Rheinstraße.
Rheinstraße.
Am Truppenübungsplatz.
Am Truppenübungsplatz.
Auf dem Ernst-Ludwigs-Platz.
Zentraler Umstieg am Weißen Turm.
Hirschköpfe.
Bei den Hirschköpfen.
Residenzschloß.
Vor dem Residenzschloß.

Die Straßenbahn in Darmstadt

Aus dem Jahresbericht der Dampfstraßenbahn 1894/95

Ein Dokument

1886 errichtete ein privates Konsortium die ersten beiden Straßenbahn­strecken in die Vororte Eberstadt und Griesheim, denen 1890 eine weitere Strecke nach Arheilgen folgte. Im Grunde handelte es sich um die Schmalspur­ausführung einer dampf­betriebenen Eisenbahn. Alle drei Linien standen in Konkurrenz zur parallel verlaufenden Eisenbahn. Die Stadt Darmstadt sah die inner­städtischen Verkehrs­bedürfnisse des Bürgertums nicht abgedeckt und ließ ein eigenes elektrisches Straßen­bahn­netz aufbauen. Aus der Verschmelzung beider Gesellschaften entstand 1912 die Hessische Eisenbahn Aktien­gesellschaft, kurz HEAG. Die Dampfstrecken wurden elektrifiziert; ein Vorgang, der aufgrund des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden französischen Besatzung Arheilgens und Griesheims erst 1926 abgeschlossen war.

Der Bericht für das Betriebsjahr 1894/95, der hier auszugs­weise wieder­gegeben wird, gibt einige Anhalts­punkte zu den Eckdaten des laufenden Betriebs.


A. Allgemeines.

Die von dem Eisenbahnconsortium Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und Hermann Bachstein in Berlin erbauten und diesem Consortium gehörenden Darmstädter Straßenbahnen, welche aus den Linien

bestehen, sind durch Gründungsakt vom 11. Februar 1895 in den Besitz der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft übergegangen.

Die Linien Darmstadt – Griesheim und Darmstadt – Eberstadt wurden durch Allerhöchste Urkunde vom 5. Mai 1886 concessionirt, in demselben Jahre erbaut und am 30. August 1886 dem öffentlichen Verkehr übergeben. Die Linie Darmstadt – Arheilgen ist am 7. September 1889 concessionirt und am 3. April 1890 in Betrieb genommen worden.

B. Beschreibung der Bahn und ihrer Ausrüstung.

a. Längen-, Richtungs- und Neigungsverhältnisse.

Die Darmstädter Straßenbahnen sind Nebenbahnen untergeordneter Bedeutung mit 1 m Spurweite. Die Linie Darmstadt – Griesheim beginnt in der oberen Rheinstraße in Darmstadt am Großherzoglichen Schloß, führt über den Louisenplatz die Rheinstraße entlang, kreuzt am Rheinthor die Bahnhofsgleise der Main-Neckar-Bahn und benutzt dann die Staatsstraße Darmstadt – Griesheim bis zur Station Griesheim. Bei 4,85 km zweigt von der Hauptlinie ein Gleis von 590 m Länge nach dem Militär­übungsplatz bei Griesheim ab.

Die Länge der Hauptgleise von Gleisende bis Gleisende beträgt 6,908 km.

Die beiden Strecken Darmstadt – Eberstadt und Darmstadt – Arheilgen bilden die durchgehende Linie Eberstadt – Darmstadt – Arheilgen. Die Bahn liegt von Eberstadt bis Darmstadt auf der Chaussee und innerhalb der Stadt in der Heidelberger- und Neckarstraße bis zur Einmündung letzterer in die Rheinstraße. Von hier bis zum Louisenplatz wird das Gleis der Linie Darmstadt – Griesheim mitbenutzt. Die Bahn führt dann über den Mathildenplatz, die Frankfurter Straße entlang am Schlachthof vorüber, kreuzt die Mainz-Aschaffenburger Bahn und kurz darauf das Verbindungsgleis Mainz – Aschaffenburg im Niveau und liegt bis zum Dorfe Arheilgen auf der Staatsstraße. Am Louisenplatz in Darmstadt ist außerdem eine Verbindungscurve eingelegt, wodurch die von Arheilgen kommenden Züge nach der oberen Rheinstraße übergeführt werden können.

