Rheinstraße.
Rheinstraße.
Auf dem Ernst-Ludwigs-Platz.
Zentraler Umstieg am Weißen Turm.
Fasanerie.
Endhaltestelle Fasanerie.
Theatergleis.
Auf dem Theatergleis.
Marktplatz.
Auf dem Marktplatz.

Die Straßenbahn in Darmstadt

Die Verlängerung nach Jugenheim 1936

Was die Zeitungen damals geschrieben haben

1886 errichtete ein privates Konsortium die ersten beiden Straßenbahn­strecken in die Vororte Eberstadt und Griesheim, denen 1890 eine weitere Strecke nach Arheilgen folgte. Im Grunde handelte es sich um die Schmalspur­ausführung einer dampf­betriebenen Eisenbahn. Alle drei Linien standen in Konkurrenz zur parallel verlaufenden Eisenbahn. Die Stadt Darmstadt sah die inner­städtischen Verkehrs­bedürfnisse des Bürgertums nicht abgedeckt und ließ ein eigenes elektrisches Straßen­bahn­netz aufbauen. Aus der Verschmelzung beider Gesellschaften entstand 1912 die Hessische Eisenbahn Aktien­gesellschaft, kurz HEAG. Die Dampfstrecken wurden elektrifiziert; ein Vorgang, der aufgrund des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden französischen Besatzung Arheilgens und Griesheims erst 1926 abgeschlossen war.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg bestanden Pläne, die Straßen­bahn­linien weiter ins Umland zu führen. Ähnlich wie in anderen größeren Städten hätte hiermit ein vernetztes Überland­straßen­bahnnetz entstehen können. Da die Hessische Eisenbahn A.-G. jedoch eine renditebe­wußte Gesellschaft war, bestand sie auf erhebliche Zuschüsse seitens der zu erschließenden Gemeinden. Diese waren jedoch spätestens 1914 und erst recht nach 1918 hierzu finanziell außer Stande. Somit verpufften viele dieser Initiativen, so etwa Linien nach Ober-Ramstadt und eventuell weiter nach Lindenfels, nach Langen und eventuell weiter nach Offenbach, nach Pfungstadt und eventuell weiter ins Ried. Die Ausflugslinie an die Bergstraße hingegen sollte noch, wenn auch nicht im ursprünglich beabsichtigen Ausmaß, Mitte der 1930er Jahre Realitä werden. Am 15. Mai 1936 wurde der Teilabschnitt von Eberstadt nach Seeheim, zehn Tage später die Reststrecke nach Jugenheim in Betrieb genommen. Eine geplante Verlängerung bis Alsbach wurde nicht mehr gebaut.

Ebenfalls nicht zustande gekommen ist die Straßenbahn nach Pfungstadt, von der nur zwei Weichen als Vorleistung belegt sind.


Zeitungsbericht.

Abbildung 1: Der Baubeginn der elektrischen Straßen­bahn an der Bergstraße von Eberstadt nach Jugenheim steht bevor. Quelle: Neuer Griesheimer Anzeiger vom 26. Oktober 1935. Derselbe Artikel erschien auch in der Hessischen Landes-Zeitung vom 25. Oktober 1935.

Zeitungsbericht.

Abbildung 2: Hintergrundbericht zum Straßenbahnbau. Quelle: Hessische Landes-Zeitung vom 26. Oktober 1935, Scan vom Mikrofilm.

Zeitungsbericht.

Abbildung 3: Der Bahnbau von Eberstadt ist in vollem Gange. Quelle: Hessische Landes-Zeitung vom 8. Februar 1936, Scan vom Mikrofilm. Die hier abgebildete Fotografie war auch im Zeitungsoriginal nicht viel besser.

HEAG Bekanntmachung.

Abbildung 4: Bekanntmachung zur Eröffnung der Strecke nach Seeheim und Jugenheim. Quelle: Neuer Griesheimer Anzeiger vom 12. Mai 1936.

HEAG Bekanntmachung.

Abbildung 5: Kryptisch gehaltene Bekanntmachung zu einer Fahrplanänderung. Quelle: Neuer Griesheimer Anzeiger vom 9. Juni 1936.

Die weitere Verlängerung dieser Straßenbahn­strecke nach Alsbach war angedacht.

„Der Weiterbau der Straßenbahn bis Alsbach, zu dem die Vorarbeiten bereits geleistet sind, kann erst später durchgeführt werden. Die Bahn wird, von der Reichsbahn links über die Felder abweichend, die Bickenbacher Straße mit Haltestelle überquerend, bis zur alten Bergstraße weitergeführt. […] Der Kurort Alsbach, der sich mit seinen Villen fast bis zur Höhe des Schlosses ausdehnt, bildet dann mit seiner Haltestelle am Eingang der Bickenbacher Straße den Schluß der aussichtsreichen Straßen­bahnfahrt.“ [1]

Dies würde der vier Jahrzehnte später errichteten Endhalte­stelle Alsbach Beuneweg entsprechen, nur ohne die 1979 erbaute Wendeschleife. 1938 schien der Weg noch frei zu sein für eine baldige Fertigstellung. Dem Landes­pressedienst war zu entnehmen:

„Die Straßenbahn­strecke Darmstadt – Jugenheim wird nunmehr bis Alsbach verlängert. Den Bemühungen der Gemeinde­verwaltung Alsbach ist es gelungen, einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Die Linie, die in halbstündigem Verkehr laufen wird, soll noch in diesem Jahr bis zum ‚Alsbacher Pfirsichfest‘ fertiggestellt werden.“ [2]

Die Genehmigung zum Bau wurde allerdings erst ein halbes Jahr später erteilt. Die Streckeneröffnung hatte bis zum 21. Juli 1939 zu erfolgen. Dazu kam es jedoch nicht mehr, denn ein Angriffskrieg mußte vorbereitet werden. [3]