weges von Tschasch­witz nach Zisch­kowitz mit der Straße von Paßditz nach Ausch­kowitz. Der Weg­anteil nach Zisch­kowitz ist schon lange unter­gepflügt.

Wegestein bei Tschaschwitz.

Der Wegestein ist nicht mehr be­schriftet. Im Hinter­grund zu erahnen ist die Ring­straße von Zisch­kowitz (links zu denken) nach Ausch­kowitz und dahinter die am Stein bei pas­sender Wind­richtung recht gut vernehm­bare Auto­bahn nach Görlitz.


Puschwitz

Zwischen Crostwitz und Neschwitz liegt Pusch­witz; auch hier liegen einige Steine herum. Puschwitz gehört nicht nur bei derar­tigen Steinen zu den anti­quierten Fossilen. Auch die Demokratie zeigt dort ihr wahres Gesicht. Männer bestimmen, hundert­prozentig. Das war nach den Wahlen von 2014 und 2019 so und hat sich auch 2024 nicht geändert. Daß eine Handwerks­liste nur Hand­werker auf­stellt, war zu erwar­ten. Daß ein Lausitzer Wähler­verein nur aus Männern besteht, aber auch. Das ist kein Erbe der DDR, sondern gelebte dumpf­backige Demo­kratie. Frauen sind – wie in der Sprache – „mit gemeint“, kommen aber, wenn es darauf ankommt, nicht vor. Einfach nur peinlich.

Guhra / Hora

Guhra liegt am Rande der Deponie Wetro und beher­bergt im südöst­lichen Hügel­land einen Wind­park. Das ursprüng­liche Wege­netz ist infolge des Braun­kohlen­abbaus und der nacfol­genden Ver­müllung als Deponie weit­gehend nicht mehr vor­handen.

Fraglicher Wegestein bei Guhra.

Südöstlich des Dorfes kreuzten einst die Wege von Lauske nach Wetro und von Jeßnitz nach Weidlitz. Wie der zuge­hörige Wege­stein ausge­sehen hat, ist unbe­kannt. Sicher könnte ein solcher Fels­brocken dazu gedient haben, aber das wäre eine schon recht unge­wöhn­liche Form. Dagegen spricht auch, daß das Meßtisch­blatt von 1940 den Stein an die Süd­seite gesetzt hat und nicht, wie hier, an die Nord­seite der Kreu­zung. Neben dem Felsen steht das Denkmal für den sorbi­schen Pfarrer und Heimat­forscher Jakub Nowak-Horjanski.

Jeßnitz / Jaseńca

Das Eschendorf verfügr über einen leicht unge­wöhnlich geform­ten und zuge­schnittenen Wege­stein im Ort. An der Straße nach Dober­schütz steht ein weiterer.

Wegestein in Jeßnitz.

Der Stein steht an der Einmün­dung aus Dober­schütz und trägt keine Auf­schriften.

Wegestein bei Jeßnitz.

Nach etwa einem Drittel der Strecke nach Dober­schütz zweigte rechts ein Pfad durch Wiesen und Wälder nach Lomske ab. Der Pfad ist der Land­wirt­schaft gewichen, doch der Stein steht erstaun­licher­weise noch. Funktions­los geworden verrät er nicht mehr, wo es lang geht.

Lauske / Łusč

Der Wegestein in Lauske scheint unsach­gemäß abge­brochen worden zu sein.

Reste eines Wegesteins in Lauske.

Der Fuß steckt noch im Asphalt, aber wo ist der Rest geblie­ben? 2018 war der Stein noch voll­ständig vor­handen. 

Möglicherweise ist dies nicht der originale Standort. Viel­leicht stand der Stein direkt an der Straße nach Crost­witz, denn ein über­eifriger Gläu­biger hat den Weg nach Krost­witz mitsamt Richtungs­pfeil einge­ritzt. Ursprüng­lich war dort – nach rechts gepfeilt – Guhra, Wetro, Pusch­witz und Nesch­witz zu lesen. Mit Pfeil nach links waren die Orte Nuck­nitz, Paß­ditz und Bischofs­werda angebracht.

Neu-Puschwitz / Nowy Bóšicy

Hier steht ein kleineres und nicht mehr lesbares Exemplar von einem Wege­stein. Ein weiterer steht etwa einen Kilo­meter weiter nord­westlich und gehört schon zur Nesch­witzer Gemar­kung Lomske.

Wegestein in Neu-Puschwitz.

Mögliche Hinweise wären nach Dober­schütz, Lomske, Wetro und Pusch­witz gegangen.

Wetro / Wětrow

Im alten Dorf Wetro stehen relativ nahe beiein­ander zwei Wege­steine. Das Dorf ist vom Ton­tagebau und einer Müll­deponie umgeben. Dadurch sind viele alte Wege­beziehungen entfallen.

Wegestein in Wetro.

Der Wegestein in einem kleinen Wäldchen verrät die früheren An­schriften nicht mehr. Im Rücken des Fotog­rafen geht jedoch ein alter Weg nach Nesch­witz ab.

Wegestein in Wetro.

Von der Dorfmitte aus konnten frau und man wohl über Feld­wege nach Guhra, Saritsch oder Weid­litz gelangen. Der Stein scheint von seinem Sockel abge­trennt worden zu sein und steht daher ziemlich schräg im Boden.

Anmerkungen

Am Ende der angeklickten und eingefärbten Anmerkung geht es mit dem Return ( ⏎ ) zum Text zurück.

  1. Caveat: Ich kenne nur die Liste in der Wiki­pedia, nicht das (voll­ständige) Original; dieses ver­steckt sich hinter einem Anmelde­formular. Aller­dings hilft hier auch die zuge­hörige Denkmal­karte weiter.   
  2. Julian Nyca hat den Stein am 30. De­zember 2018 noch unver­sehrt ange­troffen und fotografiert.