Die Länge der Linie Eberstadt – Darmstadt – Arheilgen von Gleisende bis zu Gleisende einschließlich dieser Verbindungscurve beträgt 10,899 km, so daß also die Darmstädter Straßenbahnen eine Gesammtlänge von 18,397 km haben, wobei die gemeinschaftlich von beiden Linien benutzte Strecke von 655 m für jede Linie mit eingerechnet ist.

Von diesen 18,397 km Hauptgleisen liegen

Der kleinste Halbmesser beträgt 30 m, die stärkste Neigung 1 : 45,3 auf einer Länge von 295 m.

b. Oberbau.

Der Oberbau der Bahn besteht in den städtischen Straßen in einer Gesammtlänge von 3,422 km Gleis aus 130 mm hohen Haarmann-Zwillingsschienen, direct auf die Bettung verlegt mit einem Gewicht von 80,225 kg pro Meter Gleis. Auf den übrigen Strecken ist ein eiserner Langschwellen-Oberbau mit 87 mm hoher Vignolschiene und einem Gewicht von 61,82 kg pro Meter Gleis verlegt worden.

c. Stationen und Telephonleitungen.

Die Endpunkte der Bahn, Griesheim, Eberstadt und Arheilgen sind mit Stationsanlagen versehen. Jede Station hat ein Stationsgebäude mit Warteraum und Dienstraum, sowie einen Locomotivschuppen für 2 Stände. In Arheilgen ist außerdem eine Reparaturwerkstatt und ein Wagenschuppen vorhanden. Auf dem Ernst-Ludwigsplatz in Darmstadt ist ein Wärterhäuschen für den dort stationirten Weichenwärter aufgestellt.

Die drei Endstationen, das Wartehäuschen und das Bureau der Direction sind miteinander durch Telephonleitung verbunden.

d. Betriebsmittel.

An Locomotiven sind 7 Stück vorhanden, und zwar 2 Stück 2achsige Tendermaschinen aus der Maschinenfabrik von Kraus in München mit einem Dienstgewicht von 9 Tonnen, 3 Stück 2achsige Tendermaschinen aus der Maschinenfabrik Hohenzollern in Düsseldorf mit einem Dienstgewicht von 14 Tonnen und 2 Stück 2achsige Trambahnmaschinen aus der Maschinenfabrik von Henschel & Sohn in Cassel mit einem Dienstgewicht von 14 Tonnen. [1]

An Personenwagen sind vorhanden:

An Güterwagen besitzt die Darmstädter Straßenbahn 2 Stück 2achsige offen Güterwagen zum Kohlen- und Cokstransport. Sämmtliche Wagen sind von der Waggonfabrik zu Köln-Ehrenfeld, vormals Herbrand & Co., geliefert.

C. Betrieb der Bahn und Betriebs-Ergebnisse.

a. Betriebseinrichtung.

Die Betriebsleitung wird unmittelbar durch die Direction ausgeübt.

An Personal ist vorhanden:

1 Bahnverwalter, 1 Bahnmeister, 1 Zugrevisor, 5 Schaffner, 3 Stations- und 2 Weichenwärter, 1 Werkmeister, 3 Locomotivführer und 3 Heizer 1. Klasse.

Der Fahrscheinverkauf findet im Zuge durch die Schaffner statt. Arbeiter- und Schüler-Wochenkarten werden von den Stationswärtern, Abonnementskarten nur im Bureau der Direction verkauft.

b. Fahrdienst.

Der Fahrdienst ist vom 1. Mai bis 30. September 1894 nach dem Sommerfahrplan und vom 1. bis 30. April 1894, sowie vom 1. October 1894 bis 31. März 1895 nach dem Winterfahrplan durchgeführt worden.

Nach dem Sommerfahrplan verkehrten auf der Linie Darmstadt – Griesheim in jeder Richtung 11 Züge, nach dem Winterfahrplan nur 10 Züge. Auf der Linie Eberstadt – Darmstadt – Arheilgen verkehrten nach dem Sommer- und Winterfahrplan in jeder Richtung 13 Züge, außerdem wurden im Sommer von Darmstadt nach Eberstadt und zurück an den Sonn- und Feiertagen je 3 Sonderzüge befördert.

Die Leistungen der Betriebsmittel und die Betriebsergebnisse sind in den Anlagen enthalten. [2]

Darmstadt im Juni 1895.

Die Direction.